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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2022

Hat mich nicht vollends überzeugt

"So etwas schreibt man nicht!"
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Autorin Claudia Erdheim ist mir durch ihre (historischen) Romane wie „Betty, Ida und die Gräfin“ oder „Vilma Steindling“ bekannt. Deshalb war ich auf dieses kleine Buch recht neugierig. Meine Erwartungen ...

Autorin Claudia Erdheim ist mir durch ihre (historischen) Romane wie „Betty, Ida und die Gräfin“ oder „Vilma Steindling“ bekannt. Deshalb war ich auf dieses kleine Buch recht neugierig. Meine Erwartungen sind allerdings in eine völlig andere Richtung gegangen. Daher bin ich ein wenig irritiert und enttäuscht.

In drei Essays analysiert Claudia Erdheim, wie Literatur auf die Leser wirken kann. Dabei geht sie recht scharfsinnig und manchmal bissig ans Werk. Die ersten beiden Teile haben mich noch gefangen genommen.

Besonders deswegen, weil Erdheim die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ein wenig übel genommen wird. Manchen Kollegen erscheinen die Kindheitserinnerungen an ihre Mutter als Abrechnung. Und abrechnen mit der eigenen Mutter? „So etwas schreibt man nicht“ - warum denn nicht? Manchmal muss man sich die Erlebnisse einfach von der Seele schreiben.

Beim dritten Teil, der Auseinandersetzung mit Clemens Setz‘ Werk „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ muss ich passen. Ohne das Buch zu kennen, stehen die Betrachtungen ein wenig einsam herum und wirken befremdlich.

Fazit:

Da ich etwas anderes erwartet habe, bin ich mit diesem Buch nicht so recht warm geworden. Daher gibt es 3 Sterne.

Veröffentlicht am 27.03.2022

Ein gelungener Abschluss der Trilogie

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein wilder Tanz
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Polizeiärztin Magda Mehring und ihr Mann Kuno, der Kriminalkommissar, leben nach wie vor in Berlin, das sich nun im Jahr 1924 zu einem Moloch entwickelt hat. Man tanzt den Tanz auf dem Vulkan, schert sich ...

Polizeiärztin Magda Mehring und ihr Mann Kuno, der Kriminalkommissar, leben nach wie vor in Berlin, das sich nun im Jahr 1924 zu einem Moloch entwickelt hat. Man tanzt den Tanz auf dem Vulkan, schert sich wenig um Konventionen und ein Menschenleben ist wenig wert.

Das muss auch Magda wieder feststellen, als eine unbekannte Frau verletzt aus dem Fluss gezogen wird. Als die Frau wenig später ermordet aufgefunden wird, beginnt Magda nachzufragen, denn die Frau hat sich kurz vor ihrem Tod noch bei ihr gemeldet.

Magda und Kuno suchen nach wie vor nach dem kleinen Otto, dem Bruder von Elke, die inzwischen bei Magdas Schwester lebt. Dabei beschreiten sie neue Wege der Kriminalistik, denn sie nehmen von jedem Straßenkind, das ungefähr in Ottos Alter ist, Fingerabdrücke und vergleichen sie mit denen in ihrer noch rudimentären Kartei. Und dann, erinnert sich jemand an ein besonderes Merkmal Ottos. Ist das der Durchbruch?

Meine Meinung:

In diesem Abschlussband der Trilogie begegnen wir wieder den starken Frauen aus den Vorgängerbänden, nicht nur Magda, sondern auch Celia Hinnes-Fahrland, der Journalistin Erika Hausner oder Cläre Hinnes. Allerdings treffen wir noch andere ungewöhnliche Frauen wie die Ärztinnen, die in Afrika gelebt haben. Zu ihnen gibt es eine gesonderte Reihe, die ich näher betrachten werde.

Hinter dem Autorennamen Helene Sommerfeld verbirgt sich ein Duo, das penibel recherchiert und sehr gute Charakterstudien betreibt. Wir Leserinnen konnten sie Entwicklung so mancher Frau, wie zum Beispiel Celia, sehr gut nachvollziehen.

Die bislang offenen Handlungsstränge aus den früheren Bänden werden gekonnt zusammengeführt.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss der Trilogie, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.03.2022

Hat mir gut gefallen

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Der ehrgeizige Journalist Alexander Landmann stößt kurz vor den Jubiläumsfeiern zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in alten Stasi-Akten auf einen Bericht über eine der spektakulärsten Massenfluchten aus ...

Der ehrgeizige Journalist Alexander Landmann stößt kurz vor den Jubiläumsfeiern zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in alten Stasi-Akten auf einen Bericht über eine der spektakulärsten Massenfluchten aus der DDR: In der Nacht von 12. Juli 1983, konnten 127 Menschen durch das Freischalten einer Weiche mit einer S-Bahn-Garnitur in den Westen gelangen.

Landmann, eine große Story witternd, macht sich von Hamburg nach Berlin auf, um den damaligen Stellwerksmitarbeiter Michael Hartung zu suchen.

Hartung, inzwischen Besitzer einer mehr als schlecht gehenden Videothek, lebt in Ostberlin. Er ist eine verkrachte Existenz, denn sein Leben plätschert vor sich hin. Er hat seit der Scheidung keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter und deren Kinder. Hin und wieder erreicht ihn eine Postkarte. Die Kunden bleiben aus, nur Beate hält ihm die Treue.

Als dann Landmann in sein tristes Leben platzt, nimmt er dessen Geld (um die Schulden zu begleichen)zwar zögerlich an, versucht aber, die Fakten richtigzustellen. Denn, eigentlich war alles ganz anders.

Weder Hartung noch Landmann können abschätzen, welche Lawine sie mit dieser Geschichte lostreten ...

Meine Meinung:

Obwohl dieser Roman vom Maxim Leo, der selbst in der DDR aufgewachsen ist, der Unterhaltung dient, schleichen sich leise nachdenkliche Untertöne ein.

„Vielleicht sollten wir damit aufhören, von den Ostdeutschen und von den Westdeutschen zu sprechen. Ich meine, was hat ein Hamburger mit einem Oberbayern zu tun? Und ein Mecklenburger mit einem Sachsen? Wir sollten aufhören, uns gegenseitig zu beschuldigen und zu belehren."

Als Österreicherin kann ich diese Herabwürdigung der ehemaligen DDR-Bürger nur schwer nachvollziehen. Aber obige Zitat gefällt mir sehr gut, denn es trifft den Kern.

Mit spitzer Feder beschreibt Maxim Leo die gegenseitigen Vorurteile, die Befindlichkeiten und die diversen Vertuschungsaktionen der ehemaligen Stasi-Mitarbeiter. Mehrmals musste ich herzlich lachen.

Maxim Leo ist mit diesem humorvollen und satirischen Roman ein ganz wunderbares Buch über die deutsche Wiedervereinigung gelungen.

Die Charaktere sind gut gelungen. Michael Hartung ist ein Antiheld, der eigentlich nur sein Auskommen ohne Höhenflüge haben will. Er ist ein verletzlicher Mensch, der sich nach menschlicher Wärme sehnt.

Fazit:

Diesem Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.03.2022

Vera Horvath ermittelt wieder

Hamdraht
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Dieser Krimi beginnt schon recht interessant: Eine Szene auf einem Boot am Wörthersee in Kärnten weit weg vom Südburgenland und dem Club der grünen Daumen. Wie dieser Prolog mit den späteren Ereignissen ...

Dieser Krimi beginnt schon recht interessant: Eine Szene auf einem Boot am Wörthersee in Kärnten weit weg vom Südburgenland und dem Club der grünen Daumen. Wie dieser Prolog mit den späteren Ereignissen zusammenhängt, wird nach und nach enthüllt. Zunächst fiebert alles der Eröffnung des „Fia Mi“, einem Wellnesstempel entgegen.

Just während der Eröffnungsfeiern wird Sky Dujmovits, eine bekannte Influencerin, tot in der mit Rotwein gefüllten Badewanne gefunden. Grund genug für Journalistin Vera Horvath, ihre Nase in den Mordfall zu stecken, zumal Markus Ortner, ein Kärntner Kollege, eine diffuse Andeutung über die Vergangenheit des Hotelbetreibers Arno Radeschnig macht und mit einem Enthüllungsbuch droht, plötzlich verschwindet.

Meine Meinung:

Nach „Zuagroast“ ist „Hamdraht“ nun der zweite Krimi von Martina Parker, der unter der Bezeichnung „Garten-Krimi“ im Gmeiner-Verlag erschienen ist.
Wie schon im ersten Fall, beginnt jedes Kapital mit kurzen Fakten, diesmal über mehr das Leben in der Unterwasserwelt als im Garten. Das passt zwar zu den „Gedanken einer Wasserleiche“, die regelmäßig bei mir für Schmunzeln sorgt, passt aber weniger zum „Gartenkrimi“.

„Hamdraht“ beschert uns ein Wiedersehen mit zahlreichen Charakteren aus dem Vorgänger. So darf sich auch Veras Mutter wieder in das Leben ihrer Enkelin einmischen und Veras Erziehungsversuche zunichtemachen. Gartenclubmitglied Mathilde darf ihre eigenwilligen Kreationen kochen und Vera setzt ihre on-off-Beziehung mit Tom fort.

Vermisst habe ich die anderen Damen des „Club der grünen Daumen“ und das Garteln an sich. Dieses Abdriften von der ursprünglichen Idee den Gartenkrimis kostet einen Stern.

Gewohnt humorvoll sind die Wortspenden der Einheimischen, die sie wie immer im breiten südburgenländischen Dialekt von sich geben. Doch keine Angst, es gibt hier eine Übersetzung auf Hochdeutsch.

Fazit:

Nicht ganz so locker und spritzig wie der erste Fall, daher gibt es diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 24.03.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Artemis
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Paula, die trotz des Verbotes der Mutter durch den dunklen Park radelt, wird von mehreren Männern brutal vergewaltigt. Sie gibt sich selbst die Schuld und kann über das Verbrechen nicht sprechen.

Während ...

Paula, die trotz des Verbotes der Mutter durch den dunklen Park radelt, wird von mehreren Männern brutal vergewaltigt. Sie gibt sich selbst die Schuld und kann über das Verbrechen nicht sprechen.

Während das Ermittlerduo Rubina Hiller und Simon Peick fieberhaft nach den Tätern suchen, werden wenig später mehrere junge Männer fachmännisch kastriert aufgefunden. Übt hier jemand Rache? Was zunächst eine Fehde zwischen Drogendealern und Asylwerbern vermuten lässt, ändert sich schlagartig, als der Sohn eines honorigen Bürgers ebenfalls seiner Testikel beraubt wird. Was verbindet die Männer außer ihrer Verstümmelung?

Meine Meinung:

Dieses Buch ist der zweite Teil einer Thriller-Reihe und kann unabhängig vom ersten Teil („Asklepios“) gelesen werden.

Der Schreibstil ist fesselnd und erzeugt durchaus Angst beim Lesen. Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Ihre Handlungen sind durchaus nachvollziehbar.
Was zu Beginn das Klischee vom vergewaltigenden Asylwerber zu befeuern scheint, wird später relativiert. Auch deutsche Männer begehen solche Verbrechen an deutschen Frauen. Nur haben sie Macht und Einfluss, um ihre Taten zu verschleiern. Diesen verachtenswerten Personen stehen zahlreiche liebenswerte Persönlichkeiten gegenüber. Hier sind neben den Ermittlern und der Journalistin, die Ärztin und die Krankenschwestern zu nennen, die sich um die Opfer kümmern. Denn, Paula ist nicht die Einzige, die vergewaltigt worden ist.

Die behandelnde Ärztin beschreibt Paulas Zustand mit den Worten „Paula ist ausgelöscht“. Denn von der jungen Frau ist nur mehr eine Hülle übrig geblieben, die sich selbst die Schuld an dem Verbrechen gibt.

Ich habe recht bald eine Ahnung gehabt, wer sich hier auf Rachefeldzug begibt. Doch die Dimension und die Hintergründe haben mich dann doch überrascht. Ich habe einiges über psychische Krankheiten erfahren.

Fazit:

Ein Thriller, der durch zahlreiche unerwartete Wendungen fesselt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.