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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Elsässer Machenschaften
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Major Jules Gabin und seine Freundin, die Untersuchungsrichterin Joanna Laffarge, werden Zeugen eines tödlichen Autounfalls. Der Tote ist der stadtbekannte Klatschreporter Yves Morel. Recht schnell stellt ...

Major Jules Gabin und seine Freundin, die Untersuchungsrichterin Joanna Laffarge, werden Zeugen eines tödlichen Autounfalls. Der Tote ist der stadtbekannte Klatschreporter Yves Morel. Recht schnell stellt sich heraus, dass Morels Bremsleitungen manipuliert worden sind - also Mord. Wem ist Morel mit seinen unangenehmen Aufdeckergeschichten auf die Zehen getreten? Vielleicht Chloé, der bekannten Youtuberin, die sich auf dem Gelände der Storchenfarm mit ihrem Schickimicki-Wohnmobil breitgemacht hat?

Da die Mordkommission in Colmar personell unterbesetzt ist, wird Sandrine Ungerer aus dem Dezernat für Suchtgifte kurzfristig ins Team geholt. Sie ist, wie sich bald herausstellt eine Bereicherung.

Während Jules und Sandrine die Ermittlungen aufnehmen, macht sich Lino, ein pensionierte Gendarm, so seine eigenen Gedanken und beginnt seinerseits mit Undercoverrecherchen.

Doch Yves Morel wird nicht der einzige Tote bleiben.

Wird es den beiden Teams, dem offiziellen und dem inoffiziellen gelingen, die Hintergründe der Morde aufzudecken?

Meine Meinung:

Ich kenne jetzt noch nicht alle Vorgänger und weiß daher noch nicht, warum Jules Gabin von Rebenheim, wo vier andere Fälle spielen, nach Colmar gezogen ist. Doch die Verbindungen nach Rebenheim sind ja nicht abgerissen, wie die Einmischung von Lino zeigen.

Dem Autor ist es gut gelungen, einen spannenden, verzwickten Krimi zu schreiben, bei dem es zahlreiche Verdächtige gibt. Der Tote war eben kein besonders liebenswürdiger Zeitgenosse. Doch gibt das Einem das Recht, ihn zu töten?

Es gibt zahlreiche Spuren, die anfangs Erfolg versprechend, letztendlich im Sand verlaufen. Erst recht spät fällt der sprichwörtliche Groschen und Jules Gabin muss zu einer List greifen, um den Täter zu entlarven.

Neben den bereits bekannten und den neu hinzugekommenen Personen, spielen die Stadt Colmar und ihre Umgebung sowie der Storchenpark eine Rolle. Und ja, die Störche sorgen zum Abschluss noch für eine Überraschung.

Fazit:

Eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe rund um den sympathischen Commissaire Major Jules Gabin. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 22.05.2022

Im Schatten des berühmten Bruders

Miss Dior
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Dieses Buch zeichnet das Leben von Catherine Dior, der Schwester von Modeschöpfer Christian Dior nach.

Wie es bei Geschwistern berühmter Persönlichkeiten üblich ist, kann deren Leben nicht isoliert betrachtet ...

Dieses Buch zeichnet das Leben von Catherine Dior, der Schwester von Modeschöpfer Christian Dior nach.

Wie es bei Geschwistern berühmter Persönlichkeiten üblich ist, kann deren Leben nicht isoliert betrachtet werden. Auch hier ist das der Fall. Catherine Dior wurde 1917 als Ginette Dior geboren. Nach dem Verlust des Vermögens 1929 und dem Tod der Mutter 1931 übersiedelt der Rest der Familie nach Callien, einem kleinen Ort nahe Cannes.

1941 begegnet Ginette, nunmehr Catherine, dem Mitbegründer der Résistance Hervé des Charbonneries. Obwohl Hervé verheiratet ist und drei Kinder hat, trifft beide der „coup de foudre“ (Liebe auf den ersten Blick). Durch ihn schließt sie sich dem Kampf für die Befreiung Frankreichs von der Besetzung durch die NS-Diktatur an. Im Juli 1944 wird sie mit anderen Résistance-Mitgliedern von der Gestapo verhaftet, gefoltert und ins Frauenlager Ravensbrück deportiert. Nach mehreren Stationen wird sie gemeinsam mit anderen KZ-Häfltingen im Mai 1945 in der Nähe von Dresden durch die amerikanischen Truppen befreit.
1952 ist sie Zeugin der Anklage beim Tribunal gegen die NS-Verbrecher.

Catherine Dior stirbt hochbetagt am 17. Juni 2008.

Meine Meinung:

Ursprünglich sollte die Autorin Justine Picardie eine neue Biografie über Christian Dior schreiben. Doch je länger sie sich mit der Familie beschäftigt hat, desto mehr war sie von seiner Schwester fasziniert. Herausgekommen ist dieses interessante Buch. Auch wenn im letzten Drittel der Fokus wieder stärker auf Christian und seine Kreationen gelegt wurde, ist das Buch Catherines Biografie. Die Autorin hat zahlreiche Schauplätze besucht, durfte im Familienarchiv stöbern und zahlreiche private Fotos hier veröffentlichen.

Nach den Erlebnissen im KZ kann man gut verstehen, dass Catherine ihrem Bruder den Platz im Vordergrund überlässt und lieber im Hintergrund arbeitet. Sie züchtet Rosen, die auch für die Parfumerzeugung verwendet werden.

Der Schreibstil ist angemessen und angenehm. Der Leser taucht tief in die Geschichte der Besetzung Frankreichs durch die NS-Truppen ein und erlebt den Kampf der Französinnen und Franzosen gegen Hitler-Deutschland.
Im Anhang finden sich interessante Angaben zu den Quellen.

Fazit:

Eine gelungene Biografie Catherine Diors, der Schwester die im Schatten ihres Bruders stand. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.05.2022

Der längste Krieg und keine Frieden in Sicht

Afghanistan
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Als die Taliban nach Abzug der westlichen Truppen Afghanistan Ende August 2021 das Land wieder in Besitz genommen haben, haben sich viele Menschen gefragt ob den Beteuerungen, der neuen, alten Herrscher ...

Als die Taliban nach Abzug der westlichen Truppen Afghanistan Ende August 2021 das Land wieder in Besitz genommen haben, haben sich viele Menschen gefragt ob den Beteuerungen, der neuen, alten Herrscher Glauben geschenkt werden darf, dass u.a. Frauenrechte beachtet und eingehalten würden. Die Pessimisten haben recht behalten - nichts von den vollmundigen Versprechungen ist eingehalten worden.

Rund 100 Tage nach der Machtübernahme ist die deutsche Journalistin Natalie Amiri nach Afghanistan gereist, um sich ihr eigenes Bild von der Lage der Bevölkerung zu machen. Dabei liegt ihr Fokus natürlich insbesondere auf den Frauen.

Was Natalie Amiri und viele andere befürchtet haben, ist eingetroffen: Mit medienwirksamen Auftritten angeblich gemäßigter Taliban haben sie den Westen eingelullt, um weiterhin Hilfsgelder zu bekommen. Die zugesagten Rechte für Frauen und Mädchen für Arbeiten und Schulbesuch, sind drastisch eingeschränkt worden. Tausende Frauen verloren innerhalb weniger Tage ihre Jobs und dürfen nur mehr verschleiert und in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds auf die Straße. Mädchen ist der Schulbesuch nur für wenige Jahre erlaubt.
In diesem Buch verleiht Natalie Amiri allen jenen Afghaninnen und Afghanen eine Stimme. Sie erklärt auch, warum der Westen (und zuvor die Russen) so kläglich versagt haben.

Die Autorin hat ungeachtet der Gefahr in der sie selbst schwebte, zahlreiche Fahrten durch das zerstörte Land unternommen, Dutzende BewohnerInnen getroffen und ihnen genau zugehört.

Fazit:

Mit diesem umfassenden Bild von Afghanistan verleiht sie den Afghaninnen und Afghanen, die nicht den Taliban angehören, eine Stimme. Möge sie gehört werden. Gerne gebe ich diesem wichtigen Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.05.2022

Von Gipfelsiegen und Tragödien

Das ist doch der Gipfel
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Dieses gediegen ausgestattete Buch erzählt die Anfänge des Bergsteigens. Berge und besonders die Alpen sind Barrieren, die es zu überwinden gilt, wenn man vom Norden in den Süden und umgekehrt will. Man ...

Dieses gediegen ausgestattete Buch erzählt die Anfänge des Bergsteigens. Berge und besonders die Alpen sind Barrieren, die es zu überwinden gilt, wenn man vom Norden in den Süden und umgekehrt will. Man überquert sie auf Saumpfaden, Karrenwegen und mehr oder weniger ausgebauten Straßen. Der Zweck ist immer ein pekuniärer - Handel. Die Sagen der Gebirgsbewohner sind voll von Monstern, Berggeistern und Drachen, die alle jene, die abseits der Pfade wandeln, den Tod finden lassen. Ab dem 18. Jahrhundert ändert sich das Bild: Künstler, Kartografen und auch Literaten wagen neben unerschrockenen Pionieren den Weg in die Höhe. Nicht mehr der kürzeste (Handels)Weg über den Berg zählt, sondern der Gipfelsieg.

Andreas Lesti, Journalist, Germanist und begeisterter Alpinist schildert nun in 15 Porträts wie sich die Berge von Orten des Schreckens zu den heute von Touristen überlaufenen Sehnsuchtsorten entwickelten.

Der Bogen spannt sich vom bretonischen Schiffsjungen und späteren Arzt Belsazar Hacquet, der ab 1775 zahllose Gipfel in den Westalpen bezwang, dabei Gehzeiten, Geländeschwierigkeiten und die Naturschönheiten beschrieb. Somit kann man ihn als einen der ersten Bergführer bezeichnen. Völlig unbedarft, blauäugig und unzureichend ausgerüstet („Halbschuhtourist“) erklimmt Johann Wolfgang von Goethe im November (!) 1779 das Furkajoch, versinkt dort hüfthoch im Schnee, ständig bedroht durch Lawinen und hat mehr Glück als Verstand, dass er dieses Abenteuer unbeschadet übersteht.

Dann dürfen wir Alexander von Humboldt auf einer seiner Forschungsreise, die ihn u.a. Auf den Teide und den Chimborazo führt, begleiten. Die Expeditionen der österreichischen Brüder Schlagintweit nehmen uns in den 1850er Jahren mit nach Nordindien, wo die Brüder in fast drei Jahren nicht nur 30.000km zurücklegen, sondern auch neue Höhenrekorde aufstellen. Allerdings sammeln/rauben sie wahllos und obsessiv Artefakte, deren Auswertung unterblieben ist.

Doch nicht nur wagemutige Männer besteigen die Berge. Lesti berichtet über die Amerikanerin Meta Brevoort, die sich gemeinsam mit ihrem Hund Tschingel, ein Duell um den Gipfelsieg am Matterhorn mit der Engländerin Lucy Walker liefert. Am 21. Juli 1871 ist es soweit - Good old Europe siegt!
Die herausragendste Bergsteigerin ist jedoch die Polin Wanda Rutkiewicz, die in den 1980er Jahren endgültig in die Männerdomäne des Gipfelstürmens einbricht. Bis 1992 erklimmt sie acht der 14 Achttausender. Beim Besteigen des Kangchendzönga verunglückt sie auf 8300m tödlich.

Dann erfahren wir, warum Skirennen in Japan so populär sind: Theodor von Lerch, dessen Namen in den Alpen kaum wer kennt, hat den Skilauf 1910 in den kleinen Ort Takata gebracht, der nun als Wiege des japanischen Skilaufs gilt.

Spannend und berührend auch das Interview mit Norman Dyrenfurth (1918-2017), jenen Bergsteiger, der noch Hermann Buhl oder Sir Edmund Hillary persönlich gekannt hat.

»Am Ende ergibt sich ein Bild von den Alpen der Gegenwart, das ohne die Helden der Vergangenheit nicht verständlich wäre.«

Fazit:

Das Buch ist wegen seiner gediegenen Ausstattung - Leinencover und Lesebändchen - ein tolles Geschenk nicht nur für Bergfexe. Das Titelbild zeigt übrigens eine Postkarte des Mont Blanc aus dem 19. Jahrhundert. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.05.2022

Fakt oder Fake?

Fast ein Idyll
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Susanne Falk erzählt in 30 Kurzgeschichten Anekdoten, die so oder so ähnlich vielleicht stattgefunden haben könnten.

Den Reigen eröffnet Kaiser Franz Joseph, der auf einer seinen zahlreichen Jagden möglicherweise ...

Susanne Falk erzählt in 30 Kurzgeschichten Anekdoten, die so oder so ähnlich vielleicht stattgefunden haben könnten.

Den Reigen eröffnet Kaiser Franz Joseph, der auf einer seinen zahlreichen Jagden möglicherweise einen Flügeladjudanten erschossen haben könnte, was natürlich vertuscht worden ist. Dann dürfen wir über andere Prominente wie Thomas Mann oder Max Schmeling lesen. Manchmal, wie bei Erwin Schrödinger entpuppt sich der Name erst auf den letzten Zeilen, weil es sich die Geschichte aus der Jugend handelt.

Wer schon eine Biografie über Josephine Baker gelesen hat, wird wissen, dass sie eine Vorliebe für exotische Tiere hatte. Einem davon begegnen wir auch hier.

Natürlich darf auch das charismatischste Liebespaar der Welt, MM und JFK nicht fehlen.

Der Kreis der Promis schließ sich wieder, wenn wir Kaiser Franz Joseph und Katharina Schratt beim Verspeisen eines Gugelhupfs zusehen.

Meine Meinung:

Der Autorin gelingt es, mit Halb- oder Viertelwahrheiten ihren Lesern ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern, angesichts der aktuellen Weltlage eine gar nicht so einfache Sache.

Es bleibt viel Raum, um darüber zu spekulieren, was nun Fakt oder doch nur Fake ist.

Mir hat diese Idee sehr gut gefallen. Bei manchen G’schichteln habe ich allerdings den Eindruck, sie schon irgendwo gelesen/gehört zu haben. Also doch echt?

Das Buch eignet sich ob seiner gediegenen Ausstattung (Hardcover plus Lesebändchen) als perfektes Mitbringsel.

Fazit:

Gerne gebe ich diesen mit viel Charme und Witz erzählten Kurzgeschichten 4 Sterne.