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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2020

Was geht auf der Burg der Lichttempler vor sich?

Die Richterin und der Kreis der Toten
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Schauplatz Languedoc, Südfrankreich:

Dass Journalist Luc Maille bei einem mysteriösen Autounfall stirbt, überrascht eigentlich niemanden, denn er ist mit seinen investigativen Berichten vielen auf die ...

Schauplatz Languedoc, Südfrankreich:

Dass Journalist Luc Maille bei einem mysteriösen Autounfall stirbt, überrascht eigentlich niemanden, denn er ist mit seinen investigativen Berichten vielen auf die Zehen getreten. Doch wie passt der Selbstmord seiner Halbschwester hier ins Bild?

Nachdem Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt und Team ihre Arbeit aufgenommen haben, entdecken sie weitere Todesfälle, die so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen: Zwei ältere Damen, die in der Seniorenresidenz verstorben sind, der junge Physiker Christian, der einem Raubmord zum Opfer gefallen sein könnte und der Apotheker, der seine Frau immer wieder betrügt.

Auf den ersten Blick sind kaum Gemeinsamkeiten zu erkennen. Doch bei näherem Hinsehen, deutet alles in die Richtung des „Ordre du Temple de la Lumiere“. Sind die „Lichttempler“ eine Sekte, die sich in einem historischen Gemäuer breit gemacht haben? Was genau geht hinter den Mauern der Burg vor sich? Und was hat es mit dem charismatische Guru, der aussieht wie Jim Morrison, auf sich?

Meine Meinung:

Der Fall ist verzwickt und es dauert ein bisschen, bis die Handlung Fahrt aufnimmt, doch sind alle Informationen notwendig, um sich ein Bild von den Umständen zu machen. Zur besseren Orientierung wählt die Autorin zwei Erzählperspektiven. Nämlich einmal die des toten Journalisten, der uns mittels Tagebucheintragungen die Hintergründe beleuchet und andererseits die Perspektive der Ermittler.

Wie in den beiden Vorgängern ist Mathilde de Boncourt im weitesten Sinne persönlich betroffen. So sind die beiden betagten Damen, die in der Seniorenresidenz verstorben sind, Freundinnen der Haushälterin. Außerdem erliegt ihre Tante dem charismatischen Jim-Morrison-Verschnitt und quartiert sich im Gästehaus der Burg ein.

Der Schreibstil ist lebendig und zeichnet sich durch Kenntnisse der Gegend aus. Historische Details werden unaufgeregt den Lesern nahe gebracht. Eine besondere Bedeutung kommt dem Blick auf die diversen Sekten und ihren Anführern zu, die in der Vergangenheit ihre Anhänger manipuliert haben.

Die Charaktere haben alle so ihre Ecken und Kanten. Und dass Mathilde gegen ihre Nikotinsucht ankämpft, ist glaubhaft geschildert.

Ein bisschen habe ich Martin vermisst, dem diesmal nur eine kleine Rolle zugedacht war.

Fazit:

Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt ermittelt in einem verzwickten Fall bei einem mysteriösen Orden, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2020

Hat mir nur mäßig gefallen

Ave Vinum
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Dieser Krimi ist der 7. aus der Reihe rund um den Sternekoch Julius Eichendorff. Für mich ist es der erste.

Julius Eichendorff ist, wie es sich für einen Koch gehört, kugelrund und - zum Leidwesen seiner ...

Dieser Krimi ist der 7. aus der Reihe rund um den Sternekoch Julius Eichendorff. Für mich ist es der erste.

Julius Eichendorff ist, wie es sich für einen Koch gehört, kugelrund und - zum Leidwesen seiner Frau Anna, ein beinahe schon routinierter Hobby-Detektiv.

Diesmal muss er sich mit einem Unwetter, das das Ahrntal verwüstet und mehreren Toten sowie einer etwas dämlichen Wette auseinandersetzen. Zusätzlich hat sich auch noch Schwiegermutter Sibylle in seinem Haus breitgemacht.

Wird Eichendorff unbeschadet aus dem Schlamassel hervorgehen?

Meine Meinung:

Der Krimi soll wohl turbulent sein. Mir sind die vielen Handlungsfäden, die nicht zum Kriminalfall gehören, ziemlich auf den Nerven gegangen. Die unglückselige Wette mit seinem Freund und Konkurrenten Antoîne habe ich noch amüsant gefunden, die Schwiegermutter nur degoutant. Die überschreitet jegliche Grenze des Anstands und der Privatsphäre, wenn sie Julius beim Duschen zu sieht und entsprechende Kommentare abgibt. Nein, dass ist weder witzig noch bringt das die Krimi-Handlung weiter.

Völlig unglaubwürdig auch die Naturkatastrophe, die das Ahrntal unter Wasser setzt und Eichendorff, seine Mitarbeiter und alle anderen Leute fahren kreuz und quer durch die Gegend.

Interessant finde ich die Informationen zum Weinbau bzw. Julius‘ Gedanken über seine kulinarischen Köstlichkeiten. Das Getue um seine Hühner ist wieder ein wenig schrullig, fast schon ins Lächerliche abgleitend.

Der Schreibstil ist flott und flüssig. Ob ich noch einen Krimi dieser Reihe, vielleicht den ersten, lesen werde? Nun, da bin ich mir noch nicht sicher. Es gibt einige Krimis, die spannender und weitaus glaubwürdiger sind.

Fazit:

Hat mir nicht so gut gefallen, daher nur 2 Sterne

Veröffentlicht am 30.04.2020

Eine unbedingte Leseempfehlung

Die Welt der Stoffe
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Kassia St. Clair widmet sich in diesem Buch einem der ältesten Gewerbe der Menschheit: Dem Herstellen von Stoffen.
Sie spannt den Bogen von der urzeitlichen Bevölkerung in deren Höhlen bis hin zum Hightech-Gewebes ...

Kassia St. Clair widmet sich in diesem Buch einem der ältesten Gewerbe der Menschheit: Dem Herstellen von Stoffen.
Sie spannt den Bogen von der urzeitlichen Bevölkerung in deren Höhlen bis hin zum Hightech-Gewebes von heute, das seinem Träger beinahe schon das Denken abnimmt.

In folgenden 13 Kapiteln geht die Autorin den Pflanzenfasern, den Tieren, die Fäden spinnen und den Menschen, die diese verarbeiten nach:

01 Fasern in der Höhle
02 Leichentücher
03 Geschenke und Pferde
04 Städte durch Seide erbaut
05 Drachenschiffe
06 Lösegeld für einen König
07 Diamanten und Halskrausen
08 Solomons Jacken
09 Extreme Schichten
10 Fabrikarbeiter
11 Under Pressure
12 Schneller, besser, weiter
13 Das goldene Cape

Dabei verwebt sie mit schönen Worten und penibler Recherche Geschichten und G’schichteln zu einem eindrucksvollen Sachbuch. Obwohl ich schon einiges über das Spinnen oder das Weben weiß, bin ich fasziniert über die Erkenntnisse, die die Autorin hier zusammengetragen hat. Denn, Hand aufs Herz, wer weiß schon, dass die Wikinger ihre Drachenschiffe zum Teil mit Segeln aus Schafwolle bestückt haben? Eben!

Neben archäologischen Funden, Lyrik aus dem antiken China, mittelalterlichen Aufzeichnungen etc. kommen auch Tagebuchaufzeichnungen von Robert Falcon Scott, Mount Everest-Bezwingern oder einer französischen Zwangsarbeiterin, die für ihre Zugehörigkeit zur Resistance in einer der zahlreichen deutschen Fabriken schuften musste, die Chemie-Fasern herstellten.

Die Geschichte der Stoffe ist auch die Geschichte der Frauen, die oft unter denkbar schlechten Bedingungen die Rohstoffe verarbeitet haben oder - siehe Bangladesh - dies auch heute noch tun.

Fazit:

Ein faszinierender Einblick in die Welt des Webens und Wirkens, das ich unbedingt empfehle. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2020

Ein satirischer EInblick in die Kärntner Seel

Ins Astloch gemurmelt
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Was macht ein gebürtiger Steirer in Kärnten?
Er beobachtet die Menschen in seiner Wahlheimat und macht sich manchmal mit feinsinnigen Humor über sie lustig. Die Außensicht, auch wenn nach 18 Jahren Kärnten-Aufenthalt ...

Was macht ein gebürtiger Steirer in Kärnten?
Er beobachtet die Menschen in seiner Wahlheimat und macht sich manchmal mit feinsinnigen Humor über sie lustig. Die Außensicht, auch wenn nach 18 Jahren Kärnten-Aufenthalt schon ein wenig abgenutzt, lässt den Autor sich nach wie vor über so manche Eigenheiten staunen.

Dabei macht er weder vor liebgewonnen Gewohnheiten noch vor Politikern Halt. Einfach genial!

Seine klugen und satirischen Gedanken aht er in sechs Kategorien zusammengefasst, die da sind:

Von Heimat und dem, was davon übrig ist
Von Kunst, Kultur und so Sachen
Von Politik, Gesellschaft und anderen lästigen Dingen
Von Bildung, Religion und anderen Glaubensfragen
Von Menschen und anderen Tieren
Zu guter Letzt

Die Texte werden durch gelungene Zeichnungen von Heinz Ortner unterstützt.

Fazit:

Dieses kleine Buch, das im Klagenfurter Wieser-Verlag erschienen ist, hat mich mit seinen pointierten Texten bestens unterhalten. Gern gebe ich hier 5 Sterne - auch als Geschenk eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 30.04.2020

Eintauchen in das Wien von 1876

Donaumelodien - Praterblut
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Bastian Zach entführt uns für seinen Krimi in die Metropole der Donaumonarchie um 1876. Allerdings nicht zu reich und schön, sondern eher zu jenen Bewohner Wiens, die nicht auf der Butterseite des Lebens ...

Bastian Zach entführt uns für seinen Krimi in die Metropole der Donaumonarchie um 1876. Allerdings nicht zu reich und schön, sondern eher zu jenen Bewohner Wiens, die nicht auf der Butterseite des Lebens angekommen sind. Die meisten von ihnen halten sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser oder arbeiten in den zahlreichen Ziegelwerken im Süden der Stadt. Und so mancher verdingt sich als Illusionist wie Hieronymus Holstein, der als „Geisterfotograf“ seinen Lebensunterhalt verdient.

Schlimmer, so glaubt Hieronymus Holstein, kann es nicht mehr kommen, als er mit einem mächtigen Brummschädel neben einer weiblichen, über zugerichteten Leiche aufwacht. Er kann aus dem Etablissement entkommen, dennoch kommt es schlimmer: Denn es gibt zwei weitere tote Frauen. Auch diese Morde werden alle dem selben Täter zugeschrieben, von dem es einen Steckbrief gibt, der Holstein schon ein wenig ähnelt.

Weit gefährlicher als die Polizei, sind die beiden, eigentlich miteinander verfeindeten, Praterunternehmer Tschermak und Kupka. Denn zwei der toten Frauen sind ihre Töchter.

Holstein erhält eine Woche Frist, den wahren Täter zu finden. Nicht viel Zeit für die Ermittlungen, wenn man beinahe auf sich alleine gestellt ist, und von der Polizei gesucht wird. Doch glücklicherweise steht der „bucklige Franz“ zur Seite.

Die Suche nach einer Frau, die seine Unschuld beweisen könnte, führt Holstein in eine andere, eine großbürgerliche Welt. Dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt, findet der sympathische Fotograf recht schnell heraus.

Erst als Hieronymus die Frage, was denn die drei ermordeten Frauen verbindet, lüftet sich der Schleier ein wenig. Jetzt gilt es „nur“ noch, den Mörder zu überführen.


Meine Meinung:

Bastian Zach hat mit diesem historischen Krimi die Welt von 1876 wieder auferstehen lassen. Es ist das Wien drei Jahre nach der Weltausstellung, die nicht allen den erhofften Geldsegen gebracht hat. So mancher Spekulant ist nicht so reich geworden, wie erhofft.

Mit Hieronymus Holstein, dem „Buckligen Franz“ und der resoluten Anezka Svoboda hat der Autor liebenswerte Charaktere geschaffen.
Jede dieser Figuren hat ein Schicksalpäckchen zu tragen, wobei Franz, durch sein körperliches Gebrechen wohl am meisten zu leiden hat. Natürlich ist auch Hieronymus‘ Liebeskummer nicht zu unterschätzen und der Cliffhanger am Ende, des überraschenden Finales, lässt auf einen zweiten Band hoffen.

Interessant ist über die Polizeiarbeit der damaligen Zeit zu lesen. Da wurden Verdächtige schon mittels Ohrfeigen, Knopfnüssen und sonstiger Gewalt zu Geständnissen genötigt. Dass die, in diversen Klubs und Geheimbünden untereinander vernetzte Gesellschaft, glaubt es sich richten zu können, ist auch nichts Neues.

Gut gelungen sind die Streifzüge durch das alte Wien. Die Ringstraße und ihre Prachtbauten sind noch nicht überall fertiggestellt.

Wir begegnen einer echte Wiener Koryphäe: dem Arzt Carl von Rokitanksy, der hier als Pathologen auftritt. Weiters erhalten wir Einlass in das Palais Rasumofsky im dritten Bezirk, um an einer Festlichkeit teilzunehmen und am Schottenring Nr. 11, dort wo heute das Hotel Plaza steht, erhob sich damals die Polizeidirektion. Alles sehr gut recherchiert. Ein klitze-kleiner Fehler ist Autor dennoch unterlaufen: Die beschriebene Augartenbrücke heißt erst seit 1929 so. Zur Zeit, in der der „Mädel-Hacker“, wie der Mörder von den Zeitungen genannt wird, sein Unwesen getrieben hat, heißt die Brücke „Maria Theresien-Brücke“, ist sie doch die Verlängerung der gleichnamigen Straße.

Das Cover passt auch perfekt zu Titel und Zeit. Man sieht das Riesenrad mit all seinen Wagons. Nach dem Brand im Zweiten Weltkriegs hat man ja aus Kostengründen nur jeden zweiten Wagon wiederhergestellt.

Fazit:

Ein gelungener Krimi aus dem Wien um 1876, in der Zeit, in der nicht alles aus Gold war, was glänzte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.