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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2020

Tulpen - grandios in Szene gesetzt

Tulpen
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So grandios die verschiedenen Tulpen fotografiert wurden, so enttäuschend ist der Text.
Das Buch bietet gerade einmal ein etwas längeres Vorwort, das allerdings von niemand geringerem als Sir Elton John ...

So grandios die verschiedenen Tulpen fotografiert wurden, so enttäuschend ist der Text.
Das Buch bietet gerade einmal ein etwas längeres Vorwort, das allerdings von niemand geringerem als Sir Elton John stammt, sonst sind lediglich ein paar (17!) Gedankensplitter verstreut. Das Vorwort ist immerhin zweisprachig (deutsch/englisch), die meist nur vierzeiligen Gedanken nur auf englisch.

Die Fotografien sind künstlerisch hochwertig und wirken manchmal wie ein Gemälde. Ich hätte gute Lust, das Buch zu zerschneiden und das ein oder andere Bild gerahmt an die Wand zu hängen. Doch dafür ist es zu schade und teuer.

„Fragile, pink tulips
bow in reverence,
to face the evening sun“


„Zarte rosa Tulpen
verneigen sich in Ehrfurcht
Richtung Abendsonne“

So werden pinkfarbene Tulpen, die in eine Richtng drapiert, fotografiert wurden, beschrieben (S.8).

Fazit:

Ein wahrer Augenschmaus für Tulpenliebhaber, aber bei sowenig Text, kann ich nicht mehr als 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 26.04.2020

EIn opulenter hist. Roman

Die Gärten der Frauen
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Autor Peter Prange nimmt uns mit in das Osmanische Reich, das man am Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts den „Kranken Mann am Bosporus“ nennt. Das Reich ist, ähnlich wie die Donaumonarchie, ein Vielvölkerstaat, ...

Autor Peter Prange nimmt uns mit in das Osmanische Reich, das man am Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts den „Kranken Mann am Bosporus“ nennt. Das Reich ist, ähnlich wie die Donaumonarchie, ein Vielvölkerstaat, in dem seit langem brodelt.

Fat(i)ma und Eliza leben in einem kleinen Dorf und sind Freundinnen, obwohl die eine Muslima und die andere eine christliche Armenierin ist. Ihr heimliches Treffen rettet den Mädchen das Leben, als kurdische Reiter das Dorf niederbrennen und die Menschen ermorden.

Einige Jahre später finden sie sich im Harem des Sultans wieder. Fatima ist zu einer schönen jungen Frau herangereift, deren erklärtes Ziel ist, dem Sultan zu gefallen. Dafür setzt sie allerlei Listen ein. Eliza hat außer ihrem blonden Haar und einer außerordentlichen Stimme wenig Anziehendes zu bieten und fristet ein wenig beachtetes Leben als Arbeitssklavin im Serail. Das ändert sich, als sie durch einen Aufschrei ein Attentat auf den Sultan verhindert. Sie steigt zur Vorleserin auf, während Fatima dem Sultan einen Sohn schenkt. Womit beide nicht rechnen, sind die Intrigen der Sultansmutter und seiner anderen Konkubinen.
Die Situation eskaliert, als die Türkei an der Seite von Deutschland in den Ersten Weltkrieg eintritt und in Folge der Niederlage, der Sultan abgesetzt wird. Für die beiden Frauen ändert sich das Leben radikal ...

Meine Meinung:

Wie ich es von Peter Prange gewohnt bin, ist dieser historische Roman penibel recherchiert. Er nimmt sich verschiedener Themen an: Das durchaus privilegierte Leben im Palast des Sultans, auch wenn es mit der Einschränkung der persönlichen Freiheit einhergeht, den politischen Intrigen ebenda, dem Völkermord an den Armeniern, der bis heute nicht von allen als Genozid anerkannt wird und dem Bündnis mit Deutschland im Ersten Weltkrieg.

Sprachlich ist das Buch ein wahrer Genuss. Wir folgen dem Autor in ein Märchen von 1000 und einer Nacht mit allen Intrigen und Befindlichkeiten der dort isolierten Personen. Wir erleben zahlreiche Gräueltaten von der Kastration junger Knaben bis hin zur Rebellion gegen den Sultan. Das Leben im Harem sowie die Unterdrückung von Eunuchen und Frauen ist überzeugend dargestellt.

Das Buch ist fesselnd geschrieben, auch wenn so manche Idee oder Handlungsstrang ein bisschen offen bleibt. Die Szenen mit der Flötenmelodie, die Eliza in der Menagerie des Sultans immer wieder hört. Sie ist für mich ein wenig das Symbol für die Freiheit. Der Flötenspieler verschwindet als Eliza des Palastes verwiesen wird. Immer wieder gelingt es Eliza nur durch pure Zufälle drohenden Übergriffen zu entkommen. Dass sie der Deportation und der Ermordung entkommt, wird für mein Empfinden ein wenig zu stark ausgewalzt und wirkt unglaubwürdig.

Tja, die Rolle die Fatima gemeinsam mit ihrem Mann Taifun spielt, ist von Hass und Rache geleitet. Fatima denkt keine Sekunde nach, ob die Geschichten, die ihr über Eliza erzählt werden stimmen oder nicht. Sie schließt sich dem allgemeinen Vorurteil und dem Hass auf die armenische Volksgruppe an.

Die Charaktere sind Gestalten voller Widersprüche, Zerrissenheit, Begierden und Schwäche.

Gegen Ende des Buches zu habe ich den Eindruck, dass hier auf Betreiben des Verlages (?) gekürzt worden ist. Die Handlung scheint nicht mehr ganz konkludent zu sein.


Fazit:

Für diesen opulenten historischen Roman gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.04.2020

Dieser Reihenauftakt hat mich nicht überzeugt

Das Grab im Médoc
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Nach elf Bänden mit Commissaire Lagarde in der Normandie ist nun der Auftakt für eine neue Krimi-Reihe erschienen.

Statt des Genießers Philippe Lagarde ermittelt Madame le Commissaire Pauline Castelot. ...

Nach elf Bänden mit Commissaire Lagarde in der Normandie ist nun der Auftakt für eine neue Krimi-Reihe erschienen.

Statt des Genießers Philippe Lagarde ermittelt Madame le Commissaire Pauline Castelot.

Pauline Castelot ist Sonderermittlerin, die dann zum Einsatz kommt, wenn es um Cold Cases oder sonstige heikle Fälle geht. Sie darf überregional agieren. Das heißt, der Leser darf sich auf verschiedne Schauplätze in Frankreich freuen.

Diesmal ermittelt Castelot und ihr Team in heimischer Umgebung, in Bordeaux. Zahlreiche Weingüter sind in der jüngsten Vergangenheit von Dieben heimgesucht worden, die - wie auf Bestellung - ausgesuchte, meist teure Wein stehlen. Bei einem dieser Einbrüche wird ein Mann der Sicherheitsfirma angeschossen, wenig später der Weinbauer Armand ermordet. Ein Zusammenhang mit den Diebstählen scheint zweifelhaft, denn Armand wird niedergeschlagen und lebend in einen Brunnenschacht geworfen.
Als dann einige Tage später eine Frau skurril drapiert tot auf einem Weinberg nächst dem Weingut von Armand gefunden wird, scheint es eine heiße Spur zu geben ...

Meine Meinung:

Ich habe mich auf diese neue Reihe gefreut, doch leider bin ich enttäuscht worden. Der Krimi ist nur ein müder Abklatsch der Reihe um Philippe Lagarde. Es dauert gut 100 Seiten bis das nötige „Personal“ vorgestellt wird. Diesmal gibt es viel zu viele Personen, die hier eine kleine oder größere Rolle spielen. Die privaten Zores der Ermittler werden beinahe gleichzeitig aufgedeckt.
Ich mag zwar den Schreibstil mit der detaillierten Beschreibung von Schauplatz, Kulinarik und Menschen, aber diesmal bin ich der vielfältigen Details überdrüssig. Es bringt die Handlung überhaupt nicht weiter, ob das Polo des Ermittlers blau oder grün ist oder welcher Wein als Apero serviert wird.

Die Arbeitsauffassung lässt diesmal auch etwas zu wünschen übrig. Obwohl sich gerade eine neue, vielversprechende Spur auftut, machen die vier Ermittler einfach Feierabend und gehen gemütlich gemeinsam essen. Aufgefallen ist mir, dass das Quartett öfters gemeinsam in einem Auto unterwegs sind. Wie ungewöhnlich!

Der Fall selbst ist jetzt auch nicht so rasend spannend. Das Motiv für die Morde enthüllt sich erst spät und wird meiner Ansicht nach - im Vergleich zu den Diebstählen oder den kulinarischen Beschreibungen - viel zu kurz behandelt.

Die Figuren, ob gut oder böse, bleiben blass und eindimensional.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich einen möglichen zweiten Fall für Pauline Castelot lesen werde. Schade, dieser Reihenauftakt hat nicht überzeugt.

Fazit:

Dieser Reihenauftakt hat mich nicht überzeugt, daher nur knapp 3 Sterne.

Veröffentlicht am 24.04.2020

Ein guter Überblick

Eine kurze Geschichte der RAF
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Wer kennt sie nicht, die Namen der berüchtigten Baader-Meinhof-Bande?

Mit diesem Buch geht der Autor auf die Geschehnisse ein, wie es zur Gründung der RAF kam, wie die Wege in den Terror aussahen und ...

Wer kennt sie nicht, die Namen der berüchtigten Baader-Meinhof-Bande?

Mit diesem Buch geht der Autor auf die Geschehnisse ein, wie es zur Gründung der RAF kam, wie die Wege in den Terror aussahen und was man unter erster, zweiter und dritter Generation der RAF versteht. Er geht auf die zentralen Figuren der Terror-Gruppe ein, beschreibt deren Ansichten und Ziele.

Historiker Sven Felix Kellerhoff zeichnet den blutigen Weg der Terroristen detailliert nach, deren erklärtes Ziel, den Rechtsstaat zu vernichten, Deutschland Jahrzehnte lang in Angst und Schrecken versetzt hat.

Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Behörden und Politiker hier kräftig versagt haben. Einzig Helmuth Schmidt so scheint es, hat sich nicht erpressen lassen.

Als Österreicherin, die zu jener Zeit in der Hans Martin Schleyer ermordet wurde, noch ein Kind war, kannte ich bislang nicht alle Verbrechen. Die Entführung von Walter Palmers zur Geldbeschaffung hat sich mir allerdings ins Gedächtnis eingebrannt, habe ich doch in dieser Zeit im selben Haus wie einer der Entführer gewohnt.

Die von den Medien und Anhänger Baader-Meinhofs lancierten erfundenen Geschichten der „Vernichtungshaft“ waren mir jetzt neu, denn irgendwann habe ich mich aus dieser Welt des Terrorismus ausgeklinkt.

Kellerhoff ist es sehr gut gelungen, auf diesen rund 200 Seiten die Geschichte der „Roten Armee Fraktion“ kompakt darzustellen.
Interessant finde ich, dass die RAF genauso antisemitisch eingestellt war, wie das Establishment, gegen das sie gekämpft haben.

Vermisst habe ich die im Vorwort angekündigte Beschäftigung mit den Opfern.

„Lange galt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vor allem den Tätern, den Mitgliedern der RAF, aber kaum ihren Opfern. Dabei waren die weitaus meisten Toten und Verletzten dieses blutigen Irrwegs ganz normale Leute: Polizisten, Fahrer, Angestellte.“

Wieder hat die RAF die größere Rolle eingenommen. Ich hätte mir zumindest im Anhang eine Liste der Opfer erwartet. Sie werden zwar im Text durchaus namentlich genannt, gehen aber dort leider unter.

Das Buch lässt sich flüssig lesen und stellt ein Stück Deutscher Geschichte anschaulich und interessant dar. Sachlich, ohne den Voyeurismus legt Kellerhoff die Tatsachen auf den Tisch.

Fazit:

Wer einen Überblick über die Geschichte der RAF, die von Gewalt und Terror geprägt war, gewinnen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Die fehlende Opferliste kostet den 5. Stern.

Veröffentlicht am 24.04.2020

Kunstraub und Raubkunst

Kunst und Verbrechen
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Das Autoren-Duo, die Kunstexperten Stefan Koldhoff und Tobias Timm. nehmen sich in diesem Buch eines brisanten Themas an: Kunst & Verbrechen.

Sie geben in folgenden Kapitel einen Überblick über Kunstdiebstähle, ...

Das Autoren-Duo, die Kunstexperten Stefan Koldhoff und Tobias Timm. nehmen sich in diesem Buch eines brisanten Themas an: Kunst & Verbrechen.

Sie geben in folgenden Kapitel einen Überblick über Kunstdiebstähle, Geldwäsche, Fälschungen und folgen den Spuren so mancher kriminellen Organisation. Dass Kunstraub keine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, wird ebenfalls dargestellt.

Licht und Schatten - ein Vorwort
Kapitel 1 - Gestohlen, geraubt, entführt
Kapitel 2 - Das Verschwinden des Originals
Kapitel 3 - die zerstörte Kulturgeschichte
Kapitel 4 - Wenn Diktatoren sammeln
Kapitel 5 - Kunstanlage als Betrug
Kapitel 6 - Schmutziges Geld und saubere Kunst
Und die Konsequenten?

Die Autoren gehen allerdings nicht nur mit den Räubern und/oder Fälschern hart ins Gericht, sondern vor allem mit deren Auftraggebern. Seien es Diktatoren, die auf „Kunstsinnig“ machen und daher leichte Beute für Kriminelle werden oder jene Neureiche, die ihr Einkommen gerne an der Steuer vorbei gewinnbringend anlegen wollen.

Dort wo viel Geld im Spiel ist, weil es leicht zu bekommen ist, ist das organisierte Verbrechen nicht weit. Nur so lange Menschen gewillt sind, so aberwitzige Summen für Kunst zu bezahlen, wird sie herbeigeschafft. Allerdings habe ich für die Leute, die um viel Geld einer Fälschung aufgesessen sind, kein Mitleid. Man könnte Vermögen auch anderwertig ausgeben - für mehr Bildung oder Forschung.

Die Autoren sprechen echten oder selbst ernannten Sachverständigen nicht von der Schuld frei, mit aberwitzigen Summen für echte oder vermeintlich echte Kunstgegenstände zu jonglieren. Auch Galeristen, Kunsthändler und/oder Museumsdirektoren bekommen ihr Fett ab.

Die Autoren berichten über die spektakulärsten Kriminalfälle und prangern die oft sehr laxen Sicherheitsvorkehrungen in (staatlichen) Museen an. Manchmal wirkt die Aufzählung der Fälle ein wenig unstrukturiert. Das macht aber das Buch nicht weniger spannend.

Nach „Selbstporträt“ (Wolfgang und Helene Beltracchi) und „Der Nazi und der Kunstfälscher“ (Edward Dolnick) mein drittes Buch über Kunstraub bzw. Fälschungen in kurzer Zeit.

Fazit:

Raubkunst und Kunstraub - ein weitverzweigtes Business, dem schwer beizukommen ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.