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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Entscheidung in Spanien
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Der Beginn des Spanischen Bürgerkrieg am 17. Juli 1936 jährt heuer zum 90. Mal und ist kein Grund zum Feiern, sondern eher einer zum Innehalten, zumal diese blutigen Jahre und ihre nachfolgende Geschichte ...

Der Beginn des Spanischen Bürgerkrieg am 17. Juli 1936 jährt heuer zum 90. Mal und ist kein Grund zum Feiern, sondern eher einer zum Innehalten, zumal diese blutigen Jahre und ihre nachfolgende Geschichte noch nicht zur Gänze aufgearbeitet worden sind. Nach wie vor gibt es Familien, die nicht wissen, in welchem der noch unbekannten Massengräbern ihre Liebsten verscharrt oder wohin ihre Kinder verschleppt worden sind.

Mir ist zwar einiges über den Spanischen Bürgerkrieg bekannt, sei es aus Sachbüchern (Uwe Wittstock, Florian Illies et al.) oder sei es aus Biografien (Carlos Collado Seidel) oder historischen Romanen (Arturo Pérez-Reverte) doch dieses Buch von Paul Ingendaay erweitert mein Wissen beträchtlich.

Nach Vorspann und Prolog gliedert Paul Ingendaay sein Buch wie folgt in vier Kapitel, die den vier Kriegsjahren entsprechen und noch in weitere Unterkapitel unterteilt sind, die einzelne Ereignisse örtlich und zeitlich genau auflisten. Dabei werden Gräueltaten auf beiden Seiten nicht ausgespart.

Eins - 1936
Zwei - 1937
Drei - 1938
Vier - 1939

Das Buch endet mit einem Epilog, der sich mit Picassos monumentalem Bild „Guernica“ beschäftigt sowie einem Abspann, der die weiteren Lebensdaten zahlreichen Beteiligten auf beiden Seiten aufzählt. Ergänzt wird dieses umfassende Werk zum Spanischen Bürgerkrieg mit zahlreichen Fotos und Landkarten.

Der Autor verschweigt weder die abwartende Haltung Frankreichs und Großbritanniens noch Hitlers und Mussolinis Rollen bei der Unterstützung der Faschisten, die ihnen als Blaupause für den Zweiten Weltkrieg dient, den Hitler am 1. September 1939 beginnt.

Den Titel „Entscheidung in Spanien“ finde ich recht gut gewählt, den Untertitel „Der große Kampf der Literatur 1936 - 1939“ weniger. Ja, es haben zahlreiche Schriftsteller wie die Manns (mit Texten von der sicheren Schweiz aus) oder vor Ort mit Waffen, Ernest Hemingway, George Orwell, OrsonWells oder Simone Weil in den internationalen Brigaden gekämpft, doch auch Journalisten und Fotografen wie Robert Capa & Gerda Taro und Martha Gellhorn haben ihren Anteil.

Das Cover gefällt mir nicht wirklich, da es auf mich viel zu friedlich wirkt und der Tragödie keine Rechnung trägt. Hier hätte ich einen blutroten Hintergrund und eine zerbombte Stadt und/oder Flugzeuge besser gefunden. Ich denke, das wurde im Verlag diskutiert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Buch, das den Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, das ganz unüblich aus der Sicht der Verlierer betrachtet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die letzten Tage der Diktatur
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Die Flensburger Historikerin Svenja Falk nimmt ihre Leserinnen und Leser, ähnlich wie Volker Ullrich, auf eine fesselnde Zeitreise in die letzten Tage der NS-Diktatur mit. Während Ullrich in seinem Buch ...

Die Flensburger Historikerin Svenja Falk nimmt ihre Leserinnen und Leser, ähnlich wie Volker Ullrich, auf eine fesselnde Zeitreise in die letzten Tage der NS-Diktatur mit. Während Ullrich in seinem Buch (Acht Tage im Mai) die Tage zwischen 30. April und dem 8. Mai 1945 beleuchtet, erstreckt Svenja Falk ihren Beobachtungszeitraum bis zum 23. Mai 1945. In beiden Büchern werden unzählige zeitgleich stattfindende, dabei aber oft gegenläufige Ereignisse, die auf Grund ihrer Absurdität fast schon zum Schmunzeln verleiten, zu einer Gesamtdarstellung zusammengeführt.

Svenja Falk hat in zahlreichen deutschen und britischen Archiven nach offiziellen und privaten Dokumenten gegraben. Dabei hat sie einige interessante, der Öffentlichkeit noch nicht so geläufige Ereignisse entdeckt.

Flensburg ist die Drehscheibe von zahlreichen Personen, die unterschiedlichsten Interessen nachgehen. Da sind vor allem jene abertausenden Flüchtlinge aus dem Osten, die vor den russischen Truppen fliehen, die Nazis, die versuchen, sich über die nördliche Rattenlinie abzusetzen, Wehrmachtsangehörige und Soldaten von Sondereinheiten, gestrandete Fremd- und Zwangsarbeiter, die noch nicht wissen, ob und wie sie in ihre Heimatländer zurückkehren werden können, sowie Spione und Namen, die nur wenig später wichtige Funktionen im neuen Deutschland inne haben werden (z.B. Reinhard Gehlen (1902-1979) als Chef des Bundesnachrichtendienstes).

Kopfschütteln musste ich über Großadmiral Karl Dönitz, der - gemäß des letzten Willens Hitlers und trotz der bedingungslosen Kapitulation - sich als legitimer Regierungschef der letzten NS-Regierung inszeniert. Es scheint, als hätte er noch nicht mitbekommen, dass für Seinesgleichen im Deutschland ab 1945 außer auf der Anklagebank kein Platz mehr sein wird. Staunen ist auch den Alliierten gegenüber angebracht, die diese eigenartige Inszenierung von Dönitz & Co zunächst einmal dulden und zugleich die wissenschaftliche Elite herausfiltern, um ihr Knowhow für eigene Zwecke einzusetzen, obwohl einige den Ideen des NS-Unrechts-Regime mehr als nahe gestanden haben. Dazu hat Svenja Falk erstaunliche Zahlen zu Tage gefördert.

Das Buch ist sehr gut strukturiert, was auf das chronologisch angeführte Kalendarium zurückzuführen ist. Als Beispiel sei der 30. April 1945 angeführt:

Hitlers Erbe
Warum Dönitz?
Die Verschlüsselungsmaschine Enigma im Einsatz
Von der „schwarzen Propaganda“ zu ersten deutschen Nachrichtendienst
„Rattenlinie Nord“
Spione, die zu spät kommen
Berlin fällt
Flucht im letzten Moment
Heinrich Himmlers Führungsanspruch

Wie die Autorin schon in der Einleitung schreibt, soll hier die Geschichte nicht neu geschrieben werden, sondern die Ereignisse zwischen dem 30. April und 23. Mai 1945 mit den Augen der Flensburgerinnen und Flensburger, deren Stadt relativ unbeschadet aus dem Krieg hervorgegangen ist, erzählt werden. Zudem dient das Buch allen jenen, die, so wie sie, über sich selbst schreibt, bislang wenig über die Geschichte ihrer Heimatstadt während des NS-Regimes erfahren haben, als Einstieg in weitergehende Literatur.


„Das Alte hatte seine Ordnungskraft verloren, das Neue war noch nicht gefestigt.“ (S. 13)

Fazit:

Gerne gebe ich diesem sehr gut strukturierten Buch, das sich sehr gut lesen lässt, zahlreiche Abbildungen sowie eine gute Auswahl an Quellen bietet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Schatten der Vergangenheit

Tod auf Hohenzollern
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Wolfgang Kramer, seines Zeichens Schlossermeister und so etwas wie das Mädchen für alles auf der Burg, findet seinen Freund Sebastian tot in der Schlosskapelle. Schnell sind alle, außer Wolfgang, davon ...

Wolfgang Kramer, seines Zeichens Schlossermeister und so etwas wie das Mädchen für alles auf der Burg, findet seinen Freund Sebastian tot in der Schlosskapelle. Schnell sind alle, außer Wolfgang, davon überzeugt, dass es sich hier um einen unglücklichen Unfall handeln muss, ist doch Basti, wie er von allen genannt wird, ein langjähriger Alkoholiker.

Doch bei näherem Hinhören kommen langsam leichte Zweifel auf, ist doch erst vor Kurzem ein anderen Mann aus Wolfgangs Freundesrunde gestorben. Also beginnen der Schlossermeister und seine Tochter Hannah in Bastis Leben zu schnüffeln und fördern nicht nur einen Kreditvertrag sondern weitere Familiengeheimnisse zu Tage, die besser unentdeckt geblieben wären.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist mein erster von Yvette Eckstein. Tja, der Emons-Verlag kann mich immer noch mit bislang unbekannten Autorinnen und Autoren überraschen.

Der Prolog, der im Zweiten Weltkrieg spielt, macht auf mögliche Zusammenhänge in der Gegenwart neugierig. Yvette Eckstein beschreibt die Atmosphäre auf dem Stammsitz der Hohenzollern bildhaft. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass Wolfgang ständig etwas zu reparieren hat. Allerdings herrscht seitens des Betreibers der Burg sowohl Wolfgang gegenüber als auch im Burgrestaurant ein rauer Befehlston, den ich mir als Wolfgang längst verbeten hätte.

Das Finale, das ich jetzt nicht näher ausbreite, überrascht ein wenig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verknüpft, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine Leseempfehlung

Und sie schenkten ihnen ein Zuhause
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Die Wiener Autorin Beate Maly hat unter ihrem Pseudonym Laura Baldini wieder einen gut gelungenen historischen Roman verfasst. Diesmal erzählt sie die Geschichte von Anna Freud und ihren War Nurseries. ...

Die Wiener Autorin Beate Maly hat unter ihrem Pseudonym Laura Baldini wieder einen gut gelungenen historischen Roman verfasst. Diesmal erzählt sie die Geschichte von Anna Freud und ihren War Nurseries. Geschickt verquickt sie dabei reale Ereignisse und echte Personen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Zudem spannt sie den Bogen in das Jahr 1986 als Rose nach dem Tod ihrer Mutter Claire entdeckt, dass diese adoptiert worden ist. Roses Großmutter hüllt sich beharrlich in Schweigen.

Doch gemeinsam mit ihrer Freundin, der Buchhändlerin Julia und dem Lehrer Matthew, dessen Familie nun in einem jener Häuser, in denen damals Kriegswaisen untergebracht waren, lebten. Neugierig geworden, tauchen Rose und Matthew in die schier unglaubliche Lebensgeschichte von Claire ein.

Dazu entführt uns die Autorin zunächst in das Wien von 1938 wo Helene Moser, Charlotte Böhm und Lili Schmidt in der von Anna Freud gegründeten Jackson-Kindergruppe am Wiener Rudolfsplatz Kinder betreuen und ihre Verhaltensweisen studieren. Während Helene und Lili gerade noch die Ausreise nach London gelingt (und Lili weiter nach Amerika emigrieren kann), schafft es Lotte nicht, Wien zu verlassen. Sie wird später in das KZ Theresienstadt und anschließend nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wird.

Helene arbeitet zunächst bei Anna Freuds War Nurseries, jenen Betreuungsstellen, in denen Kinder von berufstätigen Frauen tagsüber und recht bald Kriegswaisen rund um die Uhr betreut werden. Als London bombardiert wird, werden die Kinder in das Umland wie z.B. nach Brighton evakuiert und Helene zieht mit der Kindergruppe aufs Land.
Nach Kriegsende werden rund 300 Kinder, die in den diversen Konzentrationslagern entdeckt worden sind, nach Großbritannien gebracht. Nach wenigen Monaten Aufenthalt, unter anderem in Anna Freuds Institutionen, wird ein Großteil von britischen Familien adoptiert. Eines dieser Kinder ist ein kleines, namenloses Mädchen von ungefähr zwei Jahren, das Helene zur Betreuung übernimmt. Sie nennt das Mädchen Charly, zur Erinnerung an ihre Freundin Charlotte. Am liebst würde sie das Mädchen selbst adoptieren. Doch als unverheiratete Frau, die noch dazu in einer heimlichen Lebensgemeinschaft mit einer anderen Frau lebt, ist ihr eine Adoption verboten. Als auch Charly Adoptiveltern findet, bricht Helene beinahe das Herz.

Meine Meinung:

Wie Beate Maly im Nachwort erzählt, hat sie von den War Nurseries anlässlich einer Vortrags erfahren und intensive Recherchen zu diesem Thema angestellt. Mir ist grundsätzlich das Hilfsprogramm für jüdische Kinder, die aus Nazi-Deutschland und Österreich nach Großbritannien evakuiert und damit gerettet worden sind, bekannt. Dass man Kinder, die das KZ Theresienstadt überlebt haben, ebenfalls nach Großbritannien gebracht hat, wusste ich bis lang nicht.

Beate Malys Schreibstil fesselt wie üblich. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Rose (1986), Helene und Lotte (NS-Zeit), wodurch der Spannungsbogen hoch gehalten wird. Die Autorin findet die richtigen Worte, besonders dort, wo das Grauen des KZ-Alltags beschrieben wird.

Da Beate Maly eine fundierte Ausbildung im Bereich der frühkindlichen Pädagogik hat, weiß sie worüber sie schreibt. Anna Freuds Engagement und Lehren werden bis heute leider nicht so gewürdigt, wie das Werk ihres Vaters, Sigmund Freud. Mit Anna Freud werde ich mich in Zukunft noch weiter beschäftigen, versprochen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der ein eher unbekanntes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs behandelt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Hat mich leider nicht überzeugt

Der Vater meiner Tochter
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Mit diesem Roman von Nenad Veličković bin ich nicht wirklich warm geworden. Zum einem liegt es wohl am Schreibstil, zum anderen an dem Protagonisten, der mir als ein zutiefst unglücklicher Mensch erscheint. ...

Mit diesem Roman von Nenad Veličković bin ich nicht wirklich warm geworden. Zum einem liegt es wohl am Schreibstil, zum anderen an dem Protagonisten, der mir als ein zutiefst unglücklicher Mensch erscheint. Nun, das ist wohl nicht ganz verwunderlich, denn er hat den Bosnien-Krieg erlebt. Zwar musste er selbst keinen einzigen Schuss abgeben, scheint aber dennoch oder gerade deswegen traumatisiert. So laviert er durch sein Leben, hadert mit seiner Ehe, ist unzufrieden mit seinem Job als Werbetexter, den er für sinnlos hält und kündigt. Sein großer Traum ist es, Schriftsteller zu werden, der ebenso wenig wie jener, seine ehemalige Kollegin anzugrapschen, in Erfüllung gehen wird.

Es scheint als wäre sein aufgeweckte kleine Tochter das einzig Positive in seinem Leben.

Meine Meinung:

Dieser Roman ist bereits 2002 erstmals erschienen. Möglicherweise hätte mich dieses Buch, dessen Protagonist ein Mann, der den Bosnien-Krieg (1992 - 1995) erlebt hat, vor mehr als 20 Jahren mehr angesprochen, als die Auswirkungen des Krieges auf die Männer noch frisch sichtbar waren. Jetzt wirkt das Buch nur depressiv auf mich. Wahrscheinlich bräuchte der Ich-Erzähle therapeutische Hilfe. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es erstens eine solche gibt und zweitens, dass er sie annehmen könnte.

Die Dialoge mit der vorwitzige Tochter haben mir ja noch ganz gut gefallen, die mit seiner Frau schon sehr viel weniger. Die beiden Eheleute haben sich sichtlich wenig bis nichts zu sagen. Während er für die kleine Tochter ein neues Bett kaufen will, strebt sie eine Generalsanierung der Wohnung an. Auch die Gedankensprünge und Fantastereien des Ich-Erzählers haben mich nicht mitgerissen.

Fazit:

Ich finde diesen Roman ziemlich depressiv und kann mich mit dem Ich-Erzähler leider gar nicht anfreunden. Daher reicht es gerade einmal für 2 Sterne.