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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2018

Gut zu lesender Urlaubskrimi

In Schönheit sterben
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Dies ist der zweite Kriminalfall in den Robert Lichtenwald, der Münchner Anwalt in der Toskana verwickelt wird. Die temperamentvolle Journalistin Giada Bianchi ersucht ihn, ein paar unauffällige Recherchen ...

Dies ist der zweite Kriminalfall in den Robert Lichtenwald, der Münchner Anwalt in der Toskana verwickelt wird. Die temperamentvolle Journalistin Giada Bianchi ersucht ihn, ein paar unauffällige Recherchen zum Tod des reichen römischen Kunstsammlers Annebale Colasanti anzustellen, sehr zum Missfallen von Maggiore Donatella Lagana von der Abteilung zur Aufklärung von Kunstdiebstählen. Die Polizei ist einer internationalen Bande von Grabräubern auf der Spur und kann Laienermittler wie Bianchi und Lichtenwald so gar nicht brauchen.
Ist der Tod des Kunstsammlers ein Kollateralschaden? Und wie passt das plötzliche Verschwinden der bildschönen Rubina Mori vor vielen Jahren dazu?

Meine Meinung:

Ein toller Urlaubskrimi, der einen die bezaubernde Landschaft der Toskana und die staubige Schwüle der Hauptstadt Rom näherbringt.

Der Schreibstil ist locker und flüssig. Dazu passen die kulinarischen Genüsse und eingestreute italienische Redewendungen.

Die Charaktere entwickeln sich ein bisschen weiter. Robert hängt nach wie vor an seiner Ehefrau Stefanie, die ihn verlassen hat. Die taucht prompt zum ungünstigsten Zeitpunkt in der Toskana auf. Wieder nichts mit einem trauten Abend für Robert und Giada! In denke in einem dritten Band wird sich die Sache beschleunigen, denn Stefanie will die Scheidung.

Mein früher Verdacht hat sich bestätigt. Doch mir macht das nichts aus, wenn ich den Täter schon bald entlarve. Ich finde es immer interessant, ob die Ermittler einen ähnlichen Ansatz wie ich haben.

Fazit:

Ein gut zu lesender Urlaubskrimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 18.09.2018

opulent und fesselnd erzählt

Land im Sturm
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Der für seine fesselnden historischen Romane bekannte Autor Ulf Schiewe beschenkt seine Leser wieder mit einem opulenten knapp 1.000 Seiten umfassenden Werk.
In fünf Epochen wird an Hand miteinander ...

Der für seine fesselnden historischen Romane bekannte Autor Ulf Schiewe beschenkt seine Leser wieder mit einem opulenten knapp 1.000 Seiten umfassenden Werk.
In fünf Epochen wird an Hand miteinander verknüpfter Familiengeschichten das Werden Deutschlands erzählt.
Die fünf Zeitabschnitte sind:

• Die Ungarn
• Die Wenden
• Der große Krieg
• Napoleon und Preußen
• Revolution

Der zeitliche Bogen spannt sich von 995 n. Chr. bis zur Revolution 1848. Wir erhalten Einblick in die verschiedenen Stände, lernen die Willkür der Adeligen kennen und begeben uns häufig auf Kriegsschauplätze.

Gleich zu Beginn gerät ein ungarischer Säbel in die Familie des Schmiedes Arnulf, der Generation für Generation weitergegeben wird.

Wir lernen auch Familienmitglieder, ob adelig oder nicht, kennen, die es mit der Wahrheit und dem Einhalten des 8. Gebotes (Du sollst nicht stehlen) nicht ganz so eng sehen. So basiert der Reichtum der Familie Fischer von 1848 auf einem Diebstahl von früher.
Auch das Vermögen derer von Billung hat mit dem Entwenden einer Regimentskasse zu tun.

Meine Meinung:

In seinem unnachahmlichen, bildhaften Schreibstil können die Leser den Schlachtenlärm und das Schreien der Verwundeten hören. Der Geruch von Lagerfeuern, abgefackelten Gebäuden und letztlich der Lokomotiven ziehen sich durch die Geschichte. Der ungarische Säbel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Deutschlands, die ja durchwegs eine Aneinanderreihung von Kriegen ist. Ganz subtil wird hier historisches Wissen vermittelt. Der Leser, der in der dramatischen Geschichte gefesselt ist, merkt das im Allgemeinen fast gar nicht.

Die Charaktere der einzelnen Protagonisten sind liebevoll gestaltet. Sie alle haben ihre Ecken und Kanten, manchmal echte Macken. Wir erleben diese Figuren in einem bestens recherchierten historischen Kontext, der einen besonderen Einblick in die jeweilige Lebensart gibt. Vom kleinen Schmied auf einer Burg bis hin zum Großindustriellen reicht die Spannweite.

Sehr gut gefällt mir, dass die Frauengestalten teilweise ziemlich aufmüpfig sind. Sie lassen sich wenig bieten – weder vom Ehemann noch von der Herrschaft. Einige nehmen ihr Leben selbst in die Hand und pfeifen auf Konventionen. Hier ist besonders Gisela Fischer zu erwähnen, die obwohl Tochter des reichen Fabrikanten 1848 mithilft, Barrikaden zu bauen.

Fazit:

Ein opulenter historischer Roman, der die Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 18.09.2018

Eine Hommage an alle wagemutigen und wissensdurstigen Frauen

Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen
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Dieses Buch beschreibt in Kurzporträts den Werdegang von 50 Wissenschaftlerinnen. Beginnend mit Hypatia, die um 400 n. Chr. lebte über Sibylla Maria Merian und Lise Meitner bis hin zu Maryam Mirzakhani ...

Dieses Buch beschreibt in Kurzporträts den Werdegang von 50 Wissenschaftlerinnen. Beginnend mit Hypatia, die um 400 n. Chr. lebte über Sibylla Maria Merian und Lise Meitner bis hin zu Maryam Mirzakhani spannt sich der Bogen von Frauen, die in den sogenannten MINT-Studien oder in der Medizin Bahn brechendes geleistet haben.

Allen ist gemeinsam, dass es ihnen die Gesellschaft nicht immer leicht gemacht hat.

Meine Meinung:

Das Buch ist aus dem Amerikanischen übersetzt und hält sich auch in der Aufmachung und Illustration sehr eng an das Original. Die etwas psychedelischen Zeichnungen sprechen vermutlich 10 bis 12-jährige Mädchen an.
Mehrere kurze Überblicke wie “Meilensteine“ (S.32), „Laborgeräte“ (S.61) oder „Statistik“ (S. 84) ergänzen das Buch.

Leider muss ich diesmal einiges kritisieren:

Beim Kapitel Statistik ist ein Fehler passiert: Hier habe zwei unterschiedliche Diagramme dieselbe Überschrift. Dadurch geht die Aussage völlig verloren. Schade!

Da die Autorin Amerikanerin ist, überwiegen natürlich amerikanische Frauen. So ist mit Walentina Tereschkowa nur eine einzige Russin zu finden. Immerhin sind einige afro-amerikanische Pionierinnen zu finden.
Auch die Quellenangaben sind sehr spärlich. Das Leben der einen oder anderen Wissenschaftlerin wäre es wert, näher betrachtet zu werden. Da wäre weiterführende Literatur hilfreich.

Wirklich ärgerlich, weil völlig unnötig ist die winzige Schrift: Die (Groß)Buchstaben sind sage und schreibe 2mm (!!) groß. Und, wenn sie dann noch hell auf dunklem Untergrund sind, ist der Text kaum zu lesen. Selbst unsere junge Nachbarin (10 Jahre) hat gemeint, „Puh, das kann man ja gar nicht lesen!“.

Fazit:

Ein nettes Buch, das einen (wenn auch Amerika lastigen) Überblick über Pionierinnen in Naturwissenschaften gibt. Wegen der o.a. Kritikpunkte reicht es diesmal nur für knappe 3 Sterne.


Veröffentlicht am 17.09.2018

Wieder schräg, aber fesselnd erzählt

Mexikoring
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Als eines Nachts wieder einmal ein Auto brennt, scheint dies nichts außergewöhnlich zu sein. Denn vielerorts werden Autos angezündet. Doch diesmal sitzt ein Mann in seinem PKW. Daher werden Staatsanwältin ...

Als eines Nachts wieder einmal ein Auto brennt, scheint dies nichts außergewöhnlich zu sein. Denn vielerorts werden Autos angezündet. Doch diesmal sitzt ein Mann in seinem PKW. Daher werden Staatsanwältin Chastity Riley und die Kollegen vom Gewaltverbrechen gerufen, da Fremdverschulden vermutet wird. Und Bingo! Als Chas den Familiennamen des Schwerverletzten liest, ist klar, dass hier jemand gehörig nachgeholfen hat. Nur wer? Die Familie Saroukhan, ein dubioser Clan aus Bremen, hat ihren Sohn vor längerer Zeit verstoßen, weil er dem Familien-Business (Mord, Drogen etc.) nicht beitreten wollte.

Doch auch ein anderer Clan hätte ein Motiv Nouri Saroukhan zu ermorden. Ist die verschwundene Aliza, die gegen ihre eigene Familie rebelliert, der Grund für den Mord?

Chas und ihr Team begeben sich nach Bremen, um mehr über diese Mhallamiye-Clans herauszufinden, die die Stadt in Angst und Schrecken versetzen und die Polizei dumm dastehen lässt.

Meine Meinung:

Wieder ein fesselnder Krimi aus der manchmal schrägen Feder von Simone Buchholz. Wieder erzählt Chastity in der Ich-Form. In kurzen, oft abgehackt wirkenden Sätzen führt die Autorin die Leser durch den Fall.
Spannend ist die Geschichte der Mhallamiye, die deutsche Gesetze missachten und ihre eigenen Stammestraditionen pflegen. Die Polizei wird auch in Wirklichkeit denen kaum Herr.

Wie in allen Krimis wird geraucht, manchmal auch gekifft und Schnaps fließt in Strömen (23 Gin-Sorten!). Chas verträgt eine Menge und hält mit ihren männlichen mit.
Außerdem tauchen die eine oder andere Figur aus einem der Vorgängerbände auf.

Fazit:

Ein wie gewohnt schräger, aber fesselnd erzählter Krimi. 4 Sterne

Veröffentlicht am 17.09.2018

Macht nachdenklich

Die Volksverführer
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Klappentext:
Rechtspopulisten haben derzeit Auftrieb - autoritäre Demagogen liegen im Trend. Wer aber wählt diese rechten Verführer und was treibt die "besorgten Bürger" um? Ist es die Furcht vor wirtschaftlichem ...

Klappentext:
Rechtspopulisten haben derzeit Auftrieb - autoritäre Demagogen liegen im Trend. Wer aber wählt diese rechten Verführer und was treibt die "besorgten Bürger" um? Ist es die Furcht vor wirtschaftlichem Abstieg, oder sind es andere Verlustängste? Welche Rolle spielen die Medien? Ist linker Populismus die probate Antwort? Daniel Bax zeigt die Gründe für den aktuellen Erfolg der Rechtspopulisten und wie wir dieser Entwicklung entgegenwirken können.

Autor Daniel Bax versucht in seinem Buch herauszufinden, warum derzeit weltweit die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch sind.

Natürlich kann es nicht EINE Antwort geben, genauso wenig wie es EINEN Grund dafür gibt.

Zum einen nutzen sie geschickt die Propaganda. Sie behaupten u.a., die schweigende Mehrheit zu repräsentieren und die Interessen des sogenannten „kleinen Mannes“ (was ist eigentlich mit den Frauen?) zu vertreten. Doch bei genauerem Hinsehen wird genau diese Gruppe nicht berücksichtigt. Da werden munter und ohne nachzudenken Sozialleistungen gekürzt oder überhaupt eingestellt. Meistens ist es jedoch genau die Bevölkerungsgruppe, die den Populisten am lautesten zujubelt.
Zum anderen bedienen sie sich populärer Stimmungen und berufen sich auf den „Hausverstand“. Den gibt es bekanntlich im Supermarkt, nur leider ist er derzeit ausverkauft.
In Wirklichkeit aber streben sie autoritäre Regime an, die ja – so wird uns suggeriert – von den meisten Leuten gewollt sind.
Man muss sich die Frage stellen, was denn die etablierten (linken oder halblinken) Parteien in den letzten Jahren denn falsch gemacht haben, dass der Ruf nach „dem starken Mann“ weltweit erschallt. Ist es wirklich nur die Abgehobenheit der Regierenden? Wird die rechtspopulistische Opposition, wenn sie das Sagen hat, ähnlich agieren? So wird der Postenschacher den Linken angekreidet, doch wenn ich mir ansehe, wer unter der neuen, österreichischen türkis-blauen Regierung eine Top-Job erhalten hat und welche Ministerien umgefärbt wurden, sehe ich wenig Unterschied zu den Altparteien.

Die ersten Veränderungen sind bereits deutlich zu sehen. In vielen europäischen Ländern wie Ungarn, Tschechien, Polen und der Türkei werden Minderheiten bedroht und unterdrückt, die Pressefreiheit wird eingeschränkt und der Rechtsstaat beschnitten.

Auch die USA steuert mit ihrem „Amerika First“ in einen rechten Kurs.
Doch sind die Linkspopulisten um so viel besser?
Und, Hand aufs Herz, wer hat nicht schon einmal, den Slim-Fit-Tragenden Politikern zugenickt?
Meiner Meinung nach gehörte die Rolle der Medien ein wenig hinterfragt. Derzeit sieht es so aus, als ob nur Auflage und Gewinnmaximierung statt ordentlicher Recherche zählte.
Das hat einst schon Reinhard Mey besungen, dass nicht alles was in der Zeit steht, wahr sein muss.

Fazit:

Ein nachdenklich machendes Buch, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.