Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2018

Hat mich nicht vollends überzeugt

Der Teufelsfürst
0

Dieser historische Roman für uns ins 15. Jahrhundert einerseits in die Stadt Ulm und andererseits in das Osmanische Reich.
Der erste Handlungsstrang in Ulm beschäftigt sich mit den Intrigen der adeligen ...

Dieser historische Roman für uns ins 15. Jahrhundert einerseits in die Stadt Ulm und andererseits in das Osmanische Reich.
Der erste Handlungsstrang in Ulm beschäftigt sich mit den Intrigen der adeligen Familien von Katzenstein, die ihrem bürgerlichen Familienzweig Vermögen und Einfluss neidet.

Der zweite Handlungsstrang schildert das Leben des jungen Vlad Draculea und seines kleinen Bruders Radu, die als Geiseln am Hof des Sultans leben. Vlad hat sich zur Aufgabe gemacht, seinen kleinen Bruder vor Misshandlungen zu schützen. Doch den Palastintrigen hat er wenig entgegenzusetzen. Als sich Radu seinem Schicksal, Lustknabe des gewalttätigen Thronfolgers Murad zu sein, ergibt, schmiedet Vlad Rachepläne.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist der erste Teil einer Trilogie rund um Vlad Draculea, schließt aber an die Ulmer-Trilogie nahtlos an. Vor allem die „Heilerin des Sultans“ hat einen direkten Konnex zu der Familiengeschichte derer von Katzenstein.

Ich finde den Titel irreführend, denn das Hauptaugenmerk liegt auf der Ulmer Familiengeschichte, deren Erzählstrang sich nochmals teilt.

Wenn mit „Teufelsfürst“ Vlad gemeint ist, so kann ich das schwer nachvollziehen. Erstens ist versucht er solange als möglich seinen christlichen Glauben zu verteidigen und tritt nur scheinbar zum Islam über und zweitens ist Vlad erst auf S. 382 der Fürst der Walachei. Wenn man seine Taten auf den Feldzügen verteufelt, so ist er in bester Gesellschaft.

Was mich besonders irritiert hat, ist, dass sich die Geschichten von Zehra und Vlad erst auf S. 389 (von 422) berühren.

Dann gib es den einen oder anderen Fehler. So bekreuzigt sich der „Moslem“ Vlad im Beisein von türkischen Kriegern – geht gar nicht.

Und dann in Kapitel 66:

„Und die Medicina selbst hatte dafür gesorgt, dass das schwarze, stinkende Gebilde, das einmal Sophias Gebärmutter gewesen war, entsorgt wurde.“ (ebook S.373)

Das kann nur die Plazenta gewesen sein und nicht die Gebärmutter!

Gut gefallen hat mir der Anhang, in dem das Fehlen von historischen Quellen zur Jugend und Geiselhaft der Brüder angemerkt wird. Doch es gibt zahlreiche ähnliche Fälle, sodass das Leben der Geiseln gut vermittelt werden kann.

Fazit:

Ich bin ein wenig enttäuscht, dass sich der überwiegende Teil des Romans mit den Katzensteins beschäftigt. Daher leider nur 2 Sterne

Veröffentlicht am 06.09.2018

Ein Buch zum Nachdenken

Die Kurden
0

Dieses Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, wie auch die Geschichte der Kurden nicht ganz einfach ist.

Jahrhundertelang leben die Kurden in nomadischen Stammesverbänden. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich ...

Dieses Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, wie auch die Geschichte der Kurden nicht ganz einfach ist.

Jahrhundertelang leben die Kurden in nomadischen Stammesverbänden. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich über Teile der heutigen Türkei, des Irans, Irak und Syrien. Hotspots in dem an Konflikten nicht gerade armen Mittleren Osten. So werden die Kurden immer wieder zum Spielball der Interessen der Mächtigen.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wird den Kurden die Schaffung eines eigenen Staates versprochen, doch niemals eingelöst. Im Gegenteil, Kemal Ata Türk negiert die kurdische Ethnie und bestimmt türkisch als einzige Sprache. „Ein Volk, eine Sprache, eine Fahne“ ist Ata Türks Motto. Die kurdische Sprache wird verboten und bleibt es bis vor kurzem.

Immer wieder erheben sich die Kurden und versuchen sie Gehör zu verschaffen. Als der IS in ihre Gebiete eindringt, kämpfen sie Seite an Seite mit den verhassten Türken oder Syrern. Doch sobald der gemeinsam Feind zurückgedrängt ist, zerfallen die Koalitionen.
Die Repressalien unter Erdogan nehmen genauso zu, wie dessen Paranoia.

Meine Meinung:

Ein wichtiges Buch, das zum Verstehen der komplexen kurdischen Situation beiträgt.
Interessant sind die Stellungnahmen und Geschichten verschiedener kurdisch-stämmiger Personen, die hier zu Wort kommen. Faszinierend finde ich auch, dass es unter den verschiedenen Stämmen/Familien-Clans welche gibt, die ihren Mädchen und Frauen viele Rechte einräumen und andere, die dies nicht tun.

Ambivalent ist das Verhalten der deutschen Regierung, die der türkischen Regierung Waffen liefert, die sie gegen die Kurden einsetzt und dies abstreitet. Der Besitz von kurdischen Fahnen und anderen Symbolen ist auch in Deutschland verboten, weil Ankara von „Terroristen“ spricht. Menschen, die in Deutschland für die Kurden Partei ergreifen, sind für den deutschen Staatsschutz verdächtig und werden beobachtet.

Da sind mir doch die Österreich und Belgien lieber, die sich von der aktuellen Regierung in Ankara distanzieren und deshalb von vielen gescholten werden.

Fazit:

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Ein bezauberndes Buch

Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen
0

Der kleine Carter muss nach dem plötzlichen Verschwinden seiner Eltern bei seinem Onkel Sly wohnen, der Carters Begabung – er kann echt gut zaubern – für seine kriminellen Machenschaften nützen will. Carter ...

Der kleine Carter muss nach dem plötzlichen Verschwinden seiner Eltern bei seinem Onkel Sly wohnen, der Carters Begabung – er kann echt gut zaubern – für seine kriminellen Machenschaften nützen will. Carter läuft davon und landet ausgerechnet auf einem Jahrmarkt, auf dem ähnliche Halunken wie sein Onkel ihr Unwesen treiben.

Schließlich lernt Mr. Vernon kennen, der einen Zauberladen betreibt. Gemeinsam mit ihm und einigen anderen “zauberhaften“ Kindern will er den Betrügern das Handwerk legen. Ein großes Abenteuer beginnt.

Meine Meinung:

Kaum zu glauben! Dieses entzückende Kinderbuch stammt aus der Feder von Schauspieler, Produzent und Moderator Neil Patrick Harris, den meisten als Barney Stinson in der Serie „How I met your Mother“ bzw. als Doogie Howser M.D. bekannt.

Der Autor spricht die jungen Leser in der unterhaltsamen Geschichte direkt an. Die Charaktere werden langsam und nacheinander vorgestellt, sodass auch die Kids gut mitkommen. Für ungeübte Jungleser oder Lesemuffel gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln kleine Rätsel und Zaubertricks. Damit macht Harris die jungen Leser neugierig und animiert sie weiterzulesen.

Der Autor ist leidenschaftlicher Magier und aktives Mitglied bzw. zeitweise Präsident der Academy of Magical Arts. Daher kann er bei Carters Zauberticks aus dem Vollen schöpfen.

Der Schreibstil ist der Zielgruppe (ab 9 Jahre) gut angepasst. Der Autor versucht den Kindern die Wichtigkeit von „alten“ Werte wie Freundschaft, Zusammenarbeit oder Ehrlichkeit zu vermitteln.

Gut gelungen sind die Illustrationen.

Fazit:

Ein rundum gelungenes Kinderbuch mit viel Spannung und Magie. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Hat mich bestens unterhalten

Hawelka & Schierhuber laufen heiß
0

Endlich ein langes Wochenende! Josef Hawelka und Josef Schierhuber freuen sich auf ein paar Tage Auszeit. Doch da macht ihnen ein Anruf ihres Vorgesetzten, der sie ins Waldviertel zu einem unklaren Todesfall ...

Endlich ein langes Wochenende! Josef Hawelka und Josef Schierhuber freuen sich auf ein paar Tage Auszeit. Doch da macht ihnen ein Anruf ihres Vorgesetzten, der sie ins Waldviertel zu einem unklaren Todesfall abkommandiert, einen Strich durch die Rechnung. Der nicht sehr beliebte Birnstingl ist in seine Kreissäge gefallen, deren überhitzter Motor dann den Stadl in Brand gesetzt hat.

Die beiden Josefs stammen aus dem Waldviertel und nach Stationen bei Bundesheer und Gendarmerie sind sie nun bei der Wiener Kriminalpolizei. Auf Grund ihrer Herkunft hält sie ihr Chef für bestens geeignet, die Todesumstände aufzuklären.

In Vestenötting, einem kleinen Ort in der Nähe von Waidhofen an der Thaya, angekommen, stoßen sie auf die übliche Dorfverschwiegenheit. Keiner hat was gesehen, keiner weiß was und vor allem … keiner sagt was. So müssen die beiden ganz andere Ermittlungswege einschlagen. Hawelka setzt auf die Dorfsäufervariante und Schierhuber auf die Stammtisch-Version, bei der reichlich Bier und Schnaps fließen und ein Schießwettbewerb stattfindet.

Unterstützt werden sie vom „Auskunftsbüro Berlakovic“, einer mehrköpfigen Damenriege der Wiener Dienststelle, die sie auch fernmündlich mit allen nötigen und unnötigen Informationen versorgt.

Meine Meinung:

Als Wienerin und erklärter Waldviertel-Fan musste ich natürlich zu diesem Krimi greifen und habe mich sofort heimisch gefühlt. Einerseits wegen der Ermittler, die beide um Mitte Fünfzig sind und mit Bierbauch und beginnender Glatze bestens beschrieben sind, und andererseits wegen der eindringlichen Charakterisierung der Dorfbewohner. Der Feuerwehrkommandant, dessen Gesichtsfarbe ständig dem RAL 3000 seines Löschfahrzeuges ähnelt oder der verhaltenskreative Graf, der eigentlich der King of Porno ist oder die Hoferin, die ständig alles und alle beobachtet und nicht zu vergessen die exzentrische Esoterikerin. Alle diese Charaktere sind wie aus dem tatsächlichen Leben gegriffen.

Herrlich auch die kleinen Spitzen auf die (damalige) österreichische Innenpolitik: eine Innenministerin oder einen Landeshauptmann, der einen ähnlichen Breitscheitel wie Hawelka trägt.

Für alle, die mit dem ostösterreichischen Idiom nicht so vertraut sind, findet sich im Anhang ein Verzeichnis der verwendeten Begriffe.

Wer also einen typischen Krimi mit typischen Ermittlern sucht, wo jedes Gespräch und jede polizeiliche Handlung bis ins kleinste Detail beschrieben wird, der ist hier falsch.

Fazit:

Ich habe diesen Krimi genossen. Daher kann ich ihm 5 Sterne und eine Leseempfehlung geben.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Beklemmendes Szenario

Mörderisches Schweigen
0

Antonia Eichborn, die Tochter des erfolgreichen Textilunternehmers ist als Schauspielerin in den USA grandios gescheitert. Doch nicht nur der Schulden, sondern wegen der plötzlichen schweren Erkrankung ...

Antonia Eichborn, die Tochter des erfolgreichen Textilunternehmers ist als Schauspielerin in den USA grandios gescheitert. Doch nicht nur der Schulden, sondern wegen der plötzlichen schweren Erkrankung ihres Bruders Richard ist sie in ihre Heimatstadt Speyer zurückgekehrt.

Niemand weiß so recht, was Richard fehlt. Er liegt in einer Art Wachkoma und wird von einem Arzt und einer Krankenschwester in seiner Villa betreut. Man gibt Toni ausweichende Antworten und Swetlana, die Ehefrau Richards, stellt unverhohlen Fragen nach dem Vermögen.

Der Aufenthalt wird von Tag zu Tag beklemmender zumal Toni den einzigen Vertrauten, Friedrich Altmann, in seiner Kanzlei niedergeschlagen vorfindet. Außerdem fühlt sich Toni beobachtet. Sie wird von einem silberfarbenen Lieferwagen beinahe niedergefahren. Einen solchen fährt ihr Ex-Freund Mike. Hat der etwas mit der ganzen Sache zu tun? Doch warum?
Leider geht Toni nicht von selbst zur Polizei, um ihre Beobachtungen anzuzeigen. Zu sehr ist sie in ihrem eigenen Lügengebäude verstrickt. Sie hält nämlich die Mär von der erfolgreichen Schauspielerin, die sie seit Jahren pflegt, aufrecht.

Wird es gelingen, diesen Albtraum zu beenden?

Meine Meinung:

Die Idee finde ich sehr gut. Im Zeitalter von Offshore- und Briefkastenfirmen, Designerdrogen und skrupellosen Gangstern, die Firmencomputer knacken, ist das Setting gut gewählt.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen. Die beklemmenden, oft nur kleinen subtilen Ereignisse bauen beinahe Thriller ähnliche Spannung auf. In Einschüben erleben wir Richards Gedanken, der bewegungslos in seinem gemarterten Körper gefangen ist. Zum anderen lernen wir die Gedanken des Rächers kennen. Denn um Rache geht es in diesem Krimi. Eine skrupellose Truppe rächt sich an Richard und Toni. Der Grund wird erst ganz zum Schluss offenbart, was den Krimi sehr spannend macht.

Die Charaktere sind recht gut entwickelt. Toni finde ich allerdings stellenweise naiv und manchmal reagiert sie wie ein trotziges Kind. Ihre ständige Lügerei ist ziemlich anstrengend – auch für sie selbst. Denn wenn sie nicht auf ihr kunstvoll gestricktes Gespinst achten müsste, hätte sie vielleicht schon ein wenig früher, Vertrauen zur Polizei gefasst. Die resolute Mine hat mir besonders gut gefallen.
Ex-Freund Mike ist mir lange Zeit suspekt. Warum er Toni über seine Beziehung oder vielmehr Nicht-Beziehung zu Rose im Unklaren lässt?

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, den ich in zwei Abenden gelesen habe. Gern gebe ich 5 Sterne.