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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Arme, reiche Frau

Eleonora
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Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst ...

Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst als Tochter der berühmten jüdischen Berliner Bankiers- und Gelehrtenfamilie in einer kulturell bedeutsamen Umgebung auf. Der Komponist Felix Mendelsohn-Barholdy ist ihr Cousin. Eleonora träumt schon bald von einer Karriere als Schauspielerin, die zunächst einmal in Erfüllung geht. In den 1920er-Jahren feiert sie einige große Erfolge, lernt Max Reinhardt kennen und lieben. Der exzentrische Regisseur wird ihre große Liebe sein, die über ein Verhältnis, wie Reinhardt es mit vielen (vermögenden) Frauen unterhält, aber nicht hinauskommt. Für Reinhardts kostspielige Theaterträume wird sie in der Bank ihrer Familie intervenieren und zahlreiche Bilder aus der Familienvilla veräußern.

Die Machtübernahme der Nazis katapultiert sie und ihren Bruder Francesco aus ihren glamourösen Leben. Francesco ist als homosexueller Jude gleich doppelt gefährdet. Man lässt Deutschland hinter sich, nicht ohne in mehreren gewagten Aktionen, zahlreiche Gemälde heimlich in die Schweiz zu bringen.

Es gelingt Eleonora, wie so vielen Emigranten nicht, in den USA beruflich Fuß zu fassen. Auch ihr Privatleben ist ein ziemliches Desaster. Vier Ehen, endlose Zahl von Liebhabern sowie ihre Drogensucht lassen Eleonora am Rande des Abgrunds balancieren, bevor sie im Jänner 1951 endgültig abstürzt.

Ihr Leben endet am 24. Jänner 1951 unter mysteriösen Umständen: Man findet sie in ihrem Quartier in New York auf dem Sofa liegend. Ein mit Äther getränktes Tuch über dem Gesicht, eine halbvolle Flasche des Betäubungsmittels, ein leeres Röhrchen Schlaftabletten sowie leere Ampullen von Morphium und die dazu gehörige Spitze. Obwohl keine Anzeichen für Fremdverschulden gefunden werden können und ihr Tod als Suizid eingestuft worden ist, gibt es nach wie vor, wie bei Marilyn Monroe, unbestätigte Gerüchte, dass hier nachgeholfen worden sein könnte.

„Aus Verzweiflung. Wahrscheinlich. Um Ruhe zu finden. Um zu vergessen. Das Unglücklichsein, das Nichtgeliebtwerden von denen, die sie lieben wollte. Um die trügerischen Erfolge zu verdrängen und die Niederlagen, den unverlässlichen Jubel von Fans, die oberflächlichen Bewunderer ihrer Schönheit, und all die, die nie begriffen haben, was in ihr wirklich vorging.“

Meine Meinung:

Obwohl Hubert Nowak penibel recherchiert, dass er durchaus eine Biografie schreiben hätte können, nennt er sein Werk einen Roman. Das gibt ihm die künstlerische Freiheit die reale Eleonora mit fiktiven Charakteren zusammenzubringen.

So beschreibt er eine junge Frau, der (fast) alle Möglichkeiten in die Wiege gelegt worden sind, die aber wenig Liebe erfahren konnte. Der frühe Tod des Vaters, die eigenwillige Mutter, der man als Italienerin eine enge Beziehung zu Mussolini und seiner Politik nachsagt, sowie die unerwiderte Liebe zu Max Reinhardt, der nicht nur verheiratet und Kinder, sondern mit Helene Thimig eine besonders eifersüchtige Geliebte, die Eleonoras Feindin bis zu Tod bleiben wird. Als sie von Reinhardt schwanger wird, lässt Eleonora abtreiben, die verpfuscht wird. Weitere Schwangerschaften sind unmöglich.

Der Lebenslauf von Eleonora von Mendelsohn, könnte durchaus als Vorlage für einen Film dienen. Dramatik ist genug vorhanden.

Der Schreibstil ist durchaus gelungen. Max Reinhardt kommt hier nicht sehr gut weg. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er ein Egozentriker gewesen ist, der glaubte, der Nabel der (Theater)Welt gewesen zu sein. Eine um 27 Jahre jüngere, vom Theater faszinierte und reiche Erbin kommt ihm, der ständig in Geldnöten schwebte, sicher gerade recht. Ihr Liebe vorspielen? Nichts leichter als das. Ich bin fast versucht zu sagen: armes, reiches Mädchen.

Fazit:

Diese romanhafte Biografie habe ich gerne gelesen und gebe ihr 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Hat mich nicht ganz überzeugt

Der Zitronenbaum in meinem Garten
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Die sympathische Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt, wie sie schon als Kind Schauspielerin werden wollte und kleine Rollen gespielt hat. Sie berichtet aus ihrem Leben, das nicht immer konfliktfrei ...

Die sympathische Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt, wie sie schon als Kind Schauspielerin werden wollte und kleine Rollen gespielt hat. Sie berichtet aus ihrem Leben, das nicht immer konfliktfrei gewesen ist und spart dabei nicht aus, dass sie auch Misserfolge, sowohl im Privatleben als auch im Beruf erleben musste.

Schmunzeln musste ich, als sie berichtet, wie sie ziemlich unbedarft und ohne ausreichend die italienische Sprache zu können, ein Haus in Italien gekauft hat und sich der Herausforderung der örtlichen Gegebenheiten stellen musste.

Das Buch ist in leichtem Plauderton verfasst, lässt aber Platz für ernsthafte Themen. So erzählt sie einerseits über ihre erste Ehe mit der sie aus ihrer komplizierten Herkunftsfamilie ausbricht, nur um in einer anderen schwierigen Situation zu landen. Eine Situation, die viele Frauen erlebt haben oder noch erleben. Andererseits berichtet sie über ihr Engagement für Waisenkinder in Rumänien, die nach dem Sturz der Diktatur unter schrecklichen Bedingungen sich selbst überlassen waren.

In einigen der 15 Kapiteln fließen nachdenkliche und beinahe philosophische Gedanken ein. Zahlreiche Abbildungen ergänzen dieses Memoir, dem ich 3 Sterne gebe, da es mich nicht ganz überzeugt hat.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Interessantes Debüt

Pulver
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Autor Johann Reißer ist während seines Aufenthaltes im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums über eine interessante Persönlichkeit Rottweils buchstäblich gestolpert: über den Unternehmer Max ...

Autor Johann Reißer ist während seines Aufenthaltes im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums über eine interessante Persönlichkeit Rottweils buchstäblich gestolpert: über den Unternehmer Max Duttendorfer. Fasziniert von diesem Mann hat er weitere Recherchen angestellt. Herausgekommen ist nun dieser historische Roman, der in zwölf Kapiteln bzw. Episoden die Zeitspanne von 1858 bis 1933 abdeckt, um mit einem abschließenden Sprung in das Jahr 2020, die eine oder andere Ähnlichkeit von heute darzustellen.

Im Zentrum des Romans steht der Apothekersohn und spätere Unternehmer Max Duttenhofer (1843 - 1903), der nach einer Lehre in der Apotheke seines Vaters die kleine Pulverfabrik in Rottweil übernommen hat und zu einem florierenden Unternehmen ausgebaut hat. Obwohl man in ab den 1880er Jahren als „Krupp von Süddeutschland“ genannt hat, ist er heute, anders als Alfred Nobel beinahe vergessen.

Die Geschichte des Unternehmens wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Während seine Erfindung, das raucharme Schießpulver, die Kriegsführung revolutioniert und Duttendorfer zu einem der mächtigsten Männer im Deutschen Kaiserreich macht, gefällt die Entwicklung, die sowohl die Fabrik als auch die Politik nehmen, nicht jedem. Duttendorfers Enkelin Rosa erlebt die Aufrüstungsspirale, die in den Ersten Weltkrieg führt, als Arbeiterin in der Pulverfabrik hautnah mit, was sie zu einer Kämpferin gegen die Kriegspartei werden lässt.

Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen. Einzig, die winzige Schrift in meiner eBook-Ausgabe muss ich bemängeln. Ich konnte auf keinem meiner zahlreichen Lesegeräte (Reader, PC oder App) eine angenehme Schriftgröße einstellen, was mir das Lesen ziemlich erschwert hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der den Aufstieg eines neugierigen Apothekersohn zum Unternehmer nachzeichnet, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine klare Leseempfehlung

Poyais. Ein Land, das es nie gab
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Dieser historische Roman erzählt am Beispiel von Julie, der Kaufmannstochter aus Frankfurt am Main, und Carl, dem Gärtner ihres Vaters, eine Geschichte voller Hoffnungen und Erwartungen auf ein gemeinsames ...

Dieser historische Roman erzählt am Beispiel von Julie, der Kaufmannstochter aus Frankfurt am Main, und Carl, dem Gärtner ihres Vaters, eine Geschichte voller Hoffnungen und Erwartungen auf ein gemeinsames Leben ohne Standesunterschiede in einem fernen Land, nämlich Poyais. Dort sollen die neuen Siedler nicht nur willkommen sein, sondern auch Land und Haus erhalten. Es soll eine Stadt geben und ein Theater soll für Amüsement und Kultur sorgen.

Der geneigte Leser wird es ahnen, dass die Versprechen und die Realität ziemlich auseinanderklaffen. Nach wochenlanger Überfahrt erreicht man das Ziel. Doch nicht ganz - die versprochene Stadt liegt landeinwärts, angeblich. Ein paar verwegene Männer machen sich auf, die Stadt zu suchen. Die anderen Auswanderer bleiben am Strand. Nichts ist, wie versprochen, die Stadt ein Trümmerhaufen.

Verzweiflung und Wut machen sich ebenso breit, wie Krankheit und Tod. Die meisten Auswanderer haben in ihrer Heimat alles verkauft und nur eine einfache Überfahrt bezahlt. Werden sie jemals wieder nach Europa zurückkehren können?

Hier, in Poyais, dem Land, das den Verheißungen so gar nicht entspricht, entpuppt sich die aufmüpfige Kaufmannstochter als Fels in der Brandung. Sie hilft, organisiert und findet zu ihrer wahren Berufung.

Meine Meinung:

Uli Aechtner, Autorin und Fernsehmoderatorin, hat mit diesem historischen Roman, dem wahre Begebenheiten zu Grunde liegen, eine spannende Geschichte von Fake News geschrieben.

Und weil es im Leben keine Zufälle gibt, habe ich nach der Lektüre dieses historischen Romans, ein weiteres Beispiel falscher Versprechen entdeckt. Ich war letzte Woche in Darmstadt und habe bei einem Besuch des Hessischen Staatsarchivs eine Führung zum Thema „Seit wann werden Fake News verbreitet?“ eine ähnliche Geschichte gehört. Hier geht es um Ansiedlungen in Brasilien. Ab 1822 beauftragte Pedro I., Kaiser von Brasilien, den deutschen Major Der. Georg Schäffer (1779-1836), auswanderungswillige Bewohner diverser deutscher Fürstentümer, nach Brasilien zu holen, um das Land zu besiedeln. Grundsätzlich ja keine schlechte Idee. Doch was macht Schäffer? Er gründet ein Auswandererbüro in Hamburg, verkauft selbst entworfene Anteilscheine über Landbesitz in Brasilien, die keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben und das Papier nicht wert sind, auf die sie gedruckt sind. Tausende Einwanderer werden getäuscht und von den versprochenen Grundstücken, Häusern sowie sonstigen Privilegien ist nichts zu sehen. Zudem werden unverheiratete Männer, die dem Militärdienst in der deutschen Heimat entgehen wollten, sofort in Pedros Armee eingezogen. Sie kommen also vom Regen in die Traufe. Zahlreiche Briefe von Auswanderern sind erhalten geblieben und im Staatsarchiv aufbewahrt.

Doch zurück zu diesem Buch. Uli Aechtner erzählt eine interessante Geschichte, in der Julie die eigentliche Hauptrolle spielt. Sie ist es, die nicht aufgibt, die Qualitäten in sich entdeckt und die ihren Mann steht, während sich zahlreiche Männer dem Suff ergeben oder einfach aufgeben. Die Charaktere sind penibel herausgearbeitet.

Das Buch liest sich leicht und dennoch spannend. Die Lehre daraus? Glaube keinem Politiker oder seinen Bevollmächtigten. Manches, was paradiesische Zustände verspricht, ist nichts als trüber Schein.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine Leseempfehlung

Cooks letzte Reise
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Über James Cook (1728-1779) gibt es zahlreiche Bücher, die unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können - Sachbücher wie (historische) Romane.
In diesem Buch nähert sich der amerikanische Autor und ...

Über James Cook (1728-1779) gibt es zahlreiche Bücher, die unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können - Sachbücher wie (historische) Romane.
In diesem Buch nähert sich der amerikanische Autor und Historiker Hampton Sides der Person James Cook an. Dazu hat er zahlreiche Archive durchforstet.

In fünf Abschnitten, die in insgesamt 39 Kapitel unterteilt sind, zeichnet der Autor den Lebenslauf von James Cook nach:

Europas führender Seefahrer
Das Ausmaß meines Missfallens
Unter hohem Himmel
Ein neues Albion
Apotheose

Dabei richtet er seinen Blick, soferne das möglich ist, auf die Persönlichkeit James Cook, der zum einen als kluger, umsichtiger Kapitän, der über eine natürliche Autorität verfügt, gilt und zum anderen den indigenen Völkern auf seinen Reisen mit, für diese Zeit, bemerkenswerten Respekt gegenübertritt, auffällt. Umso dramatischer sind die Ereignisse auf seiner dritte Reise, die ihn letztlich das Leben kostet, beschrieben. Warum hat er alle seine bisherigen Gepflogenheiten über Bord geworfen? Erfolgsdruck, als erster die Nordwestpassage zu entdecken? Oder eine wesensverändernde Krankheit? Oder schlichtweg Überforderung, Cook wollte sich ja eigentlich zur Ruhe setzen?

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Zudem bin mehr als erfreut und beeindruckt von diesem Buch über Cooks letzte Reise, das mich trotz, oder gerade wegen seiner korrekten Sachlichkeit, gefesselt hat. Hampton Sides vermittelt ein glaubhaftes Abbild der Zeit, in denen Monarchen um die Vorherrschaft zu Wasser und zu Land kämpfen. Der ethnografische Blick auf die Unterschiede zwischen Briten und Indigenen zu Eigentum und/oder die Ehe wird sehr gut herausgearbeitet. So erhalten wir auch Einblick in einige religiösen Riten, die sich vom europäischen Monotheismus wesentlich unterscheiden.

Dieses Buch über James Cook beschert uns ein Wiedersehen mit einer weiteren interessanten Person: Dem noch jungen William Bligh (1754-1817), der uns aus der Belletristik bzw. aus zahlreichen Verfilmungen bestens (?) vertraut ist.

Mich hat auch der Ausflug in die Instrumentenkunde der damaligen Zeit begeistert. So erfahren wir einiges über die von John Harrison (1693-1776) im Jahr 1762 hergestellte präzise Uhr H4, mit der man auch auf See die Zeit exakt messen konnte, um die Geografische Länge festzustellen. Cook hat allerdings bei seiner zweiten Südssereise von 1775 das baugleiche Modell K1 von Larcum Kendall (1719-1790) an Bord. Als Vermesserin bin ich ein Fan von historischen Seekarten und Vermessungsinstrumenten. Gut haben mir auch die Passagen gefallen, die James Cook als gewissenhaften Kartographen schildern, der sich, bei seinen Bemühungen eine Nordwest-Passage zu finden, sich über die schlechten Karten aus dem Zarenreich ärgert. Darüber habe ich mehrmals schmunzeln müssen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem aufschlussreichen Buch über James Cook eine Leseempfehlung und 5 Sterne.