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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2023

Ein komplexer Krimi

Graffitikatz
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In ihrem 8. Fall bekommen es Kommissar Steinböck und seine Katze Frau Merkel mit zwei Toten zu tun, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Denn einer ist ein reicher Erbe und der andere ...

In ihrem 8. Fall bekommen es Kommissar Steinböck und seine Katze Frau Merkel mit zwei Toten zu tun, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Denn einer ist ein reicher Erbe und der andere ein Altrocker. Erst als der Rechtsmediziner Kessel entdeckt, dass beiden ein Stück ihrer tätowierten Haut abgezogen worden ist, scheint es einen Zusammenhang zu geben.

Daneben spielt das Tagebuch eines schwangeren Mädchens eine nicht unwesentliche Rolle.

Gleichzeitig soll der Graffiti-Künstler Bansky in München sein, was sowohl unter der Schickeria und den Adabeis als auch bei der Presse für Aufregung sorgt. Hier kommt Frau Merkel ins Spiel, denn sie verscheucht die allzu aufdringliche Reporterin Sabine Husup bei ihrer nächtlichen Jagd auf den Künstler. Bei ihren nächtlichen Streifzügen lernt Frau Merkel Banskys Leibwächter kennen, der die Katze ebenfalls verstehen kann.

Wie das alles zusammenhängt und wie Steinböck gemeinsam mit seinem Team die Morde aufklärt, lest bitte selbst.

Meine Meinung:

Autor Kaspar Panizza beschert seinen Leser mit diesem Band wieder ein großes Lesevergnügen. Doch neben den humorvollen Dialogen zwischen Steinböck und seiner Katze lenkt er die Aufmerksamkeit seiner Leser auf aktuelle Themen. Da ist z. B. der Hype, um den quasi unsichtbaren Künstler Bansky oder die Sucht mancher Menschen, ihren Körper über und über mit Tattoos zu überziehen.

Wie immer ist der Schreibstil flüssig und leicht zu lesen. Kommissar Steinböck und Katze Frau Merkel benehmen sich wie ein altes Ehepaar. Die beiden machen es sich vor dem Fernseher gemütlich und diskutieren über das Programm.

Frau Merkel ist zu Beginn ein wenig verstimmt, ist doch Thunfisch, der Dackel eines Kollegen, für mehrere Tage zu Besuch. Für ihn hat die Katze nur Verachtung übrig.

„...Der Köter versteht dich sowieso nicht. Seine beiden Gehirnzellen braucht er für Fressen und Pennen...“

Fazit:

Ein komplexer Krimi, der mit den witzigen und tiefschürfenden Dialogen von Steinböck und Frau Merkel punktet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.

Veröffentlicht am 15.10.2023

Verrat, Mord und Intrigen im mittelalterlichen Köln

Das Blutgericht von Köln
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Wie es sich für einen jungen Adeligen im Mittelalter gehört, nimmt Seyfried von Viskenich zur Freude seines Vaters das Kreuz, wie es im Jargon des Rittertums heißt, und zieht mit dem Kreuzfahrerheer gegen ...

Wie es sich für einen jungen Adeligen im Mittelalter gehört, nimmt Seyfried von Viskenich zur Freude seines Vaters das Kreuz, wie es im Jargon des Rittertums heißt, und zieht mit dem Kreuzfahrerheer gegen Jerusalem, um die Stadt von den „Ungläubigen“ zu befreien. Er überlebt so manchen Kampf, hält seinen sterbenden Freund im Arm und wird selbst schwer verletzt. Nach seiner Genesung hängt er das Schwert an den Nagel und lässt er sich zum Feldscher ausbilden. Wenig später vervollständigt er seine Kenntnisse in Salerno, das damals die beste medizinische Ausbildung anbietet.

Als er hört, dass sein Vater wegen Mordes vom Blutgericht in Köln zum Tode verurteilt worden ist. Seyfried glaubt nicht an die seines Vaters und reist nach Köln. Doch er kommt zu spät. Der Vater ist tot, der Besitz und die Ländereien beschlagnahmt worden und die Ächtung über die Familie ausgesprochen. Zudem ist seine kleine Schwester verschwunden.

Er nimmt den Namen seines toten Freundes an und siedelt sich als Medicus in Köln an. Daneben beginnt er zu recherchieren und verfängt sich einem Netz voller Intrigen, aus dem es fast kein Entrinnen gibt.

Meine Meinung:

Autor Ingo Gach ist es sehr gut gelungen, die Atmosphäre des Mittelalters einzufangen. Die Lebensweise der Menschen wird sehr gut beschrieben. Der Leser kann sich das mittelalterliche Köln sehr gut vorstellen.

Neben fiktiven Gestalten begegnen wir auch historischen Figuren. Eine zentrale Rolle in diesem von Intrigen reichen historischen Roman spielt Richard Löwenherz, der auf der Rückreise von diesem Kreuzzug vom Babenbergerherzog Leopold gefangen genommen worden ist. Seine Mutter Eleonore bringt höchst persönlich das Lösegeld nach Köln, was natürlich allerlei Begehrlichkeiten weckt.

Fazit:

Ein sehr gut gelungener historischer Roman, der im mittelalterlichen Köln spielt. dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 15.10.2023

Eine Hommage an eine mutige Frau

DOROTHEA
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Jürgen Pettinger zeichnet in diesem Buch die Jahre 1941-1944 im Leben der Schauspielerin Dorothea Neff (1903-1986) nach.

Dorothea Neff versteckt in dieser Zeit ihre Lebensgefährtin, die Kostümbildnerin ...

Jürgen Pettinger zeichnet in diesem Buch die Jahre 1941-1944 im Leben der Schauspielerin Dorothea Neff (1903-1986) nach.

Dorothea Neff versteckt in dieser Zeit ihre Lebensgefährtin, die Kostümbildnerin Lilly Wolff in ihrer Wohnung in der Annagasse in Wien. Lilly Wolff ist nämlich gleich doppelt bedroht, denn sie ist lesbisch und Jüdin. Eine tödliche Kombination während des NS-Regimes, das alle jene, die nicht in ihr Weltbild passen, gnadenlos verfolgt und ermordet. Unmittelbar vor der Deportation zieht Lilli Wolff in Dorothea Neffs Wohnung ein.

Dorothea Neff gefährdet mit dieser großzügigen und mutigen Tat nicht nur ihre eigene Schauspielkarriere, sondern auch ihr Leben. Daher spielt sie in diesen vier Jahren die Rolle ihres Lebens. Lilli muss unsichtbar sein, sich wie ein Geist verhalten. Kein Spaziergang, ja nicht einmal ans Fenster gehen und vorsichtig durch die Wohnung schleichen, denn das Knarren des alten Parkettbodens könnte sie verraten. Wenn Dorothea Neff einen der seltenen Besuche bekommt, muss sich Lilli im Kamin verstecken.

Einer der wenigen Menschen, denen sie vertraut ist der junge Arzt Erwin Ringel, der im selben Haus wohnt. Als Lilli Wolff einen Tumor in der Brust entdeckt, schummelt er sie unter falschem Namen ins Krankenhaus. Sie überlebt die Operation.

Die beiden Frauen leben von den mageren Rationen einer einzigen Lebensmittelkarte. Nur hin und wieder gelingt es der Neff, ein paar Deka mehr zu erhalten.

Als dann noch ein hochrangiger SS-Angehöriger in das Haus einzieht, spitzt sich die Situation für Lilli und Dorothea nochmals zu. Doch mit der Ankunft von Mati und Meta Lillis Freundinnen aus dem zerstörten Köln, entgeht Dorothea Neff der behördlich angeordneten Einquartierung. Nun leben vier Frauen von drei Lebensmittelrationen.

Doch auch mit dem Einmarsch der Russen 1945 scheint die Gefahr noch nicht gebannt zu sein.

Nach dem Ende des Krieges wird Lilli Wolff Europa verlassen und niemals wiederkommen. Dorothea Neff hat über die Jahre im Krieg geschwiegen. Erst 1978 spricht sie in einem Interview darüber. Während das offizielle Österreich nach wie vor keine Notiz davon nimmt, wird der israelische Botschafter in Basel auf diesen Artikel aufmerksam. 1980 wird Dorothea Neff mit der Medaille von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Meine Meinung:

Wie schon in seinem Buch „Franz. Schwul sein unter dem Hakenkreuz“, hat Jürgen Pettinger mit diesem Buch abermals das Leben homosexueller Menschen während des NS-Regimes nachgezeichnet. Diesmal beschäftigt er sich mit der Schauspielerin Dorothea Neff und der Kostümbildnerin Lilli Wolff, die ein Paar sind. Da Lilli Jüdin ist, schwebt sie in ständiger Gefahr deportiert zu werden.

Die Biografien von Dorothea Neff und Lilli Wolff sind penibel recherchiert. Um die Dramatik dieser Jahre für die Leser erlebbar zu machen, hat Jürgen Pettinger diesmal die Romanbiografie als Erzählform gewählt.

Zahlreiche Fotos ergänzen dieses beeindruckende Buch.

Fazit:

Dieser einfühlsamen und beeindruckenden Romanbiografie, die stellvertretend für Tausende von verfolgten und ermordeten Homosexueller der NS-Zeit steht, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.10.2023

Ein fesselndes Sachbuch

Der stärkste Stoff
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Nachdem ich bereits Norman Ohlers Buch „Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich“ gelesen habe, musste ich dieses neue unbedingt haben.

Diesmal beschäftigt er sich mit Lysergsäurediethylamid besser ...

Nachdem ich bereits Norman Ohlers Buch „Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich“ gelesen habe, musste ich dieses neue unbedingt haben.

Diesmal beschäftigt er sich mit Lysergsäurediethylamid besser bekannt unter dem „Handelsnamen“ LSD. Das ursprüngliche Ausgangsprodukt ist das in der Natur vorkommende giftige Mutterkorn. Inzwischen wird die Substanz synthetisch hergestellt.

Norman Ohler beschreibt die Entdeckung einer Substanz, die als halluzinogene Droge Karriere gemacht hat. Und er fragt, warum LSD nicht als Medikament zugelassen ist.

Er zeichnet den Weg der Droge von seiner zufälligen Entdeckung durch Albert Hofmann 1938 in einem Labor der Schweizer Pharmafirma Sandoz (heute Novartis) zu einem über vielversprechendes Medikament bei Demenz und Alzheimer. Dazwischen liegen Jahre als verbotene Partydroge.
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Der Autor begibt sich u.a. in die Archive von Sandoz und fördert Erstaunliches zutage. In seinem fesselnden Rückblick auf die Geschichte von LSD erfahren wir unter anderem, wie Schweizer Bauern das giftige Mutterkorn auf dem Getreide regelrecht gezüchtet haben, dass während des Kalten Krieges die Substanz als mögliches Wahrheitsserum eingesetzt worden ist sowie seinen höchst persönlichen Zugang zu LSD: Ohlers Mutter ist an Demenz erkrankt und erhält eine geringe Dosis eines vielversprechenden Medikaments, das LSD enthält.

Obwohl der Wirkstoff LSD in Medizinerkreisen als mögliches Medikament bei neuralen Erkrankungen gilt, ist das große mögliche therapeutische und medizinische Potenzial bei Demenz- und Alzheimererkrankungen noch nicht ausgeschöpft worden. Der Substanz haftet das Schmuddelimage seines früheren Drogenmissbrauchs an.

Ob es gelingen wird, die Substanz zum Wohle der Menschen einzusetzen?

Meine Meinung:

Norman Ohler ist wieder ein tolles Sachbuch gelungen. Im Gegensatz zu „Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich“ wirkt dieses hier weniger reißerisch, dafür aber sehr informativ.

Die sachliche Darstellung der Geschichte vom Zufallsfund bis hin zu einer Zukunftshoffnung gegen Demenz und Alzheimer liest sich angenehm leicht und locker. Natürlich werden einzelne medizinische bzw. chemische Fachausdrücke verwendet, dort wo es unabdingbar ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Sachbuch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.10.2023

Ein gelungener Reihenauftakt

Wasserfallsturz
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Franziska „Franzi“ Fürst, Ermittlerin im LKA Wien, kehrt nach Jahren in der Großstadt und einer Scheidung in ihre alte Heimat nach Schöder im Murtal zurück. Mit dabei ihre Kinder, die naturgemäß ihre Freunde ...

Franziska „Franzi“ Fürst, Ermittlerin im LKA Wien, kehrt nach Jahren in der Großstadt und einer Scheidung in ihre alte Heimat nach Schöder im Murtal zurück. Mit dabei ihre Kinder, die naturgemäß ihre Freunde in Wien zurücklassen müssen und entsprechend schlecht gelaunt sind.

Doch mit der erhofften Ruhe im Job in der Polizeidienststelle von Murau wird es nichts, denn gleich am ersten Arbeitstag wird sie in einen undurchsichtigen Fall involviert. Ihre frühere Lehrerin Marion liegt nach einem Sturz am Günster Wasserfall im Koma. Nicht nur Franzi hat Zweifel an der Unfalltheorie, hat doch die Lehrkraft Höhenangst und den Wasserfall immer gemieden. Auch die Verletzungen passen nicht zu einem Unfall. Doch wer kann Interesse daran haben, der Lehrerin zu schaden? Verdächtig ist wie immer der Ehemann. Alois lässt sich kaum am Krankenbett blicken und hat sich bereits eine neue Freundin angelacht.

Daneben muss sich Franzi ihren eigenen Dämonen stellen. Dazu kommen noch eigenartige Drohungen, die mehrere Bewohner von Schöder erhalten, darunter auch ihr Vater und die Schafbäuerin, der einige Schafe getötet werden.

Meine Meinung:

Jennifer B. Wind ist eine Meisterin des Thrillers wie ihre Reihe rund um Richard Schwarz zeigen. Nun hat sie sich auf das Schreiben von Regionalkrimis verlegt. Und, das ist schon nach diesem Fall klar, mit Erfolg.

Die Autorin kennt die Gegend und den Menschenschlag, der hier lebt. Daher sind die typischen Macho-Sprüche und die Haltung Frauen gegenüber, wie es Franzis Vater an den Tag legt, authentisch. Die Arbeit als Ermittlerin ist für ihn keine Arbeit, und schon gar nichts für eine Frau. Die drei Ks (Kinder, Kirche, Küche) sollen seiner Meinung nach, noch immer der einzige Lebensinhalt einer Frau sein, na ja, Stallarbeit gehört auch noch dazu. Er ist nicht bereit, sich um seine Enkelkinder zu kümmern, oder das Frühstück zubereiten, beides unter seiner Würde, weil Frauenarbeit.

Franzi steht in diesem Spannungsfeld Beruf, Familie sowie dem Wiedersehen mit Polizisten Max, ihrem Jugendfreund und ihrem Ex-Mann, dem Ermittlerkollegen aus dem LKA, des sich zum LKA Graz versetzen hat lassen, um den Kindern näher zu sein, ihre Frau. Hier liegt viel Potenzial für weitere Fälle, denn auch wenn es mit Max nichts mehr wird, weil die Wunden der Vergangenheit nach wie vor nicht verheilt sind, steht doch mit dem Tierarzt ein sympathischer möglicher Neuanfang am Rande.

Apropos Vergangenheit! Zwischen den aktuellen Ermittlungen gibt neben den Gedanken der im Koma liegenden Marion auch Einschübe aus der Nazi-Zeit, die die Geschichte von Esther und ihrer Familie erzählen.

Die mehrfachen Perspektivenwechsel zwischen dem aktuellen Geschehen und der Vergangenheit erhöhen die Spannung und machen den Krimi abwechslungsreich.

Fazit:

Ein sehr gut gelungener Regionalkrimi, der auch zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung.