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Veröffentlicht am 16.08.2019

Aus Liebe zu Briefen

Die verlorenen Briefe des William Woolf
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William Woolf wollte einmal Schriftsteller werden. Er war voller Ideen und Enthusiasmus. Doch der Erfolg will sich nicht so richtig einstellen und die Realität holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. ...

William Woolf wollte einmal Schriftsteller werden. Er war voller Ideen und Enthusiasmus. Doch der Erfolg will sich nicht so richtig einstellen und die Realität holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Um trotzdem Geld zu verdienen, nimmt er eine Stelle als „Briefdetektiv“ bei der Royal Mail in London an. Überraschenderweise gefällt ihm der Beruf, denn er kann Menschen, oft sogar persönlich, eine große Freude damit bereiten, ihnen die verloren geglaubte Post wieder zu bringen. Williams Frau dagegen ist enttäuscht von ihm und kann seine Begeisterung für so etwas, vermeintlich Anspruchsloses, nicht nachvollziehen, war er doch mal ein Mann mit Visionen. Ihre Beziehung scheint zunehmend vom Glück verlassen, denn nicht nur William hat seine Träume aus den Augen verloren. Eines Tages dann tauchen geheimnisvolle, blaue Briefe in der Poststelle bei William auf, lediglich an „Meine große Liebe“ adressiert. William fühlt sich angesprochen von diesen außergewöhnlichen Briefen und versucht ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch sie bringen ihn auch dazu über sein eigenes Leben nach zu denken.

Der Roman entführt uns in die etwas vergessene Welt der Briefpost. Wer einen Brief schreibt, der möchte seine Gefühle auf besondere Art ausdrücken. Es soll vielleicht auch eine besonders wertvolle Nachricht sein, an die man sich auch Jahre später noch zurück erinnert. Mir gefällt daher die Idee, dass so ein Brief daran erinnert, das eigene Leben, das gerade nicht so geordnet verläuft, zu überdenken und auch den Mut weckt, etwas zu ändern. Da erkennt man, dass Briefe doch noch eine ganz andere Tiefe und Bedeutung haben können, als unpersönliche Kurznachrichten per Handy.

Die Geschichte selbst ist in zwei Handlungsstränge aufgebaut. Williams Eheleben oder was davon übrig ist und seine Suche nach dem Verfasser der blauen Briefe, wobei auch immer wieder Rückblenden aus Williams Vergangenheit erzählen. Etwas Spannung kommt dabei auch nicht zu kurz, da man unbedingt wissen möchte, ob William den Briefeschreiber findet und vor allem, was die Suche mit ihm macht.

Hellen Cullen beschreibt sehr liebevoll eine Geschichte über Liebe, Träume und Wünsche und wie der Zufall allem manchmal auf die Sprünge helfen kann. Ein schöner und in sich geschlossener Roman, der einem, mit seiner hoffnungsvollen Botschaft, die grauen Tage etwas verkürzen kann.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Musik bringt die Menschen zusammen

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
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Mr. Frank ist Inhaber eines Plattenladens in London. Und er kennt sich aus mit Musik. Denn auch wenn seine Mutter nicht der mütterliche Typ war, den er sich als Kind manchmal gewünscht hat, so hat sie ...

Mr. Frank ist Inhaber eines Plattenladens in London. Und er kennt sich aus mit Musik. Denn auch wenn seine Mutter nicht der mütterliche Typ war, den er sich als Kind manchmal gewünscht hat, so hat sie ihm doch viel über Musik und die Art, Musik wahrzunehmen beigebracht. So kam es, dass Frank in der Lage ist, in die Seele eines Menschen zu blicken und die passende Musik zur Lösung dessen Probleme zu finden. Er hat schon vielen Menschen mit seiner Gabe geholfen. Eines Tages steht eine Frau mit grünem Mantel vor seinem Laden. Doch so sehr sich Frank auch bemüht, er kann die passende Musik nicht fühlen. Überhaupt scheint sich ein dunkler Schleier über Frank und seine Freunde in der beliebten Einkaufsstraße zu legen. Frank soll jetzt seelenlose CDs anbieten und eine Investmentfirma möchte alle ihre Geschäfte aufkaufen. Doch Frank versucht zu kämpfen.

Die Geschichte ist grob gesagt in zwei Erzählstränge unterteilt. Einen in den 1980er Jahren und einen im Jahre 2009. In der Vergangenheit lernen wir Frank und seine Freunde näher kennen und (möglicherweise) lieben. Sie sind sehr liebevoll beschrieben und wirken wie aus dem Leben gegriffen, was in meinen Augen, einen großen Teil der Sympathie für sie ausmacht. Ein jeder hat seine Probleme als Händler im immer moderner werdenden London, was immer weniger Platz für Qualität und mehr für die billige Masse zu haben scheint. Und nicht jeder ist der Veränderung gewachsen. In dieser schweren Zeit taucht die Frau in Grün auf und erscheint für viele wie ein kleiner Lichtblick, eine Ablenkung von ihren Sorgen. Auf die Liebe kann man sich noch verlassen, oder?

Gekrönt wird die Geschichte von einem spektakulären Finale in der Gegenwart, dass einem vor Augen führt, was man alles erreichen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und sich in Erinnerung ruft, wie wertvoll die Menschen um einen herum sind und das auch Jahrzehnte dazwischen nicht unbedingt etwas daran ändern, aber manchmal doch erst vergehen müssen, um den richtigen Blick dafür zu haben.

Rachel Joyce findet sehr schöne Worte und erzählt damit eine sehr berührende Geschichte über Freundschaft, Gemeinschaft und Vertrauen aber auch über die Liebe zwischen zwei Menschen, die erst auf den zweiten Anlauf zueinander finden. Ein wunderbarer Roman über Musik und ihre Kraft, die sie auf Menschen ausüben kann, wenn sie denn nur wollen.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Fantasievolle Reise

Die kleinen Wunder von Mayfair
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Cathy Wray ist 16 und schwanger als sie Zuflucht im Emporium sucht. Denn Anfang des 20 Jahrhunderts ist es alles andere als schicklich, als alleinstehende Frau und noch dazu so jung, Mutter zu werden. ...

Cathy Wray ist 16 und schwanger als sie Zuflucht im Emporium sucht. Denn Anfang des 20 Jahrhunderts ist es alles andere als schicklich, als alleinstehende Frau und noch dazu so jung, Mutter zu werden. Glücklicherweise wird sie für die Wintersaison eingestellt und darf bleiben. Die beiden Brüder Kaspar und Emil sind beide sofort von ihr fasziniert und wetteifern um ihre Aufmerksamkeit, sind sie doch auch schon von klein auf Konkurrenten in der Entwicklung der besten Spielzeuge, um auch ihren Vater, Papa Jack, den Gründer des Emporiums, zu beeindrucken. Auch als sie herausfinden, dass Cathy schwanger ist, halten sie zu ihr und sie kann ihr Leben, auch mit Kind, im Emporium aufbauen. Es scheint mit die schönste Zeit in ihrem Leben zu sein, umgeben von Spielzeug und seiner ganz eigener Magie. Doch dann bricht der 1. Weltkrieg über sie und die Mitarbeiter des Emporiums herein und alles wird sich verändern.

Der Roman ist eine Geschichte für sich die, immer mal wieder, nur schwer zu greifen ist. Man befindet sich wie in einem Traum eines Kindes. Alles ist magisch und so ganz anders als in der Welt „draußen“, vor den Türen des Emporiums. Eine eigene kleine Welt aus Papierbäumen und Patchworktieren, die Winter für Winter, wenn der erste Frost kommt, Kinder und Erwachsene gleichermaßen anzieht. Die Handlung beginnt sehr langsam und die ersten Jahre werden sehr ausführlich beschrieben. Das Magische und die Atmosphäre des Emporiums kommen so sehr gut rüber und man bekommt ein paar nostalgische Gefühle und wünscht sich vielleicht ein bisschen, nochmal Kind sein zu können oder erträumt sich zumindest die Existenz so eines Emporiums, um auch als Erwachsener ein bisschen verzaubert werden zu können.

Später dann scheint die Handlung übereilt auf das Ende hin zu stolpern. Viele Jahre werden übersprungen, was an sich auch Sinn macht, da nicht viel Neues zu passieren scheint. Trotzdem bekommt man den Eindruck, die Geschichte muss jetzt unbedingt fertig. Besonders das tatsächliche Ende kommt ziemlich plötzlich und ist innerhalb weniger Seiten erklärt und abgeschlossen. Dabei finde ich die Grundidee, wie sich die Geschichte auflöst, sehr schön sowie tragisch zugleich und man hätte etwas mehr daraus machen können.

Am Schluss bleiben bei mir ein paar Unstimmigkeiten zurück, die für mich nicht ausreichend erklärt wurden. Zum Beispiel leuchtet mir der Sinn von einer Schwangerschaft Cathys erst sehr spät ein und ist für mich auch nur dazu da, damit sie die Verbindung zum Emporium halten kann. Des Weiteren habe ich mich gefragt, was Emil davon abhält in der Not neue Figuren zu schaffen, wo es doch das ist, was die Leute wollen. Auch hier bekommt man gegen Ende, durch etwas Interpretation, nur eine Ahnung seiner Beweggründe.

`Die kleinen Wunder von Mayfair` ist ein unterhaltsames und phantasievolles Buch, mit dem man, trotz kleinen Stolpersteinen in der Handlung, wunderbar in die Vergangenheit abtauchen kann.

Veröffentlicht am 09.08.2019

Liebevolle Geschichte in Zeiten des Umbruchs

Die Bienenhüterin
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Lily wächst bei ihrem grausamen Vater auf, nachdem ihre Mutter bei einem "Unfall" ums Leben kam, als Lily erst 4 Jahre alt war. Sie wird derweil von der schwarzen Hausangestellten Rosalee versorgt, die ...

Lily wächst bei ihrem grausamen Vater auf, nachdem ihre Mutter bei einem "Unfall" ums Leben kam, als Lily erst 4 Jahre alt war. Sie wird derweil von der schwarzen Hausangestellten Rosalee versorgt, die zwar etwas ruppig ist, aber Lily trotzdem sehr gern hat. Als Rosalee sich, als eine der ersten Schwarzen, in das Wählerverzeichnis eintragen möchte, werden sie und Lily von einer Gruppe weißer Farmer belästigt und angegriffen. Doch die Konsequenzen muss „natürlich“ nur Rosalee tragen und sie kommt ins Gefängnis. Ebenfalls in Erwartung einer der schlimmsten Strafen, die sie je von ihrem bösartigen Vater bekommen wird, beschließt Lily daraufhin, zusammen mit Rosalee zu fliehen. An einen Ort, an dem ihre Mutter einmal gewesen sein muss und der auch ihr einziger Anhaltspunkt ist, um mehr über dessen Tod herauszufinden.

´Die Bienenhüterin´ ist eine liebevolle und auch rührende Geschichte über ein junges Mädchen, dass in den 60er Jahren in den USA groß wird und versucht, in Zeiten der Rassenunruhen, seine Rolle in der Gesellschaft zu finden. In dem sie lernt, Bienen zu beobachten, sich um sie zu kümmern und ihre Produkte zu verarbeiten, lernt Lily auch mit ihren Erlebnissen in der Vergangenheit umzugehen und auch die Gegenwart für sich richtig einzuordnen. Dabei verbindet sich die Geschichte der schwarzen Bevölkerung immer mehr mit Lilys eigener, worauf auch deutlich der Fokus in diesem Roman liegt. Die einzelnen Schicksale haben mich teilweise sehr berührt, aber auch entsetzt und ich habe mich mehr als einmal gefragt, wie man nur so einen Hass auf andere Menschen (und auf sich selbst) haben kann und diesen auch noch ungestraft ausleben darf. Doch glücklicherweise kommt auch die Liebe im Leben der Charaktere nicht zu kurz. Sie entschädigt den Leser und gleicht die Geschichte, finde ich, gut aus. Auf einen großen Spannungsbogen oder eine unerwartete Wendung wartet man hierbei allerdings vergebens. Das Buch ist rein chronologisch, mit der ein oder anderen Rückblende oder Erinnerung dazwischen, aufgebaut, wodurch man der Geschichte zwar auch nach der einen oder anderen Unterbrechung immer gut folgen kann, aber von der Handlung nicht so sehr gefesselt wird.

Es ist ein klassischer Entwicklungsroman, der ein bisschen einem Tagebuch der Hauptprotagonistin nachempfunden ist und daher auch eher bei ihrem Blickwinkel bleibt, als sich besonders kritisch mit den Themen auseinander zu setzen. Dennoch ein lesenswerter Roman, der Spaß gemacht hat zu lesen und dessen Ende einen mit einem guten Gefühl zurücklässt.

Veröffentlicht am 27.07.2019

Krimi für gemütlichen Abend

Agatha Raisin und die ertrunkene Braut
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Agatha ist deprimiert, denn ihr Mann James hat beschlossen, ins Kloster zu gehen. Von der Welt enttäuscht und allein gelassen, flieht Agatha auf die weitentfernteste Insel, die das Reisebüro finden konnte. ...

Agatha ist deprimiert, denn ihr Mann James hat beschlossen, ins Kloster zu gehen. Von der Welt enttäuscht und allein gelassen, flieht Agatha auf die weitentfernteste Insel, die das Reisebüro finden konnte. Doch auch hier erinnert sie zu viel an ihre vergangene Beziehung und sie ist froh, nach wenigen Wochen wieder zurück in den Cotswolds zu sein. Sie beschließt, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und meldet sich bei einem Pilateskurs an. Doch bereits auf dem Weg zur zweiten Stunde, wird eine tote Frau von einem herannahenden Hochwasser angeschwemmt, bekleidet mit einem Brautkleid samt Brautstrauß. Natürlich kann es sich Agatha nicht nehmen lassen, diesem Fall nach zu gehen. Zusammen mit ihrem ehemaligen Kollegen und Freund Roy, sowie ihrem neuen Nachbarn John Armitage, macht sie sich mit einer List an die Aufklärung des Mordes. Sehr zum Missfallen der örtlichen Polizei. Und auch die Befragten sind alles andere als begeistert. So dauert es nicht lange, bis es zu einem weiteren Mord kommt.

M.C. Beatons zwölfter Roman über Agatha Raisin und ihre kriminalistischen Fähigkeiten, ist erneut typisch britisch geschrieben. Eine etwas verschrobene und gleichzeitig liebevolle Kriminalgeschichte, eingebettet in die Landschaft der Cotswolds. Eine Mischung aus grausamem Mord und Dorfidylle. Auch die altbekannten Einwohner des kleinen Dorfes Carsely sind wieder mit dabei und auch wenn sie keine direkte Rolle in dem Mordfall spielen, so sind sie immer Teil der Handlung. Ich finde, dass rundet die Geschichte wunderbar ab und gibt einem nach der Menge an Romanen fast ein bisschen das Gefühl, Teil des Dorfes zu sein. Sehr gut gelöst finde ich auch den Neubeginn nach den vielen Auf und Abs mit James Lacey. Ich hatte schon bei den letzten Romanen das Gefühl, dass es hier nicht mehr viel Entwicklungspotential gibt. Mit diesem Buch nimmt der Autor einen neuen Anlauf, in dem auch Agatha selbstbewusster zu werden scheint. Dabei ist die Geschichte gewohnt lebendig geschrieben mit dem Fokus auf den Dialogen zwischen den beteiligten Personen. Diese bekommen dadurch auch ihren ganz eigenen Charakter, denn jeder hat seinen persönlichen Sprachstil. Der kriminalistische Teil ist, nach meinem Empfinden, logisch aufgebaut und man hat zwar oft eine Vermutung, wie der Fall ausgehen könnte, aber die Handlung wird meist so offen gehalten, sodass man zum Schluss noch mal überrascht werden kann.

Insgesamt kann ich sagen, dass M.C. Beaton auch hier wieder einen gelungenen Krimi für gemütliche Herbstabende und einer Tasse Tee geschrieben hat und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Übersetzungen.