Profilbild von VerenaM

VerenaM

aktives Lesejury-Mitglied
offline

VerenaM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit VerenaM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2020

Roman mit Gänsehautpotential - (Klappentext verrät zu viel)

Das Gerücht
0

Joanna zieht mit ihrem Sohn Alfie ans Meer. Zurück in ihren Heimatort, wo sie, ihren Erinnerungen nach, eine glückliche Kindheit verbracht hat. Nichts sehnlicher wünscht sie sich nun für ihren Sohn, der ...

Joanna zieht mit ihrem Sohn Alfie ans Meer. Zurück in ihren Heimatort, wo sie, ihren Erinnerungen nach, eine glückliche Kindheit verbracht hat. Nichts sehnlicher wünscht sie sich nun für ihren Sohn, der in seiner alten Schule in der Großstadt London nur geärgert wurde. Das ihre Mutter auch noch in dem kleinen Dorf wohnt, rundet ihren Plan nur ab. Doch auch in der kleinen Gemeinschaft hat es Alfie nicht leicht. Sei es weil er eine dunkle Hautfarbe hat oder weil sein Vater nicht bei der Familie wohnt, die anderen Kinder möchten nicht mit ihm befreundet sein. Da hört Joanna eines Tages dieses Gerücht auf dem Schulhof. Eine Mörderin soll in ihrem kleinen Küstendorf wohnen, unter falscher Identität. Obwohl sie erst nichts von solchen Erzählungen hält, kommt es ihr gelegen, um die Aufmerksamkeit der anderen Mütter, im Sinne Alfies, zu bekommen. Und ist so ein Gerücht einmal losgelassen worden, lässt es sich nicht mehr aufhalten.

Ich muss leider vorweg nehmen, dass mir ein Teil der Auflösung bereits vorab klar geworden war. Der Klappentext und die Leseprobe verraten zusammen genommen einfach schon viel zu viel. Ohne groß nach zu denken, kann man hier erraten, wer die Mörderin ist.
Da der Text auf der Rückseite eines Buches aber ja nichts mit dem Inhalt selbst zu tun, und mir der Schreib- und Erzählstil sehr gut gefallen hat, habe ich mich trotzdem um dieses Buch beworben. Glücklicherweise wurde ich auch nicht enttäuscht. Auch in den weiteren Kapiteln ist die Geschichte sehr angenehm und unter den gegeben Umständen auch sehr spannend zu lesen. Dabei machen die einzelnen Charaktere einen Großteil der Spannung aus. Denn durch die Art eines jeden Einzelnen, zu denken und zu handeln, werden sie zu vielseitigen Persönlichkeiten und geben damit der Geschichte Inhalt und Struktur. Zusammen mit den Beschreibungen des Ortes, ergibt sich insgesamt eine schöne und runde Szenerie, die zu der geheimnisvollen und teilweise auch beängstigenden Spannung im Buch beiträgt. Während des Lesens wird man zudem immer wieder auf falsche Fährten gelockt, die den Leser im positiven Sinne durchaus verwirren können.
Das Ende hat mich dann auch noch überrascht, da es wesentlich tiefgründiger und verstrickter ist, als ich es mir vorgestellt habe und es nicht nur bei der Aufdeckung der Mörderin bleibt. Besonders die letzten Seiten haben es mir dabei angetan, da man glaubt, die Geschichte sei vollständig abgeschlossen. Doch die Autorin hat noch eine kleine Überraschung parat, die einem nochmal ein bisschen Gänsehaut beschert.

„Das Gerücht“ ist ein sehr gut geschriebener und spannender Roman, welcher in Teilen schon als Thriller zu bezeichnen ist. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen. Wer, so wie ich, Geschichten mit leichtem Gänsehautfaktor liebt und während des Lesens gerne noch überrascht werden möchte, der ist mit diesem Buch bestens beraten. Lest vorab einfach nicht den Klappentext.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

Spannung ohne Zauberei

Der Teufel im Detail
0

Nach einer unruhigen Nacht und von einer eindeutigen Botschaft im Traum aufgerüttelt, reist Andie zurück in ihr Heimatdorf Tarbet. Denn auch, wenn sie sich als junge Studentin lieber in Edinburgh aufhält, ...

Nach einer unruhigen Nacht und von einer eindeutigen Botschaft im Traum aufgerüttelt, reist Andie zurück in ihr Heimatdorf Tarbet. Denn auch, wenn sie sich als junge Studentin lieber in Edinburgh aufhält, ist sie doch einer Tradition verpflichtet und hat eine Aufgabe zu erfüllen. Und die heißt diesmal, Dessie beschützen. Dessie kam vor 10 Jahren mit ihrem Mann nach Tarbet. Als dieser auf mysteriöse Weise eines Nachts verschwindet und die Polizei den Fall schon bald zu den Akten legt, kann Dessie nicht anders, als zu bleiben und sich eigenmächtig auf die Suche nach ihrem Mann zu begeben. Bisher aber ohne Erfolg. Als nun, so viele Jahre später, erneut ein Tourist verschwindet, ist Dessie sich sicher, die Fälle müssen zusammenhängen und greift nach jedem, noch so verrückten, Strohhalm. Doch wieviel Wahrheit steckt wirklich hinter ihren Ermittlungsergebnissen und was hat die Frauengruppe, wo auch Andie Mitglied ist, damit zu tun? Klar ist, über die Wirklichkeit wissen nur Wenige Bescheid.

Der Roman ist ein gelungener Auftakt zu einer bereits bestehenden Serie über die Highland Hexen. Der Anfang wirkt zuerst etwas undurchsichtig, denn man fällt als Leser direkt in eine bestehende Geschichte hinein. Sie beginnt mit Andie, die in Edinburgh studiert und auch sonst ihren Lebensmittelpunkt dorthin verlegt hat. Doch sie hat ihre ganz spezielle, magische Fähigkeit, die sie immer noch an ihren Heimatort bindet und dadurch auch nie ganz aufgeben kann. Nach diesem Einstieg wechselt die Perspektive zu Dessie und ihrem Leben als B&B Besitzerin. Abwechselnd erfahren wir nun mehr über die beiden, jedoch nie zu viel oder zu früh, als dass man den Geschehnissen im Buch voraus wäre. Ab und zu führt es einen sogar auf eine falsche Fährte, was die Handlung sehr abwechslungsreich gestaltet. Mir gefällt diese Form des Erzählens sehr, denn sie gestaltet das Lesen flüssig und damit unbeschwert.
Die einzelnen Charaktere allerdings bleiben leider noch etwas blass, was den perfekten Eindruck leider wieder etwas trübt. Hier erwarte ich mir in den folgenden Büchern noch mehr Eigenschaften, um mir die Persönlichkeiten noch besser vorstellen zu können. Die Dialoge sind schön geschrieben und helfen auch bei der Charakterisierung der Personen, aber manchmal war mir persönlich nicht ganz klar, wer gerade spricht und ich musste kurz ein oder zwei Zeilen zurückspringen. Die Auflösung des Falles hat mir wiederum sehr gut gefallen, denn sie war nicht so einfach zu durchschauen und zeugte so von Einfallsreichtum.

„Der Teufel im Detail“ ist somit ein toller magischer Krimi, der gar nicht so sehr den Fokus auf Zauberei legt, sondern mehr auf alten, heidnischen Traditionen aufbaut, was ich sehr interessant finde. Zudem fehlt für meinen Geschmack auch nicht eine gute Portion Spannung, sodass ich mich gut unterhalten fühlte und die Serie mit Sicherheit weiterverfolgen werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2020

Sommerfeeling mit ein paar Schatten

Das Geheimnis von Shadowbrook
0

Clara hat die Glasknochenkrankheit und weil ihre Knochen bei der kleinsten Belastung zu brechen drohen, muss sie ihre ganze Kindheit im Haus verbringen, umgeben von Polstern und Kissen. Auch ihr geliebtes ...

Clara hat die Glasknochenkrankheit und weil ihre Knochen bei der kleinsten Belastung zu brechen drohen, muss sie ihre ganze Kindheit im Haus verbringen, umgeben von Polstern und Kissen. Auch ihr geliebtes Schaukelpferd darf sie nur aus der Ferne betrachten. Zum Glück gibt es da noch die Bücher in der hauseigenen Bibliothek. Sie sind für Clara die Verbindung zur Außenwelt und kein wissenschaftliches Gebiet ist vor ihr sicher. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter, fällt Clara in ein tiefes Loch. Doch sie erkennt schnell, dass ihre einzige Chance auf ein bisschen Selbstständigkeit, darin besteht, in die Welt hinauszugehen, über die sie bereits so viel gelesen hat. Dabei haben es ihr die Gärten von Kew besonders angetan. Bei einem ihrer vielen Besuche, freundet sie sich mit dem dortigen Gärtner an. Dieser hält das Ticket zu Claras Unabhängigkeit in den Händen und sie zögert nur kurz, diese Möglichkeit zu ergreifen. Doch bald muss sie auch feststellen, dass nichts so zufällig ist, wie es scheint.

Mir gefällt der Einstieg in die Geschichte sehr gut. Claras Vorgeschichte und ihr Leiden werden ausführlich erklärt und gut in die Geschichte eingebettet. In Shadowbrook angekommen, besticht der Erzählstil, der einer Nacherzählung der Erlebnisse von Clara entspricht, durch wunderbare Beschreibungen der dortigen Pflanzenwelt und den bunten Blumen in den Gärten von Shadowbrook. Es wird dadurch eine sehr schöne Atmosphäre geschaffen und Claras Leidenschaft für die Natur wird so noch einmal betont. Auch das „Geheimnis“ des Herrenhauses trägt seinen Teil dazu bei und jagt einem beim Lesen einen leichten Schauer über den Rücken. Zwischendurch wird die Handlung dann allerdings etwas langatmig, da man der Lösung des Geheimnisses nicht wirklich näherkommt. Die letztendliche Aufklärung wiederum, ist, für meinen Geschmack, dann etwas zu überdreht. Wut und einen gewissen Grad an Rachegedanken kann ich, unter den gegebenen Bedingungen und ohne zu viel zu verraten, ja noch nachvollziehen. Aber auf dieses doch sehr dramatische Ende hat mich die Geschichte nicht vorbereitet. In meinen Augen hätte sich für das „Alibi“ auch eine bessere Lösung gefunden, denn die jetzige Idee wirkt doch sehr konstruiert. Der sehr schöne Schreibstil hält den Leser hier aber dennoch bei Laune und bringt ihn auch bis zur letzten Seite, wo sich doch noch ein etwas versöhnlicheres Finale abzeichnet.

„Das Geheimnis von Shadowbrook“ lässt mich trotz der Kritik mit einem recht positiven Eindruck zurück, da der angenehme Schreibstil und die Idee hinter der Geschichte überwiegen. Mag man an der Ausarbeitung vielleicht noch etwas feilen können, so ist dieser Roman doch trotzdem unterhaltsam und bringt ein bisschen sommerliche Stimmung in die ungemütlichen Wintertage.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2020

Revolution im Kleinen

Der dunkle Weg
0

Ida stammt aus einer wohlhabenden Familie in Hamburg. Ihr fehlt es an nichts, doch nach einem Kunststudium in London, fühlt sich ihr altes Zuhause fremd an. Die Ansichten und Gesellschaftsvorstellungen ...

Ida stammt aus einer wohlhabenden Familie in Hamburg. Ihr fehlt es an nichts, doch nach einem Kunststudium in London, fühlt sich ihr altes Zuhause fremd an. Die Ansichten und Gesellschaftsvorstellungen ihrer Eltern engen sie ein und der Wunsch nach der einmal erfahrenen Freiheit lässt sie nicht mehr los. Unter dem Vorwand eine alte Freundin in Irland zu besuchen, macht sich Ida, trotz des Unmutes ihrer Eltern, erneut auf den Weg, wohl wissend, dass sie nicht so bald mehr nach Hamburg zurückkehren wird. In Irland angekommen, schafft es Ida schnell, mit ihrem Talent als Malerin und der Hilfe ihrer Freundin, Kontakte zu knüpfen und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Doch Irland steht kurz vor einer Revolution und möchte damit die Unabhängigkeit Englands erreichen. Auf dem Festland steht der erste Weltkrieg kurz bevor. Jetzt muss Ida zeigen, wie stark und unabhängig sie wirklich sein kann.

Idas Geschichte basiert auf einer realen Begebenheit. Viele ihrer Freunde in dem Buch, waren bekannte Persönlichkeiten in der Geschichte Irlands. Die Autorin hat es wunderbar geschafft diesen Menschen erneut eine Persönlichkeit zu geben. Ihre einzelnen Schicksale kommen sehr gut hervor und man fühlt mit jeden Einzelnen mit. Der fiktive Charakter Ida ist ebenfalls sehr glaubwürdig und passt sich sehr gut in die Gruppe realer Charaktere ein. Ohne, dass übertrieben darauf hingewiesen wird, wirkt Ida als eine starke, aber dabei auch so ruhige Frau, die man einfach sympathisch finden muss.
Die Handlung des Romans umfasst im Grunde die Lebensgeschichte Idas und wir begleiten sie dabei über die Jahre hinweg, bei Höhen und Tiefen und ihrem eigenen persönlichen Glück. Wir erfahren zudem viel über ihren Einsatz für Hilfsbedürftige und damit ihren Wertvorstellungen, die nicht immer zur damaligen Zeit gepasst haben. Die politische Revolution tritt dabei allerdings etwas in den Hintergrund, was mein einziger Kritikpunkt an dem Roman ist. Ich hätte gerne noch mehr Details oder Hintergrundinformationen erhalten, um ein besseres Gefühl für die Stimmung im ganzen Land zu bekommen. Natürlich wird immer wieder von Aufständen berichtet und bei dem ein oder anderen Protest ist man, durch Ida, am Rande dabei, jedoch fehlt, meiner Meinung nach, ein bisschen die geschichtliche Grundlage.

Abgesehen von diesem kleinen Negativpunkt, hat mir „Der dunkle Weg“ aber sehr gut gefallen und die Autorin konnte mich damit erneut von einem ihrer Romane überzeugen. Wer, wie ich, Freude an gut recherchierten, bodenständigen und vielseitigen Romanen hat, der trifft mit diesem Buch eine gute Wahl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2020

Einzigartig und speziell in seiner Art

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
0

Klappentext:
Ein Maskenball auf einem herrschaftlichen Anwesen, ein mysteriöser Mord, der sich jeden Tag aufs Neue wiederholt, und ein Zeuge, der die Tat immer wieder durch fremde Augen sieht. Die sieben ...

Klappentext:
Ein Maskenball auf einem herrschaftlichen Anwesen, ein mysteriöser Mord, der sich jeden Tag aufs Neue wiederholt, und ein Zeuge, der die Tat immer wieder durch fremde Augen sieht. Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle ist ein teuflisch spannender, raffiniert komponierter Kriminalroman, der Sie vergessen lässt, was Sie je über Detektivgeschichten zu wissen glaubten.

Rezension:
Normalerweise würde ich ja versuchen, eine kurze Zusammenfassung des Buches mit meinem eigenen Worten wieder zu geben, aber wer „Die 7 Tode der Evelyn Hardcastle“ gelesen hat, der weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Kurz gesagt, wir begleiten eben diesen Zeugen auf seiner Spurensuche nach dem Mörder. Der entscheidende Tag des Mordes wiederholt sich in einer scheinbaren Endlosschleife und ist für unseren Zeugen doch immer wieder anders. Bald erfährt er, dass er schon viel zu lange in diesem Kreislauf gefangen ist und dass es Bedingungen gibt, an die er sich halten muss, möchte er aus dieser Schleife jemals wieder entkommen.
Es war anfangs schwer für mich, in die Handlung einzutauchen. Es prasseln viele Namen und Informationen auf einen ein, die man erst einmal für sich sortieren muss. Und alles was man gelesen hat und damit als bekannt oder gegeben voraussetzen könnte, stellt sich später als doch ganz anders heraus. Das ist einerseits sehr faszinierend, weil es die Geschichte unglaublich spannend und in keiner Weise vorhersehbar macht, auf der anderen Seite verwirrt es doch nicht unerheblich. Diese andauernde Verwirrung hält sich leider auch bis kurz vor Ende des Buches. Dort angekommen, ergibt zwar Vieles einen Sinn, doch auch hier kommt man nicht hundertprozentig hinter alle Zusammenhänge und ein paar Fragen bleiben möglicherweise für den Leser noch offen. Ich bin prinzipiell begeistert von der Idee des Autors und seiner Umsetzung und kann auch nicht behaupten, dass ich Widersprüche in der Handlung oder den Gesetzmäßigkeiten entdeckt hätte. Allerdings hätte für mein Leseverständnis, die Beschreibung der Abläufe noch eindeutiger sein können. Unabhängig von der Handlung gefiel mir aber sein Schreibstil sehr gut und ich konnte mir ein sehr gutes Bild von den einzelnen Charakteren machen, die alle sehr unterschiedlich in ihrer Art waren und damit nicht nur oberflächlich agiert haben.

Dieser Krimi ist sicherlich ein sehr außergewöhnlicher Roman, der von seiner eher raren Idee und seiner Tiefe lebt. Ein paar entscheidenden Details sind in der Fülle der Informationen leider untergegangen. Diese finden sich aber vielleicht bei einem erneuten Lesen des Buches und es ergibt sich so ein eindeutigeres Bild von der ganzen Geschichte. „Die 7 Tode der Evelyn Hardcastle“ ist ein Buch, für das man sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen sollte, um es auch ein bisschen genießen zu können. Ich werde es bestimmt auch noch einmal zur Hand nehmen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere