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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2019

Wie Bücher entstehen

Litersum
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Malou ist eine Anti-Muse und sie hat die Lizenz zum Küssen. Mit einem Kuss stielt sie die Ideen angehender Autoren. So soll für Ordnung, in dem sowie so schon riesigen Dschungel der Bücherwelt, gesorgt ...

Malou ist eine Anti-Muse und sie hat die Lizenz zum Küssen. Mit einem Kuss stielt sie die Ideen angehender Autoren. So soll für Ordnung, in dem sowie so schon riesigen Dschungel der Bücherwelt, gesorgt werden. Ihre Aufträge dazu erhält sie aus dem Litersum, dem Ursprung aller Literatur. Doch als zwei Autoren grausam ermordet werden und Malou die einzige Verbindung zwischen beiden Fällen zu sein scheint, macht sie sich auf die Suche nach den wahren Schuldigen und dringt dabei viel tiefer in die Welt des Litersums vor, als ihr und manch anderem lieb ist.

Die Geschichte beginnt direkt mit einem solchen Auftrag für Malou. Ohne bereits mehr über die Hintergründe zu wissen, beobachten wir die Hauptprotagonistin bei ihrer Aufgabe und sind somit sofort im Thema drin. Ein sehr gelungener Einstieg in das Buch. Erst in den folgenden Kapiteln erfährt man, Stück für Stück und gut in die Geschichte eingebettet, Näheres zu den Hintergründen und dem Ort, der Litersum genannt wird. Dadurch wird dem Leser die Idee einer solchen Parallelwelt sehr gut näher gebracht. Den weiteren Aufbau der Geschichte empfinde ich als logisch und spannend, indem nicht jeder Schritt direkt vorhersehbar ist und speziell das Ende auch noch einmal mit viel Tiefe überrascht.
Besonders hervorheben möchte ich den Schreibstil in diesem Roman, denn dieser hat mir richtig gut gefallen. Er ist wunderbar einnehmend und gefühlvoll. Sowohl die romantischen Szenen als auch die traurigen Teile sind sehr glaubwürdig geschrieben und nicht überzogen kitschig oder dramatisch. Lediglich die kleinen Anspielungen auf diverse Filme aus unserem wirklichen Leben haben mich dabei etwas stolpern lassen, und ich habe mich gefragt, wie diese in ein paar Jahren, in denen das Buch hoffentlich noch gelesen wird, auf den Leser wirken. Zumal sie für die Handlung selber, in meinen Augen, nicht wirklich relevant sind. Auch den ständigen Kampf um Kaffee oder Tee muss man mit einem Schmunzeln betrachten. Beides tut der Geschichte jetzt keinen großen Abbruch, sticht für mich aber hervor und ist daher etwas störend.
Die Darstellung der Charaktere dagegen kann wiederum überzeugen, denn diese werden, wie auch ihre Umgebung, detailreich beschrieben, was sie als Person sehr sympathisch bzw. sympathisch unsympathisch macht. Auch böse Figuren müssen gut gezeichnet werden, damit sie wirken können.

„Litersum“ ist damit ein wirklich gelungener Fantasyroman und nicht nur für jüngere Leser geeignet. Er vereint die Liebe zu Büchern mit der Spannung einer guten Ermittlergeschichte und überzeugt trotz kleiner Nichtigkeiten durch Originalität und Tiefe.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Unterhaltsame Buchreihe mit Potenzial

Banshee Livie (Band 1): Dämonenjagd für Anfänger
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Olivia, von ihrer Tante auch Livie genannt, begleitet diese, schon seit Kindesbeinen an, in die Tiefen der englischen Landschaft um dort nach mystischen und geisterhaften Präsenzen zu suchen. Sie entdecken ...

Olivia, von ihrer Tante auch Livie genannt, begleitet diese, schon seit Kindesbeinen an, in die Tiefen der englischen Landschaft um dort nach mystischen und geisterhaften Präsenzen zu suchen. Sie entdecken tatsächlich eine Stelle mir einer uralten Eiche, als beide plötzlich von einem heftigen Unwetter überrascht werden. Den Naturgewalten völlig schutzlos ausgeliefert, wird Livie von einem Blitz getroffen und ist tot. Als sie wieder zu sich kommt, sitzt Walt, der Todesbote neben ihr. Er ist es auch, der Livie ihre künftige Aufgabe als Geist erklärt. Verwirrt und überwältigt von diesem Einschnitt in ihr Dasein, begleitet Livie Walt in ihr neues Zuhause, das Anwesen der Familie Harrowmore. Doch sie hat nicht viel Zeit, sich in ihre neue Rolle einzugewöhnen, denn die Familie wird von einem Dämon heimgesucht. Livie erkennt schnell, dass dieser nicht locker lässt, bis er sein Ziel erreicht hat.

„Dämonenjagd für Anfänger“ ist dabei das erste Buch einer, bereits bestehenden, Bücherserie mit Livie, als Schutzgeist, in der Hauptrolle. Es ist eine wunderbar kurzweilige Geschichte mit vielen spannenden Charakteren und Figuren, die mir persönlich, in dieser Gestalt noch nicht unter gekommen sind und über die ich noch mehr erfahren möchte.
Die Familie Harrowmore und ihr „Schicksal“ werden sehr gut beschrieben und auch die Umgebung ist sehr abwechslungsreich und detailreich aufgebaut. So kann man sehr gut in die Welt von Livie und ihr neues „Leben“ eintauchen.
Die Handlung entwickelt sich sehr geradlinig und zügig, ohne groß vom Weg abzuweichen. Das macht das Lesen einfach und entspannt. Leider fehlt es dadurch aber auch ein bisschen an Nervenkitzel, da wenig Unerwartetes passiert oder man als Leser, durch eventuelle Seitenstränge, zeitweise mehr erfährt als die Protagonisten.
Gerne hätte ich auch noch mehr Hintergrundinformationen über die Geisterwelt bekommen, um dadurch ein größeres Gesamtbild der Geschichte zu haben. So sind viele Reaktionen und Verhaltensweisen zwar in sich stimmig, kommen aber gefühlt etwas aus dem Nichts. Ich hoffe darauf, dass dies in den folgenden Büchern Stück für Stück nachgeholt wird.
Die Beziehung zwischen Walt und Livie hätte sich, für meinen Geschmack, ebenfalls etwas harmonischer entwickeln können, allerdings gefällt mir daran wiederum, dass dieser Teil der Erzählung dadurch nicht so sehr im Vordergrund steht. Schön finde ich auch wieder das Ende des Buches, welches die Geschichte in sich zwar abschließt, aber doch noch eine kleine Lücke für Spekulationen offen lässt.

Teil Eins von „Banshee Livie“ ist damit eine sehr schöne und runde Geistergeschichte, die momentan noch etwas oberflächlich sein mag, aber definitiv Potenzial für mehr hat und damit dem Leser einen gemütlichen Leseabend bescheren kann. Daher bin ich schon auf die folgenden Bücher und Figuren gespannt und werde sie mit Freude lesen.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Spannender Krimi im nebeligen London

Ruf der Rusalka
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Klappentext:
Lewis hat sich geschworen, es nie wieder zu tun. Doch der faszinierenden Fremden kann er nicht widerstehen. Als Londons größter Ermittler soll er den Mord an ihrer Freundin aufklären.
Aber ...

Klappentext:
Lewis hat sich geschworen, es nie wieder zu tun. Doch der faszinierenden Fremden kann er nicht widerstehen. Als Londons größter Ermittler soll er den Mord an ihrer Freundin aufklären.
Aber mit jedem Schritt holen ihn die Bilder seiner Vergangenheit wieder ein und drohen, ihn unter sich zu begraben. Wäre da nicht die Frau an der Themse. Kann sie ihn vor sich selbst retten?
Kate kann endlich der Eintönigkeit Manchesters entkommen und wagt sich nach London, um ihrem Traum nachzujagen: der nächsten großen Story. Und was wäre größer als ein Serienmörder? Aber die Morde sind erst der Anfang.
Kate und Lewis tauchen ein in eine Welt der Geheimgesellschaften und okkulten Rituale. Können sie die Vernichtung Londons noch aufhalten?

Rezension:
Gleich zu Anfang lernen wir Lewis kennen, einen bekannten Ermittler und Autor, der die Erlebnisse aus seinen vergangenen Fällen nicht mehr ertragen kann und, auf der Suche nach Linderung, zum Alkohol greift. Als er wieder einmal, nach einem längeren Kneipenabend, auf dem Weg nach Hause ist, sieht er, wie die Polizei eine Frauenleiche aus der Themse zieht. Etwas Abseits beobachtet die geheimnisvolle fremde Frau ebenfalls die Szene und sie bittet Lewis, den Mörder zu finden.

Womit wir auch direkt in der eigentlichen Geschichte angekommen sind, die sich, wie in Geschichten mit Perspektivwechseln üblich, aus zwei Abschnitten zusammensetzt. Einmal die Sicht von Lewis und dann abwechselnd die Erlebnisse von Kate. Lewis´ Kapiteln ist jeweils ein Datum und eine Uhrzeit vorangesetzt, was, im Nachhinein betrachtet, sehr nützlich ist und hilft, die Abfolge zeitlich zu gliedern. Denn die Aneinanderreihung der einzelnen Abschnitte hat mich zwischendurch doch sehr verwirrt, wobei ich hier aber auch vermuten möchte, dass das vom Autor so beabsichtigt war. Anders kann ich mir manche Ähnlichkeiten im Ablauf nicht erklären. Doch etwas, was auf den ersten Eindruck das Gleiche zu sein scheint, muss es nicht auch zwangsläufig sein.
Auf jeden Fall fühlte ich mich während des Lesens immer wieder herausgefordert, die Zusammenhänge zu erkennen und nachzuvollziehen. Dazu bin ich des Öfteren zwischen den Seiten hin und her gesprungen, denn manchmal sind es wirklich die Kleinigkeiten auf den zweiten Blick, die entscheidend sind.

Zwischendurch gab es aber auch sehr amüsante Momente und ich musste besonders über den Butler Dietrich lachen, der mir, mit seinem oft trockenen Humor, mit am besten von allen Charakteren gefallen hat. Aber auch Kate mit ihrer selbst-motivierenden Art und ihrem klaren Ziel vor Augen, war eine tolle Figur. Lewis Alkoholsucht dagegen wurde mir etwas zu gebetsmühlenartig wiederholt, auch wenn die ständige Gegenwart des Alkohols sehr realistisch sein mag. Es ging für meinen Geschmack aber etwas unter, dass er eigentlich auch ein genialer Detektiv ist.
Das doch sehr besondere Ende hat mich dann aber wieder versöhnlich gestimmt und mich gleichzeitig traurig, aber aufgrund der Originalität auch zufrieden nach dem lesen zurückgelassen.

Das Buch ist eine gelungene Kriminalgeschichte, mit einer guten Portion Mystik, die für mich immer wunderbar in das viktorianische London passt. Vielleicht leidet sie etwas unter der Prägnanz der Ereignisse und ein bisschen mehr Ausführlichkeit würde das Lesen etwas entspannter gestalten ohne der Handlung dabei gleich die Spannung zu nehmen. Den Klappentext finde ich außerdem etwas irreführend bzw. er kündigt etwas an, was so im Buch, meiner Meinung nach, gar nicht oder nicht in dem Ausmaße passiert. Das ist aber, wie üblich, meine eigene Meinung und jeder soll sich dazu sein Urteil bilden.

Wer also Lust hat, gerade jetzt im Herbst, ein etwas verschlungenes, aber auch spannendes und überraschendes Rätsel zu lösen, in einem London des 19 Jahrhunderts, wo der Nebel einen zu verschlucken droht und dunkle Ecken noch finsterer erscheinen lässt, der ist mit „Ruf der Rusalka“ gut beraten.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Schöner Roman für Zwischendurch

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
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Charlotte lebt eigentlich in Schweden und hat in jüngerer Vergangenheit ein paar schwere Schicksalsschläge, wie den Unfalltod ihres Ehemannes, erleben müssen. Da erfährt sie, dass sie von einer ...

Charlotte lebt eigentlich in Schweden und hat in jüngerer Vergangenheit ein paar schwere Schicksalsschläge, wie den Unfalltod ihres Ehemannes, erleben müssen. Da erfährt sie, dass sie von einer bislang unbekannten Tante aus England eine Buchhandlung samt Wohnung geerbt hat. Mit dem Plan, das geerbte Haus schnellstmöglich zu verkaufen und zurück nach Schweden zu kehren, reist Charlotte nach London. Dort angekommen lernt sie die Mitarbeiter und Freunde ihrer verstorbenen Tante kennen und deren Leidenschaft für die Literatur. Als Charlotte dann auch noch auf ein Familiengeheimnis stößt, nimmt ihr Vorhaben eine entscheidende Wendung.

Die Geschichte beginnt mit einem vielversprechenden Anfang. Eine Buchhandlung mitten in London, gemütlich und nostalgisch eingerichtet, wo noch Wert auf den Kunden und die persönliche Beratung gelegt wird. Balsam für die Seele eines Buchliebhabers und für eine junge Frau aus Schweden, die in den letzten Jahren nicht nur vom Glück verfolgt wurde. Wir lernen gemeinsam mit Charlotte die Mitarbeiter Martinique, Sam und William kennen und erfahren mehr über das Geschäft ihrer verstorbenen Tante, was leider nicht so gut läuft, wie erhofft. Die Charaktere sind dabei sehr schön gezeichnet und man erkennt sehr gute die einzelnen Eigenschaften der Personen. Gut gefallen haben mir dabei auch die speziellen Eigenheiten mancher Stammkunden, die häufig nur auf einen Plausch vorbeikommen. Das unterstreicht nochmal die Besonderheit der Buchhandlung. Das genau diese Tatsache für Charlotte am Anfang so schwer zu verstehen ist und ihre generelle anfängliche Distanz gegenüber der, für sie fremden Welt, kam ebenfalls sehr gut rüber.

Abwechselnd zu der Geschichte in der Gegenwart, erfahren wir auch Stück für Stück, durch aufgefundene Briefe oder Fotos mehr über die Familiengeschichte von Charlottes Mutter und Tante und wie es zu dem offensichtlichen Bruch zwischen den beiden Schwestern gekommen ist.
Charlotte kommt mit der Zeit ebenfalls hinter das Geheimnis ihrer Familie. Zwar bleibt ihr ein entscheidendes Detail verborgen, was vielleicht auch ganz gut ist, denn sie fühlt sich immer mehr mit dem Erbe ihrer Tante verbunden, aber ihr Wissen reicht aus, dass sie im Verlauf der Handlung versucht, das Geschäft doch noch zu retten.
Dabei finde ich ihre grundlegende Vorgehensweise, mit meinem Laienverständnis betrachtet, sehr professionell und es gibt der Erzählung Substanz. Das „Kaninchen“, was sie dann schlussendlich aber aus dem Hut zaubert und ihre Unwissenheit darüber, wirkt dann wieder etwas unglaubwürdig, bzw. ich habe es mit einem Augenzwinkern betrachtet.

Natürlich darf aber auch Charlottes privates Glück nicht zu kurz kommen und sie entwickelt Gefühle für William. Wehrt sich Charlotte anfangs noch gegen die Gefühle, weil sie verständlicherweise noch um ihren verstorbenen Ehemann trauert, gesteht sie William plötzlich nicht nur ihre entflammte Liebe, sondern kann sich, nach einem darauf folgenden Kuss, tagelang nicht mehr von ihm lösen und der Ehemann scheint vorerst vergessen. Diese Wandlung von Charlottes Charakter ist mir diesbezüglich doch etwas zu schnell gegangen und ich habe mich gefragt, welchen Mehrwert diese plötzliche Entwicklung für die Handlung hatte.

Nimmt man nun die bereits erwähnten, aber auch andere Stellen aus dem Buch zusammen, erhält man, finde ich, eine angenehme, stellenweise aber doch etwas zurechtgelegte Geschichte mit leider weniger Tiefe, als ich erhofft hatte und die nicht in allen Situationen das echte Leben wiederspiegelt. Das entspricht nicht so ganz meinem Geschmack, denn es hindert mich oft daran, komplett in die Geschichte eintauchen zu können. Wen diese Feinheiten aber nicht stören, der findet in `Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse´ immer noch eine sehr schöne Liebesgeschichte, geprägt von der Liebe zu Menschen, zu Büchern und einer Leidenschaft für etwas, was einem am Herzen liegt.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Zufallsfund?

Als der Zufall sich verliebte
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Was wäre, wenn es keine Zufälle im herkömmlichen Sinne gäbe, sondern Personen, die Einfluss auf all die kleinen Begebenheiten nehmen, die schließlich zu dem „Zufall“ führen? Und was passiert, wenn eine ...

Was wäre, wenn es keine Zufälle im herkömmlichen Sinne gäbe, sondern Personen, die Einfluss auf all die kleinen Begebenheiten nehmen, die schließlich zu dem „Zufall“ führen? Und was passiert, wenn eine dieser Personen ihren eigenen Kopf hat? Guy, Emily und Eric sind Zufallsstifter und können das Schicksal beeinflussen. Dabei hat jeder seine persönlichen Talente und Vorgehensweisen. Doch als Guy eines Tages einen Auftrag erhält, der so gar nicht seinen bisherigen Fähigkeiten entspricht, offenbaren sich die wirklich großen Zusammenhänge aller Schicksale. Und dann wären da ja noch die eingebildeten Freunde.

In der Geschichte begleiten wir die drei Hauptprotagonisten bei ihrem alltäglichen Leben. Der Autor beschreibt dabei liebevoll das Wirken des Trios und zeigt in diversen Rückblicken auf, wie es zu seiner Bestimmung gekommen ist. Guy und Emily stehen hier deutlich im Focus der Handlung. Bereits am Anfang fällt auf, dass beide kein herkömmliches Leben führen, sondern irgendwie besonders sind. Denn jeder Tag dreht sich bei ihnen ausschließlich um die Erfüllung eines Auftrages. Eric dagegen scheint ein etwas abwechslungsreicheres Leben zu haben.

Der Roman lässt sich wunderbar leicht lesen und hat für mein Empfinden auch keine großen Unstimmigkeiten. Die ergänzenden Auszüge aus den Lehrbüchern für angehende Zufallsstifter unterstützen die Geschichte dabei inhaltlich, für den eigentlichen Verlauf der Handlung waren sie, meiner Meinung nach, aber nicht nötig. So habe ich die ersten Teile noch gelesen, später dann aber nur übersprungen, weil sie doch sehr wissenschaftlich angehaucht waren, was wiederum ja einem Lehrbuch entspricht und sie daher trotzdem ihre Berechtigung haben.

Sehr charmant fand ich, dass sich die Geschichte am Ende zwar aufklärt, aber in ihrer Tiefe noch viel Raum für eigene Antworten auf Fragen zulässt, die erst nach dem Lesen auftreten und trotzdem ihre Erklärung in der Erzählung finden. So beschäftigt man sich möglicherweise auch die nächsten Tage noch mit dem Buch, was für mich immer ein sehr schöner Aspekt ist.

Joav Blum hat mit diesem Roman eine fantasievolle Idee wunderbar literarisch umgesetzt, wie ich es so nicht erwartet habe. Wir alle fragen uns doch manchmal, ob es Zufälle und ein übergeordnetes Schicksal gibt oder ob wir unser Leben selbst lenken können. Blum hat hierauf eine Antwort gefunden. Eine wundervolle Geschichte, einem modernen Märchen ähnelnd, und der Frage, was wahrhaftig ist und wann etwas tatsächlich wahr ist.