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Veröffentlicht am 14.01.2020

Revolution im Kleinen

Der dunkle Weg
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Ida stammt aus einer wohlhabenden Familie in Hamburg. Ihr fehlt es an nichts, doch nach einem Kunststudium in London, fühlt sich ihr altes Zuhause fremd an. Die Ansichten und Gesellschaftsvorstellungen ...

Ida stammt aus einer wohlhabenden Familie in Hamburg. Ihr fehlt es an nichts, doch nach einem Kunststudium in London, fühlt sich ihr altes Zuhause fremd an. Die Ansichten und Gesellschaftsvorstellungen ihrer Eltern engen sie ein und der Wunsch nach der einmal erfahrenen Freiheit lässt sie nicht mehr los. Unter dem Vorwand eine alte Freundin in Irland zu besuchen, macht sich Ida, trotz des Unmutes ihrer Eltern, erneut auf den Weg, wohl wissend, dass sie nicht so bald mehr nach Hamburg zurückkehren wird. In Irland angekommen, schafft es Ida schnell, mit ihrem Talent als Malerin und der Hilfe ihrer Freundin, Kontakte zu knüpfen und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Doch Irland steht kurz vor einer Revolution und möchte damit die Unabhängigkeit Englands erreichen. Auf dem Festland steht der erste Weltkrieg kurz bevor. Jetzt muss Ida zeigen, wie stark und unabhängig sie wirklich sein kann.

Idas Geschichte basiert auf einer realen Begebenheit. Viele ihrer Freunde in dem Buch, waren bekannte Persönlichkeiten in der Geschichte Irlands. Die Autorin hat es wunderbar geschafft diesen Menschen erneut eine Persönlichkeit zu geben. Ihre einzelnen Schicksale kommen sehr gut hervor und man fühlt mit jeden Einzelnen mit. Der fiktive Charakter Ida ist ebenfalls sehr glaubwürdig und passt sich sehr gut in die Gruppe realer Charaktere ein. Ohne, dass übertrieben darauf hingewiesen wird, wirkt Ida als eine starke, aber dabei auch so ruhige Frau, die man einfach sympathisch finden muss.
Die Handlung des Romans umfasst im Grunde die Lebensgeschichte Idas und wir begleiten sie dabei über die Jahre hinweg, bei Höhen und Tiefen und ihrem eigenen persönlichen Glück. Wir erfahren zudem viel über ihren Einsatz für Hilfsbedürftige und damit ihren Wertvorstellungen, die nicht immer zur damaligen Zeit gepasst haben. Die politische Revolution tritt dabei allerdings etwas in den Hintergrund, was mein einziger Kritikpunkt an dem Roman ist. Ich hätte gerne noch mehr Details oder Hintergrundinformationen erhalten, um ein besseres Gefühl für die Stimmung im ganzen Land zu bekommen. Natürlich wird immer wieder von Aufständen berichtet und bei dem ein oder anderen Protest ist man, durch Ida, am Rande dabei, jedoch fehlt, meiner Meinung nach, ein bisschen die geschichtliche Grundlage.

Abgesehen von diesem kleinen Negativpunkt, hat mir „Der dunkle Weg“ aber sehr gut gefallen und die Autorin konnte mich damit erneut von einem ihrer Romane überzeugen. Wer, wie ich, Freude an gut recherchierten, bodenständigen und vielseitigen Romanen hat, der trifft mit diesem Buch eine gute Wahl.

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Veröffentlicht am 06.01.2020

Einzigartig und speziell in seiner Art

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Klappentext:
Ein Maskenball auf einem herrschaftlichen Anwesen, ein mysteriöser Mord, der sich jeden Tag aufs Neue wiederholt, und ein Zeuge, der die Tat immer wieder durch fremde Augen sieht. Die sieben ...

Klappentext:
Ein Maskenball auf einem herrschaftlichen Anwesen, ein mysteriöser Mord, der sich jeden Tag aufs Neue wiederholt, und ein Zeuge, der die Tat immer wieder durch fremde Augen sieht. Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle ist ein teuflisch spannender, raffiniert komponierter Kriminalroman, der Sie vergessen lässt, was Sie je über Detektivgeschichten zu wissen glaubten.

Rezension:
Normalerweise würde ich ja versuchen, eine kurze Zusammenfassung des Buches mit meinem eigenen Worten wieder zu geben, aber wer „Die 7 Tode der Evelyn Hardcastle“ gelesen hat, der weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Kurz gesagt, wir begleiten eben diesen Zeugen auf seiner Spurensuche nach dem Mörder. Der entscheidende Tag des Mordes wiederholt sich in einer scheinbaren Endlosschleife und ist für unseren Zeugen doch immer wieder anders. Bald erfährt er, dass er schon viel zu lange in diesem Kreislauf gefangen ist und dass es Bedingungen gibt, an die er sich halten muss, möchte er aus dieser Schleife jemals wieder entkommen.
Es war anfangs schwer für mich, in die Handlung einzutauchen. Es prasseln viele Namen und Informationen auf einen ein, die man erst einmal für sich sortieren muss. Und alles was man gelesen hat und damit als bekannt oder gegeben voraussetzen könnte, stellt sich später als doch ganz anders heraus. Das ist einerseits sehr faszinierend, weil es die Geschichte unglaublich spannend und in keiner Weise vorhersehbar macht, auf der anderen Seite verwirrt es doch nicht unerheblich. Diese andauernde Verwirrung hält sich leider auch bis kurz vor Ende des Buches. Dort angekommen, ergibt zwar Vieles einen Sinn, doch auch hier kommt man nicht hundertprozentig hinter alle Zusammenhänge und ein paar Fragen bleiben möglicherweise für den Leser noch offen. Ich bin prinzipiell begeistert von der Idee des Autors und seiner Umsetzung und kann auch nicht behaupten, dass ich Widersprüche in der Handlung oder den Gesetzmäßigkeiten entdeckt hätte. Allerdings hätte für mein Leseverständnis, die Beschreibung der Abläufe noch eindeutiger sein können. Unabhängig von der Handlung gefiel mir aber sein Schreibstil sehr gut und ich konnte mir ein sehr gutes Bild von den einzelnen Charakteren machen, die alle sehr unterschiedlich in ihrer Art waren und damit nicht nur oberflächlich agiert haben.

Dieser Krimi ist sicherlich ein sehr außergewöhnlicher Roman, der von seiner eher raren Idee und seiner Tiefe lebt. Ein paar entscheidenden Details sind in der Fülle der Informationen leider untergegangen. Diese finden sich aber vielleicht bei einem erneuten Lesen des Buches und es ergibt sich so ein eindeutigeres Bild von der ganzen Geschichte. „Die 7 Tode der Evelyn Hardcastle“ ist ein Buch, für das man sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen sollte, um es auch ein bisschen genießen zu können. Ich werde es bestimmt auch noch einmal zur Hand nehmen.

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Veröffentlicht am 03.01.2020

Toller Roman mit kleiner Botschaft

Violet
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Southampton im Jahre 1932. Violet ist alleinstehend und lebt daher mit Ende dreißig immer noch bei ihrer Mutter im Haus. Beide haben im Krieg und der Zeit danach, geliebte Familienmitglieder verloren. ...

Southampton im Jahre 1932. Violet ist alleinstehend und lebt daher mit Ende dreißig immer noch bei ihrer Mutter im Haus. Beide haben im Krieg und der Zeit danach, geliebte Familienmitglieder verloren. Doch während Violets Mutter durch die Trauer immer verbitterter wurde und ihre Launen an ihrer Tochter auslässt, möchte Violet endlich ihr Leben zurück und entschließt sich, dem einnehmenden Griff der Mutter zu entfliehen. Durch ein Stellenangebot im nahegelegenen Winchester sieht sie ihre Chance gekommen und wagt den Auszug. Dort angekommen, lernt sie schon bald die Mitglieder einer Stickgruppe kennen und findet dort schnell Anschluss und eine neue Aufgabe, die sie, abseits ihres Berufes als Schreibkraft, zu erfüllen scheint. Doch so ganz lassen sie die Konventionen ihrer Zeit auch in Winchester nicht los und als sie den Glöckner Arthur kennenlernt, und ihre neuen Freunde in Schwierigkeiten geraten, muss Violet mehr als nur eine mutige Entscheidung treffen.

Violet ist eine mutige Frau in den 30er Jahren des letzten Jahrtausends und wir begleiten sie auf ihrem Weg zur angestrebten Unabhängigkeit. Wir erfahren dabei, dass es in dieser Zeit alles andere als selbstverständlich ist, als alleinstehende Frau seinen Weg zu gehen und müssen während des Lesens auch akzeptieren, dass in manchen Situationen, die Zeit für viele Menschen einfach noch nicht gekommen ist, sich den Veränderungen zu öffnen. Dabei wählt die Autorin sehr sachliche und natürliche Beschreibungen der Szenen und Personen und verzichtet im Umkehrschluss auf blumige Bilder und kitschige Umschreibungen, was meinem Lesegeschmack sehr entgegen kommt. Es entsteht ein sehr realistischer Eindruck der, von ihr gestalteten, Welt und der damaligen Zeit. Sie schafft es zudem, dank ihrer Recherchen, ein authentisches Bild der 30er Jahre und der damals vorherrschenden Regeln und Konventionen zu zeichnen. Dadurch bekommt die Geschichte, in meinen Augen, viel Substanz und das Schicksal von Violet und ihren Freunden wird noch greifbarer. Das die einzelnen Charaktere ebenfalls sehr gut und vielseitig beschrieben sind, unterstützt diesen Eindruck zusätzlich, und sie erscheinen wie echte Persönlichkeiten, mit welchen man mitfühlen kann. In der Handlung wird außerdem auch nicht auf das Mitwirken von Nebendarstellern verzichtet, welche die Geschichte zusätzlich hervorragend abrunden.
Das Ende der Geschichte wiederum bleibt relativ offen, was, für mich persönlich, der einzige Abstrich an diesem Roman ist. Sicher ist das beabsichtigt und kann so die Fantasie des Lesers ein wenig ankurbeln, doch mich hat es, bei der sonst so runden Geschichte, etwas in der Luft schwebend zurückgelassen. Da abgesehen davon, kein beschriebener Teil der Handlung ungelöst bleibt, hätte ich mir hier vielleicht ein noch eindeutigeres Happy End gewünscht.

Wie schon in der Leseprobe vermutet, hat es Tracy Chevalier mit diesem Buch wieder geschafft, einen Roman voller Tiefgang, liebevollen Details und einer guten Portion Gefühl zu schreiben. Für die Zeit und die Personen, aber auch in ihrer Interaktion miteinander. Er zeigt, dass es unerschrockene Frauen und Männer braucht, um etwas in der Gesellschaft zu bewegen und das wird heute, dank der Menschen in der Vergangenheit, zwar ein großes Stück weitergekommen, aber nicht überall bereits am Ziel angekommen sind. Ein Roman mit einer nicht sehr direkten aber doch eindeutigen Botschaft, welcher schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern 2020 zählt.

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Veröffentlicht am 17.12.2019

Da ist noch Luft nach oben

Das Ministerium der Welten - Samhain 1: Geisterwelten
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Die Welt ist von Rissen durchzogen. Seit Jahrhunderten schon tauchen sie an den verschiedensten Orten auf und öffnen damit die Welt der Menschen für Geister und Kreaturen aller Art. Manche sind harmlos ...

Die Welt ist von Rissen durchzogen. Seit Jahrhunderten schon tauchen sie an den verschiedensten Orten auf und öffnen damit die Welt der Menschen für Geister und Kreaturen aller Art. Manche sind harmlos und halten sich versteckt. Andere Wesen dagegen sind nicht so pflegeleicht. Als immer wieder Leichen und ungeklärte Schleimhaufen auftauchen, ist das Ministerium der Welten alarmiert und setzt die Jäger Norrick und River auf den Fall an. Doch auch Scotland Yard entgeht der Mord nicht und schickt ebenfalls seine beste Ermittlerin zum Tatort. Melody ist fasziniert von den Geistern, stellt aber sehr bald fest, dass diese nach ihren eigenen Gesetzen handeln. Glücklicherweise kann sie sich auf River und Norrick verlassen und gemeinsam begeben sie sich auf die Jagd nach Spuren und nur der Leser erfährt, dass der Fall größer ist, als die Detektive zu Anfang ahnen.

Der Einstieg in das Buch fiel mir leider etwas schwer. Die Umgebung und die Charaktere werden nicht sehr ausführlich vorgestellt und beschrieben, sodass ich den Eindruck hatte, einen Vorläufer der Geschichte verpasst zu haben oder mich mehr mit der Welt der Geister und Monster im Allgemeinen hätte beschäftigen zu müssen. Allerdings sollte das auch keine unbedingte Voraussetzung sein, um einen Fantasy-Roman inhaltlich verstehen zu können. Aber auch die Epoche, in der die Handlung spielt, wird auch so gut wie gar nicht inhaltlich ausgearbeitet, was mich immer wieder stutzig werden ließ. Sie fühlt sich eher zeitlos an und könnte ebenso fast in jeder anderen Zeit spielen. Die ersten Kapitel wirken dadurch relativ chaotisch und man fragt sich, wie die einzelnen Begebenheiten zusammenhängen sollen und worauf die Geschichte eigentlich hinaus möchte.
Im weiteren Verlauf klärt sich dieses Bild glücklicherweise etwas. Ein roter Faden lässt sich erkennen und man kommt in die Geschichte rein. Das hat mich etwas mit dem Anfang versöhnt. Der nun parallele Verlauf der einzelnen Handlungsstränge, die zwar immer noch nicht wirklich zusammenhängen, macht das Buch trotz allem recht spannend und es wird möglicherweise bei dem einen oder anderen Leser der Ehrgeiz geweckt, herauszufinden, welche Ausmaße die Geschichte noch nimmt. Dabei helfen auch der schöne und flüssig zu lesende Sprachstil, sowie die gut gesetzten Dialoge der Figuren. So kann man doch noch eine Art der Verbindung zu ihnen aufbauen. Das vorläufige Ende oder der Höhepunkt des ersten Buches ist dann, in meinen Augen, etwas zu aufgebauscht und damit aufregender, als der eigentliche Inhalt nötig hat, aber es lässt zumindest auf eine originelle Auflösung in den Folgebänden hoffen.

Möglicherweise ist der erste Band für sich gesehen, die große Einleitung einer umfangreicheren Fantasy-Geschichte. Was ich mir wünschen würde. Denn so ist der Roman zwar an sich sehr schön geschrieben, mit spannenden Momenten und sehr vielseitig, aber auch etwas farblos und mit langatmigen Passagen. Mein Interesse auf eine Fortsetzung ist durchaus vorhanden, ich überlege aber noch, ob ich mir das nächste Buch so bald kaufen werde.

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Veröffentlicht am 20.11.2019

Liebesgeschichte mit Hindernissen

Der Buchliebhaber
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Arthur liebt Bücher und lehnt moderne Technik ab. Warum sollte man sich einen E-Reader anschaffen und im Internet recherchieren, wenn man doch in echten Büchern blättern kann und dabei das Material fühlen, ...

Arthur liebt Bücher und lehnt moderne Technik ab. Warum sollte man sich einen E-Reader anschaffen und im Internet recherchieren, wenn man doch in echten Büchern blättern kann und dabei das Material fühlen, den Geruch und damit die Seele eines Buches aufnehmen kann. Aus diesem Grund findet man Arthur oft in der alten Bibliothek von Barchester. Hier sammelt er Informationen für sein neustes Projekt, den Kirchenführer der Kathedrale. Doch gleichzeitig kann er dabei noch seiner zweiten Leidenschaft nachgehen. Der Gralssuche. Schon sein Großvater hat ihn damit vertraut gemacht und seine Neugier für dieses religiöse Artefakt geweckt. Arthurs gemütliches Leben wird eines schönen Tages von Bethany gestört. Sie ist Amerikanerin, redet viel und ist von der digitalen Welt überzeugt. Hier in Barchester will sie daher alle alten Werke digitalisieren und somit der ganzen Welt zugänglich zu machen. Ein Frevel in Arthurs Augen. Doch es stellt sich heraus, dass er in seiner Faszination, von der Sage um den heiligen Gral, nicht allein ist und gemeinsam begeben sich die beiden auf Spurensuche und kommen damit nicht nur einer wundersamen Legende immer näher.

Das klingt nach einer wunderbaren Geschichte und einer kleinen Liebeserklärung an die Bücherwelt, als historisches Erbe der Menschheitsgeschichte. Der Anfang war sehr vielversprechend. Es beginnt mit einem Rückblick in die Zeit des zweiten Weltkrieges, wo ein Feuer die Kathedrale zu zerstören droht. Alle Bewohner packen mit an, um wenigstens die kostbaren Bücher zu retten. Auch im weiteren Verlauf des Buches blicken wir immer mal wieder zurück in die Geschichte der Kirche und ihre Rolle in der Legende von Barchester. Zurück in der Gegenwart lernen wir dann Arthur kennen. Er gefällt mir vom Charakter her sehr gut und ich konnte mir ein sehr gutes Bild von seinem Leben in Barchester machen. Als Bethany dann auftaucht, wendet sich das Blatt für mich. Das tut mir eigentlich Leid, aber auch wenn sie natürlich ein bisschen Wind in Arthurs Leben und Barchester an sich bringen soll, kam sie für mich eher wie ein Tornado daher, der die komplette Geschichte an sich reißt. Das schlechte Gefühl ging so weit, dass ich das Buch zwischendurch weg legen musste, weil sie mir so auf den Nerv ging. Zwischendurch war sie Arthur auch, in ihrer eigentlich gemeinsamen Suche, immer zwei Schritte voraus, was ihn und seine analoge Bücherwelt als verstaubt und rückständig dastehen ließ. Das hat, mich persönlich, etwas gestört. Da man die Geschichte aber auch aus Arthurs Perspektive betrachtet, war man so, eine Zeit lang, gar nicht mehr unmittelbar an der Gralssuche beteiligt und es machte die Handlung damit etwas langatmig. Gegen Ende bessert sich dieser Eindruck zum Glück wieder ein bisschen, denn Arthur übernimmt erneut die Führung und bringt die entscheidende Wendung. Ein kleiner Haken bleibt hier möglicherweise das Thema der Codeentschlüsselung, das für meinen Geschmack nicht ausreichend erklärt wurde und den Leser daran hindern kann, die Gedankengänge der Charaktere komplett nachvollziehen zu können.

Insgesamt hat mir der Aufbau rund um die Gralssuche und die Legende sehr gut gefallen und der Stil war sehr angenehm zu lesen. Es ist eine spannende, historische Geschichte, die schon viele Menschen in der Vergangenheit beschäftigt und fasziniert hat. Dies in einen Roman mit der Historie eines Ortes und einem Buchliebhaber zu verknüpfen ist eine schöne Idee. Die Romanze, als die Sahne auf der Torte, ging für mich dabei leider ziemlich unter, was zum einen an meiner fehlenden Sympathie für Bethany liegen kann, aber auch daran, dass das Gefühl einer sich entwickelnden Liebe, bei mir nur sehr spärlich ankam.

Ich habe mich mit „Der Buchliebhaber“ durchaus gut unterhalten gefühlt, wenn auch mit ein paar Hindernissen. Aber ich möchte jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen und vielleicht der Protagonistin noch eine Chance zu geben.