Originelle Idee mit starkem Anfang, aber dann ...
Tödliches Angebot„Tödliches Angebot“ gefiel mir gleich zu Beginn insbesondere durch die originelle Idee, den frischen Schreibstil und das flotte Erzähltempo. Manche dieser Punkte blieben bis zum Ende erhalten, andere ließen ...
„Tödliches Angebot“ gefiel mir gleich zu Beginn insbesondere durch die originelle Idee, den frischen Schreibstil und das flotte Erzähltempo. Manche dieser Punkte blieben bis zum Ende erhalten, andere ließen leider nach. Insgesamt haben die Einstufung als Psychothriller und der Anfang des Buches Erwartungen bei mir geweckt, die nicht gehalten wurden.
Das erste Drittel ist hervorragend. Margo begegnet uns als Ich-Erzählerin und das gibt dem Buch eine besondere Note, denn Margo hat ganz gehörig einen an der Waffel, findet sich selbst aber offensichtlich völlig normal. Und so erfahren wir das Geschehen aus ihrer reichlich verqueren Sicht. Im lockeren Plauderton, mit ein wenig trockenem Humor, berichtet sie uns ihre Gedanken und Handlungen, als ob sie von einem netten Einkaufsbummel erzählt. Alles locker-flockig, sie sieht sich völlig im Recht und das liest sich auf eine seltsame Art vergnüglich, obwohl Margo eine grauenvolle Person ist. Ein guter Kniff, die Ich-Erzähler-Perspektive zu wählen.
Der auf positive Art leichte Schreibstil trägt dazu bei. Die überwiegend ausgezeichnete Übersetzung transportiert diesen Stil gelungen ins Deutsche und war ebenfalls fast immer angenehm zu lesen. Nur mit Redensarten/Begriffen aus der Populärkultur scheint die Übersetzerin nicht vertraut zu sein, denn diese ergeben in der von ihr gemachten wörtlichen Übersetzung keinen Sinn und sorgen für Momente des Stirnrunzelns. Dies waren aber nur einzelne Sätze; wesentlich mehr wurde mein Lesevergnügen durch den albernen, artifiziellen Begriff „Studierende“ beeinträchtigt.
Wir sind gleich mitten in der Geschichte drin, sehr erfreulich, und ich habe es genossen, wie Margo sich an die Hauseigentümer heranarbeitet. Hier – im o.e. ersten Drittel – las ich gebannt, genoss die Begegnungen und Unterhaltungen, und war gespannt, wie sich dieser Umgang psychologisch zuspitzen wird. Alle Weichen für ein tolles Psychoduell waren gestellt. Ich war sicher, endlich mal wieder einen guten Psychothriller gefunden zu haben – es gibt leider so wenige, die den Namen verdienen. Aber nach dem ersten Drittel stellte sich heraus: „Tödliches Angebot“ ist leider doch keiner von diesen.
Nach diesem flotten, unterhaltsamen und spannenden ersten Drittel wird es sehr lange sehr zäh. Wir erfahren viele Nebensächlichkeiten, darunter Rückblicke in Margos Vergangenheit, die wahrscheinlich erklären sollen, warum sie so geworden ist, die aber ziemlich dröge und einfach gestrickt sind, außerdem den Erzählfluss eher unterbrechen. Auch die Einblicke in ihren Arbeitsalltag tragen nur ganz am Rande zur Geschichte bei und wären in dieser Ausführlichkeit nicht nötig gewesen. Dann beginnt sie mit Recherchen, die ihr bei der Erreichung ihres Zieles helfen sollen, und die sind nun wirklich außerordentlich zäh. Die Geschichte verliert sich darin und damit verliert sie leider auch ihren eigentlichen Fokus. Das hätte man alles so viel kürzer fassen können. Von Psychothriller kann hier auch schon längst keine Rede mehr sein.
Zum Ende hin schwenkt die Geschichte dann noch mal um. Die Ehe zwischen Margo und ihrem farblosen Mann Ian fand ich von Anfang an nicht sonderlich gut erzählt. Sie wirkte konstruiert, nicht glaubhaft. Das war anfänglich noch verschmerzbar, weil das Thema keine sonderlich große Rolle spielte, dann aber wird es abrupt relevant und leider noch konstruierter. Alles, was mit Margos Ehe zu tun hat, fand ich von der Autorin nicht gut umgesetzt.
Auch das Ende hat mir leider nicht gefallen. Es bringt eine überraschende Wendung mit sich, das muß man der Autorin lassen. Diese Wendung ist, wie vieles in dem Buch, durchaus originell. Aber abgesehen davon, daß sie ebenfalls konstruiert und ziemlich unglaubwürdig ist, hat sie auch etwas Plattes. Dieser letzte Teil ist überzogen und hat keinerlei Raffinesse. Das erwartete Psychoduell ist einfach verpufft. Aus dieser Grundidee hätte man sehr viel mehr machen können.
Und so bleibt „Tödliches Angebot“ eine originelle Idee, bei deren Umsetzung es leider hapert, die aber immerhin einen durchweg frisch-leichten Schreibstil, einige psychologisch interessante Elemente und eine ungewöhnliche Protagonistin bietet.