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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2025

Erfrischend anders

Frag Philomena Freud
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Philomena hat mich sofort begeistert: ein mutiges, schlaues Straßenmädchen, das im Wien der 1920er Jahre ihren Platz sucht und dabei in einen spannenden Mordfall verwickelt wird. Als Sidonie, die Adoptivtochter ...

Philomena hat mich sofort begeistert: ein mutiges, schlaues Straßenmädchen, das im Wien der 1920er Jahre ihren Platz sucht und dabei in einen spannenden Mordfall verwickelt wird. Als Sidonie, die Adoptivtochter einer Baronin, unter Verdacht gerät, glaubt Philomena nicht an deren Schuld – und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei stößt sie auf Intrigen, Geheimnisse und landet sogar in einer Heilanstalt.

Die Hauptfigur ist absolut sympathisch: witzig, neugierig und mit einem großen Herz für ihre Freunde und ihren Hund Kaiser Franz. Besonders gefallen hat mir, wie sie trotz aller Gefahren ihren eigenen Weg geht. Manche Nebenfiguren bleiben zwar eher im Hintergrund, doch Philomena trägt die Geschichte locker alleine.

Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel kurz, und durch den Dialekt wirkt alles sehr authentisch – manchmal etwas ungewohnt, aber das passt wunderbar zur Atmosphäre. Ich mochte besonders, wie lebendig Wien beschrieben wird; man hat beim Lesen fast das Gefühl, selbst durch die Straßen der Stadt zu laufen. Auch die Mischung aus Spannung und kleinen humorvollen Szenen sorgt dafür, dass die Geschichte nie zu düster wirkt.

Für mich war das Buch spannend, charmant und kurzweilig, auch wenn es noch Luft nach oben gibt, um Philomena noch besser kennenzulernen. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade jüngere Leserinnen viel Freude an der cleveren Ermittlerin haben, weil sie so bodenständig und mutig wirkt. Und ich selbst bin neugierig, wie sich ihre Abenteuer in den nächsten Bänden weiterentwickeln werden.

Fazit: Ein toller Reihenauftakt, der Spaß macht und Lust auf mehr weckt. Besonders empfehlenswert für jugendliche Leser
innen, die historische Krimis mögen.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Tief im Schwarzwald

Schattengrünes Tal
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Das Hotel »Zum alten Forsthaus« im Schwarzwald ist ein Ort des Verfalls – und zugleich ein Spiegelbild der Familie, die daran festhält. Lisa, die Tochter des Besitzers, trägt die Verantwortung, wird jedoch ...

Das Hotel »Zum alten Forsthaus« im Schwarzwald ist ein Ort des Verfalls – und zugleich ein Spiegelbild der Familie, die daran festhält. Lisa, die Tochter des Besitzers, trägt die Verantwortung, wird jedoch weder vom Vater Carl noch von ihrem Ehemann Simon wirklich wahrgenommen. In dieses fragile Gefüge tritt plötzlich Daniela, eine Fremde, die zunächst schutzbedürftig wirkt, dann jedoch Stück für Stück das Leben aller ins Wanken bringt.

Kristina Hauff versteht es meisterhaft, psychologische Spannung mit einer dichten, atmosphärischen Erzählweise zu verbinden. Der Schwarzwald ist dabei weit mehr als bloße Kulisse: Bedrohlich, geheimnisvoll und gleichzeitig vertraut, spiegelt er die innere Zerrissenheit der Figuren wider. Besonders eindrucksvoll sind die Perspektivwechsel, die den Lesenden verschiedene Blickwinkel eröffnen und gleichzeitig vieles im Unklaren lassen, was die Spannung zusätzlich verstärkt.

Für mich war Schattengrün ein absolut fesselndes Leseerlebnis. Die Figuren sind lebendig und vielschichtig gezeichnet, die Handlung packend konstruiert, und die dichte Atmosphäre hat mich vollständig in die Geschichte hineingezogen. Der Roman wirkt über das Lesen hinaus nach, weil er nicht nur von einem familiären Drama erzählt, sondern auch gesellschaftliche und ökologische Fragen aufgreift. Genau diese Mischung aus Spannung, Atmosphäre und Tiefgang hat mich überzeugt – und deshalb vergebe ich fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Guter Start einer Reihe?

Holmes & Moriarty
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Gareth Rubin liefert mit seiner Holmes-Moriarty-Geschichte ein atmosphärisch dichtes und spannend erzähltes Abenteuer. Besonders gelungen ist die ungewöhnliche Zeichnung Moriartys, der hier nicht nur als ...

Gareth Rubin liefert mit seiner Holmes-Moriarty-Geschichte ein atmosphärisch dichtes und spannend erzähltes Abenteuer. Besonders gelungen ist die ungewöhnliche Zeichnung Moriartys, der hier nicht nur als genialer Gegenspieler, sondern auch als vielschichtige, mitunter verletzliche Figur erscheint. Auch die Idee, die Handlung aus den Perspektiven von Watson und Moran zu schildern, bringt frischen Wind in das bekannte Setting.

Abstriche gibt es allerdings bei der Darstellung von Holmes selbst: Er bleibt ungewohnt im Hintergrund und verliert dadurch etwas von seinem typischen Glanz, wodurch die Spannung im Zusammenspiel mit Moriarty nicht das volle Potenzial erreicht.

Trotz dieser Schwäche ist der Roman ein fesselnder Beitrag zum Holmes-Universum, atmosphärisch dicht, sprachlich klar und mit einer spannenden Wendung der Rivalität. Für Fans klassischer Detektivgeschichten ebenso wie für Leser, die Lust auf eine kreative Neuinterpretation haben, absolut empfehlenswert – verdient starke vier Sterne.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Mir fehlte das Persönliche in der Story

Botanik des Wahnsinns
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Mich hat das Buch zunächst durch seine ansprechende Optik neugierig gemacht. Als ich dann den Klappentext und die Leseprobe gelesen hatte, war ich positiv überrascht und fühlte mich sofort angesprochen. ...

Mich hat das Buch zunächst durch seine ansprechende Optik neugierig gemacht. Als ich dann den Klappentext und die Leseprobe gelesen hatte, war ich positiv überrascht und fühlte mich sofort angesprochen. Ich arbeite selbst mit psychisch erkrankten Menschen und empfinde dieses Feld als sehr spannend, was mir beim Einstieg ins Buch eine gewisse Nähe verschaffte. Die ersten Seiten konnte ich daher mühelos lesen und dachte mir mehrfach: „Ja, das kenne ich.“
Mit der Zeit empfand ich jedoch die vorherrschende Melancholie als zu schwer, ebenso die ständigen Selbstzweifel und Fragen an den eigenen Berufsweg, die sich sehr deutlich in der Erzählweise widerspiegeln. Irgendwann stellte ich mir die Frage, warum jemand Psychologie studiert, wenn er gar nicht das Ziel verfolgt, dauerhaft in diesem Bereich zu arbeiten. Die Verbindung von Neugier an familiären Erkrankungen und gleichzeitig der Angst, selbst betroffen zu sein, wurde zwar nachvollziehbar beschrieben, aber für mich blieb der innere Konflikt an vielen Stellen zu blass. Gerade die typische, fragende Kindheitserfahrung kam nicht wirklich zum Ausdruck – vielmehr schien das Geschehen hingenommen zu werden, was ich mir nur schwer vorstellen konnte.
Auch die Darstellung der Liebeswelt wirkte für mich eher philosophisch als realitätsnah. Insgesamt empfand ich die Geschichte zu stark psychologisch-philosophisch aufbereitet und zu wenig emotional greifbar. Besonders im Hinblick auf die Familiengeschichte hätte ich mir mehr persönliche Nähe, mehr Gefühle und weniger Distanz gewünscht. Die Schilderungen der Erkrankungen waren zwar treffend und gut nachvollziehbar, ähnelten jedoch dem, was man auch in Fachliteratur findet (was bereits von mehreren Leser/innen empfunden wurde).
Alles in allem halte ich das Buch für lesenswert, auch wenn ich mir mehr Authentizität und Nähe zur persönlichen Ebene erhofft hätte. Gerade durch eine emotionalere Erzählweise hätte die Geschichte noch intensiver und eindringlicher wirken können. Trotzdem bietet das Buch interessante Denkanstöße und öffnet den Blick für die innere Auseinandersetzung mit Krankheit, Berufung und Identität.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Wer Gefühle sucht, wird hier fündig

Das Geschenk des Meeres
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Julia R. Kelly erzählt eine melancholische Geschichte von Verlust, unerfüllter Liebe und dem Schweigen einer Dorfgemeinschaft. An der schottischen Küste um 1900 wird ein fremder Junge angeschwemmt, der ...

Julia R. Kelly erzählt eine melancholische Geschichte von Verlust, unerfüllter Liebe und dem Schweigen einer Dorfgemeinschaft. An der schottischen Küste um 1900 wird ein fremder Junge angeschwemmt, der Dorothy unweigerlich an ihren verschwundenen Sohn erinnert. Seine Ankunft bringt lange verdrängte Konflikte ans Licht und zwingt sie, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Die Autorin fängt die raue Landschaft, die Enge des Dorflebens und die zerstörerische Macht von Gerüchten eindringlich ein. Mit wechselnden Perspektiven und zwei Zeitebenen entfaltet sich ein Geflecht aus Geheimnissen, Leid und unausgesprochenen Sehnsüchten. Dorothy bleibt dabei eine widersprüchliche Figur: verletzlich, stolz, unnahbar – und gerade deshalb faszinierend.

Die Stärke des Romans liegt in seiner dichten Atmosphäre und dem poetischen Ton, der Mythen, Natur und menschliche Tragödien kunstvoll verknüpft. Wer Geschichten mag, die an Sturmhöhe erinnern, wird hier fündig: intensiv, düster, berührend. Manche Passagen wirken jedoch etwas zu ausschweifend, was den Lesefluss zeitweise bremst. Deshalb gibt es von mir vier Sterne – für eine eindrucksvolle, atmosphärisch starke Geschichte mit kleinen Längen.

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