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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2021

Wenn der Nebenstrang die Hauptrolle übernimmt.

Fürchte die Schatten
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Der Plot:

Fortsetzung: Alles wie in Teil 1. Man kann den zweiten Teil natürlich ohne den ersten lesen. Aber dann fehlt etwas, denn der Nebenstrang wird in diesem Teil zum Hauptstrang. Robotham bedient ...

Der Plot:

Fortsetzung: Alles wie in Teil 1. Man kann den zweiten Teil natürlich ohne den ersten lesen. Aber dann fehlt etwas, denn der Nebenstrang wird in diesem Teil zum Hauptstrang. Robotham bedient sich wieder der Zwei-Personen-Perspektive. Aber diesmal taucht er viel tiefer in die psychologische Seite ein. Evie: warum, weshalb, weswegen. Erschreckend. Bis zum Showdown mit vielen Exkursen in die Psychologie.

Die Charaktere:

Sehr stark. Diesmal hat sich der Autor selbst übertroffen. Aber 480 Seiten sind zu viel des Guten, vorallem, weil man die Protagonisten bereits aus dem ersten Teil kennt. Wiederkauen mit Breitwalzen.)

Die Sprache:

Es ist eine Übersetzung. Leicht zu lesen, obwohl ich mich erst ab der Hälfte mit der Sprache so richtig wohl fühlte.

Fazit:

Ich konnte es nicht erwarten, nach dem grandiosen Teil eins, mit seinem Cliffhanger auf der letzten Seite, Teil zwei zu lesen. Ich erhoffte mehr von dem ‚Truthwizard‘ zu erfahren. Mehr, wie er helfen könnte, Fälle zu lösen. Mehr über den Konflikt der beiden Protagonisten. Mehr über die Richtung in welche sich ihr Verhältnis zueinander weiter entwickeln würde. Ich wurde zwar nicht enttäuscht, aber meine Hoffnung, mehr vom Wahrheitszauberer zu erfahren, blieb auf der Strecke. Wahrscheinlich würde ich dieses Buch besser beurteilen, wenn ich den ersten Band nicht gelesen hätte, oder wenn mich ‚Schweige still‘ nicht in eine bestimmte Erwartungshaltung gedrängt hätte.

3,5 Sterne

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

... und kalt wie Eis.

Schnee kommt
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Der Plot:
Ein Unfall, ein Tunnel, eine Schneewalze über dem Unfallort. Es gibt kein Entrinnen. Jeder der Protagonisten hat ein Geheimnis. Nach und nach erfährt der Leser davon. Eines außergewöhnlicher ...

Der Plot:
Ein Unfall, ein Tunnel, eine Schneewalze über dem Unfallort. Es gibt kein Entrinnen. Jeder der Protagonisten hat ein Geheimnis. Nach und nach erfährt der Leser davon. Eines außergewöhnlicher als das andere. Die Geschichten der Protagonisten beginnen sich zu verzahnen. Wenn man denkt, schlimmer kann es nicht sein – oh doch!
Für mich fällt er in eine eigene Kategorie, gemeinsam mit NEUJAHR von Julia Zeh und ROMAN OHNE U von Judith Taschler. Ich übertreibe jetzt: Schicksalsromane in denen die Vergangenheit die Gegenwart bestimmt. Zäh und spannungslos beschrieben. Von Aichner können die beiden eine Menge lernen: Ohne Umschweife, spannend bis zum letzten Buchstaben. Wer Krimiautoren verteufelt, sollte diese Geschichte lesen. Aber nicht nur die.

Die Charaktere:
Ich habe noch selten eine Geschichte gelesen, die ohne Hauptdarsteller auskommt. Ich habe noch selten in einem Roman so viel über die Protagonisten erfahren. Brutal, hart gezeichnet. Ich bin froh, keines der beschriebenen Schicksale, zu teilen.

Die Sprache:
Bernhard Aichner hat seinen eigenen Stil. Bei dem einen oder anderen mag es zunächst ein we-nig holpern, aber hat man sich eingelesen, dann ist es faszinierender Schreibstil. Ohne Schnör-kel, in kurzen Sätzen. Der Autor holt den Leser ab und taucht ihn in die Geschichte. Ohne Fremdworte, ohne mit langen Sätzen zu verwirren. Man ist mittendrin im Geschehen. Einzig: Mich nervt die zwanghafte Abweichung von der gewohnten Schreibart. Bindestriche anstelle von Anführungszeichen am Beginn der direkten Rede ohne das Ende zu markieren. Punkteab-zug!

Fazit:
Ein Roman, den man in zwei Tagen locker liest. Ein Roman, bei dem man zeitweise das Buch aus der Hand legt, um über das nachzudenken, was man gerade gelesen hat. Welches Schicksal das Leben bereithalten kann, und wie man es zu lösen versucht. WOW. Mich hat es in den Bann gezogen. (Wenn da nicht die Bindestriche wären.) Eine Woche Lesepause ist angesagt.

4,5 Sterne von 5.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Tödliche Lebenslüge!

Schweige still
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Der Plot:
Joe O'Loughlin & Vincent Ruiz haben ausgedient. Robotham hat sie in Rente geschickt. Dafür steht nun Joes Schüler, Cyrus Haven – ein schwer traumatisierter, forensischer Psychologe - im Mittelpunkt ...

Der Plot:
Joe O'Loughlin & Vincent Ruiz haben ausgedient. Robotham hat sie in Rente geschickt. Dafür steht nun Joes Schüler, Cyrus Haven – ein schwer traumatisierter, forensischer Psychologe - im Mittelpunkt seiner Geschichten. Mit seinem fundierten Wissen unterstützt er seine Freundin, Chief Inspector Lenny Parvel bei ihren Ermittlungen. Bald stellt sich heraus, dass ein Lügendetektor von großer Hilfe wäre. Oder eben ein Truth-Wizard.
Robotham bedient sich des ungewöhnlichen Zwei-Perpektiven-Stils. Einmal wird die Geschichte aus Cyrus‘ Sicht erzählt, im nächsten Kapitel wechselt er zu Evie, die eine junge „Patientin“ von ihm ist. Das trägt wesentlich zur Spannung bei. Die beiden Handlungsstränge verdichten sich und bevor der Überblick verloren geht, kommt es zum gelungenen Showdown. Cool!

Die Personen:
Die einzelnen Charaktere sind detailreich skizziert. Zuletzt sind sie zu „guten“ Bekannten des Lesers geworden. Selten war noch die Entwicklung der einzelnen Protagonisten derart transparent dargestellt worden. Vom ersten kühlen und selbstsichern Auftritt bis zum ausartenden Nervenzusammenbruch. Eine Freude!

Die Sprache:
Es ist eine Übersetzung. Eine sehr gute, wie ich meine. Dem Genre sind die vereinzelt derben, reißerischen Metaphern (Vergleiche ...) geschuldet, die dem Lesefluss aber keinen Abbruch tun. Lässig, kurzweilig und spannend.

Mein Fazit
Eine sehr gute Geschichte, die Lust auf mehr macht. Der Handlungsstrang um Evie hat mich beinahe mehr in den Bann gezogen, als der eigentliche Kriminalfall, die Ermordung einer jungen Eisprinzessin. Der Thriller hält mit psychologischem Wissen nicht hinter dem Berg. Selbst die mendelschen Erbregeln werden aufgefrischt. Man merkt die enorme Recherchearbeit, die in dem Roman verwoben ist, ohne sich eine Seite lang zu langweilen. Und zu guter Letzt, wird nach all den Wendungen die Lebenslüge aufgetischt. Chapeau! Klare Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2020

Ein Bazooka-Kaugummi

Jenseits von Afrika
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Der Plot:
Eine autobiographische Beschreibung. Anekdoten aus einem Leben in einer fremden Kultur, mit der man sich zu arrangieren hat. Doch frage ich mich, ob man jede Geschichte wirklich erzählen muss, ...

Der Plot:
Eine autobiographische Beschreibung. Anekdoten aus einem Leben in einer fremden Kultur, mit der man sich zu arrangieren hat. Doch frage ich mich, ob man jede Geschichte wirklich erzählen muss, denn einigen fehlt der „große“ Höhepunkt. Das geschriebene Wort schlägt den Inhalt um Längen.

Die Charaktere:
Obwohl jeder einzelne Protagonist plakativ beschrieben wird, kristallisieren sich am Ende nur vier Haupttypen heraus: Die Weißen, die Massai, die Somali und die Kikuyu. Die einzelnen Personen müssen sich letztendlich mit Schattierungen dieser vier Grundtypen zufriedengeben.

Die Sprache:
Naturgemäß habe ich die deutsche Übersetzung gelesen. Ursprünglich die, aus dem Jahre 1937 / 1965 von Rudolf von Scholtz . Jeder zweite Satz warf mich aus dem Text. Nach dem zweiten Kapitel kapitulierte ich und gönnte mir die Neuübersetzung des Manesse Verlages von Gisela Perlet . Damit wurde diese Episodensammlung für mich lesbar. Stellenweise faszinierende Satzgebilde, die mich mehr in ihren Bann zogen, als die einzelnen Geschichten. Ein großes Lob der Übersetzerin, vor allem, nachdem ich die alte Fassung mit der Neuen verglich. Ich würde gerne – zumindest stellenweise – das Originalmanuskript lesen können. Jetzt kenne ich, spüre ich, Kenia.

Fazit:
Ein Bazooka, er war der Kaugummi in den 60-90ern, mit dem man die größten Blasen vor seinem Gesicht entstehen lassen konnte. Genauso ist dieser Roman. HALT. Es ist kein Roman! Steht auch nicht auf dem Buch. Es ist eine Aneinanderreihung von geschönten Geschichten, die sich teilweise überschneiden. Hat man einmal in das Setting gefunden, wurde es in jedem Kapitel aufs Neue aufgeblasen und durchgekaut. Irgendwann lässt der Geschmack nach, oder besser gesagt, kommt nichts Neues mehr. Die Geschichte wird fahl, leider auch die Beschreibungen, auch wenn sie auf höchstem schriftstellerischem Niveau angesiedelt sind.
Geschrieben in einer Zeit, in der man zum Schreiben viel Zeit hatte, noch mehr Zeit, um solche Texte zu lesen. Es gab nur wenig Konkurrenz. Damals wurden noch einzelne Geschichten / Bücher gelesen und nicht Autoren
Wen würde ich dieses Sachbuch empfehlen? Lesern, die gerne um des Lesens willen lesen, und denen es weniger um eine unterhaltsame Literatur geht!

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Veröffentlicht am 23.08.2020

Wer oder was ist ein Bluthund?

Der Bluthund
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Der Plot:
Die Inhaltsangabe ist irreführend. Wenn man einen ausgefeilten Actionthriller erwartet, ist man im falschen Film, äh Buch. Eine Schlägerei zu Beginn, ein Erschossener im letzten Viertel. Die ...

Der Plot:
Die Inhaltsangabe ist irreführend. Wenn man einen ausgefeilten Actionthriller erwartet, ist man im falschen Film, äh Buch. Eine Schlägerei zu Beginn, ein Erschossener im letzten Viertel. Die anderen sind bereits tot. Der Rest eine Vermisstensuche. Enttäuschung pur. (Das Wort Bluthund kommt im Text 1x vor: Im Titel!)

Die Charaktere:
Jack Reacher, der alle Eventualitäten bedenkt, außer wenn er es nicht tut. Eine Verwandte, die die Wahrheit erst spät akzeptiert. Oder nicht. Ein Kriminalbeamter, natürlich Ex-FBI, der ein Handy hat. Oder nicht. Eine asiatische County-Polizistin, die alles weiß oder nicht. Der Polizeiwagen mit dem halben Meter großen Goldemblem auf der Wagentüre strahlten die signifikantesten Charakterzüge aus. Oder nicht.

Die Sprache:
Ich habe in meiner frühen Jugend, rein aus Zeitvertreib besseres, kultigeres gelesen: JERRY COTTON. Auch er SAGTE viel und FRAGTE um so mehr. Wenn ich Anführungszeichen sehe, weiß ich, dass jemand etwas sagt. Bei einem Fragezeichen, weiß ich, dass jemand fragt. Und das ist noch das geringste Übel. Staubfahnen die näher kommen, Minuten die vergehen, 20 Meilen nach Osten, Colorado im Westen, die Straße in den Süden, die Blockhäuser im Norden. In Wyoming müssen Entfernungsangaben auf den Menschenschlag gemünzt werden. Eine Beschreibung gleicht der anderen. Wiederholt sich in einem fort. Oder nicht. Ein Graus.

Fazit:
Ich habe die Filme JACK REACHER (Sniper Bd. 9) und KEIN WEG ZURÜCK (Die Gejagden Bd. 18) mit Tom Cruise in der Hauptrolle gesehen. Keine schlechten Actionfilme. Deshalb wollte ich einen dieser Roman lesen. Und dann fand ich auf der Spiegelbestenliste den Bluthund: Platz 2 der WELT-Bestenliste im August 2020. Kurzstatements wie: »Jack Reacher […] ist nun mal einer der auffälligsten und interessantesten Krimihelden der letzten Jahrzehnte« von der Frankfurter Allgemeine. Oder Beschreibungen wie: "Kritiker warnen die Leser nicht umsonst, das Telefon auszustellen, wenn sie den neuesten Reacher zur Hand nehmen.". Ich war dankbar für jeden Anruf, der mich während des Lesens erreichte. Eine Abwechslung, die der Text mir nicht bieten konnte. Und noch eines, wofür der Autor nicht verantwortlich ist: Tom Cruise ist max. 1,70 groß. Reacher über zwei Meter! Der Text schaffte es nicht, diese Diskrepanz aus meinem Kopf zu vertreiben.

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