Platzhalter für Profilbild

Woolf-WDP

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Woolf-WDP ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Woolf-WDP über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2020

Ein Bazooka-Kaugummi

Jenseits von Afrika
0

Der Plot:
Eine autobiographische Beschreibung. Anekdoten aus einem Leben in einer fremden Kultur, mit der man sich zu arrangieren hat. Doch frage ich mich, ob man jede Geschichte wirklich erzählen muss, ...

Der Plot:
Eine autobiographische Beschreibung. Anekdoten aus einem Leben in einer fremden Kultur, mit der man sich zu arrangieren hat. Doch frage ich mich, ob man jede Geschichte wirklich erzählen muss, denn einigen fehlt der „große“ Höhepunkt. Das geschriebene Wort schlägt den Inhalt um Längen.

Die Charaktere:
Obwohl jeder einzelne Protagonist plakativ beschrieben wird, kristallisieren sich am Ende nur vier Haupttypen heraus: Die Weißen, die Massai, die Somali und die Kikuyu. Die einzelnen Personen müssen sich letztendlich mit Schattierungen dieser vier Grundtypen zufriedengeben.

Die Sprache:
Naturgemäß habe ich die deutsche Übersetzung gelesen. Ursprünglich die, aus dem Jahre 1937 / 1965 von Rudolf von Scholtz . Jeder zweite Satz warf mich aus dem Text. Nach dem zweiten Kapitel kapitulierte ich und gönnte mir die Neuübersetzung des Manesse Verlages von Gisela Perlet . Damit wurde diese Episodensammlung für mich lesbar. Stellenweise faszinierende Satzgebilde, die mich mehr in ihren Bann zogen, als die einzelnen Geschichten. Ein großes Lob der Übersetzerin, vor allem, nachdem ich die alte Fassung mit der Neuen verglich. Ich würde gerne – zumindest stellenweise – das Originalmanuskript lesen können. Jetzt kenne ich, spüre ich, Kenia.

Fazit:
Ein Bazooka, er war der Kaugummi in den 60-90ern, mit dem man die größten Blasen vor seinem Gesicht entstehen lassen konnte. Genauso ist dieser Roman. HALT. Es ist kein Roman! Steht auch nicht auf dem Buch. Es ist eine Aneinanderreihung von geschönten Geschichten, die sich teilweise überschneiden. Hat man einmal in das Setting gefunden, wurde es in jedem Kapitel aufs Neue aufgeblasen und durchgekaut. Irgendwann lässt der Geschmack nach, oder besser gesagt, kommt nichts Neues mehr. Die Geschichte wird fahl, leider auch die Beschreibungen, auch wenn sie auf höchstem schriftstellerischem Niveau angesiedelt sind.
Geschrieben in einer Zeit, in der man zum Schreiben viel Zeit hatte, noch mehr Zeit, um solche Texte zu lesen. Es gab nur wenig Konkurrenz. Damals wurden noch einzelne Geschichten / Bücher gelesen und nicht Autoren
Wen würde ich dieses Sachbuch empfehlen? Lesern, die gerne um des Lesens willen lesen, und denen es weniger um eine unterhaltsame Literatur geht!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2020

Wer oder was ist ein Bluthund?

Der Bluthund
0

Der Plot:
Die Inhaltsangabe ist irreführend. Wenn man einen ausgefeilten Actionthriller erwartet, ist man im falschen Film, äh Buch. Eine Schlägerei zu Beginn, ein Erschossener im letzten Viertel. Die ...

Der Plot:
Die Inhaltsangabe ist irreführend. Wenn man einen ausgefeilten Actionthriller erwartet, ist man im falschen Film, äh Buch. Eine Schlägerei zu Beginn, ein Erschossener im letzten Viertel. Die anderen sind bereits tot. Der Rest eine Vermisstensuche. Enttäuschung pur. (Das Wort Bluthund kommt im Text 1x vor: Im Titel!)

Die Charaktere:
Jack Reacher, der alle Eventualitäten bedenkt, außer wenn er es nicht tut. Eine Verwandte, die die Wahrheit erst spät akzeptiert. Oder nicht. Ein Kriminalbeamter, natürlich Ex-FBI, der ein Handy hat. Oder nicht. Eine asiatische County-Polizistin, die alles weiß oder nicht. Der Polizeiwagen mit dem halben Meter großen Goldemblem auf der Wagentüre strahlten die signifikantesten Charakterzüge aus. Oder nicht.

Die Sprache:
Ich habe in meiner frühen Jugend, rein aus Zeitvertreib besseres, kultigeres gelesen: JERRY COTTON. Auch er SAGTE viel und FRAGTE um so mehr. Wenn ich Anführungszeichen sehe, weiß ich, dass jemand etwas sagt. Bei einem Fragezeichen, weiß ich, dass jemand fragt. Und das ist noch das geringste Übel. Staubfahnen die näher kommen, Minuten die vergehen, 20 Meilen nach Osten, Colorado im Westen, die Straße in den Süden, die Blockhäuser im Norden. In Wyoming müssen Entfernungsangaben auf den Menschenschlag gemünzt werden. Eine Beschreibung gleicht der anderen. Wiederholt sich in einem fort. Oder nicht. Ein Graus.

Fazit:
Ich habe die Filme JACK REACHER (Sniper Bd. 9) und KEIN WEG ZURÜCK (Die Gejagden Bd. 18) mit Tom Cruise in der Hauptrolle gesehen. Keine schlechten Actionfilme. Deshalb wollte ich einen dieser Roman lesen. Und dann fand ich auf der Spiegelbestenliste den Bluthund: Platz 2 der WELT-Bestenliste im August 2020. Kurzstatements wie: »Jack Reacher […] ist nun mal einer der auffälligsten und interessantesten Krimihelden der letzten Jahrzehnte« von der Frankfurter Allgemeine. Oder Beschreibungen wie: "Kritiker warnen die Leser nicht umsonst, das Telefon auszustellen, wenn sie den neuesten Reacher zur Hand nehmen.". Ich war dankbar für jeden Anruf, der mich während des Lesens erreichte. Eine Abwechslung, die der Text mir nicht bieten konnte. Und noch eines, wofür der Autor nicht verantwortlich ist: Tom Cruise ist max. 1,70 groß. Reacher über zwei Meter! Der Text schaffte es nicht, diese Diskrepanz aus meinem Kopf zu vertreiben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2020

Die Story, eine Eierlegendewollmilchsau ...

Der Gesang der Flusskrebse
0

Der Plot:
Eine Entwicklungsgeschichte mit einer Krimialstory aufzupeppen und obendrein mit einer eine Liebesgeschichte zu hinterlegen ist ein netter Ansatz. Mehr aber nicht! Nicht Fisch, nicht Fleisch, ...

Der Plot:
Eine Entwicklungsgeschichte mit einer Krimialstory aufzupeppen und obendrein mit einer eine Liebesgeschichte zu hinterlegen ist ein netter Ansatz. Mehr aber nicht! Nicht Fisch, nicht Fleisch, eine Eierlegendewollmilchsau. Die „Entwicklungsgeschichte“ wird nur punktuell beschrieben. Dem Leser bleibt es überlassen, sich die Gedanken dazu zu reimen und abzuwarten, ob seine Vermutungen stimmen. Im Krimi fehlt das ausschlaggebende Motiv. Selbst bei der Gerichtsverhandlung kommt der Angeklagte nicht zu Wort. Seine Sicht der Dinge und was den Ausschlag für sein fatales Handeln gab, wird verschwiegen. Und die Liebesgeschichte ist hölzern. Klischeehaft, wie aus einem Pilcher-Roman. Guter Junge versus bösen Platzhirsch. Überhaupt wird mit Klischees gegen Klischees angekämpft z.B.: Rassismus. Die Idee die dem Roman zugrunde liegt ist originell, aber vielen Genres recht getan, ist eine Kunst die anscheinend auch Owens nicht kann. Alles in allem eine rührende (Young-Adjult-) Geschichte.

Die Charaktere:
Kya ist der einzige Charakter der näher (emotional) beschrieben wird. Sie entwickelt sich eigentlich nicht, sondern wird von ihrem Environment geprägt. Sie bezieht ihre Lebenserfahrung aus dem Verhalten der Natur. Jumpin‘ ist zum Beispiel von Anfang bis Ende des Romans immer ein und derselbe. Selbst der Platzhirsch und Tate sind von Kindheit an bis zum Erwachsen immer die gleichen.

Die Sprache:
Nach kurzer Zeit hatte ich mich an dem Maisgrießbrei mit Bohnen über(l)es(s)en. Selbst der wiederholte Anblick der Palmettopalmen konnte diesem Gefühl nichts entgegenstellen. Die Beschreibungen der Flora und Fauna des Marschs hingegen sind empfehlenswert. Die Dialoge sind auf ein Minimum reduziert. Ist auch gut so, denn Dialoge sind nicht die Stärke der Autorin: So unterhält sich kein Mensch. Auch der Versuch der Übersetzer, südstaatenenglisch mit norddeutschem Akzent zu übersetzen, schmerzt. Und zu guter Letzt, sind da noch die für mich ‚gewöhnungsbedürftigen‘ Adjektiva: „Show, don’t tell“ hätte so manche Textstelle ‚gerettet‘.

Fazit:
Für einen Entwicklungsroman ist für mit zu wenig „Entwicklung“ beinhaltet. Der Kriminalfall verstößt gegen drei der fünf Hauptfehler, die bei einem Krimi gemacht werden können und hinterlässt deshalb einen unbefriedigenden Nachgeschmack. Und die Liebesgeschichte wird auf die mordende Kopulation der Gottesanbeterin heruntergebrannt. Und das „Sensitive Reading“ setzt dem Text die Krone auf: Auf Seite 93: »Das nenn ich Schwein. Ein N** auf dem Weg ins N**dorf.«. Spielt der Roman nicht im Jahre 1960 und früher in den Südstaaten? Darf man nicht einmal mehr in einem Roman „zeitgemäß“ schreiben. (Und 1960 war das Wort Neger noch nicht in der heutigen Bedeutung angekommen. „Nigger“ hieß das Schimpfwort, aber das Wort Schwein hatte seine heutige Bedeutung bereits! ) Lesen darf man das Wort „Neger“ nicht, aber im eigenen Kopf formulieren! Eine Scheinmoral! Für mich, ein weiteres Klischee!

Ich stelle mir gerade vor, Jules Verne hätte einen seiner Protagonisten das Wort „cool“ oder „verhaltensauffällig“ sagen lassen. Einerseits ‚Politische Korrektheit‘ (für mich ein Oxymoron par excellence) im Text einfordern und sie auf der anderen Seite im Handlungsstrang (Mörder / Ethik)) negieren. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Die Story selbst und die Naturbeschreibungen bekommen von mir, trotz aller Kritik meinerseits, 4-5 Sterne. Der Rest 2 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2020

Beers moralischer Zeigefinger nervt.

Das schwarze Band
0

Der Plot:
Die Story hat mir besser gefallen als der dritte Teil (Der dunkle Bote). Sie strotzt wieder vor hanebüchenen Zufällen, die alle mit Emmerich oder Winter zu tun haben. Alex Beer bleibt ihrem Erfolgsrezept ...

Der Plot:
Die Story hat mir besser gefallen als der dritte Teil (Der dunkle Bote). Sie strotzt wieder vor hanebüchenen Zufällen, die alle mit Emmerich oder Winter zu tun haben. Alex Beer bleibt ihrem Erfolgsrezept treu: Geschichtlicher Background, den familiären Problemen des Inspektors, dem Aufzeigen des Standesunterschiedes zwischen Winter und ihm, dem Jugendfreund aus der Unterwelt, den intriganten Kollegen usf. Zu guter Letzt gehen die beiden wiedereinmal als die Retter der Nation aus der Geschichte hervor. Viele Handlungsstränge werden fortgeführt. Nur Winter, der sich ein wenig emanzipiert, kommt mit der Hühnerarmee nicht weiter. Es bleibt bei roten Wangen.

Die Charaktere:
Die Platzierung und Beschreibung der Charaktere sind die große Stärke von Alex Beer. Obwohl sich Emmerich nicht wirklich weiterentwickelt, ist hingegen der ‚Reifeprozess‘ von Winter gut beschrieben.

Die Sprache:
Auf dem Cover steht Kriminalroman, nicht Thriller. Und ja, es ist ein Roman, der die 20er Jahre in Wien skizziert. Diesmal hat die Autorin ihre indoktrinierende Schreibweise zum Vorband zurückgenommen. Trotzdem wird der Geschlechterkampf immer wieder strapaziert. Das nervte mich beim Lesen, lenkte mich ab und ständig musste ich an Alice Schwarzer denken. Schade. Trotzdem: Das Buch bedient sich eines leicht zu lesender Schreibstils


Fazit:
Der Text hat mir gefallen. Der Aufbau hat mir gefallen. Und diesmal war er für mich auch spannend. Nur das Setting war nicht ganz nach meinem Geschmack. Waren es im dritten Band die Kriminellen aus dem rechten Lager, die einen Umsturz versuchten, sind es diesmal die Monarchisten. Mir fehlt der ‚einfache‘ Kriminalfall, in dem es vorrangig um die Psyche des Outlaws geht. Seine Beweggründe, was ihn dazu trieb, sich an den Rand der Gesellschaft zu stellen. Welche Gedanken und Schlussfolgerungen ihn trieben ... und der ständige moralische Fingerzeig nervt bereits extrem.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2020

Zuviel Geschichte, zuwenig Krimi - mit schalem Nachgeschmack.

Der dunkle Bote
0

Der Plot:
Die Story schließt an die ersten beiden Teile an. Bevor man diesen Text liest, sollte man die ersten beiden gelesen haben. Kälte und Hungersnot sind der Nährboden für die steigende Kriminalität. ...

Der Plot:
Die Story schließt an die ersten beiden Teile an. Bevor man diesen Text liest, sollte man die ersten beiden gelesen haben. Kälte und Hungersnot sind der Nährboden für die steigende Kriminalität. Die politische Situation Österreichs ein filigranes Konstrukt. Alex Beer hat hervorragend recherchiert und scheinbar all ihr Wissen in den Roman gepackt. Vor allem beschreibt sie ausführlich und wiederholt die gesellschaftlichen Strömungen, die sich auf die Jetztzeit mappen lassen. Mir scheint, mit erhobenem Zeigefinger. Die drei Handlungsstränge werden langsam zusammengeführt und gipfeln in einem Showdown, der einen schalen Nachgeschmack hinterlässt.

Die Charaktere:
Die Romanfiguren sind wieder mit spitzer Feder umrissen. Lassen keinen Zweifel über ihre Einstellungen aufkommen. Fast zu eng beschrieben, weil sie keine Wandlungen zulassen. Andererseits wird Wien als ein Dorf beschrieben, in dem jeder etwas über den anderen weiß.


Die Sprache:
Alex Beer hat ihren Stil gefunden. Dieser Text ist flüssig zu lesen, bis auf die indoktrinierte, sich wiederholende Beschreibung der gesellschaftlichen Umbrüche: Antisemiten, Sozialdemokraten, Frauenrechte, Christdemokraten, Gewerkschaften, Rechtsradikale, um nur ein paar zu nennen. Zum Unterschied zu den Vorgängern verwendet die Autorin nun vermehrt die Begriffe aus der damaligen Zeit in den Beschreibungen, anstatt in der direkten Rede, was nicht ganz an die typische Wiener Atmosphäre, die in den Vorgängerfolgen herrschte, heranreicht. Ich meine sogar, den Lesefluss stört. Selbst die heutige Jugend in Wien, kann z.B. mit dem Ausdruck ‚Platte‘ (der natürlich eindeutig beschrieben ist) wenig anfangen.

Fazit:
Eine Geschichte, bei der ich in der Mitte des Romans abbrechen wollte. Fast ein wenig zu viel Geschichtsbuch. Für mich wenig Spannung. Doch die Neugier ließ mich die Story zu ende lesen.
Aber der Aufbau der Story ist gelungen, wenn auch ein wenig konstruiert. Selbst das Ende legt noch in Bezug auf die beschriebene Tristesse ein Schäuferl nach und öffnet gleichzeitig die Tür zur Fortsetzung. Clever! Lese ich den 4. Teil, ‚Das schwarze Band‘? Mal sehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere