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Veröffentlicht am 15.09.2016

Lieblingsbuch!

Maybe Someday
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Maybe Someday

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: 18.03.2016
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74018-0
Preis: 12,95€ [D] | 13,40€ [Ö]

Rating: ...

Maybe Someday

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: 18.03.2016
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74018-0
Preis: 12,95€ [D] | 13,40€ [Ö]

Rating: ♥♥♥♥♥


Inhalt

"Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem attraktiven Gitarristen Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie - hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts gegen die immer intensivere Anziehung ausrichten, die sie zu unterdrücken versuchen - vergeblich." - Quelle: Verlag


Cover ♥♥♥♥♥

Dieses Cover war Liebe auf den ersten Blick. Vermutlich wäre ich auf das neue Buch von Colleen Hoover nicht einmal aufmerksam geworden, hätte mich die dezente Schönheit in der Gestaltung nicht gleich im ersten Moment absolut verzaubert. Die Farben harmonieren einfach wundervoll, die Schrift mag zwar auf den ersten Blick protzig und zu dominant wirken, doch wäre die Gesamtkomposition ohne den Geniestreich des Titels viel zu langweilig. Dass sich hinter den Buchstaben das Gesicht eines Mädchens verbirgt, ist mir tatsächlich erst aufgefallen, als ich das Buch selbst in den Händen hielt. Ich finde es unglaublich elegant gelöst, wie man sich hier um das reine Fotocover drumherum gemogelt hat. Auch wenn Sydney in Wahrheit blond und nicht rothaarig ist, stört mich dieser unterschied tatsächlich weniger, denn eventuell wäre das Cover dann farblich nicht halb so perfekt geworden. Ich kann nur die volle Punktzahl geben!


Charaktere ♥♥♥♥♥

Sydney: Das Schöne an Sydney ist, dass sie ein absolut normaler Mensch ist. Sie hat eine normale Familie, ein normales Leben, Probleme, die jeder von uns auch kennt. Finanzen, Freundschaft, Liebe. Sie ist buchstäblich das Mädchen von Nebenan, das von den wichtigsten Menschen in ihrem Leben verletzt und hintergangen wird. Ich konnte mich während des gesamten Buches wunderbar mit ihr identifizieren. Ihr Schmerz war mein Schmerz und umgekehrt - das hatte ich schon lange nicht mehr! Vor allem gefällt mir die Darstellung ihrer inneren Zerrissenheit in Kombination mit ihrer eigenen Selbstbeherrschung und der Vernunft, mit der sie Ridge stets begegnet, und die ihm eigentlich den Wind aus den Segeln nehmen sollte, stattdessen jedoch das Gegenteil bewirkt. Sydney ist kein kopfloses Huhn, dass sich einfach so von ihren Gefühlen hinreißen lässt, auch wenn sie es gerne wollte - sie erkennt, was für sich und für Ridge auf dem Spiel steht. Ein bisschen unglaubwürdig war jedoch die Tatsache, dass sie über den Verlust, mit dem sie zu kämpfen hat, bevor sich das mit Ridge und ihr entwickelt, so schnell und so einfach hinweg kommt. Auch wenn Zeitsprünge aufgezeigt werden und die Begründung, es wäre einfach nicht der Richtige gewesen, im Raum steht, fühlt es sich für den Leser so an, als flüchte sich Sydney in eine rein psychologische Abhängigkeit zu Ridge, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an ihre Vergangenheit zu verschwenden. Sie vertraut zu schnell wieder. Vielleicht ist sie aber auch nur eine starke Persönlichkeit, und hat dadurch eine besondere Kraft, die nicht jeder von uns kennt. Oder aber die Autorin hat entschieden, dass die Geschichte um Ridge viel interessanter ist, um sich auf die psychologische Glaubwürdigkeit zu konzentrieren. Either way... Sydney war ein toller, nachvollziehbarer Charakter für mich, in den man als Leserin wunderbar hineinschlüpfen kann. Allerdings kommt man so schnell nicht mehr aus ihr heraus, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte.

Ridge: Über Ridge kann ich gar nicht so viel verraten, denn ansonsten würde ich ins Spoilern geraten. Doch eines kann ich euch sagen: Er ist wundervoll. Anders, als viele andere Protagonisten in diesem Genre, ist Ridge kein Macho, er ist kein dominanter Charakter, er hat kein übertriebenes Selbstbewusstsein, keine Kontrollsucht, nichts, das ihn zu einer dieser stereotypen Figuren macht, die sich Frauen von Zeit zu Zeit in ihrem Bett wünschen. Viel mehr ist er ein Typ, an den man liebend gern sein Herz verliert: Er ist zurückhaltend, liebevoll, ordentlich, humorvoll, sanft, zurückgezogen und von einer attraktiven Schüchternheit, gepaart mit einer eisernen Selbstbeherrschung, dass man sich manchmal auf die Zunge beißen muss, um ihn nicht lauthals zu verfluchen. Er weiß nicht, was er wirklich will, das ist sein größter Fehler, der ihm im Verlauf der Handlung mehrfach den Kopf kosten könnte. Und gleichzeitig ist er der moralisch anständigste, dafür aber nicht immer der vernünftigste Charakter, den ich kenne. Sydney hat ihr Herz an ihn verloren und mit ihr habe ich auch meins an ihr verloren. Manchmal ist es vielleicht gar nicht so gut, sich zu sehr mit einem Charakter identifizieren zu können. Wenn du drei Tage nach Beenden des Buches noch immer in Gedanken an eine fiktive Figur versinkst, stimmt irgendwas nicht... Oder die Charakterkomposition von Maybe Someday ist so großartig, dass du gar nichts dafür kannst!

Warren: Er ist Ridges bester - und eventuell sogar sein einziger - Freund und kostet diesen Status vollständig aus. Ohne Miete zu zahlen, hat er sich in Ridges Wohnung einquartiert, mit der Begründung, er würde schließlich ihre Band managen, und weil Ridge ein guter Freund ist, akzeptiert er es so. Immer wieder tauschen die beiden Knallköpfe die schrägsten Streiche aus und Warren, der eindeutig der temperamentvollere von beiden ist, schaut dabei nicht nur einmal in die Röhre. Er ist frech, laut, unflätig und oftmals auch ungezogen, ohne Manieren und schreckt nicht davor zurück, ihre neuste Mitbewohnerin gleich am ersten Abend zum Porno gucken einzuladen. Warrens Anwesenheit habe ich jedes Mal besonders genossen, denn er bringt Action und gute Laune in die Geschichte, ohne die einzigartige Atmosphäre des Romans zu stören. Er ist wohl in jeglicher Hinsicht das genaue Gegenteil zu Ridge, Zurückhaltung und Ordnung sind Fremdworte für ihn, doch das macht ihn nicht weniger liebenswert. Das und seine besonders pikante Beziehung zu Zickenkönigin Bridgette macht ihn zum perfekten Sidekick, Moralapostel und Freund gleichermaßen. Ein toller Charakter!


Schreibstil ♥♥♥♥♥

Colleen Hoover ist eine wahre Künstlerin, wenn es darum geht, Worte zu beherrschen, die einem unter die Haut gehen. Mit jedem ihrer Romane schafft sie Geschichten, Charaktere und Leidenschaften, die dem Leser unvergessen bleiben und besonders in Maybe Someday hat sie dieses Können mal wieder unter Beweis gestellt. Figuren und Gefühle erwachen unter ihrer Feder zum Leben, fühlen sich greifbar und realistisch an. Ich habe jedes ihrer Worte in mich aufgesogen, denn ich konnte die Zerrissenheit und Anspannung zwischen den Charakteren kaum ertragen: Ich musste einfach wissen, wie es ausgeht! Sie schafft es, mit ein paar wenigen und einfachen Worten, die übrigens auch auf Englisch äußerst leicht zu lesen sind, Welten zu erschaffen, in die man eintauchen und sich verlieren kann. Perfekt ist sie dabei noch lange nicht, so sind mir an mehreren Stellen immer wieder mal Wiederholungen aufgefallen, die mich irgendwann genervt mit der Stirn runzeln ließen (Der Satz "Er/Sie ließ sich gegen das Betthaupt fallen" war definitiv ein Satz, den ich viel zu oft lesen musste, bis ich ihn schließlich einfach übersprungen habe), trotzdem taten diese kleinen Fehler keinen Abbruch an dem, was Colleen Hoover mit ihren Worten in mir ausgelöst hat. Sie hat alte Wunden aufgerissen, mein Herz genommen, es zerschmettert und letztlich Stück für Stück wieder zusammengesetzt - das mag jetzt ein wenig theatralisch klingen, aber es ist die Wahrheit. Nichts als die Wahrheit. Auch wenn ich nicht garantieren kann, dass es jedem anderen auch so geht, der das Buch nach mir liest. Mir ging es so.


Handlung ♥♥♥♥

Die Handlung in Maybe Someday ist eigentlich davon geprägt, dass nichts passiert, weil nichts passieren darf, wir aber die ganze Zeit hoffen, dass etwas passiert, weil es unseren inneren Drang, unsere innere Zerrissenheit befriedigen würde, wir aber genau wüssten, dass wenn etwas passiert, wir es im Nachhinein bereuen würden. Mit 'wir' meine ich nicht nur uns Leser, sondern uns Leser und die Protagonistin, der in Anbetracht ihrer Situation die Hände gebunden sind. Verrückterweise passiert tatsächlich nicht wirklich viel, doch die Spannung, die allein von den kleinsten, unscheinbarsten Szenen ausgeht, ist spürbar und zugleich unerträglich. Ich stand beim Lesen derart unter Strom, dass ich das Buch geradezu verschlungen habe, weil ich die Spannung nicht ausgehalten habe, zu wissen, wie es denn nun ausgeht - ob das Ende mein Herz wieder zusammensetzen oder vollkommen in Stücke reißen würde. Ich finde es gehört zur großen Kunst eines Autors, seine Leser so sehr in seine Charaktere einfühlen lassen zu können, dass sie jeden einzelnen Moment mit ihnen aufsaugen, auch wenn nicht immer irgendwas Großes, Dramatisches passiert. Maybe Someday funktioniert viel subtiler, ja, auch mit dramatischen Szenen und Turning-Points, die ein Achterbahnfahrt der Gefühle mit sich bringen, aber sie sind so gut gestreut, dass man sich freut, wenn die Handlung einen mal kurz oder auch mal länger verschnaufen lässt. Ich weiß nicht so recht, ob ich mich mit dem Ende 100% anfreunden kann. Doch das zu begründen, würde Spoiler mit sich bringen, deswegen lasse ich diesen Punkt eben offen.


Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Maybe Someday hat mich tief berührt. Es hat einen Punkt in mir berührt, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn habe. Es gibt Liebesgeschichten, die sind herzzerreißend, sodass ich vor lauter Tränen nicht weiterlesen kann. Es gibt Liebesgeschichten, die sind so seicht, dass sie nicht einmal an mich herankommen. Und es gibt dieses Buch, das mich so tief aufwühlt, dass ich noch Tage später nicht aufhören kann an es zu denken. Ich liebe die Charakterkonstellation, die Figuren, die Thematik, die Musik (die ich hier nicht groß besprochen habe, aber hört unbedingt rein! www.maybesomedaysoundtrack.com), die Atmosphäre, den Schreibstil, ich liebe, was dieses Buch mit mir gemacht hat und, dass es eine fünfstündige Bahnfahrt auf gefühlte 40 Minuten reduziert hat. Wer große - und kleine - Liebesgeschichten mit viel Gefühl und ein bisschen pikantem Schmerz liebt, der sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Denn ich glaube, es hat sich in der viel zu kurzen Zeit, die ich mit ihm hatte, zu einem meiner Lieblingsbücher entwickelt. Absolute Empfehlung!


Spannung
♥♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt

Action


- Eure Bücherfüchsin

Veröffentlicht am 15.09.2016

Einfach zu viel von allem

Royal Desire
0

Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ...

Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥


Inhalt

"Enttäuscht und verletzt hat Clara ihre Beziehung zu Prinz Alexander nach einer letzten gemeinsamen Nacht beendet. Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihn zu vergessen – vergeblich. Die Erinnerungen an ihn, an ihre gemeinsame Zeit lassen sich nicht auslöschen. Und Alexander ist kein Mann, der so leicht aufgibt. Kann er Clara von seiner wahren Liebe überzeugen? Und wird sie zu ihm stehen, wenn er seine dunkle Vergangenheit vor ihr enthüllt?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover ♥♥♥♥♥

Das Cover von Royal Desire wurde nach dem selben, schlichten Prinzip gestaltet wie schon Band Eins Royal Passion, und ich muss gestehen, dass ich mich - je länger ich mich mit dem Cover auseinandersetze - selbst immer wieder dabei erwische, von dem Cover magisch angezogen zu werden: Sei es online, auf meinem eReader oder im Laden, das elegante Silber, die hübschen Randverzierungen und der dezente Schriftzug in hübschen, wenig aufdringlichen Farben bringen mich dazu, es in die Hand nehmen und den Inhalt ergründen zu wollen. Ganz egal, ob ich es schon gelesen habe, ob ich es gut fand oder nicht... Ich bin so überrascht über eine so zielgenaue und hübsche Gestaltung, dass ich eigentlich nur fünf Punkt geben kann!


Charaktere ♥♥♥

Clara Bishop: Wer meine Rezension zu Band Eins schon gelesen hat, der weiß, dass ich mit Clara schon damals sehr hart ins Gericht gegangen bin. Auch in Royal Desire hat sie mich als Protagonistin jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich diesmal weit weniger Probleme mit ihr hatte als zuvor. Trotzdem sie Alexander mit Haut und Haar verfallen ist und daraus auch keinen Hehl macht, bietet sie ihm diesmal mehrmals erfolgreich die Stirn, mit dem Hintergedanken, sich nicht alles von ihm gefallen zu lassen. Obwohl sie bei ihm regelmäßig schwach wird - was ich in Anbetracht seiner Unwiderstehlichkeit durchaus verstehen kann - weiß sie ganz genau, was sie will und was sie nicht will, und zögert nicht, ihm ihre und vor allem seine Grenzen aufzuzeigen. Abgesehen davon, dass sie es schafft, genug Rückrat zu beweisen, um meinen Respekt nicht zu verlieren, ist an ihr nicht besonders viel dran, was sie in irgendeiner Art und Weise einzigartig machen könnte. Sie hat weder besondere Vorlieben oder Abneigungen - auch nicht im sexuellen Sinne -, noch einen besonders spannenden Job oder zumindest irgendwelche Hobbies. Die Beziehung zu ihrer Familie wird zwar erwähnt, doch wirklich in Berührung kommt sie mit ihr so selten, dass man daraus auch nicht wirklich ein Charakteristikum machen kann. Eigentlich charakterisiert sie sich im Großen und Ganzen nur durch ihre Beziehung zu Alexander, die auf einem stets ermüdenden Spiel von Dominanz und Unterwerfung gründet, das wie halb herzig dahinkonstruiert, wenn nicht sogar abgeschaut wirkt. Mehr kann ich zu Clara eigentlich nicht sagen. Schade.

Alexander von Cambridge: Ich liebe Alexander, wirklich. Er ist ein Mann, wie er nur in den kühnsten Fantasien ein jeder Frau existieren kann: sexy, undurchschaubar, dominant, wortgewandt, charmant und von Zeit zu Zeit auf genau richtige Weise auch mal körperlich bedrohlich, wie es pure, Testosteron geladene Männlichkeit nun mal will. In Royal Desire war ich ihm sogar noch eine Spur mehr verfallen als noch in Royal Passion, was vor allem auf seine endlich durchscheinende, gefühlvolle Seite zurückzuführen ist - denn wer kann einem Mann widerstehen, der all diese Traummann-Eigenschaften besitzt und dann auch noch seinen weichen Kern offenbart? Niemand! (Oder zumindest niemand, der gerne auch mal Traumvorstellungen hinterherhechelt). Ein ganz ganz dicker Minuspunkt war aber auch in diesem Band wieder der grausam schlechte Dirtytalk, mit dem Alexander es schafft alles, was er sich bei mir so mühsam aufgebaut hat, wieder zunichte zu machen. Etwa alle fünf Seiten bespringt er Clara wie eine dreckige Wildsau und bombardiert sie mit peinlichen, unerotischen Phrasen wie 'Ich will deine Mus** fien, bis [körperliche Ausfallerscheinung insert here]'. Mehrmals auf einer Seite lässt einen die vulgäre Sprache zusammenzucken, solange, bis man absolut abgestumpft und gelangweilt einfach weiterblättert, weil man sich denkt 'Ja, ja, macht hinne, ich will wissen, wie es weitergeht...'. Anders als Clara hat Alexander zwar prägende Dinge in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, die ihn auf seine ganz eigene Art schleifen, doch als eigenständigen Charakter konnte ich ihn dennoch nicht ernst nehmen. Statt normalen Gesprächen über Gott und die Welt geht es Alexander - auch wenn er es leugnet - immer nur um eins: Sex, Sex, Sex. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, doch lässt sich aus Sex allein eben keine glaubwürdige Beziehung aufbauen, die den Leser in irgendeiner Weise berührt. Sie mögen einander lieben, weil es so auf dem Papier steht, doch hätte ich gern mehr von den beiden gehabt als bloßes, ständiges Gerammel. Einmal weniger einlochen, einmal mehr ein tiefgreifendes Gespräch... das wäre alles, was ich mir wünsche. Colleen Hoover schafft es doch auch!


Schreibstil ♥♥

Ich weiß, ich habe den ersten Band der Reihe sehr gut bewertet, was den Schreibstil betrifft, doch ich musste nach Royal Desire mein Urteil noch einmal überdenken. Nicht, dass mir Geneva Lees Schreibstil nicht gefallen hätte, wenn es mal gerade nicht um Sex ging: Im Grunde hat sie einen schönen, flüssigen Schreibstil und weiß, wie sie mit Subtilität und Offensichtlichkeit gleichermaßen umgehen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Doch Sex nimmt in diesem Band einfach einen so unfassbar großen Teil der Geschichte ein, dass ich gar nicht mehr darüber hinwegsehen kann! Sex, schön und gut. Viel Sex - auch gut! Aber sehr viel Sex und gleichzeitig sehr viel Abwechslung ... nah. Doch eher ein no go. Ständig die selben Worte, die immer gleichen Phrasen, die immer und immer gleichen Abläufe. Er spielt mit ihr, sie unterwirft sich, will ihn in sich spüren, er rammelt sie besinnungslos bis hin zu drei Multiplen Orgasmen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nach dem ersten Schuss kann er gleich weitermachen, ganz so als hätte er gleich mehrere bunte Liebespillen geschluckt, und hat sowieso den größten Schw
** von allen. Mal ehrlich. Sinnlich ist was anderes. Und glaubwürdig erst recht. Wenn es nicht gefühlt 90% des Buches ausmachen würde, hätte ich vermutlich nichts dagegen einzuwenden, doch das war nun doch etwas too much für mich. Nimmt man den schrecklichen, oberpeinlichen Dirtytalk dazu, bei dem ich mir regelmäßig das Lachen verkneifen musste, weil er an Banalität nicht zu überbieten war, reicht das schon, um das Buch nach 50 Seiten einfach beiseite zu legen. Doch auch wenn man den mit der Zeit langweiligen Teil der sexuellen Übernatürlichkeit hinter sich gelassen hat, bleibt man von ewigen Wiederholungen nicht verschont: Denn Claras stets auf Dauerschleife laufenden Gedanken darüber, wie heiß Alexander ist, wie sehr sie ihn vergöttert und andersrum, wie schwierig ihre Beziehung ist und ob sie das wirklich kann und will ... kann und will man nach kurzer Zeit schon nicht mehr hören. Sie hat kein anderes Thema. Keine anderen Sorgen. Muss das sein?


Handlung ♥♥

Wenn ich dachte, Royal Passion hätte bereits wenig Handlung gehabt, kann ich von Royal Desire bedenkenlos genau dasselbe behaupten: Es hat keine Handlung. Auf knapp 400 Seiten bekommen wir eine volle Ladung Sex, BDSM, Herzschmerz, Zweifel, Selbstzweifel und Selbsthass vom Feinsten, doch statt sich stets wiederholenden Phrasen und ein oder zwei äußerst konstruierten Spannungspitzen erleben wir mit Clara und Alexander eigentlich nichts. Wenn sie nicht gerade dabei sind, sich gegenseitig zu befingern, sorgen sie sich um ihre gemeinsame Zukunft unter den Royals, die allerdings viel zu wenig vorkommen, um einen Titel wie "Royal XY" überhaupt zu rechtfertigen. Wo ist der feine, englische Hof, wenn man ihn am meisten erwartet? Die Tea Time, die Dinner, die Jagden, die Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen? Wo ist der teure Schmuck, die Etikette, die königliche Familie? Das bisschen, was die Geschichte zumindest auf irgendeine Weise interessant gemacht hätte, kommt viel zu kurz ... Schade darum. Ich habe Hoffnung, dass dieses Grundthema im dritten Band schließlich wieder aufgenommen und ausgekostet wird. Mal sehen!


Gesamtwertung ♥♥♥

Obwohl es in Bezug auf die Eigenständigkeit der Protagonistin und die Sexiness ihres königlichen Liebhabers durchaus Fortschritte gibt, haben mich Schreibtil und Handlung von Royal Desire geradezu in den Wahnsinn getrieben. Nicht nur war mir ständige Dirtytalk zuwider, weil ich mich ständig zwischen Fremdschämen und Loslachen zu entscheiden hatte, sondern auch die ewigen Wiederholungen - vor allem was die Gedanken der Protagonistin und die Beschreibungen des Akts an sich angeht -, die nicht vorhandene Handlung und die zwar konstruierte, aber dennoch viel zu kurz gekommene Rahmenhandlung haben mich mit mir hadern lassen, ob ich überhaupt weiterlesen sollte. Zum Glück hat meine Leidenschaft für Alexander ausgereicht, um mich am Ball zu halten. Und irgendwie will ich eben doch wissen, wie es ausgeht... Irgendwas scheint mich also doch beeindruckt zu haben. Hoffentlich schafft es der dritte und letzte Teil die Schwächen des zweiten auszubügeln und zumindest die Thematik des englischen Königsadels wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu ist allerdings ein bisschen weniger Gevögel und ein bisschen mehr Handlung nötig. Mal sehen...


Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor

Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥


- Eure Bücherfüchsin

Veröffentlicht am 15.09.2016

Einfach zu viel von allem

Royal Desire
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Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ...

Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥


Inhalt

"Enttäuscht und verletzt hat Clara ihre Beziehung zu Prinz Alexander nach einer letzten gemeinsamen Nacht beendet. Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihn zu vergessen – vergeblich. Die Erinnerungen an ihn, an ihre gemeinsame Zeit lassen sich nicht auslöschen. Und Alexander ist kein Mann, der so leicht aufgibt. Kann er Clara von seiner wahren Liebe überzeugen? Und wird sie zu ihm stehen, wenn er seine dunkle Vergangenheit vor ihr enthüllt?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover ♥♥♥♥♥

Das Cover von Royal Desire wurde nach dem selben, schlichten Prinzip gestaltet wie schon Band Eins Royal Passion, und ich muss gestehen, dass ich mich - je länger ich mich mit dem Cover auseinandersetze - selbst immer wieder dabei erwische, von dem Cover magisch angezogen zu werden: Sei es online, auf meinem eReader oder im Laden, das elegante Silber, die hübschen Randverzierungen und der dezente Schriftzug in hübschen, wenig aufdringlichen Farben bringen mich dazu, es in die Hand nehmen und den Inhalt ergründen zu wollen. Ganz egal, ob ich es schon gelesen habe, ob ich es gut fand oder nicht... Ich bin so überrascht über eine so zielgenaue und hübsche Gestaltung, dass ich eigentlich nur fünf Punkt geben kann!


Charaktere ♥♥♥

Clara Bishop: Wer meine Rezension zu Band Eins schon gelesen hat, der weiß, dass ich mit Clara schon damals sehr hart ins Gericht gegangen bin. Auch in Royal Desire hat sie mich als Protagonistin jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich diesmal weit weniger Probleme mit ihr hatte als zuvor. Trotzdem sie Alexander mit Haut und Haar verfallen ist und daraus auch keinen Hehl macht, bietet sie ihm diesmal mehrmals erfolgreich die Stirn, mit dem Hintergedanken, sich nicht alles von ihm gefallen zu lassen. Obwohl sie bei ihm regelmäßig schwach wird - was ich in Anbetracht seiner Unwiderstehlichkeit durchaus verstehen kann - weiß sie ganz genau, was sie will und was sie nicht will, und zögert nicht, ihm ihre und vor allem seine Grenzen aufzuzeigen. Abgesehen davon, dass sie es schafft, genug Rückrat zu beweisen, um meinen Respekt nicht zu verlieren, ist an ihr nicht besonders viel dran, was sie in irgendeiner Art und Weise einzigartig machen könnte. Sie hat weder besondere Vorlieben oder Abneigungen - auch nicht im sexuellen Sinne -, noch einen besonders spannenden Job oder zumindest irgendwelche Hobbies. Die Beziehung zu ihrer Familie wird zwar erwähnt, doch wirklich in Berührung kommt sie mit ihr so selten, dass man daraus auch nicht wirklich ein Charakteristikum machen kann. Eigentlich charakterisiert sie sich im Großen und Ganzen nur durch ihre Beziehung zu Alexander, die auf einem stets ermüdenden Spiel von Dominanz und Unterwerfung gründet, das wie halb herzig dahinkonstruiert, wenn nicht sogar abgeschaut wirkt. Mehr kann ich zu Clara eigentlich nicht sagen. Schade.

Alexander von Cambridge: Ich liebe Alexander, wirklich. Er ist ein Mann, wie er nur in den kühnsten Fantasien ein jeder Frau existieren kann: sexy, undurchschaubar, dominant, wortgewandt, charmant und von Zeit zu Zeit auf genau richtige Weise auch mal körperlich bedrohlich, wie es pure, Testosteron geladene Männlichkeit nun mal will. In Royal Desire war ich ihm sogar noch eine Spur mehr verfallen als noch in Royal Passion, was vor allem auf seine endlich durchscheinende, gefühlvolle Seite zurückzuführen ist - denn wer kann einem Mann widerstehen, der all diese Traummann-Eigenschaften besitzt und dann auch noch seinen weichen Kern offenbart? Niemand! (Oder zumindest niemand, der gerne auch mal Traumvorstellungen hinterherhechelt). Ein ganz ganz dicker Minuspunkt war aber auch in diesem Band wieder der grausam schlechte Dirtytalk, mit dem Alexander es schafft alles, was er sich bei mir so mühsam aufgebaut hat, wieder zunichte zu machen. Etwa alle fünf Seiten bespringt er Clara wie eine dreckige Wildsau und bombardiert sie mit peinlichen, unerotischen Phrasen wie 'Ich will deine Mus** fien, bis [körperliche Ausfallerscheinung insert here]'. Mehrmals auf einer Seite lässt einen die vulgäre Sprache zusammenzucken, solange, bis man absolut abgestumpft und gelangweilt einfach weiterblättert, weil man sich denkt 'Ja, ja, macht hinne, ich will wissen, wie es weitergeht...'. Anders als Clara hat Alexander zwar prägende Dinge in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, die ihn auf seine ganz eigene Art schleifen, doch als eigenständigen Charakter konnte ich ihn dennoch nicht ernst nehmen. Statt normalen Gesprächen über Gott und die Welt geht es Alexander - auch wenn er es leugnet - immer nur um eins: Sex, Sex, Sex. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, doch lässt sich aus Sex allein eben keine glaubwürdige Beziehung aufbauen, die den Leser in irgendeiner Weise berührt. Sie mögen einander lieben, weil es so auf dem Papier steht, doch hätte ich gern mehr von den beiden gehabt als bloßes, ständiges Gerammel. Einmal weniger einlochen, einmal mehr ein tiefgreifendes Gespräch... das wäre alles, was ich mir wünsche. Colleen Hoover schafft es doch auch!


Schreibstil ♥♥

Ich weiß, ich habe den ersten Band der Reihe sehr gut bewertet, was den Schreibstil betrifft, doch ich musste nach Royal Desire mein Urteil noch einmal überdenken. Nicht, dass mir Geneva Lees Schreibstil nicht gefallen hätte, wenn es mal gerade nicht um Sex ging: Im Grunde hat sie einen schönen, flüssigen Schreibstil und weiß, wie sie mit Subtilität und Offensichtlichkeit gleichermaßen umgehen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Doch Sex nimmt in diesem Band einfach einen so unfassbar großen Teil der Geschichte ein, dass ich gar nicht mehr darüber hinwegsehen kann! Sex, schön und gut. Viel Sex - auch gut! Aber sehr viel Sex und gleichzeitig sehr viel Abwechslung ... nah. Doch eher ein no go. Ständig die selben Worte, die immer gleichen Phrasen, die immer und immer gleichen Abläufe. Er spielt mit ihr, sie unterwirft sich, will ihn in sich spüren, er rammelt sie besinnungslos bis hin zu drei Multiplen Orgasmen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nach dem ersten Schuss kann er gleich weitermachen, ganz so als hätte er gleich mehrere bunte Liebespillen geschluckt, und hat sowieso den größten Schw
** von allen. Mal ehrlich. Sinnlich ist was anderes. Und glaubwürdig erst recht. Wenn es nicht gefühlt 90% des Buches ausmachen würde, hätte ich vermutlich nichts dagegen einzuwenden, doch das war nun doch etwas too much für mich. Nimmt man den schrecklichen, oberpeinlichen Dirtytalk dazu, bei dem ich mir regelmäßig das Lachen verkneifen musste, weil er an Banalität nicht zu überbieten war, reicht das schon, um das Buch nach 50 Seiten einfach beiseite zu legen. Doch auch wenn man den mit der Zeit langweiligen Teil der sexuellen Übernatürlichkeit hinter sich gelassen hat, bleibt man von ewigen Wiederholungen nicht verschont: Denn Claras stets auf Dauerschleife laufenden Gedanken darüber, wie heiß Alexander ist, wie sehr sie ihn vergöttert und andersrum, wie schwierig ihre Beziehung ist und ob sie das wirklich kann und will ... kann und will man nach kurzer Zeit schon nicht mehr hören. Sie hat kein anderes Thema. Keine anderen Sorgen. Muss das sein?


Handlung ♥♥

Wenn ich dachte, Royal Passion hätte bereits wenig Handlung gehabt, kann ich von Royal Desire bedenkenlos genau dasselbe behaupten: Es hat keine Handlung. Auf knapp 400 Seiten bekommen wir eine volle Ladung Sex, BDSM, Herzschmerz, Zweifel, Selbstzweifel und Selbsthass vom Feinsten, doch statt sich stets wiederholenden Phrasen und ein oder zwei äußerst konstruierten Spannungspitzen erleben wir mit Clara und Alexander eigentlich nichts. Wenn sie nicht gerade dabei sind, sich gegenseitig zu befingern, sorgen sie sich um ihre gemeinsame Zukunft unter den Royals, die allerdings viel zu wenig vorkommen, um einen Titel wie "Royal XY" überhaupt zu rechtfertigen. Wo ist der feine, englische Hof, wenn man ihn am meisten erwartet? Die Tea Time, die Dinner, die Jagden, die Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen? Wo ist der teure Schmuck, die Etikette, die königliche Familie? Das bisschen, was die Geschichte zumindest auf irgendeine Weise interessant gemacht hätte, kommt viel zu kurz ... Schade darum. Ich habe Hoffnung, dass dieses Grundthema im dritten Band schließlich wieder aufgenommen und ausgekostet wird. Mal sehen!


Gesamtwertung ♥♥♥

Obwohl es in Bezug auf die Eigenständigkeit der Protagonistin und die Sexiness ihres königlichen Liebhabers durchaus Fortschritte gibt, haben mich Schreibtil und Handlung von Royal Desire geradezu in den Wahnsinn getrieben. Nicht nur war mir ständige Dirtytalk zuwider, weil ich mich ständig zwischen Fremdschämen und Loslachen zu entscheiden hatte, sondern auch die ewigen Wiederholungen - vor allem was die Gedanken der Protagonistin und die Beschreibungen des Akts an sich angeht -, die nicht vorhandene Handlung und die zwar konstruierte, aber dennoch viel zu kurz gekommene Rahmenhandlung haben mich mit mir hadern lassen, ob ich überhaupt weiterlesen sollte. Zum Glück hat meine Leidenschaft für Alexander ausgereicht, um mich am Ball zu halten. Und irgendwie will ich eben doch wissen, wie es ausgeht... Irgendwas scheint mich also doch beeindruckt zu haben. Hoffentlich schafft es der dritte und letzte Teil die Schwächen des zweiten auszubügeln und zumindest die Thematik des englischen Königsadels wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu ist allerdings ein bisschen weniger Gevögel und ein bisschen mehr Handlung nötig. Mal sehen...


Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor

Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥


- Eure Bücherfüchsin

Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannend bis zum Schluss

Darkest Powers: Seelennacht
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Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: ...

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50781-0
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥


Inhalt

"Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Totenbeschwörerin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir - und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen..." - Quelle: Verlag


Cover ♥♥♥♥

Auch hier wieder kurz anzumerken: Ich habe die alte, gebundene Auflage der Reihe gelesen und werde deswegen das alte Cover bewerten. Die neuen Ausgaben habe ich unten in diesem Post abgebildet, damit ihr euch ein Bild machen könnt!
Während das Cover des ersten Bands in ein nächtliches Blau getaucht ist, ist dieser zur farblichen Abgrezung grünlich gestaltet. Ich mag das Zusammenspiel der Farben, wenn beide Bücher nebeneinander im Regal stehen - sie harmonieren auch besonders gut mit dem dritten und letzten Band der Reihe. Tatsächlich gefällt mir das Cover von Band Zwei sogar besser, als das des ersten, die abgebildete Frau sieht weniger lethargisch, dafür aber um einiges entschlossener aus. Sie ist hübsch anzusehen und auch, wenn sie nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Chloe passen will, was Alter und Aussehen betrifft, finde ich die Gestaltung im Gesamten sehr gut. Unten links sieht man einen nur schwach beleuchteten Gang, der an ein Krankenhaus oder eine Klinik erinnert. Diese verboten, mystische Darstellung eines der im Buch vorkommenden Schauplätze macht optisch viel her und rundet das Cover für mich schön ab.


Charaktere ♥♥♥♥♥

Chloe Saunders: In meiner Rezension zum ersten Band Schattenstunde habe ich ja schon ausführlich begründet, weshalb mir Chloe als Protagonistin besonders ans Herz gewachsen ist. In Seelennacht hat sie diesen ersten Eindruck bei mir sogar noch gefestigt: Ihre Charakterentwicklung ist bemerkenswert. Vom eher langweiligen, unscheinbaren und verwöhnten Mauerblümchen entwickelt sie sich zu einer starken jungen Frau, die sagt, was sie denkt, was sie will und ihre Entscheidungen selbstständig und wohl überlegt trifft. Besonders gut gefällt mir ihre Art und Weise, ihre Probleme zu überdenken und letztlich immer den logischsten, nachvollziehbarsten Weg zu wählen. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, deren Hirn sich ausschaltet, wenn in ihrer Nähe ein hübscher Junge auftaucht oder die Autorin einfach nicht weiß, wie sie sonst Spannung aufbauen soll, wenn nicht über die Dummheit ihrer Charaktere. Chloe fühlt sich an wie eine eigenständige, authentische Person, mit der ich wunderbar identifizieren kann, weil sie mir das Gefühl gibt, das Abenteuer Seite an Seite mit ihr zu erleben. Toll!

Victoria Enright: Wer hätte gedacht, dass ich in meiner Rezension Victoria Enright, kurz genannt 'Tori', auch nur in einem Wort erwähnen würde? Sie ist eine Schlange, durch und durch gemein, hinterhältig, neidisch, verwöhnt und kratzbürstig und würde keine Sekunde zögern, einen von uns ans Messer zu liefern, wenn sie dadurch einen ihrer Fingernägel vor dem Abbrechen bewahren könnte. Aber wie ekelhaft Malfoy zu Harry auch sein mag, er ist kein durch und durch böser Mensch. Und das Gleiche gilt auch für Prinzessin Victoria. Auch wenn sie furchtbar nervtötend ist und es schafft, mit ihrer Starrsinnigkeit all meine Lieblingscharaktere zu gefährden, kann ich ihr doch nichts Böses an den Hals wünschen, weil ich weiß, dass in ihr ein guter Kern steckt und sie einfach unter besonderen Umständen groß geworden ist. Diese haarscharfe Linie zwischen Sympathie und blankem Hass ist unfassbar schwer zu konstruieren und ich ziehe meinen Hut vor Kelley Armstrong, dass sie es schafft, selbst den unliebsamsten Charakter für mich unentbehrlich zu machen. Ich liebe Toris dumme Sprüche, die zwar verletzend und nicht zuletzt voll von neidischem Gift sind, aber an Wortgewandtheit und Kreativität unübertroffen bleiben. Ich liebe es, wenn Tori giftig wird. Passiert mir eher selten.

Derek Souza: Chloe hat es nicht leicht mit Derek. Denn einerseits fühlt sie sich an seiner Seite besonders wohl - was hauptsächlich freundschaftlich, zeitweise aber auch anderweitig begründet ist -, andererseits bringt er sie zur absoluten Weißglut. Derek hat die schlechte Angewohnheit, socially awkward zu sein, was bedeutet, dass er nicht richtig weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Ständig ist er zu rau, zu unfreundlich und zu mürrisch, was ihn in den Augen anderer abstoßend macht, oder er neigt dazu, immer genau dann zu schweigen, wenn es wichtig wäre, etwas zu sagen. Vor allem aber hat er eine große Vorliebe dafür, Chloe für jeden noch so kleinen Fehler zur Schnecke zu machen, auch dann, wenn sie gar nichts dafür kann. Natürlich sorgt das für den ein oder anderen Konflikt, doch auch hier schlägt Kelley Armstrong grandioses Talent zu, einzigartige, selbstständige Charaktere erschaffen zu können: Auch Derek entwickelt sich, entfernt sich von seiner 'Einsamer-Wolf-Lebensphilosophie' und wird an den Geschehnissen stärker, offener und runder. Ich liebe Derek, denn er ist nicht der typische, perfekte und wunderhübsche Jugendbuchcharakter, den man erwartet hätte. Er ist der Junge von Nebenan, der mit einer Bürde geboren wurde, die er sich nicht aussuchen konnte.


Schreibstil ♥♥♥♥♥

Kelley Armstrong ist für mich eine der begabtesten Autorinnen, wenn es um Mystery und Urban Fantasy geht. Sie schafft es, die Spannung immer auf einem angenehmen, aber anspornenden Level zu halten und sie nur zu gewissen Anlässen voll aufzudrehen, sodass man das Gefühl bekommt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, damit einem nicht ein Detail, eine nervenaufreibende Szene durch die lappen geht. Ich liebe es, wie sie sich traut, in einem Jugendbuchroman auch mal morbide, dunkel und zum Teil auch eklig zu werden, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schaurige Szenen, Begegnungen mit halb verwesten Leichen und Verfolgungsjagden in der Dunkelheit gehen ihr so natürlich von der Hand, dass sich selbst mir dabei die Nackenhaare aufstellen. Ihre Charaktere sind stets glaubwürdig, geben einem das Gefühl, selbst irgendwann in so eine abstruse Situation geraten zu können und lassen einen stets verständnisvoll nicken, wenn ein Charakter mit der aktuellen Situation ins Hadern kommt. Man spürt einfach, dass sie sonst Erwachsenenromane schreibt, aber das tut der Qualität ihrer Jugendbücher keinen Abbruch. Ein besonderes Highlight sind ihre zeitlose Wortwahl, die einem das Gefühl gibt, die Handlung könnte sich gleich heute in der eigenen Heimatstadt abspielen, und die wortgewandten Dialoge, mit denen sie einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt - oder wahlweise ein spannungsgeladenes Kribbeln in die Fingerspitzen zu zaubern. Kelley Armstrongs Schreibstil ist wunderbar, schaurig und gleichzeitig so gemütlich, dass man am liebsten gar nicht mehr daraus auftauchen möchte.


Handlung ♥♥♥

Für die Handlung gibt es von mir diesmal ein paar Abzüge für Seelennacht, was keinesfalls daran liegt, dass nicht genug passieren würde: Es passiert tatsächlich eine ganze Menge. Die Nerven sind stets zum Zerreißen angespannt, man vermutet hinter jeder Ecke eine Gefahr und in den meisten Fällen stellt sich diese Vermutung sogar als wahr heraus. Man bekommt kaum Zeit zum durchatmen und schon sind unsere Helden wieder mitten in einer gefährlichen Situation, die ihnen den Kopf kosten könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass man trotzdem das Gefühl hat, dass die Story sich trotzdem nicht weiterbewegt. Als würden wir auf der Stelle treten. Informationen über die Welt der Paranormalen, die Gründe oder Ausmaße ihrer Kräfte sind mau gesät, fast gar nicht vorhanden, denn unsere liebsten Protagonisten befinden sich die meiste Zeit des zweiten Bandes auf der Flucht, außer Stande irgendwelche Informationen einzuholen oder auch nur irgendeinen Fortschritt zu erlangen. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Paranormalen gewünscht, vielleicht jemanden, der die Charaktere lehrt, mit ihren frisch gewonnenen Kräften umzugehen. Während des ersten Bands kamen mir tausend Fragen, von denen keine einzige in Seelennacht beantwortet werden konnte. Ich fürchte fast, der nächste und letzte Band wird zu schnell vorbei gehen, zu wenig ins Detail gehen und meine Fragen so schnell und oberflächlich beantworten, dass es mich nicht befriedigt. Wenn das der Fall ist, frage ich mich: Wofür dann überhaupt der zweite Band? Hätte man diesen Teil dann nicht einfach weglassen können, um gleich mit dem Finale weiterzumachen?


Gesamtwertung ♥♥♥♥

Mit Band Zwei der 'Die Dunklen Mächte' Reihe hat mir Kelley Armstrong mal wieder bewiesen, wie unfassbar gut sie darin ist, Charaktere zu entwerfen, die einzigartig und eigenständig sind, und eine so gruselige, nervenaufreibende Spannung aufzubauen, dass man ihre Bücher am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch in Seelennacht habe ich mich voll und ganz wie zuhause gefühlt, die Charaktere sind mir unfassbar ans Herz gewachsen und ich habe mit Freude beobachtet, wie die Charaktere sich entwickeln und an dem erstarken, was im Moment mit ihnen passiert. Leider konnten keine Fragen geklärt werden, die sich mir nach dem ersten Teil der Reihe gestellt haben, und auch die Handlung lässt eher zu wünschen übrig. Seelennacht ist zwar durchweg spannend und birgt immer wieder Szenen, die an Nervenkitzel unübertroffen sind, aber plottechnisch bewegen wir uns hier kaum weiter. Die Charaktere müssen Gefahren trotzen, lernen mit ihren Kräften umzugehen, aber zur eigenen Rahmenhandlung scheint hier nicht wirklich etwas beigetragen zu werden. Ich fürchte fast, dass Mrs. Armstrong hier Potential verspielt hat, den mittleren Band zu nutzen, um eventuell neue Charaktere oder ganze Storyelemente einzubauen. Sie hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem ein sehr gutes Buch und ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen, auch wenn ich nicht will, dass diese Reihe jemals endet. Meh!


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik
♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥♥
Action
♥♥♥♥♥

- Eure Bücherfüchsin

Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannend bis zum Schluss

Darkest Powers: Seelennacht
0

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: ...

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50781-0
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥


Inhalt

"Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Totenbeschwörerin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir - und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen..." - Quelle: Verlag


Cover ♥♥♥♥

Auch hier wieder kurz anzumerken: Ich habe die alte, gebundene Auflage der Reihe gelesen und werde deswegen das alte Cover bewerten. Die neuen Ausgaben habe ich unten in diesem Post abgebildet, damit ihr euch ein Bild machen könnt!
Während das Cover des ersten Bands in ein nächtliches Blau getaucht ist, ist dieser zur farblichen Abgrezung grünlich gestaltet. Ich mag das Zusammenspiel der Farben, wenn beide Bücher nebeneinander im Regal stehen - sie harmonieren auch besonders gut mit dem dritten und letzten Band der Reihe. Tatsächlich gefällt mir das Cover von Band Zwei sogar besser, als das des ersten, die abgebildete Frau sieht weniger lethargisch, dafür aber um einiges entschlossener aus. Sie ist hübsch anzusehen und auch, wenn sie nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Chloe passen will, was Alter und Aussehen betrifft, finde ich die Gestaltung im Gesamten sehr gut. Unten links sieht man einen nur schwach beleuchteten Gang, der an ein Krankenhaus oder eine Klinik erinnert. Diese verboten, mystische Darstellung eines der im Buch vorkommenden Schauplätze macht optisch viel her und rundet das Cover für mich schön ab.


Charaktere ♥♥♥♥♥

Chloe Saunders: In meiner Rezension zum ersten Band Schattenstunde habe ich ja schon ausführlich begründet, weshalb mir Chloe als Protagonistin besonders ans Herz gewachsen ist. In Seelennacht hat sie diesen ersten Eindruck bei mir sogar noch gefestigt: Ihre Charakterentwicklung ist bemerkenswert. Vom eher langweiligen, unscheinbaren und verwöhnten Mauerblümchen entwickelt sie sich zu einer starken jungen Frau, die sagt, was sie denkt, was sie will und ihre Entscheidungen selbstständig und wohl überlegt trifft. Besonders gut gefällt mir ihre Art und Weise, ihre Probleme zu überdenken und letztlich immer den logischsten, nachvollziehbarsten Weg zu wählen. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, deren Hirn sich ausschaltet, wenn in ihrer Nähe ein hübscher Junge auftaucht oder die Autorin einfach nicht weiß, wie sie sonst Spannung aufbauen soll, wenn nicht über die Dummheit ihrer Charaktere. Chloe fühlt sich an wie eine eigenständige, authentische Person, mit der ich wunderbar identifizieren kann, weil sie mir das Gefühl gibt, das Abenteuer Seite an Seite mit ihr zu erleben. Toll!

Victoria Enright: Wer hätte gedacht, dass ich in meiner Rezension Victoria Enright, kurz genannt 'Tori', auch nur in einem Wort erwähnen würde? Sie ist eine Schlange, durch und durch gemein, hinterhältig, neidisch, verwöhnt und kratzbürstig und würde keine Sekunde zögern, einen von uns ans Messer zu liefern, wenn sie dadurch einen ihrer Fingernägel vor dem Abbrechen bewahren könnte. Aber wie ekelhaft Malfoy zu Harry auch sein mag, er ist kein durch und durch böser Mensch. Und das Gleiche gilt auch für Prinzessin Victoria. Auch wenn sie furchtbar nervtötend ist und es schafft, mit ihrer Starrsinnigkeit all meine Lieblingscharaktere zu gefährden, kann ich ihr doch nichts Böses an den Hals wünschen, weil ich weiß, dass in ihr ein guter Kern steckt und sie einfach unter besonderen Umständen groß geworden ist. Diese haarscharfe Linie zwischen Sympathie und blankem Hass ist unfassbar schwer zu konstruieren und ich ziehe meinen Hut vor Kelley Armstrong, dass sie es schafft, selbst den unliebsamsten Charakter für mich unentbehrlich zu machen. Ich liebe Toris dumme Sprüche, die zwar verletzend und nicht zuletzt voll von neidischem Gift sind, aber an Wortgewandtheit und Kreativität unübertroffen bleiben. Ich liebe es, wenn Tori giftig wird. Passiert mir eher selten.

Derek Souza: Chloe hat es nicht leicht mit Derek. Denn einerseits fühlt sie sich an seiner Seite besonders wohl - was hauptsächlich freundschaftlich, zeitweise aber auch anderweitig begründet ist -, andererseits bringt er sie zur absoluten Weißglut. Derek hat die schlechte Angewohnheit, socially awkward zu sein, was bedeutet, dass er nicht richtig weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Ständig ist er zu rau, zu unfreundlich und zu mürrisch, was ihn in den Augen anderer abstoßend macht, oder er neigt dazu, immer genau dann zu schweigen, wenn es wichtig wäre, etwas zu sagen. Vor allem aber hat er eine große Vorliebe dafür, Chloe für jeden noch so kleinen Fehler zur Schnecke zu machen, auch dann, wenn sie gar nichts dafür kann. Natürlich sorgt das für den ein oder anderen Konflikt, doch auch hier schlägt Kelley Armstrong grandioses Talent zu, einzigartige, selbstständige Charaktere erschaffen zu können: Auch Derek entwickelt sich, entfernt sich von seiner 'Einsamer-Wolf-Lebensphilosophie' und wird an den Geschehnissen stärker, offener und runder. Ich liebe Derek, denn er ist nicht der typische, perfekte und wunderhübsche Jugendbuchcharakter, den man erwartet hätte. Er ist der Junge von Nebenan, der mit einer Bürde geboren wurde, die er sich nicht aussuchen konnte.


Schreibstil ♥♥♥♥♥

Kelley Armstrong ist für mich eine der begabtesten Autorinnen, wenn es um Mystery und Urban Fantasy geht. Sie schafft es, die Spannung immer auf einem angenehmen, aber anspornenden Level zu halten und sie nur zu gewissen Anlässen voll aufzudrehen, sodass man das Gefühl bekommt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, damit einem nicht ein Detail, eine nervenaufreibende Szene durch die lappen geht. Ich liebe es, wie sie sich traut, in einem Jugendbuchroman auch mal morbide, dunkel und zum Teil auch eklig zu werden, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schaurige Szenen, Begegnungen mit halb verwesten Leichen und Verfolgungsjagden in der Dunkelheit gehen ihr so natürlich von der Hand, dass sich selbst mir dabei die Nackenhaare aufstellen. Ihre Charaktere sind stets glaubwürdig, geben einem das Gefühl, selbst irgendwann in so eine abstruse Situation geraten zu können und lassen einen stets verständnisvoll nicken, wenn ein Charakter mit der aktuellen Situation ins Hadern kommt. Man spürt einfach, dass sie sonst Erwachsenenromane schreibt, aber das tut der Qualität ihrer Jugendbücher keinen Abbruch. Ein besonderes Highlight sind ihre zeitlose Wortwahl, die einem das Gefühl gibt, die Handlung könnte sich gleich heute in der eigenen Heimatstadt abspielen, und die wortgewandten Dialoge, mit denen sie einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt - oder wahlweise ein spannungsgeladenes Kribbeln in die Fingerspitzen zu zaubern. Kelley Armstrongs Schreibstil ist wunderbar, schaurig und gleichzeitig so gemütlich, dass man am liebsten gar nicht mehr daraus auftauchen möchte.


Handlung ♥♥♥

Für die Handlung gibt es von mir diesmal ein paar Abzüge für Seelennacht, was keinesfalls daran liegt, dass nicht genug passieren würde: Es passiert tatsächlich eine ganze Menge. Die Nerven sind stets zum Zerreißen angespannt, man vermutet hinter jeder Ecke eine Gefahr und in den meisten Fällen stellt sich diese Vermutung sogar als wahr heraus. Man bekommt kaum Zeit zum durchatmen und schon sind unsere Helden wieder mitten in einer gefährlichen Situation, die ihnen den Kopf kosten könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass man trotzdem das Gefühl hat, dass die Story sich trotzdem nicht weiterbewegt. Als würden wir auf der Stelle treten. Informationen über die Welt der Paranormalen, die Gründe oder Ausmaße ihrer Kräfte sind mau gesät, fast gar nicht vorhanden, denn unsere liebsten Protagonisten befinden sich die meiste Zeit des zweiten Bandes auf der Flucht, außer Stande irgendwelche Informationen einzuholen oder auch nur irgendeinen Fortschritt zu erlangen. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Paranormalen gewünscht, vielleicht jemanden, der die Charaktere lehrt, mit ihren frisch gewonnenen Kräften umzugehen. Während des ersten Bands kamen mir tausend Fragen, von denen keine einzige in Seelennacht beantwortet werden konnte. Ich fürchte fast, der nächste und letzte Band wird zu schnell vorbei gehen, zu wenig ins Detail gehen und meine Fragen so schnell und oberflächlich beantworten, dass es mich nicht befriedigt. Wenn das der Fall ist, frage ich mich: Wofür dann überhaupt der zweite Band? Hätte man diesen Teil dann nicht einfach weglassen können, um gleich mit dem Finale weiterzumachen?


Gesamtwertung ♥♥♥♥

Mit Band Zwei der 'Die Dunklen Mächte' Reihe hat mir Kelley Armstrong mal wieder bewiesen, wie unfassbar gut sie darin ist, Charaktere zu entwerfen, die einzigartig und eigenständig sind, und eine so gruselige, nervenaufreibende Spannung aufzubauen, dass man ihre Bücher am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch in Seelennacht habe ich mich voll und ganz wie zuhause gefühlt, die Charaktere sind mir unfassbar ans Herz gewachsen und ich habe mit Freude beobachtet, wie die Charaktere sich entwickeln und an dem erstarken, was im Moment mit ihnen passiert. Leider konnten keine Fragen geklärt werden, die sich mir nach dem ersten Teil der Reihe gestellt haben, und auch die Handlung lässt eher zu wünschen übrig. Seelennacht ist zwar durchweg spannend und birgt immer wieder Szenen, die an Nervenkitzel unübertroffen sind, aber plottechnisch bewegen wir uns hier kaum weiter. Die Charaktere müssen Gefahren trotzen, lernen mit ihren Kräften umzugehen, aber zur eigenen Rahmenhandlung scheint hier nicht wirklich etwas beigetragen zu werden. Ich fürchte fast, dass Mrs. Armstrong hier Potential verspielt hat, den mittleren Band zu nutzen, um eventuell neue Charaktere oder ganze Storyelemente einzubauen. Sie hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem ein sehr gutes Buch und ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen, auch wenn ich nicht will, dass diese Reihe jemals endet. Meh!


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik
♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥♥
Action
♥♥♥♥♥

- Eure Bücherfüchsin