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Veröffentlicht am 23.09.2021

Essen ist fertig!

Sonntagsessen
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Seit fast zehn Jahren gibt es schon die beliebte Rezept-Kolumne „Sonntagsessen“ auf ZEIT Online, auf der spannende und außergewöhnliche Foodblogs aus aller Welt vorgestellt werden. Ein Rezept macht sofort ...

Seit fast zehn Jahren gibt es schon die beliebte Rezept-Kolumne „Sonntagsessen“ auf ZEIT Online, auf der spannende und außergewöhnliche Foodblogs aus aller Welt vorgestellt werden. Ein Rezept macht sofort Lust auf mehr und die Gerichte potenzieren sich in ihren Möglichkeiten, die die/der jeweilige Urheber*in des Blogs noch bietet. Jetzt werden die 85 besten Foodblog-Rezepte in einem hochwertig und ansprechenden Kochbuch präsentiert: In „Sonntagsessen“ finden sich modern bebilderte Rezepte, mit und ohne Fleisch, vegan, vegetarisch oder mit Fisch, verteilt über die Tageszeiten von Frühstück, Brunch, Mittagessen, Nachmittagskaffee, Dinner und Dessert – eigentlich für den arbeitsfreien Sonntag gedacht, eignen sich viele vorgestellte Gerichte auch für einen Wochentag und geben einen facettenreichen Überblick auf eine kreative internationale Foodszene.

Die pointiert formulierten Vorstellungstexte der internationalen Foodblogger samt Link zu den Blogs liefern einen tollen und persönlichen Touch: Einblicke, Anekdoten und dann ein ausgewähltes, saisonales Wohlfühl-Rezept dazu. Und gleich die erste Rubrik Frühstück macht klar, warum die Kolumne so erfolgreich ist: die reizvollen Speisen sind teils nachhaltig, mit alternativen Ernährungsformen gespickt und sehr verlockend zum Nachkochen präsentiert. Ob herbstliches Hirseporridge mit Birnen, Kürbisbrot mit Pflaumenchutney, Mohn-Zitronen-Pancakes, Spinat-Ziegenkäse-Hummus mit Spinat-Pita-Broten, Spinatknödel, veganer Zitronen-Mohn-Kuchen, Rote-Bete-Brownies, Süßkartoffel-Linsen-Suppe mit Koriander-Erdnuss-Pesto, Brotlinge mit knusprigen Ofenpommes, der Zitronencouscous mit Knusper-Feta, Risotto mit Quitte & Kürbis, gebackene Birnenhälften mit Gorgonzola, Topfenknödel oder das Heidelbeereis – auf knapp 200 Seiten findet jeder aufgeschlossene Koch etwas für den schönsten Tag in der Woche. Gut angeleitet, mit Tipps und Mengen-/Zutatenangaben verfeinert und mit der modernen Vorstellung des Blogs mit tollem Einblick in die Koch-Welt von Heisse Himbeere, Holunderweg 18 & Co. Eine kurze Einleitung von Eva Biringer schildert den erfolgreichen Werdegang des ZEIT Online-Blogs und das abschließende Blog- sowie Rezeptregister sorgt für den passenden Überblick.

Ein rundum gelungenes, inspirierendes und empfehlenswertes Kochbuch mit zahlreichen kreativen Ideen aus aller Welt und den Anreiz, weiter in den vielen facettenreichen vorgestellten Foodblogs weiterzustöbern!

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Veröffentlicht am 09.09.2021

Die Honigwabe-Doppelhelix

Der perfekte Kreis
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Die beiden unkonventionellen Freunde Calvert und Redbone erschaffen in Südengland im Jahre 1989 ein hoffnungsstiftendes Narrativ der anderen Art: Ihre geheime Lebensmission ist es, wunderschöne und mystische ...

Die beiden unkonventionellen Freunde Calvert und Redbone erschaffen in Südengland im Jahre 1989 ein hoffnungsstiftendes Narrativ der anderen Art: Ihre geheime Lebensmission ist es, wunderschöne und mystische Kornkreise in den weiten Getreidefelder zu kreieren, angetrieben nach Perfektion und dem Willen, immer detailreichere und präzisere Muster zu schaffen. Ihr Meiserwerk soll der Kreis „Die Honigwabe-Doppelhelix“ werden. Immer in der Nacht machen sich die beiden unterschiedlichen und idealistischen Freunde an ihre aufsehenerregenden Kunstwerke, philosophieren tiefsinnig über facettenreiche Themen, betrachten den Mond und schenken sich auch ohne große Worte über die traumatische Vergangenheit tiefe Zuversicht und Verbundenheit. Ihr Ziel ist es, mit den Kreisen Hoffnung und Glaube an die Menschheit zu verbreiten, aber auch die Leidenschaft, die Schönheit der Natur zu sehen und zu schützen.

„Sie sind Teil einer wortlosen Erzählung, die über Sprachbarrieren hinausgeht und für manche zur Metapher wird, für andere zum Mythos und für fast alle außer uns zum Mysterium. Sie erzählen eine sonderbare Geschichte, schaffen ein Narrativ. Vor allen sind sie etwas, woran man in zynischen Zeiten glauben kann.“ S. 183

Nachts begegnen sie vielfältigen Menschen und Situationen - Umweltverschmutzer, Haudegen und anderen Charakteren. Und so langsam rollt auch das mediale Interesse an den mystischen und wunderschönen Kornkreisen auf - Zeitungen berichten weltweit über die Zeichen, sprechen von paranormalen Urhebern und Außerirdischen, während die Menschheit begeistert ist.

Benjamin Myers hat mit „Der perfekte Kreis“ eine poetische, ruhig erzählte und philosophische Parabel auf die Menschheit und die Schönheit der Umwelt geschaffen - mit präzisen, spirituellen und bildgewaltigen Beschreibungen von Natur, Gestirnen aber auch der Gesellschaft. Die Kapitel sind mit kreativen Musterbezeichnungen der Kreise betitelt, Myers versteht es außerdem, eine feinfühlige Spannung aufzubauen - eine mysteriöse Atmosphäre umweht den Roman und einige Zeitungsartikel wurden miteingewoben. Es ist eine zeitlose, universelle und kluge Geschichte, die frei von egozentriertem Handeln ist und sich einer tiefsinnigeren, existenziellen Bedeutung widmet.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Meditation über das Leben

Der Kolibri
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Sandro Veronesi ist in Italien bereits ein Literaturstar, erhielt zweimal den renommierten Premio Strega – diesmal für „Der Kolibri“. Die opulente, philosophische und sprachlich außergewöhnlich raffinierte ...

Sandro Veronesi ist in Italien bereits ein Literaturstar, erhielt zweimal den renommierten Premio Strega – diesmal für „Der Kolibri“. Die opulente, philosophische und sprachlich außergewöhnlich raffinierte Familiengeschichte mit dem Protagonisten Marco Carrera ist intelligent durchdacht und raffiniert komponiert – die Zeiten und die Chronologie brechen aus ihrer Ordnung: Das von Schmerz und Leid geprägte Leben von Marco, der seit einer Wachstumsstörung den Spitznamen Kolibri hat, rollt sich von Geburt bis zum Tod kaleidoskopartig mit vielen Splittern aus Rückblenden, Briefen, Dialogen und Episoden auf. Und am Ende der gewürfelten Zeitsprünge und cleveren Mosaike ergibt sich ein bewegendes Gesamtbild eines Lebens mit Höhen und Tiefen.

Der ruhige Augenarzt ist eine Art moderner Hiob – viel Leid und Sterben prallen auf ihn ein. Er meistert sein Leben, indem er nicht jeder Veränderung Schritt hält, sondern die Geschehnisse wie der Vogel im Punkt-Schwirrflug betrachtet sowie auch den Objekten und Gegenständen wie dem großen Nachlass der Eltern eine tiefere Bedeutung schenkt. So werden beispielsweise fehlende Ausgaben einer Science-Fiction-Romansammlung scharfsinnig und pointiert in das Erzählte miteingeflochten.

In Veronesis Sätzen steckt viel Intelligenz, die durch eine fantasiereiche und lyrische Prosa getragen wird – das kann auch schon mal kurios Ausufern: Manche Assoziationen und Gedankengänge werden über Seiten ausgeführt, aber langweilen nie. Es geht um Schuld, Leid, Liebe, Sucht, Resilienz sowie die begrenzte Lebenszeit – und obwohl Marco soviel familiäre Tragik im Leben überfällt, schwingt eine humorvolle, warme und sehr kluge Lakonie im Schreibstil mit.

Sandro Veronesi ist mit „Der Kolibri“ auf dem Höhepunkt seines jahrzehntelangen Schreibens angelangt – ein gewaltiges, poetisches, tiefsinniges und ergreifendes Epos.

„Ausgehend von dieser Erfahrung lief sein Leben jedoch immer auf die gleiche Weise ab: Jahrelang verharrte es im Stillstand, während diejenigen der anderen sich vorwärtsbewegten, und brach dann plötzlich in ein unerwartetes, außergewöhnliches Ereignis aus, das ihn in ein neues, unbekanntes Anderswo schleuderte.“ S. 297

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Zeiten und Menschen im Wandel

Kairos
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Eine Frau blickt mit Mitte 50 auf ihr jugendliches Ich zurück, als sie mit jungen 19 Jahren mit einem Mann zusammen war, der damals so alt war, wie sie heute: Die angehende Bühnenbildnerin Katharina trifft ...

Eine Frau blickt mit Mitte 50 auf ihr jugendliches Ich zurück, als sie mit jungen 19 Jahren mit einem Mann zusammen war, der damals so alt war, wie sie heute: Die angehende Bühnenbildnerin Katharina trifft Ende der 1980er-Jahre in Ostberlin auf den charismatischen, narzisstischen und über 30 Jahre älteren Schriftsteller Hans und die beiden erleben eine Amour Fou, während die DDR und ihr System zu bröckeln beginnt. Jenny Erpenbeck erzählt in ihrem neuen Roman „Kairos“ (aus dem Griechischen „der richtige Moment, der richtige Zeitpunkt“) von einer leidenschaftlichen, aber auch ungesund manipulativen und gewaltvollen Liebe, deckt psychologisch nuanciert und bewegend Seelenwelten auf und blickt in der Außenschau präzise auf die untergehende DDR mit ihrem Alltag, Konstrukten und nicht zuletzt dem Stasi-Apparat. Wichtige deutsch-deutsche Geschichte spiegelt sich in der Anziehung der Zwei raffiniert und metaphorisch wider.

Dabei lässt Erpenbeck mit einer klaren, szenischen und großartigen Prosa zwei Zeiten ineinanderlaufen: die heutige Katharina in der Gegenwart, die in Kartons voller Erinnerungen der Zeit zwischen 1986 und 1992 wühlt und ihr Bild von damals neu zusammensetzt: Erlebnisse mit Hans, die Einführung in die Kunst- und Schriftstellerwelt, aber auch Anschuldigungen, Zwänge und Unterwerfung in der Beziehung zum herrischen Hans, der selbst noch Frau, Geliebte und Kinder hatte, aber bei Katharina keine Zuneigung zu anderen Männern duldete. Auf der einen Seite ist Hans ein reifer Mentor, auf der anderen ein harscher Ankläger und demütigender Liebhaber, der süchtig nach Katharinas Unbefangenheit ist. Schicht für Schicht legt Katharina ihre Erinnerungen der Beziehung voller Schuldzuweisungen und Verstrickungen frei, die eng in Einklang mit Orten und Begebenheiten von Ost-Berlin stehen - so setzt Erpenbeck ein kongeniales Bild deutsch-deutscher Geschichte und eine Kartografie von Ost-Berlin und seinen Menschen und Künstlern zusammen.

Ein intensiver, eindringlicher und spannend komponierter Roman, der sich langsam und detailliert aufbaut, bevor am Ende alles zusammenbricht - die Augenblicke und Möglichkeiten stehen im Wandel der Zeit, der anfängliche Zauber der Verliebtheit, der Kairos-Moment, weicht. Katharina und Hans kommen aus unterschiedlichen Generationen und blicken sehr verschieden auf den Umbruch - und mit der Wende kehrt eine neue Verlorenheit ein.

„Alles zerfällt jetzt. Einiges ist kollabiert, einiges zerschlagen, anderes im Aufbruch. Hans erinnert sich an einen Blick durch Ingrids Mikroskop: erhitzte Moleküle in einer Versuchsanordnung, manche rasen, manche schweben, manche taumeln. Die Frage ist nur, sagt Ingrid, welche Form das Ganze annehmen wird, wenn es sich wieder zurückverwandelt in Feststoff.“

Eine faszinierende und sprachlich hochwertig mit vielen pointierten Metaphern erzählte Geschichte, die Erpenbeck sowohl emotional als auch zeithistorisch bewegend einfängt - mit klugen Reflexionen zur Zeit, Kultur, Mythologie und Dramatik, da einige Charaktere aus einem bekannten und intellektuell interessanten Ostberliner Kulturmilieu mit eigenen Chiffren stammen.

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Veröffentlicht am 31.08.2021

Ein Kampf aus Liebe

Shuggie Bain
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Im tristen, stagnierenden und von Arbeitslosigkeit und Sucht geprägten Glasgow der 80er-Jahre führt der junge und sanfte Shuggie Bain einen zerbrechlichen und starken Kampf aus Liebe – zu seiner Mutter ...

Im tristen, stagnierenden und von Arbeitslosigkeit und Sucht geprägten Glasgow der 80er-Jahre führt der junge und sanfte Shuggie Bain einen zerbrechlichen und starken Kampf aus Liebe – zu seiner Mutter Agnes, die dem Alkohol verfallen ist. Douglas Stuart ist mit seinem zutiefst bewegenden Debütroman mit dem renommierten Booker Prize 2020 ausgezeichnet worden und verarbeitet laut Interviews seine eigene Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter.

Der Roman behandelt die wundervoll zärtlich aufgefangene Verbindung zwischen einem sanften Kind und seiner unbändigen Mutter, in einer rauen Welt, in der sich Shuggie zusätzlich als Ausgestoßener fühlt, da er sehr sensibel und feminin ist, lieber mit My Little Ponies als mit einem Fußball spielt und sich in einer vulgären Umgebung fein und gewählt ausdrückt. Auch Agnes ist eine schicke Frau nach außen, immer zurecht gemacht, doch innerlich ist sie zerbrochen, verlassen vom untreuen-gewalttätigen Mann und Shuggies Vater Big Shug, mittellos und die spärliche Sozialhilfe wird für die nächsten Biere ausgegeben. Von Männern wird Agnes sexuell ausgebeutet und auch Shuggie wird wegen seiner ‚Andersartigkeit’ gemobbt – seine Halbgeschwister gehen ihren eigenen Weg, so versucht der kleine Junge mit viel Einfallsreichtum seiner Mutter Fürsorge und Halt zu geben: In vertauschten Rollen bringt er alle Zärtlichkeit auf, um der von der Sucht emotional sehr instabilen und wechselhaften Agnes durch den Tag zu helfen. Ein aufwühlendes und wichtiges Thema – Kinder von drogenabhängigen Eltern und den emotionalen Missbrauch, den sie erleben.

Erschütternd, detailliert und düster zeigt Stuart in seiner eindringlichen Milieustudie und emotionalen Coming-of-Age-Geschichte den harten Alltag von Shuggie und Agnes, ohne rührselig zu werden – durchzogen mit dem brillant übersetzten Glasgower Slang und neben der vorherrschenden Trostlosigkeit auch eine herzerfüllende Wärme und reine Liebe, die Hoffnung versprühen und beim Lesen des Elends und Leids durchhalten lassen. Stuarts lyrische Prosa ist zudem von einer opulenten und bildgewaltigen Schönheit und aufblitzendem schwarzen Humor durchzogen, denn Shuggie ist trotz allem eine heitere Natur – gefolgt von derben Szenen mit Schimpfwörtern, sexueller Gewalt und die Schonungslosigkeit eines durch Alkohol verursachten Verfalls.

Ein bemerkenswertes Debüt voller Brutalität und Schönheit, Schrecken und Poesie sowie soziografische Szenen einer Stadt, die durch die Thatcher-Ära schwer gelitten hat und unvergessliche Momente einer außergewöhnlichen, komplexen Mutter-Sohn-Beziehung, die alle Grenzen sprengt und zwischen Zerstörung und Liebe changiert.

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