Draculas Braut Retelling?!
A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht."Ich hatte nie vor, dich umzubringen. Das heißt, jedenfalls anfangs noch nicht".
Die Geschichte startet mit einer ausschweifenden Entschuldigung von Constanta, unserer Protagonistin, an ihren Liebhaber, ...
"Ich hatte nie vor, dich umzubringen. Das heißt, jedenfalls anfangs noch nicht".
Die Geschichte startet mit einer ausschweifenden Entschuldigung von Constanta, unserer Protagonistin, an ihren Liebhaber, dafür, dass sie ihn töten musste. Toller Start; Ich wollte direkt wissen, wie das passiert ist und wie die beiden überhaupt zueinander gefunden haben. Mir hat der Schreibstil sehr gefallen, weil Constanta sowohl in Ich-Perspektive schreibt, als auch Dracula selbst immer wieder mit "du" anspricht und er auch in der zweiten Person agiert. Das ganze laß sich also wie ein sehr intimer, aber dennoch erzählender Brief einer tiefen Liebesgeschichte, sowohl der beiden als auch der anderen beiden Charaktere in deren Beziehung.
Liebe kann jedoch manipulative Kontrolle nicht überlagern, und diese zeigte Dracula leider immer wieder. Mir hat sehr die Darstellung aus ihrer Sicht gefallen, das war mal was anderes, als immer die gleichen Dracula-Retellings.
Leider hat mich die Tiefe der Story nicht ganz mitgenommen: Alles war toll, bis es nicht mehr toll war sondern langweilig - sie finden jemanden, verwandeln diesen, der Kreislauf geht von vorne los. Hier hätte ich mir lieber mehr Einblicke in deren Alltag und Leben gewünscht. Ich denke aber, dass das in dem Brief-Format nicht angebracht gewesen wäre, darum verstehe ich das Stilmittel hier.
Etwas gestört hat mich, dass Dracula sowohl Magdalena als auch Alexi immer Constanta gegenüber als "Schwester/Bruder" bezeichnet hat, obwohl beide ganz klar Beziehungspersonen waren und alle Parteien auch mehrfach ihre Liebe betont haben. Das familiäre Wort (was übrigens auch im Original dieses Buches gewählt wurde) passt meiner Meinung nach nicht gut hier rein.
Insgesamt war das Buch schön runterzulesen und hat mich gut unterhalten. Es hat als Draculas-Braut-Retelling ein bisheriges Alleinstellungsmerkmal, was es großzügig auskostet. Wegen des Brief-Formats geht aber leider etwas aus der Tiefe verloren. Trotzdem eine klare Empfehlung für Leute, die Dracula mögen, Gothic-Themen genießen und mal wieder ein leichtes Buch für die Vibes lesen wollen.