Cosy-Crime im Politikgeschehen?
FreunderlwirtschaftDer Krimi "Freunderlwirtschaft" von Petra Hartlieb spielt in der Wiener Politikerszene.
Der junge Landwirtschaftsminister Max Langwieser, gut befreundet mit dem österreichischen Kanzler Ferchner, wird ...
Der Krimi "Freunderlwirtschaft" von Petra Hartlieb spielt in der Wiener Politikerszene.
Der junge Landwirtschaftsminister Max Langwieser, gut befreundet mit dem österreichischen Kanzler Ferchner, wird in seinem Wohnzimmer tot aufgefunden. Offenbar wurde ihm die Kante seines Designer-Glastisches zum Verhängnis.
Kommissarin Alma Oberkofler, frisch bei der Wiener Mordkommission, oder besser gesagt der "Abteilung Leib und Leben" angekommen, bekommt es in ihrem ersten Fall mit einer ordentlichen Portion Öffentlichkeit zu tun.
Die Verlobte des Toten, Jessica Pollauer, ist genauso verschwunden wie sein Laptop und die Ermittler um Alma Oberkofler tappen im Dunkeln.
Der Klappentext verspricht einen Krimi in der jungen Politikszene Österreichs mit Politikern, die sich für unbesiegbar halten bis einer von ihnen zu Fall gebracht wird.
Hauptkommissarin Oberkofler begibt sich auf Spurensuche, "doch ihre Suche nach Antworten stellt sie bald vor eine neue Frage: Wem kann sie trauen?" - so der Klappentext. Allerdings dauert es im Buch ziemlich lange, bis sich die erste Verschwörung blicken lässt, und das ist mein großer Kritikpunkt an diesem Buch. Ich hatte tiefere Einblicke in die Mauscheleien zwischen Politikern erwartet oder zumindest irgendwelche Intrigen, durch die Alma nur schwer an zuverlässige Informationen kommt. Allerdings beschäftigt sich die Handlung zunächst ziemlich ausführlich mit ihrem Privatleben und der Hintergrundgeschichte und Flucht von Jessica. Das sind zwar gute Infos und Geschichten, die die Charaktere nahbarer machen, aber es war eben nicht, was ich erwartet hatte.
Das Cover finde ich dagegen großartig: es ist schlicht und doch auffällig und je länger ich darüber nachdenke, desto besser passt es zur Story.
Die Charaktere sind allesamt gut gezeichnet und meiner Meinung nach treffend recherchiert. Bei dem ein oder anderen Herrn im Anzug trieft der schmierige Charm geradezu aus dem Buch. Alma, ihre Kollegen und auch Jessica erscheinen durchweg sympathisch beziehungsweise angenehm nüchtern und ohne allzu große Voreingenommenheit. Der Ton unter den ermittelnden Kollegen bleibt durchweg respektvoll, wodurch es einem leicht gemacht wird den Ermittlungen zu folgen. (Das ist eine Sache, die mich bei anderen Krimis oft etwas stört: wenn es von vorneherein schon Vorurteile oder schlechte Stimmung unter den Kollegen gibt).
Die Ermittlungen plätschern unaufgeregt vor sich hin. Jessica ist zwar verschwunden, aber es ist lange nicht klar, ob es sich um einen Unfall handelt, oder ob der Minister ermordet wurde. Und falls es Mord war, tut sich auch kein besonders starkes Motiv auf. Nebenbei erfährt man immer wieder einiges über Jessicas und Max' Vergangenheit, sowie über Almas Hintergrund in ihrer Jugend und in ihrer vorherigen Dienststelle in Linz. Kurz zusammengefasst: das ist kein Krimi für Fans des blutigen Thrillers.
Freunderlwirtschaft beschert einem zwar keine schlaflosen Nächte beim Lesen (weder weil es so gruselig ist, noch weil man es nicht aus der Hand legen könnte), aber dennoch hatte ich es in relativ kurzer Zeit fertig gelesen und fühlte mich prima unterhalten. Ungefähr so muss man sich wohl Cosy-Crime im nüchternen Umfeld der Politik vorstellen - und das ganze mit einer Prise Freunderlwirtschaft.