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Veröffentlicht am 26.09.2022

Typisch deutscher Weihnachtswahnsinn

Ein Alman feiert selten allein
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Elif stellt sich dem Weihnachtswahnsinn – gemeinsam mit ihrem Freund Jonas verbringt Elif den Heiligabend bei Jonas Familie und erlebt ein „typisch deutsches“ Weihnachtsfest.

Aylin Atmaca stellt in „Ein ...

Elif stellt sich dem Weihnachtswahnsinn – gemeinsam mit ihrem Freund Jonas verbringt Elif den Heiligabend bei Jonas Familie und erlebt ein „typisch deutsches“ Weihnachtsfest.

Aylin Atmaca stellt in „Ein Alman feiert selten allein“ den deutschen Weihnachtswahnsinn gelungen, wenn auch wirklich ins Extrem überspitzt dar. Mit viel Humor und Witz beschreibt die Autorin Situationen, die vermutlich allen Weihnachten feiernden Menschen in Deutschland zumindest in Teilen vertraut sind. Die deutliche Überspitzung ist dabei sicher beabsichtigt, ändert aber nichts am Kern der Tatsache: Traditionen an Weihnachten sind heilig und jede wenn auch unbeabsichtige Veränderung zieht Konsequenzen nach sich.

Die Stereotypen in Jonas Familie sind derart treffend dargestellt, dass ein gewisses Fremdschämen bei mir nicht ausblieb. Sicher ist es gut, ab und zu den Spiegel so vorgehalten zu bekommen.

Ich schätze an „Ein Alman feiert selten allein“ besonders den Blick auf Alltagsrassismus, wie er Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland jeden Tag begegnet. Wie sich Kleinigkeiten in Aussagen oder Fragen auf die Betroffenen auswirken ist in dieser Ehrlichkeit sicher nur Menschen bewusst, die sich regelmäßig damit konfrontiert sehen. Und damit meine ich nicht die offen rassistischen „Witze“ von Jonas Onkel Georg, sondern Kleinigkeiten, die für uns Nicht-Betroffene völlig harmlos wirken, bei Menschen, die sich jeden Tag damit konfrontiert sehen aber negative Gefühle auslösen.

Der Roman lässt sich flüssig lesen, Aylin Atmacas Schreibstil gefällt mir sehr.

Insgesamt finde ich „Ein Alman feiert selten allein“ einen gelungenen Roman, der humoristisch und in Teilen etwas sehr überspitzt den Kulturenkonflikt in Deutschland schön darstellt.

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Veröffentlicht am 23.09.2022

Originelles Kinderbuch

Schau durchs Fenster!
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„Schau ins Fenster“ ist ein interaktives Kinderbuch empfohlen für Kinder ab drei Jahren. Auf jeder Seite erwartet uns ein Fenster und eine Einführungsfrage, was sich hinter dem Fenster wohl verbergen könnte. ...

„Schau ins Fenster“ ist ein interaktives Kinderbuch empfohlen für Kinder ab drei Jahren. Auf jeder Seite erwartet uns ein Fenster und eine Einführungsfrage, was sich hinter dem Fenster wohl verbergen könnte.

Meine Kinder haben viel Spaß dabei, sich auszudenken, welche Geschichte sich hinter den Fenstern verbirgt. Auch nach mittlerweile mehrmaligem Anschauen kommen sie noch auf neue Ideen und haben Interesse an dem Buch. Positiv finde ich daher, dass die Kinder ins Erzählen kommen und ihre Kreativität angeregt wird. Sowohl für ein Kind von vier Jahren als auch für das siebenjährige Kind ist das Buch spannend und sie sind angeregt dabei.

Die Zeichnungen sind nett gemacht, auf jedem Bild gibt es viel zu entdecken, teilweise regen die Details auch zu weiteren Ausschmückungen der Geschichten an. Allerdings – und das ist der einzige Kritikpunkt den ich habe – sehen einige der Figuren für zartbesaitetere Kinder etwas gruselig aus. Auch die Auflösungen hinter den Fenstern sind teilweise eher morbid und gruselig. Meinen Kindern macht das nichts aus, ich kann mir aber gut vorstellen, dass jüngere oder empfindlichere Kinder da Schwierigkeiten haben könnten.

Insgesamt gefällt uns das Buch gut, ich würde aber dringend empfehlen, als Eltern das Buch vorher einmal selbst anzuschauen und einzuschätzen ob das eigene Kind mit den Bildern und Texten umgehen kann.

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Veröffentlicht am 15.09.2022

Über Träume und die Macht der Freundschaft

So federleicht wie meine Träume
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Die Träume der Schülerin Alina zerplatzen auf einen Schlag. Nach einer schweren Beinverletzung ist klar, dass sie niemals ihren Traum Profi-Ballettänzerin zu werden, wird erfüllen können. Alina fällt in ...

Die Träume der Schülerin Alina zerplatzen auf einen Schlag. Nach einer schweren Beinverletzung ist klar, dass sie niemals ihren Traum Profi-Ballettänzerin zu werden, wird erfüllen können. Alina fällt in ein tiefes Loch und in dem Roman „So federleicht wie meine Träume“ begleiten wir sie auf dem Weg zurück an die Oberfläche.

Nach ihrem Unfall knüpft Alina eine Freundschaft zu ihrer Klassenkameradin Margot und wird von ihr überredet am jährlichen Mucisal der High School teilzunehmen. Dort lernt sie Ethan und Jude kennen und die vier werden zu engen Freunden. Obwohl erst zögerlich und mit Widerwillen beim Musical dabei, helfen die Proben Alina dabei sich mit ihrer neuen Situation auseinanderzusetzen und nach und nach einen guten Weg für sich zu finden.

Mariko Turk ist mit „So federleicht wie meine Träume“ ein bewegender Young Adult Roman über Träume, Lebensentscheidungen und die Bedeutung von Freundschaft gelungen. Die Charaktere sind alle gut ausgestaltet, lediglich Alinas Familie bleibt mir durchweg etwas zu blass, wobei die Rolle ihrer Schwester Josie im Verlaufe des Romans immer bedeutender wird. Margot, Jude und Ethan sind sehr sympathische Charaktere. Ich finde allerdings, dass es sie es Alina manchmal zu leicht machen. Alinas Weg und ihr Kampf mit der neuen Situation sind eindrücklich und bewegend dargestellt. Schön hier, wie sie immer mal wieder einen Schritt zurück macht, nachdem sie in ihrem psychischen Heilungsprozess schon ein ganzes Stück nach vorne gekommen ist. Dies halte ich für eine sehr realistische Darstellung der Traumaverarbeitung. Gegen Ende des Romans sind mir Alinas Schritte dann ein bisschen zu groß, plötzlich geht es sehr schnell, aber in der Gesamtheit betrachtet ist auch das nachvollziehbar und logisch.
Auch die Nebencharaktere wie Diya, Harrison und Alinas Balletfreundin Colleen sind gut dargestellt und ihre Figuren tragen einen erheblichen Teil zu Alinas Genesung bei. Besonders Harrison gefällt mir gut – seine Entwicklung ist am Anfang völlig unvorhersehbar aber umso gelungener.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Roman sich nicht scheut, schwierige Themen aufzugreifen. Das Thema Rassismus im Sport wird anhand der Profi-Ballettwelt thematisiert und aufgegriffen. Mir war die Dimension dieser Thematik bisher nicht bewusst, umso wichtiger finde ich, dieses Thema in einen solchen Roman einzubeziehen. Das geschieht dabei auf eine völlig natürliche und perfekt zum Roman passende Weise. Auch der selbstverständliche Umgang mit homosexuellen Beziehungen ist sehr gelungen.

Am Ende bleiben einige Handlungsstränge offen, was mir gut gefällt. Wir starten sehr offen ins Buch – es beginnt mit Alina im Krankenhaus, die Hintergründe erschließen sich erst im Laufe des Buchs – und so enden wir auch. Dies bildet einen gelungenen Rahmen für die Geschichte.

Ein Wort noch zum Cover: obwohl es mir grundsätzlich gefällt, finde ich es zum Buch nicht direkt passend. Es wirkt mir zu schwer und bedrückend, was ich beim Roman trotz Alinas Schwierigkeiten nicht wiedergefunden habe.

Insgesamt ist „So federleicht wie meine Träume“ ein wunderschöner Roman mit der richtigen Portion an Liebe und Drama sowie einer großen Portion Freundschaft.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

Irische Romantik

Die kleine Bücherei der Herzen
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Katherine „Kate“ Madigan wird von einer plötzlichen Erbschaft überrascht. Ihre entfremdete Tante Fiona hinterlässt Kate ein Haus in Irland. Dazu gehört, wie Kate bei einem Besuch in Irland feststellt, ...

Katherine „Kate“ Madigan wird von einer plötzlichen Erbschaft überrascht. Ihre entfremdete Tante Fiona hinterlässt Kate ein Haus in Irland. Dazu gehört, wie Kate bei einem Besuch in Irland feststellt, auch eine kleine Bücherei und Buchhandlung mit einem besonderen Geheimnis. Kate entschließt sich, dass Erbe anzutreten und verliert ihr Herz nicht nur an Irland.

„Die kleine Bücherei der Herzen“ ist ein schöner, leichter Liebesroman vor traumhafter, irischer Kulisse. Jana Schikorra beschreibt den Ort und die Menschen so gut, dass ich mir direkt vorstellen konnte selbst dort zu sein. Insgesamt ist der Roman leicht und angenehm geschrieben, ich konnte ihn gut in einem Rutsch durchlesen. An einigen Stellen haben leider kleinere Fehler den Lesefluss etwas gestört und über einen etwas größeren Logikfehler in den zeitlichen Zusammenhängen bin ich leider auch gestolpert.

Die Idee hinter der Rainbow-Hearts Library finde ich wunderschön. Sich Dinge in Briefen von der Seele zu schreiben ist ja immer sehr heilsam und dies dann mit dem Konzept der Leihbücherei zu verbinden ist wirklich gelungen. Ich hätte mir allerdings auf diesem Aspekt des Buches ein bisschen mehr Gewicht gewünscht. Die Briefe werden zwar immer wieder angesprochen und spielen auch für unsere Protagonistin eine große Rolle, aber auch für etwas mehr Hintergrundgeschichte hätte mir dieser Themenstrang in ausgebauter gut gefallen. Gleiches gilt für die Familiengeschichten von Cadan Flanagan und Kate. Kates Geschichte wird letzten Endes gut aufgelöst, ich hätte mir ein wenig mehr Tiefe in Cadans Geschichte gewünscht – vielleicht sogar einen Ausblick darauf, ob er sich mit seinem Vater nochmal auseinandersetzt.

Manchmal ist Kate, obwohl grundsätzlich ein sehr sympathischer Charakter, mir aber dann doch etwas zu impulsiv und zu naiv. Ihre Reaktion auf die vermeintliche Affäre ihres Angebeten und einer guten Freundin ist arg übertrieben und letztlich tut sie damit genau das, was zur Entfremdung ihrer Mutter und Tante geführt hat.
Die Einwohner des Ortes Howth sind ein liebenswerter und lustiger Haufen und Cadan Flanagan ein würdiger Gegenpart zu Kate.

Insgesamt ein schöner Roman der sich leicht und schnell lesen lässt, an einigen Stellen hätte es wegen mir mehr Tiefe geben können. Trotzdem auf jeden Fall empfehlenswert für alle Fans von Liebesromanen.

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Veröffentlicht am 02.09.2022

Gelungener Auftakt

Emily Seymour, Band 1: Totenbeschwörung für Anfänger (Bezaubernde Romantasy voller Spannung und Humor)
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Mit „Totenbeschwörung für Anfänger“, dem ersten Band der Emily Seymour Dilogie legt Jennifer Alice Jager einen gelungenen Roman rund um Totenbeschwörung, Magie und parallele Welten vor.

Die sechzehnjährige ...

Mit „Totenbeschwörung für Anfänger“, dem ersten Band der Emily Seymour Dilogie legt Jennifer Alice Jager einen gelungenen Roman rund um Totenbeschwörung, Magie und parallele Welten vor.

Die sechzehnjährige Emily ist bei weitem kein normales Mädchen. Mitglied einer angesehenen Familie von Nekromanten – leider scheinbar selbst ohne magisches Talent. Mit dem 18 jährigen Ashton tritt eines Tages der Sohn einer verfeindeten Nekromantenfamilie in ihr Leben und wirbelt dieses gehörig durcheinander. Bei einem gemeinsamen Ritual, das die Brücke zum Frieden zwischen den Seymours und den Goodwins kommt Ashton dummerweise ums Leben – und es scheint Emilys Schuld zu sein. Also beschließt sie, ihn von den Toten zurückzuholen – und das hat ungeahnte Konsequenzen.

„Totenbeschwörung“ für Anfänger ist ein nettes Lesevergnügen mit einer ordentlichen Portion Humor. Die tollpatschige Emily habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen und sie macht im Buch eine tolle Entwicklung durch. Emilys Familie hingegen geht mir tierisch auf die Nerven und zwar alle miteinander. So sehr mit sich selbst beschäftigt, alle gehen nur ihren eigenen Interessen nach und niemand achtet auf die anderen. Viele der negativen Ereignisse im Roman hätten mit etwas mehr Kommunikation und Zugewandheit sicher behoben werden können. Viel besser gefällt mir da Ashtons Familie und ich hoffe sehr, dass sich das Verhältnis zu ihnen im Folgeband wieder gerade biegen lässt.

Auch Ashton ist sehr sympathisch dargestellt und seine schlechte Laune, die er an Emily auslässt hat er sicher zu recht. Sowohl bei Emily als auch bei Ashton gelingt der Autorin eine tolle Darstellung der Charakterentwicklung.

Inhaltlich finde ich das Buch gelungen, die fantastischen Elemente sind plausibel dargestellt (auch wenn Physiker mir da unter Umständen widersprechen würden – aber dafür ist es ja ein fantastischer Roman und kein Sachbuch). Der Verlauf der Geschichte plätschert zunächst etwas vor sich hin, ist am Anfang stellenweise noch etwas langatmig, nimmt dann aber ordentlich an Fahrt auf und führt zu einem packenden Finale. Ich habe mir beim Lesen fast schon gedacht, dass des Rätsels Lösung zu einfach war und bin nun ob des Cliffhangers am Ende sehr gespannt auf das zweite Buch.

Insgesamt wirklich gelungene Romantasy, humorvoll und mitreissend geschrieben und eine definitive Leseempfehlung.

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