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Veröffentlicht am 27.09.2024

Vielversprechender Krimi-Auftakt mit einigen Schwächen

Verbrannte Gnade
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MEINE MEINUNG
Der Krimi "Verbrannte Gnade" von der US-amerikanischen Autorin Margot Douaihy ist der Auftakt einer vielversprechenden neuen Krimireihe, die mit einer außergewöhnlichen Protagonistin als ...

MEINE MEINUNG
Der Krimi "Verbrannte Gnade" von der US-amerikanischen Autorin Margot Douaihy ist der Auftakt einer vielversprechenden neuen Krimireihe, die mit einer außergewöhnlichen Protagonistin als unkonventionelle Ermittlerin aufwartet. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Schwester Holiday, eine queere, kettenrauchende Nonne mit einer bewegten Vergangenheit sowie einer Vorliebe für Punkrock und Tätowierungen, die keineswegs den klassischen Vorstellungen von einer Ordensschwester entspricht.
Bei einem fatalen Brandanschlag in ihrer Klosterschule in New Orleans kommt Hausmeister Jack auf tragische Weise ums Leben. Unzufrieden mit der Arbeit der unfähigen Polizei beschließt Schwester Holiday auf eigene Faust die Ermittlungen zu führen.
Eigentlich eine sehr vielversprechende Prämisse für einen außergewöhnlichen, fesselnden Krimi, der uns an der Seite einer sehr unkonventionellen Protagonistin als Ermittlerin durch ein verwirrendes Dickicht voller Verdächtigungen und dunkler Geheimnisse durch das schwül-heiße New Orleans führt. Die Umsetzung der originellen Ausgangsidee insbesondere die Ausgestaltung der Handlung und die Ermittlungsbemühungen von Schwester Holiday konnte mich leider nicht sehr überzeugen.
Nach einem temporeichen, packenden Einstieg büßt die Geschichte im Mittelteil trotz etlicher Verdächtiger und geschickt eingestreuter falscher Fährten leider immer mehr an Tempo und Spannung ein. Eine heiße Spur oder hilfreiche Einsichten zur Aufklärung des Falls werden selten offengelegt, so dass ein Miträtseln kaum möglich ist. Stattdessen erleben wir komplett unfähige Polizisten bei ihrer Arbeit und eine sehr uninspiriert agierende Schwester Holiday, die sich eher von Kommissar Zufall und abwegigen Gedankenkonstrukten bei ihren Nachforschungen leiten lässt.
Der spritzige, sehr lebendige und unverblümte Schreibstil von Douaihy lässt sich zwar insgesamt gut lesen, ist aber gewöhnungsbedürftig und wirkt in einigen Passagen recht holprig. Auch der Humor der Autorin konnte mich leider nicht immer erreichen.
Besonders schade fand ich es, dass die einzigartige Atmosphäre des quirligen New Orleans nur höchst oberflächlich eingefangen wird und sich lediglich auf die sich ständig wiederholenden Attribute von Hitze, Schwüle und permanentem Schwitzen beschränkt.
Mit Schwester Holiday hat die Autorin eine außergewöhnliche und originelle queere Protagonistin geschaffen mit vielen Ecken und Kanten sowie so manchen Lastern. Spannend ist es mehr aus ihrem früheren turbulenten Leben als Mitglied einer Punkrockband zu erfahren, ihrem von Alkohol und Drogen geprägten Vorleben. Viel Raum wird in den eingestreuten Rückblenden familiären Traumata und den Sünden ihrer eigenen Vergangenheit eingeräumt, die erklären, was sie schließlich zum Glauben und in den Orden geführt habt. Insgesamt ist Schwester Holidays Charakterzeichung mit vielen Widersprüchen behaftet und wenig authentisch. Ihre Emotionen und Handlungen sind oft schwer nachvollziehbar, was es uns erschwert, eine echte Verbindung zu ihr aufzubauen.
Auch die weiteren Figuren bleiben weitgehend blass und sind etwas eindimensional dargestellt.
Die Enthüllung des Täters erfolgt unerwartet und etwas überstürzt. So hinterlässt die Aufklärung des Falls gemischte Gefühle, denn einige Fragen bleiben unbeantwortet.
Insbesondere die Hintergründe und Beweggründe für die Tat bleiben teilweise im Dunkeln und erscheinen wenig überzeugend, so dass man zum Abschluss leider das Gefühl hat, dass einige wichtige Puzzleteile fehlen.

FAZIT
Ein interessanter Auftakt zu einer neuen originellen Krimi-Reihe mit einer faszinierenden, unkonventionellen Protagonistin als Ermittlerin und vielversprechendem Potenzial, der leider meine hohen Erwartungen durch Schwächen in der Plotentwicklung und Charakterzeichnung nicht erfüllen konnte.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Allerlei Wissenswertes rund um Pilze

Mushroom Fever
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Bereits ein kurzer Blick in das im KOSMOS Verlag erschienenen Sachbuch "Mushroom Fever – Über die Liebe zu Pilzen und wo du sie findest" von Moritz Schmid macht deutlich, dass der Autor nicht ...

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Bereits ein kurzer Blick in das im KOSMOS Verlag erschienenen Sachbuch "Mushroom Fever – Über die Liebe zu Pilzen und wo du sie findest" von Moritz Schmid macht deutlich, dass der Autor nicht nur wichtige Informationen und interessantes Hintergrundwissen rund um Pilze vermitteln möchte, sondern auch eine tiefe Wertschätzung für die Natur.
Der ehemalige Werbefotograf Schmid hat einen äußerst erfolgreichen deutschen Instagram-Kanal (@intothewoods_mushrooms), auf dem er als „Pilzfluencer“, ausgewiesener Fungi-Kundiger und erfahrener Pilzcoach eine stetig wachsende Fangemeinde an seiner Pilz-Leidenschaft und Naturliebe teilhaben lässt. Als besonderes Highlight versteht er es hervorragend sein Fachwissen und fotografisches Talent zu vereinen und die einzigartige Schönheit der Pilze und Natur in atemberaubend stimmungsvollen wie originellen Bildern einzufangen. So präsentiert sich sein Buch als ein höchst eindrucksvolles sehr ästhetisch ansprechendes Prachtexemplar, das man immer wieder gerne in die Hand nimmt.
Der Autor nimmt uns auf seine spannenden Streifzüge durch die Wälder zu den besten Pilzplätzen mit und zugleich auf eine faszinierende Reise ins Wunderland der Pilze. Auf unterhaltsame und gut verständliche Weise entführt er uns in eine Welt voller Überraschungen, denn das Universum der Pilze ist größer, vielfältiger und erstaunlicher, als man es sich überhaupt vorstellen mag. Schmids Pilzbegeisterung spürt man deutlich auf jeder Seite und inspiriert dazu, die spannende, ganz eigene Welt der Pilze selbst zu erkunden.
Bereits die kurzen inspirativen Texte TAG IN DEN PILZEN und PERFEKTE FORMEL ZUM GLÜCK auf dem anschaulich aufbereiteten Umschlagklappen machen neugierig auf den neuen Trend, der uns so manche Glücksmomente bescheren und vielleicht auch unser Leben bereichern könnte. Daneben findet man dort ein interessantes Autorenporträt, 7 TIPPS ZUR PILZSUCHE sowie TIPPS ZUR ZUBEREITUNG.
Im vorangestellten ersten Teil erhalten wir eine Menge allgemeine Informationen zu den Pilzen als evolutionsgeschichtliche Wunderwerke mit erstaunlichen Superkräften und einer unfassbaren Vielfalt sowie ein anschaulich und locker präsentiertes Grundlagenwissen rund ums Sammeln von Pilzen mit vielen wertvollen Tipps und Tricks.
Schmid versteht es hervorragend seine Expertise und langjährigen Erfahrungsschatz äußerst lebendig und unterhaltsam zu vermitteln. Ohne komplizierte Fachwörter und Erklärungen werden wir in kürzester Zeit in den Bann gezogen und erleben dabei für so manches Aha-Erlebnis. Von hilfreicher Ausstattung, Klopftest über zu Infos zum Sammeln von geschützten Arten bis hin zur richtigen Ernte - die behandelten Themen sind höchst vielfältig, geben eine Menge praktische Tipps, vermitteln aufschlussreiche Einblicke und sind sehr anschaulich aufbereitet. Im Kapitel ETHIK DES SAMMELNS unterstreicht der Autor, dass neben einem guten Bestimmungsbuch gerade für Einsteiger auch Hilfestellung durch versierte Pilzsammler oder eine Pilzberatungsstelle wichtig ist, um fatalen Fehlern vorzubeugen. Pilzbestimmung ist sehr anspruchsvoll aber notwendig, da ein Fehler im schlimmsten Fall tödlich ausgehen kann. Daher rät er auch generell von Pilzbestimmungs-APPS ab.
Gekonnt macht Schmid deutlich, dass man die Pilzsuche am besten mit der richtigen Einstellung, viel Geduld und einem gewissen Fachwissen über die richtigen Standorte angehen sollte. Belohnt wird man dann nicht nur mit einem vollen Korb mit kulinarischen Köstlichkeiten, sondern als tollem Nebeneffekt auch mit einem klaren Kopf und glücklichem Herzen. Denn Pilze-Sammeln versteht Schmid als ein ganzheitliches Lebensgefühl, das ihn erdet und als wundervolle Inspirationsquelle dient. Ihm ist es wichtig, unser Gespür für die Zusammenhänge und Kreisläufe der Natur zu schärfen und uns hierfür zu sensibilisieren!
Im eigentlichen Hauptteil, der am grünen Farbschnitt leicht zu erkennen ist, finden wir 20 verschiedene Artporträts, in denen Schmid verschiedene Speisepilze sehr anschaulich und informativ präsentiert. Von bekannten Speisepilzen wie Pfifferling, Steinpilz oder Parasol werden auch weitere schmackhafte, vielleicht weniger geläufige Brüder wie Schwefelporling oder Rötelritterling sehr ausführlich vorgestellt. Zum Abschluss der Portraits findet sich zum besseren Überblick ein kurzer Steckbrief mit den wichtigsten Informationen zu Aussehen, Verbreitung und möglicher Verwechselungsgefahr. Die schönen Farbfotos der Pilze mit ansprechenden Detailaufnahmen in unterschiedlichen Formaten sowie stimmungsvolle Impressionen der Standorte sind ein besonderes Highlight dieses gelungenen Handbuchs und illustrieren den Inhalt hervorragend.
Die atemberaubenden Bilder und anschaulichen Artporträts machen das Buch zu einem ästhetischen Erlebnis.
Abgerundet wird das Buch mit einem alphabetischen Register zum Nachschlagen, einer Zusammenstellung von Giftnotrufzentralen sowie Hinweise zu weiterführender Literatur sowie einem Bildnachweis.
FAZIT
Ein beeindruckendes und inspirierendes Sachbuch, das Pilze als faszinierenden Lifestyle-Trend präsentiert und für einen respektvollen, achtsamen Umgang mit der Natur sensibilisiert. Moritz Schmid verbindet fundiertes Fachwissen mit einer tiefen Leidenschaft für die Natur und herausragendem fotografischem Talent. Weit mehr als ein gewöhnliches Pilzbuch lädt es uns ein die Welt der Pilze mit neuen Augen zu entdecken!

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Beeindruckender Roman

Reise nach Laredo
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Der berührende Roman "Reise nach Laredo" von dem mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichneten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger entführt uns auf eine faszinierende literarische ...

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Der berührende Roman "Reise nach Laredo" von dem mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichneten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger entführt uns auf eine faszinierende literarische Reise, auf der wir an den letzten Lebenswochen des abgedankten Kaisers Karl V. im Jahr 1558 teilhaben.
Dieser tiefgründige Roman ist jedoch weit mehr als ein historischer Roman. Er kann als eine zeitlose Parabel gelesen werden, die existenzielle Fragen aufwirft und zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit universellen menschlichen Themen anregt wie Selbstfindung, Identität, Suche nach Sinn und dem wahren Wert des Lebens, Glauben, Sterblichkeit und Loslassen.
Geigers brillanter bildhafter und poetischer Sprachstil und seine atmosphärischen Beschreibungen lassen die Geschichte rasch lebendig werden.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 58-jährige, einst einflussreiche Herrscher Karl, der sich nach seiner Abdankung ins spanische Kloster Yuste zurückgezogen hat. Vereinsamt und gezeichnet von Krankheit und Alter sieht er dort seinem Tod entgegen. Die Begegnung mit seinem illegitimen elfjährigen Sohn Geronimo wird zum Auftakt einer spontanen nächtlichen Odyssee, die das ungleiche Paar über abenteuerliche Umwege schließlich ans Meer nach Laredo führt.
Geiger gelingt in seinem Roman eine faszinierende Verschmelzung von historischen Fakten und Fiktion. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei kunstvoll verwobenen Erzählebenen: Einerseits begleiten wir Karl durch seinen schleichenden Verfall und langsamen Sterbeprozess, wobei uns tiefe Einblicke in sein Seelenleben und seine inneren Kämpfe gewährt werden. Andererseits entführt uns der Autor auf eine phantastische Reise nach Laredo, auf der die Protagonisten mit ihren eigenen inneren Dämonen konfrontiert werden, und die sich vorwiegend in Karls fiebrigen Wahnvorstellungen abspielt. Durch die geschickte Integration surrealer Elemente verwischt Geiger die Grenze zwischen Wirklichkeit und Phantasie. So entsteht ein vielschichtiges Narrativ, das historische Genauigkeit mit literarischer Freiheit vereint und den Leser in seinen Bann zieht.
Die symbolische Spiegelung der historischen letzten Reise von Karl V. von Laredo quer durch Spanien nach Yuste verleiht die dem Roman eine interessante zusätzliche historische Relevanz.
Die einfühlsame Darstellung von Karls Sterbeprozess nicht nur als Ende seines Lebenswegs sondern auch als eine erhellende Reise ins eigene Ich und zur Selbsterkenntnis ist besonders eindrucksvoll gelungen und tief berührend.
Geiger entwirft ein facettenreiches Bild Karls V., das sowohl den einst mächtigen Monarchen als auch den gebrechlichen alten Menschen offenbart. Er zeigt einen Mann, der unter der Last seiner Herrschaft litt und nun, am Ende seines Lebens, mit Schwächen, Zweifeln und Ängsten ringt. Gleichzeitig eröffnet ihm die imaginäre Reise ungeahnte Momente der Leichtigkeit und Freiheit - ein bewegender Kontrast zu seinem bisherigen, von Pflicht und Verantwortung geprägten Dasein.
Geiger verzichtet bewusst auf einen historischen Anhang zu Kaiser Karl V. und seiner Epoche. Diese Entscheidung fordert den Leser zwar heraus, sich selbst um die geschichtliche Einordnung zu bemühen, unterstreicht aber gleichzeitig die zeitlose, allgemeingültige Botschaft des Romans, die über die bloße historische Nacherzählung hinausgeht. Indem der Autor den Protagonisten nicht explizit als Karl V. identifiziert, öffnet er Raum für eine tiefere Deutungsebene: In jedem Menschen steckt ein "zurückgetretener König" - eine Metapher für die Suche nach dem eigenen Ich jenseits gesellschaftlicher Rollen.
FAZIT
Ein feinsinniger und anspruchsvoller Roman, der durch seine psychologische Tiefe und sprachliche Brillanz besticht. Ein beeindruckendes und bereicherndes Leseerlebnis, das tief berührt und zum Nachdenken über die großen Fragen des Lebens anregt!

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Ein fesselnder japanischer Krimi-Klassiker

Das Dorf der acht Gräber
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MEINE MEINUNG
„Das Dorf der acht Gräber“ ist der dritte Band der fesselnden Krimiklassiker-Reihe aus der Feder des in Japan beliebten und vielfach ausgezeichneten Kriminalautors Seishi Yokomizo (1902 ...

MEINE MEINUNG
„Das Dorf der acht Gräber“ ist der dritte Band der fesselnden Krimiklassiker-Reihe aus der Feder des in Japan beliebten und vielfach ausgezeichneten Kriminalautors Seishi Yokomizo (1902 – 1981), in deren Mittelpunkt der junge Privatermittler Kosuke Kindaichi steht.
Der bereits 1971 in Japan erschienene Krimiklassiker bietet eine gelungene Mischung aus raffiniertem Kriminalfall, gruseligen Mystery-Elementen, psychologischer Spannung und faszinierenden Einblicken in die japanische Kultur, Mythologie und Geschichte.
Yokomizo beweist erneut sein besonderes Talent im Aufbau einer vielschichtigen und äußerst packenden Handlung mit einem faszinierenden Setting. Gekonnt entführt er uns erneut in eine geheimnisvolle Welt voller rätselhafter Bräuche und japanischer Traditionen.
Die im Nachkriegsjapan spielende Geschichte ist in einem abgelegenen Bergdorf angesiedelt, dessen Name auf einer düsteren Legende aus dem 16. Jahrhundert beruht. Acht Samurai wurden damals auf der Flucht vor ihren Verfolgern von den Dorfbewohnern ermordet und der Ort angeblich mit einem fatalen Fluch belegt. Als Jahrhunderte später der junge Ich-Erzähler Tatsuya Terada aus Kobe in das Dorf kommt, um ein Familienerbe anzutreten, ereignet sich eine Reihe mysteriöser Giftmorde. Rasch wird Tatsuya von den misstrauischen Dorfbewohnern verdächtigt, für die Mordfälle verantwortlich zu sein. Glücklicherweise wird der zufällig anwesende Privatdetektiv Kosuke Kindaichi hinzugezogen und ermittelt unauffällig im Hintergrund.
Passend zur unheilvollen Geschichte des Dorf versteht es Yokomizo eine mystische, beklemmende Atmosphäre und gruseligen Thrill heraufzubeschwören. Es entfaltet sich schon bald eine äußerst komplexe Geschichte mit etlichen undurchsichtigen Akteuren und einigen höchst unerwarteten Wendungen und Enthüllungen, die uns mehrfach in die Irre führen. Die vielschichtige und packende Handlung lässt uns miträtseln und spekulieren und hält uns bis zur letzten Seite in Atem!
Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und tragen mit ihren Hintergrundgeschichten enorm zur Spannung bei. Besonders gelungen ist die ambivalente Figur des undurchsichtigen Ich-Erzählers Tatsuya, den man abwechselnd als Opfer und dann wieder als potentiellen Täter wahrnimmt.
Mit seinem sympathischen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi hat Yokomizo einen interessanten, authentisch wirkenden Charakter geschaffen, der in diesem Band allerdings nicht im Mittelpunkt der Handlung steht. Trotz seiner verschrobenen und etwas unbedarften Art glänzt er schließlich wieder mit seiner guten Beobachtungsgabe und seinem brillantem Spürsinn bei der Aufklärung des mysteriösen Falls. Mit seiner akribischen Detailarbeit und cleveren Schlussfolgerungen erinnert er an den legendären Meisterdetektiv Hercule Poirot.
FAZIT
Eine fesselnde Fortsetzung der interessanten Krimiklassiker-Reihe, die in Japan Kultstatus genießt. Mit seiner atmosphärischen Schilderungen, komplexen Charakteren und raffinierten Plottwists beweist Yokomizo erneut sein Können als Krimi-Autor. Für Fans klassischer Detektivgeschichten und Japan-Liebhaber gleichermaßen ein Muss.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

Gelungener Auftakt einer neuen Schwedenkrimi-Reihe

Tode, die wir sterben
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Das erfolgreiche, in Hamburg lebende Autoren-Duo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson hat mit "Tode, die wir sterben" einen fesselnden Auftakt einer vielversprechenden neuen Schwedenkrimi-Reihe ...

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Das erfolgreiche, in Hamburg lebende Autoren-Duo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson hat mit "Tode, die wir sterben" einen fesselnden Auftakt einer vielversprechenden neuen Schwedenkrimi-Reihe vorgelegt, die in Malmö spielt und ein interessantes neuen Ermittlerduo einführt.
Ihr erster gemeinsamer, ziemlich verwickelter Fall entführt uns in die bedrückende Welt der Drogen- und Gangkriminalität sowie der eskalierender Bandenkriege um Macht und die Vorherrschaft im lukrativen Drogengeschäft. Die politisch hochaktuelle Handlung ist vielschichtig und psychologisch raffiniert gestaltet und wird von dem Autorenpaar Vossen und Danielsson äußerst wendungsreich und packend in Szene gesetzt.
Nach dem brutalen Mord an einem dreizehnjährigen Jungen Rashid bei einem Drive-by-Shooting im Brennpunktviertel Hermodsdal liegt der Verdacht nahe, dass es sich um brutale Revierkämpfe zwischen rivalisierenden Drogenbanden handelt. Die mediale Aufmerksamkeit setzt die Polizei von Malmö unter enormen Ermittlungsdruck. Mit der Aufklärung dieses brisanten Falls wird der frisch verwitwete Kommissar Jon Nordh sowie die strafversetzte Polizistin Svea Karhuu aus Nordschweden betraut. Beide sind noch mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt und müssen sich erst als Ermittlerteam zusammenraufen. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch, Widersprüche tauchen auf und wecken Zweifel an einem Bandenkrieg. Als ein weiteres Mordopfer entdeckt wird, geht die Chefermittlerin Mellander von einem rassistisch motivierten Mord durch einen skrupellosen Serientäter aus. Im Wettlauf gegen die Zeit und gegen manche Widrigkeiten gelingt es den beiden Außenseitern Nordh und Karhuu, ihre Stärken auszuspielen, ihre Ermittlungen zu diesem immer komplexer werdenden Verbrechen unter Hochdruck voranzutreiben und den wahren Hintergründen schließlich auf die Spur zu kommen.
Die Autoren haben sich eine recht verzwickte Geschichte mit schnellen Perspektiv- und Schauplatzwechseln ersonnen, die durch stetig steigernde Spannung und gute Action besticht. Gleichzeitig wird in diesem Auftaktband dem Privatleben und den Vorgeschichten seiner beiden Protagonisten ausgiebig Raum gegeben.
So liegt ein gewisser Schwerpunkt dieses Krimis auf der Einführung des neuen Ermittlerduos, das von Beginn an mit den allmählichen Enthüllungen ihrer dunklen Hintergrundgeschichten, ihrer belastenden Vergangenheit und persönlichen Probleme Interesse weckt und eine subtile Spannung erzeugt. Das Autorenduo hat mit den faszinierenden Ermittlern Nordh und Karhuu komplexe Charaktere mit vielen Ecken und Kanten angelegt, die überaus lebendig, lebensecht und facettenreich wirken, aber etwas unnahbar erscheinen.
Obwohl die beiden sehr unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit und ihren Lebensläufen sind, gelingt es ihnen, Vertrauen aufzubauen, ihre unterschiedlichen Stärken zu kombinieren und zu einem schlagkräftigen Team zusammenzuwachsen. Während Karhuu Erfahrungen aus der verdeckten Ermittlung mitbringt und gerne zu unorthodoxen Methoden neigt, kann Nordh mit seiner soliden Erfahrung und Intuition als erfahrener Kommissar punkten. Besonders gut hat mir die angespannte Dynamik und humorvollen Schlagabtausche zwischen den beiden gefallen. Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen ihre Zusammenarbeit als neues Dreamteam und ihre Beziehung in kommenden Fortsetzungen noch nehmen wird
Auch die übrigen Nebenfiguren werden ausreichend vielschichtig, mit interessanten Lebensgeschichten und Eigenheiten gezeichnet und so geschickt zum Leben erweckt.

ZUM HÖRBUCH
Der erfahrene Hörbuch-Sprecher Thomas weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Seine angenehme und vielseitige Stimme führt uns mühelos durch den packenden Krimi. Sowohl den erzählenden Passagen als auch den lebendigen Dialogen folgt man aufmerksam. Es gelingt ihm hervorragend, die verschiedenen komplexen Charaktere zum Leben zu erwecken. Schmuckert überzeugt durch gezielte Betonung und ein der Handlung angepasstes Sprechtempo, der er bisweilen in einigen Szenen gekonnt ein Maximum an Dynamik und Dramatik herauszuholen versteht. Insgesamt ein mitreißendes Hörerlebnis!

FAZIT
Ein vielversprechender Auftakt einer neuen packenden Krimireihe mit einem interessanten Ermittlerduo, einem hochspannenden, verzwickten Fall und authentischer Hintergrundkulisse im schwedischen Malmö!

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