Von Freundinnenschaft, Rachefeldzügen und erstaunlich viel Schleimpilz! 🍄🟫
HustleJulia Bähr schreibt in ihrem Debüt-Roman „Hustle“ von Leonie, der gerade gekündigt wurde und nun ein neues Leben in einer neuen Stadt, München beginnen möchte.
Aller Anfang ist schwer und so struggled ...
Julia Bähr schreibt in ihrem Debüt-Roman „Hustle“ von Leonie, der gerade gekündigt wurde und nun ein neues Leben in einer neuen Stadt, München beginnen möchte.
Aller Anfang ist schwer und so struggled Leonie mit der Wohnungs- und Jobsuche, landet dann aber in einer kleinen, nicht ganz so geilen Wohnung und einem relativ langweiligen, nicht ganz so gut bezahlten Job, bei dem sie tote Insekten identifizieren soll. Was aber gut für sie läuft: Durch einen Zufall lernt sie Genevieve kennen, die sie ganz herzlich in ihren Freundeskreis aufnimmt, wodurch Leonie gleich 3 neue Freundinnen gewinnt. Als sie herausfindet, dass ihre neugewonnen Freundinnen alle einen „Side-Hustle“ haben, der nicht unbedingt legal ist, mit dem sie aber den Großteil ihres Einkommens bestreiten, überlegt sich Leonie, welches ihrer Talente sie nutzen könnte, um ebenfalls ein nettes Nebeneinkommen zu haben. So entsteht ihr Rache-Business, in dem sie sich für ihre Auftraggeber an deren Ex-Partnern, Arbeitgebern oder Freunden rächt.
Ich mochte das Buch sehr gern und habs fast in einem Rutsch durchgelesen! Julia Bähr schreibt kurze, prägnante Sätze mit trockenen Humor. Es hat einfach unglaublich gut zur Protagonistin Leonies und ihren Humor gepasst und war auch deswegen irgendwie so lustig, weil sie stellenweise so beiläufig witzige Sachen gesagt hat, dass es so unbeabsichtigt lustig war. Als ob sie gar nicht versucht, lustig zu sein und dann aber doch so trocken Kommentare bringt, dass ich lachen musste.
Besonders toll fand ich die Freundinnenschaft zwischen Leonie als Zugezogener und den drei „Münchenerinnen“. Dass sie Leonie so herzlich aufgenommen haben und es da einfach kein inszeniertes Drama innerhalb der Gruppe gab, fand ich sehr gut und erfrischend zu lesen. Einfach eine richtig tolle Wohlfühl-Gruppe mit ganz viel Charakter.
Durch einzelne Kapitel erfährt man auch mehr über die Freundinnen und das fand ich eigentlich ganz cool! Mir hat auch gefallen, dass Leonies „Ankommen“ und „Zuhause fühlen“ in München nicht von einer Beziehung abhängig gemacht wurde.
Kleine Störfaktoren, bzw. Fragezeichen für mich waren aber die Begriffe „Kapitalismuskritik“ und „Feminismus“ bei der Vermarktung des Buches. Weil die Freundinnen zwar alle am System vorbei arbeiten, aber dennoch ihr illegal verdientes Geld mit Konsum von klassischen Kapitalismus-Gütern (Designerkleidung, skincare, Autos etc.) genießen. Ja, die vielen weiblichen Figuren, deren Freundinnenschaft und dass sie in ihren Familien wohl die „Breadmaker“ sind, stellen vielleicht feministische Elemente dar, dennoch habe ich einige andere Bücher gelesen, die weitaus deutlicheren Feminismus darstellen.
Nichtsdestotrotz ein tolles Buch, ich würde 4/5 ⭐️ geben und vielleicht noch einen halben Bonus-Stern für den Schleimpilz. 👀