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Veröffentlicht am 22.02.2020

Game of Bones

Priest of Bones
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Tomas Piety war der Herrscher der Straßen von Ellinburg. Vor dem Krieg. Jetzt haben sich andere in Tomas alten Revieren breitgemacht: nicht, dass er sich das gefallen lässt. Ganz im Gegenteil, Tomas ist ...

Tomas Piety war der Herrscher der Straßen von Ellinburg. Vor dem Krieg. Jetzt haben sich andere in Tomas alten Revieren breitgemacht: nicht, dass er sich das gefallen lässt. Ganz im Gegenteil, Tomas ist wild entschlossen sich das, was vor dem Krieg ihm gehörte, zurückzuholen. Koste es, was es wolle. Aus alten Bekannten und Soldaten, die gemeinsam mit ihm gekämpft haben, stellt er die „Pious Men“ zusammen. Eine schlagkräftige und trinkfeste Truppe, zu der auch seine Stellvertreterin Bloody Anne und Billy the Boy, der von der Göttin berührt ist und offenbar magische Fähigkeiten hat, gehören. Als er allerdings aufdeckt, wer sich in Wirklichkeit seinen Besitz zu eigen gemacht hat, scheinen die Ereignisse eine Nummer zu groß für Tomas zu werden.

Man kann darüber streiten, ob Tomas Piety ein Armeepriester ist oder nicht. Heilig ist ihm jedenfalls außer seinem persönlichen Imperium nicht viel. Das verteidigt er allerdings mit allem was er hat. Als Tomas die rausschmeißt, die sich seinen Besitz zu eigen gemacht haben, bedeutet das für Ellinburg den einen Kriminellen gegen einen anderen zu tauschen. Die, die unter seinem Schutz stehen profitieren zwar davon, alle anderen eher weniger. Auch, was seine Leute anbelangt, ist Tomas äußerst vorsichtig, geht mit Vertrauen sparsam um und verteilt bestimmte Posten und Aufgaben aus purer Berechnung. Mit seinem Verhalten erinnert er dabei manchmal an Gangster- oder Mafiabosse aus alten Filmen.

Der Titel „Priest of Bones“ spiegelt den Ton der Geschichte bereits treffend wieder. Der Ton ist rau, die Sprache derb. Während der raue Ton und die derbe Sprache woanders absolut fehlplatziert wirken würden, tragen sie hier zu einem runden Gesamtkonzept bei. An das man sich allerdings erst ein wenig gewöhnen muss. So düster die Handlung an sich bereits ist, Tomas Piety als Ich-Erzähler trägt seinen zusätzlichen Anteil dazu bei. Peter McLean lässt seinen Hauptcharakter fluchen, Morde beschreiben und sich dabei selbst völlig im Recht sehen. Aber auch, wenn Tomas selbstherrlich daherkommt, und die Ereignisse fast ausschließlich durch ihn veranlasst erscheinen, nimmt er sich meistens zurück und erzählt vorwiegend über die anderen. Wirklich sympathisch wird im Laufe der Geschichte keiner der Charaktere, auch wenn ihre Handlungen nachvollziehbarer werden, je mehr man über sie erfährt. Dennoch liegt gerade in den streitbaren Charakteren und ihren Konflikten der Reiz der Erzählung.

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Veröffentlicht am 04.02.2020

Eine Stadt voller Geheimnisse … und Alchemika

Der Garten der schwarzen Lilien
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Das Schwert der Totengöttin Nif ist immer noch verschwunden. Nachdem sich die Toten erhoben haben, sind die Alchemistin Mirage DeBois und der Gardist Erik Zejn in Tradea geblieben, um Nifs Rückgrat wieder ...

Das Schwert der Totengöttin Nif ist immer noch verschwunden. Nachdem sich die Toten erhoben haben, sind die Alchemistin Mirage DeBois und der Gardist Erik Zejn in Tradea geblieben, um Nifs Rückgrat wieder zu finden, auch wenn sie sich beide nach wie vor nicht ganz grün sind. Die Suche danach gestaltet sich aber alles andere als einfach und bringt Mirage und Erik auf die Spur einer Diebesgilde und einer Verschwörung. Um die allerdings aufzudecken müssen sie, im wortwörtlichen Sinne, abtauchen.

Tradea ist nach wie vor ein unsicheres Pflaster. Das Schwert der Totengöttin Nif ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und die Untoten treiben weiterhin ihr Unwesen. Alchemistin Mirage DeBois und Gardist Erik Zejn vermuten allerdings, dass mehr dahintersteckt als nur das verschwundene Schwert. In „Der Garten der schwarzen Lilien“ verknüpft Katharina V. Haderer die Handlungsstränge des Vorgängerbandes geschickt mit neuen Ereignissen und lassen die Leser tiefer in die Magie der Alchemisten und die Strukturen in Tradea eintauchen. Wie bereits in „Das Schwert der Totengöttin“ liefert auch der Titel „Der Garten der schwarzen Lilien“ den Schlüssel zur zumindest vorläufigen Auflösung der Ereignisse.

Der zweite Band der „Black Alchemy“ Reihe steht in Sachen Erzähltempo und Spannung seinem Vorgänger in nichts nach. Zusätzlich erfährt man mehr über die Strukturen und die Gesellschaft in Tradea und bekommt so ein vollständigeres Hintergrundbild zur Geschichte. Zusätzlich leisten die beiden Hauptcharaktere Mirage und Erik sich wieder einige Wortgefechte, sodass neben der Spannung der Humor ebenfalls nicht zu kurz kommt.

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Veröffentlicht am 04.02.2020

Neun Häuser in Yale, würdevoll

Das neunte Haus
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Alex kann die Geister der Toten sehen. Das macht sie zu einer idealen Kandidatin für das Haus Lethe, das neunte Haus auf dem Campus der Yale-Universität. Denn Lethe ist für die Überwachung der Magie der ...

Alex kann die Geister der Toten sehen. Das macht sie zu einer idealen Kandidatin für das Haus Lethe, das neunte Haus auf dem Campus der Yale-Universität. Denn Lethe ist für die Überwachung der Magie der anderen acht Häuser, die Studentenverbindungen ähneln, zuständig. Als eine Studentin ermordet wird, ist es naheliegend, dass man Alex mit dem Fall betraut. Womit allerdings niemand gerechnet hat ist, dass der Mord direkt zu einer 100 Jahre zurückliegenden Verschwörung führt und Alex mit ihren Fähigkeiten ganz schön an ihre Grenzen kommt.

Eigentlich gehört Alex Stern gar nicht an die Yale. Weder ihre Noten noch ihr finanzieller Hintergrund ermöglichen ihr ein Studium an der Eliteuni. Allerdings hat sie gerade einen Mordversuch überlebt. Das und die Tatsache, dass sie Geister, Graue genannt, sehen kann, machen sie interessant genug für das Haus Lethe und öffnen ihr die Türen der Yale Universität. In „Das neunte Haus“ porträtiert Leigh Bardugo zwar den Luxus einer Eliteuniversität, stellt dem aber die düstere Kehrseite gegenüber: Okkulte Praktiken, auf denen die Macht der Häuser beruht. Und was die Beschreibung der Praktiken angeht, ist die Autorin keinesfalls zimperlich, was großen Einfluss auf die düstere Grundstimmung der Geschichte hat.

Je mehr der elitäre Glanz von Yale entzaubert wird, desto mehr gewinnt die Handlung an Faszination. Dabei ist Alex keine einfache Figur, zu Beginn auch keine unbedingte Sympathieträgerin und man braucht etwas, um mit ihrer Art warm zu werden. Allerdings hilft Leigh Bardugos Erzählstil der Protagonistin, die Leser auf ihre Seite zu holen. Leigh Bardugos Art zu Erzählen ist es auch, die einen in die Geschichte zieht, da man zu Alex immer einen, wenn auch nur kleinen, Abstand wart. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht, schließlich muss die Hauptcharakterin einiges erdulden, bei dem man doch ganz froh ist, die Geschichte beim Lesen erleben zu können.

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Veröffentlicht am 01.02.2020

Aufbruch in eine neue Welt

Skyle
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Die alte Ordnung in der Wolkenwelt von Skyle bröckelt. Unter der Oberfläche schwelen Konflikte zwischen den Völkern und Kulturen, die lange Zeit (mehr oder weniger) friedlich nebeneinander gelebt haben. ...

Die alte Ordnung in der Wolkenwelt von Skyle bröckelt. Unter der Oberfläche schwelen Konflikte zwischen den Völkern und Kulturen, die lange Zeit (mehr oder weniger) friedlich nebeneinander gelebt haben. Inmitten all dieser Unruhen machen sich der Schiffsbauer Wolf, der Headhunter Raven, die Wirtin Lynx und der Berater Hawk mit einem Luftschiff auf die Reise. Allerdings müssen sie sich inmitten all der Konflikte bald überlegen, auf welcher Seite sie stehen wollen und wie ihre Zukunft aussehen soll.

Drachen sind in der Welt von Skyle zwar einerseits genau die echsenartigen Wesen, die man sich unter dem begriff vorstellt, andererseits können sie aber auch eine menschenähnliche Gestalt annehmen. Die Zeit der Drachen scheint sich in den vier Reichen von Skyle dem Ende zuzuneigen. Die Menschen lassen Jagd auf sie machen und man begegnet ihnen zunehmend feindseliger. Dabei entsteht beim Lesen der Eindruck, dass es unerheblich ist, wer gerade gegen wenn vorgeht. Vielmehr werden die politischen Machtstrukturen deutlich, die sich ebenso gut auf jede andere Gesellschaft übertragen lassen. „Skyle – Himmelsbeben“ erzählt aber auch die Geschichte von dem Traum, in Frieden leben zu können.

Ester K. Bertram erschafft eine vielschichtige Welt mit einer unglaublichen Figurenvielfalt, bei der man erst einmal ein paar Seiten mehr braucht, um sich zu zurechtzufinden. Der Handlungsort, die Wolkenwelt Skyle, täuscht dabei geschickt darüber hinweg, dass einige der Machtstrukturen und Mittel zur Machterhaltung dabei zutiefst politisch und gar nicht so weit weg von der Realität sind. Darüber hinaus nimmt sich die Autorin Zeit für ihre Figuren und thematisiert deren Vorlieben ebenso wie deren Ängste, was dazu beiträgt, dass man beim Lesen das Gefühl hat, die Charaktere wirklich kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 26.01.2020

"Hätte, hätte, Brückenkette"

Das Schwert der Totengöttin
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Dorfheilerin Mirage DeBois und Sergent Erik Zejn, Anführer der Gardisten von Svonnheim werden wohl keine Freunde mehr. Als sich die Toten aus den Grabhügeln erheben, kann das nur das Werk der Hexe gewesen ...

Dorfheilerin Mirage DeBois und Sergent Erik Zejn, Anführer der Gardisten von Svonnheim werden wohl keine Freunde mehr. Als sich die Toten aus den Grabhügeln erheben, kann das nur das Werk der Hexe gewesen sein, da ist Erik sich ganz sicher. Mirage ist dagegen überzeugt, dass Erik keine Ahnung hat, wie er den Untoten begegnen soll und sie nur das Bauernopfer ist. Als er Mirage jagen und festnehmen lässt, begeht er damit einen ziemlich großen Fehler.

„Das Schwert der Tötengöttin“ arbeitet im Grunde mit einem alten Motiv. Die Heilerin und gute Kräuterhexe des Dorfes wird zum Quell allen Übels ernannt. Schließlich ist sie mit den dunklen Mächten im Bunde und hat, in diesem Fall, auch noch die Toten in den Grabhügeln wiedererweckt. Zumindest ist das in etwa der Gedankengang von Sergent Erik Zejn. Allerdings wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass Erik weder Lust hat, Sergent zu sein, schließlich ist er gerade im Rang degradiert worden, noch, dass ihm Svonnheim sonderlich behagt. Ohne Kenntnis der Strukturen im Dorf säbelt er sich seinen Weg zurecht. Allerdings profitieren davon weder er noch einer der Dorfbewohner. Schon gar nicht Mirage.

Ein altbekanntes Narrativ, gewürzt mit Wiedergängern und einer großen Portion Charakterentwicklung sorgt für eine Geschichte, in die man beim Lesen regelrecht reingezogen wird. Katharina V. Haderers Erzählstil ist sowohl spannend, als auch an den passenden Stellen humorvoll. Dazu kommen die wechselnden Sichtweisen, sodass man die Beweggründe der Charaktere nachvollziehen kann und es eigentlich keinen Bösen gibt, sondern nur falsche Annahmen oder Denkweisen.

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