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Veröffentlicht am 20.08.2017

hervorragende Lektüre

Underground Railroad
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Der Titel dieses Buches erschließt sich erst nach einer ganzen Weile. Underground Railroad bezeichnet die geheimen Fluchtwege, auf denen Sklaven aus dem Süden der USA in Staaten fliehen konnten, wo die ...

Der Titel dieses Buches erschließt sich erst nach einer ganzen Weile. Underground Railroad bezeichnet die geheimen Fluchtwege, auf denen Sklaven aus dem Süden der USA in Staaten fliehen konnten, wo die Sklaverei unüblich oder gar verboten war. Dabei waren die Schlepper die Zugführer, die Passagiere die fliehenden Sklaven usw. Dieses Bild vor Augen kann man eintauchen in eine Geschichte, die traurig und dramatisch, deprimierend aber auch positiv auf die damaligen Probleme und menschlichen Schicksale zurückblickt.
Die Mutter von Cora, selbst Sklavin, kann fliehen und lässt ihre Tochter jung und schutzlos zurück. So muss sie Gewalt und Missbrauch erdulden und erst den eigenen Mut finden, um selbst die Flucht zu wagen. Der Weg in die Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben ist lang, hart und voller Gefahren. Verfolgt von einem Sklavenjäger muss Cora mit Hilfe vieler Helfer immer weiter davonlaufen. Dabei lernt der Leser ihren Mut und ihre Kraft schätzen, ist erschrocken über die Unmenschlichkeit der damaligen Gesellschaft, erfährt mehr als er zu wissen glaubte.
In kraftvoller Sprache geschrieben besticht das Buch durch seine Wahrhaftigkeit und sollte unbedingt gelesen werden.

Veröffentlicht am 20.08.2017

unterhaltsam

Kein guter Ort
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Kein guter Ort ist der dritte Teil einer Reihe des deutschen Autors Bernhard Stäber, der vor Jahren nach Norwegen ausgewandert ist. Eben dort spielen auch die Kriminalromane um die Kommissarin Kari und ...

Kein guter Ort ist der dritte Teil einer Reihe des deutschen Autors Bernhard Stäber, der vor Jahren nach Norwegen ausgewandert ist. Eben dort spielen auch die Kriminalromane um die Kommissarin Kari und den Psychologen Arne. Ich kenne die Vorgängerbände nicht, bin auch gut in die Reihe reingekommen. Es wird einiges aus den ersten zwei Büchern angerissen und erwähnt. Dadurch weiß man auch als Quereinsteiger genug, um der Handlung zu folgen und sich nicht ständig nach den Zusammenhängen zu fragen.

Der Plot beginnt ziemlich langsam und nicht wie sonst in Kriminalromanen mit einem Mord – also zumindest nicht mit einem, der für den eigentlichen Plot zu tun hat. Er nach und nach kommt dem Leser, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Wer den Klappentext nur überflogen hat, wie ich, wird überrascht sein, wenn man denn in der Rabenschlucht und bei einem mysteriösen unheimlichen alten Haus gelandet ist. Auch dass eine wichtige Person eine drogenabhängige Studentin ist, die die Sache erst ins Rollen bringt, wirkt ungewöhnlich und durchaus neu.

Der Fall an sich ist eher nebensächlich, finde ich. Im Mittelpunkt stehen die Charaktere, ihre Wünsche und Motivationen, ihre Gedanken. Der Krimi ist weder besonders blutig noch wirklich nordisch. Ich finde, man merkt ihm durchaus den deutschen Autor an. Allerdings sind die Darsteller fast alle Norweger und haben durchaus norwegische Eigenheiten. Die norwegische Mentalität und die gesellschaftspolitische Lage kommen im Buch ebenso vor, wie psychologische und mystische Elemente.

Ein unterhaltsamer Roman. Vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 11.08.2017

charmant

Und jetzt auch noch Liebe
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Emma’s Leben gerät mit Überschallgeschwindigkeit aus den Fugen. Erste Anzeichen dafür dass es an allen Ecken und Ende Probleme gibt, übersieht sie aber gefließentlich. In der Arbeit vergisst sie mehrmals ...

Emma’s Leben gerät mit Überschallgeschwindigkeit aus den Fugen. Erste Anzeichen dafür dass es an allen Ecken und Ende Probleme gibt, übersieht sie aber gefließentlich. In der Arbeit vergisst sie mehrmals wichtige Termine, kommt zu spät und verärgert den Chef. Ihr Freund Ned ist ohne festen Job und lebt auf ihre Kosten faul und verplant in den Tag hinein. Allerdings ist er schlau genug im richtigen Augenblick den Charmeur rauszukehren. Und dann merkt Emma plötzlich, dass sie bereits einige Wochen „drüber ist“ und ein Kind ist wirklich das Allerletzte was sie jetzt brauchen kann. Aber noch ist kein Ende der Schwierigkeiten in Sicht. Nachdem sie endlich erkennt, dass Ned der falsche Mann ist läuft ihr prompt der richtige über den Weg. Der aber bereits den Hochzeitstermin mit einer anderen Frau in der Tasche hat. Schließlich wird sie gefeuert und sie erkennt, dass es dringend Zeit wird, etwas zu ändern.

Chatherine Bennetto erzählt auf humorvolle, manchmal leicht burschikose Art die Geschichte einer jungen Frau, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben ist. Ich finde, das wird langsam auch mal Zeit. An den meisten Problemen ist Emma nämlich selber schuld, weil sie einfach nicht genau hinschaut und alles ein bisschen schleifen lässt. Weder der Job noch der Freund sind dass, was sie sich wirklich wünscht aber von beidem kann sie sich nur gewaltsam trennen. Die Entscheidung, jetzt die Zukunft in die Hand zu nehmen oder sogar dafür zu kämpfen, fällt ihr verdammt schwer. Ich hatte ein paar Mal den Wunsch sie anzuschieben oder ihr gehörig den Kopf zu waschen. Aber Gott sei Dank erkennt sie ja doch noch, was sie will und was wichtig ist.

Ein charmantes, lustiges Buch mit jeder Menge Verwicklungen und einer gehörigen Portion Liebe. Für unterhaltsame entspannte Urlaubsstunden bestens geeignet.

Veröffentlicht am 09.08.2017

etwas unausgegoren

Eine von uns
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Eigentlich habe ich mit „Eine von uns“ genau das bekommen, was ich erwartet hatte. Es spielt in den 1980er Jahren in einem kleinen englischen Dorf. Die Dorfidylle, die wie nicht anders zu erwarten, teilweise ...

Eigentlich habe ich mit „Eine von uns“ genau das bekommen, was ich erwartet hatte. Es spielt in den 1980er Jahren in einem kleinen englischen Dorf. Die Dorfidylle, die wie nicht anders zu erwarten, teilweise trügerisch ist, wird gut beschrieben und erinnert an entsprechende BBC-Filme. Das leicht provinzielle und etwas überhebliche Gehabe einiger Protagonisten trifft genau meine Vorstellung von einem englischen Roman. Auch die Idee der Geschichte, die einen tatsächlichen „Fox“ beschreibt, der aber ganz anders agierte, hat mir gefallen. Die Autorin macht sich auch die Mühe, ein paar Fragen zu Fiktion und Wahrheit zu beantworten.

Allerdings hat mich der Wechsel der Personen nicht überzeugen können, da nur eine mich fesseln konnte, nämlich die des Dorfpolizisten. Das wäre auch meine bevorzugte Stimme in diesem Roman gewesen. Der Präsens stört mich weniger. In diese Art des Schreibstils finde ich mich eigentlich immer ganz gut ein. Leider ist die Sprache oft etwas geschraubt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Diaologe in einer Verfilmung noch lebensecht wirken würden. Jemand hat erwähnt, dies läge vielleicht am österreichischen Übersetzer. Ich denke eher, es ist ganz allgemein das falsche Jahrhundert, in dem man diese Sprache ansiedeln würde. So historisch ist das Buch ja wirklich nicht.

Ich würde es als Unterhaltungsroman mit leichten Spannungselementen sehen – obwohl es ja eigentlich ein Kriminalfall ist, der hier erzählt wird. Aber schon der Titel verrät mehr, als ich es mir gewünscht hätte. Mich konnte das Buch nicht wirklich fesseln.

Veröffentlicht am 09.08.2017

Mankells heimliche Liebe Afrika

Der Sandmaler
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Dass der Sandmaler schon 1974 geschrieben wurde, hat mich wirklich überrascht. Ich denke mal er spielt zu der Zeit, als auch Henning Mankell für sich persönlich den afrikanischen Kontinent entdeckt hat ...

Dass der Sandmaler schon 1974 geschrieben wurde, hat mich wirklich überrascht. Ich denke mal er spielt zu der Zeit, als auch Henning Mankell für sich persönlich den afrikanischen Kontinent entdeckt hat und sein Herz daran verloren hat. Im Buch übernehmen zwei Menschen diesen Prozess stellvertretend für die Empfindungen des Autors. Elizabeth hat gerade ihr Studium abgeschlossenen und möchte eine Urlaubsreise nach Afrika machen. Während sie aber sehr schnell die Abgründe der Politik und die Nöte der Menschen erkennt, ist Stefan ihr Bekannter erst mal nur auf Entspannung und Touristik eingestellt.

Mankell spricht durch seine zwei Protagonisten über seinen eigenen und die Erfahrungen vieler anderer Menschen. Ich fühlte mich ein paar Mal an eigene Erfahrungen erinnert, die ich dieses Frühjahr in Südafrika gemacht habe. Natürlich merkt man an mancher Stelle, dass das schon wieder fast 40 Jahre zwischen dem Buch und der Jetztzeit liegen. Aber das Meiste ist zeitlos und passt tatsächlich auch heute noch, denn Afrika entwickelt sich nur langsam und erfährt immer wieder Rückschläge durch grausame Kriege.

Ein interessantes Büchlein – welches freilich mit dem Krimiautor Mankell überhaupt nichts zu tun hat. Das sollte man vorher wissen.

Das Cover ist perfekt gewählt und in natura wunderschön.