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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2024

Nicht so ganz mein ‚Geiger‘

Reise nach Laredo
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Auf dieses Buch hatte ich mich wirklich gefreut, denn ich bin von Arno Geigers Schreibstil begeistert. ‚Das glückliche Geheimnis‘ und ‚Der alte König in seinem Exil‘ waren für mich absolute Lese-Highlights. ...



Auf dieses Buch hatte ich mich wirklich gefreut, denn ich bin von Arno Geigers Schreibstil begeistert. ‚Das glückliche Geheimnis‘ und ‚Der alte König in seinem Exil‘ waren für mich absolute Lese-Highlights.

In diesem Buch geht es um dem todkranken Karl V. Er wurde bereits in jungen Jahren der erste König von Spanien. Im Jahr 1519 erbte er das Erzherzogtum Österreich und wurde als Karl V. zum römisch-deutschen König gewählt. Später wurde er als letzter römisch-deutscher König vom Papst zum Kaiser gekrönt und war damit nach Friedrich III. der zweite und letzte Habsburger, der von einem Papst gekrönt wurde. Diese Info habe ich aus Wikipedia. So erklärt sich mir auch die spanische und österreichische Linie der Habsburger.

Dieser König Karl V. hat im Alter alle seine Ämter abgegeben und sich schwerkrank in ein spanisches Kloster zurückgezogen. Soweit die Historie. Der Rest ist Fiktion. Dort begegnet er seinen illegitimen Sohn Geronimo, der gerade mal 11 Jahre ist. Mit ihm unternimmt er eine letzte Reise von Yuste nach Laredo.

Ich muss gestehen, dieses Buch schaffte es nicht, mich zu 100 % zu fesseln. Obwohl ich Geigers Schreibstil liebe, seine Poesie und seine tiefschürfenden Gedanken mag. Spannend fand ich hingegen, was ich über die Cagots erfahren habe, eine baskischen Menschengruppe, die in Spanien dieser Zeit verfolgt und diskriminiert wurde. In diesem Roman lernen wir das Geschwisterpaar Honza und Angelita kennen.

Trotz allem ist es ein kluges Buch, dass mir einiges an neuem Wissen ganz nebenbei vermittelt hat. Und es gab ganz viele schöne Sätze mit Substanz, die ich genossen habe.

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Veröffentlicht am 29.07.2024

Frauenpower oder Kleider machen Leute

Mein Leben in deinem
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In diesem Buch geht es um starke Frauen. Jede von ihnen beweist auf ihre Art Kampfeswillen und Durchsetzungskraft.

Jojo Moyes “Mein Leben in deinem” ist ein fesselnder Roman, der die Geschichten zweier ...



In diesem Buch geht es um starke Frauen. Jede von ihnen beweist auf ihre Art Kampfeswillen und Durchsetzungskraft.

Jojo Moyes “Mein Leben in deinem” ist ein fesselnder Roman, der die Geschichten zweier völlig unterschiedlicher Frauen, Sam und Nisha, auf kuriose Art miteinander verwebt. Das Leben beider Frauen wird auf den Kopf gestellt, als Sam im Fitnessstudio ihre Sporttasche mit Nishas Tasche verwechselt.

Sam ist eine gestresste Ehefrau, ihr Leben wächst ihr über den Kopf. Im Job wird sie von ihrem Chef gemobbt, ihr Ehemann ist arbeitslos und depressiv und dann entdeckt sie in ihrer Sporttasche glamouröse High Heels und eine wunderschöne Chanel-Jacke. Sie ist in Eile. Gezwungenermaßen schlüpft sie für ein Kundentreffen in beide Kleidungstücke und erlebt ein erhebendes Gefühl. Sie fühlt sich plötzlich ganz anders und kommt auch bei ihrem Gegenüber sehr selbstsicher und souverän rüber.

Nisha hingegen, wird mit dieser Verwechslung aus ihrem scheinbar perfekten Leben mit einem wohlhabenden Mann herauskatapultiert. Sie steht vor dem Zusammenbruch ihres sorgsam aufgebauten Lebens.

Jojo Moyes Schreibstil ist leicht lesbar und erfrischend. Jojo Moyes wechselt geschickt zwischen den Perspektiven von Sam und Nisha, was dem Buch Dynamik und Abwechslung verleiht. Ich habe mich keine Sekunde lang gelangweilt. 512 Seiten, die wie im Leserausch vergehen. Die Charaktere der beiden Hauptfiguren sind gut gezeichnet, aber auch die Nebenfiguren sind sehr authentisch beschrieben.

Fazit: Ein emotionales und packendes Buch, unterhaltsam und tiefgründig. Ein Roman über Freundschaft, Selbstfindung und die Kraft, das eigene Leben zu verändern. Meine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.07.2024

Keiner fehlt

Der Bademeister ohne Himmel
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Ich verrate es gleich im ersten Satz: Was für ein wundervolles Buch. Bitte mehr davon!!! Mich hat dieses Buch zu tiefst berührt.

Die fünfzehnjährige Linda spielt mit dem Gedanken, sie vor ein Auto zu ...



Ich verrate es gleich im ersten Satz: Was für ein wundervolles Buch. Bitte mehr davon!!! Mich hat dieses Buch zu tiefst berührt.

Die fünfzehnjährige Linda spielt mit dem Gedanken, sie vor ein Auto zu werfen. Aber da sind noch der 86jährige Hubert, ehemals Bademeister, dessen Welt sich langsam auflöst und Kevin ihr gleichaltriger Freund, die sie davon abhalten. Und dann gibt es noch Huberts polnische Pflegekraft Ewa. Alle zusammen sind ein tolles Team.

Linda verbringt regelmäßig Zeit mit den an Demenz erkrankten Hubert, um seine polnische Pflegerin Ewa zu entlasten. Mit viel Feingefühl und Humor versucht sie, Huberts Erinnerungen an seine Frau Rosalie und die Sommer im Strandbad wachzuhalten. Huberts Zustand ist wechselhaft. Er hat gute und schlechte Tage. Die Löschtaste in Huberts Gehirn gewinnt immer mehr die Oberhand. Nur Rosalie hat er nicht vergessen. Er sucht sie und vermisst sie.

Linda sieht Huberts Zustand entspannt. Sie findet, für Hubert ist seine Welt völlig in Ordnung. Denn eigentlich ist es ganz simpel. Entweder man taucht in Huberts Welt ein. Oder man lässt es bleiben. Gegen ihn zu arbeiten ergibt keinen Sinn. Es ist wie beim Surfen, man geht mit der Welle. Linda versteht es mit Hubert umzugehen. Sie bejaht es, wenn er mal auf den Boden aufstampft. Es ist sein gutes Recht und tut ihm gut. Immerhin hat er eine Meinung zu vertreten. Er ist wer, nach wie vor.

Lindas Freund Kevin ist schlau. Er wächst wie sie, ohne Vater auf. Beide Väter haben die Familie in Stich gelassen. Ihre Freundschaft besteht seit klein auf und ist mit den Jahren noch gewachsen. Zusammen erfüllen sie sich einen Wunsch. Sie übernachten heimlich in der Kirche. Doch außer einen Schnupfen hat die Nacht nichts gebracht. Das Problem zwischen Linda und ihre Mutter ist, beide sind unfähig einen Dialog zu führen. Sie erreichen einander nicht. Linda hat das Gefühl, ihre Mutter klammert sich an sie und sie kann mit ihren Ängsten nichts anfangen. Linda ist alles, was sie noch hat. Papa ist weg. Oma ist tot.

Petra Pellini schreibt einfühlsam und authentisch. Ich habe mir das Gelesene auf der Zunge zergehen lassen wie ein leckeres Eis. Kein Wort ist zu viel und doch so voller Poesie und Weisheit. Und ganz ehrlich, ich habe es bewusst langsam gelesen, um länger was davon zu haben. Linda ist für mich ein ganz tolles Mädchen. Sie hat das, was vielen Menschen fehlt. Empathie. Ewa, die polnische Pflegekraft kann ich mir bildlich vorstellen. Wenn sie über Hubert sagt: Macht was er will! Oder: Beten macht Stress klein!

Ich musste oftmals schmunzeln. Z.B. wenn Hubert Giftanschläge vermutet oder seine Zahnprothese verschwunden ist. Betroffen machte mich Lindas schwarze Krähe, mit der sie sich übers Sterben streitet. Das Ende hat mich erschüttert. Damit war nicht zu rechnen.

Fazit: Lesen, lesen, lesen… unbedingt lesen. Der ‚Bademeister ohne Himmel’ ist mein absolutes Lesehighlight 2024.

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Veröffentlicht am 22.07.2024

Kunst & Kurioses

Mord im Antiquitätenladen
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Unglaublich! Unser aller 80,-€-Waldi ist unter die Kriminalschriftsteller gegangen. Für mich als Bares für Rares-Fan ein klares MUSS den “Mord im Antiquitätenladen” zu lesen.

Es geht um den Antiquitätenhändler ...



Unglaublich! Unser aller 80,-€-Waldi ist unter die Kriminalschriftsteller gegangen. Für mich als Bares für Rares-Fan ein klares MUSS den “Mord im Antiquitätenladen” zu lesen.

Es geht um den Antiquitätenhändler Siggi. In seinen Laden Kunst & Kurioses wurde eines Morgens eingebrochen und in seinem Kultsessel findet er eine Leiche. Völlig aufgelöst rennt er vors Haus und alarmiert die Polizei, doch als diese eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Er steht vor einem Rätsel. Alle halten ihn für überdreht. Nur seine neue couragierte Putzfrau Doro glaubt ihn.

Es ist ein sehr unterhaltsamer Cosi-Krimi, bei dem der Humor nicht zu kurz kommt. Ich musste ein paar Mal herzhaft lachen. Und komisch, bei dem Hauptprotagonisten Siggi habe ich immer Waldi im Hinterkopf. Die Charaktere sind gut beschrieben und man hat sofort ein Bild von ihnen vor Augen. Doro habe ich gleich ins Herz geschlossen, obwohl ich ihr anfangs nicht traute. Ich fragte mich, was führt diese Frau im Schilde?

Okay, die Auflösung kam für mich nicht ganz so überraschend. Ich hegte schon etwa ab der Mitte des Buches eine Vermutung. Trotzdem ein gelungenes Debüt.

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Veröffentlicht am 20.07.2024

Anas Erbe

Das Pfauengemälde
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Ana reist nach Rumänien, in die Heimat ihres verstorbenen Vaters, um das sagenumwobene Pfauengemälde in Empfang zu nehmen. Nach langen Kämpfen wurde das enteignete Gemälde aus dem Familienbesitz endlich ...

Ana reist nach Rumänien, in die Heimat ihres verstorbenen Vaters, um das sagenumwobene Pfauengemälde in Empfang zu nehmen. Nach langen Kämpfen wurde das enteignete Gemälde aus dem Familienbesitz endlich von der Staatsregierung zurückgegeben.

Maria Bidians Debütroman ist sehr anstrengend zu lesen. Die vielen Familienverknüpfungen, die ineinanderfließenden Erinnerungen. Um ehrlich zu sein ich habe mich durch das gesamte Buch gequält und hatte immer gehofft, dass es irgendwann mal leicht zu lesen wird. Auch die vielen rumänischen Wörter und Sätze, die nicht übersetzt wurden, und die ich mir im Kontext nicht erschließen konnte, machten mir diesen Roman nicht angenehmer.

Interessant fand ich hingegen den Hintergrund der Geschichte. Darüber habe ich einiges über Google vertieft. Z.B., dass die Eigentumsrückgabe des enteigneten Besitzes gebunden ist an die rumänische Staatsangehörigkeit, und diese als eine Grundvoraussetzung für die Rückgabe des geraubten Eigentums an Grund und Boden ist gilt. Es ist eine Schande, wie die rumänische Staatsregierung unter den Kommunisten mit den ‚Rumäniendeutschen‘ verfahren ist. Um ehrlich zu sein, ich wusste darüber nicht allzu viel davon. Und so gesehen, hat mir der Roman trotz all der Mühen einiges gebracht.

Fazit: Ein nicht ganz einfach zu lesender Familienroman mit vielerlei Verknüpfungen, in dem ich viel über die rumänische Geschichte erfahren habe.

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