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Veröffentlicht am 26.07.2024

Keiner fehlt

Der Bademeister ohne Himmel
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Ich verrate es gleich im ersten Satz: Was für ein wundervolles Buch. Bitte mehr davon!!! Mich hat dieses Buch zu tiefst berührt.

Die fünfzehnjährige Linda spielt mit dem Gedanken, sie vor ein Auto zu ...



Ich verrate es gleich im ersten Satz: Was für ein wundervolles Buch. Bitte mehr davon!!! Mich hat dieses Buch zu tiefst berührt.

Die fünfzehnjährige Linda spielt mit dem Gedanken, sie vor ein Auto zu werfen. Aber da sind noch der 86jährige Hubert, ehemals Bademeister, dessen Welt sich langsam auflöst und Kevin ihr gleichaltriger Freund, die sie davon abhalten. Und dann gibt es noch Huberts polnische Pflegekraft Ewa. Alle zusammen sind ein tolles Team.

Linda verbringt regelmäßig Zeit mit den an Demenz erkrankten Hubert, um seine polnische Pflegerin Ewa zu entlasten. Mit viel Feingefühl und Humor versucht sie, Huberts Erinnerungen an seine Frau Rosalie und die Sommer im Strandbad wachzuhalten. Huberts Zustand ist wechselhaft. Er hat gute und schlechte Tage. Die Löschtaste in Huberts Gehirn gewinnt immer mehr die Oberhand. Nur Rosalie hat er nicht vergessen. Er sucht sie und vermisst sie.

Linda sieht Huberts Zustand entspannt. Sie findet, für Hubert ist seine Welt völlig in Ordnung. Denn eigentlich ist es ganz simpel. Entweder man taucht in Huberts Welt ein. Oder man lässt es bleiben. Gegen ihn zu arbeiten ergibt keinen Sinn. Es ist wie beim Surfen, man geht mit der Welle. Linda versteht es mit Hubert umzugehen. Sie bejaht es, wenn er mal auf den Boden aufstampft. Es ist sein gutes Recht und tut ihm gut. Immerhin hat er eine Meinung zu vertreten. Er ist wer, nach wie vor.

Lindas Freund Kevin ist schlau. Er wächst wie sie, ohne Vater auf. Beide Väter haben die Familie in Stich gelassen. Ihre Freundschaft besteht seit klein auf und ist mit den Jahren noch gewachsen. Zusammen erfüllen sie sich einen Wunsch. Sie übernachten heimlich in der Kirche. Doch außer einen Schnupfen hat die Nacht nichts gebracht. Das Problem zwischen Linda und ihre Mutter ist, beide sind unfähig einen Dialog zu führen. Sie erreichen einander nicht. Linda hat das Gefühl, ihre Mutter klammert sich an sie und sie kann mit ihren Ängsten nichts anfangen. Linda ist alles, was sie noch hat. Papa ist weg. Oma ist tot.

Petra Pellini schreibt einfühlsam und authentisch. Ich habe mir das Gelesene auf der Zunge zergehen lassen wie ein leckeres Eis. Kein Wort ist zu viel und doch so voller Poesie und Weisheit. Und ganz ehrlich, ich habe es bewusst langsam gelesen, um länger was davon zu haben. Linda ist für mich ein ganz tolles Mädchen. Sie hat das, was vielen Menschen fehlt. Empathie. Ewa, die polnische Pflegekraft kann ich mir bildlich vorstellen. Wenn sie über Hubert sagt: Macht was er will! Oder: Beten macht Stress klein!

Ich musste oftmals schmunzeln. Z.B. wenn Hubert Giftanschläge vermutet oder seine Zahnprothese verschwunden ist. Betroffen machte mich Lindas schwarze Krähe, mit der sie sich übers Sterben streitet. Das Ende hat mich erschüttert. Damit war nicht zu rechnen.

Fazit: Lesen, lesen, lesen… unbedingt lesen. Der ‚Bademeister ohne Himmel’ ist mein absolutes Lesehighlight 2024.

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Veröffentlicht am 22.07.2024

Kunst & Kurioses

Mord im Antiquitätenladen
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Unglaublich! Unser aller 80,-€-Waldi ist unter die Kriminalschriftsteller gegangen. Für mich als Bares für Rares-Fan ein klares MUSS den “Mord im Antiquitätenladen” zu lesen.

Es geht um den Antiquitätenhändler ...



Unglaublich! Unser aller 80,-€-Waldi ist unter die Kriminalschriftsteller gegangen. Für mich als Bares für Rares-Fan ein klares MUSS den “Mord im Antiquitätenladen” zu lesen.

Es geht um den Antiquitätenhändler Siggi. In seinen Laden Kunst & Kurioses wurde eines Morgens eingebrochen und in seinem Kultsessel findet er eine Leiche. Völlig aufgelöst rennt er vors Haus und alarmiert die Polizei, doch als diese eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Er steht vor einem Rätsel. Alle halten ihn für überdreht. Nur seine neue couragierte Putzfrau Doro glaubt ihn.

Es ist ein sehr unterhaltsamer Cosi-Krimi, bei dem der Humor nicht zu kurz kommt. Ich musste ein paar Mal herzhaft lachen. Und komisch, bei dem Hauptprotagonisten Siggi habe ich immer Waldi im Hinterkopf. Die Charaktere sind gut beschrieben und man hat sofort ein Bild von ihnen vor Augen. Doro habe ich gleich ins Herz geschlossen, obwohl ich ihr anfangs nicht traute. Ich fragte mich, was führt diese Frau im Schilde?

Okay, die Auflösung kam für mich nicht ganz so überraschend. Ich hegte schon etwa ab der Mitte des Buches eine Vermutung. Trotzdem ein gelungenes Debüt.

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Veröffentlicht am 20.07.2024

Anas Erbe

Das Pfauengemälde
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Ana reist nach Rumänien, in die Heimat ihres verstorbenen Vaters, um das sagenumwobene Pfauengemälde in Empfang zu nehmen. Nach langen Kämpfen wurde das enteignete Gemälde aus dem Familienbesitz endlich ...

Ana reist nach Rumänien, in die Heimat ihres verstorbenen Vaters, um das sagenumwobene Pfauengemälde in Empfang zu nehmen. Nach langen Kämpfen wurde das enteignete Gemälde aus dem Familienbesitz endlich von der Staatsregierung zurückgegeben.

Maria Bidians Debütroman ist sehr anstrengend zu lesen. Die vielen Familienverknüpfungen, die ineinanderfließenden Erinnerungen. Um ehrlich zu sein ich habe mich durch das gesamte Buch gequält und hatte immer gehofft, dass es irgendwann mal leicht zu lesen wird. Auch die vielen rumänischen Wörter und Sätze, die nicht übersetzt wurden, und die ich mir im Kontext nicht erschließen konnte, machten mir diesen Roman nicht angenehmer.

Interessant fand ich hingegen den Hintergrund der Geschichte. Darüber habe ich einiges über Google vertieft. Z.B., dass die Eigentumsrückgabe des enteigneten Besitzes gebunden ist an die rumänische Staatsangehörigkeit, und diese als eine Grundvoraussetzung für die Rückgabe des geraubten Eigentums an Grund und Boden ist gilt. Es ist eine Schande, wie die rumänische Staatsregierung unter den Kommunisten mit den ‚Rumäniendeutschen‘ verfahren ist. Um ehrlich zu sein, ich wusste darüber nicht allzu viel davon. Und so gesehen, hat mir der Roman trotz all der Mühen einiges gebracht.

Fazit: Ein nicht ganz einfach zu lesender Familienroman mit vielerlei Verknüpfungen, in dem ich viel über die rumänische Geschichte erfahren habe.

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Veröffentlicht am 11.07.2024

Auf nach Tirol

Reisehandbuch Tirol für alle Jahreszeiten
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Das Reisehandbuch “Tirol für alle Jahreszeiten” von Mela Hipp ist ein wunderschön gestalteter Reiseführer, der die Schönheit und Vielfalt Tirols in jeder Jahreszeit einfängt.

Kernig sind die Überschriften ...



Das Reisehandbuch “Tirol für alle Jahreszeiten” von Mela Hipp ist ein wunderschön gestalteter Reiseführer, der die Schönheit und Vielfalt Tirols in jeder Jahreszeit einfängt.

Kernig sind die Überschriften zu den Kapiteln:

„Kennsch die aus?“
„Grieß di!“
„Magsch a Schnapsal?“
„Kim eina“ usw.

Bei „Haagascht“ kam ich allerdings ins Grübeln, Okay, die Übersetzung findet sich unter dem Titel, kleingeschrieben und in Klammern)

Ein wunderschöner Hingucker ist der Sternenhimmel über Tirol auf den beiden Innenseiten des Covers. Überhaupt ist das Buch sehr ansprechend gestaltet und logisch nach Regionen gegliedert. Es enthält landschaftlich lohnenswerte Routen für den Roadtrip durch die atemberaubende Landschaft Tirols. Viele Highlights laden ein zum Staunen und Innehalten, Verweilen und länger bleiben. Man findet alle wichtigen Informationen und E-Mail-Adressen, Einkaufstipps, Übernachtungsmöglichkeiten in den jeweiligen Orten und Berghütten. Ein Hüttenfrühstück mit Bergpanorama inklusive… Ist das nicht ein Traum!

In mir hat das Buch eine große Sehnsucht nach Tirol ausgelöst. Jetzt heißt es nur noch Rucksack schnüren und Wanderstiefel ab. Es müssen ja nicht gleich die 60 km und 7.000 Höhenmeter in sechs Tagen sein.

Fazit: Ein echter Geheimtipp! Es macht Spaß in dem Buch zu schmökern und sich Inspiration für den nächsten Urlaub zu holen.


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Veröffentlicht am 10.07.2024

Wer verführt wem?

Die Sache mit Rachel
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“Die Sache mit Rachel” von Caroline O’Donoghue ist ein Roman, der das Lebensgefühl der Millennials in Cork, Irland, einfängt. Es ist ein Coming-of-Age-Roman. Eine außergewöhnliche Geschichte über Freundschaft, ...



“Die Sache mit Rachel” von Caroline O’Donoghue ist ein Roman, der das Lebensgefühl der Millennials in Cork, Irland, einfängt. Es ist ein Coming-of-Age-Roman. Eine außergewöhnliche Geschichte über Freundschaft, die Suche nach sich selbst und den Rausch der ersten Beziehungen.

Die Protagonistin, die junge Studentin Rachel, trifft während ihres Nebenjobs im Buchladen auf James, und es entwickelt sich eine Freundschaft auf den ersten Blick. James, der temperamentvolle neue Freund, lädt Rachel ein, seine Mitbewohnerin zu werden, was zu einer Reihe von Ereignissen führt, die ihr Leben verändern. Um ihrem angebeteten Literaturprofessor Dr. Fred Byrne näherzukommen, organisieren James und Rachel eine Lesung im Buchladen, die unerwartete Wendungen nimmt, da Dr. Byrne seine eigenen Interessen verfolgt.

“Die Sache mit Rachel” wird als Bestsellerroman aus Irland gefeiert. Zu Recht. Auch mir hat dieser Roman ausnehmend gut gefallen. Die Autorin Caroline O’Donoghue schreibt warmherzig, witzig und dennoch authentisch. Ihr Stil zog mich mitten ins Geschehen. Man muss die beiden Hauptprotagonisten lieben. Den witzigen, schwulen James und die etwas schlampige Rachel. Ich feierte mit ihnen und kuschelte mich mit ihnen ins Bett. Und ich mochte auch den zweiten James in Rachels Leben, den sie Carey nannte.

Den Hintergrund der Handlung bildet die Finanzkrise in Irland. Zwielichtige Geschäfte irischer Banken und eine gewaltige Immobilienblase haben die Wirtschaftsleistung einbrechen lassen. Die Arbeitslosigkeit war 2010 recht groß. Auch die Frauenrechte steckten noch in den Kinderschuhen. Und auch die queere Szene hatte es schwer. Man wagte es nicht, sich zu outen.

Fazit: Ein witziger und fesselnder Roman, der einem nicht loslässt und einem auch nach Beendigung des Romans noch lange beschäftigt.

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