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Veröffentlicht am 26.01.2021

Eine erdrückende Geschichte einer schleichenden Radikalisierung

Dschihad Online
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Wie so viele andere auch, musste ich „Die Welle“ von Morton Rhue in der Schule lesen. Darüber hinaus verlor ich ihn aus den Augen. Doch als mir „Dschihad Online“ in die Hände fiel, musste ich es kaufen.

Khalil ...

Wie so viele andere auch, musste ich „Die Welle“ von Morton Rhue in der Schule lesen. Darüber hinaus verlor ich ihn aus den Augen. Doch als mir „Dschihad Online“ in die Hände fiel, musste ich es kaufen.

Khalil versucht alles, um den Schein aufrecht zu halten, doch es wird immer schwerer: Seine Eltern mussten zurück nach Bosnien, um Verwandte zu pflegen, sein Bruder hat die Schule abgebrochen und er selber geht auch kaum noch hin. Um an Geld zu kommen, versuchen die beiden, einen Geldautomaten zu klauen. Die Abwärtsspirale zieht die Brüder immer weiter mit sich. Und in dieser Situation fängt Amir an, sich für den Dschihad zu interessieren, um endlich jemand zu sein. Er will bedeutend sein, auch wenn es den Tod bedeutet.

Um es vorweg zu nehmen: Dieses Buch war schwere Kost. Auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist das Thema schwierig zu ertragen. Ich war auf vielerlei Arten geschockt: Ich verstand nicht, warum Khalil zu Anfang so wenig schockiert über die Videos und Meinungen war, die Amir ihm präsentierte. Er teilte die Meinung nicht, zuckte bei all der Gewalt aber nicht mal mit der Wimper. Und ein wenig schockiert war ich auch über mich, denn mit dem familiären und persönlichen Hintergrund der beiden Jungs konnte ich in einem gewissen Rahmen nachvollziehen, warum sie sich dem Extremismus zuwandten und immer antiamerikanischer wurden. Morthon Rhue beschrieb all die Enttäuschungen, Niederschläge und Rückschläge so eindringlich und greifbar, dass ich verstand, woher all die Ausweglosigkeit rührte, die den großen Bruder in den Kampf für den Islam trieb.

Dem Autor ist es mit Fingerspitzengefühl gelungen, nichts schwarz oder weiß darzustellen. Weder Amerika noch der Islam, nicht mal der Dschihad, sind per se gut oder schlecht gezeichnet. Sie alle haben ihre Argumente, die im jeweiligen Kontext plausibel sind.

Das Eindringen in den Extremismus ist der zentrale Punkt, der Kern des Ganzen. Die Geschichte an sich bietet mehr. Liebe, Freundschaft, Schulprobleme – doch dies bleiben Argumente. Sprungbretter weiter in den Islam hinein. Auch wenn sich hier und da ein interessanter oder anrührender Erzählstrang ergab.
Deswegen war ich nicht mal wirklich gespannt, was noch so passieren wird. Und erst recht habe ich in den Brüdern keine Identifikationsfiguren gesucht.

Ich fand das Buch erdrückend und sehr eindringlich. Eine Geschichte, die sich zwar dank der unpathetischen und flüssigen Sprache schnell lesen lässt, aber eben nicht wirklich leicht. Doch (nicht nur) für Jüngere ist das durchaus ein wichtiges Buch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2021

Alba und Diego bei don Quijote

Der verrückte Ritter
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Kaum hatte ich den zweiten Teil beendet, habe ich direkt mit dem dritten Teil begonnen.
Leider wird es im Deutschen der finale Teil sein. Im spanischen Original gibt es noch einen vierten Teil, in den ...

Kaum hatte ich den zweiten Teil beendet, habe ich direkt mit dem dritten Teil begonnen.
Leider wird es im Deutschen der finale Teil sein. Im spanischen Original gibt es noch einen vierten Teil, in den es Alba und Diego in die Geschichte von Alice und ihrem Wunderland verschlägt. Ich hätte den Teil gern gelesen, das verspricht Spaß. Eine deutsche Übersetzung gibt es aber nicht.

Dieser Teil bringt die mutigen Geschwister also zu Don Quijote und wieder hatte ich im Vorhinein das Problem, dass ich das Buch nicht kenne. Natürlich sagt mir der verrückte Ritter, der gegen Windmühlen kämpft, etwas, aber gelesen oder gesehen habe ich nie von ihm.
Doch das Autorenduo Pierdomenico Baccalario und Eduardo Jáuregui, das unter dem Pseudonym Edward Berry schreibt, hat es wieder geschafft, die Original-Geschichte elegant einfließen zu lassen, sodass der Leser grob im Bilde über alles Wichtige ist. Auch die großen Veränderungen, die durch den Komplott von Mr. Zargo entstanden sind, werden dadurch deutlich.

Der Komplott, der die schönste Geschichte aller Zeiten aus den Köpfen der wenigen Vorableser löscht, Elemente der Geschichte aber in Klassiker schmuggelt und sie damit durcheinanderbringt, steht leider nicht so sehr im Fokus, wie ich gehofft hatte. Nach drei Teilen der Reihe weiß man nur, dass eine Laserpistole, die plötzlich bei Peter Pan war, Zwerg Gumpo, der Teil der Musketiere wurde und nun ein Drachen eine Rolle spielen. Der Rest bleibt weiterhin im Dunkeln.

Doch das aktuelle Abenteuer war verhältnismäßig spannend. Die Kinder sind auch nicht so einfach durch alles durchgekommen wie im Vorgänger. Es gab Rückschläge, Wendungen und Überraschungen und ich fand es spannend, den beiden zur Seite zu stehen.

Insgesamt bot das Buch nicht viel mehr als das Eintauchen in die Geschichte um Don Quijote. Die Charaktere bleiben recht blass und die Hintergründe zu den Hütern der unsterblichen Geschichten, zu denen auch Tante Bea zählt, bleiben verborgen.
Als Kinderbuch ist das aber vollkommen ok, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich finde die Reihe wirklich toll. Die drei Teile, die es auf Deutsch gibt, habe ich jeweils schnell und mit Interesse gelesen. Ich hätte immer noch große Lust, auf diese Art von Geschichte im erwachsenen Stil. Ähnlich viel Lust hätte ich, zu wissen, wie es bei Alba und Diego weitergeht. Die Chancen stehen aber leider äußerst schlecht.

Ich hatte Spaß, lernte Don Quijote kennen und genoss die coole Idee um veränderte Buchklassiker. Dafür bekommt der dritte Teil der Reihe um die schönste Geschichte aller Zeiten 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 03.01.2021

Wie er wurde, was er ist

Disney – Villains 2: Das Biest in ihm
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Kaum hatte ich den ersten Teil – „Die Schönste im ganzen Land“ – zugeschlagen, hatte ich unfassbare Lust, mir die Geschichte zum Biest durchzulesen. Also habe ich begonnen und das Buch in einem Rutsch ...

Kaum hatte ich den ersten Teil – „Die Schönste im ganzen Land“ – zugeschlagen, hatte ich unfassbare Lust, mir die Geschichte zum Biest durchzulesen. Also habe ich begonnen und das Buch in einem Rutsch gelesen.

Im Film „Die Schöne und das Biest“ wird der Grund der Verwandlung des Biests eher stiefmütterlich behandelt. Der Fokus liegt klar auf der anbahnenden Liebe zu Belle. Doch dieses Buch rückt den Fluch in den Mittelpunkt.
In einer langen Rückblende erzählt das Biest von seiner Jugend und seinen grausamen Taten, die ihm diesen Fluch einbrachten. Nicht nur er, sondern auch seine Ländereien und das gesamte Schloss nebst Personal sind betroffen. Eine Rose zeigt die verbleibende Zeit, um den Fluch noch rückgängig zu machen.
Man erlebt ihn als Freund und vor allem auch als Partner. Ich konnte hier gut mitfühlen und meine Gefühle schwankten ständig, ebenso wie die Launen des Prinzen.

Der junge Prinz ist ebenso wie das Biest kein Sympathieträger. Niemand, mit dem man sich identifizieren möchte. Doch ich las gebannt, seine Geschichte und erlebte in seiner Vergangenheit einige Überraschungen. Der Autorin ist hier eine glaubwürdige und spannende Hintergrundgeschichte eingefallen.

Ich finde es insgesamt so stark von Serena Valentino, wie sie alles fließend einfügt. Denn in den Büchern wird auch jeweils der Film in Kurzform mit abgehandelt und alles fließt nahtlos ineinander über. Dinge, die gesagt und getan wurden, bringt sie in den Kontext eines neuen Erzählers.

Ein paar Fragen sind offengeblieben, die werden aber sehr wahrscheinlich im nächsten Teil beantwortet, denn Ursula spielte auch in dieser Geschichte schon eine kleine Rolle. Alles greift ineinander. Ich liebe dieses Geflecht, was die Autorin geschaffen hat, jetzt schon.

Für mich ist „Das Biest in ihm“ von den drei Teilen, die ich bisher gelesen habe, deutlich der stärkste. Ich fand ihn aufschlussreich, interessant, spannend und einfach richtig gut gemacht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2020

Die Verwandlung der Charlie Hastings

Girl At Heart
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Charlie ist vieles: Talentiert, lieb, cool, klug – und wahnsinnig erfolgreich in einem Team, das ansonsten nur aus Jungs besteht. Sie ist nur mit ihrem Vater aufgewachsen und lebte für den Sport. Ihre ...

Charlie ist vieles: Talentiert, lieb, cool, klug – und wahnsinnig erfolgreich in einem Team, das ansonsten nur aus Jungs besteht. Sie ist nur mit ihrem Vater aufgewachsen und lebte für den Sport. Ihre drei Teammitglieder Eric, Kevin und Diego sind ihre besten Freunde. Für sie ist Charlie „einer von den Jungs“. Sie schaffen es absolut nicht, Charlie als ein weibliches – oder noch schlimmer sexuelles – Wesen anzusehen. Und das bricht Charlie nach und nach immer mehr das Herz. Vor allem, weil es eigentlich Eric gehört. Also ändert sie sich, lernt Mädchendinge, stylt sich um. Das kommt nicht bei jedem gut an.

Gerade im ersten Drittel stand dem Buch jegliches Potenzial offen. Ich hatte so viele Fragen: Steht Eric doch eigentlich auf Charlie? Meint es Jace ernst mit ihr? Verliebt sich Charlie in Jace? Was wird dann aus ihrer Liebe zu Eric? Entsteht eine Dreieckesgeschichte? Wird sie mit ihrem Umstyling glücklich? Gesteht sie sich am Ende ein, dass das alles doch nichts für sie war und wird wieder „die alte Charlie“?
Ich las also wirklich gespannt – und schnell. Denn das ist hier so richtig gut möglich. Kelly Oram schreibt so locker und leicht, dass man sich so richtig schön in der Highschool-Welt verlieren kann.

Doch umso weiter ich las, umso ernüchterter wurde ich.
Charlie begann, mich ein wenig zu nerven. Einerseits selbstbewusst und lustig, andererseits so vollkommen unsicher. Ständig wurde sie rot. Ständig konnte sie mit netten Worten nicht umgehen. Ich konnte aus ihrer Geschichte heraus schon verstehen, warum es so war, aber es wurde mir langsam zu viel.
Insgesamt konnte ich aber viele Probleme und Gedanken schlecht nachvollziehen. Sind Teenie-Probleme mittlerweile so unverständlich für mich? Scheinbar.
Genauso unverständlich war für mich, dass die Eltern von Achtzehnjährigen einen vollkommenen Aufstand machen, wenn sich ein junges Paar küsst.

Aber das waren im Prinzip Kleinigkeiten. Mein Hauptaugenmerk lag auf Charlies Veränderung und die Frage: Wer wird am Ende ihr Herz gewinnen? Da waren immerhin noch all meine offenen Fragen.
Doch Kelly Oram ging den einfachsten, glattesten und langweiligsten Weg. Es gab nicht wirklich Dramen, keine Überraschungen, kaum Herz. Das Ende war dann für mich auch ziemlich drüber.

Am Ende blieb eine zuckrig leichte Liebesgeschichte, die vollkommen ohne Überraschungen auskam. Klar fieberte ich auch mit Charlie mit, begleitete gespannt ihr Umstyling, verstand ihre Unsicherheiten und Wünsche nach mehr. Das Buch ließ sich leicht lesen und das Baseballthema war präsent, aber klein genug, damit auch vollkommen Unwissende, wie ich, kein Problem haben, dort durchzusteigen. Aber ich hatte auf deutlich mehr Spannung(en) gehofft.
Wer also kitschige Liebesstorys mag, ist hier genau richtig. Für wen es dann doch ein bisschen mehr sein darf, bei dem bleiben ein paar Wünsche offen.

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Gefühl
Veröffentlicht am 27.12.2020

Wie sie wurde, was sie ist

Disney – Villains 1: Die Schönste im ganzen Land
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Die Tochter des Spiegelmachers ist glücklich. Der König wählt sie nach dem Tod seiner ersten Frau. Er liebt sie wahrhaftig und bringt ein wunderschönes kleines Mädchen mit in die Ehe, die wie eine Tochter ...

Die Tochter des Spiegelmachers ist glücklich. Der König wählt sie nach dem Tod seiner ersten Frau. Er liebt sie wahrhaftig und bringt ein wunderschönes kleines Mädchen mit in die Ehe, die wie eine Tochter für die neue Königin ist. Sie liebt sie wie ihr eigenes Kind. Sie will sie beschützen und ihr das schönste Leben ermöglichen. Doch dann geschieht etwas Schreckliches und das Leben der Königin nimmt eine dunkle Wendung.

Erst fand ich es fast etwas schade, dass man die Königin nicht als Kind kennenlernt, sondern direkt als erwachsene Frau, doch in Rückblicken erfährt man das ein oder andere aus ihrer Kindheit. Und schon war ich froh, dass ich dieses traurige Leben nicht hautnah miterleben musste. Ich erlebte eine liebevolle, herzensgute und freundliche Frau, doch da man weiß, wo die Entwicklung hingeht, war sie mir nie so richtig sympathisch.

Und diese Entwicklung war nicht sehr überraschend oder wendungsreich. Sie strebte strikt auf die mordlüsterne Königin zu und wäre das Buch nicht so kurz gewesen, hätte ich die Male, in denen die Geschichte seltsam stehenblieb, als Länge empfunden.
Als neues Element wurden die drei verdrehten Schwestern eingeführt, die mehr Einfluss auf die Geschichte haben als man als Schneewittchen-Kenner gedacht hätte. Die drei sind das Bindeglied zwischen allen Büchern aus der Villains-Reihe.

Was ich schade fand, was aber in der Natur der Geschichte liegt: dieser starke Fokus auf die Schönheit. Schon von Anfang an – als sie noch liebevoll war – bewertete die Königin die Optik aller um sich herum. Immer wieder floss diese Oberflächlichkeit mit ein und stellenweise dominierte das Wort Schönheit ganze Seiten. Es passte natürlich zum Märchen, denn wie sollte man es sonst drehen, dass die Königin ihre Stieftochter später aus Neid auf ihre Schönheit umbringen möchte? Trotzdem war es mir stellenweise deutlich zu viel.

Ich habe also tatsächlich allerhand Kritik an dem Buch. Trotzdem hatte ich eine kurzweilige Lektüre und fühlte mich gut unterhalten. Die schleichende Veränderung war gut gemacht.
Ich nehme es als das, was es ist: Ein solider Einstieg in eine Reihe um die Bösewichte der Disney-Filme, der mir plausibel sagen konnte, warum die Königin ist, wer sie ist.

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