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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.12.2017

Unbedingt Hören (oder Lesen)

Mudbound – Die Tränen von Mississippi
3 0

Nach dem 2. Weltkrieg kommen Jamie und Ronsel zu ihren Familien nach Hause. Jamie lebt bei seinem Bruder und dessen Familie und seinem Vater, Ronsel bei seinen Eltern. Beide müssen das im Krieg erlebte ...

Nach dem 2. Weltkrieg kommen Jamie und Ronsel zu ihren Familien nach Hause. Jamie lebt bei seinem Bruder und dessen Familie und seinem Vater, Ronsel bei seinen Eltern. Beide müssen das im Krieg erlebte verarbeiten und werden darüber Freunde. Doch in diesen Zeiten im Süden von Amerika ist die Freundschaft der beiden ein Problem, denn Jamie ist weiß und Ronsel schwarz.

Dieses Hörbuch war mein Hörhighlight in diesem Jahr. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und von verschiedenen Sprechern vorgetragen. Die Geschichte kommt auf leisen Sohlen, baut sich langsam auf und schon früh ahnt man, wie grausam es enden kann. Ich musste einige Male eine Pause machen und konnte nicht weiterhören. Einerseits möchte man wissen, wie es endet, andererseits konnte ich zwei Personen nur schwer zuhören, da mich ihre Ansichten so wütend machten. Das Ende der Geschichte lässt einen ratlos zurück, aber nicht im Sinne von enttäuscht von der Geschichte, sondern im Sinne von enttäuscht von der Gesellschaft.
Mein Mann hört selten Hörbücher, aber bei diesem hat er mitgehört. Und auch er, der bei Filmen alles mögliche sehen kann wie Splatterfilme, brauchte Pausen von dem Hörbuch. Es hat uns beide einfach gefesselt und mitgenommen auf eine Reise auf eine Baumwollplantage.

Einzig störten mich die Sprechpausen der Sprecher, das ist aus meiner Sicht im Vergleich mit anderen Hörbüchern ungewöhnlich, dass die Sprecher so lange Pausen machen, auch mitten im Satz.

Die Rassendiskriminierung in den USA scheint derzeit ein großes Thema im Literaturbetrieb zu sein. Ich habe bereits vor diesem Hörbuch „Underground Railroad“ und „Heimkehren“ in diesem Jahr gelesen. Aber auch mein persönlicher Eindruck ist, dass sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema in den USA ändert. Weiterhin muss man durch die Wahl von Donald Trump annehmen, dass sich das Klima von Rassismus in den USA nicht zum positiven ändern wird.
Mir persönlich hat „Heimkehren“ am besten von diesen drei Büchern gefallen, weil es einen größeren Überblick verschafft, aber Mudbound hat mich emotional mehr gepackt.

Fazit: Absolute Empfehlung sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen, sei es als Hörbuch oder Buch oder Film. Die Geschichte ist toll erzählt und berührte uns sehr.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Herausfordernder Schreibstil

Beim Ruf der Eule
2 0

Maeve hat eine kleine Pension, die sie für behinderte Menschen geöffnet hat. Neben der Besuchern hat sie mit Steph und Len auch zwei Menschen mit Down- Syndrom dort beschäftigt. Doch als Vincent vor ihrer ...

Maeve hat eine kleine Pension, die sie für behinderte Menschen geöffnet hat. Neben der Besuchern hat sie mit Steph und Len auch zwei Menschen mit Down- Syndrom dort beschäftigt. Doch als Vincent vor ihrer Tür steht, gerät ihre Welt ins Wanken. Nur er weiß noch, dass sie eine Zwillingsschwester hatte, die singen konnte wie ein Star. Und so muss sich Maeve nach vielen Jahren mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen.

Die Idee des Buches ist schön und der Umgang mit Behinderungen heute und in der Vergangenheit wird eindrücklich geschildert. Gerade dieses Thema findet man in Romanen doch selten und ich finde es spannend. Gerade das Übergriffige auf die Familien der Behinderten hat mich erschreckt, aber nicht überrascht.

Leider hat das Buch zwei Probleme. Einmal ist der Schreibstil sehr speziell und das erste Drittel war somit unangenehm zu lesen. Es wechselt zwischen Gegenwart, Vergangenheit, Briefen, Gedanken von Edie hin und her. Die Gegenwart wird in der Vergangenheitsform erzählt und wird immer wieder unterbrochen durch Gedanken an Edie, die für den Leser aber schwer erkenntlich sind. Dann wird die Vergangenheit im Präsens erzählt. Das zweite Problem ist die Spannungskurve. Im ersten Drittel kämpft man nicht nur mit dem Schreibstil, sondern auch damit, dass eigentlich wenig passiert. Das zweite Drittel hat dann wirklich viel Handlung und ist auch sehr spannend. Und das letzte Drittel ist dann wieder eher wie der Beginn gewesen und arbeitet nur auf ein rosarotes Happy End hin. Wegen dieser zwei Punkte ziehe ich 2 Sterne ab. Das Buch konnte mich nicht begeistern.

Fazit: Ein gut gewähltes Thema! Theoretisch wäre der Plot auch gut gewesen, aber die Umsetzung durch Schreibstil und Anordnung der Geschichte hat mich nicht überzeugt.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Der Stromkrieg

Die letzten Tage der Nacht
2 0

New York 1888: Paul, ein junger aufstrebender Anwalt, wird von George Westinghouse beauftragt ihn in einem Patentrechtsstreit gegen Thomas Edison zu vertreten. Paul freut sich über seinen neuen Mandanten, ...

New York 1888: Paul, ein junger aufstrebender Anwalt, wird von George Westinghouse beauftragt ihn in einem Patentrechtsstreit gegen Thomas Edison zu vertreten. Paul freut sich über seinen neuen Mandanten, nichts ahnend, dass er damit eine Hauptrolle im größten Patentrechtsstreit (um die Glühbirne) werden wird. Sein Prozess scheint schon vorab verloren und Paul muss einiges an Einfallsreichtum aufbringen um für seinen Mandanten überhaupt positive Ergebnisse zu erzielen. Dabei bleibt wenig Zeit für das Privatleben, aber eine Mandantin verdreht ihm doch den Kopf…

Ich finde besonders gelungen an dem Buch, dass es wissenschaftliche Informationen einfach vermittelt. Ich wusste vorher wenig über die Abläufe während dieses Streits und mir wäre das Thema doch eher trocken erschienen. Der Autor schafft es mit dem Vermittler Paul, der selbst wissenschaftlich unbedarft ist, die verschiedenen Erfindungen und Erfinder dem Leser näher zu bringen. Bei mir konnte er sogar größeres Interesse an den einzelnen Erfindern wecken, sodass ich mir weiteres Lesematerial besorgen werde. Dem Autor ist gelungen alle Erfinder tiefgründig zu beschreiben. Man hat nach dem Buch von jedem ein Bild vor Augen. Dabei gibt es keine Gewinner und Verlierer.

In der ersten Hälfte fehlt etwas der persönliche Teil über Paul. Man hat das Gefühl, dass er nur arbeitet. Das wird dann aber besser und man erfährt deutlich mehr über Paul.

Titel und Cover finde ich toll. Der Titel „Die letzten Tage der Nacht“ sagt so viel mehr aus als man im ersten Moment denkt. Besonders wenn man schon in New York war, ist einem bewusst, welche Änderung die Erfindung der Glühbirne im Leben der Einwohner bewirkt haben muss.

Das einzige, was mich etwas gestört hat, war meine eigene Neugier. Ich wollte unbedingt wissen, was wahr und was erfunden ist. Am Ende steht ein tolles Nachwort des Autors, das absolut lesenswert ist, weil so viele Hintergrundinformationen gegeben werden. Man hat das Gefühl, dass hier richtig gut recherchiert wurde, sollte sich aber gedulden.

An jedem Kapitelbeginn steht ein einleitendes Zitat, meist aus der heutigen Zeit. Die Zitate sind gut gewählt und passen sich schön in die Geschichte ein.

Fazit: 5 Sterne ist mir dieses Lesevergnügen wert, dass ich wirklich sehr gerne weiterempfehlen möchte. „Die letzten Tage der Nacht“ ist ein Roman, der durch gute Recherche und einen tollen Erzählstil besticht.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Hat mich nicht überzeugt

Bourbon Kings
2 0

Die Bradford Company produziert Bourbon. Die Familie lebt in großem Luxus und da passt es natürlich nicht, wenn sich der Sohn Lane in die Gärtnerin verliebt. Vor über 2 Jahren war das und Lane hat trotzdem ...

Die Bradford Company produziert Bourbon. Die Familie lebt in großem Luxus und da passt es natürlich nicht, wenn sich der Sohn Lane in die Gärtnerin verliebt. Vor über 2 Jahren war das und Lane hat trotzdem eine andere Frau geheiratet. Doch er liebt weiterhin die Gärtnerin Lizzie. Als er zurückkommt, möchte er die Dinge klären und seine Liebe zurück erobern. Die Planungen für ein großes Fest sind auf dem Anwesen in vollem Gange, doch irgendetwas stimmt nicht. Was verbirgt der Vater? Warum ist der große Bruder Edward nicht mehr im Unternehmen tätig? Und die Schwester Gin muss sich auch entscheiden, ob sie ihrem Vater gehorcht oder eigene Wege geht…

Im Buch überschlagen sich die Ereignisse. Es gibt viele Charaktere und viel Handlung. Schon bald wird dem Leser klar, dass nicht alles in dem 1. Teil aufgeklärt werden kann. Es wird viel angerissen und zu Beginn ist es schwer zu folgen, da es viele Personen gibt. Ich persönlich mag Bücher mehr, wo einen roten Faden haben und nicht zu sehr zwischen den einzelnen Personen hin- und herspringen. Der Fokus liegt zwar auf Lane und Lizzie, aber die Probleme aller anderen Geschwister werden auch thematisiert. Ich wurde nicht richtig warm mit den einzelnen Charakteren, einzig Miss Aurora konnte mein Herz gewinnen.

Das Buch erinnerte mich an Vorabendserien, bei denen auch jede Figur verschiedenste Probleme haben muss um interessant zu sein. Die Geschichte an sich ist schon interessant, mir gefällt eher die Erzählform nicht.

Die Übersetzung lässt leider etwas zu wünschen übrig. Ich glaube nicht, dass auf einem Gestüt der Mist auf den Komposthaufen gefahren wird. Ich habe auch nicht wirklich den Eindruck, dass die Autorin/Übersetzer Recherche zu den Themen Bourbon und Pferdehaltung betrieben hat. Man hat bei der Schilderung der Bourbonproduktion eher das Gefühl einen Wikipedia- Artikel zu lesen als von tatsächlichen Eindrücken.

Fazit: 2 von 5 Sternen, da mir einfach zu viel passiert und zu wenig Zeit für die einzelnen Personen bleibt. Außerdem ist mir die Geschichte zu wenig abgeschlossen, alle Fäden bleiben offen. Leider sind mir die Personen dann aber zu wenig ans Herz gewachsen, als dass ich die weiteren Teile lesen möchte.

Veröffentlicht am 04.03.2019

Familie Koch nach dem 2. Weltkrieg

Café Engel
1 0

Das Café Engel in Wiesbaden ist der Anlaufpunkt für Künstler. Während des zweiten Weltkriegs muss es geschlossen werden. Aber danach öffnen es die Frauen wieder und warten auf die Rückkehr vom Rest der ...

Das Café Engel in Wiesbaden ist der Anlaufpunkt für Künstler. Während des zweiten Weltkriegs muss es geschlossen werden. Aber danach öffnen es die Frauen wieder und warten auf die Rückkehr vom Rest der Familie Koch.

Die Geschichte wird immer im Wechsel verschiedener Personen erzählt. Der Klappentext ist da etwas irreführend. Es geht eben nur teilweise um Luisa und Hilde.
Die erste Hälfte hat mir gut gefallen. Die Personen sind sympathisch und man hofft mit ihnen. Doch leider sind die Personen dann später im Buch nicht mehr so nett und sympathisch. Man ärgert sich über sie. Und das Ende kommt mir dann arg glatt gebügelt auf Happy Ende daher ( natürlich an Weihnachten).

Mich hat das Buch insgesamt nicht so begeistert, dass ich die Fortsetzung lesen möchte. Ich bin sowieso kein großer Fan von Mehrteilern. Aber wenigstens ist die Geschichte für mich so abgeschlossen, dass ich damit gut leben kann. Die einzige Person, die ich noch gern näher kennengelernt hätte, ist nicht sicher Teil der Fortsetzung.

Ich vergebe 3 Sterne wegen der guten Recherchen und den Teilen über die Kriegsgefangenschaft.