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Veröffentlicht am 01.07.2022

Über die Liebe, das Leben, den Tod und das Loslassen

Der Tod, der mal vom Leben träumte
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Nepomuk ist ein Jahrtausende alter Todesdiener des Kollektivs und tötet Menschen, deren Zeit gekommen ist. Aus Gründen des Selbstschutzes hält er emotionale Distanz zu den „Objekten“, deren Leben er beendet ...

Nepomuk ist ein Jahrtausende alter Todesdiener des Kollektivs und tötet Menschen, deren Zeit gekommen ist. Aus Gründen des Selbstschutzes hält er emotionale Distanz zu den „Objekten“, deren Leben er beendet und hat kein Verständnis für das Verhalten, die Hoffnungen und Ängste der Menschen.
Als er in der Onkologie auf Isabel trifft und er nicht mehr aufhören kann, an sie zu denken und bisher ungekannte Gefühle entstehen, ändert sich für ihn alles.

Die Geschichte wird aus Nepomuks Ich-Perspektive erzählt, der Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen, lebendig, bildhaft und humorvoll, auch witzig, da Nepomuk die Menschen sozusagen von außen betrachtet. Je mehr er eigene Emotionen zulässt, umso nachdenklicher und verständnisvoller wird er den Menschen gegenüber. Die Liebe zu Isabel lässt Nepomuk tatsächlich menschlich werden. Diese Figurenentwicklung wird von Lisa Maria Olszakiewiecz glaubhaft und in die Tiefe gehend geschildert, wie auch die anderen Charaktere authentisch erscheinen, auch auf Grund von Nepomuks feiner Beobachtungsgabe.

Die fantastische Geschichte ist in sich logisch aufgebaut und thematisiert auch die Entstehung des Kollektivs und die Grundlage seiner Arbeitsweise, den Sinn von Bestattungen und die Bedeutung von Familie und Freunden, die in der Trauer Halt und Unterstützung geben. In die packende Erzählung fließen berührende Gedanken der Autorin ein zum Menschsein, zur Liebe, zum Loslassen und der Notwendigkeit des Todes, unterhaltsam, einfallsreich und mit leichter Hand geschrieben.

Meine Aufmerksamkeit hat zuerst das bezaubernde Cover erregt, es passt mit seiner Gestaltung ausgezeichnet zum Buch und gefällt mir ebenso gut wie der ganze Roman. „Der Tod, der mal vom Leben träumte“ hat mich berührt, beeindruckt und auch sehr gut unterhalten. Ich empfehle das Buch jedem Leser von humorvoller Fantasy mit Tiefgang.

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Veröffentlicht am 29.06.2022

Enttäuschend

Als das Böse kam
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Das Cover mit dem einsamen Haus unter bedrohlich hohen dunklen Bäumen macht durch die unterschiedlichen Schrifttypen einen beunruhigenden Eindruck auf mich, es passt zum Buch.

Mutter, Vater und zwei ...

Das Cover mit dem einsamen Haus unter bedrohlich hohen dunklen Bäumen macht durch die unterschiedlichen Schrifttypen einen beunruhigenden Eindruck auf mich, es passt zum Buch.

Mutter, Vater und zwei heranwachsende Kinder führen ein einfaches Leben in völliger Isolation in den Wäldern einer kleinen Insel. Die 16-jährige Juno und ihr Bruder leben in ständiger Angst, Fremde könnten vom gegenüberliegenden Ufer kommen, um sich an der ganzen Familie für etwas zu rächen, was der Vater vor langer Zeit getan hat. Es gibt einen geheimen Schutzraum und regelmäßige Übungen „für den Ernstfall“. Außerdem gibt es 7 strenge Gebote der Eltern einzuhalten.

Die sechzehnjährige, noch recht kindliche Juno ist die Ich-Erzählerin der Geschichte, dementsprechend ist der Schreibstil einfach. Juno erscheint naiv, ist aber auch neugierig auf die Welt am anderen Seeufer und beginnt, ihr Leben auf der Insel zu hinterfragen.
Der Figurenzeichnung der Charaktere bleibt durchgehend schwach, während ansprechende Naturbeschreibungen der Insel das Leben in den Wäldern greifbarer machen.
Die langsam entstehende Spannung flacht wieder ab, nachdem Juno herausfindet, wieso die Kinder so versteckt leben müssen. Die Handlung entwickelt sich nur wenig packend, ich wartete vergeblich auf überraschende Wendungen.
Die unerwartet actionreiche Auflösung lässt mich mit einigen Fragen zurück, die auch im epilogartigen letzten Kapitel nicht beantwortet werden.

Der Geschichte liegt eine gute Idee zugrunde, sie weist jedoch einige Logikfehler auf und schöpft durchaus vorhandenes Potential nicht aus.

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Veröffentlicht am 26.06.2022

Ein überzeugendes Debüt - spannend, überraschend und aktuell

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. (Die Emer-Murphy-Serie 1)
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Kurz nachdem die berühmte Influencerin Lotte Wiig ein Bild ihrer zweijährigen Tochter Poppy vor dem Haus der Großeltern gepostet hat, verschwindet das Kind. Die Entführung erschüttert ganz Norwegen, jeder ...

Kurz nachdem die berühmte Influencerin Lotte Wiig ein Bild ihrer zweijährigen Tochter Poppy vor dem Haus der Großeltern gepostet hat, verschwindet das Kind. Die Entführung erschüttert ganz Norwegen, jeder kennt Poppy und viele Millionen folgen dem Blog, in dem das Leben von Mutter und Kind, durch den Vater inszeniert, in der Öffentlichkeit stattfindet. Poppys Vermarktung sichert den Lebensunterhalt der Familie.
Kommissarin Emer Murphy, gerade nach 6 Wochen in der Psychiatrie wieder zu Hause und krankgeschrieben, setzt eigenmächtig die verschriebenen Psychopharmaka ab und bringt sich in die Ermittlungen ein, der Fall berührt sie im Innersten.

Von Anfang an herrscht eine unterschwellige Spannung, es gibt Geheimnisse in Lottes Vergangenheit, die zuerst nur angedeutet werden, erst später wird eine erschütternde Wahrheit offenbar. Auch die polizeilichen Ermittlungen verlaufen spannend, Emer arbeitet sehr intuitiv, vertieft sich völlig in den Fall und bringt sich dadurch mehr als einmal an den Rand des Zusammenbruchs, von den nicht eingenommenen Medikamenten ganz abgesehen. Sie ist für mich die faszinierendste Figur des Buchs.

Alle Protagonisten sind interessante Charaktere und werden authentisch und glaubwürdig beschrieben, das Verhältnis von polizeilichen Ermittlungen und privaten Hintergründen ist ausgewogen. Perspektivwechsel und viele Wendungen der Geschichte halten den Spannungsbogen durchgehend hoch, passend eingestreute Twittermeldungen und Forenbeiträge fügen weitere Perspektiven bei.

Das Cover ist außergewöhnlich und erst auf den zweiten Blick ist das Genre zu erkennen, das finde ich sehr gut gemacht. Kristine Getz' Schreibstil ist klar und einfach, aber auch lebendig und bildhaft und sehr angenehm zu lesen. Mit „Poppy“ ist ihr ein überzeugender Debütroman gelungen.

Neben Social Media spielen auch andere aktuelle Themen wie Pädophilie eine Rolle. Der Thriller bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern vermittelt auch Denkanstöße. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es jedem Leser von Spannungsliteratur mit aktuellem gesellschaftlichem Bezug empfehlen.

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Veröffentlicht am 26.06.2022

Spannende Reise in die Vergangenheit

Der Unbekannte
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Nathaniel, seit dem 11. Lebensjahr erblindet, beschließt, sich seiner traumatischen Vergangenheit zu stellen. Er hat keine Erinnerung an den Mord an seiner Familie, den nur er schwer verletzt überlebte. ...

Nathaniel, seit dem 11. Lebensjahr erblindet, beschließt, sich seiner traumatischen Vergangenheit zu stellen. Er hat keine Erinnerung an den Mord an seiner Familie, den nur er schwer verletzt überlebte. Bei der Polizei ist seine Fallakte nach fast 30 Jahren nicht mehr auffindbar und Milla, eine befreundete Journalistin, muss sich um eigene und familiäre Probleme kümmern, mit denen sich nach kurzer Zeit auch ihr Lebensgefährte Sandro von der Kantonspolizei Bern beschäftigen muss. Also stellt Nathaniel vorerst auf sich allein gestellt Ermittlungen an.

Alle Protagonisten werden kurz vorgestellt, so dass sich auch ein Neueinsteiger in die Reihe zurecht finden kann, denke ich, wobei man aber an der Entwicklung der Charaktere sicherlich mehr Spaß hat, wenn man auch zumindest einen der Vorgängerbände gelesen hat. Die Autorin ist gerade in diesem Buch ihren Figuren sehr nah, sie sind alle interessante und besondere Charaktere, die einfühlsam und glaubhaft beschrieben werden. Christine Brands Schreibstil ist lebendig und fesselnd, gleichzeitig auch humorvoll, sogar Situationskomik kommt in einzelnen Szenen auf. Für Spannung sorgen auch die Cliffhanger am Ende der Kapitel und die wechselnden Perspektiven. Die dramatische Geschichte überrascht mit vielen Wendungen, es gibt aber auch unüberlegte Aktionen, die für einen beeinträchtigten Menschen wie Nathaniel gefährlich sind, es werden nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und auch glückliche Zufälle gibt es viele.

Mir ist eine zeitliche Unstimmigkeit hinsichtlich der Ereignisse 1992 aufgefallen, so etwas finde ich ärgerlich, das hätte auch das Lektorat finden müssen.

Die Autorin hat verschiedene Themen in der Geschichte verarbeitet und auch wenn jedes davon einen wahren Hintergrund hat, war mir der Thriller fast schon überfrachtet. Doch am Schluss vereinen sich die Erzählstränge zu einem runden Ende und der Epilog hat bei mir noch für ein überraschtes Grinsen gesorgt.

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Veröffentlicht am 21.06.2022

Intelligente und spannende Science-Fiction

Cybionic – Der unabwendbare Anfang
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In diesem Sci-Fi-Tech-Thriller begleitet der Leser Sala auf der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Schwester. Die hochbegabte Informatikstudentin hat zuletzt über künstliche Intelligenz und selbstlernende ...

In diesem Sci-Fi-Tech-Thriller begleitet der Leser Sala auf der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Schwester. Die hochbegabte Informatikstudentin hat zuletzt über künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen geforscht.

Bei Einblicken in sein Studentenleben und Salas Suche quer durch die Stadt entsteht ein authentisches Berlin-Gefühl, und ebenso sind die technischen Beschreibungen sehr gut und glaubhaft recherchiert. Die Entwicklung der Algorithmen von der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis heute hat mich fasziniert.
Spannung ist von Anfang an da und wird immer weiter aufgebaut. Dazu trägt auch eine zweite, zunächst mysteriöse Erzählperspektive bei. Zu Beginn findet Sala nur häppchenweise Informationen. Großartig, wie es Meike Eggers gelingt, ausgehend nur von Ellas Foto und ihrem Wohnhaus, ein Rätsel zu entwickeln, wobei Sala sich beobachtet und zunehmend bedroht fühlt, je mehr er herausfindet.

Theoretische und technische Einzelheiten zu künstlicher Intelligenz werden auch für den Laien verständlich und mit scheinbarer Leichtigkeit erklärt und bringen die Handlung voran und ein lebendiger, angenehm zu lesender Schreibstil lässt im Kopf des Lesers Bilder entstehen. Um so bedauerlicher ist es, dass bei den Protagonisten keinerlei Emotionen geschildert werden, so dass vom Leser eine Beziehung zu den Charakteren nicht aufgebaut wird. Merkwürdigerweise werden Gefühle nur beim Antagonisten Steve beschrieben, der Menschen verachtet und nur „seiner“ KI zugetan ist und dabei Grenzen überschreitet.

Meike Eggers wirft in ihrem Buch nicht nur zukunftsgerichtete Fragen auf wie die nach einer vielleicht unaufhaltsamen Symbiogenese zwischen Mensch und selbstlernendem Algorithmus, sondern stellt auch ethische Fragen, z.B. wo ist der Sitz der Seele, was ist das Bewusstsein und gibt es ein Weltbewusstsein.

Titel (eine gelungene Wortschöpfung!) und Cover mit angedeutetem Schaltplan globaler Vernetzung und, im Dunklen kaum zu erkennen, dem Berliner Fernsehturm, sind sehr gut gewählt und gefallen mir.
„Cybionic – Der unabwendbare Anfang“ ist der erste Teil einer Trilogie, und hat ein nicht ganz rundes Ende, einige Entwicklungen werden nicht abgeschlossen. Dennoch hat das Buch mich bestens unterhalten und mir viel zu denken gegeben, und ich freue mich auf den Folgeband.

Ich vergebe 4,5 Sterne.

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