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Veröffentlicht am 11.12.2023

Veränderungen

Zwischen Herzklopfen und Schneegestöber
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Marie, Paartherapeutin und ihr Mann Julius, Zahnarzt, leben seit fast einem Jahr getrennt, seit seine Affäre mit Assistentin Cheyenne aufgeflogen ist. Wie immer um die Weihnachtszeit, unterstützt Marie ...

Marie, Paartherapeutin und ihr Mann Julius, Zahnarzt, leben seit fast einem Jahr getrennt, seit seine Affäre mit Assistentin Cheyenne aufgeflogen ist. Wie immer um die Weihnachtszeit, unterstützt Marie nun ihre Schwester Lina am elterlichen Lindenhof auf Fehmarn, wo Zimmer vermietet und Gäste bewirtet werden. Kann sie sich hier auf ihr eigenes Leben konzentrieren und herausfinden, was sie sich für die Zukunft wünscht?

Humorvoll geht Autorin Rebecca Schulz an diese Geschichte heran, stellt Marie in ihrer Aufgabe als Paartherapeutin sehr lebensnah dar und präsentiert uns eine sympathische 45jährige, die vor Weihnachten mit giftgrünen und knallroten Smoothies ihr Gewicht kontrolliert. Die Sitzungen mit ihren Klienten entbehren nicht einer gewissen Komik, ob es in der Realität ähnlich zugeht? Und bald schon befinden wir uns im Norden, wo eine Paartherapeutin, ein Scheidungsanwalt, ein Zahnarzt und seine Assistentin aufeinandertreffen. Flucht ist unmöglich, da es über Nacht alles zugeschneit hat. Die Begegnungen sind unterhaltsam geschildert, Julius hegt noch Gefühle für seine Marie und reagiert eifersüchtig auf den Anwalt Tom und Cheyenne sucht nach Aufmerksamkeit, welche ihr ihrer Ansicht nach zusteht. Die Figuren sind zwar nicht tiefgehend, aber doch fürs Verständnis ausreichend charakterisiert, insbesondere Opa und Oma Moormann sorgen für beste Unterhaltung. Als Kulisse dient das winterliche Fehmarn, was gut passt und nicht zuletzt sorgen Alpakas und Schwarznasenschafe am Bauernhof für ein stimmungsvolles Flair. Nicht immer benehmen sich alle so, wie man es von Erwachsenen erwarten sollte, und das Knistern zwischen den Verliebten könnte spürbarer sein, aber das Wesentliche, das man von solch einem Roman erwarten darf, nämlich Abschweifen vom Alltag und erfrischende Szenen, das bietet dieses Buch allemal. Vor allem der flüssige Schreibstil nimmt den Leser durch alle Hochs und Tiefs der Geschichte gut mit.

„Konstant ist nur die Veränderung“, das erkennt Marie und besinnt sich neu darauf, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt – mit einem Zahnarzt, mit einem Scheidungsanwalt oder vielleicht ganz anders? Lest selbst, wie es Marie auf Fehmarn ergeht und wofür sie sich entscheidet! Ein wenig mehr Tiefe wäre schön gewesen, trotzdem hat mich „Zwischen Herzklopfen und Schneegestöber“ gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 07.12.2023

Todesurteil

VITA
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Gegen die Todesstrafe setzt sich Staatsanwältin Justine Callaghan (welch bezeichnender Name!) in jungen Jahren ein. In einer Phase persönlicher Belastung spricht sie allerdings später selbst ein einziges ...

Gegen die Todesstrafe setzt sich Staatsanwältin Justine Callaghan (welch bezeichnender Name!) in jungen Jahren ein. In einer Phase persönlicher Belastung spricht sie allerdings später selbst ein einziges Mal ein Todesurteil aus, obwohl sie weiß, dass sie persönlich mit ihrem Tod bezahlen muss, sollte sich das Urteil als falsch herausstellen. Und tatsächlich taucht Jahre später ein Beweismittel auf, das die Unschuld des Getöteten beweisen könnte. Justine steckt in einer Zwickmühle.

Vom Schreibstil eher nüchtern gehalten, präsentiert sich dieser Roman rund um das Thema Justiz und Bestrafung von Schwerverbrechern, Justine berichtet aus ihrer Sicht der Dinge in der Ich-Form, dazwischen spricht Insasse 39384 aus dem Todestrakt zum Leser. Einige Rückblenden und Gedanken an Justines Studentenzeit erklären, warum diese zu ihrer Überzeugung gelangt ist, dass die Todesstrafe, wenn schon nicht verboten, dann zumindest so selten wie möglich verhängt werden soll, der Rest der Handlung spielt in der Gegenwart und wird entsprechend in der Zeitform der Präsens geschildert. Trotz der sachlichen Erzählweise kann Christina Dalcher den Leser fesseln und dessen Gefühlsebene gut erreichen, bei manchen Szenen spürt man die sprichwörtliche Gänsehaut über den Körper laufen.

Auf faszinierende Weise entwickelt die Autorin ein juristisches Szenario vor dem Hintergrund der Rechtsprechung im US-Bundesstaat Virginia, wo die Todesstrafe zwar sehr selten, aber dennoch bisweilen ausgesprochen wird, allerdings unter dem Aspekt, dass derjenige selbst auf dem elektrischen Stuhl landet, der ein Fehlurteil verkündet hat. Nun könnte unsere Hauptfigur genau in dieses Dilemma schlittern, das sie selbst einige Jahre zuvor noch mitentwickelt hat. Großartig zeigt Dalcher, wie die erfahrene Staatsanwältin mit diesem Fall umgeht, wie sie dieses Problem lösen möchte. Auch wenn dem Leser vielleicht nicht jeder einzelne Handlungsschritt logisch erscheint, so muss man sich doch diese ganz spezielle Situation vor Augen halten, ich jedenfalls wüsste nicht, wie mit solch einer Zwangslage umzugehen wäre. In diesem Sinne kann ich Justines Vorgehensweise voll und ganz verstehen, das Ende, das nicht jede einzelne Frage abschließend beantwortet, passt perfekt zu diesem wunderbaren Gedankenspiel.

Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit - beste Unterhaltung mit einem eher ungewöhnlichen Thema bietet dieser Roman, berührende und erschütternde Szenen bleiben nicht aus, sodass man schnell mit verschiedenen Figuren mitfiebern muss. Ich spreche jedenfalls eine Leseempfehlung aus, insbesondere für jene, die sich für Rechtsprechung und deren Tücken interessieren.

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Veröffentlicht am 04.12.2023

Mystisches Kloster

Das Buch Eva
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Zur Zeit der Renaissance: Beatrice ist Bibliothekarin in einem italienischen Kloster, jede Minute, ob Arbeit oder Freizeit, verbringt die junge Frau umgeben von Büchern, den Mitschwestern geht sie eher ...

Zur Zeit der Renaissance: Beatrice ist Bibliothekarin in einem italienischen Kloster, jede Minute, ob Arbeit oder Freizeit, verbringt die junge Frau umgeben von Büchern, den Mitschwestern geht sie eher aus dem Weg. Als zwei Frauen hinter den geheiligten Mauern Zuflucht suchen, gelangt Beatrice in den Besitz des Buches Eva, eines geheimnisvollen Werkes mit mystischem Eigenleben. Gleichzeitig wird der ketzerische Text bereits von Inquisitoren gesucht.

Ein überaus ansprechendes Titelbild und ein Klappentext, der Neugierde weckt – so bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Der Beginn liest sich spannend, der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Bald jedoch wird die Handlung verwirrend und schwer nachvollziehbar. Die verschiedenen Schwestern im Nonnenhaus haben kein deutliches Profil, immer wieder schleichen sich Beatrices Gedanken und Erinnerungen an früher in die Handlung ein, sodass man mitunter nicht weiß, wo man gerade ist. Aus der Stiefmutter wird bisweilen eine Schwiegermutter, möglicherweise hat mich aber auch die Langatmigkeit mancher Szenen benebelt oder ich habe schlicht einen wichtigen Hinweis übersehen. Echte Spannung kommt bei mir nicht auf, die mystischen Elemente tragen nicht zum Erkenntnisgewinn bei.

Leider konnte mich diese Geschichte nicht in ihren Bann ziehen und fesseln, obwohl ich Historische Romane sehr gerne lese. Das ist allerdings mein ganz persönlicher Eindruck. Neugierige Leser sind eingeladen, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Veröffentlicht am 03.12.2023

Adventmarkt mit Leiche

Ausgstochen
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Ein weiteres Mal geht es mit dem Klub der Grünen Daumen ins Burgenland. Am hiesigen Adventmarkt liegt bei der Eröffnung ein Mensch zwischen den Kufen des Pferdeschlittens, ein Mensch, der aber nicht mehr ...

Ein weiteres Mal geht es mit dem Klub der Grünen Daumen ins Burgenland. Am hiesigen Adventmarkt liegt bei der Eröffnung ein Mensch zwischen den Kufen des Pferdeschlittens, ein Mensch, der aber nicht mehr aufstehen wird, denn der Mann ist tot. Auf die beiden Polizisten Marlies und Franz warten turbulente Ermittlungen zwischen Punschstand und Weihnachtskeksen.

Verliebte Internet-Nachrichten von Patrick eröffnen den Prolog, dann wird auch schon das Weihnachtsdorf aufgebaut und die Leiche eines wichtigen Mannes im Ort präsentiert. Das Rätselraten von Polizei und gar nicht so amateurhaftem Gartenklub kann beginnen. Locker und humorvoll, mit einem gerüttelt Maß an südburgenländischen Redewendungen und mundartlichen Sätzen, geht es mit Marlies und Franz, Johanna und Vera und vielen anderen (aus früheren Bänden) liebgewonnenen Figuren durch die verschneite Vorweihnachtszeit. Hier scheint die Zeit stillzustehen, da ist die Angetraute des Bürgermeisters noch die „Frau Bürgermeister“, Homosexuelle werden enterbt und beim Wort Plattform denkt man an einen Aussichtspunkt am Csaterberg und nicht an eine Partnervermittlung. Auch wenn bisweilen gar nicht so viel passiert, so unterhält dieser Kriminalroman den Leser durchgehend kurzweilig und strapaziert nicht nur einmal dessen Lachmuskeln. Martina Parker gelingt es prächtig, das bodenständige Flair von Österreichs östlichstem Bundesland einzufangen und das Geschehen höchst lebendig darzustellen. Ihre Figuren sind ausgezeichnet charakterisiert, zuweilen fühlt man sich selbst in eine Runde am Punschstand oder in den Gartentreff hineinversetzt. Allerlei Bräuche rund um Weihnachten lassen die richtige Stimmung aufkommen und der Mörder wird schlussendlich auch noch entlarvt.

Perfekt für die Adventzeit, sowie als wunderbares Weihnachtsgeschenk eignet sich dieser mitreißende Gartenkrimi Numero Vier, den ich allen Freuden von Regionalkrimis und schrägem Humor nur wärmstens mit einem Glaserl Uhudlerglühwein empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 02.12.2023

Stillleben

Reichenburg
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In der schweizerischen March im Kanton Schwyz werden vier bestialisch zugerichtete männliche Leichen in einer abgelegenen Villa aufgefunden, zurückgelassen wie ein Stillleben. Worauf könnte dieses Arrangement ...

In der schweizerischen March im Kanton Schwyz werden vier bestialisch zugerichtete männliche Leichen in einer abgelegenen Villa aufgefunden, zurückgelassen wie ein Stillleben. Worauf könnte dieses Arrangement hinweisen? Gibt es gar eine Verbindung zur griechischen Mythologie?

Mit einem beklemmenden Prolog beginnt dieser Kriminalroman, dessen Handlung streckenweise recht brutale Bilder zutage bringt. Die weiteren Kapitel geben einen sehr detailliert und ausgezeichnet konzipierten Einblick in die Abgründe menschlicher Wesen, welche man kaum zu glauben vermag. Das Ermittlerteam stellt Überlegungen in verschiedenste Richtungen an, kommt allerdings kaum vorwärts. Da verschwinden auch noch drei Personen aus derselben Gegend. Zufall? Valerie kann es kaum glauben, denn die statistische Häufung ist für dieses Gebiet signifikant.

Stilistisch überaus ansprechend, mit regionalen Begriffen, welche mir als Ostösterreicherin fremd sind, fesselt Götschi den Leser vom ersten bis zum letzten Satz. Das Geschehen ist außergewöhnlich, mögliche Motive und Täter müssen genau hinterfragt werden, unter den Verdächtigen herrscht Stillschweigen. Lange Zeit sieht es so aus, als könnte dieser Fall nicht gelöst werden, die Wendung am Ende kommt – natürlich – überraschend.

Ich denke, dass das Ganze noch ein klein wenig spannender ist, wenn man Valerie Lehmanns Vergangenheit kennt, aber auch so gibt es genug Hinweise, um ihrer persönlichen Geschichte folgen zu können. Der Kriminalfall ist abgeschlossen, die letzte Szene weckt jedoch Neugierde auf die Fortsetzung. Da bin ich gerne wieder dabei!


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