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Veröffentlicht am 18.04.2017

Original und Fälschung

Das letzte Bild der Sara de Vos
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Der Roman “Das letzte Bild der Sara de Vos“ (“The Last Painting of Sara de Vos“) spielt auf drei Zeitebenen – 1637, 1957 und 2000) und an drei Schauplätzen – Amsterdam. Manhattan und Sidney . Dem reichen ...

Der Roman “Das letzte Bild der Sara de Vos“ (“The Last Painting of Sara de Vos“) spielt auf drei Zeitebenen – 1637, 1957 und 2000) und an drei Schauplätzen – Amsterdam. Manhattan und Sidney . Dem reichen Patentanwalt Marty de Groot wird während einer Wohltätigkeitsveranstaltung in seinem Loft das Gemälde “Am Saum eines Waldes“ aus dem Schlafzimmer gestohlen. Das Bild befand sich seit drei Jahrhunderten im Besitz der Familie de Groot. Als Marty nach einigen Monaten den Diebstahl bemerkt, weil der Rahmen der nahezu perfekten Fälschung anders aussieht, empfindet er zunächst Erleichterung, war er doch über all die Jahre davon überzeugt, dass auf dem Bild ein Fluch liegt. Generationen von de Groots wurden von diversen schweren Krankheiten geplagt, und keiner wurde älter als 60. Später wird er jedoch sehr wütend, weil man ihm etwas so Wertvolles weggenommen hat und engagiert einen Privatdetektiv. Der findet bei seinen Recherchen bald einen dubiosen Kunsthändler und die Kunststudentin Ellie Shipley, die für ihn Bilder restauriert. Sie wurde unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dafür engagiert, dass Bild zu kopieren und begreift erst viel später, dass sie sich mit der Anfertigung einer Fälschung strafbar gemacht hat. Marty nimmt unter falschem Namen Kontakt zu ihr auf und lässt sich bei Auktionen von ihr beraten. Ellie Shipleys Spezialgebiet sind die holländischen Malerinnen des 17. Jahrhunderts, speziell Sara de Vos, von der zunächst nur das eine Gemälde bekannt ist. Mehr als 40 Jahre später werden sich die Beiden in Sidney wiedersehen, wo Shipley Kuratorin einer Ausstellung mit Gemälden des holländischen Goldenen Zeitalters ist. “Am Saum eines Waldes“ wird zweimal vertreten sein, als Original und als Fälschung. Marty de Groot reist mit seinem Bild dorthin, und ein Museum in Leiden schickt zwei Leihgaben, u.a. ein bisher unbekanntes Gemälde von Sara de Vos. Ellie Shipley wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihr ganzes Leben war überschattet von der einen schlimmen Tat. Reue und Schuldgefühle haben sie nie verlassen. Das hat sie mit Marty gemeinsam, der ebenfalls zutiefst bereut, was er ihr vierzig Jahre zuvor angetan hat. Er ist inzwischen 82 Jahre alt, Ellie in den 60ern. Es ist Zeit, die alte Geschichte zum Abschluss zu bringen.
In seinem kunstvoll komponierten Roman erzählt Smith eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Schuld und Reue und von den Veränderungen, die große Kunst beim Betrachter bewirkt. Er beweist viel Sachkenntnis, wenn er den Leser in die Malerei des 17. Jahrhunderts einführt, wenn er detailliert beschreibt, wie Leinwände vorbereitet, Farben hergestellt und aufgetragen werden, wie schichtweise ein Wunder aus Farben und Licht entsteht. Er zeigt aber auch, wie der Wert einzigartiger Kunst Begehrlichkeiten weckt und Kriminelle anzieht. Besonders berührt hat mich die Geschichte der fiktiven Malerin Sara de Vos, für die der Autor die Biografien mehrerer Malerinnen aus der Zeit ausgewertet hat. An ihrem Beispiel zeigt er, wie schwierig es war, in die berühmte Gilde aufgenommen zu werden und von der Kunst zu leben. Saras geliebte Tochter Kathrijn stirbt innerhalb von vier Tagen an der Pest. Darauf folgt der finanzielle Ruin und das Zerbrechen ihrer Ehe mit dem hochverschuldeten Ehemann Barent. Mit dem ebenfalls fiktiven Gemälde “Am Saum eines Waldes“ erschafft die Künstlerin überwältigende Schönheit aus tiefstem Schmerz. Auch sprachlich-stilistisch ist der Roman sehr gut gelungen und fesselt den Leser trotz oder gerade wegen der detaillierten Ausführungen zu Malerei und Zeitgeschichte. Ich fand den Roman außerordentlich faszinierend.

Veröffentlicht am 09.04.2017

Sieg der Liebe

Mit jedem Jahr
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In seinem neuen Roman “Mit jedem Jahr“ erzählt Simon Van Booy die Geschichte eines kleinen Mädchens, das mit 6 Jahren seine Eltern durch einen Unfall verliert und nur noch einen lebenden Verwandten hat: ...

In seinem neuen Roman “Mit jedem Jahr“ erzählt Simon Van Booy die Geschichte eines kleinen Mädchens, das mit 6 Jahren seine Eltern durch einen Unfall verliert und nur noch einen lebenden Verwandten hat: seinen Onkel Jason. Jason hat jedoch zehn Jahre zuvor jeglichen Kontakt zu seiner Familie abgebrochen und scheint auf Grund seiner Vorgeschichte nicht gerade prädestiniert für eine Vormundschaft. Er hat eine Gefängnisstrafe verbüßt und neigt zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Er lebt in einem heruntergekommenen Haus, hat wenig Geld und trägt seit einem Motorradunfall eine Beinprothese. Dennoch hört sich Sozialarbeiterin Wanda an, was Harvey über ihren Onkel zu erzählen weiß und beschließt, Jason mit seiner Nichte zusammenzubringen. Sie verlässt sich auf ihre Intuition und Menschenkenntnis und verstößt gegen alle Vorschriften. Am Ende kann Jason das Kind adoptieren.
Jasons und Harveys Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. In zahlreichen Rückblenden erfährt der Leser, wie sich allmählich Zuneigung, dann Liebe zwischen den Beiden entwickelt, wie Jason lernt, seine impulsiven Handlungen zu beherrschen. Er bringt viele Opfer auch finanzieller Art. Harvey studiert erfolgreich an einer privaten Kunsthochschule. Jason besucht die 26jährige in Paris, wo sie bei einer Werbeagentur arbeitet. Zum Vatertag hat Harvey einen Geschenkkarton mit verschiedenen Gegenständen zusammengestellt, die jeweils an wichtige Ereignisse in ihrer Kindheit und Jugend erinnern. Jeden Tag ist ein Geschenk der Anlass, die dazugehörige Geschichte zu erzählen. Längst kennt der Leser auch Jasons Vergangenheit und empfindet Mitleid und tiefe Sympathie für einen Jungen, der seinen jüngeren Bruder Steve in der Schule vor Mitschülern und vor dem alkoholabhängigen brutalen Vater beschützte – wenn es sein musste, mit dem eigenen Körper und dessen schreckliche Kindheit der Grund war, warum sein eigenes Leben aus dem Ruder lief. Harvey hat ihm geholfen, sich seiner Vergangenheit zu stellen und als Erwachsener Wiedergutmachung zu leisten, um endlich Frieden zu finden.
Van Booy erzählt eine sehr berührende Geschichte und schafft dabei die Gratwanderung zwischen gefühlvoll und sentimental. Die Struktur des Romans ist nicht nur durch die fehlende Erzählkontinuität kompliziert, sondern auch dadurch, dass am Ende durch Harveys letztes Geschenk ein Geheimnis aufgedeckt wird, das nur der aufmerksame Leser in vollem Umfang versteht, nicht aber die Protagonisten. Dunkle Andeutungen in den ersten Kapiteln bereiten diese Enthüllung schlüssig vor, so dass es sich keineswegs um ein aufgesetztes, die Glaubwürdigkeit strapazierendes Ende handelt. Van Booy ist ein sehr schöner Roman über eine Vater-Tochter-Beziehung gelungen.

Veröffentlicht am 01.04.2017

Zerstörte Leben

Das zerstörte Leben des Wes Trench
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Tom Coopers Debütroman “Das zerstörte Leben des Wes Trench“ (Original: “The Marauders“) spielt in der fiktiven Stadt Jeanette in der Barataria in Louisiana. Wes Trench ist 17 Jahre alt und hat fünf Jahre ...

Tom Coopers Debütroman “Das zerstörte Leben des Wes Trench“ (Original: “The Marauders“) spielt in der fiktiven Stadt Jeanette in der Barataria in Louisiana. Wes Trench ist 17 Jahre alt und hat fünf Jahre zuvor durch den Hurrikan Katrina seine Mutter verloren, weil sein Vater Bob halsstarrig die wegen der höchsten Alarmstufe dringend notwendige Evakuierung ablehnte. Durch dieses Ereignis entfremden sich Vater und Sohn, bis ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Wes will wie sein Vater und Generationen vor ihm Shrimper werden, obwohl die Aussichten, mit der Krabbenfischerei seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, nicht gerade rosig sind. Hatten die Stürme die Region schon schwer geschädigt, gibt ihr die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 den Rest. Durch den Austritt von Hunderten von Millionen Litern Rohöl wurde das Wasser der Bucht verseucht und Menschen und Tieren schwerer Schaden zugefügt. Die Fischer können von ihrer Arbeit nicht mehr leben.
Kapitelweise wechselnd erzählt der Roman jedoch nicht nur die Geschichte von Wes Trench und seiner Familie, sondern auch von weiteren Personen aus dem Ort. Da ist der alte einarmige Fischer Gus Lindquist, der seit Jahrzehnten den Goldschatz des französischen Piraten Jean Lafitte sucht., außerdem die gefährlichen Toup-Zwillinge, die auf einer Insel eine Marihuana-Plantage betreiben und jeden töten, der ihre Geschäfte stört. Die Kleinkriminellen Hanson und Cosgrave rauben das Haus einer Witwe aus und stehlen säckeweise Gras von der Plantage. Brady Grimes arbeitet für BP. Sein Job ist es, den Leuten Unterschriften unter Verträge aufzuschwatzen, in denen sie nach Zahlung einer lächerlich geringen Summe auf weitere Forderungen verzichten.
Coopers Romanerstling liest sich sehr gut und besticht durch die atmosphärische Dichte und das gelungene Lokalkolorit: die lähmende Hitze, die einmalige Sumpflandschaft mit ihrer typischen Pflanzen- und Tierwelt inklusive Schlangen und riesigen Alligatoren. Er zeichnet das Bild einer Region, die durch Naturkatastrophen, aber auch durch die Hand des Menschen schwer geschädigt wurde. Der deutsche Titel ist hier insofern irreführend, als das Leben aller Menschen am Ort zerstört wird – am wenigsten das des jungen Wes, für den es noch Hoffnung gibt. Der Originaltitel “Marauders“ (Plünderer) scheint nur auf den ersten Blick unpassend, ist doch die wesentliche Antriebskraft vieler Figuren im Roman die Gier – nach Geld und Gold, nach Besitztümern und einem besseren Leben, nach Drogen und Öl. Dabei ist die Ölfirma BP, die durch Schlamperei und bewusst in Kauf genommene Sicherheitslücken die Existenzgrundlage einer ganzen Region vernichtet, der schlimmste Plünderer von allen.
Coopers Roman gehört innerhalb der amerikanischen Gegenwartsliteratur zum relativ neuen Genre des Country Noir, vertreten durch Autoren wie Joe R. Lansdale, Daniel Woodrell, Donald Ray Pollock, Madison Smartt Bell und andere. Sie beschreiben ein zurückgebliebenes, meist ländliches Amerika, in dem die Menschen in Armut und Verzweiflung leben, ohne Zukunftsperspektive, von der Realisierung des amerikanischen Traums ausgeschlossen. Der Ort Jeanette und die Figuren des Romans mögen fiktiv sein, die beschriebenen Katastrophen und ihre Auswirkungen sind es nicht. Vieles in diesem Roman ist so düster, dass der Leser sich gern bei einigen grotesken oder komischen Szenen erholt (“comic relief“), z.B. Linquists schalen Scherzen oder einem Alligator im Schlafzimmer. Mir hat dieses Buch sehr gefallen und ich hoffe auf weitere Romane des Autors.

Veröffentlicht am 19.03.2017

Eine letzte Chance für die Liebe

Unsere Seelen bei Nacht
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"Und dann kam der Tag, an dem Addie Moore bei Louis Waters klingelte." (S. 7) Mit diesem fast biblisch anmutenden Satz beginn Kent Harufs letzter, posthum erschienener Roman. Er suggeriert, dass etwas ...

"Und dann kam der Tag, an dem Addie Moore bei Louis Waters klingelte." (S. 7) Mit diesem fast biblisch anmutenden Satz beginn Kent Harufs letzter, posthum erschienener Roman. Er suggeriert, dass etwas zu einem Endpunkt gelangt, das zuvor begonnen hat. Addie Moore und Louis Waters sind zwei Senioren um die 70, die Jahre zuvor ihre Partner verloren haben und sehr einsam sind. Sie sind seit langer Zeit Nachbarn, kennen sich jedoch nicht besonders gut. Eines Tages macht Addie Louis eine Art Antrag. Sie fragt ihn, ob er ab und zu bei ihr übernachten könnte, weil sie sich einsam fühlt und schlecht schläft.“Die Nächte sind am schlimmsten.“ (S. 10) Es geht ihr nicht um Sex oder eine Liebesbeziehung, sondern um Nähe. Sie möchte, dass sie nachts miteinander reden. Louis sagt zu, hat aber größere Bedenken als Addie wegen des zu erwartenden Tratsches in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado.
Zwischen Addie und Louis entwickeln sich Freundschaft und Zuneigung, dann Liebe. Sie erzählen sich nächtelang ihr Leben, sprechen über Fehlschläge, Enttäuschungen und die großen Tragödien. Louis hat seine Ehe durch eine Affaire aufs Spiel gesetzt. Addie hat ihre kleine Tochter durch einen Unfall verloren, den ihr Sohn Gene mit verschuldet hat. Danach war nichts mehr wie zuvor. Ihr Mann Carl verhielt sich kalt und distanziert und konnte seinen Sohn nicht mehr lieben. Ihre gute Ehe war nur Fassade.
Addies und Louis´ Arrangement wird schwieriger, als Gene von seiner Frau verlassen wird und Addie den verstörten, von Albträumen geplagten 6jährigen Enkel bringt. Das späte Glück wird letztlich nicht durch kleinstädtische Engstirnigkeit gefährdet, sondern ausgerechnet durch den selbsternannten Moralapostel Gene, der um sein Erbe fürchtet und seine Mutter vor eine schwere Wahl stellt.
Der Roman zeigt, wie zwei Senioren sich mutig über kleinstädtische Vorstellungen von Anstand und Schicklichkeit hinwegsetzen und einen Weg aus der Einsamkeit in ein fragiles Glück finden. Die Sprache ist nüchtern und schnörkellos. Es gibt sehr viel Dialog, der nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet, aber dennoch problemlos verständlich ist. Haruf erzählt eine berührende, melancholische Geschichte, die auch deshalb so beeindruckt, weil sie das Vermächtnis eines sterbenden Autors ist. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 19.03.2017

Verlust der Unbeschwertheit

Die Zeit der Ruhelosen
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“Die Zeit der Ruhelosen“ (“L´Insouciance“) ist Karine Tuils zehnter Roman. Im Mittelpunkt stehen vier Personen, deren Wege sich schicksalhaft kreuzen. Francois Vély, ein schwerreicher Unternehmer mit ...

“Die Zeit der Ruhelosen“ (“L´Insouciance“) ist Karine Tuils zehnter Roman. Im Mittelpunkt stehen vier Personen, deren Wege sich schicksalhaft kreuzen. Francois Vély, ein schwerreicher Unternehmer mit jüdischen Wurzeln, ist seit kurzer Zeit mit der Journalistin Marion Decker verheiratet. Romain Roller ist Soldat. Er kehrt von einem Einsatz in Afghanistan zurück, bei dem er mit seiner Truppe in einen Hinterhalt der Taliban geriet und mehrere Männer verlor.Er kommt äußerlich unverletzt, jedoch schwer traumatisiert zurück. Osman Diboula entstammt einer Einwandererfamilie von der Elfenbeinküste. Er wuchs in Clichy-sous-Bois auf, einer Banlieue, die durch die schweren Krawalle von 2005 zu trauriger Berühmtheit gelangte. Osman Diboula war Sozialarbeiter und vermittelte erfolgreich in dem Konflikt. Er steigt daraufhin zum Berater des konservativen Präsidenten auf, wird aber ständig mit rassistischen Äußerungen konfrontiert. Dem schnellen Aufstieg folgt ein rapider Absturz. Auch alle anderen Personen geraten binnen kurzem in eine Abwärtsspirale, die ihre Existenz bedroht. Vély wird aufgrund eines Werbefotos in den sozialen Netzwerken und der Presse als Rassist verunglimpft, und antisemitische Beschimpfungen lassen nicht lang auf sich warten. Ausgerechnet Osman Diboula verteidigt ihn in einem vielbeachteten Zeitungsartikel und kehrt rehabilitiert in die Politik zurück. Marion Decker beginnt in einem Luxushotel auf Zypern eine Affaire mit Romain Roller. Ihre junge Ehe wurde durch den Selbstmord der Ex-Frau von Francois überschattet. Die vier Protagonisten treffen im Irak zusammen, wo sich die Dinge noch einmal dramatisch zuspitzen. Für alle geht es “abwärts, immer weiter abwärts.“ (S. 492)
Karine Tuil hat nahe an der gegenwärtigen Realität einen großen Gesellschaftsroman geschrieben, der zeigt, wie zerbrechlich unsere Existenz ist, wie flüchtig das Glück. Der Roman fängt besonders treffend die Situation in Frankreich ein. Dort ist die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, in oben und unten besonders krass. Herkunft und Identität sind von zentraler Bedeutung. Nur die Absolventen der Eliteschulen schaffen es in die höchsten Positionen der Macht. Die Bewohner der Banlieues bleiben in der Regel chancenlos. Die Vorstädte sind der sichtbare Beweis für eine gescheiterte Integrationspolitik und mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter den Jugendlichen eine Brutstätte für Kriminalität. Es ist kein Zufall, dass der IS hier erfolgreich Kämpfer rekrutiert.
Tuils Roman ist komplex und gut recherchiert, teilweise auf bekannten Fakten basierend und dennoch eine Fiktion. Er ist düster und voller Gewalt, lässt den Leser aber nicht ohne Hoffnung zurück. Trotz der uns auferlegten Prüfungen retten uns die Liebe, die Literatur und menschliche Beziehungen. Ein empfehlenswertes Buch – noch besser als die Vorgänger.