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Veröffentlicht am 28.03.2020

Eine Hommage an den Meister des Grauens, mit Humor

Friedhof der Krustentiere. Ein Küstenkrimi
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Dieser Titel ist Programm, denn ich empfinde ihn als Hommage an Stephen King und es ist nicht nur der Titel, der dem Meister des Horrors huldigt. Aber keine Sorge, auch wenn dieser Band deutlich gruseliger ...

Dieser Titel ist Programm, denn ich empfinde ihn als Hommage an Stephen King und es ist nicht nur der Titel, der dem Meister des Horrors huldigt. Aber keine Sorge, auch wenn dieser Band deutlich gruseliger als der vorherige war, ist es immer noch ein humorvoller Krimi gespickt mit skurillen Gestalten und friesischer Frische.

Halloween naht und Tadje, eine der Zwillingstöchter des inzwischen zum Polizeihauptmeister beförderten Thies Detlefsen macht ihr erforderliches Praktikum im frisch eröffneten Hotel auf der Hallig Westeroog. Der alte Kasten zieht, die Heizung streikt und wunderliche Dinge geschehen. Die ersten Gäste machen dort ein Seminar zum Thema „Hellsehen und Hellfühlen“ unter der Leitung der ehemaligen Schulelternvorsitzenden. Doch es sind die seltsamen Erscheinungen und die Geschichte dieses ehemaligen Kinderheimes, die Tadje einen Schauer über den Rücken jagen. Der Sohn des Eigentümers hat vor 42 Jahren dort seine Zwillingsschwestern ermordet. Aber auch an der Küste geht es nicht geruhsam zu. Eine Einbruchsserie verunsichert die Bewohner, der neue Starfriseur Eddi mit seinen scharfen Scheren bringt den Salon Alexandra zum Beben und Tante Telse ist mit dem gelobten Mustang des Schimmelreiters verschwunden. Bis beide gemeinsam im Watt wieder auftauchen, wobei der geflutete Oldtimer in besserem Zustand ist, als die ermordete Tante. So hatte sich Nicole Stappenbek ihre Rückkehr in die verschlafene Dorfwache nicht vorgestellt!

Es klingt absurd, übertrieben und nach jeder Menge uriger Gestalten, die man einfach ins Herz schließen muss, um mit ihnen über das Leben und seinen Lauf zu lachen. Ein aufziehender Herbststurm erhöht nicht nur die Schwierigkeiten der Ermittler immer und überall zugleich zu sein, er macht die Situation auch dramatischer und unheimlicher. Nachdem es im letzten Band der Reihe die Runde aus dem Imbiss nach Hamburg in die Großstadt verschlagen hat, sind nun fast alle wieder da wo sie hingehören und es gibt ein Wiederhören mit allen, die das fiktive Fredenbüll zu einem unvergesslich skurrilen Ort machen. Aber natürlich kommen auch ein paar neue, interessante Charaktere hinzu, sonst würde Fredenbüll bei der Anzahl der Leichen die Thies und Nicoles Weg pflastern, bald aussterben. Sehr charmant fand ich auch, dass ein Trauernder aus einem früheren Fall wieder die Bühne betritt und die Jugend zur Digitalisierung der Verwandschaft beitragen will. Denn neben den klassischen Gruselelementen aus Klassikern des Genres gibt es hier ein neues Grauen, das der Moderne, die omnipräsente Alexa, die ihren eigenen Kopf hat, sich bestens in der Fußballgeschichte auskennt, aber unbedingt den am Knie operrierten Piet Paulsen, zur Ernährungsumstellung bringen und vom Imbiss fernhalten will. Denn Alexa hört alles, aber eben nur, solange man in ihrer Nähe und nicht im Imbiss ist! Diese Idee finde ich eine lustige Ergänzung, Alexa als Onkelsitterin. Denn auch die Imbisstruppe wird nicht jünger, da wird man bisweilen zwangsdigitalisiert, oder doch nicht? Da Alexa in Fredenbüll steht, ist sie netterweise, genauso eigensinnig wie die übrigen Bewohner und nicht vorhersehbar. So kann man sich auch von diesem Küstenkrimi des Halloweengrauens, immer wieder erschaudernd überraschen lassen.

Nach zweifachem Sprecherwechsel und dem Ausscheiden von Hinnerk Schönemann und Bjarne Mädel liest nun der Autor seine ungekürzten Werke selbst. Klar, er weiß ja schließlich am Besten, wie er sich die Pointen gedacht hat, aber er versteht sie auch wirklich entsprechend zu lesen. Nicht immer sind die Autoren auch gute Sprecher, aber Krischan Koch, der eben neben Kurzfilmen, Filmkritiken und Krimischreiben auch Kabarett macht, kann es halt. Dabei finde ich es sehr positiv, dass ich anders als bei seinen Vorgängern, beim Klang seiner Stimme kein Gesicht vor meinem inneren Auge habe und so meiner Fantasie keine Grenzen bei der Visualisierung der bunt gewürften Truppe in Fredenbüll und auf Hallig Westeroog gesetzt sind. Pointiert, aburd und frischisch trocken, erweckt er diese Verbrechensserie des Grauens zum Leben.

Ich bin ja ein bekennender Fan von Tonträgern und die Hörbuchhülle ist wieder so toll gestaltet, dass sie einfach ein Gewinn ist, außerdem findet man auf ihr Rezepte aus der Geschichte. Wer diese liest wird feststellen, dass der Autor auch gerne kocht und zwar mit Gefühl. Die Rezepte sind also auch für Köche nach Gefühl, weil genaue Mengen- Zeit- und Temperaturangaben fehlen. Dadurch ist aber auch klar: Variieren nach eigenem Geschmack erwünscht!

Eine frech-fröhliche Hommage an Stephen King und andere Klassiker des Genres, eingebettet in die beliebte Küstenkrimireihe rund um Thies Detlefsen und die skurrilen Gestalten aus dem Imbiss „De hidde Kist“. Deutlich spannender und gruseliger als der Vorgänger, blitzt die gute Laune immer wieder durch, wie die Sonne in dem aufziehenden Herbststurm über Fredenbüll.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Einzigartig!

Hilfe, ein Spiegelbill
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Silas ist ein zehnjähriger zurückhaltender Junge. Seine Eltern sind beide Ärzte und haben sich entschlossen in diesen Sommerferien 6 Wochen für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten. In dieser Zeit soll er zu ...

Silas ist ein zehnjähriger zurückhaltender Junge. Seine Eltern sind beide Ärzte und haben sich entschlossen in diesen Sommerferien 6 Wochen für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten. In dieser Zeit soll er zu seiner Oma Heidi ans andere Ende der Stadt ziehen. Diese betreibt dort das urgemütliche „Café Spiegel“ dessen Wände jede Menge Spiegel zieren und wo es die besten Kuchen, Pfannkuchen und Waffeln gibt. Doch zu seinem Entsetzen muss er feststellen, dass Oma ihn für 6 Wochen Kinderferienbetreuung angemeldet hat, ganz alleine! Das macht ihm etwas Angst und er vermisst auch sehr seinen besten Freund Rocco, der mit seinen Eltern verreist ist. Der erste Tag verläuft auch ziemlich mäßig und die Aussicht auf den Nächsten macht ihn schon ein bißchen nervös. Da fällt sein Blick in den Spiegel und er stutzt! Sein Spiegelbild macht sich selbstständig! So lernt Silas seinen Spiegelbill Salis, seinen Begleiter in allen Lebenslagen kennen. Der findet Silas Leben viel zu öde und so beschließen sie für einen Tag zu tauschen. Silas zieht in die Spiegel-Kommandozetrale und beobachtet Salis an seiner Stelle im Feriencamp. Was er dort sieht, lässt ihn staunen!

Schüchterne Kinder haben es oft schwer und wünschen sich oftmals mutiger zu sein, einen Beschützer zu haben oder ähnliches. Hier hat Silas einen Tag lang die Möglichkeit Zuschauer in seinem eigenen Leben zu sein. Spannend oder beängstigend, das kann man so oder so sehen. Silas beneidet sein anderes Ich um seine Kühnheit, gleichzeitig fürchtet er aber auch die Konsequenzen, denn das Bild, das die anderen nun von ihm bekommen, ist ja ein ganz anderes als bisher! Muss er den neuen Erwartungen nun gerecht werden? Eine wirklich aufregende Frage, die hier mit viel Einfühlungsvermögen und Humor weitererzählt wird. Für uns war es wirklich originell, eine noch nie dagewesene Geschichte und das kommt ja gar nicht mehr oft vor, dass man so etwas entdeckt. Dabei ermutigt Salis Kinder mehr zu wagen und mehr auszuprobieren, um sich selbst und ihre Grenzen besser kennenzulernen, ohne sich dabei zu verbiegen. Dies erfolgt stets sehr behutsam, ohne dass sich über den vorsichtigen, schüchternen Silas lustig gemacht wird. Man muss ihn einfach gerne haben! Außerdem überrascht diese Geschichte immer wieder, auch wenn man als Mutter letztendlich zugeben muss, dass es anders ja eigentlich gar nicht sein kann... für Kinder ist es aber einfach nur verblüffend. Sehr gut gefiel uns, dann man immer mitten in Silas Gedanken zu stecken scheint und alles mit ihm zu teilen scheint, die Freude, die Verunsicherung und die Spannung. Die Erzählweise ist leicht und mitnehmend, da fliegt man als geübter Leser geradezu durch die Geschichte, weniger geübte Leser finden es aber wenigstens nicht so anstrengend und freuen sich auf den Fortgang der Geschichte, die noch dazu von fröhlichen Illustrationen von Meinhard Berger aufgelockert wird. Die Schrift ist angenehm, ebenso wie die Zeilenabstände. Es ist schon ein „richtiges“ Buch für junge Leser und kein Leseanfängerbuch mehr, aber nimmt dennoch Rücksicht auf die Bedürnisse der Zielgruppe ab 8 Jahren. Die Kapitel werden jedesmal mit Überschriften eingeleitet, die neugierig machen, auf das, was da kommen mag und haben einen angemessenen Umfang.

Wie Salis mag Autorin Heike Abidi gerne Abwechslung und Herausforderungen, weshalb sie auch gerne zwischen den Genres wechselt und sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch Sachbücher, oder Frauenromane (gerne auch unter dem Pseudoym Anna Paulson) schreibt.

Absolut empfehlenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 25.03.2020

Spannend, sensibel, ein Muss für Pferdefans

Das Rätsel des Pferdeamuletts
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Godje hat ganz früh ihre Eltern bei einem Unfall verloren. Seither lebt sie bei ihrer Oma Magarete, die sie liebevoll Nana nennt, ihrer einzigen ihr bekannten Verwandten. Auch wenn die Verhältnisse recht ...

Godje hat ganz früh ihre Eltern bei einem Unfall verloren. Seither lebt sie bei ihrer Oma Magarete, die sie liebevoll Nana nennt, ihrer einzigen ihr bekannten Verwandten. Auch wenn die Verhältnisse recht bescheiden sind, mangelt es ihr eigentlich an nichts und schon gar nicht an Liebe. Sie sind ein bestens eingespieltes Team und sich einig, dass Pferde furchteinflößend sind. Das ändert sich, als Godje an ihrem 14. Geburtstag ein anonymes Geschenk erhält, dessen Anblick ihre Nana erblassen lässt. Darin befindet sich ein Anhänger mit einem majestätischen Pferderelief, dass die Pferdegöttin Epona darstellt und sehr alt zu sein scheint. Godje trägt ihn fortan als Glücksbringer um den Hals. Auf ihrem Schulweg, der an einer Pferdekoppel vorbeiführt, merkt sie, dass die Pferde von ihr nunmehr angezogen zu werden scheinen. Das macht ihr Angst, doch ihr alter Schulfreund Fynn ermutigt sie, die Tiere zu streicheln. Bei der Berührung ihrer Stirn wird sie plötzlich von lebendigen Bildern und Empfindungen geflutet, die aus einer längst vergangenen Zeit zu kommen scheinen, aber auch von traumatischen Erlebnissen der betroffenen Tiere berichten. Was hat es damit auf sich?

Nein, Godje kann das Geheimnis ihrer Gabe und ihres Amuletts in diesem Band noch nicht entschlüsseln. Man lernt sie und ihre Welt behutsam kennen, damit man auch wirklich begreift, dass dieses Geburtstagsgeschenk, alles, was für sie bislang selbstverständlich war, völlig auf den Kopf stellt. Selbst ihr Freundeskreis verändert sich! Man spürt ihr Unbehagen, ihre Ohnmacht, ihre völlig Verwirrung. Ihre Empfindungen sind sehr lebendig und einfühlsam beschrieben, so dass man sich schnell in den Bann dieser mystischen Geschichte gezogen fühlt. Damit man bei all den längst halb vergessenen Gottheiten nicht durcheinander kommt, gibt es hinten ein Glossar, in dem sie alle aufgezählt werden. Da ja nicht jede Leserin unbedingt ein Pferdeprofi ist, ist es sehr praktisch, dass Godje anfangs überhaupt keine Ahnung im Umgang mit ihnen hat und alles erklärt bekommt. Denn an das Grundstück ihrer Nana, grenzt ein durch dichte Hecken getrenntes Pferdetherapiezentrum. Diese oft stark traumatisierten Pferde vertrauen ihr plötzlich und suchen ihre Nähe. Allen voran der bildschöne aber ungestüme und dadurch gefährliche Hengst Arion. Zu ihm ist die Verbundenheit besonders groß, bislang konnte noch niemand, auch nicht die bekannte Therapeutin Anyta Kuret, den Grund für ihre Verstörung herausfinden. Doch dank des Amuletts wird Godje zur Pferdeflüsterin, doch scheint sie auch durch die Zeit zu reisen, doch lediglich ihr Geist, ihr Körper bleibt. Ob mit ihr etwas nicht stimmt? Diese immer wieder in ihrem Gehirn aufblitzenden Erinnerungen an ferne Zeiten, werden immer deutlich gekennzeichnet durch eine Vignette und eine Änderung im Schriftbild. Dadurch kommt man nie durcheinander, sondern gerät in den Bann dieser Ahnungen oder Visionen, was immer sie auch sein mögen. Aber es gibt noch mehr Unerklärliches und Geheimnisvolles, das sich in diesem Band noch nicht aufklärt. Allerdings wird Godje klar, dass man ihr etwas verheimlicht und weder Nana, noch Anyta Kuret rücken mit der Sprache heraus. Da liegt echt ein spannendes Potenzial vergraben, das verblüffende Entwicklungen in den nächsten beiden Bänden erwarten lässt. Wahrscheinlich wird es auch in den nächsten Bänden noch so einiges geben, was Godjes Herz schneller schlagen lässt und es wird nicht nur die zarte Liebe sein.

Autorin Karin Müller ist nicht nur Journalistin und Autorin, sie ist auch passionierte Reiterin und Pferdeliebhaberin und inzwischen auch staatlich geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie. Die vielfältigen Interessen und Erfahrungen lässt sie in ihre Bücher einfließen und sind die Grundlage für Godjes feines Gespür für die Stimmungen der Pferde.

Diese neue Triologie von Karin Müller richtet sich an Mädchen ab 12 Jahren. Bis auf einen kleinen Kuss, hat es nicht nur mir, sondern auch meiner 10,5 jährigen Tochter sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 24.03.2020

Unterschätze nie das schwarze Schaf

Eisenblut
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Deutsches Reich 1888, das Dreikaiserjahr: Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I am 9. März folgte ihm sein ältester Sohn als Friedrich I für 99 Tage auf den Thron, bis er an Kehlkopfkrebs starb und von seinem ...

Deutsches Reich 1888, das Dreikaiserjahr: Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I am 9. März folgte ihm sein ältester Sohn als Friedrich I für 99 Tage auf den Thron, bis er an Kehlkopfkrebs starb und von seinem ältesten Sohn Wilhelm II beerbt wurde.
Kaiser Wilhelm I liegt im Sterben, Reichskanzler Bismarck ist schon über 70 Jahre alt und eine Umbruchsstimmung liegt in der Luft. Geheime Kurier des Reichs werden auf ihren streng vertraulichen Routen abgefangen, der Geheimdokumente entledigt und ermordet. Ein Vorgang der einer gründlichen Untersuchung bedarf, da es die Sicherheit des Reichs gefährdet. Daher ist es für Gabriel, kurz Gabi, Landow, den jüngeren Sohn eines ostpreußischen Landadeligen umso unerklärlicher, warum ausgerechnet er, der heruntergekommene, verstoßene Sohn und erfolglose Privatermittler mit dieser Aufgabe betraut wird. Noch erstaunlicher ist, dass seine Auftraggeber nicht nur fürstlich zahlen, sondern offensichtlich auch nicht wissen, dass das letzte Opfer ihm während der Observation vom Himmel vor die Füße fiel. Warum verschweigt man ihm den Inhalt der Taschen der Opfer und wer hat sein Büro in Brand gesteckt. Eigentlich ist diese Angelegenheit nicht seine Kragenweite, aber nun packt ausgerechnet ihn, den Trinker, der Ehrgeiz, vielleicht auch, weil er den Anschlag auf sein Leben persönlich nimmt. Wenn er bis auf einen alten Stammbaum nicht viel zu bieten kann, so ist er doch gut vernetzt, mit alten, loyalen Freunden, zu denen sich im Laufe der Ermittlungen nicht weniger verlässliche neue gesellen werden. Eine Gewissheit wird sich jedoch einstellen: alles ist ganz anders als man glaubt!

Mich hat die Zeit 1888 wirklich gereizt, eine Zeit, mit der ich mich bislang kaum beschäftigt habe, eine Zeit, nach dem deutsch-französischen von 1870/71 und der Gründung des deutschen Kaiserreichs. Auch der Antiheld als Ermittler konnte sich als reizvoll entpuppen. Ja, Gabriel Landow ist definitiv ein Loser, dessen Charme ich nicht so schnell erlag, da sein ständiger Zugriff auf den schier unerschöpflichen Cointreau-Vorrat seines Vermieters und Kriegskameraden Köster und seinen kontinuierlichen Nachgeben gegenüber stoffwechselbedingter Körperreaktionen bei mangelnder Pflege, ihn nicht so wirklich appetitlich mach. Doch passt es, weil dies kein gemütlicher Cosy Krimi ist, sondern schon eher was für robustere Nerven und Mägen. Außerdem verdeutlich dies ganz deutlich, wie tief unten in der Gesellschaft der nicht mehr ganz junge, enterbte Adelssproß angekommen ist und weshalb des so unerklärlich ist, dass das Reich ausgerechnet ihn als gut bezahlten Sonderermittler einstellt. Er umgibt sich mit nicht immer ganz gesetzestreuen Gestalten, die jedoch wohltuend ehrlich und loyal wirken, im Vergleich zu den halbseiden-mondänen Sphären in die er noch vordringen wird und in denen er, in ein nur allzu vertrautes Gesicht blicken wird. Er wird bewusst, was aus ihm hätte werden können, wenn alles anders gekommen wäre, aber man beginnt als Hörer daran zu zweifeln, das ihm dieses Schicksal mehr gelegen hätte. Es werden auf geheimnisvolle Art und Weise, mehrere Erzählstränge miteinander verwoben, stets eingeordnet durch die Zeitangabe des nahenden Todes des Kaisers. Stehen diese jeweiligen Verbrechen in einem Zusammenhang miteinander, oder sind es doch Zufälle? Gibt es einen Bezug zu ihm?
In Rückblicken erfährt man mehr über Landows aktuelle Situation, wie es zu dieser kam, welche Schicksalsschläge seine Familie und ihn trafen und wie es um das alte Adelsgeschlecht jetzt steht. Ebenso wird auch zwischen den einzelnen Verbrechenssträngen gesprungen, so daß man wirklich konzentriert zuhören muss, um nichts zu verpassen und nicht den roten Faden zu verlieren. Es ist keine leichte Kost für zwischendurch! Es geht um Intrigen, Verrat und Kriegsspekulationen die von langer Hand geplant werden. Nebenbei kommt man beim Zuhören gleich noch einen Spekulationstipp: man solle kaufen, wenn das Blut fließt! Also in Zeiten von Corona jetzt, hätte denn noch jemand die nötige fianzielle Sicherheit dazu.... Reizvoll zum Mitdenken, zum Überlegen, Knobeln und Raten...

Am Ende schließt sich der Kreis, wobei nicht alle losen Enden miteinander verknüpft werden. Wozu auch, die Geschichte des abgehalterten Ermittlers wird fortgesetzt. Dabei kommt es immer wieder zu überraschenden Erklärungen, Erkenntnissen und Entwirrungen.

David Nathan (diese Stimme kennt jeder! Er ist quasi eine Synchronlegende und als meine Tochter zufällig reinhörte, konnte sie mir gleich mindestens einen Schauspieler nennen, den er doubelt. Zu ihnen gehören: Johanny Depp und Christian Bale. Als Sprecher liest er nicht nur Stephen King, sondern auch die Gedeon Rath Krimis, die als Babylon Berlin erfolgreich verfilmt wurden und noch immer werden) liest diese autorisierte Lesefassung, kurz, knapp, bisweilen militärisch, mal melancholisch, nonchalant und dann wieder resigniert, doch stets bleibt der schwarze Humor unverkennbar. Eine hervorragende Wahl.

Ein historischer Krimi, der nicht für schwache Nerven taugt, aber Fans von Babylon Berlin in seinen angeschmuddelten Bann ziehen wird.

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Veröffentlicht am 23.03.2020

Endlich als Comic!

Die Eiskönigin 2
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Ich habe Töchter und kenne daher natürlich auch die Eiskönigin! Im Kino war meine Jüngste allerdings alleine (mit all ihren Freundinnen) und fand es super, davon kann man nicht genug bekommen! Daher brauchten ...

Ich habe Töchter und kenne daher natürlich auch die Eiskönigin! Im Kino war meine Jüngste allerdings alleine (mit all ihren Freundinnen) und fand es super, davon kann man nicht genug bekommen! Daher brauchten wir natürlich auch den Comic zum Film, weil ja Comics sowieso viel cooler sind... Fand ich ja auch mal, aber inzwischen hat meine Lesekompetenz deutliche Fortschritte gemacht ;)

Elsa ist nun zur Königin von Arendelle gekrönt. Kristoff liebt noch immer Anna, wagt aber nicht, ihr einen Heiratsantrag zu machen, obwohl es sein sehnlichster Wunsch ist. Nach der Enttäuschung mit Hans, braucht Anna noch Zeit. Elsa, die anders als ihre geliebte Schwester Anna, über magische Kräfte verfügt, hört in letzter Zeit immer häufiger eine geheimnisvolle Stimme nach ihr rufen. Sie spürt ganz deutlich, dass sie ihr folgen sollte, um eine große Gefahr von ihrem Königreich abzuwenden. Anna will sie aber auf keinen Fall alleine ziehen lassen und lässt Elsa schwören, dass sie auf jeden Fall zusammen bleiben werden. Auch Olaf, Kristoff und Rentier Sven begleiten sie zu ihrem Schutz auf diese Reise ins Ungewisse, die sie zurück zu ihren Wurzeln führen wird und das Geheimnis ihrer Eltern und Großeltern offenbaren wird. Nur gemeinsam und im Vertrauen auf ihre Stärken können sie die Hindernisse überwinden und Arendelle retten.

Sehr positiv finde ich, dass schon die Coverillustration nicht so verkitscht wirkt und somit auch Ältere anspricht. Daher haben auch beide Töchter (12 und 10) sofort zugegriffen und gelesen. Meine Jüngste hat es für ihre Verhältnisse mit einer bewunderswerten Ausdauer gelesen. Ich habe deutlich länger gebraucht, aber mich hat die Geschichte auch nicht wirklich mitgerissen. Auch in diesem Comic wird die Erzählung der Rahmenhandlung von den Illustrationen übernommen, so dass einige Seiten mit relativ wenig Text auskommen, andere dafür aber dialoglastig sind und die Kinder damit auch wirklich einiges zu Lesen haben.

Ich finde die Geschichte etwas an den Haaren herbei gezogen und konfus und ich konnte mich nur schwer auf sie konzentrieren. Das mag aber an der Corona-Krise liegen. Meine Freundin, die unbedingt den Film sehen wollte und ihre Tochter dafür ins Kino schleppte (deren Wunsch war nicht so dringend), versicherte mir, dass er wirklich toll wäre und auch meine Tochter strahlte, als sie aus dem Kino kam und auch beim Anblick dieses Comics. Für all diejenigen, die jetzt wie ich keine Profikenner dieses Kinofilms der Superlative sind, gibt es gleich zum Anfang einen Überblick über die wichtigsten Personen mit Bild. Das fand ich sehr hilfreich, da ich mir die Namen der königlichen Eltern nie hätte merken können und die Zusammenhänge schon gar nicht! Für echte Fans sind diese Portraits einfach wunderschön und werden gerne immer wieder angeschaut.

Es ist ein Märchen um Magie, Vertrauen, Verrat und schwesterliche Treue, um Schwestern, die die Verfehlungen ihrer Ahnen wieder ins Gute wenden. Ein Märchen voller Gefühl und Spannung, das Hindernisse überwindet und den Glauben an das Gute in der Welt bestärkt. Gerade in schwierigen Zeiten ist das doch ein Lichtblick!

Dieser Comic ist übrigens nichts unbedingt für ganz kleine Fans gedacht. Es ist kein Bilderbuch, mehr eine Graphic Novel, mit einer reiferen Bildsprache, nicht so süßlich. Die Schriftgröße entspricht auch dem Standard von Graphic Novels, so dass schon eine gewisse Leseerfahrung nötig ist und es sich nicht an Erstleser, sondern an junge Leser ab 8 Jahren richtet, denn die Eiskönigin ist zeitlos schön, wie mir immer wieder begeistert versichert wird (nicht nur von meinen Töchtern).

Meine Jüngste hat dieses Buch am ersten Tag der Corona-Schulschließung wegen eines Verdachtsfalls verschlungen, was mir das Leben für diesen ungeplanten Tag ohne Kinderbetreuung deutlich erleichtert hat. Meine Tochter fand ihn richtig gut, nur das leider eine wichtige Szene weggelassen worden sei. Beide Lesemuffel fanden es super, dass es Anna und Elsa nun auch als Comic gibt und ich bin mir ganz sicher, dass sie mit dieser Meinung nicht alleine da stehen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere