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Veröffentlicht am 06.12.2018

Ein wunderbarer Klassiker

Anne Elliot oder Die Kunst der Überredung
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Unter dem Motto „Große Werke, große Stimmen“ hat Der Audio Verlag hochwertige Produktionen von Literaturklassikern im neuen Gewand als MP3 aufgelegt. Diese Produktion stammt aus dem Südwestfunk, heute ...

Unter dem Motto „Große Werke, große Stimmen“ hat Der Audio Verlag hochwertige Produktionen von Literaturklassikern im neuen Gewand als MP3 aufgelegt. Diese Produktion stammt aus dem Südwestfunk, heute SWR 2.

Persuasion ist eines meiner Lieblingswerke von Jane Austen und mein Penguin Classics ist schon ganz zerliebt. Auf Deutsch kannte ich es aber noch nicht:

Anne Elliot ist 27 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater, dem eitlen und oberflächlichen Sir Walter Elliot und ihrer zwei Jahre älteren, strahlenden Schwester Elisabeth auf dem Familienanwesen. Doch ihr Vater und ihre Schwester haben in Anbetracht ihrer vermeintlichen gesellschaftlichen Stellung, mehr ausgegeben, als die Güter einbringen. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Kellynch Hall diskret zu verpachten und sich in Bath niederzulassen. Dort würde sich im Winter auch Lady Russell die beste Freundin der vor 13 Jahren verstorbenen Lady Elliot besuchen. Pächter werden ausgerechnet der Schwager und die Schwester des Mannes, der ihre zarte Schönheit, ihre Sanftmut und Geist vor 7 Jahren so sehr liebte, daß er ihr einen Antrag machte. Doch damals hatte Frederick Wentworth weder Rang, Namen noch Vermögen und Lady Russell überzeugte ihre junge, empfindsame Patentochter, daß es besser sei, die Verlobung zu lösen. Heute ist Captain Frederick Wentworth noch genauso gutaussehend wie damals, aber vermögend und angesehen. Nur Annes zarte Schönheit ist verblasst, ohne, daß sie je wieder einen Mann getroffen hat, der ihr Herz so für sich einnehmen konnte. Im Hause ihrer jüngsten Schwester Mary, trifft sie nun immerfort auf ihn und die jüngeren Schwestern ihres Schwagers scheinen um seine Gunst zu buhlen und sie zu empfangen. Obwohl ihr Herz wie wild rebelliert, macht sie gute Miene zum fröhlichen Treiben, das sie auszuschließen scheint.

Dieser reifere Roman von Jane Austen, sprüht vor Charme und Ironie. Mit 27 Jahre als alte Jungfer abgestempelt zu werden ist heute kaum vorstellbar. Doch damals war es anders. Töchter mußten möglichst früh verheiratet werden, damit sie gut versorgt sind. Jedes Jahr kommen neue, jüngere Töchter auf den Heiratsmarkt, da drängt die Zeit. Da Anne zurückhaltend ist und ihre Schönheit nicht strahlend und extrovertiert, wie die ihrer älteren Schwester, wird sie in ihrer Familie gerne übersehen. Nun gut ihre jüngere Mary schätzt sie schon, aber vor allem, damit diese sie umsorgt, ihr Gesellschaft leistet, um ihrer Hilfsbereitschaft wegen und weniger um ihrer selbst willen. Ihr Vater sieht für 54 noch wirklich gut aus und ist eitler als jede Debütantin. Auch das ist heute kein Alter mehr und kein Ausschlußkriterium um zum „sexiest man alive“ gewählt zu werden. Damals vor dem Frauenwahlrecht und der Gleichberechtigung war aber auch natürlich die Lebenserwartung kürzer und Standesdünkel an der Tagesordnung. Diese gesellschaftlichen Feinheiten und ihre bisweilige Absurdität bringt Jane Austen verhalten auf den Punkt. Sehr damenhaft und doch unüberhörbar bringt Kornelia Boje die Nuancen in den Charakteren und Annes Entwicklung vom vertrockneten Mauerblümchen zur geschätzten Gesellschaft auf den Punkt. Während der Rest ihrer Familie bleibt, wie sie schon immer waren, gewinnt Anne mit der Reife hinzu, auch an Schönheit, denn mit dem Glück leuchtet ihre Schönheit von innen heraus und lässt die jungen, vergnügten „Dinger“ schlicht und töricht neben sich wirken. Sie schafft es ihrer Stimme die Wärme, Intelligenz und auch die Distanz von Annes Betrachtungen zu verleihen. Eine wirklich große Stimme, die wirklich toll ist und der ich gerne zugehört habe, aber und jetzt muß ich wohl leider diskriminierend werden, wie eine 27 jährige klingt sie nicht, auch wenn diese spezielle 27 jährige nicht übermütig oder verspielt ist. Sie klingt einfach schon älter als 40 Jahre und ist daher eine perfekte Intonation für Lady Russell, die jedoch nicht die Hauptperson ist. Naja, es gibt noch einige reifere Persönlichkeiten von großer Dummheit in dieser Geschichte, die der damaligen Gesellschaft sanft den Spiegel vorhält, doch einfältig klingt Kornelia Boje in dieser amüsanten Gesellschaftsbetrachtung über die Liebe und ihre Irrtümer, sowohl die Beständigkeit echter Gefühle und Wertschätzung nie.

Für mich zu Recht ein unvergessener Klassiker, den ich sehr liebe, auch wenn er zum Glück mit meinem Leben wenig gemein hat.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Tolle Sprecherin, in einem ungewöhnlichen Fall

Zu nah
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Chief Detective Frankie Sheehan ist bei ihren letzten Fall schwer verletzt worden. Seelisch und körperlich machen ihr die Verletzungen noch schwer zu schaffen. Sie ist gerade wieder im Dienst des Dubliner ...

Chief Detective Frankie Sheehan ist bei ihren letzten Fall schwer verletzt worden. Seelisch und körperlich machen ihr die Verletzungen noch schwer zu schaffen. Sie ist gerade wieder im Dienst des Dubliner Police Department, als ein neuer Fall herein kommt. Die angesehene Wissenschaftlerin Eleanor Costello wurde erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Auf den ersten Blick eindeutig Selbstmord, doch die Pathologie findet Hinweise auf Fremdverschulden. Während Frankie und ihr Kollege Baz noch Eleanors Umfeld erkunden, um heraus zu finden, wer sadistische Lust an brutalen Praktiken empfindet, rückt der verschwundene Ehemann in den Focus. Doch der Fund einer zweiten Leiche, macht das Rätsel noch verwirrender. Die junge Amy, die Frankie noch persönlich aus ihrer Jugend kennt, wurde gefoltert und auf den Halloween Scheiterhaufen geworfen. An ihrem Leichnam finden sich die gleichen Auffälligkeiten wie bei Eleanor und das ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit, denn Amy war Eleanors Studentin. Während Frankie und Baz versuchen Licht in das Dunkel zu bringen, ehe weitere Leichen gefunden werden, steht auch noch Frankies Aussage vor Gericht in dem Mordfall an, in welchem sie so schwer verletzt wurde.
Die Stimme von Sabina Godec ist so wunderbar wandelbar, daß ich richtig froh bin, mich für das Hörbuch entschieden zu haben. Mal rau und unnahbar, mal brüchig, dann wieder warm oder verzagt. Das ganze Gefühlspektrum liegt in ihrer Stimme, je nach Handlungsverlauf und handelnder Person und von denen gibt es viele. Das ist gut, denn so tappt man als Hörer im Dunkeln, da es so die Möglichkeit für eine Vielzahl von Verdächtigen gibt und Ermittlerteams sind ja auch heute auf Forensik und Pathologie angewiesen. Ein Personenverzeichnis hätte ich aber gerade wegen der Personenzahl und der irischen Namen empfehlenswert gefunden. So habe ich ständig beim Hören über den eigenartigen Namen des Kollegen gegrübelt, weil ich auf Baz, wie Baz Luhman beim besten Willen nicht gekommen bin und mich diese Namensgrübelei unnötig ablenkte. Die irische Atmosphäre hat mir hingegen gut gefallen und ist für mich auch nicht alltäglich.
Während mich Frankies ständiges Qualmen und der Griff zur Flasche bisweilen beim Hören den Zeigefinger heben ließen, mochte ich aber ihren Versuch zur Wiederfindung ihres Seelenfriedens eine Bonsai zu pflegen und überhaupt durchzubringen. Das fand ich ein wirklich schönes persönliches Gimmick, das auch Frankies menschliche Seite durchschimmern ließ. Sprachlich entspricht der Stil Frankies Charakter: klar und schnörkelos. Dieser Verzicht auf romantische Nebenschauplätze lässt den Hörer sich ganz auf den Fall konzentrieren, es ist auf den Punkt genau.
Interessant fand ich an dem Fall nicht so sehr die Täter und Opfer die aus dem Milieu „alternativer Sexualpraktiken“ (welch Verharmlosung!) entstammen, sondern die Verknüpfung von Giften, Gegengiften und Kunst. Ich werde wohl künftig im Malkasten kein Preussischblau mehr anrühren können, oder Werke von Chagall betrachten können, ohne an Frankie Sheehan zu denken. Auch wenn Frankie mir persönlich mäßig sympathisch ist, ist es dennoch ein wirklich interessanter Fall, den ich wirklich schnell hintereinander gehört habe, um zu wissen, wie es weitergeht. Auf ein Hören der CD Nr. 6 bei Nacht habe ich dann aber doch verzichtet, da ich ahnte, daß es nicht ganz unblutig enden würde. Toll fand ich, daß der Täter mir erst ganz zu Schluss dämmerte, als es für Frankie schon richtig brenzlig wurde. Wirklich ein spannendes Finale, mit einem kniffeligen Fall, der etwas Konzentration bedarf. Sollte die Reihe fortgesetzt werden, würde ich gerne weiter folgen und hoffen, daß ich mich an einige der Namen erinnern kann. Aufgrund der Komplexität der Personalstruktur, Tatverdächtigen, Opfer und Angehörigen, wäre der Hörgenuss noch besser, wenn das mehrteilige Klappcover ein Personenverzeichnis aufgeführt hätte, neben den Informationen zu der großartigen Sprecherin und der vielversprechenden Autorin.
Ein herausragend gelesener, guter Thriller, dem ich daher 4,5 Sterne gebe und ihn gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 23.04.2018

So là là in Ellas Welt

Ellas Welt - Das verflixte neue Schuljahr
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Das neue Schuljahr steht an, wie aufregend nach den Sommerferien alle Klassenkameraden wieder zusehen und auf die neue Klassenlehrerin ist Ella auch schon ganz gespannt! Sie kommt extra früh in die Klasse, ...

Das neue Schuljahr steht an, wie aufregend nach den Sommerferien alle Klassenkameraden wieder zusehen und auf die neue Klassenlehrerin ist Ella auch schon ganz gespannt! Sie kommt extra früh in die Klasse, denn der Platz, an dem man am ersten Tag nach den Ferien sitzt, behält man für das ganze Jahr. Klar, daß Ella unbedingt für sich und ihre beste Freundin Zoe einen guten Platz ergattern will. Doch wo bleibt Zoe nur? Die Klasse ist fast vollständig, nur der Platz neben Ella ist noch frei, als die Tür sich öffnet und ausgerechnet Ellas Erzfeindin Penny, die doch eigentlich in die Parallelklasse wechseln sollte, hereinkommt. Zu dumm, daß nun Penny es ist, die von nunan täglich neben ihr sitzen wird. Immerhin die neue Klassenlehrerin ist total nett und super chic. Doch auch in diesem Schuljahr ist es schnell klar, daß Penny alles daran setzt Ella das Leben schwer zu machen. So einfach lässt Ella sich aber nicht unter kriegen!

Das Buch ist als Tagebuch der Vierklässlerin Ella konzipiert. Wunderschön 3-farbig gestaltet, gedruckt, als hätte es ein Kind geschrieben, mit allerlei Kritzeleien und Skizzen. Dennoch hat das Buch meiner ältesten Tochter (10) nicht gefallen, sie hat es nach 30 Seiten abgebrochen, weil ihr das Gezicke mit Penny zu doof war. Meinen Kindern ist es aber auch völlig fremd, daß man das ganze Jahr den gleichen Platz in der Klasse behält. In der Grundschule werden sie ständig umgesetzt und im 5. Schuljahr auch öfters, damit man auch alle Mitschüler kennen lernt. Meine Tochter hätte gerne mehr positive Dinge gelesen, auch mal was nettes über Ellas Familie. Dieses Buch spielt fast ausschließlich an der Schule. Ich habe das Buch zu Ende gelesen und muß zugeben, daß auch ich fand, daß die Zankerei einen viel zu großen Raum einnahm. Irgendwie war Ella immer die Gute und Penny immer die Böse, das war mir zu einfach. Okay, es ist das Tagebuch eines Kindes, da wird wirklich schwarz-weiß-Style geschrieben, aber es ist doch spannender, wenn auch wirklich ein breiteres Spektrum des Schullebens geschildert wird.

Ellas Freundin Zoe taucht dann doch noch auf und obwohl zu Beginn geschildert wird, daß Zoe schon immer ihre beste Freundin war, erfährt man später, daß es früher mal Penny war. Irgendwie für uns nicht so ganz passend. Eine versöhnlichere Note wäre nach unserem Geschmack gewesen. Schön fand ich allerdings, wie Ella der introvertierten Cordelia beisteht. Ich hätte mir gerne mehr positive Situationen gewünscht. Wir hatten uns die Geschichte lustiger und abwechslungsreicher vorgestellt.

Die Gestaltung des Buches ist wirklich sehr gelungen, auch die Herzchen statt der Punkte auf den Umlauten ist sehr jungmädchenhaft. Allerdings sind die vielen englischen Namen für Grundschüler relativ schwierig zu lesen und schon recht anspruchsvoll, im Gegensatz zu Sprachstil, der sich am Alter der fiktiven Erzählerin orientiert. Als Tagebuch ist die Geschichte natürlich in der Ich-Form aus Ellas Sicht abgefasst und man bekommt natürlich auch nur ihre Sicht der Dinge mit, die eben sehr eingeschränkt ist.

Ein nettes, kurzweiliges Buch, daß mich aber nicht wirklich begeistern konnte. Anders als meine Tochter habe ich es nicht abgebrochen, aber ich habe schon bessere kurze Romane für junge Leser gelesen, dieses hier hat es nicht geschafft den Funken überspringen zu lassen, daher vergebe ich drei von 5 Sternen.
https://www.lovelybooks.de/autor/Meredith-Costain/Ellas-Welt-Das-verflixte-neue-Schuljahr-1358248954-w/rezension/1552098259/
https://buchverzueckt.blogspot.de/2018/04/ellas-welt-das-verflixte-neue-schuljahr.html
https://www.amazon.de/review/R2LOPXOJHTJG1Z/ref=pe160485166412761cmrvemlrv0_rv

Veröffentlicht am 12.07.2019

Achtsamkeit muss nicht moralisch sein!

Achtsam morden
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Björn Diemel ist nun seit 10 Jahren Strafverteidiger in einer mittelgroßen Kanzlei, dennoch ist er noch immer kein Partner, andere, die nach ihm kamen aber schon. Gut, Diemel hat nur einen Mandanten Dragan, ...

Björn Diemel ist nun seit 10 Jahren Strafverteidiger in einer mittelgroßen Kanzlei, dennoch ist er noch immer kein Partner, andere, die nach ihm kamen aber schon. Gut, Diemel hat nur einen Mandanten Dragan, mit viel Geld. Er bezahlt auch, aber dafür hält er Björn Tag und Nacht auf Trab und gut für's Image ist so ein Boss der o.K. (organisierte Kriminalität) nicht. Das findet auch seine Frau Katharina, die die Nase voll davon hat, daß der Verteidiger per Handyanruf bei Fuß stehen muss und sich doch sehr verändert hat (ob sie sich auch verändert hat, fragt sie aber nicht). So ein Gesocks will sie nicht in der Nähe ihrer Tochter haben. Das muss sich ändern, Björn muss sich ändern. Wenn die Ehe noch eine Zukunft haben soll, soll er Achtsamkeitskurse besuchen. Widerwillig und deutlich zu spät taucht er bei seinem Coach auf. Aber klar, noch sind ihm die Regeln der Achtsamkeit kein Begriff, doch er lernt schnell. Noch schneller findet er Gefallen daran und versucht sie zu Gunsten seiner Work-Life-Balance auf alle Bereiche seines Lebens zu übertragen. Daher trennt er sich erst mal von seiner Frau und führt Zeiten nur für seine Tochter ein. Aus Unachtsamkeit vergisst er jedoch einmal das Handy auszustellen und Dragan hat kein Verständnis für die Papizeit. Da muss er halt am eigenen Leibe spüren, was sein Anwalt für Fortschritte gemacht hat, denn Achtsamkeit hilft bei allem, auch beim Morden!

Zu Beginn finde ich die Beteiligten alle sehr unsympathisch, bis auf Diemels Tochter. Doch der Kollege lernt und verinnerlicht das Gelernte. Dabei erklärt er die Regeln dann auch ganz verständlich für die Hörer, wenn auch an bisweilen völlig absurden Beispielen. Ja, ich gebe zu, ich konnte bislang mit diesem Begriff nichts anfangen, irgendso ein fancy-life-style-Begriff... Eigentlich soll man sich auf das Wesentliche konzentrieren und dem, was man gerade tut, seine volle Aufmerksamkeit schenken, dabei vermeidet man auch Fehler. Dummerweise ist Björn bei der Beseitigung seiner ersten Leiche mal kurz unaufmerksam und schon entstehen die Probleme. Ja, die erste Leiche, denn es werden ganz schnell mehr! Wenn man erst mal anfängt, gibt es kein Halten mehr, könnte man meinen, aber nein, so ist es nicht. Er ist einfach in eine ganz dumme Situation hineingeschlittert und nun ist sein Leben bedroht, von echten Profis. Das kann er doch nicht einfach so auf sich zu kommen lassen. Als planvoll strukturierter Mensch, sieht er die Gefahren kommen und entwickelt ganz wertfrei erstaunliche Lösungsansätze. Dabei geht es nicht nur darum den Mord zu vertuschen, den Streit mit seiner alten Kanzlei zu seinen Gunsten zu drehen, sondern auch noch nebenbei seiner Frau und seiner Tochter was Gutes zu tun und den Geschäftsbereich der Organisation dann doch mehr in eine erfreulichere Richtung zu schieben....

Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und kennt die Leiden dieses Standes. Die Absurdität dieser Kanzleien beschreibt er wunderbar und sehr treffend, ebenso wie die wirtschaftlichen Zusammenhänge des hippen Startups für Weltverbesser. Überhaupt bringt er die Dinge auf dem Punkt, nur eben mit bisweilen einem sehr schrägen Blickpunkt. Das macht es sehr vergnüglich. Kein Wunder, immerhin hat er auch schon den Deutschen Comedypreis gewonnen! So ist ihm ein herrlich schräger Mordsspaß gelungen. Die meisten lustigen Krimis sind ja eher gemütlich. Das ist dieser nicht. Hier fließt Blut, da fliegen menschliche Teile und die Handgranaten werden großzügig eingesetzt. Klar, schließlich gibt’s die ja zum Einkaufspreis. Also nicht unbedingt etwas für zarte Seelen, aber sehr schwarzer Humor, wenn auch moralisch nicht ganz korrekt. Aber was kann man von einem Anwalt schon anderes erwarten? Großes Vergnügen bereitet es einfach Matthias Matschke zu zu hören, wie er seine Beobachtungen von sich gibt und dabei nicht für jeden (weniger achtsamen Menschen) offensichtlicheSchlüsse zieht. Gekonnt spielt er mit der trockenen Überlegenheit des analytischen Anwaltsverstandes, in bedächtig nachdenklichen Ton, der bisweilen auf den brutal, hitzigen Prollton des Mafioso trifft. Doch auch Luxus-Muttis, vermeintliche Weltverbesserungshipster und Sekretärinnen bekommen ihr Fett weg! In seiner achtsamen Anwaltsstimme klingt er dabei ganz ruhig und besonnen. Da er jedoch auf ganz unterschiedliche Menschen trifft, wird es nie monton, denn auch diese vermag der Comedian und Schauspieler gekonnt zu intonieren. Schade nur, daß er nicht immer die gleiche Lautstärke beibehält, man kann dieses Hörbuch daher schlecht ganz leise hören. Es sind aber keine starken Schwankungen, also durchaus autotauglich.

Am Ende weiß man den Achtsamen in seinem neuen Leben angekommen und in sich ruhend. Fragt sich nur, ob noch weitere achtsame Morde von Hörern und Lesern bezeugt werden können?

Nicht unbedingt ein Familienhörbuch und vielleicht auch nicht für die Tee-Damen, aber herrlich schwarz und unkorrekt.


Veröffentlicht am 11.07.2019

Lecker und inspirierend!

Eis selbstgemacht ohne Zucker
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Selbst gemachtes Eis ohne Industriezucker? Leckere Eisvarianten, sogar in vegan ganz ohne zusätzliche Küchengeräte? Klingt sehr verlockend und macht neugierig!

Das schöne an diesem Buch ist, dass man ...

Selbst gemachtes Eis ohne Industriezucker? Leckere Eisvarianten, sogar in vegan ganz ohne zusätzliche Küchengeräte? Klingt sehr verlockend und macht neugierig!

Das schöne an diesem Buch ist, dass man z.T. Zutaten austauschen kann. Es werden zu Beginn sehr viele alternative Süßungsmöglichkeiten vorgestellt, was es ist, wie stark der Süßungsgrad ist und wie es wirkt. Davon hatte ich den Birkenzucker ohnehin mal gekauft, hatte ich mal irgendwie von gehört, aber nicht dran getraut, da mich der Kokosblütenzucker nicht ganz so überzeugt hatte (ist aber aufgrund des niedrigen Schmelzwertes sehr gut geeignet für die Eisherstellung, trotzdem klingt es für mich sehr unökologisch). Birkenzucker/Xylit war mir immer auf den Bonbons beim Zahnarzt mit dem Hinweis, zahnfreundlich aufgefallen, was mir etwas irre schien, da es laut Inhaltsangabe eine alkoholische Verbindung ist, und somit doch irgendwie wieder Zucker. Ja, aber Forschungsergebnissen zu Folge, ist dieses irre Zeug, tatsächlich gut gegen Karies und nicht nur kariesneutral. Das finde ich dann schon cool, vor allem weil ich sich genauso verwenden lässt wie Zucker und die gleiche Süßkraft bei 40% weniger Kalorien hat, nur nicht den gleichen Preis. Dafür ist es auch schon bisweilen im Discounter und der Drogerie erhältlich. Erythritol ist ein natürlicher, nicht alkoholisierter Zuckeralkohol ohne Kalorien, ohne Fruktose, ohne Laktose und ohne Gluten. Perfekt für Menschen mit Laktose- Fruktoseintoleranz, Zöliakie und Diabetes. Gibt es im Freundeskreis meiner Jüngsten alles, war aber nicht ganz so leicht zu finden. Ansonsten werden verschiedene pflanzische Sirups und Dicksäfte vorgestellt, und weitere abgefahrene Zuckerarten wie Trehalose, die besondere Eigenschaften ähnlich von Emulgatoren hat, die es für die Eisherstellung wertvoll macht. Im Chemieunterricht habe ich gelernt, frisches Eigelb als Emulgator zu nehmen, Trehalose klingt da irgendwie charmanter, muß aber wohl übers Internet bestellt werden. Die Auswahl an Industriezuckeralternativen ist wirklich sehr umfangreich, leider wurde hier in der Übersicht Inulin vergessen, daß mehrfach in den Rezepten vorkommt. Das musste ich dann erst mal nachschauen. Für alle, die es besonders natürlich mögen wird auch die Möglichkeit des Süßens mit Datteln beschrieben, die auch als Blitzeis in Kombination mit Bananen beschrieben wird. Das ist sehr praktisch, da für viele Menschen es sicherlich zu lästig ist, alle paar Stunden Luft unter die gefrierende Creme zu schlagen, da mit sie nicht zum Block erstarrt und auskristallisiert. Das erfordert aber Planung und die häufige Anwesenheit zu Hause. Es ist nichts für Spontaneis-Esser.

Irgendwo im Buch fand ich in Hinweis, man könne auch einfach das Obst einfrieren und dann weiter verarbeiten. Das war die einfachst Variante, da wir einen Gemüsehäcksler mit 500 oder 650 Watt haben, der Eis crushen kann. Ich habe daher immer das Obst/dieBeeren gefroren, dann in den Eiscrusher und die übrigen Zutaten hinzu und gecrushed. Sehr lecker, sehr cremig. Funktioniert hervorragend mit Himbeeren, Ananas, Mango, Papaya, Banane, Nektarine... kombiniert mit Sahne, Joghurt oder Mandelmilch oder diese drei mit einander kombiniert, was der Kühlschrank gerade hergibt.

Die Kinder waren begeistert und wollten immer mehr. Meine Jüngste und ihre Freundinnen stehen total auf Himbeer-Joghurt und die Große auf Himbeer-Sahne. Der Rest war auch nicht schlecht, Banane wurde als Milchshake favorisiert.

Die Mandelmilch hat erstaunlich gut funktioniert, es war mein erster Versuch mit diesem Produkt und vermag den Kaloriengehalt gegenüber Sahneeis ganz deutlich zu senken, insbesondere mit einigen der kalorienfreien Süßungsvarianten kann man unbeschwert fruchtig, cremig und vegan den Sommer genießen. Wenn's noch ein bißchen leichter sein darf, sind noch Sorbet-Rezepte mit und ohne Schwips und geeiste Zitrusfrüchte mit im Angebot. Eine Verführung frischer als die andere. Dabei gefallen mir besonders die Tipps wie z.B. daß man Sorbet und Granitas vor dem Verzehr 15-30 Minuten im Kühlschrank antauen lassen soll, weil es dann gleichmäßiger taut, als bei Zimmertemperatur, wenn nur der äußere Rand schmilzt und der Kern hart bleibt.

Zudem gibt es leckere Rezepte für Stileis oder Schiebeeis. Wir haben sie in Silikonquetschformen gefüllt, lecker, aber nicht sehr fotogen.

Um den Genuss abzurunden, sind zum Schluss des Buches noch Rezepte für Eiswaffeln und Saucen und Toppings. Sehr beliebt, sehr verführerisch, sehr kreativ.

Richtig witzig finde ich den Eis-Typen-Test am Ende als kleines lustiges Bonbon zur Unterhaltung, wenn es zu heiß ist, irgendwas anderes zu machen, als Eis zu schlecken und zu lachen.

Ein sehr vielseitiges Rezeptbuch für jeden Geschmack und jede Lebensmittelunverträglichkeit oder Ernährungsbesonderheit. Finde ich richtig klasse, da es bei der Jüngsten wegen der Zöliakie der Freundinnen immer etwas schwieriger mit den Eisdielen ist. Anders als bei Industrieeis weiß man, was man isst und kann sich sein Eis ganz persönlich konfektionieren. Einige Zutaten sind nicht überall erhältlich, andere nur in der Drogerie, aber wir leben ja in Zeiten des Internets. Mit etwas Experimentierfreude und wenn man sich die Angaben im Buch genau durch liest, kann man Zutaten die man nur schwer bekommt, ohne weiteres durch andere ersetzen.