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Veröffentlicht am 27.08.2023

Schule geht uns alle an!

Nicht, dass noch einer sitzenbleibt! Die Online-Omi packt den Ranzen
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Enkelkinder hat und ihre Tochter Kirsten ihr wohl auch keine mehr schenken wird, ist es doch umso schöner, wenn Stefan, der Neffe eines ihrer verstorbenen Gatten, sie als festen Familienbestandteil sieht! ...

Enkelkinder hat und ihre Tochter Kirsten ihr wohl auch keine mehr schenken wird, ist es doch umso schöner, wenn Stefan, der Neffe eines ihrer verstorbenen Gatten, sie als festen Familienbestandteil sieht! Nun ist es soweit und seine und Arianes älteste Tochter Lisbeth wird eingeschult! Da gibt es so einiges zu bestaunen, denn schon die Lokale sind Jahre im Voraus ausgebucht! Sie hätte ja gerne ein paar leckere Kuchen gebacken, man hilft ja gerne! So wie auch die Schlode, die mit ihren Chören und Gruppen überall dabei sein muss! Nun hilft sie sogar in Lisbeths Grundschule aus und als sie Notenblätter liegen lässt, bringt Renate sie ihr kurzerhand in der Schule vorbei. Da geht es ja schon ganz anders zu als damals bei ihr und Lehrer gibt es auch kaum noch. Daher werden händeringend Seiteneinsteiger gesucht, die in der Schule unterrichten, bei der Hausaufgabenbetreuung helfen, oder sich sonstwie nützlich einbringen können. Kaum hat Renate einem Kind einen Rechtschreibtrick verraten, wird sie auch schon Teil von Frau Schlodes Klasse, die sie als ihre Mutter ausgibt. Ausgerechnet! So soll es aber nicht bleiben und sie bekommt einen anständigen Vertrag und wird Frau Westermann, einem echten Knödelmädchen mit zu kurzen Blusen, aber mit ausgebufften Tricks aus dem Studium, zugeteilt. Was man da nicht alles im Schulalltag erleben kann!

Die vierfache Witwe und ehemalige Eisenbahnerin hat zwar nicht studiert und schon gar nicht auf Lehramt, ist mit 82 auch wirklich alt genug, um das Leben zu genießen, aber was will man tun, wenn man noch fit ist und gebraucht wird? Manchmal hilft der gesunde Menschenverstand ja auch weiter! Manchmal lässt dieser Renate im Schulalltag aber auch verzweifeln! Auch in der Schule ist es wie sonst im Leben, es gibt solche und solche! So erzählt sie frei Schnauze von Missständen im deutschen Bildungssystem und Berlin ganz besonders, liebevolle Anekdoten von ihren Schülern und ihrer eigenen Schulzeit und von dem Miteinander unter den Lehrkräften, Seiteneinsteigern oder nicht, mit den Eltern und von den gewieften Tricks, die sich die Online Omi von der studierten Frau Westermann abschaut. Auch wenn sie ein echtes Knödelmädchen mit zu kurzem Oberteil ist, weiß sie doch was sie tut und auch Renate kann noch so einiges von ihr lernen und umgekehrt. Respektvoller Umgang ist das Zauberwort!

Wir als Familie haben uns prima amüsiert, immerhin bin ich ja die Einzige, die mit Schule wenig am Hut hat, während alle anderen die Schule von verschiedenen Seiten betrachten. Unser hauseigener Fachleiter (Ausbilder für Lehramtsanwärter) kam bisweilen über das Kopfschütteln über diese verzweifelten Auffangmaßnahmen ohne Ausbildung gar nicht mehr heraus! Dabei ist er ja derjenige, der uns nie glaubt, wie es bei uns in RlP läuft…. Ja, das Bildungssystem ist am Limit, aber hier wird humorvoll und respektvoll erzählt und es geht weder um Lehrerbashing noch darum die Seiteneinsteiger zu kritisieren. Renate Bergmann ist ganz klar, dass das eine Aufgabe der Politik ist. Dennoch ist es humorvolle Unterhaltung mit Anekdoten allerart aus dem Bergmannschen Kosmos und dieses Mal besonders der ollen Schlode. Wobei ihr diese sogar tatsächlich das eine oder andere Mal Respekt abnötigt! Sehr gut gefällt uns, dass der Autor zum Schluss ausdrücklich allen Lehrenden dankt und ihnen den nötigen Respekt erweist, es geht nicht darum sie lächerlich zu machen und der Eindruck ist bei uns auch nie entstanden!

Wir waren sehr froh, dass Carmen-Maja Antoni auch dieses Mal ihrer Rolle als Renate Bergmann treu blieb! Mit ihrer unvergleichlich herzlich-schnodderigen Berliner Schnauze verkörpert sie die patente 82-jährige Witwe, als wäre ihr die Rolle auf den Leib geschneidert! Mit Schalk und Esprit hat sie uns wieder mal in eine neue Berliner „Subkultur“ geführt. Egal ob Schrebergarten, Campingplatz, Krippenspiel oder Schule, sie fühlt sich überall zu Hause und spannt auch schon mal gerne Freunde und Bekannte wie Offline Opa Günter Habicht ein!

Ein neues erfrischendes Anekdoten-Abenteuer mit Renate Bergmann, die uns wieder in einen uns allen vertrauten Mikrokosmos mitnimmt

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Veröffentlicht am 24.08.2023

Tödlich

Toxin
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Berlin, in naher Zukunft: ein schier unendliche Hitzewelle liegt über der Stadt, nachdem es zuvor zu sintflutartigen Regenfällen kam, die Überschwemmungen insbesondere durch die Panke kam. Durch die ehemaligen ...

Berlin, in naher Zukunft: ein schier unendliche Hitzewelle liegt über der Stadt, nachdem es zuvor zu sintflutartigen Regenfällen kam, die Überschwemmungen insbesondere durch die Panke kam. Durch die ehemaligen Gerbereien dort, sind Anthraxsporen aufgeschwemmt worden und Ziegen haben sich infiziert... Steht das in einem Zusammenhang mit den zwei Milzbrandtodesfällen im Obdachlosenmilieu? Ganz in der Nähe wird in einem Hochsicherheitslabor an den medizinischen Nutzen eines uralten Anthraxstammes geforscht, als letzte Hoffnung bei bestimmten Krebsarten. Dieser Stamm wurde vor über 10 Jahre bei einer Katastrophe in einem indigenen Dorf auf Permafrostboden entdeckt, als dieser in einem ungewöhnlich warmen Sommer, anfing zu tauen... Die halbe Dorfbevölkerung damals. Nina Falkenberg als Wissenschaftsjournalistin und engagierte Klimaaktivistin fürchtet die Gefahren, die der tauende Permafrost noch so freilegen könnte. Der Klimawandel ist für sie unverkennbar und für ihre Leugner hat sie kein Verständnis, doch greifen sie zu immer radikaleren Mitteln! Als ihr Freund Gereon Kirchner, der renommierte Arzt, Forscher und Mitinhaber von JanuThrax in Alaska verschwindet und wegen Mordes gesucht wird, bittet sie Reise- und Foodblogger Tom Morell um Hilfe. Dieser ist gerade im Norden Kanadas unterwegs und der tauende Permafrost hat ihm gerade die Route abgeschnitten, da kann er ebenso gut nach Alaska... In Berlin untersuchen das LKA, Terrorspezialisten und Mikrobiologen hingegen fieberhaft die neuen Anthraxfälle und machen auch vor JanuThrax nicht Halt...

Dies ist der zweite Thriller mit der Mikrobiologin und Wissenschaftsautorin Dr. Nina Falkenberg und dem Reise- und Foodblogger Tom Morell, was mir zu Beginn aber nicht aufgefallen ist. Man kann diesen Band also auch ohne Vorkenntnisse lesen, da die Bände jeweils abgeschlossen sind. Die Kenntnis von Band 1 erleichtert es aber vielleicht zu verstehen, warum Tom so ungeplant nach Alaska aufbricht, auf Ninas Bitte hin. Seine familiäre Situation ist gerade kompliziert und Ninas Bitte eine ebenso willkommene Abwechslung wie eine Kontaktmöglichkeit mit Nina. Während wir Tom in die Labore und unterirdischen Gänge des Permafrost-Forschungszentrums begleiten, gewährt und Nina, ebenso wie Mikrobiologe Frank Berghammer Einblick in die hiesigen Forschungen, aber auch die Politbürokratie, die teils mit blindem Aktivismus vorangeht, statt besonnen zu ermitteln oder zu forschen.... Diese Einblicke finde ich ebenso interessant, wie die Auszüge aus Live-Polittalksendungen, die auszugsweise geschildert werden. Hier wird sehr gut der Ton getroffen und es entstehen sofort TV-Bilder vor dem inneren Auge... Die Mikrobiologischen und klimatischen Themen werden für meinen Geschmack gut und nachvollziehbar erklärt, so, dass die Laien im Ermittlerteam es auch sicher verstehen, ebenso wie die Leser.

Die Klimakrise wird hier schon sehr real, und erschreckend plastisch geschildert. Ich bezweifle, dass man nach der Lektüre dieses Thrillers das Thema einfach abhaken wird. Hier werden mehrere Erzählstränge ineinander verwoben, auf verschiedenen Kontinenten, aus verschiedenen Blickwinkeln, denn die Ermittler tappen im Dunkeln und wissen nicht immer, wie sie Nina, Morell und JanuThrax einschätzen sollen. Immer wieder gibt es daher einen Wechsel der Orte und bisweilen auch der Zeiten, denn auch diese Tragödie hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Daher kommen natürlich auch die menschlichen Beziehungen nicht zu kurz und gewähren Einblick nicht nur in das Gefühlschaos der zwei Hauptpersonen Nina und Tom, sondern auch des ermittelnden Mikrobiologen Frank vom ZBS (auch ein alter Bekannter aus Band 1 und wahrscheinlich ein fester Bestandteil in Band 3). Gerade Franks Geschichte kann ich sehr gut nachfühlen und auch wenn ich noch nicht kurz vor der Pensionierung stehe, fühle ich mit ihm und sympathisiere mit ihm. Nina finde ich bisweilen schwerer nachzuvollziehen. Tatsächlich würde ich mich bisweilen an anderen Punkten an den Männern in ihrem Leben stören, aber die Geschmäcker sind ja unterschiedlich (und ich mag keine Raucher küssen). Tja, Toms Rauchen stört mich. Seine Tochter hat Mukoviszidose, wie kann er da rauchen? Na gut, ich muss ihn ja nicht küssen... Er ist so der Typ einsamer Wolf, was seine Frauen dann auch bemeckern.... Die Thematik rund um die indigene Bevölkerung Alaskas und die Folgen des tauenden Permafrosts für sie, fand ich sehr spannend.

Lange Zeit werden wir an der Nase herum geführt und gegen Ende kommt es hart auf hart, nachdem es in der Mitte für meinen Geschmack etwas rasanter sein könnte.

Auch wenn dieser Band in sich abgeschlossen ist, so bleibt doch die Identität des bösen Drahtziehers hinter diesem teuflischen Plan noch im Ungewissen, aber ich habe da so eine Ahnung...

Ein intelligenter Thriller, der in der Mitte etwas mehr Tempo hätte vertragen können, bei dem sich am Ende die Ereignisse aber überschlagen...

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Veröffentlicht am 18.08.2023

Der Kreislauf des Lebens

Nelumbiya – Im Land der magischen Pflanzen
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Tara (11) wächst als Waise in der Felsenstadt Ornata auf und wird von der Herrin der Diebe und Waise gemeinsam mit der kleinen Merle auf Diebeszug geschickt. Auch von der Geburtstagsfeier von Prinzessin ...

Tara (11) wächst als Waise in der Felsenstadt Ornata auf und wird von der Herrin der Diebe und Waise gemeinsam mit der kleinen Merle auf Diebeszug geschickt. Auch von der Geburtstagsfeier von Prinzessin Helena sollen sie reiche Beute mitbringen. Aber es ist gar nicht so leicht, in die bewachte fürstliche Festung zu gelangen und daher verstecken sich die 2 Mädchen auf dem Karren von Bäckergesellen. In der Festung ist Tara fasziniert von dem Geschenk einer Bürgerin an Helena: es ist die magische Löwenzahnpflanze Dandelion (engl. für Löwenzahn). Tara spürt, dass Dandelion etwas Besonderes ist und stiehlt ihn. Von diesem Fang ist ihre Herrin nicht begeistert und schickt sie zurück. Dort lernt sie Helena und Bäckergesellen Semur kennen, die wie sie ein Pflanzenzeichen am Körper tragen. Es weist sie als Pflanzenmenschen aus, Menschen, die sich im verbotenen magischen Land Nelumbiya mit einer Pflanze verbinden können. Daher sind diese Zeichen streng geheim, denn der gefürchtete Askiel sucht nach diesen Menschen und will sie vernichten. Als die drei Kinder belauschen in welcher Gefahr sie schweben, begeben sie sich auf die gefährliche Reise nach Nelumbiya, um das für sie bestimmte Pflanzenwesen zu finden, aber auch um Mensch und Natur zu versöhnen und Askiels heimliche Terrormacht zu brechen.
 
Anfangs ist Tara noch fern von Nelumbiya, daher beginnt dieses Abenteuer mit einem Prolog über Tamaran und seinen  sterbenden Baum Querus. Bis diese dann endgültig in Taras Leben treten ist es ein weiter und gefährlicher Weg. Sowohl Ornata als auch Nelumbiya sind ganz anders, als die Welt in der wir leben. Immerhin kennen wir Bäume und Pflanzen, anders als diese drei Kinder, denen von klein auf eingeschärft wurde, sich von solch gefährlichen Wesen fern zu halten. Ornata wirkt hingegen mit seinen Karren und Festungsmauern sehr mittelalterlich und somit abenteuerlich für uns. Ebenso unterschiedlich sind auch Tara, Semur und Helena. Gerade Helena trauen Tara und Semur oft nichts zu, aber sie ist gewitzt und überrascht immer wieder mit schlauen Ideen und den unendlichen Tiefen ihres Koffers, den sie ja unbedingt mitschleppen musste, egal wie sperrig er auf der Flucht ist! Ja, sie sind auf der Flucht, denn ihr Geheimnis ist aufgeflogen und Askiel hetzt ihnen seine Blaumantel-Armee auf den Hals!


Am Ende wird es noch richtig dramatisch, und die drei Freunde werden vor große Herausforderungen gestellt, die sowohl überraschend, als auch gewagt sind, denn eigentlich kennen sie ihre eigenen Pflanzenmagierfähigkeiten nicht, benötigen sie aber dringend, um die Natur vor dem Untergang zu bewahren.
 
Sehr gut gefällt mir, dass am Ende wirklich alles aufgelöst wird und wir dann auch erfahren, wie es mit den drei Pflanzenmagiern nach der Rückkehr Ornata weitergeht. Das ist gerade im Hinblick auf das Schicksal von Querkus und Tameran tröstlich, das wirklich Hoffnung spendet, aber auch wegen er kleinen, anhänglichen Merle.

Ich mag Ilka Teichmüllers warme Stimme sehr gerne, hier mag ich ihre Interpretation aber nicht. Gerade zu Beginn fand ich sie zu kindlich und übertrieben für die Zielgruppe ab 10 Jahren. Ich fühlte mich nicht auf Augen/Ohrhöhe beim Hören. Das wurde nach ein paar Stunden besser und störte mich dann weniger, weil weniger Erzählerpassagen vorkamen und es überwiegend Dialoge waren. Hier gefielen mir ihre Interpretationen einzelner Charaktere sehr gut, wie z.B. Tamaran, den Pflanzenmenschen des mächtigen Baumes Querus. Dennoch konnte mich ihre Stimme nicht fesseln.
Ein Abenteuer über Freundschaft, Naturschutz und dass jede Gabe zwei Seiten hat, eine helfende und eine gefährliche, wenn man sich nicht bewusst für das Gute entscheidet, Zusammenhalt und den Kreislauf des Lebens.
 
Leider hat es mich nicht ganz packen können, ohne dass ich jetzt genau benennen könnte, wahrscheinlich lag es an der Interpretation..

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Mit dem Kuscheltier Herausforderungen meistern!

Mein liebstes Kuscheltier & ich. Romy kommt in den Kindergarten
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Romy (3) liegt noch schlafend mit ihrem Kuscheldrachen in ihrem Kinderbett, als Papa sie liebevoll weckt und daran erinnert, dass sie gemeinsam zur Kindergarteneingewöhnung gehen. Da hat Romy erst mal ...

Romy (3) liegt noch schlafend mit ihrem Kuscheldrachen in ihrem Kinderbett, als Papa sie liebevoll weckt und daran erinnert, dass sie gemeinsam zur Kindergarteneingewöhnung gehen. Da hat Romy erst mal richtig Bammel, auch wenn Mama extra für sie Pfannkuchen zum Frühstück gemacht hat! Die kann sie nun gar nicht essen, dafür ist ihr zu flau im Magen! Da kommt sie auf die Idee ihren Drachen Rocky heimlich in den Kita-Rucksack zu schmuggeln. Gemeinsam mit ihm, würde sie es hoffentlich schaffen. Die Kita ist gross und fremd und einschüchternd. Als sie Lara ihrer Erzieherin in den Gruppenraum folgen soll, läuft sie schnell zurück, um sich Rocky als Verstärkung zu holen. Gemeinsam schaffen ist es und tatsächlich kommt gleich Theo zu ihr uns spricht sie an.

Die Reihe wirbt damit, dass sie divers und lebendig ist. Ja, in der Kita ist ein Kind im Rollstuhl und auch ein farbiges, völlig selbstverständlich, ohne dass es einer Erwähnung wert ist. Dennoch würde ich mir wünschen, dass die Reihe ärmer an Klischees ist. Der Vater arbeitet was am PC und telefoniert im Home Office und Mama ist Krankenpflegerin (typischer Frauenberuf) und macht Pfannkuchen zum Frühstück (die Frau am Herd!). Ich finde es super, dass das Kind liebevoll umsorgt wird und die Eltern versuchen Romy die Angst vor dem Neubeginn zu nehmen, aber mir ist die Rollenverteilung zu platt. Kann die Mutter nicht immerhin Ärztin sein oder der Vater die Pfannkuchen machen? Mein Vater hat schon vor 50 Jahren Frühstück gemacht, ohne dass ich ihn als modernen Mann bezeichnen würde... Im Theo-Band backen Mama und Oma Kuchen und Opa ist ein super Handwerker und Tüftler... wenn es sich in zwei Bänden wiederholt, ist mir das schon zu unmodern. Moderner ist es schon, dass Romy einen Drachen als Kuscheltier hat und keine Katze/Delphin/Hasen, aber das entspricht heute ja auch wirklich der Realität (ich hatte mir schon überlegt, den Drachen meiner 9 jährigen Nachbarin fürs Foto auszuleihen).

Mir gefällt Romys Kindergarten-Band deutlich besser als Theos Übernachtung bei den Großeltern, weil er viel Kuscheltier bezogener ist, was schon bei der Überblickskarte zu Beginn deutlich wird, in der Drache Rocky im Text deutlich erwähnt wird, aber nicht die Eltern. Es ist wirklich ein zentrales Thema und inhaltlich nicht so aufgefächert wie bei Theo. Gerade für die Zielgruppe ab 3 Jahren finde ich die Fokussierung auf eine Handlung sehr wichtig. Die Beschreibung des Wegs zur Kita finde ich daher völlig überflüssig, das ist viel zu viel überflüssige Information. Dass die Zwei zur Kita Radeln und für das kurze Stück eben kein Auto nehmen, hätte ich nicht nur ausreichend gefunden, sondern einfach super. Nach wie vor, finde ich die Textmenge für Kleinkinder einfach zu umfangreich. Ich werde meiner Schwägerin empfehlen, die Geschichte in eigenen Worten kurz zusammen zu fassen, weil sonst die Konzentrationsspanne der Kleinen überstrapaziert wird. Die Geschichte wird von Susanne Böse liebevoll erzählt, aber um sie an einem Stück als Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen ist sie meines Erachtens für die ganz Kleinen zu lang, da wird man mehrere Abende brauchen. Die Illustrationen von Marie Zippel sind sehr liebevoll und ausdrucksstark. Auf jedem Bild ist Rocky zu entdecken und hier steht er auch von der Geschichte her immer wieder zentral, wie ein Fels in der Brandung an Romys Seite. Die Übersichtskarte, auf der man die Kita, Romys & Rockys Zuhause und das von Theo und Bommel sieht ist sehr schön gestaltet und enthält auch weitere Infos die für ältere Kinder sehr gut gemacht sind, um ein räumliches Orientierungsvermögen und erstes Kartenverständnis zu entwickeln.

Das Thema ist absolut passend für die Zielgruppe ab 3 Jahren und passt super zur Reihe, mein liebstes Kuscheltier und ich. Kuscheltiere sind doch die perfekten Begleiter für solch unbekannte Herausforderungen, die man fürchtet, weil man sie nicht einschätzen kann. Gemeinsam sind neue Herausforderungen viel einfacher und weniger beängstigend.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim DK Verlag für diese wunderschöne Bilderbuch.

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Veröffentlicht am 12.08.2023

Hörbuch-Rezi

Eine Lady hat die Wahl
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Lady Eliza Somerset hat mit 17 Jahren, kurz nach ihrem Debüt in der feinen Gesellschaft als Miss Balfour, den reichen Earl Somerset geheiratet, statt seines Neffen Oliver, dem sie auf den ersten Blick ...

Lady Eliza Somerset hat mit 17 Jahren, kurz nach ihrem Debüt in der feinen Gesellschaft als Miss Balfour, den reichen Earl Somerset geheiratet, statt seines Neffen Oliver, dem sie auf den ersten Blick ihr Herz schenkte. Doch ihre zarten Gefühle und ihr Herz mussten sich dem Willen und Ehrgeiz ihrer Familie beugen, und den deutlich älteren, strengen und geizigen Earl heiraten. Wobei es wohl niemand geahnt hat, dass diese freudlose Ehe nicht nur kinderlos blieb, sondern auch nach nur 10 Jahren durch den allzu frühen Tod des Earls endete. Selbst sein Testament hält für so manche eine böse Überraschung bereit, die erst 6 Monate nach seinem Tod bekannt werden. Sein Neffe Oliver ist nach der Enttäuschung in die Armee eingetreten und konnte aufgrund seiner Verpflichtung, nicht früher seinen Titel antreten. Auch seine Gefühle gegenüber Eliza flammen wieder auf, doch ist das Trauerjahr noch nicht vorbei. Da sie wieder in das Witwenhaus auf dem Landgut ziehen will, noch zurück zu ihrer Mutter, schützt sie gesundheitliche Gründe vor, um mit ihrer Cousine Margarete als Anstandsdame nach Bath zu reisen. Sie hat einen Großteil des Vermögens des Earls geerbt, vorausgesetzt, sie verhält sich moralisch einwandfrei, andernfalls, dürfe Oliver als Erbe des Titels das Vermögen und die Ländereien zurück übertragen. Wird Eliza mit ihrer Freiheit zu seiner Zufriedenheit umgehen können und was sagen seine enttäuschten Verwandten dazu? Eliza findet diese Freiheit zweifellos herrlich!

Eine unbestimmte Sittlichkeitsklausel, welche heimtückische Boshaftigkeit noch aus dem Grab heraus! Doch Eliza hat schließlich noch nie Anlass für gehobene Augenbrauen geliefert, warum sollte es nun, da sie über die finanziellen Mittel verfügt anders sein? Doch Eliza denkt nicht daran die in sie gesetzten Erwartungen ihrer Familie und der Gesellschaft zu erfüllen, stattdessen wollen sie und ihre Cousine endlich das Leben genießen. Immerhin hatte Eliza die letzten 10 Jahre selbst auf ein nachmittägliches Feuer im Kamin im Winter verzichten müssen und die unverheiratete Margaret fühlt sich wie ein Möbelstück zwischen ihren Verwandten hin- und hergeschoben, stets dahin, wo man ihre Dienste braucht. Doch in Bath soll das ganz anders werden! Schon die Reise dorthin ist ein Abenteuer, als ihre Kutsche nur knapp einem Zusammenstoß mit der von Earl Melville und seiner Schwester Lady Caroline entgeht. Die beide genießen trotz ihres hohen Standes und ihres umwerfenden Aussehens, einen nicht ganz so tadellosen Ruf. Dies liegt zum einen, an ihrer Mutter einer indischen Prinzessin, als auch an ihren dichterischen Erfolgen... zudem gilt Lord Melville als Herzensbrecher und Lady Caroline als ausgesprochen intelligent aber unverblümt in der Direktheit ihrer Ausdrucksweise. Eine solche Gesellschaft, sollte auch ohne Sittlichkeitsklausel gemieden werden, wären sie nur nicht so unverschämt gutaussehend, charmant und unterhaltsam! Wie gut, dass Oliver, der neue Lord Somerset kurz darauf ebenfalls in Bath auftaucht und Elizas Herz und Lippen im Sturm wieder erobert!

Lord Somerset ist ganz der Gentleman der alten Schule, aber irgendwie kein Darcy, ihm fehlt die Fähigkeit sich selbst in Frage zu stellen und Brillanz in einer Frau zu erkennen, wenn er sie sieht! Auch ein wacher Geist ist ihm nicht so lieb, wie schickliche Schüchternheit und Zurückhaltung! Dennoch ist dieser Roman zwar für Liebhaber der Regency Epoche vergnüglich, aber weit entfernt von Jane Austen, zu sehr wird er vom Geist der Emanzipation und der Diversität durchdrungen. Das wäre damals undenkbar gewesen! Kein Grund jedoch sich der Beschreibung der opulenten Kleider, Gesellschaften und Soirées zu entziehen und dieses Sittengemälde, das seiner Zeit weit voraus ist, nicht dennoch gut unterhalten zu lauschen! Sprecherin Tanja Forlano führt uns beschwingt und bisweilen verwirrt oder verärgert in die britischen Adelskreise mit ihren allzu strickten Regeln für die Damenwelt und ihre Doppelmoral für die Herren von Welt. Lebendig und abwechslungsreich intoniert sie dieses Wechselbad der Gefühle.

Es ist kein Roman für die Ewigkeit, wie die Werke Austens, aber dennoch gute Unterhaltung mit Herzschmerz, Pomp und Emanzipation.

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