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Veröffentlicht am 23.01.2026

Über das Unsägliche schreiben

Roman eines Schicksallosen
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In "Roman eines Schicksallosen" geht es ums Überleben, ums Überleben der Schrecken von Ausschwitz und Buchenwald.

Der ungarische Autor Imre Kertész erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen, der erst nach ...

In "Roman eines Schicksallosen" geht es ums Überleben, ums Überleben der Schrecken von Ausschwitz und Buchenwald.

Der ungarische Autor Imre Kertész erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen, der erst nach Ausschwitz und dann nach Buchenwald und ins Arbeitslager Zeitz deportiert wird und die Lager überlebt.

Der Roman beginnt damit, dass der Vater des Jungen, György Köves, Vorbereitungen trifft, da er weiß, dass er in eines der Arbeitslager kommen wird. Schon bald wird auch der Junge zum Arbeitsdienst eingeteilt und irgendwann nach Ausschwitz verschleppt, wo er sich als 16-Jähriger ausgibt, der arbeiten kann. So kommt er dann nach Zeitz.

György ist ein Junge, dessen Beschreibungen erst einmal sehr naiv und angepasst wirken. Er ist sehr gehorsam und es wirkt so, als ob er vieles, was um ihn herum passiert nicht versteht. Nach und nach wird die Situation auch im Arbeitslager schlimmer - die sowieso nicht gute Versorgung schlechter und es besteht immer die Möglichkeit körperlicher Gewaltanwendung. Der Junge wird krank und schafft es wie durch ein Wunder auf die Krankenstation in Buchenwald und bleibt dort bis zur Befreiung.

Das Buch geht an menschliche Grenzen und beschreibt das Überleben des Unsagbaren, des Schicksals, das nicht das eigene ist, sondern ein von außen aufgezwungenes Schicksal. Und darum dreht es sich. Wie damit leben, wie es überleben?

Es ist keine leichte Kost, aber ein wichtiges Buch, großartig übersetzt von Christina Viragh. Imre Kertész beschreibt die Grenzen, an die der Junge György gebracht wird und lässt auch die Zeit nach der Befreiung nicht außen vor. Denn da beginnt ein neuer Kampf für ihn - die, die zuhause überlebt haben, wollen alles vergessen und auch ihn davon überzeugen, aber wie soll das gehen?

Das Buch hat mich emotional mitgenommen und ich habe es zum Glück nicht alleine gelesen, sondern hatte jemanden, mit dem ich mich dazu austauschen konnte.

Trotzdem, oder besser gerade deshalb empfehle ich es, denn mehr denn je gilt Hashtag#NieWiederIstJetzt und dieses Buch macht das noch einmal sehr deutlich.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Wie die Karnickel

Wie die Karnickel
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Sie sind vegan, friedlich, auf das Gemeinwohl orientiert und bevorzugen das Matriarchat und damit das Gegenteil von dem, was die Menschheit bis zu dem spontanen anthropomorphenden Ereignis kannte und lebte. ...

Sie sind vegan, friedlich, auf das Gemeinwohl orientiert und bevorzugen das Matriarchat und damit das Gegenteil von dem, was die Menschheit bis zu dem spontanen anthropomorphenden Ereignis kannte und lebte.

Bei diesem Ereignis wurden 18 Kaninchen vermenschlicht, sie konnten sprechen und auf zwei Beinen gehen und wurde nach anfänglicher Skepsis erst freudig und freundlich aufgenommen, doch irgendwann schlug dies in Fremdenhass und Ablehnung ihrer ach so ungewöhnlichen Lebensweise um.

Ein halbes Jahrhundert später lebt der Großteil in abgegrenzten Kolonien, nur wenige Kaninchen dürfen noch außerhalb leben. Doch das reicht den Humansupramisten nicht, sie wollen eine große Umsiedlung in eine eigens abgegrenzte Region in Wales, wo die Kaninchen in ihren Niedriglohnjobs fürs britische Volk arbeiten darf, aber das Leben der Menschen nicht mehr durch ihren täglichen Anblick stört.

Peter Knox, der Protagonist des Buches, lebt bislang vor sich hin, ist sich sicher, dass niemand von seiner eigentlichen Tätigkeit weiß (er ist für alle nur ein langweiliger Buchhalter), als plötzlich seine alte Studienkollegin Conni wieder in sein Leben tritt und alles verändert. Conni ist ein vermenschlichtes Kaninchen und taucht plötzlich in der Bücherei auf, in der Peter ehrenamtlich arbeitet.

Eins kommt zum anderen, natürlich zieht Conni mit ihrer Familie neben Peter ins frei gewordene Haus, Peters Tochter Pippa freundet sich mit Connis Tochter an und irgendwie steht Peter vor der Entscheidung, ob er nichts macht oder alles daran setzt, dabei zu helfen, den Plan der Umsiedlung zu sabotieren.

Hört sich für eine der für Fforde typischen Parallelwelten sehr real an? Ist auch so gedacht vom Autor. Es ist eine Satire, sehr nah an der Realität, mit der er der britischen und auch anderen Gesellschaften den Spiegel vorhält. Leider ist das Buch mit seinem Fokus auf Fremdenhass, Rassismus und Populismus aktueller denn je und allein deshalb schon lesenswert.

Es ist aber auch ein richtiger Fforde mit detailverliebten Beschreibungen der Parallelwelt, in der Karotten für Kaninchen eine ähnliche Wirkung wie ein Joint haben können, der Verzehr von Salatherzen ein erotisches Erlebnis verursachen kann und vermenschlichten Wieseln und Füchsen noch eine besondere Rolle zuteil werden.

Politische Realität verpackt in eine unterhaltsame Geschichte - für Fforde-Fans ein Muss!

Großartig übersetzt von Miriam Neidhardt.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Leckere vegane Gerichte für jeden Tag

Deftig vegan für jeden Tag
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Für diejenigen, die bislang noch keine Berührungspunkte mit veganer Ernährung hatten oder vor veganen Gerichten zurückgeschreckt sind, weil es ja nur Ersatzprodukte sind und die schmecken ja angeblich ...

Für diejenigen, die bislang noch keine Berührungspunkte mit veganer Ernährung hatten oder vor veganen Gerichten zurückgeschreckt sind, weil es ja nur Ersatzprodukte sind und die schmecken ja angeblich nicht oder weil man da ja gar nicht weiß, was man kochen soll, habe ich eine Empfehlung: "Deftig vegan für jeden Tag" von Anne-Katrin Weber.

Dort finden sich leckere und schnell nachkochbare Gerichte aus Topf, Pfanne und Ofen und genau richtig für die kalte Jahreszeit. Suppen, Pasta mit Kürbis oder Rosenkohl (ja, ich bin Mitglied beim Team Rosenkohl) oder schnelle Mie-Nudeln und und und. Einige Rezepte habe ich schon auf Umsetzbarkeit und Geschmack getestet und ich bin mit der Zubereitungszeit gut hin gekommen. Auch die Zutaten gab es alle hier in der Kleinstadt - von mir gibt es eine klare Empfehlung für das Buch.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Das gute Leben

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Vea Kaiser nimmt uns in ihrem neuen Roman "Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels" mit in die mondäne Welt eines Wiener Grand Hotels. Es geht allerdings nicht um die Schönen und Reichen, die dort ...

Vea Kaiser nimmt uns in ihrem neuen Roman "Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels" mit in die mondäne Welt eines Wiener Grand Hotels. Es geht allerdings nicht um die Schönen und Reichen, die dort absteigen, sondern um Angelika Moser, die in den 80er Jahren als junge Frau dort als Buchhalterin beginnt und es zur Abteilungsleiterin bringt.

Doch nicht nur das gelingt ihr. Sie schafft es auch, dank ihrer buchhalterischen Kenntnisse einen "Kredit" bei ihrem Arbeitgeber aufzunehmen, um ihren Sohn als alleinerziehende Mutter aufzuziehen, ohne dass es ihm an etwas mangelt. Die kreative Buchführung setzt sie nicht nur für sich selbst ein, sondern auch für ihre Arbeitgeber, so dass lange Zeit nichts bemerkt wird und Angelika sich neben ihrem Sohn auch um die anderen Baustellen in ihrem Leben kümmern kann: ihre demente Mutter, ihre drogensüchtige Freundin Ingi und natürlich die Liebe mit Höhen und Tiefen.

Eine reale Geschichte diente als Vorlage für dieses Buch und Vea Kaiser ist es gelungen, einen gut unterhaltenden Roman zu schreiben, der zwischendurch nicht nur in die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens dringt, sondern auch zeigt, was für eine Leistung Angelika erbracht hat, es zur damaligen Zeit zur Abteilungsleiterin zu bringen, dazu noch als alleinerziehende Mutter.

Angelika geht gerne feiern und da ich auch in den 80ern jung war, kam mir vieles in Bezug auf Musik und den Party-Vibes bekannt vor. Und auch sprachlich ist es wieder auf den Punkt, ich mag die Art, wie Vea Kaiser ihre Geschichten erzählt.

Ich habe viel gelacht und empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Ein etwas anderer Reiseführer für Kopenhagen

Hallo Kopenhagen
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Es geht mit Harriet Dohmeyer nach Kopenhagen. In ihrem Reiseführer "Hallo Kopenhagen" zeigt sie uns die Stadt, einzelne Stadtviertel und viele verschiedene Orte, die sie uns empfehlen kann.

Gleichzeitig ...

Es geht mit Harriet Dohmeyer nach Kopenhagen. In ihrem Reiseführer "Hallo Kopenhagen" zeigt sie uns die Stadt, einzelne Stadtviertel und viele verschiedene Orte, die sie uns empfehlen kann.

Gleichzeitig gelingt es ihr, die Stadt und das Lebensgefühl dort durch die Fotos lebendig werden zu lassen. Dieses Besondere einer Stadt, die am Wasser liegt, das lebenswerte Ambiente und die Möglichkeiten, die das bietet. Es gibt Bademöglichkeiten direkt in der Stadt, die Radinfrastruktur ist richtig gut ausgebaut und man kommt gut mit dem ÖPNV von A nach B. Kunst und Kultur gedeihen gut und sind Aushängeschild (auch wenn ich es bei meinem zweiten Besuch der Stadt immer noch nicht ins Lousiana und Museum Copenhagen Contemporary geschafft habe).

Ein besonderer Fokus des Buchs liegt auf dänischer Literatur, um dieses Special hat sich Marie Krutmann gekümmert und meine Leseliste und der Wunsch, dass die genannten Werke schnell ins Deutsche übersetzt werden, sind gewachsen.

Es gibt viele Tipps für nette Cafés, Restaurants und vieles mehr und es ist schön nach der Reise im Buch zu blättern und in Erinnerungen zu schwelgen.

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