Es zerriss mich, heilte mich und ließ mich mit Liebe zurück
Gute GründeDieses Buch hat mich fertig gemacht. Zerrissen, zerkaut, ausgespuckt und dann liebevoll geglättet. Zum Abschied hat es mir nochmal freundlich über den Kopf gestreichelt und all seine Eindrücke in mir zurückgelassen. ...
Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Zerrissen, zerkaut, ausgespuckt und dann liebevoll geglättet. Zum Abschied hat es mir nochmal freundlich über den Kopf gestreichelt und all seine Eindrücke in mir zurückgelassen. Ich wollte eigentlich nur rein lesen, die ersten paar Seiten und dann ein anderes Buch weiterlesen. Aber Nadine J. Cohens Stimme hat sich in mir festgesetzt und mich nicht mehr los gelassen, bis ich gestern Abend weinend vor Trauer und Glück diese berührende Geschichte beendet habe. Yael hat nein zum Leben gesagt und wollte sich umbringen. Doch ihre Schwester will sie nicht verlieren und so versucht Yael Gründe zu finden „JA“ zum leben zu sagen. Dabei ist Yael unglaublich sympathisch und nahbar. Sie ist witzig, auch wenn es ihr offensichtlich nicht gut geht, schlagfertig und versteht es im richtigen Moment das richtige zu denken oder zu sagen. Man fiebert von Anfang an mit und hofft, dass Yael gute Gründe findet am Leben fest zu halten und dass sie heilen und sich erholen kann. Nach und nach wie bei einem Puzzle setzt sich dabei die Geschichte vor unserem Auge zusammen, bis wir schließlich erkennen was Yaels Gründe waren ihr Leben nicht mehr lebenswert zu finden. Zeitgleich entspinnt sich ein Mosaik aus Yaels aktueller Situation und lässt ein Bild erkennen in dem wir Leser und hoffentlich auch die Protagonsistin selbst ein schönes Leben erkennen kann. Dabei begleiten wir sie ein Jahr lang. Die Geschichte ist in Monate aufgeteilt und die Monate wiederum in mal kürzere, mal längere Abschnitte. Ein wilder Mix aus Jetzt und Erinnerungem, der hier gekonnt zu einer Geschichte verwoben wird die man so schnell nicht wieder vergisst und die hier und da auch Fragen an einen selbst aufwirft. Darüber wie man mit bestimmten Situationen umgehen möchte und auch darüber welche guten Gründe man selber hat. Auch das australische Setting hat mich absolut abgeholt. Das Frauen Schwimmbad am Meer als ein zentraler Dreh- und Angelpunkt empfand ich selbst durch die Seiten als Safe Space. Als Ort um einfach nur zu sein und auch als Ort um wieder zu sich selbst zu finden. Schade, dass wir hier so was nicht haben. Ich persönlich empfand es als heilsam wie in diesem Buch über Verlust und Trauer geschrieben wurde. Das muss aber natürlich nicht jedem so gehen. Wenn ihr ein melancholisches Buch mit Hoffnung lesen möchtet seid ihr hier genau richtig. Irgendwie hatte es was von „the fault in our stars“ nur sehr viel erwachsener geworden.