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Veröffentlicht am 16.02.2022

Packender Polit-Thriller vor der Kulisse des Krieges um die Unabhängigkeit Algeriens

Wie wir töten, wie wir sterben - Shortlist Crime Cologne Award 2022
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Mit dieser gelungenen Mischung aus Thriller und historischem Roman konnte mich der Autor Martin von Arndt erneut auf ganzer Linie überzeugen. Die Geschichte ist diesmal im Jahr 1961 angesiedelt und spielt ...

Mit dieser gelungenen Mischung aus Thriller und historischem Roman konnte mich der Autor Martin von Arndt erneut auf ganzer Linie überzeugen. Die Geschichte ist diesmal im Jahr 1961 angesiedelt und spielt vor dem Hintergrund des Krieges um die Unabhängigkeit Algeriens, der von 1954 bis 1962 tobte.

Man kann das Buch auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten drei Büchern der Reihe, in denen noch der ehemalige Polizist Andreas Eckart als Handlungsträger fungiert, problemlos lesen und nachvollziehen, obwohl hier einige Akteure mitmischen, die auch in diesen Büchern bereits mit dabei waren. Alle erforderlichen Informationen zu diesen Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.

Fünf Jahre sind seit dem Tod von Andreas Eckart vergangen. Sein ehemaliger Mitstreiter Daniele „Dan“ Vanuzzi versucht, sich mit kleineren Aufträgen und als Boxer über Wasser zu halten, als sich ihm doch noch eine neue Chance bietet. Im Auftrag des französischen Auslandsgeheimdienstes soll er zwei Mitglieder der algerischen Befreiungsarmee aufspüren, die als Kriegsverbrecher gesucht werden und in Deutschland untergetaucht sind. Zeitgleich ist der Mossad-Agent Ephraim Rosenberg, ebenfalls ein alter Bekannter von Andreas Eckart, auf der Suche nach dem ehemaligen KZ-Kommandanten Arthur Florstedt, der auch für den Tod von Rosenbergs Familie verantwortlich ist. Als sich die Fährten der beiden Jäger kreuzen, beschließen sie, sich gegenseitig zu unterstützen, ahnen aber nicht, in welches Wespennest sie dabei stechen.

Auch in diesem Buch gelingt es dem Autoren, nicht nur eine spannende und gut aufgebaute Geschichte zu erzählen, mit seinem packenden Schreibstil fängt er zudem die Atmosphäre der damaligen Zeit auch sehr gut ein. Mit einer bildhaften Sprache, die das Kopfkino beim Lesen mächtig ankurbelt, und der äußerst gelungenen Charakterisierung der Protagonisten, die durchgehend ausgesprochen vielschichtig angelegt sind, entwickelt sich eine komplexe Geschichte, die mit jeder Seite eine immer größere Sogwirkung entwickelt. Der Wechsel der Hauptfigur funktioniert dabei völlig reibungslos, das hohe Niveau der vorherigen Bücher wird mühelos gehalten.
Definitiv kein Buch für zwischendurch, hier muss man schon aufmerksam lesen, um den Überblick über das Geschehen mit seinen zahlreichen politischen Verwicklungen und Ränkelspielen im Hintergrund nicht zu verlieren.

Der algerische Befreiungskrieg war mir vor der Lektüre nur wenig bekannt, so dass mir das Buch neben spannender Unterhaltung auch noch einige interessante Informationen und Einblicke in dieses eher dunkle Kapitel der europäischen Kolonialgeschichte bieten konnte, dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit spürbar sind.

Wer auf spannende und atmosphärisch dichte historische Romane aus der Welt der Geheimdienste steht, wird hier bestens bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 11.02.2022

Packender Mystery-Thriller um eine Dorfgemeinschaft und ein mysteriöses Ritual

Das Dorf
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Mit diesem Mystery-Thriller legt der Autor Ben Kohler den ersten Band einer als Trilogie angelegten Reihe vor, der mich auf knapp 130 Seiten gut und spannend unterhalten konnte.

Das abgelegene Dorf Sneem ...

Mit diesem Mystery-Thriller legt der Autor Ben Kohler den ersten Band einer als Trilogie angelegten Reihe vor, der mich auf knapp 130 Seiten gut und spannend unterhalten konnte.

Das abgelegene Dorf Sneem in den irischen Bergen hat genau 101 Einwohner. Gemäß einer alten Legende werden schreckliche Dinge geschehen, sollte man von dieser Zahl abweichen. Und so wird seit Jahr und Tag der jeweilige Dorfälteste von seinem Sohn in einem festgelegten Ritual getötet, wenn in Sneem ein Kind geboren wird. Doch der aktuelle Kandidat Kian hütet ein schreckliches Geheimnis, das das gesamte Dorf ins Unglück stürzen könnte. Und so stellt er seinen Sohn Liam vor die schwerste Prüfung seines Lebens.

Mit einem eher ruhigen, aber dennoch packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran. Dabei baut er schnell Spannung und eine unterschwellige Bedrohungslage auf, die sich immer weiter steigert und in der zweiten Hälfte dann in einem furiosen Szenario entlädt. Die Hauptprotagonisten sind zwar insgesamt gut gezeichnet, einige Nebenfiguren hätten aber durchaus noch etwas mehr Tiefe aufweisen dürfen. Vielleicht bieten die beiden nachfolgenden Bände ja noch Gelegenheit dazu, dies nachzuholen bzw. auszubauen. Der hohe Unterhaltungswert des Auftaktbandes wird dadurch eh nur wenig beeinträchtigt.

Wer eine spannende Portion Mystery für zwischendurch sucht, wird hier gut bedient und unterhalten. Und ein fieser Cliffhanger sorgt dafür, dass man dem zweiten Teil noch etwas mehr entgegenfiebert.

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Veröffentlicht am 04.02.2022

Humorvoller Roman um einen sympathischen Chaoten auf einem turbulenten Roadtrip durch Kanada

Kunibert Eder - Auf der Spur von Mister X
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Mit diesem Buch schickt der Autor Jan-Mikael Teuner seinen sympathischen Chaoten Kunibert "Kuno" Eder in sein zweites Abenteuer. Nachdem das erste Buch noch rund um sein Heimatdorf Hennigsen und den dortigen ...

Mit diesem Buch schickt der Autor Jan-Mikael Teuner seinen sympathischen Chaoten Kunibert "Kuno" Eder in sein zweites Abenteuer. Nachdem das erste Buch noch rund um sein Heimatdorf Hennigsen und den dortigen Fußball angesiedelt war, zieht es Kunibert diesmal hinaus in die große weite Welt.

Man braucht hier grundsätzlich keine Vorkenntnisse aus dem ersten Buch, um die Geschichte lesen und nachvollziehen zu können. Alle dafür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören. Um die Entwicklung der Figuren und die immer wieder eingestreuten Verweise auf frühere Ereignisse in Gänze genießen zu können, empfiehlt es sich aber schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Nachdem ihm sein Opa Gustav eine gewonnene Reise nach Kanada abgetreten hat, heißt es für Kunibert nun zum ersten Mal im Leben, sein Heimatdorf mit seinen Kumpels Sandro und Krücke für eine längere Zeit hinter sich zu lassen. Nach langem Zögern und Zaudern macht er sich schlussendlich doch auf die weite Reise. In Kanada trifft er auf das sonderbare Pärchen Alissa und Pätrick, die ihn in die Suche nach einem mysteriösen Mr. X verstricken. Oder ist das Ganze überhaupt kein Zufall, sondern war von Beginn an eine abgekartete Sache, die am Ende mehr mit ihm selbst zu tun hat, wie ihm lieb ist ?

War das erste Buch noch wie ein Fußballspiel aufgebaut, orientiert sich der Aufbau der Geschichte diesmal so ein wenig an einem Eishockeyspiel. Der Sport spielt diesmal aber dennoch eher eine untergeordnete Rolle, im Mittelpunkt stehen Kunibert und die anderen, teilweise doch sehr skurrilen Gestalten, die der Autor mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Figuren zeichnet und in ein wahres Getümmel voller Humor, Situationskomik und einigen überraschenden Wendungen wirft. Dabei wirkt der Plot diesmal wesentlich straffer und weist im Gegensatz zum ersten Band auch deutlich weniger Längen auf. Ein lockerer Schreibstil, der auch immer mit einem gewissen Augenzwinkern versehen ist, trägt zum hohen Unterhaltungswert des Buches ebenfalls ein ordentliches Stück bei.

Ein humorvolles Buch, das sich gegenüber dem ersten Band noch einmal deutlich steigern kann und mich so unter dem Strich sehr gut unterhalten konnte.

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Veröffentlicht am 02.02.2022

Packender und atmosphärisch dichter historischer Roman um den Bau der Karlsbrücke in Prag

Die Brücke der Ewigkeit
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Mit diesem Buch legt der Autor Wolf Hector, hinter dem Thomas Ziebula verbirgt und der auch bereits unter einigen anderen Pseudonymen, wie z. B. Ruben Laurin, veröffentlicht hat, einen packenden und atmosphärisch ...

Mit diesem Buch legt der Autor Wolf Hector, hinter dem Thomas Ziebula verbirgt und der auch bereits unter einigen anderen Pseudonymen, wie z. B. Ruben Laurin, veröffentlicht hat, einen packenden und atmosphärisch dichten historischen Roman vor, der mich auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte.

Der halbwüchsige Jan Otlin muss im Jahr 1342 mitansehen, wie die Judithbrücke in Prag einstürzt und auch seine Mutter mit in die Tiefe reißt. In seiner Verzweiflung stößt er den Schwur aus, dass, wenn Gott sie zu retten vermag, er ihm zu Ehren eine neue Brücke über die Moldau bauen würde, eine Brücke für die Ewigkeit. Und tatsächlich überlebt seine Mutter das Unglück. Knapp 25 Jahre später ergibt sich für Jan dann tatsächlich die Gelegenheit, seinen Schwur zu erfüllen. Kaiser Karl IV. will eine neue Brücke an der Stelle der alten Brücke errichten lassen und ruft einen Wettbewerb aus, dessen Gewinner zum neuen Brückenbaumeister von Prag ernannt werden soll. In Rudolph von Straßburg hat Jan dabei allerdings einen Konkurrenten, der vor nichts zurückschreckt, um ihm das Amt streitig zu machen.

Mit einem packenden Schreibstil und viel Liebe zum Detail konnte mich der Autor mit jeder Seite immer tiefer in den Bann der gut aufgebauten Geschichte ziehen. Getragen wird diese durch fein gezeichnete und vielschichtig angelegte Charaktere in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, mit denen man beim Lesen gerne mitfiebert. Dabei hält sich der Autor eng an die historischen Fakten, wie eine Zeittafel zu Beginn des Buches belegt, versteht es aber auch meisterhaft, die durchaus vorhandenen Lücken dazwischen mit viel Phantasie zu füllen, ohne das Gesamtbild zu verfälschen.

Neben der Zeittafel sind auch das Personenregister mit der Zusatzinformation, welche der Protagonisten historisch belegt sind, und eine Karte der Stadt Prag sehr hilfreich, um sich in der komplexen Geschichte mit seinem doch recht hohen Personenaufgebot zurechtzufinden. Ein Nachwort, das Auskunft über Dichtung und Wahrheit gibt, und ein Glossar runden das Buch am Ende hervorragend ab und lassen endgültig keine Fragen mehr offen.

Da ich selber seit vielen Jahren im Brückenbau tätig bin, haben mich die Beschreibungen der Bauabläufe an dem später unter dem Namen Karlsbrücke bekannt gewordenen Bauwerk natürlich besonders interessiert und fasziniert. Dabei gab es auch durchaus einiges Neues zu entdecken. Quark und Eier als Zuschlagstoffe für Zement bzw. Beton waren mir bislang zumindest nicht geläufig. Dem Autoren geling es dabei auf hervorragende Art und Weise, die Bauabläufe so zu beschreiben, das sie auch für Laien auf dem Gebiet des Brückenbaues problemlos zu verstehen sind. Zumal hier die Geschichte um den Brückenbau sowieso klar im Vordergrund steht.

Liebhaber von prallen historischen Romane mit einer ordentlichen Portion Mittelalter werden hier somit bestens bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

Schonungsloser Thriller um einen Elitesoldaten und ein monströses Forschungsprojekt

Prototyp
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Mit diesem Buch legt der Autor Matthias Clostermann einen harten und kompromisslosen Thriller vor, der zwar etwas braucht, bis er richtig auf Touren kommt, dann aber gewaltig kommt und einen förmlich überrollt. ...

Mit diesem Buch legt der Autor Matthias Clostermann einen harten und kompromisslosen Thriller vor, der zwar etwas braucht, bis er richtig auf Touren kommt, dann aber gewaltig kommt und einen förmlich überrollt. Dabei lässt der Autor in Sachen Gewalt und blutiger Einlagen wenig bis nichts aus, daher ist das Buch für etwas zartere Gemüter nicht wirklich geeignet.

Ein schrecklicher Motorradunfall, bei dem er Arme und Beine verliert, zerstört das bisherige Leben des Elitesoldaten Stefan Roth vom einen auf den anderen Moment. Und so zögert er in seiner Verzweiflung auch nicht lange, als man ihm anbietet, Testperson eines geheimen Forschungsprogramms der europäischen Union zu werden, bei dem die fehlenden Körperteile durch eine gänzlich neue Art von Neuroprothesen ersetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um Hightech-Roboter-Gliedmaßen, die mit den Muskeln und Nerven seines Körpers verbunden sind und somit über sein Gehirn gesteuert werden können. Wenn er allerdings gewusst hätte, worauf er sich dabei wirklich einlässt, hätte er aber wahrscheinlich doch etwa länger über dieses Angebot nachgedacht.

Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und schickt seine Hauptfigur (und damit auch uns Leser) auf einen wahren Horrortrip. Das der Autor seit Jahren im Film- und Entertainmentbereich arbeitet, merkt man seinen bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino permanent auf Hochtouren laufen lassen, jederzeit an. Getragen wird das Ganze zudem von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Nach einem vergleichsweise ruhigen Beginn, der sich Zeit nimmt, die Figuren und das Setting einzuführen, legt die Geschichte ordentlich an Fahrt zu, die Spannung steigt jetzt von Seite zu Seite und entlädt sich am Ende in einem fulminanten und ziemlich blutigen Showdown, der einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt und zudem noch einige böse Überraschungen bereithält.

Wer auf Thriller der etwas härteten Art steht und kein Problem mit blutigen Einlagen hat, wird hier bestens bedient und unterhalten.

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