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Veröffentlicht am 28.09.2024

Wenn die Leidenschaft aus dem Ruder gerät ...

Tage mit Milena
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Wie nicht anders erwartet, zog mich die sympathische Autorin Katrin Bursig, die mir schon von ihrem wunderbaren Buch „Adas Fest“ bekannt war, mit ihrem neuesten Werk „Tage mit Milena“ mal wieder in den ...

Wie nicht anders erwartet, zog mich die sympathische Autorin Katrin Bursig, die mir schon von ihrem wunderbaren Buch „Adas Fest“ bekannt war, mit ihrem neuesten Werk „Tage mit Milena“ mal wieder in den Bann. Der Roman dreht sich mit Annika und Luzie um zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Annika scheint im Leben angekommen zu sein und lebt mit ihrem bodenständigen und liebevollem Mann Hendrick in einer Wohnung in Lübeck, die direkt über ihrer kleinen Papeterie liegt. Doch dann erscheint die 17jährige Luzie plötzlich voller jugendlicher Leidenschaft auf der Bildfläche und wirbelt mit ihrer radikalen Umweltschutzaktion das Leben Annikas vollkommen durcheinander. Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit, die sie bis dato so gut verdrängt zu haben schien, kommen brodelnd wieder an die Oberfläche und auf einmal haben die Beiden mehr gemeinsam als sie für möglich hielten. Sie machen sich zusammen auf eine Reise, die sie zugleich in die Vergangenheit und die Zukunft führen wird …

Fast schon atemlos las ich mich durch diesen Roman, der nicht nur in den beiden Protagonistinnen, sondern auch bei mir Gefühle erweckte, die von berührt über wütend, bis hin zu ein wenig traurig reichten. Seite für Seite warf mir Katrin Bursig ein Puzzlesteinchen nach dem anderen zu, bis ich schließlich am Schluss ein Gesamtbild hatte und erschöpft aber irgendwie auch glücklich das Buch zugeklappten konnte. Viele Unbekannte lösten sich auf, lang unterdrückte Gefühle durften gefühlt werden aber auch so mancher Fehler im Leben Annikas und Luzies kam zu Tage. Ich bin tatsächlich total begeistert von diesem besonderen Roman, der mir mal wieder viele neue Erkenntnisse vermittelte und mich gleichzeitig spannend unterhalten hat. Das belohne ich gerne mit einer überzeugten Leseempfehlung gepaart mit fünf funkelnden Sternen. Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit dem Buch, liebe Katrin, und vor allem noch viele begeisterte Leserstimmen.

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Veröffentlicht am 27.09.2024

Der ewige Kampf der Frauen ...

Marschlande
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Mit „Marschlande“ hat die Autorin Jarka Kurbsova einen Roman kreiert, der auf zwei Zeitebenen aufgebaut ist und die beiden auf sehr harmonische Weise miteinander verwebt. Der Vergangenheitsteil rund um ...

Mit „Marschlande“ hat die Autorin Jarka Kurbsova einen Roman kreiert, der auf zwei Zeitebenen aufgebaut ist und die beiden auf sehr harmonische Weise miteinander verwebt. Der Vergangenheitsteil rund um Abelke Bleken basiert auf wahren Tatsachen und ist hervorragend recherchiert. Während die Dialoge der Protagonistin natürlich frei erfunden von der Autorin in den Mund gelegt wurden, konnte ich mir beim Hören gut vorstellen, dass es so oder ähnlich gewesen sein muss. Die mutige Abelke steht mit beiden Beinen im Leben und führt nach dem Tod ihres Vaters als alleinstehende Frau den Familienbauernhof mit all seinen Angestellten weiter. Das war damals sehr ungewöhnlich und so wird sie mit Argwohn von den Nachbarn beäugt. Als sie schließlich durch die Willkür einiger Männer alles verliert und sich selbst als Magd verdingen muss, wird sie letztendlich der Hexerei bezichtigt. Ein trauriges Ende nimmt seinen Lauf …

Auch Britta muss erfahren, dass in der heutigen Zeit für Frauen nicht alles rund läuft. Sie stößt nach ihrem nicht ganz freiwilligen Umzug in die Marschlande auf die Geschichte Abelke Blekens und fängt an zu recherchieren, während in ihrem eigenen Leben nach und nach alles aus dem Ruder zu laufen scheint. Dabei will sie einfach Gerechtigkeit und eine faire Behandlung, sowohl in der eigenen Familie als auch im Beruf. Ein Kampf gegen Windmühlen wäre wahrscheinlich einfacher zu bestreiten ...

Mit „Marchlande“ bin ich durch Zufall mal wieder auf wunderbaren Roman gestoßen, der mich fasziniert und direkt zu ein paar eigenen Recherchen zum Thema Hexenverfolgung im 16. Jahrhundert inspiriert hat. Wie waren die Zeiten doch oft hart und grausam damals! Eindringlich gesprochen von den beiden bekannten Hörbuchsprecherinnen Julia Nachtmann und Nina Petri habe ich mich beim Hören sehr wohl gefühlt in der Geschichte und kann sie uneingeschränkt empfehlen. Von mir gibt es mit fünf Sternen die volle Punktzahl!

Veröffentlicht am 19.09.2024

Ärger in der Uckermark ...

Düstersee
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"Endlich mal raus, endlich mal selbst Urlaub machen." Genau das waren Joachim Vernaus Gedanken, als er das großzügige Angebot Christian Steinhoffs, in dessen Bootshaus zwei ungestörte Wochen zu verbringen, ...

"Endlich mal raus, endlich mal selbst Urlaub machen." Genau das waren Joachim Vernaus Gedanken, als er das großzügige Angebot Christian Steinhoffs, in dessen Bootshaus zwei ungestörte Wochen zu verbringen, annahm. Im großen Haus nebenan wird gefeiert und werden Deals geschlossen, und plötzlich sieht sich der Berliner Anwalt mit einer Leiche konfrontiert. Während es zunächst aussah, als schliefe Professor Steinhoff friedlich auf einer Bank am See, stellt sich bald heraus, dass er tot ist. Hatte der Streit, den Vernau noch vor ein paar Stunden mitgehört hatte, etwas mit dem Ableben Steinhoffs zu tun? Und was zum Teufel hat die Freundin ihrer Mutter, Ingeborg Huth – genannt Hüthchen, mit der ganzen Sache zu tun? Ist sie am Ende die Mörderin ihrer eigenen Nichte? Eine spannende Jagd beginnt, gespickt mit wilden Spekulationen und Anschuldigungen und einer Reise in die Vergangenheit, in der sich so mancher nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat …

Auch im mittlerweile siebten Teil der interessanten Reihe um den Anwalt Joachim Vernau schafft es die Autorin Elisabeth Herrmann wieder zu überraschen und zu begeistern. Nachdem ich die Fernsehverfilmung von „Düstersee“ vor einigen Wochen genießen durfte, hatte ich natürlich beim Lesen Kopfkino vom Feinsten und muss sagen, beide Versionen haben mich überzeugt. Jan Josef Liefers als Berliner Anwalt Vernau ist natürlich unschlagbar und ich bin überrascht, wie nah am Buch die Verfilmung war. Kurzum, ich empfehle beide Versionen und vergebe hier gerne mal wieder eine absolute Leseempfehlung verbunden mit einem blinkenden fünf Sterne Regen. Ich hoffe, wir dürfen Vernau und natürlich seine sympathische Kollegin Marie Louise Hoffmann noch in vielen weiteren Bänden dieser Krimireihe begleiten.

Veröffentlicht am 16.09.2024

Hilfe in den Krisengebieten auf Kosten der eigenen Familie ...

Der Morgen nach dem Regen
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Mit Johanna und Elsa lerne ich beim Lesen zwei starke Frauen kennen, die sich nicht etwa in ihrer Stärke ergänzen, sondern an einander reiben und sich somit immer weiter von einander entfernen. Die Mutter ...

Mit Johanna und Elsa lerne ich beim Lesen zwei starke Frauen kennen, die sich nicht etwa in ihrer Stärke ergänzen, sondern an einander reiben und sich somit immer weiter von einander entfernen. Die Mutter Johanna hat ihr Leben dem Job, nein, ihrer Berufung, verschrieben und versucht dennoch händeringend den Spagat zwischen Arbeit und Familie hinzukriegen. Allerdings geht es bei ihrer Arbeitsstelle mitnichten um einen „9 to 5 Job“, sie ist nahe dran, wenigstens einen kleinen Teil der Welt zu retten und gibt alles dafür. Währenddessen hält ihr Mann Ralph mit Töchterchen Elsa in New York die Stellung und versucht ein wenig Normalität in ihrer aller Leben aufrecht zu erhalten. Zuerst schleichend aber doch sehr offensichtlich versucht Elsa mit der Arbeit der Mutter zu konkurrieren und kämpft verzweifelt um deren Aufmerksamkeit. Geprägt durch Kindheit und Jugend fällt sie schließlich als erwachsene Frau in genau das gleiche Muster wie ihre Mutter und gibt 200% in ihrem Job als Strafverteidigerin der schwersten Verbrecher gegen die Menschlichkeit. Während sich ihre Mutter nach dem Tod Tante Tonis in deren Haus verkrochen hat, erlebt Elsa einen Breakdown der besonders schlimmen Art. Ein Burnout zwingt sie schließlich in die Knie und unfreiwillig in die Arme ihrer Mutter. Es beginnt eine schwierige Zeit für beide Frauen doch ganz langsam beginnt auch ein zartes Pflänzchen der Hoffnung zu wachsen …

Mit „Der Morgen nach dem Regen“ beschert mir die wunderbare Autorin Melanie Levensohn, die ich schon durch ihren sehr berührenden Roman „Zwischen uns ein ganzes Leben“, dem ich wohlverdiente fünf Sterne gegeben hatte, kennenlernen durfte. Wie damals schafft sie es auch mit ihrem aktuellen Buch wieder, mich zu überzeugen. An vielen Stellen konnte ich Johannas inneren Drang verstehen, nämlich Menschen, die alles im Leben verloren hatten oder vielleicht sogar nie besaßen, zu helfen. Auch ich habe in meinem Umfeld geliebte Menschen, die es mehr oder weniger freiwillig in Krisengebiete verschlug und die alles gegeben haben um zu helfen und zu retten was zu retten war. Dennoch wird auch in diesem Buch deutlich, wie Helfende gegen Windmühlen kämpfen und man immer am Rand der Verzweiflung agiert. Melanie Levensohn hat es meiner Meinung nach geschafft, den Kreis zwischen Hoffnung und Trauer, Mut und Resignation zu schließen. Sie lässt Menschlichkeit zu und schreibt eine berührende Geschichte, die nicht einen Moment ins Kitschige abdriftet. Von mir gibt es für diesen eindringlichen Roman eine absolute Leseempfehlung verbunden mit hoffnungsvolle fünf Sternen. Ich wünsche dem Buch eine große Leserschaft und freue mich schon heute auf weitere Zeilen aus der Feder Melanie Levensohns.

Veröffentlicht am 16.09.2024

Wenn man seine Träume nicht leben darf ...

Als wir von Schönheit träumten
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Das Leben könnte so einfach und gradlinig sein für eine Familie, die weiß, was sie vom Leben möchte. Rudi und Elli Salomon haben ihres dem Entwerfen und Nähen eigener Kreationen gewidmet und betreiben ...

Das Leben könnte so einfach und gradlinig sein für eine Familie, die weiß, was sie vom Leben möchte. Rudi und Elli Salomon haben ihres dem Entwerfen und Nähen eigener Kreationen gewidmet und betreiben ein kleines Modeatelier im schönen Leipzig. Doch der neu gegründete Staat „Deutsche Demokratische Republik“ hat anderes mit ihnen vor. Das eigenständige Unternehmen ist ihm ein Dorn im Auge, sie wollen enteignen und die Beiden in eine staatliche Näherei stecken. Wie lange wird es den Salomons noch gelingen durchzuhalten? Auch Tochter Hanka hat „Nadeln im Blut“ und vernäht schon zu Schulzeiten alles was sich in ein eigenes kleines Kunstwerk verwandeln lässt. Da wird sie dank der Bilder ihrer Schwester als Mannequin entdeckt und auch der verheiratete Redakteur Hartmut der Zeitschrift "Sybille" ist schnell Feuer und Flamme für sie. Kann das auf Dauer gutgehen? Um das Familienquartett zu vervollständigen gehört noch die ältere Tochter Annekathrin dazu, deren Herz für die Fotografie schlägt und die sich so gerne als Fotografin einen Namen machen möchte. Wird des den Vieren gelingen, unbeschadet in der DDR leben und wirken zu können?

Sehr gut stellt die Autorin Ines Thorn, selbst in den 60er Jahren in Leipzig geboren, die Situation in der ehemaligen DDR dar und vermag es anschaulich zu schildern wie schwer es damals war, wenn man nicht wie viele andere tausend Fische mit dem Strom schwamm. Für mich, zur gleichen Zeit im Westen geboren, war es gar keine Frage, dass ich mir mehr oder weniger jeden Traum erfüllen konnte, den ich zu träumen wagte. Ines Thorn gab mir einen Blick hinter die Kulissen, der wohl nur von damals „Betroffenen“ gegeben werden kann und ich hing zeitweise geradezu an den Zeilen. Leider fand ich dann aber das letzte Viertel des Buchs ein wenig zu gerafft, fast so als wollte man fertig werden und das Buch nun schnellstmöglich beenden. Schade, deshalb ziehe ich ein kleines Sternchen ab und vergebe vier von fünf Sternen. Eine unbedingte Leseempfehlung möchte ich dennoch aussprechen. Das Buch hat definitiv Aufmerksamkeit verdient!