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Veröffentlicht am 29.08.2022

"Wenn wir laut klatschen, verschwinden sie in ihren Höhlen, die Anhänger der braunen Hasenpartei ..."

Die Aufrechte
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Man hat ja immer ein wenig Sorge, dass biografische Romane etwas trocken sein könnten. Dass sie vielleicht eher nur eine Aufzählung der Stationen im Leben einer Person sein könnten, die darin beschrieben ...

Man hat ja immer ein wenig Sorge, dass biografische Romane etwas trocken sein könnten. Dass sie vielleicht eher nur eine Aufzählung der Stationen im Leben einer Person sein könnten, die darin beschrieben wird. Wenn das eure Sorgen sind, dann lehnt euch entspannt zurück und taucht ein in die spannende Geschichte der Journalistin und Schriftstellerin Felicitas von Reznicek. Ihr habt noch nie von ihr gehört? Dann befindet ihr euch in guter Gesellschaft, denn auch mir war die Dame bis dato unbekannt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ihr der sympathische Journalist und Autor Claudius Crönert – quasi ein Kollege der Protagonistin - mit seinem Buch „Die Aufrechte“ postmortal eine Stimme verliehen hat und ihre Geschichte bis zum Jahr 1945 wieder aufleben lässt.
In flüssigem und ausdrucksvollem Schreibstil darf man als Leser eintauchen in das oft unkonventionelle Leben von Fee, die aus einer Künstlerfamilie stammt. Ihr Vater, der Lehrer und Komponist Emil Nikolaus von Resnicek – kurz EN genannt – unterstützt sie von jungen Jahren an, ein selbstständiges Leben zu führen, verlässt sich aber auch sein Leben lang auf ihre Unterstützung für seine eigenen Belange. So gelangt sie schließlich durch ihre Arbeit aber auch den steigenden Judenhass in den Widerstand und fungiert als Nachrichtenüberbringer u. a. in die Schweiz, dem eigentlichen Tummelplatz der Nachrichtendienste. Doch dann verliebt sie sich ausgerechnet in einen hohen Nazioffizier, den Adjutanten Fritz Wiedemann, der direkt Adolf Hitler zur Seite gestellt ist …
In „Die Aufrechte“ lesen wir von den Höhen und Tiefen im Leben Felicitas von Resniceks. Betrauern mit ihr den Verlust geliebter Menschen und zittern jedes Mal mit ihr, wenn sie wieder „menschliche Brieftaube“ spielt. Mir ist sie im Laufe der Seiten ans Herz gewachsen, wenn ich auch nicht mit allen ihren Entscheidungen pari ging. Ich vergebe für dieses besondere Buch gerne mit fünf Sternen die Höchstpunktzahl und spreche eine Leseempfehlung an alle Leser aus, die wie ich gegen das Vergessen sind.

Veröffentlicht am 29.08.2022

Norwegens Deutschenkinder und die Entschuldigung, die viel zu spät kam ...

Das Haus der verlorenen Kinder
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Man kann seinem Herz nicht befehlen, wen es zu lieben hat. Wenn es sich dazu entscheidet, für einen Mann schneller zu schlagen, ist man einfach macht machtlos. Diese Erfahrung machen auch Lisbet und ihre ...

Man kann seinem Herz nicht befehlen, wen es zu lieben hat. Wenn es sich dazu entscheidet, für einen Mann schneller zu schlagen, ist man einfach macht machtlos. Diese Erfahrung machen auch Lisbet und ihre Freundin Oda, die sich in „den Feind“ verliebten. „Wer soll denn hier in Norwegen schon etwas von uns wollen?“ dachten damals die Bewohner und schon waren sie da, die deutschen Soldaten, die sich genau dort niederließen, um die arische Rasse zu stärken. „Lebensborn“ nannte sich die Organisation der SS, die sich um den „erbgesunden“ Nachwuchs für das deutsche Volk kümmerte. Doch solch ein Schicksal hat niemand verdient, auch die beiden Freundinnen nicht. Sechzig Jahre später macht sich eine kleine Gruppe auf die Reise nach Norwegen zur Wahrheitsfindung auf …
Schnell hat man sich, dank des flüssigen und bildhaften Schreibstils, eingelesen in die Geschichte und auch die Perspektivenwechsel fügten sich gut in die Story ein. Erschütternd war mal wieder der Rückblick auf Deutschlands braune Vergangenheit, doch anschaulich wurde auch klar gemacht, dass nicht alle schlecht waren. Ein rund herum gelungener Roman also, dessen einzige Kritikpunkte die vielen Zufälle, die immer wieder ineinandergreifen, sind. Das Buch wirkte stellenweise etwas konstruiert, was ich ein wenig schade fand. Dennoch habe ich mich – na, gut unterhalten ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck – sagen wir, wohlgefühlt und vergebe überzeugte vier von fünf Sternen verbunden mit einer Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 29.08.2022

Man muss immer ein Ziel vor Augen haben ...

Sturmvögel
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Ein Highlight! Als ich den Klappentext las, dachte ich, hört sich ein wenig nach Einheitsbrei an: Geschichte auf zwei Zeitebenen, Aufdecken eines Geheimnisses etc. … alles schon mal dagewesen. Umso mehr ...

Ein Highlight! Als ich den Klappentext las, dachte ich, hört sich ein wenig nach Einheitsbrei an: Geschichte auf zwei Zeitebenen, Aufdecken eines Geheimnisses etc. … alles schon mal dagewesen. Umso mehr freute ich mich, dass die Geschichte um die durchsetzungsstarke Emmy mitnichten dieses Klischee erfüllte. Es stimmt, wir reisen in die Vergangenheit in die Zeit noch vor dem ersten Weltkrieg auf eine kleine Insel, auf der das Leben alles andere als einfach ist. Früh verliert Emmy ihre Mutter und muss erwachsen werden. Als in ihrer Heimat kein Platz mehr für sie ist, wird sie nach Berlin verschippert, wo sie eine Stelle als Hausmädchen antritt. Hier trifft sie auf Hauke, ihren zukünftigen Ehemann aus gutem Hause und muss bald lernen, wie es sich anfühlt trotz ihres Status als Ehefrau und Mutter, wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden.
Im zweiten Erzählstrang ist Emmy am voraussichtlichen Ende ihres Lebens angelangt, doch einen Trumpf hat sie noch im Ärmel und den plant sie geschickt auszuspielen …
Den subtilen Wortwitz und großartigen Schreibstil der Autorin Manuela Golz kannte ich schon aus einigen ihrer älteren Bücher, doch mit „Sturmvögel“ setzt sie dem Ganzen noch ein Krönchen auf. Da die Geschichte um Emmy, die Protagonistin ihres Romans, tatsächlich auf dem Leben ihrer eigenen Großmutter basiert, lässt sie nicht nur ihr Talent, sondern auch noch eine großzügige Portion Herzblut mit einfließen und präsentiert ihren Lesern somit eine Story, die zugleich warmherzig und an so manchen Stellen traurig ist. Eine Story, in der man lachen und gleichzeitig weinen muss. Sie ist fürs Herz und doch zu keinem Zeitpunkt kitschig. Von mir gibt es hierfür mit fünf Sternen die volle Punktzahl und eine begeisterte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.08.2022

Spannende Ost-West Geschichte ...

Das zweite Geheimnis
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Mit diesem zweiten Band deutsch-deutscher Geschichte geht es spannend weiter im Leben der Ria Nachtmann. Eigentlich sollte es ruhiger um sie werden, nachdem sie sich entschlossen hatte, ihr Leben als Spionin ...

Mit diesem zweiten Band deutsch-deutscher Geschichte geht es spannend weiter im Leben der Ria Nachtmann. Eigentlich sollte es ruhiger um sie werden, nachdem sie sich entschlossen hatte, ihr Leben als Spionin an den Nagel zu hängen. Als jedoch ihr Schwager Henning einen Fluchtversuch unternimmt, gerät auch Ria wieder ins Fadenkreuz der Stasi. Und diesmal wird es persönlich, sehr persönlich sogar. Als ihre eigene Tochter zum Spielball der „Mächte“ wird, fängt Rita an zu kämpfen …

Wie schon im ersten Teil der Trilogie schafft es der Autor Titus Müller den Spannungsbogen hochzuhalten, indem er dem Hörer eine Mischung aus Fakt und Fiktion präsentiert. Hier werden die Guillaume Affäre und die Weltfestspiele der Jugend und Studenten diskutiert aber auch die persönliche Geschichte der Hauptprotagonistin kommt nicht zu kurz. Immer wieder gingen mir beim Hören die Gedanken nicht aus dem Sinn, dass ich mit Ria nicht hätte tauschen wollen.

Für die packende Story vergebe ich vier von fünf Sternen und freue mich nun ganz besonders auf den dritten und letzten Teil, der im Mai 2023 erscheinen soll.

Veröffentlicht am 12.08.2022

Ein schöner Abschluss einer "süßen" Trilogie ...

Die Schokoladenvilla – Zeit des Schicksals
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Mit „Zeit des Schicksals“ bringt die mir inzwischen persönlich bekannte Autorin Maria Nikolai ihre Trilogie rund um die Schokoladenvilla zum Ende. Inzwischen sind wir zeitlich in den 30ern Jahren angekommen ...

Mit „Zeit des Schicksals“ bringt die mir inzwischen persönlich bekannte Autorin Maria Nikolai ihre Trilogie rund um die Schokoladenvilla zum Ende. Inzwischen sind wir zeitlich in den 30ern Jahren angekommen und wieder steht die Familie Rothmann, diesmal hauptsächlich vertreten von der Tochter Viktoria und Mutter Judith, im Mittelpunkt. Wie ich als Leserin natürlich längst weiß, sind die Zeiten im Begriff sich zu ändern, das geht auch den Rothmanns und ihrem Schokoladenimperium nicht spurlos vorbei. Hilfe scheint in Form eines amerikanischen Investors zu nahen, doch können die Frauen ihm trauen?

Wieder einmal setzt die Sprecherin Beate Himmelstoß das Hörbuch gekonnt in Szene und so komme ich auch diesmal in den Genuss vielen „süßer“ Stunden Hörgenuss. Mir hat gefallen, dass das Buch, obwohl es genau in die schrecklich braune Zeit fällt, ihren Fokus stets auf die Familie und ihren Betrieb legt und nur am Rande den Naziterror zum Thema macht. Es hat wieder mal wieder Spaß gemacht in die Welt der Rothmanns einzutauchen und die Geschichte gemeinsam zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Ich vergebe vier von fünf Sternen und freue mich schon auf die nächste Reise mit Maria Nikolai. Diesmal soll es an den Bodensee gehen … ich bin gespannt!