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Veröffentlicht am 02.12.2019

Man bekommt Sehnsucht nach Triest ...

Die Tränen von Triest
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Für mich sind die Romane von Beate Maxian inzwischen ein Garant für gute Unterhaltung. Wenn ich eines ihrer Bücher in die Hand nehme, weiß ich, dass ich mir für die nächsten Stunden sonst nicht viel vornehmen ...

Für mich sind die Romane von Beate Maxian inzwischen ein Garant für gute Unterhaltung. Wenn ich eines ihrer Bücher in die Hand nehme, weiß ich, dass ich mir für die nächsten Stunden sonst nicht viel vornehmen brauche. Auch diesmal hatte das neueste Buch von Beate Maxian, „Die Tränen von Triest“, wieder genau diese Wirkung auf mich.

Gleich zu Anfang lernen wir die junge Innenarchitektin Johanna Silcredi kennen. Sie hat Geburtstag und freut sich auf ein schönes Essen mit Roman, ihrem Lebensgefährten seit sechs Jahren. Doch dann kommt alles ganz anders als gedacht und zwei einschneidende Ereignisse machen diesen Abend unvergesslich. Johanna macht sich auf Wunsch ihrer Familie auf nach Triest und stellt sich ihrer Vergangenheit …

Im zweiten Erzählstrang lernen wir Afra von Silcredi kennen, Johannas Urgroßmutter, die leider vor Johannas Geburt bereits verstarb. Eine Legende scheint sich um diese schöne Frau zu ranken, die ihre Urenkelin nun mit viel Elan aufzuklären versucht … wird es ihr gelingen, das Geheimnis um den vermeintlichen Vater ihres Großvaters aufzuklären?

Mehr kann ich eigentlich an dieser Stelle, ohne zu spoilern, zum Inhalt nicht verraten. Ich kann jedoch eine spannende Story versprechen, die mich an die Couch gefesselt hielt. Die wunderbaren Beschreibungen von Triest, die Kaffeehäuser, das Antiquitätengeschäft, die Restaurants und Hotels animierten mich zu so mancher Internetrecherche und haben mir richtig Lust auf Urlaub in Venetien gemacht. Der bildhafte Schreibstil machte das Buch zum Genuss. Warum ziehe ich diesmal dennoch ein Sternchen ab? Mir kamen einfach zu viele glückliche Zufälle vor, alles lief ein wenig zu glatt, alle Menschen waren mir fast ein wenig zu schön … dennoch wird Beate Maxian eine meiner Lieblingsautorinnen bleiben und ich freue mich auf weitere spannende Lektüre von ihr.

Veröffentlicht am 02.12.2019

Hilfst du mir, helf ich dir ...

Die schwarze Frau
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Mal was anderes, dachte ich mir, als ich den Klappentext las, und ich wurde eigentlich auch nicht enttäuscht. Ich finde, man kann diese Geschichte getrost als spannenden Kriminalfall bezeichnen, wenn man ...

Mal was anderes, dachte ich mir, als ich den Klappentext las, und ich wurde eigentlich auch nicht enttäuscht. Ich finde, man kann diese Geschichte getrost als spannenden Kriminalfall bezeichnen, wenn man sich zu Anfang auch erst einlesen muss, um die Charaktere nicht durcheinander zu bringen. Die Handlung pendelt zwischen 1950 und 2014 im schönen Staat Vermont, der auch heute noch besonders für seine dichten Waldlandschaften bekannt ist. Nun stelle man sich vor hier im Jahr 1950 ohne Fernsehen und Internet in einem abgeschiedenen Internat „gefangen“ zu sein. Über hundert junge Mädchen ereilt genau dieses Schicksal, mit besonderem Fokus auf Katie, Roberta, CeCe und Sonia, das schüchterne junge Mädchen, das aus Frankreich über den großen Teich nach Idlewild Hall gespült wurde. In den Rückblicken geben uns diese vier einen Einblick in das Leben im Internat, das einem allein beim Lesen Gänsehaut verursacht. Jedes der Mädchen ist auf ihre Art besonders und gemeinsam versuchen sie sich in ihrem leider nicht selbstbestimmten Leben durchzuschlagen bis eines Tages eine von ihnen verschwindet …
Über sechzig Jahre später, im Jahr 2014, haben Fiona Sheridan und ihr Vater Malcom immer noch nicht den grausamen Mord an Fionas älterer Schwester Deb verarbeitet, der sich vor zwanzig Jahren in der Nähe des inzwischen geschlossenen Internats ereignete. Während Malcom sich in ein inneres Schneckenhaus zurückgezogen hat, beginnt Fiona mit ihrer eigenen Recherche. Sie scheint gegen Windmühlen zu kämpfen aber vor allem auch gegen die Familie ihres Freundes Jamie, einem jungen Polizisten vor Ort. Alle scheinen Angst zu haben, sie könnte alte Wunden aufreißen, ja, alte Geheimnisse ans Licht zu bringen … was haben die Menschen in Barrons, Vermont zu verbergen?
Wie schon erwähnt, wurde das Buch wirklich mit jeder Seite spannender. Sehr anschaulich und flüssig geschrieben, ließ mich die Story nicht mehr los. Sie schließt mit einem überraschenden und äußerst gut durchdachten Finale. Eigentlich hätte sie fünf Sterne Potential, hätte die Autorin nicht die mysteriöse schwarze Frau mit ins Spiel gebracht hätte. Mary Hand mit schwarzem Kleid und schwarzem Schleier, die durch den Ort und Idlewild Hall zu geistern scheint. Ich fand sie unnötig und unglaubhaft … schade, dafür gibt es leider ein Sternchen Abzug. Ansonsten von mir eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.11.2019

Tell it like it is ...

Menschen neben dem Leben
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… selten kam mir ein Satz wahrer vor als nach Beendigung dieses erstaunlichen Romans, der wohl die Wiederentdeckung des Jahres schlechthin ist. Der auf tragische Weise bei einem Torpedoangriff verstorbene ...

… selten kam mir ein Satz wahrer vor als nach Beendigung dieses erstaunlichen Romans, der wohl die Wiederentdeckung des Jahres schlechthin ist. Der auf tragische Weise bei einem Torpedoangriff verstorbene Autor Ulrich Alexander Boschwitz muss bereits in sehr jungen Jahren eine ganz wunderbare Beobachtungsgabe gehabt haben und wird sich zudem einiges an Wissen angelesen haben. Man fühlt sich beim Lesen fast als säße man selbst mit auf der Parkbank mit dem zurückgebliebenen Tönnchen und dem Obdachlosen Fundholz, ja als flirte und tanzte man selbst mit dem Kleinkriminellen und Arbeitslosen Grissmann im „Fröhlichen Waidmann“, wo das Unheil schließlich seinen Lauf nimmt. Hier gibt es keine Augenwischerei. Boschwitz schildert das Leben der jungen Männer ohne Perspektiven, der versehrten Kriegsheimkehrer, der übrig gebliebenen Witwen und der schwer arbeitenden Prostituierten wie er es gesehen hatte, wie es war in den späten zwanziger Jahren in Berlin. Der Schreibstil beschreibt auf anschauliche Weise das Leben der „Menschen neben dem Leben“ … wie gut habe ich es doch dagegen im Heute mit vollem Kühlschrank und warmer Wohnung. Boschwitz öffnet einem beim Lesen die Augen und fordert schon fast dazu auf, mal wieder aufmerksamer durch die Straßen zu gehen. Nicht allen geht es wie mir. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten „geretteten“ Roman des Autors mit dem Titel „Der Reisende“. Ihr ahnt es, er liegt bereits auf meinem SUB ;)

Veröffentlicht am 26.11.2019

Käse, so weit das Auge reicht ...

Die letzte Reifung
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Gestolpert bin ich über diese Krimireihe da ich in der schönen Stadt Bietigheim wohne, von der Prof. Dr. Adalbert Bietigheim und seine weit verzweigte Familie ihren Nachnamen haben. Das fand ich einen ...

Gestolpert bin ich über diese Krimireihe da ich in der schönen Stadt Bietigheim wohne, von der Prof. Dr. Adalbert Bietigheim und seine weit verzweigte Familie ihren Nachnamen haben. Das fand ich einen netten Zufall, da kam ich natürlich nicht dran vorbei. Mit „Die letzte Reifung“ startet der Auftakt einer kulinarischen Serie, die sich wohl in jedem Band mit einer anderen kulinarischen Leckerei beschäftigt. In diesem Teil begibt sich der Experte, Prof. Bietigheim, der an der Universität in Hamburg den Lehrstuhl für Kulinaristik innehält, auf eine „Tour de Fromage“. Mit Fahrrad, Strohhut und Hund Benno von Sabel macht er sich auf den Weg nach Frankreich. Und prompt findet er sich, wie soll es bei einem Krimi anders sein, mitten in einem Mordfall wieder. Schnell stellen die Polizei und vor allem der Bürgermeister die Ermittlungen wieder ein, will man doch das von langer Hand geplante Käsefest nicht mit Mord und Totschlag ruinieren. Doch Adalberts Gerechtigkeitssinn und vor allem seine Neugier sind geweckt. Zusammen mit Freund und Taxifahrer im Streik Pit sowie Cousin und Reporter Jan Bietigheim macht er sich an die Aufklärung. Ob das den Dreien gut bekommen wird?
Er ist schon ein skurriler Kerl, der gute Herr Professor, und der nicht gehorchende Hund, den er immer besingen muss, passt wie Faust aufs Auge. Mich hat der Kriminalroman sehr gut amüsiert und hat vor allem mein Wissen über Käse um ein Vielfaches vergrößert. Als netter Gag findet man am Ende noch ein paar leckere Rezepte, die zum Nachkochen einladen. Eine kleine Beschwerde muss ich aber dennoch los werden. Der im Buch erwähnte Trollinger Wein aus dem Bietigheimer Wurmberg schmeckt in keinster Weise so schrecklich, wie er hier dargestellt wird. Wir bauen dort nämlich selbst Trollinger Trauben an. Herr Henn kann gerne mal vorbeischauen und sich selbst davon überzeugen ;)

Veröffentlicht am 26.11.2019

Was ist das Richtige?

Das Erbe
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Ich habe dieses Buch unterteilt in drei Abschnitte im Zuge einer Leserunde gelesen. Der erste Abschnitt hat mich auch wirklich gefesselt. Hier lernen wir Mona und Bernd kennen, die seit vielen Jahren in ...

Ich habe dieses Buch unterteilt in drei Abschnitte im Zuge einer Leserunde gelesen. Der erste Abschnitt hat mich auch wirklich gefesselt. Hier lernen wir Mona und Bernd kennen, die seit vielen Jahren in einer Beziehung leben, doch Glück hört sich anders an. Da erhält Mona die Nachricht, dass sie geerbt hat und Bernd eröffnet ihr ein Geheimnis … zur gleichen Zeit verschlägt es uns als Leser in die Zeit knapp vor dem ersten Weltkrieg zurück. Auch hier gibt es Geheimnisse und Entwicklungen, die sich – wie uns ja leider allen hinlänglich bekannt ist – für die Juden sehr zum Nachteil entwickeln. Doch was genau geschah wirklich zwischen Monas Großeltern und der Familie Roth?
Soweit so gut, diese beiden Erzählstränge ziehen sich weiter wie ein roter Faden auch durch die beiden nächsten Abschnitte. Hier möchte ich anmerken, dass ich den Anfang und auch das Ende wirklich spannend fand. Flüssig und anschaulich geschrieben blätterten sich die Seiten fast wie von selbst um. Leider wird die Geschichte in der Mitte ein wenig zäh. Die Protagonisten wurden immer unsympathischer und fast fragte ich mich, ob dieser Teil wirklich von Ellen Sandberg geschrieben wurde. So kenne ich sie gar nicht als Autorin. Weitgehend versöhnt hat mich das Ende, das mit einigen Überraschungen aufwartete um den Roman schließlich ohne Kitsch zu beschließen. Nicht schlecht, aber von Frau Sandberg bin ich besseres gewöhnt.