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Veröffentlicht am 05.04.2020

Ein warmherzige Roman über Einsamkeit

Das Beste kommt noch
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Der 42-jährige Andrew arbeitet als Nachlassverwalter für die Londoner Stadtverwaltung. Wenn jemand alleine in eigenen vier Wänden stirbt, ist es sein Job, die Wohnung des Totes nach Hinweisen auf mögliche ...

Der 42-jährige Andrew arbeitet als Nachlassverwalter für die Londoner Stadtverwaltung. Wenn jemand alleine in eigenen vier Wänden stirbt, ist es sein Job, die Wohnung des Totes nach Hinweisen auf mögliche Verwandten aufzuspüren oder nach etwas Geld, mit dem Verwaltung die Beerdigung finanzieren kann. Ein ehrenhafter, trauriger aber ziemlich trister Beruf. Zum Glück hat er eine liebevolle Frau und zwei wunderbare Kinder, die ihn nach eine harte Inspektion, in seinem Stadthaus warten. Das glauben zumindest sein Chef und seine Arbeitskollegen. Eine Notlüge, die Andrew vor fünf Jahren erzählt und irgendwann ein Eigenleben entwickelt hat. In der Tat lebt Andrew alleine in ein heruntergekommenen Einzimmerwohnung, dessen Fußboden voll mit Modelleisenbahn bedeckt ist. Seine einzigen Freundschaften bestehen aus dem Online Modellbahn Forum. Er glaubt auf die Familie, Liebe und Freundschaften gut verzichten kann, bis eine neue Kollegin ihre Arbeit aufnimmt. Peggy, zweifacher Mutter, Verheiratet, nett, lustig, aufgeschlossen. Sie bringt frischen Wind in Andrews Alltag und plötzlich steht sein einsame Leben auf dem Kopf...

Richard Roper hat einen traurigen dennoch einen Umstand aus unsere hochmodernen gesellschaftlichen Leben als Thematik ausgesucht: Einsamkeit. Es geht nicht nur um die Verstorbene Andrew kümmern muss, auch er lebt total isoliert. Der Autor geht es mit dem Thema sehr behutsam, respektvoll aber mit einem Hauch Humor, sodass alles nicht so bedrückend wirkt.

Von Anfang an wirkt Andrew traurig, und verstört. Man merkt es schnell, dass etwas in seine Jugend passiert sein muss. Allerdings muss man bis zum Ende des Buches geduldig lesen, denn erst beim letzten Drittel erfährt man, was ihm bedrückt. Leider wurde die Story für meinen Geschmack unnötig in die Länge gezogen. Ich mochte Andrew gern aber ich bin mit seiner Art nicht so richtig warm geworden. Ja, er hat was erlebt, dass ihm nach Jahren immer noch belastet, nichts des zu trotzt, erwarte ich von einem 42-Jährigen etwas mehr selbstbewusst sein.

Ein warmherziger Roman über Einsamkeit, Freundschaft und Neuanfang, welches mich zum Nachdenken angeregt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2020

Sterne im Herzen

Ein halbes Herz
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Die erfolgreiche Fotografin Elin lebt mit ihrem Ehemann und ihre 16-jährige Tochter in New York. Sie verbringt, total distanziert von Außenwelt, viele Stunden hinter ihre Kamera, vergräbt sie sich in ihrer ...

Die erfolgreiche Fotografin Elin lebt mit ihrem Ehemann und ihre 16-jährige Tochter in New York. Sie verbringt, total distanziert von Außenwelt, viele Stunden hinter ihre Kamera, vergräbt sie sich in ihrer Arbeit, zurückgezogen in ihrer eigenen Welt. Sie arbeitet nicht zum Leben, sondern lebt sie für ihre Arbeit, denn nur so findet sie ihr Halt im Leben. Doch ihre emotionale Abwesenheit hat fataler Folgen, ihre Familie entfremdet sich von ihr, schlimmer daran, Elin merkt es gar nicht. Eines Tages jedoch erhält sie völlig unerwartet einen Brief aus ihrer Heimat Gotland. Einen Brief von ihrem damaligen besten Freund Fredrik, die sie mit Wucht zurück in Kindheitserinnerungen katapultiert, obwohl Elin alles dafür getan hat, ihre Vergangenheit zu vergessen. Denn sie hütet ein tragisches Geheimnis, eines, das sie damals dazu trieb, die Insel für immer den Rücken zu kehren. Doch nach Jahren Ungewissheit spürt sie, dass sie im Zukunft nur Glücklich werden kann, wenn sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt...

Nach dem Lundbergs Debütroman „Das rote Adressbuch“ mein Jahreshighlight des 2018 war, habe ich sehnsüchtig was Neues von ihr gewartet und bis paar Kleinigkeiten hat mir das Buch auch gut gefallen.

Erzählt wird die Elins Geschichte in zwei Zeitebene. Wir begleiten klein Elin in den Jahren 1979 und 1982 in Gotland/Schweden. Sie wohnt mit ihrem zwei jüngeren Brüder bei ihrem alleinerziehende und depressiven Mutter. Die Familie ist arm, haben kaum was zum Essen. Die Schilderungen aus Elins Kindheit sind sehr berührend. Die Kapitel sind mitreißend, bewegend und liebevoll.

In Gegenwart reisen wir nach New York im Jahr 2017. Elin, Mitte vierzig, angefragte Starfotografin, reich. Sie hat ein liebevoller Ehemann, eine kluge Tochter. Sie kann sich alles leisten, was sie möchte aber trotzdem unglücklich, gefühlskalt, abwesend. Besonders am Anfang hatte ich große Probleme mit erwachsene Elin. Ihre Art und Weise hat mich genervt. Ich konnte überhaupt keinen Zusammenhang zwischen die beiden Zeitebenen finden und es ist bis Ende des Buches so weiter gegangen. Vielleicht war es Absicht von der Autorin, ich weiß es nicht, aber man muss es einfach bis zum Ende am Ball bleiben, denn gegen das Ende weiß man erst, warum alles so ist.

Die Geschichte ist zwar weit, weit entfernt von gefühlvollem Debütroman des Autorin „Das rote Adressbuch“, aber trotzdem mit ihrem locker, leichten Schreibstil, hat es ihr ein dramatischer, geheimnisvoller Familienroman gelungen, welches ich gerne gelesen habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Atmosphärisch, intensiv, gefühlvoll

Der Duft der Erinnerung
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Emmeline lebt, seit sie denken kann mit ihrem Vater allein auf einem einsamen, unbewohnten Insel. Die pflanzen selbst den Nahrungsmitteln oder sammeln essbares, was in Insel gibt und ab und zu bekommen ...

Emmeline lebt, seit sie denken kann mit ihrem Vater allein auf einem einsamen, unbewohnten Insel. Die pflanzen selbst den Nahrungsmitteln oder sammeln essbares, was in Insel gibt und ab und zu bekommen von den Meerjungfrauen was Schönes zum Anziehen oder was außergewöhnliches leckeres zumessen. Emmelines Vater lehrt sie alles über Natur aber vor allem schult er sie um ihrer empfindlicher Geruchssinn. Die Wände ihrer Hütte sind voller Schubladen mit geheimnisvollen Fläschchen, die ihr Vater mit einem Gerät herstellt. Er glaubt die Erinnerungen als Gerüche konservieren zu können. Als kleines Mädchen war sie fasziniert von dem Apparat und dem Fläschchen volle Gerüche, doch als die Düfte anzufangen nach und nach zu verschwinden, verliert ihr Vater auch den Bezug zur Realität. Und plötzlich ist Emmeline, die noch nie einer anderen Menschenseele gesehen hat, ganz auf sich allein gestellt, bis ein Fischer sie mit ans Festland mitnimmt...

Eine richtig, richtig gut gelungene Coming-of-Age-Geschichte die mich von ersten Seiten an fest in seinem Bann gezogen hat. Ein Buch über Erwachsenwerden, über Freundschaft, über Verrat, Verlust, Liebe aber ganz groß über die Welt die Düfte. Die Sprache die Autorin ist großartig und sehr bildhaft, sodass ich beim Lesen all die Ortschaften vor meine Augen sehen und die Gerüche inhalieren konnte. Eine magische, grandioses Schreibstil! Die Charaktere sind lebensnahe beschrieben, besonders Emmeline hat meinem Herz ab vom ersten Satz an erobert. Ich habe mit ihr geweint, gezweifelt, geliebt, gelebt, ein sehr starkes Mädchen. Die Autorin hat viele einzelne Thematik spannend, gefühlsvoll aber ohne Kitsch zusammengefügt und nimmt die Leser auf einem unvergessliche Abenteuer mit.

Eine sehr intensive Geschichte mit viel Gefühl und Poesie. Für mich war es absolute Lesehighlight! Eine klare Leseempfehlung von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2020

Lust auf Hamburg?

Zu wahr, um schön zu sein
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Die 45-jährige Caro ist eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist seit 25 Jahren verheiratet, hat einen wunderbaren Sohn, wohnt günstig in Övelgönne, an der Elbe, und arbeitet als Bibliothekarin. ...

Die 45-jährige Caro ist eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist seit 25 Jahren verheiratet, hat einen wunderbaren Sohn, wohnt günstig in Övelgönne, an der Elbe, und arbeitet als Bibliothekarin. Bis sie ausgerechnet am Tag ihrer Silberhochzeit vor den Scherben ihrer Ehe steht. Als wäre das nicht reicht, verliert Caro auch noch ihren Job, ihr Sohn Felix baut Mist und ihre Hippie-Mutter geht mit ihren spirituellen Zitaten nur noch auf dem Nerven. Zum Glück sind Sylvia- ihre beste Freundin, Lotsenwitwe Hedwig- ihre Vermieterin, und Renato- ihre Espressokanne zur Stelle sind. Denn wenn etwas kaputt ist, muss man eben reparieren, oder?

„In Hamburg sagt man, MOIN. MOIN MOIN ist schon gesabbel!“

Es ist inzwischen mein siebtes Buch von der Autorin und was soll ich sagen, sie hat es wieder geschafft, mich in ihrem Bann zuziehen. Obwohl sie eigentlich gefühlsvolle Frauenromane schreibt, diesmal wagt sie viel mehr Humor und es hat ihr total gelungen. Eine Frau, die tagtäglich mit ihrer Espressokanne unterhält, ist zwar außergewöhnlich aber es hat mir viele schöne Lesestunden beschert. Ich befürchte, wenn ich jedes mal meine Espressokanne sehe, muss ich an Caro denken! Auch Caros Mutter Floras Kommentare und Sprüche hat mich zum Schmunzeln gebracht.
Ich liebe die Geschichten die in Hamburg und Umgebung spielen denn bin ich selbst eine Wahlhamburgerin wie die Frau Engelmann. Sie nimmt die Leser wortwörtlich nach Hamburg mit und macht mit ihnen ein Hamburg Rundfahrt. Sie erwähnt nicht nur, wie atemberaubend der Ausblick aus Elphi ist, sondern wie friedlich in Portugiesenviertel ist.
All die Charaktere sind sehr lebensnahe beschrieben. Die sind nicht rundum glücklich und tragen die Rosarote Brillen, nein! Die sind eine von uns, haben Ecken und Kanten und kämpfen in alltäglichen Wahnsinn.

Frech aber herzlich. Ein kurzweiliger Sommerroman zum Abschalten und schmunzeln. Perfekt geeignet für die regnerischen Tage auf dem Sofa oder aber als Urlaubslektüre.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2020

Sehr ehrlich und berührend.

Eine kurze Geschichte vom Fallen - Was ich beim Sterben über das Leben lernte
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Ein ganz normaler Morgen. Joe mit seinem Sohn Tom und mit einige Muttern und Kindern unterwegs zur Schule. Auf einmal knickt sein Fuß und er fällt um. Erschrocken aber lachend denkt er: Es kann ja mal ...

Ein ganz normaler Morgen. Joe mit seinem Sohn Tom und mit einige Muttern und Kindern unterwegs zur Schule. Auf einmal knickt sein Fuß und er fällt um. Erschrocken aber lachend denkt er: Es kann ja mal passieren. Doch nach mehreren stolpern, taumeln und hinfallen, Schluss mit dem Lustig. Nach einem halben Jahr Ungewissheit und nach etlichen Arztbesuchen bekommt Joe die Diagnose: Motoneuron. Er leidet an eine zum Tote führende Erkrankung des motorischen Nervensystems.

Eine Autobiografie, die tief unter die Haut geht und nicht so einfach loslässt. Joe Hammond nimmt die Leser mit auf seine letzte Reise und erzählt wie er die letzten Momente mit seinem Körper erlebt. Es ist kein Buch von Jammern und von Klagen besteht oder von detailliert über Krankheitsverlauf beschreibt, sondern ein Buch über Abschiednehmen. Abschied vom eigenen Körper, Abschied von geliebten Menschen. Hammond taucht in die Kindheitserinnerungen, er erzählt von seiner Jugend, von Liebe, von Vatersein. Er berichtet, wie wichtig die Familie und Freunde sind und bedankt sich für die Unterstützung. Er ist traurig, er ist wütend, er hat Angst. Ich habe seine Angst, seine Wut und seine Traurigkeit tief in mir gespürt. Aber er schreibt leicht, locker und humorvoll, sodass ab und zu mal schmunzeln musste.

Hinter dieses schlichtes Cover verbarg sich eine ehrliche und bewegende Geschichte, die mich sehr berührt hat.

Joe Hammond starb am November 2019. Er wurde 50 Jahre Alt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere