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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2021

Ich habe mehr Gefühle erwartet

Die Nickel Boys
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60’er Jahre in Florida

Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee, ist einer der besten Schüler auf seiner Schule und sein großes Vorbild: Martin Luther ...

60’er Jahre in Florida

Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee, ist einer der besten Schüler auf seiner Schule und sein großes Vorbild: Martin Luther King. Elwood träumt von einem besseren Leben, von Gleichberechtigung und Freiheit. Als er von einem College Zusage bekommt, kann er sein Glück nicht fassen. Doch alles kommt anders als erwartet. An seinem ersten Studium-Tag, auf dem Weg zum College, gerät er in ein gestohlenes Auto und so wird er ohne ein gerechtes Verfahren in eine Besserungsanstalt, in die Nickel Academy, gesperrt. In der Anstalt wird er neben dem offensichtlichen Rassismus, bei jeder menge Gewalt Augenzeuge werden.

Colson Whitehead nimmt seine Leser*innen mit seinen fiktiven aber auf Fakten basierenden Roman in die 60’er Jahre USA und erzählt sehr nüchtern über Rassismus. Die Geschichte fängt sehr beeindruckend mit einem Prolog an, sodass ich mich nach Paar gelesenen Seiten über eine berührende Geschichte gefreut habe. Leider war es nicht der Fall. Der Schreibstil war für mich sehr distanziert, damit ich mit Elwood keine emotionale Beziehung aufbauen konnte. Seine Gedanken und Gefühle haben mich nicht erreicht. Er ist zwar der Hauptcharakter aber Dank den vielen Nebencharaktere bleibt er total blass.

In knappe 230 Seiten bemüht sich der Autor präzise über Rassismus, Unterdrückung, Hass und Gewalt zu erzählen, doch dieser Erzählstil wirkte mir wie eine Dokumentation. Hier fehlt meine Meinung nach, einiges von Tiefgang.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2021

Starkes Debüt

Elmet
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Elmet... kleines Landstrich in den Wäldern von Yorkshires. Hier wohnt John Smythe mit seiner Tochter und mit seinem Sohn in einer Holzhütte, welche sie eigenhändig gebaut hatten. Mitten in der Natur, nicht ...

Elmet... kleines Landstrich in den Wäldern von Yorkshires. Hier wohnt John Smythe mit seiner Tochter und mit seinem Sohn in einer Holzhütte, welche sie eigenhändig gebaut hatten. Mitten in der Natur, nicht weit von der Eisenbahnlinie Edinburgh-London, jagen und sammeln die drei was der Natur hergibt und genießen Lebensabende mit selbstgebrautem Apfelwein. Nur manchmal muss John bei illegalen Faustkämpfe mitmachen, um die kleine Familie über Wasser zu halten. Nach paar Monaten friedvollen Leben in der Natur, steht eines Tages plötzlich ein Mann vor deren Tür und behauptet, dass alles, der Grund und Boden, der Wald und das Häuschen ihm gehört. Obwohl er den Wald nicht bewirtschaftet, nicht mal dafür interessiert, pocht er auf sein Recht...

Die Geschichte fängt mit drei Seiten an. Drei berührende, düstere Seiten, in dem ein Junge, völlig durchgebranntes Waldboden seiner Schwester sucht. Mit diesen Seiten, leise aber sehr eindringlich hat mich die bei London geborene Autorin in eine Familiengeschichte mitgenommen. Ein Familiendrama, welche sehr bildhaft geschrieben ist. Ich hatte der Duft von Kiefer in der Nase und die Farbe von Feuer vor meine Augen. Obwohl ich die ein oder andere Geschehnisse und die Taten von den Figuren nicht nachvollziehen konnte, waren die Charaktere für mich sehr interessant.

„Elmet“ ist eine trostlose, traurige und brutale Familiengeschichte, welche mit großartiger Sprache sehr atmosphärisch erzählt wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Es war leider nicht so meins

365 Tage
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Die Hotelmanagerin Laura fliegt mit ihrem Freund Martin und mit einem gut befreundeten Pärchen nach Sizilien, um ihren Geburtstag zu feiern und freut sie sich über Paar Tage Auszeit mit ihrem Freund. Doch ...

Die Hotelmanagerin Laura fliegt mit ihrem Freund Martin und mit einem gut befreundeten Pärchen nach Sizilien, um ihren Geburtstag zu feiern und freut sie sich über Paar Tage Auszeit mit ihrem Freund. Doch alles kommt anders als geplant. Kaum in Italien gelandet, streitet Laura mit Martin und leicht bekleidet, nur mit ihrer Handtasche bewaffnet, verlässt sie dem Hotel. Nach vielen getrunkenen alkoholisches Gläschen wacht sie mit einem Blackout auf einem luxuriösen Bett auf. Denn Laura wurde entführt von einem Don Massimo, einer der mächtigsten Mafia Boss von Sizilien. Der attraktive, junge Don macht ihr ein Angebot: 365 Tage soll sie bei ihm bleiben, wenn sie sich bis dahin nicht in ihn verliebt hat, wird er sie gehen lassen...

Seitdem die „Fifty Shades of Grey“ Bücher weltweit mit Riesenerfolg gefeiert wurde, sprießen die erotische Liebesgeschichten wie Pilze auf dem Waldboden aus. Hauptcharaktere: Ein knackige, junger Millionär, der alles kontrollieren muss und eines kleines, armes Mäuschen, die noch Selbstvertrauen üben muss. Leider war es hier auch nicht anders!

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, doch manchmal leichte Worte sind auch nicht die beste Lösung. Denn dadurch waren die Sätze stellenweise abgehackt. Die Ausdrücke waren oft sehr Vulgär, sodass sogar die heißeste Szene nicht mal sinnlich wirkten.

Die Charaktere waren für mich weder sympathisch noch unsympathisch. Die waren halt da und ich hatte keine Verbindung mit dem beiden aufbauen können. Deren Gefühle und Gedanken haben mich nicht erreicht.

Ich habe den Film nicht geschaut, ob ich jetzt nach dem Lesen irgendwann schauen werde, ist die Fragezeichen. Grund des Klappentextes hatte ich mir eine sinnliche, von Italiens Sonne erwärmtes, charmante Geschichte erhofft doch für mich war die Story wie eine nachgeahmte „Shades of Grey“ Geschichte. Es ist Meine ehrliche Meinung! Bitte nicht persönlich nehmen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2021

Märchenhafte Geschichte, wundervoller Schreibstil, vielschichtige Charaktere

Was der Fluss erzählt
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England späten 19. Jahrhundert

Zwischen Cricklade und Oxford, entlang der Themse, leben meist abergläubische, arme aber glückliche Menschen. Die genießen nach getaner Arbeit deren Lebensabende mit reichlich ...

England späten 19. Jahrhundert

Zwischen Cricklade und Oxford, entlang der Themse, leben meist abergläubische, arme aber glückliche Menschen. Die genießen nach getaner Arbeit deren Lebensabende mit reichlich alkoholischen Getränke in der Stube des Gasthauses von Swan und erzählen die Geschichten. Meist drehen sich die Geschichten um den Fluss, doch bei einer stürmischer Winternacht stummen die Erzähler auf ein mal. Plötzlich stolpert ein fremder, schwerverletzter Mann in die Stube, in seinem Armen ein lebloses, kleines Mädchen. Die Wirtsleute alarmieren die Krankenschwester Rita, die allerdings nur den Tod das Mädchen feststellen kann. Doch als Rita stunden später herausfinden versucht, woran das Mädchen gestorben ist, merkt sie, dass es sich bewegt und atmet.

Wie heißt es Mädchen? Wie kann man von Tod wiederauferstehen? Welche Familie gehört das Mädchen?...

Die Geschichte dreht sich um die Fragen. Es gibt mehrere Familien, die behaupten, gehört das Mädchen denen und mittendrin rätselt Rita über das wiederauferstehen. Erzählt wird die ganze aus viele Perspektiven, sodass man neben der Wahrheit suche, die Schicksale die Familien kennenlernt. Die Figuren sind sehr unterschiedlich aber trotzdem passen sie zusammen hervorragend in die Story. Obwohl das Buch ein oder andere Länge hat, Dank den märchenhaften Erzählstil und gut gelungene Krimi Anteil liest man das Buch schnell durch.

Wer mystische, sagenhafte, kriminelle Geschichten mag, dem kann ich das Buch weiterempfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2020

Ein spannendes Familiendrama

Die Schweigende
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München, 2019.
Angelika, Imke, Anne... Drei Erwachsene Töchter von Karin und Jens Remy. Töchter, die nicht verschiedener sein können. Obwohl die sehr unterschiedlich sind, verbindet die Schwestern zwei ...

München, 2019.
Angelika, Imke, Anne... Drei Erwachsene Töchter von Karin und Jens Remy. Töchter, die nicht verschiedener sein können. Obwohl die sehr unterschiedlich sind, verbindet die Schwestern zwei Gefühle für immer: Mutter Karins Gefühlslosigkeit und Vater Jens Liebe. Die Mädels hingen sehr an ihrem Vater und umso mehr bricht ihr Leben zusammen als er plötzlich stirbt. Doch auf dem Sterbebett nimmt er Imke ein Versprechen ab. Sie soll nach einem Peter suchen...

1956.
Die lebenslustige Karin liebt Elvis Presley, ihre Blue Jeans und träumt davon später Ärztin zu werden. Doch ihre Vorlieben und Wünsche kann im Nachkriegsdeutschland sehr schnell gefährlich werden...

Wieder eine fesselnde und berührende Familiengeschichte von Ellen Sandberg. Und wieder habe ich mit angehaltendem Atem aber auch stellenweise Tränen in den Augen innerhalb zwei Tagen durchgelesen und das schafft bei mir nicht jeder AutorIn. Diesmal hat sie ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte aufgegriffen, welche mich als Mutter immer aufs neue erschüttert: Erziehungsheime. Ich habe einige Bücher über Misshandlungen in Kinderheimen gelesen aber Dank dem sehr bildhaftem und schonungslosem Erzählstil der Autorin, erlebt man hier die Geschehen Haut nah. Die Story fängt wie eine ganz normale Familiengeschichte an, man lernt die vielseitigen Charaktere und unterschiedliche Zeiten kennen. Doch ab Mitte des Buches nimmt Geschichte Fahrt und ab da an, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Mutter Karin, auf zwei Zeitebene, und von ihren drei erwachsene Töchter, die sehr unterschiedlich sind. Besonders Anne hat mich auf den Palmen gebracht aber es ist halt wie im Wahren Leben unter die Schwestern. Ich finde die Darstellung sehr authentisch.

„Die Schweigende“ ist eine fiktive, tragische, spannende Familiendrama, welche mit detailgetreuer Recherche sehr echt wirkt. Von mir eine absolute Leseempfehlung!!!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere