Profilbild von eulenmatz

eulenmatz

Lesejury Star
offline

eulenmatz ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit eulenmatz über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2025

Wieder sehr spannend

Die Nacht
0

MEINUNG:

Die Nacht ist der dritte Band der Art Mayer Reihe, nach den Bänden Der Morgen und Die Dämmerung. Für mich gehört Marc Raabe zu einer der besten Thrillerautoren im deutschsprachigen Raum. Ich ...

MEINUNG:

Die Nacht ist der dritte Band der Art Mayer Reihe, nach den Bänden Der Morgen und Die Dämmerung. Für mich gehört Marc Raabe zu einer der besten Thrillerautoren im deutschsprachigen Raum. Ich empfehle die Bände in der Reihenfolge zu lesen, weil ansonsten die Hintergründe unter Umständen nicht verstanden werden können. 

Es gibt einen nächsten Fall für Art Mayer und seine Kollegin Nele Tschaikowski, die eigentlich in Elternzeit ist. Ich finde, dass die beiden inzwischenzeit ein ziemlich eingespieltes Team sind und ähnlich ticken. Endlich nun geht es auch das Verschwinden von Dana Karasch, um dessen Tochter Mila sich Art immer wieder kümmert. Scheinbar möchte nur Art wissen, was wirklich passiert ist. Er fragt seine "Bekannten" - den Bundeskanzler - und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihn in eine Wohnwagensiedlung führt.

Die Kapitel wechseln immer wieder zwischen Gegenwart und der Geschichte von Dana. In meinen Augen ist es wieder eine großartig konstruierte Geschichte mit einer Menge Mit- und auch Gegenspielern selbst in den Reihen der Polizei. Hinter jeden Geschichte gibt es fast immer einen doppelten Boden. Mir gefällt immer, dass Marc Raabe vielen Szene so gut schreibt als wäre es wie in einem Film oder einer Serie.

FAZIT:

Die Nacht ist wieder eine gelungene, vor allem spannende und sehr gut konstruierte Fortsetzung der Reihe um den Ermittler Art Mayer und seiner Kollegin Nele Tschaikowski. Ich freue mich auf den nächsten Band!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2025

Mehr als eine wunderschöne Liebesgeschichte

Ava liebt noch
0

MEINUNG:

Ava liebt noch war ein Buch, dass ich schon lange lesen wollte. Es hat mich vor allem angesprochen wegen der Konstellation Mutter/ ältere Frau verliebt sich in jüngeren Mann und wie es dann ausgehen ...

MEINUNG:

Ava liebt noch war ein Buch, dass ich schon lange lesen wollte. Es hat mich vor allem angesprochen wegen der Konstellation Mutter/ ältere Frau verliebt sich in jüngeren Mann und wie es dann ausgehen wird.

Ava ist 43 Jahre alt, hat drei Kinder, von denen zwei in die Pubertät kommen. Ihre Karriere hat sie an den Nagel gehangen, um ganz Hausfrau und Mutter zu sein. Für sie selbst gibt es so gut wie keinen Spielraum mehr. Ihr Mann ist ein erfolgreicher Anwalt, der sich auch ungern an Kindererziehung und Haushalt beteiligt. Die der beiden ist eher funktionaler Natur als emotionaler. Man spürt schnell, dass nicht mehr viel von dem übrig geblieben ist, wie vor der Ehe.

Und dann kommt plötzlich Kieran, der Schwimmlehrer von ihrer Tochter. Kieran ist 19 Jahre jünger als Ava und doch entspringt eine Affäre, die bald mehr wird, zwischen den beiden. Obwohl Ava hier ihren Mann betrügt, fand ich es einfach zu keiner Zeit verwerflich, weil ich mich so für sie gefreut habe. Die Liebesgeschichte ist auch so süß, da sie natürlich Zweifel hat, ob sie überhaupt attraktiv für Kieran ist. Später erfährt man auch aus Kierans Sicht, dass er sich auch Gedanken gemacht hat, vor allem wegen seiner scheinbar einfacheren Herkunft. Was Ava da macht ist eigentlich nicht in Ordnung, aber es ist auch einfach klar, dass es so nicht anders gehen würde, ohne dass ihre Kinder darunter leiden würden. Ava entscheidet sich auch im Sinne ihrer Kinder (und auch aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen) und gegen ich Glück mit Kieran zunächst. Die Wege kreuzen sich allerdings immer wieder. Es ist so wunderbar, dass sie trotzdem wieder zu ihren eigenen Bedürfnissen zurück findet, aber es wird auch schnell klar, dass dies in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen wird. Väter dürfen alles machen. Müttern wird vieles als egoistisch ausgelegt und oft zu Lasten der Kinder, wenn sie eigenen Bedürfnissen nachgehen wollen. 

Am Ende spürt, wie sehr die Avas Kinder damit hadern, dass sie eine Affäre hatte, dass sie einen Mann liebt, der nicht ihr Vater ist und dass sie eben auch nicht 100% glücklich war in ihrem Mutter Dasein. Es hat mich beim Lesen natürlich aufgeregt, dass genau dieses patriarchale Bild auch von unserer Gesellschaft eingeimpft wird und wenn Frau eben nicht zu 100% glücklich ist, dann beziehen die Kinder auf sich und ihre Kindheit. Ava hat quasi sie Familie zerstört, weil sie auf ihre eigene Bedürfnisse gehört hat. Absurd ist, dass sie eben ganz viele Jahre trotzdem noch durchgehalten hat, damit die Kinder in dem Familienkonstrukt weiterhin aufwachsen können. Das Ende stimmt trotzdem versöhnlich, auch in Hinblick auf ihre Kinder.

FAZIT:

Ava liebt noch war mit Abstand eines der besten (Liebes-)Bücher, welches ich je gelesen habe. Ich war sofort gefesselt von Ava und Kieran Annäherung und Liebe zueinander. Mein Wunsch, dass es für sie gut ausgehen würde, hat mich beim Lesen voran getrieben. Mir gefiel auch sehr wie Vera Zischke die Wunde in die Mutterschaft legt und dass sie eben Frauen nicht ausschließlich ausfüllt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2025

Bewegend und eindringlich

Mama & Sam
0

MEINUNG:

Sarah Kuttner ist eine Person, die mich seit meiner Jugend begleitet und deren Bücher ich schon alle gelesen habe. Besonders ihr letzter Buch Kurt hat mich sehr berührt und gezeigt, dass sie ...

MEINUNG:

Sarah Kuttner ist eine Person, die mich seit meiner Jugend begleitet und deren Bücher ich schon alle gelesen habe. Besonders ihr letzter Buch Kurt hat mich sehr berührt und gezeigt, dass sie emotional tiefe Geschichten schreibt. Ich kaufe jedes Buch von ihr und habe mich auf Mama & Sam sehr gefreut.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Mutter. Die Kapitel springen immer wieder vor und zurück, aber es durch eine Monatszeitleiste am Anfang der Kapitel gut erkennbar, wo man sich befindet. Es ist schnell klar, dass das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter schwierig war sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenen Alter. Für mich war das nachvollziehbar beschrieben. Dadurch entstand auch eine gewisse Entfremdung zwischen den beiden Frauen. Als Puffer dazwischen ist immer die Tante bzw. Schwester der Mutter. Durch die nachträgliche Sichtung der Chats mit dem Love Scammer und des Nachlasses ihrer Mutter, schafft eine ungewollte Intimität und auch nochmal das Entdecken von Seiten an ihrer Mutter, die zu Lebzeiten nicht gekannt hat. Seiten, die sie nicht an ihr erlebt hat. Außerdem schweben die Unklarheiten über die letzten Tage ihrer Mutter, denn Todeszeitpunkt und einige Indizien passen nicht zusammen. 

Für mich war das Buch ein Page Turner, denn ich wollte unbedingt wissen, wie es soweit kommen kann, dass vor allem ältere Frauen auf solche Maschen reinfallen und ihr ganzes Geld an solche Personen überweisen. Mittels Chats sind wir ganz nah dran, genauso wie die Protagonistin. Es fühlt wie ein Eindringen an, aber man kann auch nicht aufhören. Es ist oft schmerzhaft die Chats zu lesen, denn der Mann behandelt sie offensichtlich schlecht und die Masche ist erkennbar. Es werden auch die Dynamiken deutlich, wie so etwas auf Dauer funktioniert, nämlich durch Manipulation, Gaslighting etc. und alles basierend auf dem Bedürfnis der Mutter nach Liebe, Geborgenheit und Gesehen werden. Anhand des Gelesenes kann die Tochter auch einige Geschehnisse rekonstruieren bzw. nochmal neu bewerten. Am Ende des Buches gibt es auch ein paar Tipps, wenn man merkt, dass Angehörige und Freunde selbst Opfer einer solchen Person sein könnten.

FAZIT:

Mama & Sam ist eine Mutter-Tochter-Geschichte und irgendwie auch eine Liebesgeschichte, wenn auch basierend auf einem Love Scam. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durch gesuchtet, weil ich einfach wissen wollten, wie solche Geschichten passieren können. Sarah Kuttner hat es geschafft dies verständlich zu machen und so auch der Erzählerin ein bisschen Trost und rückwirkendes Verständnis für ihre Mutter zu geben. Das Buch sollte viele LeserInnen finden!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2025

Wirr und zu viele Längen

Die Ausweichschule
0

MEINUNG:

Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann ist auf der Long- und Shortlist der Deutschen Buchpreises 2025 und wurde natürlich auch vorab schon mit Spannung erwartet, denn viele von uns können sich ...

MEINUNG:

Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann ist auf der Long- und Shortlist der Deutschen Buchpreises 2025 und wurde natürlich auch vorab schon mit Spannung erwartet, denn viele von uns können sich noch an den Amoklauf 2002 am Erfurter Gutenberg-Gymnasium erinnern. Kaleb Erdmann erlebt diesen Tag selbst auf der Schule als 11-jähriger.

Mich irritierte zunächst, dass der Autor in dem beschreibt, wie er das Buch schreibt. Mich hat auch gestört, dass der Autor immer wieder abschweift mit Erzählungen aus dem Alltag, der Beziehung  des Autors, die vom Hauptthema ablenken. Es hat sich für teilweise so gelesen als nähme er uns mit auf seinen Schreibprozess und am Ende wird ein weiteres Buch geben, aber dem ist nicht so. Es liest sich wie ein langer Gedankenstrom, der für mich tatsächlich als Hörbuch besser funktioniert hat als das geschriebene Buch. Das hätte ich vermutlich abgebrochen, weil es mich nicht bei der Stange gehalten hätte, denn natürlich mich das Thema interessiert. Es gibt auch einen guten Einblick in die Hintergründe des Täters, wie damals mit dem Trauma umgegangen worden ist etc. 

FAZIT:

Die Ausweichschule ist mehr eine Auseinandersetzung als ein richtiger Roman. Es gibt einige Perspektiven und Hintergründe, die zu dem Amoklauf spannend fand, aber in meinen Augen war auch viel dabei, was ich uninteressant fand wie z.B. Alltagsszenen vom Autor oder irgendwelche Zitate und Querverweise von anderen Autoren, die nichts mit der Gutenberg Thematik zu hatten. Als Hörbuch konnte man es gut hören. In schriftlicher Form hätte ich es wohl abgebrochen, weil mir die Längen einfach zu viel wären und auch die fehlenden Stringenz. 

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2025

Familiengeheimnisse

Verlassen
0

MEINUNG:

Verlassen ist der vierte Teil der isländischen Krimi Reihe Mörderisches Island von Eva Björg Aegisdottir. Zeitlich gesehen spielt dieser Teil tatsächlich aber vor den anderen drei Teilen, denn ...

MEINUNG:

Verlassen ist der vierte Teil der isländischen Krimi Reihe Mörderisches Island von Eva Björg Aegisdottir. Zeitlich gesehen spielt dieser Teil tatsächlich aber vor den anderen drei Teilen, denn Kommissarin Elma kommt dann geplant er nach Akranes zurück.

Die Snæbergs sind eine sehr große, bekannte und vor allem reiche Familie. Ich war ganz froh, dass dem Buch ein Stammbaum hinzugefügt ist, damit man erstmal durchsieht.  Es wird aus diversen Perspektiven geschrieben, aber es beschränkt sich auf drei Familienmitglieder. Wieder richtig schön beschrieben ist die kühle, dunkle und vor allem herbstliche Atmosphäre in Island. Dieses Mal sind wir im Western auf der Halbinsel Snæfellsnes, wo die Familie in ein Luxushotel abgestiegen ist, um den 100. Geburtstag des bereits verstorbenen Urgroßvaters zu feiern. Die Familienmitglieder sind eigentlich nicht wirklich sympathisch. Ich glaub, ich mochte Petra und ihre Tochter Lea noch am meisten, doch beide bedrückt etwas und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist irgendwie angespannt, obwohl Lea ihre Mutter eigentlich dringend bräuchte. Die Autorin schafft es sehr gut in dieser beengten Situation gepaart mit dem Wetter eine düstere Spannung zu erzeugen, denn schnell war klar, dass irgendwas vor sich geht und sich auch etwas zuspitzt. 

Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen, denn es gibt immer mal wieder ein paar kurze Kapitel von den Ermittlern, die aber keine große Rolle einnehmen, Wie immer in den Krimis der Autorin nehmen die Opfer, Täter und deren Umfeld deutlich mehr Raum ein. Es ist klar, dass etwas passiert ist und mit weiterem Verlauf der Geschichte wird auch klar, wer darin verwickelt war und das eine Person stirbt. Mich hat ein bisschen der übermäßige Alkohol-und Drogenkonsum gestört, sowohl bei den Jugendlichen als auch den Erwachsenen. Vermutlich ist das schon realistisch, aber es fehlte vielleicht eine Einordnung.

FAZIT:

Verlassen fing für mich stark an, weil ich solche Familiengeschichten einfach liebe. Unter der herbstlich-düsteren Atmosphäre Island wird deutlich, dass in Familie Snæberg einiges vorgefallen ist. Die Auflösung/ den Showdown fand ich dann minimal schwächer. Insgesamt wohl mehr ein Spannungsroman als echter Krimi. Ich freue mich auf den nächsten Teil.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere