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Veröffentlicht am 25.05.2020

Ein Buch wie ein Nollywood-Film von Tarrantino

Meine Schwester, die Serienmörderin
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Oops, she did it again! Kann Krankenschwester Korede nach dem Anruf ihrer kleinen Schwester Ayoola nur denken. Sie hat es schon wieder getan. Denn während manche die Modedesignerin aufgrund ihres Äußeren ...

Oops, she did it again! Kann Krankenschwester Korede nach dem Anruf ihrer kleinen Schwester Ayoola nur denken. Sie hat es schon wieder getan. Denn während manche die Modedesignerin aufgrund ihres Äußeren als männermordendes Traumgeschöpf bezeichnen können, rammt Ayoola Männern in der Tat gerne mal eine 20 Zentimeter lange Klinge zwischen die Rippen. Nun auch ihrem gegenwärtigen beziehungsweise ehemaligen Freund.

Das ist nun bereits der dritte – und damit erfüllt Ayoola ganz offiziell die FBI-Standards für Serienmörder. Doch auch wenn die Schwester eine Serienmörderin ist – Blut ist nun einmal dicker als Wasser. Und so macht sich Korede mit Bleiche und anderem Material als Reinmachen, um Tatspuren zu beseitigen und die Leiche zu entsorgen. Ayoola mag schnell mit der Klinge sein, mit dem gründlichen Aufräumen nach der Tat hat sie es nicht so, da verlässt sie sich lieber auf die große Schwester.

Es ist schon eine ganz besondere Schwesternbeziehung und Familiengeschichte, die die nigerianische Autorin Oyinkan Braithwaite in ihrem Debütroman „Meine Schwester, die Serienmörderin“ beschreibt. Ältere Geschwister kennen das seit ihrer Kindheit: Wenn die Kleinen Mist bauen, bekommen die Älteren Vorwürfe: Warum hast du nicht besser aufgepasst? Wobei die Konsequenzen bei Mord und Beihilfe ein bißchen ernster sind. Schon aus Eigeninteresse muss Korede also aufpassen, dass Ayoola nicht auffliegt. Dabei ist die Familiendynamik schon ohne Serienmorde nicht ohne Probleme.

Denn Korede mag die Ältere sein, diejenige, die nach einem neuen Mord nicht den Kopf verliert und als Oberschwester im Krankenhaus auch beruflich respektabel dasteht. Doch im Leben und in der Liebe wird alles überschattet durch Ayoola, die durch ihre Schönheit allen Männern den Kopf verdreht und dank ihres Äußeren auch sonst im Leben offene Türen findet. Selbst die eigene Mutter zieht die schöne jüngere Tochter eindeutig der unauffälligen Korede vor. Als dann auch noch der Klinikarzt, in den Korede heimlich verliebt ist, sich in Ayoola verliebt, reagiert sie nicht nur eifersüchtig, sondern auch besorgt. Schließlich haben die Männer in Ayoolas Leben eine kurze Verweildauer.

Der einzige Mensch, dem sich Korede in ihren Nöten anvertraut, ist ein Komapatient. Der wacht dann entgegen aller Prognosen nicht nur auf, er kann sich auch an die Monologe der Krankenschwester erinnern. Ein vergleichbare kleines Problem angesichts der sprunghaften Ayoola, die die Aufmerksamkeit der Polizei und der Angehörigen ihrer Opfer auf sich zu ziehen droht. Da ist es fast schon wieder von Vorteil, dass in der Mega-Metropole Lagos Korruption zum Alltag gehört.

Erst nach und nach wird in diesem mit hohem Erzähltempo und bissigem Humor geschriebenen Roman klar, dass Gewalt in der Familie Wurzeln hat: Das Messer, mit dem Ayoola ihre Männer umbringt, gehörte einst dem Vater, einem brutalen und gewalttätigen Patriarchen. Gerade Ayoola musste unter seinen Launen leiden – und wurde als die Schönheit der Familie zugleich Geschäftspartnern regelrecht „angeboten“. Welche Rolle die Schwestern beim Unfalltod des Vaters spielen, bleibt offen – doch ich könnte mir gut vorstellen, dass es sich buchstäblich um einen Befreiungsschlag gehandelt haben könnte.

In manchen Szenen ist „Meine Schwester die Serienmörderin“ so grell und dramatisch wie ein Nollywood-Film, in anderen zeigt dieses Buch das widersprüchliche und doch unzerreißbare Band, das so vielleicht nur zwischen Schwestern besteht – komme, was wolle. Und so manche aberwitzige Situation strapaziert die Lachmuskeln. Dieser Debütroman macht neugierig auf mehr von Oyinkan Braithwaite.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Gegen Schweigen und Gleichgültigkeit

Deutschland schafft mich
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Man könnte Michel Abdollahi direkt als Vorzeige-Migranten bezeichnen - wenn er nicht schon längst Deutscher wäre. Wenn auch nicht von Geburt an, da war er Iraner, kam als fünfjähriger mit der Oma nach ...

Man könnte Michel Abdollahi direkt als Vorzeige-Migranten bezeichnen - wenn er nicht schon längst Deutscher wäre. Wenn auch nicht von Geburt an, da war er Iraner, kam als fünfjähriger mit der Oma nach Deutschland. Seine Eltern waren angesichts des Iran-Irak-Krieges in Sorge, dass bei einem männlichen Kind und damit einem künftigen möglichen Soldaten zu einem späteren Zeitpunkt keine Ausreiseerlaubnis möglich gewesen wäre. Inzwischen ist der studierte Jurist Abdollahi preisgekrönter Journalist, deutscher Staatsbürger und mittlerweile sehr besorgt. Denn egal wie erfolgreich, wie heimisch - für die Menschen der neuen Rechten, für diejenigen, die in Flüchtlingen eine Bedrohung sehen und in Muslimen Terroristen sieht einer wie Abdollahi nicht deutsch genug aus, um dazu zu gehören.

Mit seinem Buch "Deutschland schafft mich" hat der Journalist nun eine sehr persönliche Abrechnung mit gesellschaftlichen Entwicklungen unter dem Eindruck eines Abdriftens nach Rechts geschrieben. Ein Rechtsruck, der nicht nur an extremen Rändern stattfindet, sondern längst in den bürgerlichen Parteien angekommen ist - zum Beispiel mit dem Seehofer-Wort über den Islam als "Mutter aller Probleme".

Dass er nicht übersensibel alles persönlich nimmt und auch keine Berührungsängste beim Dialog mit Menschen hat, die völlig anders ticken, hat Abdollahi mit seiner Reportage über das Leben in einem Nazi-Dorf gemacht. Vier Wochen lang lebte er dafür in einem jener Orte, die von den Rechtsextremen als "national befreite Zonen" bezeichnet werden. Doch nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, nach dem Anschlag auf die Synagoge von Halle war das wachsende Unbehagen über die Verhältnisse in Deutschland zu einem Grad der Alarmiertheit , der ein Ventil brauchte. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt der Anschlag von Hanau und die Wahl eine Ministerpräsidenten mit und vor allem dank der Stimmen der AfD noch Zukunft. Mit diesen Ereignissen ist dann eingetreten, was Abdollahi in seinem Text nur befürchtete.

Abdollahis Buch ist auch eine Schilderung von Lebenserfahrungen in Deutschland - von den 90-er Jahren und dem rechten Mob in Hoyerswerda und Rostock, den Toten von Mölln und Solingen: Der Hass, den wir heute sehen, hat eine Vorgeschichte. Ausführlich geht Abdollahi auf die Entwicklung seit 2015 ein, auf Pegida und "besorgte Bürger", aber auch auf das Schweigen der Mehrheit, von der er viel früher einen Aufschrei, ein klares Wort erhofft hätte. Er will aufrütteln, aber auch Reaktionen einfordern, wenn er oder andere Menschen, die durch ihr Äußeres als "Anders" erkennbar sind, Hass und Anfeindungen ausgesetzt sind - ob im Internet oder auf der Straße. Denn eines sollte doch schon lange bekannt sein: Wer schweigt, wird mit schuldig.

Kritisch geht Abdollahi nicht nur mit der Politik um, sondern auch mit den Medien, mit den Talkshows, die Extremen und Extremisten immer wieder eine Plattform bieten, sich dabei nur allzu leicht zum Werkzeug für diejenigen machen, die ihre Parolen in die Öffentlichkeit tragen, die viel zu oft nur über Migranten oder Muslime sprechen, aber viel zu selten mit ihnen. "Deutschland schafft mich" ist engagiert und eindringlich - und leider nur zu aktuell.

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Veröffentlicht am 20.05.2020

Wie Tarantino für Regionalkrimi-Leser

SoKo Heidefieber
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Wieviel Morde passen auf knapp 300 Buchseiten? Im Fall von Gerhard Henschels „Soko Heidefieber“ sind das ziemlich viele, darunter ziemlich schauerliche und ungewöhnliche. Ähnlich wie in einem Tarantino-Film ...

Wieviel Morde passen auf knapp 300 Buchseiten? Im Fall von Gerhard Henschels „Soko Heidefieber“ sind das ziemlich viele, darunter ziemlich schauerliche und ungewöhnliche. Ähnlich wie in einem Tarantino-Film verliert der Leser im Laufe dieser grotesk-überdrehten Kriminalsatire angesichts von Blut und Leichen auch schon mal den genauen Überblick. Trotz lustvoll inszenierter Gewalt kommt der Humor in diesem schrägen Krimi nicht zu kurz. Wen wundert´s – Autor Henschel hat schließlich auch schon für das Satiremagazin „Titanic“ geschrieben.

Bezeichnet wird „Soko Heidefieber“ als Überregionalkrimi – denn landauf, landab geht es Autoren des Genres an den Kragen oder vielmehr ans Leben. Das Besondere: Jeder von ihnen wird auf eine Art getötet, die einem seiner Romane entnommen ist. Der Mörder, das ist klar, muss ein fleißiger Leser sein. Auch ein besonders anspruchsvoller? Der Schriftsteller Frank Schulz spricht vor dem Bundeskriminalamt ironisch von einer Art „angewandter Literaturkritik“ –mit fürchterlichen Folgen.
Denn ein erzürnter, eitler und nicht sonderlich talentierter Schriftstellerkollege sinnt auf Rache und macht Schulz erst mit einer Medienkampagne fertig und ist mit der Flucht des Autoren in den Griechenland-Urlaub noch längst nicht zufrieden.

Die Uelzener Kommissare Gerold und Ute, in deren Zuständigkeit der erste Mordfall fiel werden in die BKA-Soko berufen, die im Zuge weiterer Morde ebenfalls zu einem überregionalen Ermittlungsteam gehört. Dass der zuständige Forensiker mehr Interesse an erfolglosen Verführungsversuchen bei weiblichen Kollegen hat als für für Beweissicherung, hilft den Ermittlungen nicht weiter, ebenso wenig, wenn ausgerechnet die Kooperation österreichischer oder Berliner Kollegen notwendig wird. Mit regionalen Klischees und Stereotypen wird ebenso gespielt wie mit den Aufgeregtheiten der Social Media-Gesellschaft, den Eitelkeiten des Literaturbetriebs und dem Genre Kriminalroman an sich.

Das gilt auch für die unfreiwilligen Abenteuer des Schriftsteller Schulz – der scheint zwar nicht im Fokus des Mörders zu stehen, doch selbst wenn: Der Täter müsste sich erst in die lange Schlange derjenigen stellen, die dem Autor an Leib und Leben wollen. In einer keineswegs vollständigen Auflistung wären da etwa ein korrupter griechischer Polizeichef, ein schwuler Kopfgeldjäger und Auftragskiller, ein albanischer Familienclan mit Hang zur Blutrache, die biestigen kleinen Töchter eines liebenswerten bayrischen Familienvaters. Ein hungriger Bär, ein Tornado und diverse Unfälle tragen zu den neuen Leiden des Frank S. bei.

Das erinnert dann schon wieder an Art mancher Krimiautoren, ihre Helden „interessanter“ zu gestalten, indem sie sie mit einem solchen geballten Anteil von Schicksal, Gewalt und Schmerzen überhäufen, dass man sich wundert, dass sie das Ende des Buches erleben. Mancher Autor lebt seine sadomasochistischen Tendenzen vielleicht lieber an seinen Romanhelden aus.
Kein Zweifel – Henschel schöpft aus dem Vollen. Dass er zwischen all den Morden nicht nur Platz für die obligatorische Liebesgeschichte findet, sondern dem Leser ein paar linguistische Studien ermöglicht: Chapeau! Wobei es entschieden von Vorteil ist, Plattdeutsch zu verstehen.

Zu dieser wunderbaren Groteske passt dann irgendwie auch, dass die Lösung des Falls in der Sympathisanten-Szene des Berlin der frühen 80-er Jahre wurzelt. Soko Heidemörder ist blutig, sehr blutig. Aber Freunde des etwas schrägeren Humors werden auf ihre Kosten kommen. Na denn mal tau.

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Veröffentlicht am 17.05.2020

Mythos Timbuktu und der Kampf um altes Wissen

Die Bücherschmuggler von Timbuktu
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Bei Charlie Englishs Buch "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" kommen gleich mehrere Arten von Lesern auf ihre Kosten - die historisch oder geografisch Interessierten, die Anhänger einer gut erzählten "David ...

Bei Charlie Englishs Buch "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" kommen gleich mehrere Arten von Lesern auf ihre Kosten - die historisch oder geografisch Interessierten, die Anhänger einer gut erzählten "David gegen Goliath"-Geschichte und natürlich all jene, in deren Ohren schon der Klang des Ortsnamens Timbuktu magisch-verheißungsvoll klingt, ähnlich wie Sansibar, Samarkand oder Buchara. Um die Geschichte der sagenumwobenen Oasenstadt geht es auch, um Mythos und Realität, aber auch um den - lange Zeit ignoranten und selbstherrlichen - europäischen Blick auf Afrika, um die Macht von Worten und Wissen und um die Konflikte, die den Wüstenstaat Mali in der Gegenwart prägen.

Charlie English, lange Leiter des Auslandsressort des "Guardian", Mitglied der Royal Geographic Society und seit seinem 19. Lebensjahr immer wieder unterwegs in Afrika, verwebt Geschichte und Geschichten, journalistisches Handwerk und Storytelling. Sein Buch über die Bücherschmuggler, jene Bibliothekare und Gelehrten aus Timbuktu, die während der Besetzung der Stadt durch Islamisten und Milizen das Kulturgut ihrer Stadt und ihres Landes schützten, die Bibliotheken und Schriften, die den eigentlichen geistigen Reichtum der Stadt ausmachten.

Entdecker und Eroberer hatten in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder vergeblich und oft mit tödlichem Ausgang den Weg nach Timbuktu gesucht. Die Handelsstadt zwischen Niger und Sahara sollte sagenhaften Reichtum enthalten. Dächer aus Gold, ein El Dorado in Afrika, so die Hoffnung derjenigen, die als erste ihren Fuß in die Stadt setzen wollen. Ein Teil des Buches behandelt die Geschichte dieses Mythos, der Expeditionen und auch des Blickes auf Afrika, das die europäischen Mächte als Spielball ihrer eigenen Interessen sahen.

Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth, der als einer der ersten Europäer tatsächlich Timbuktu erreichte, fand dort eine ganz andere Art von Reichtum: Schriften und Chroniken, die von afrikanischen Königreichen berichteten, die Chronik einer afrikanischen Geschichte, Rechtssprechung, Diplomatie - Dokumentation all dessen, was den Afrikanern von den Europäern damals abgesprochen wurde. Afrika hatte sozusagen tabula rasa zu sein - ein geschichtsloser Kontinent, dem erst die Weißen ihren Stempel aufdrückten. Die Manuskripte von Timbuktu waren der Gegenbeweis.

Vielleicht ist gerade dieser Exkurs in die Vergangenheit wichtig, um zu erklären, warum die Bibliotheken von Timbuktu, die auch in den alteingesessenen Familien von Generation zu Generation weitergegebenen Schriftrollen, den Bibliothekaren der Gegenwart so viel bedeuteten, dass sie den Islamisten trotzten und große Risiken auf sich nahmen. Denn so spannend es ist, über die Forschungsreisen und ihre teils exzentrischen, meist aber wagemutigen Persönlichkeiten zu lesen, ist es doch der stille Widerstand der Gelehrten, der hier fasziniert.

So wie einst die "Entdecker" afrikanische Reiche auslöschten, ihre Kultur und Tradition negierten und die Menschen, die sie vorfanden, als Rohstoff ansahen, versuchten auch die Kämpfer von AQUIM die Geschichte Timbuktus und des Nordens von Mali zu überschreiben - mit der Einführung der Scharia, mit der Zerstörung der Mausoleen, mit der brutalen Unterdrückung all dessen, was sie als haram, als unrein und unislamisch ansahen. Dass die alten Manuskripte als nächstes auf der Liste stehen könnten, ließ die Bibliothekare zu Bücherschmugglern werden: Die Manuskripte wurden zunächst in Privathäusern versteckt, schließlich durch die Wüste oder über den Fluss in die Hauptstadt Bamako geschmuggelt.

Eine solche Widerstandsorganisation erinnert ein bißchen an "Oneg Szabat" um Emanuel Ringelblum, den Archivar des Warschauer Ghettos: Völlig unmartialische Menschen, die nicht mit dem Gewehr kämpfen, sondern um den Erhalt von Wissen, die inmitten der Zerstörung und Gewalt noch dokumentieren.

Die Geschichte des Schmuggels, der zeitweise als Wettlauf gegen die Zeit erscheint, liest sich spannend wie ein Krimi - auch wenn am Ende Fragen aufkommen über die tatsächliche Zahl der Dokumente, über mögliche Übertreibungen oder wie groß die Gefahr für die Dokumente überhaupt je war. "Jeder hat seine eigene Version", sagt einer der Protagonisten, als er mit diesen Fragen konfrontiert wird. Gab es persönliche Bereicherungen, wurden Zahlen übertrieben, um ausländische Spendengelder locker zu machen? Manche Fragen bleiben unbeantwortet. Aber den Spirit, Bücher vor der Vernichtung zu bewahren, wird jeder Bücherfreund zu schätzen wissen. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.05.2020

Nonne mit Spürnase - Schwester Isabella ermittelt

Kloster, Mord und Dolce Vita - Folge 01
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Wer sagt, Nonnen in ihrem Kloster hätten der Welt, dem Weltlichen und allem Aufregenden entsagt? In dem toskanischen Kloster, das Schauplatz der Reihe "Kloster, Mord und Dolce Vita" ist, kann das Klosterleben ...

Wer sagt, Nonnen in ihrem Kloster hätten der Welt, dem Weltlichen und allem Aufregenden entsagt? In dem toskanischen Kloster, das Schauplatz der Reihe "Kloster, Mord und Dolce Vita" ist, kann das Klosterleben sogar gewaltsam tödlich sein - wie im Fall des "Tod zur Mittagstunde". So lautet der Titel des ersten Abenteuers der Hobby-Detektivin und Klosterschwester Isabella, die den jungen Carabiniere Matteo in dem Cozy Krimi von Valentina Morelli tatkräftig unterstützt. Schließlich ist es ja eine Mitschwester, die durch einen Turm vom Glockenturm zu Tode gekommen ist. War es ein tragischer Unfall, Mord oder - Dio mio! - gar Selbstmord?

Angesichts der ziemlich klaren Haltung der Kirche zum Suizid will Isabella diesen Makel auf ihrer Mitschwester nicht sitzen lassen. Die muntere Nonne nutzt ihren neuen Klosterjob als Marktverkäuferin, um Einwohnern auf den Zahn zu fühlen. Könnte in den Porzellanfiguren, die die tote Nonne gesammelt hatte, die Lösung zu finden sein? Ist das auffällige Interesse der deutschen Ordenschwester Hildegard an der Zelle der toten Nonne verdächtig? Gibt es Intrigen in der Ordensgemeinschaft, die die im Kloster noch neue Isabella aufklären muss, oder ist die Lösung des Falles in der Außenwelt zu finden?

In den von Chris Nonnast gelesenenen Hörbüchern bekommt jede der Handlungsfiguren ihre eigenen "Stimme" und auch die Bewohner des Städtchens Santa Catarina mit seinem pittoresken Markt, den engen Gassen, dem geschäftstüchtigen Bürgermeister und dessen schöner Tochter Nina hinterlassen in den kurzen Kapiteln Bilder im Kopf des Hörers.

Der Bürgermeister und seine Tochter sind auch im zweiten Band "Der Tote am Fluss" wesentliche Figuren. Kein Wunder, denn die schöne Antiquitätenhändlerin hat es Matteo schwer angetan. Zu dumm, dass der Bürgermeister zu jenen Vätern gehört, denen eh kein Mann gut genug für seine Tochter ist. Ein toter Landstreicher mit überraschender Vergangenheit und die Suche nach einem Motor für Matteos antike Vespa halten Polizisten und Nonne gleichermaßen auf Trab.

Wie es sich für Cozy-Krimis gehört, geht es eher humorvoll als blutrünstig zu, und abgesehen von denjenigen, die eines gewaltsamen Todes starben, stehen die Zeichen grundsätzlich auf happy end. Die Hügel und Weinberge, die engen Gassen und malerischen piazzas bilden die Kulisse der vergleichsweise knappen Hörbücher. Italienische Lebenskunst und Leichtigkeitgehört natürlich dazu. Das ist zwar manchmal ein wenig klischeebelastet, aber liebenswert und begleitet von einem Augenzwinkern. Leichte und beschwingte Unterhaltung für Freunde des Dolce Vita ohne allzu viele Blutspritzer.

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