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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2019

HinterList

Der Stalker von List
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"Der Stalker von List" ist absolut die richtige Lektüre für den Strandkorb, oder für den heimischen Balkon, um sich aufs schöne Sylt zu träumen. Die Autorin scheint sich dort auszukennen und weckt mit ...

"Der Stalker von List" ist absolut die richtige Lektüre für den Strandkorb, oder für den heimischen Balkon, um sich aufs schöne Sylt zu träumen. Die Autorin scheint sich dort auszukennen und weckt mit ihrem Regio-Krimi Wünsche nach einem Inselurlaub.

Leider ist nicht alles friedlich im Inselparadies. Ein Insulaner liegt ermordet am Strand. Bei den Einheimischen ist er gut bekannt, denn er hat vor Jahren schon negativ auf sich aufmerksam gemacht, weil er einer bekannten lokalen Romanschriftstellerin übelst nachgestellt hat, bis er wegen eines gerichtlichen Näherungsverbots ganz von Sylt wegzog. Doch nun liegt dieser Lennard Feddersen erschlagen im Sand und das Rätselraten um Motiv und Mörder kann beginnen. Liebenswerte Ermittler treffen auf knurrige Ureinwohner, nette Wortgefechte wechseln sich ab mit schönen Landschaftsmotiven.

Besonders gut gefällt mir der elegante Schreibstil von Ulrike Busch und außerdem die übersichtliche Anzahl der Tatverdächtigen, die es dem Leser dennoch nicht einfach machen, bei der Mördersuche erfolgreich mitzuraten. Die Auflösung birgt eben doch noch ihre Überraschung.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Elise und ihre Träume

Kastanienjahre
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"Kastanienjahre" ist eine sehr eindrucksvolle Beschreibung der DDR-Lebensart von Beginn der 60er Jahre an. Beispielhaft wird hier das Leben einiger Bewohner des fiktiven Ortes Peleroich erzählt, wobei ...

"Kastanienjahre" ist eine sehr eindrucksvolle Beschreibung der DDR-Lebensart von Beginn der 60er Jahre an. Beispielhaft wird hier das Leben einiger Bewohner des fiktiven Ortes Peleroich erzählt, wobei Elise die Hauptperson ist. Als erwachsene Frau konnte sie sich endlich ihre Träume erfüllen und in ihrem Sehnsuchtsort Paris eine kleine Modeboutique führen. Geheimnisvolle, anonyme Briefe locken sie und ihre ehemaligen Nachbarn in das dem Untergang geweihte Dorf zurück, wo ein geheimnisvoller Unbekannter einige Geheimnisse lüften will. Elise fährt in ihre Vergangenheit zurück, getrieben von der Hoffnung, ihre unvergessene Jugendliebe zu treffen, die von einem Tag zum anderen spurlos verschwand. Es werden allerseits Erinnerungen wach, wie das DDR-Regime dem Individuum keinen Freiraum ließ, Träume zerstörte und Lebenswege ruinierte. Man erinnert sich, wie mit der Wende durch den Kapitalismus nicht sofort das große Glück Einzug hielt, sondern erst vieles gründlich zerschlagen wurde, ehe man sich in der neuen Lebensform zurechtgefunden hat.

Ich denke, Anja Baumheier zeigt dem Leser, vor allen den Wessis, ein realistisches Bild von den Verhältnissen. Sie aus erster Hand zu erfahren von jemanden, der in der DDR aufgewachsen ist, dazu verpackt in einem mitreißenden Roman, ist eine wertvolle Erfahrung.
Wolfgang Berger, als Sprecher der Hörbuchversion, macht seinen Job ausgezeichnet. Er bringt alle Emotionen zum Ausdruck, er berlinert oder singt, wo es erforderlich ist, und hat dabei eine sehr angenehme Stimmlage.

Veröffentlicht am 30.08.2019

Psychoterror

Der Kastanienmann
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Dieser Thriller spielt in Kopenhagen und sorgt am laufenden Band für Gruselmomente. Ein Serienmörder geht um, der es auf Frauen abgesehen hat, die er vor dem Töten grausam foltert. Die Mordkommission ist ...

Dieser Thriller spielt in Kopenhagen und sorgt am laufenden Band für Gruselmomente. Ein Serienmörder geht um, der es auf Frauen abgesehen hat, die er vor dem Töten grausam foltert. Die Mordkommission ist mal wieder chronisch unterbesetzt und die ermittelnde Kommissarin Naia Thulin ist schon im Absprung zum Kommissariat für Cyberkriminalität. Der Neuzugang Mark Hess soll ihr zur Seite stehen, aber eigentlich bremst er nur die Ermittlungen. Er ist von Europol strafversetzt worden und seine ganze Energien steckt er in eine Rückkehr zu seinem alten Arbeitsplatz. Erst als er selbst eine heiße Spur entdeckt, kommt sein scharfer analytischer Verstand zum tragen und bringt die Lösung des Falls näher.

Bei jeder Leiche findet sich eine Kinderbastelei aus Kastanien, und auf diesen Kastanien befindet sich der Fingerabdruck eines entführten Mädchens, das schon lange für tot gehalten wird. Der Täter hat ein Geständnis abgelegt, nur die Leiche wurde nie gefunden. Durch diese neuen Spuren schöpfen die Eltern wieder Hoffnung und die Printmedien schlachten den Fall mit Begeisterung aus, was den Druck auf die Polizei nochmal steigert.

Der Täter jedenfalls ist mit der Arbeitsweise der Polizei bestens vertraut und ihr immer eine Nasenlänge voraus. Es dauert, bis man die Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern herausfiltern kann und dann ist es fast zu spät, bis man die Zusammenhänge mit dem alten Entführungsfall versteht.

608 Seiten sind schon eine stattliche Anzahl, aber der Autor hält den Leser in atemloser Spannung. Die verschiedenen Protagonisten gewinnen schnell an persönlichem Profil, wobei ich sagen muss, dass mir beide Ermittler sehr, sehr unsympathisch sind. Thulin agiert ziemlich selbstherrlich. Ihre Zeugenbefragungen sind regelrecht unverschämt, so kann man nicht mit Leuten umgehen. Hess ist ein ignoranter Typ, der sehr von sich eingenommen ist, der sich nicht an Regeln halten will und nur sein eigenes Wohl im Sinn hat.

Nein, ich mag solche unsozialen Typen nicht als Helden der Geschichte, aber dennoch führt das hier nicht zum Punkteabzug, denn "Der Kastanienmann" hat mich rundum überzeugt.

Veröffentlicht am 23.08.2019

Signe Munch, die unbekannte Malerin

Die Malerin des Nordlichts
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In dem Buch "Die Malerin des Nordlichts" geht es um das Leben der wenig bekannten Nichte von Edvard Munch, um Signe Munch. Die Biografie setzt spät ein. Die Künstlerin geht schon auf die Vierzig zu, hat ...

In dem Buch "Die Malerin des Nordlichts" geht es um das Leben der wenig bekannten Nichte von Edvard Munch, um Signe Munch. Die Biografie setzt spät ein. Die Künstlerin geht schon auf die Vierzig zu, hat sich gerade aus den Zwängen einer lieblosen Ehe befreit und kann sich endlich ungehindert ihren künstlerischen Ambitionen widmen. Man lernt eine sehr schüchterne und introvertierte Frau kennen. Kaum zu glauben, dass sie in der damaligen Zeit Mut zur Trennung von ihrem Mann gefunden hat, da so etwas immer einen gesellschaftlichen Skandal bedeutete. Neben ihrem Malunterricht bei Pola Gauguin engagiert sie sich sehr für den Zusammenschluss junger Künstler. Doch wenn man der Erzählung Glauben schenken darf, dann fühlt sie sich nicht richtig wohl in der zumeist oberflächlichen Gesellschaft. Leider suchen auch viele Künstler nur ihre Bekanntschaft, um so in die Nähe der berühmten Edvard Munch zu kommen.

Neben Signes persönlicher Geschichte erfährt man einiges über die Lebensumstände des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem über die Stellung der Frau. Erst mit Einar Siebke kommt allmählich etwas Bewegung in die für mich etwas zu langatmige Erzählung. Signe erfährt ein spätes Liebesglück, heiratet sogar und verliert doch am Ende durch die deutschen Nationalsozialisten alles: Der Ehemann wird im Widerstand verhaftet und verliert sein Leben, ihre Werke werden als entartete Kunst zerstört.

Erst gegen Ende konnte ich mich mit dieser Biografie anfreunden. Erst da geschieht etwas. Die Personen werden mehr zu eigenständigen Charakteren, vorher waren es einfach Menschen, die ihren Lebensweg kreuzen. Weil sich die Autorin aber über weite Strecken hinweg sehr mit der Gedanken- und Gefühlswelt von Signe befasst, und das leider nicht spannend vermitteln kann, bin ich leider etwas enttäuscht von diesem Buch.

Vielleicht wäre auch eine lebendigere Sprecherin die bessere Wahl für dieses Hörbuch gewesen. Christina Puciata hat zwar eine sehr angenehme Stimmlage, aber sie liest leider etwas ausdrucksarm.

Veröffentlicht am 19.08.2019

zähe Story

Die Hebamme von Sylt
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Der Roman spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Sylt. Die Insel und ihre historischen Ereignisse werden, soweit ich das beurteilen kann, detailgetreu erzählt.
Nur mit den Personen habe ich ...

Der Roman spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Sylt. Die Insel und ihre historischen Ereignisse werden, soweit ich das beurteilen kann, detailgetreu erzählt.
Nur mit den Personen habe ich so meine Schwierigkeiten.
Geesche Jensen ist eine fähige Hebamme, doch sie macht den folgenschweren Fehler, Schicksal zu spielen und darum dreht sich die ganze Handlung. Weil die Menschen um Geesche herum sehr einfach strukturierte Charaktere sind, auch in ihrem Denken ihre gesellschaftlichen Bahnen nie verlassen können, bleibt alles ziemlich an der Oberfläche und vorhersehbar.
Mich konnte die Autorin leider nicht packen, weil der Erzählstil für mich einfach zu langatmig ist. Schade, denn die Grundidee hat durchaus Potenzial.