Ein Lesehighlight
Der FährmannSchauplatz ist die deutsch-österreichische Grenze in den Jahren von 1894 bis 1915. Die Orte sind durch die Salzach getrennt und ein Fährmann bildet die Verbindung, um Geschäfte und Besuche zu ermöglichen.
Die ...
Schauplatz ist die deutsch-österreichische Grenze in den Jahren von 1894 bis 1915. Die Orte sind durch die Salzach getrennt und ein Fährmann bildet die Verbindung, um Geschäfte und Besuche zu ermöglichen.
Die 5jährigen Mädchen Annemarie, die Wirtstochter und Elisabeth, ein Bauernmädchen sind beste Freundinnen und wie Schwestern. Aus den beiden werden junge Frauen und sie verlieben sich. Annemarie in Josef Steiner, den Sohn eines Großbauern und Elisabeth in Hannes Winkler, den zukünftigen Fährmann. Das Leben, läßt diese Lieben aber nicht zu. Annemarie ist als Wirtstochter nicht die richtige Partie für die reiche Familie Steiner und für Hannes, den Fährmann, ist eine Heirat wegen seines Berufs ausgeschlossen. Elisabeths Eltern vereinbaren mit Familie Steiner die Heirat der beiden. Annemarie muß in der Wirtschaft weiter arbeiten und freundlich zu den Gästen sein, um sie zum Verzehr zu animieren. So gehen die beiden Freundinnen notgedrungen sehr verschiedene Lebenswege. Elisabeth erfährt in der neuen Familie viel Gewalt und darf auch Annemarie nicht mehr sehen. Annemarie muß als Geliebte eines verheirateten Mannes ebenfalls viel Gewalt ertragen. Beiden wird immer wieder klar gemacht, wie wenig Frauen wert sind und auch, daß sie keinerlei Rechte besitzen. Männer dürfen sich alles in jeglicher Form herausnehmen. Hannes ist das Verbindungsglied zwischen den beiden Freundinnen.
Ich hatte noch kein Buch der Autorin gelesen. Das vorliegende hat mich absolut begeistert, so daß ich mir gleich „Die Schwarzgeherin“ geholt habe. In kurzen Kapiteln, die zwischen Annemarie, Elisabeth, Hannes und Josef wechseln, wird die Geschichte erzählt. Der Schreibstil und die Thematik sind gewaltig, eindringlich, düster und bewegend. Die Atmosphäre der damaligen Zeit und die Lebensumstände werden authentisch beschrieben. Für Umarmungen oder zärtliche Gesten war hier kein Platz. Naturschilderungen runden die Geschichte ab. Die Autorin hat ihre Leser mitgenommen in diese schwere Zeit und vieles hat mich beklommen gemacht, ja ich hatte des Öfteren einen Kloß im Hals und war fassungslos. Bei den Figuren hatte ich von Beginn an meine Sympathie bzw. Antipathie verteilt, das hat sich bis zum Ende nicht geändert. Der Roman beinhaltet alles von Freundschaft, Vertrauen und Liebe bis hin zu Neid, Schuld und brutaler Gewalt.
Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr und ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!