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Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Lesehighlight

Der Fährmann
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Schauplatz ist die deutsch-österreichische Grenze in den Jahren von 1894 bis 1915. Die Orte sind durch die Salzach getrennt und ein Fährmann bildet die Verbindung, um Geschäfte und Besuche zu ermöglichen.

Die ...

Schauplatz ist die deutsch-österreichische Grenze in den Jahren von 1894 bis 1915. Die Orte sind durch die Salzach getrennt und ein Fährmann bildet die Verbindung, um Geschäfte und Besuche zu ermöglichen.

Die 5jährigen Mädchen Annemarie, die Wirtstochter und Elisabeth, ein Bauernmädchen sind beste Freundinnen und wie Schwestern. Aus den beiden werden junge Frauen und sie verlieben sich. Annemarie in Josef Steiner, den Sohn eines Großbauern und Elisabeth in Hannes Winkler, den zukünftigen Fährmann. Das Leben, läßt diese Lieben aber nicht zu. Annemarie ist als Wirtstochter nicht die richtige Partie für die reiche Familie Steiner und für Hannes, den Fährmann, ist eine Heirat wegen seines Berufs ausgeschlossen. Elisabeths Eltern vereinbaren mit Familie Steiner die Heirat der beiden. Annemarie muß in der Wirtschaft weiter arbeiten und freundlich zu den Gästen sein, um sie zum Verzehr zu animieren. So gehen die beiden Freundinnen notgedrungen sehr verschiedene Lebenswege. Elisabeth erfährt in der neuen Familie viel Gewalt und darf auch Annemarie nicht mehr sehen. Annemarie muß als Geliebte eines verheirateten Mannes ebenfalls viel Gewalt ertragen. Beiden wird immer wieder klar gemacht, wie wenig Frauen wert sind und auch, daß sie keinerlei Rechte besitzen. Männer dürfen sich alles in jeglicher Form herausnehmen. Hannes ist das Verbindungsglied zwischen den beiden Freundinnen.


Ich hatte noch kein Buch der Autorin gelesen. Das vorliegende hat mich absolut begeistert, so daß ich mir gleich „Die Schwarzgeherin“ geholt habe. In kurzen Kapiteln, die zwischen Annemarie, Elisabeth, Hannes und Josef wechseln, wird die Geschichte erzählt. Der Schreibstil und die Thematik sind gewaltig, eindringlich, düster und bewegend. Die Atmosphäre der damaligen Zeit und die Lebensumstände werden authentisch beschrieben. Für Umarmungen oder zärtliche Gesten war hier kein Platz. Naturschilderungen runden die Geschichte ab. Die Autorin hat ihre Leser mitgenommen in diese schwere Zeit und vieles hat mich beklommen gemacht, ja ich hatte des Öfteren einen Kloß im Hals und war fassungslos. Bei den Figuren hatte ich von Beginn an meine Sympathie bzw. Antipathie verteilt, das hat sich bis zum Ende nicht geändert. Der Roman beinhaltet alles von Freundschaft, Vertrauen und Liebe bis hin zu Neid, Schuld und brutaler Gewalt.

Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr und ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Spannende Tätersuche

Rügenmord
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Am Rande von Poseritz steht eine Scheune in Flammen und nach dem Löschen wird eine männliche Leiche entdeckt. Bei den Nachforschungen stellt sich heraus, daß es sich um Brandstiftung handelte, die Leiche ...

Am Rande von Poseritz steht eine Scheune in Flammen und nach dem Löschen wird eine männliche Leiche entdeckt. Bei den Nachforschungen stellt sich heraus, daß es sich um Brandstiftung handelte, die Leiche in einem Zimmer eingesperrt gewesen sein muß und es für ihn kein Entkommen gab. In der Nähe wird ein verlassener Pkw entdeckt, zugelassen auf Petra Kappler. Sie hatte ihren Sohn vor 2 Tagen als vermißt gemeldet. Tom Kappler war mit ihrem Auto unterwegs und wollte seinen Wohnsitz gerade von Berlin nach Greifswald verlegen, um seiner hilfsbedürftigen Mutter zur Seite zu stehen. In Berlin war der 30-Jährige Musiker, fantasievoller Buchhalter im Home-Office und irgendwie Lebenskünstler. Hier war er auf Jobsuche und er war bisexuell. Ein weites Feld für die Ermittler, den Täter zu finden. Es gibt erste Hinweise in Richtung Drogen, Geldwäsche, Antiquitäten, seine Buchhaltungsmandanten, eine locker andauernde Affäre und gezielt gelöschte Daten auf seinem Laptop. Ebenso müssen der Scheunenbesitzer und die Scheunenmieter unter die Lupe genommen werden. Und dann taucht eine zweite Leiche auf!


Ich kenne sehr viele Krimis von Katharina Peters und sie ist für mich ein Garant für solide Regio-Krimis aus dem Norden. Ihr Schreibstil ist flüssig, der Plot gut konstruiert und man kann mit rätseln. Romy und ihr Team sind ja schon bekannt und sympathisch, vor allem Reymann scheint sich mittlerweile gut integriert zu haben und wird von den Kollegen akzeptiert. Das Team ist vielfältig und facettenreich in ihren jeweiligen Stärken. Ich fand es sehr schön, auf Personen aus der Emma-Klar-Reihe zu treffen. Tom Kappler war sowohl privat als auch beruflich anscheinend kontaktfreudig, so daß sich in seinem großen Umfeld etliche Fragezeichen ergeben. Die Autorin hat die Puzzlearbeit der Beamten sehr realistisch aufgezeigt. Gut gefiel mir auch, daß das Privatleben der Ermittler nur am Rande einfließt, um ein Gefühl oder das jeweilige Verhalten zu veranschaulichen. Sehr positiv fand ich das Zusammenspiel der einzelnen Dienststellen, ohne Zickereien oder Befindlichkeiten, sondern geprägt durch das Ziel vor Augen, den Täter zu finden. Ob das realistisch ist, sei dahingestellt.

Ich hatte wieder unterhaltsame, spannende Lesestunden und empfehle auch diesen Krimi der Romy-Beccare-Reihe sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Packender Pageturner

Moorland. Die Zwillinge
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Die Eltern Mertens melden ihre eineiigen Zwillinge Jana und Nike vermißt. Sie waren trotz der Warnungen des Vaters ins Moor aufgebrochen, um für ihren Tiktok-Kanal Moormaid zu filmen und sind nicht mehr ...

Die Eltern Mertens melden ihre eineiigen Zwillinge Jana und Nike vermißt. Sie waren trotz der Warnungen des Vaters ins Moor aufgebrochen, um für ihren Tiktok-Kanal Moormaid zu filmen und sind nicht mehr zurückgekehrt. Auf ihrem Kanal kann man ihre bisherigen schon sehr eindrucksvollen Bilder sehen. Die Kommentare dazu sind unterschiedlich, mal werden sie negativ angegangen und es gibt auch einen User, der sie stark verteidigt. Kommissarin Malia Gold ist gerade in ihren Heimatort zurückgekehrt und es wird zu ihrem ersten Fall. Dabei kommt sie auch nicht umhin, auf ihre eigene Familie, die sie vor 15 Jahren verlassen hat, zu treffen. Wird es der Polizei und den Suchtrupps gelingen, die beiden lebend zu finden?


Ich habe fast alle Bücher von Andreas Winkelmann gelesen und weiß daher, daß er packend schreibt. Hier waren es gleich viel versprechende Zutaten – Moor, Nebel, verschwundene eineiige Zwillinge und Social Media. Der Autor hat das auch perfekt umgesetzt und seine Leser mitgenommen in die Geschichte, falsche Fährten gelegt, Twists eingebaut und am Ende wurde man doch noch überrascht. Die Geheimnisse/Verflechtungen der Agierenden waren komplex und konnten erst mit der Zeit aufgedröselt werden. Die einzelnen Figuren wurden sehr genau charakterisiert. Die Atmosphäre des Moors und der darüber liegende Nebel und die schwierige, fast aussichtslose Suche nach den Zwilligen konnte man spüren und mit fiebern. Da es sich um Band 1 einer neuen Reihe handelt, wurde auch speziell Kommissarin Malia Gold und ihrer Familie ein größerer Raum gegeben. Hier liegt für den Autor noch viel Potenzial, daher freue ich mich schon auf den nächsten Band und bin gespannt, was der Autor plant.

Das Cover und vor allem auch der Buchschnitt passen perfekt.

Ich hatte spannende Lesestunden und empfehle diesen Thriller sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 03.03.2026

"Manche Hunde läßt man lieber weiterschlafen"

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Patsy Logan, Kriminalhauptkommissarin beim K11 in München und derzeit in Auszeit kommt zur Lesung ihres Kollegen Sebi aus seinem True-Crime-Thriller-Debüt „Ohne jede Spur“. Dabei trifft sich auch ihren ...

Patsy Logan, Kriminalhauptkommissarin beim K11 in München und derzeit in Auszeit kommt zur Lesung ihres Kollegen Sebi aus seinem True-Crime-Thriller-Debüt „Ohne jede Spur“. Dabei trifft sich auch ihren früheren Chef und Kolleginnen. Gerade jetzt muß sie erfahren, daß ein Freund der Familie, Fergal Massey, während seines Heimaturlaubs in Dublin von angeblichen Drogengangstern erschossen bzw. förmlich hingerichtet wurde. Er hinterließ ein Testament mit einem überraschenden Inhalt und ernannte Patsy Logan zur Testamentsvollstreckerin. Fergal war in München Pächter des Fiddler's Green Pubs, besaß in Irland einige Immobilien, die von seiner Schwester verwaltet werden und man fand in seiner Münchener Wohnung Pillen, die hier niemand vermutet hätte.

In seiner Brieftasche hatte Fergal ein Foto vom St. Patricks Day 1989 und es zeigt die kleine Patsy Logan und die Freunde Fergal, Mannix und Arthus, den Vater von Patsy, genannt wurde das Trio die drei Musketiere. Das Foto ist für Detective Sergeant Ben Ferguson in Dublin einziger Anhaltspunkt und er nimmt die Freundschaft und die gesamten Familienverhältnisse unter die Lupe. Politisch und gesellschaftlich wurde die Zeit durch den großen Nordirland-Konflikt, der IRA, Anschlägen und damit verbunden Waffenhandel/-schmuggel bestimmt. Patsy, im Privatleben Freundin von Ben, stellt eigene Nachforschungen an und begibt sich damit selbst in große Gefahr.


Es ist zwar der fünfte Fall für Patsy Logan, für mich allerdings das erste Buch von Ellen Dunne. Ich kannte keine Details der Vorgängerbände, konnte mich aber problemlos zurechtfinden. Die Autorin schreibt auf jeden Fall spannend und zum Ende stiegen das Tempo und die Erkenntnisse nochmals rasant an. Die einzelnen Figuren hat sie sehr detailliert und facettenreich charakterisiert. Die Atmosphäre und Bedrohung, nicht nur ausgelöst durch die politische Lage, war spürbar und die komplexen Zusammenhänge wurden nachvollziehbar und sehr realistisch beschrieben. Es kann nicht nur der aktuelle Mord aufgeklärt werden, nein auch aus der Vergangenheit kann einiges aufgearbeitet werden.

Ich könnte mir gut vorstellen, daß die Autorin die Reihe fortsetzt, mich hätte sie damit ganz gewiss als Leserin. Es ist kein 08/15-Thriller, es ist eindeutig mehr und ich empfehle ihn sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Einer für alle. Alle für das Watt.

Fünf Fremde
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Schauplatz Insel Neuwerk
Es ist ein stürmischer Oktobertag als fünf Passagiere auf der Fähre Richtung Neuwerk unterwegs sind und vier davon waren schon mal hier. Sie waren in einem Schullandheim und vor ...

Schauplatz Insel Neuwerk
Es ist ein stürmischer Oktobertag als fünf Passagiere auf der Fähre Richtung Neuwerk unterwegs sind und vier davon waren schon mal hier. Sie waren in einem Schullandheim und vor 30 Jahren verschwanden dort zwei Teenager. Das Mädchen tauchte wieder auf, allerdings sprach sie nicht über die fragliche Zeit, der Junge blieb verschwunden. Die Passagiere erkennen sich nach der langen Zeit nicht sofort wieder. Erst nach und nach werden ihre Schicksale, ihre jeweiligen Lebenswege und ihre Geheimnisse aufgedröselt. Erschwerend kommt ein Unwetter dazu, so daß es keine Möglichkeit gibt, von der Insel wegzukommen.


Die Autorin hat auf jeden Fall eine fesselnde, aber auch düstere Geschichte erzählt. Durch die ständigen Perspektivwechsel zwischen den einzelnen Figuren und auch zwischen der Vergangenheit des Jahres 1995 und der Gegenwart 2025 bleibt das Spannungsniveau hoch. Als Leser fragt man sich gleich, was geschah damals und wohin führt die Story. Romy Fölck brachte mich durch Andeutung dazu, Vermutungen anzustellen, diese zu überdenken und doch wieder zu verwerfen. Die einzelnen Figuren wurden sehr treffend und detailliert vorgestellt, so daß ich ein klares Bild vor Augen hatte. Es gibt auch etliche Actionszenen, die mich daran hinderten, das Buch aus der Hand zu legen, weil ich unbedingt wissen wollte wie es ausgeht. Die Auflösung konnte man sich im großen und ganzen ausmalen, jedoch das Ausmaß war nicht vorhersehbar.

Ich kenne alle Bücher der Autorin, wobei ich das Genre Krimis mit der Elbmarsch-Serie den Romanen vorgezogen habe. Mit diesem Thriller hat sie mich wieder sehr gut unterhalten und von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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