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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Tolles maritimes Setting

Born of Salt and Storm
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"Born of Salt and Storm" war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich schon nach wenigen Seiten wusste, dass die Atmosphäre hier eine große Rolle spielen wird. Das Meer ist nicht einfach nur Kulisse, ...

"Born of Salt and Storm" war für mich eines dieser Bücher, bei denen ich schon nach wenigen Seiten wusste, dass die Atmosphäre hier eine große Rolle spielen wird. Das Meer ist nicht einfach nur Kulisse, sondern fühlt sich wie ein eigener, lebendiger Teil der Geschichte an, wirkt unberechenbar und gleichzeitig faszinierend. Genau diese Stimmung zieht sich konsequent durch das gesamte Buch und hat mich wirklich abgeholt.

Im Mittelpunkt steht Tavi, eine Speerfischerin, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie ein Stück Seeglas findet und damit Kräfte auslöst, die sie selbst nicht versteht. Was mir hier besonders gefallen hat: Tavi wirkt nicht wie eine typische „Heldin auf Knopfdruck“. Sie ist eigenständig, trifft nicht immer perfekte Entscheidungen und muss erst lernen, mit ihrer Situation umzugehen. Diese Entwicklung fühlte sich für mich nachvollziehbar und angenehm unaufgeregt an.

Die Dynamik zwischen ihr und Eero hat für mich gut funktioniert, gerade weil sie nicht sofort in eine klare Richtung geht. Vieles basiert auf Misstrauen, vorsichtigen Annäherungen und unausgesprochenen Spannungen. Die Romance ist definitiv vorhanden, drängt sich aber nicht in den Vordergrund, sondern entwickelt sich eher langsam und nebenbei, was ich persönlich sehr mochte.

Der Schreibstil ist flüssig und gleichzeitig sehr stimmungsvoll. Besonders die Beschreibungen von Meer, Sturm und Küste bleiben hängen, ohne dabei zu ausschweifend zu werden. Es gibt viele Szenen, die weniger durch Handlung als durch Gefühl wirken.

Das Worldbuilding gehört für mich zu den größten Stärken des Buches. Die Welt wirkt rau, von Regeln geprägt und gleichzeitig voller Geheimnisse. Der Konflikt zwischen Menschen, Meerwesen und den bestehenden Machtstrukturen wird eher angedeutet als komplett erklärt, was neugierig macht, aber an manchen Stellen auch etwas mehr Klarheit vertragen hätte. Trotzdem hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, mich komplett zu verlieren, eher, dass noch viel unter der Oberfläche verborgen liegt.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass sich manche Passagen in ihrer Stimmung ähneln und die Handlung dadurch zwischendurch etwas auf der Stelle tritt. Gerade im Mittelteil hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht. Dafür konnte mich das Ende wieder deutlich mehr packen und hat definitiv Lust auf den nächsten Band gemacht.

Born of Salt and Storm ist ein stimmungsvoller Auftakt mit einem starken Setting, interessanten Figuren und einer eher leisen, aber intensiven Entwicklung. Wer maritime Fantasy, Slow Burn und eine etwas düsterere Atmosphäre mag, wird hier sehr wahrscheinlich genau das finden, was er sucht.
5/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2026

Solider Romantasy-Auftakt

Der Prinz des Nachtreichs 1. Midnight Spy
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"Der Prinz des Nachtreichs" ist für mich ein klassischer Romantasy-Auftakt, der viele bekannte Elemente mit einer eigenen Idee kombiniert und dabei vor allem durch seine Grundstimmung punktet.

Im Mittelpunkt ...

"Der Prinz des Nachtreichs" ist für mich ein klassischer Romantasy-Auftakt, der viele bekannte Elemente mit einer eigenen Idee kombiniert und dabei vor allem durch seine Grundstimmung punktet.

Im Mittelpunkt steht Letty, die tagsüber ein ziemlich gewöhnliches Leben führt und nachts als Spionin im Nachtreich unterwegs ist. Dieser Kontrast hat für mich toll funktioniert. Der Wechsel zwischen Schule, Zukunftsängsten und gefährlichen Missionen sorgt dafür, dass keine der beiden Welten zu kurz kommt. Gerade dieser Spagat macht die Geschichte lebendig und hebt sie ein Stück weit von anderen Romantasy-Titeln ab.

Der Einstieg ist angenehm klar und nicht unnötig kompliziert. Man versteht schnell, wie Lettys Doppelleben funktioniert, ohne dass man mit Informationen überladen wird. Gleichzeitig bleiben genug Fragen offen, um neugierig zu machen - vor allem in Bezug auf das Nachtreich und die politischen Hintergründe rund um den Erlkönig.

Die Dynamik zwischen Letty und Will mochte ich insgesamt sehr. Die beiden kennen sich schon lange, was der Beziehung eine gewisse Vertrautheit gibt, gleichzeitig schwingt aber immer dieses Verbotene mit. Dass sich ihre Gefühle langsam verändern, wirkte auf mich nachvollziehbar und nicht überstürzt. Es ist eher ein leises Entwickeln als ein großes Drama, was meines Erachtens nach aber gut zur Zielgruppe passt.

Der Schreibstil ist locker und gut lesbar, ohne dabei zu schlicht zu wirken. Gerade für ein jüngeres Publikum funktioniert das sehr gut, aber auch als erwachsene Leserin konnte ich mich gut darauf einlassen. An manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefe gewünscht, vor allem wenn es um die Hintergründe des Nachtreichs oder die Bedrohung geht, die sich im Laufe der Handlung aufbaut.

Das Worldbuilding bleibt insgesamt eher im Hintergrund, was ich teilweise als etwas schade empfand. Die Welt rund um Annwn wirkt interessant und hat definitiv Potenzial, wird aber im ersten Band noch nicht komplett ausgeschöpft. Ich gehe aber davon aus, dass hier in den Folgebänden noch mehr kommt.

Insgesamt ist Der Prinz des Nachtreichs ein gelungener Auftakt, der vor allem durch seine Atmosphäre, die spannende Grundidee und die Beziehung zwischen den Figuren überzeugt. Wer Geschichten mit Parallelwelten, verbotener Liebe und einem Hauch von Gefahr mag, dürfte hier gut aufgehoben sein.
4/5 Sterne

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

Düsterer Auftakt mit leichten Schwächen

The Crane and the Nightjar
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"The Crane and the Nightjar" ist der Auftakt einer etwas düstereren Romantasy-Dilogie, die mich vor allem durch ihre Atmosphäre und die Ausgangssituation schnell gepackt hat. Man startet direkt in eine ...

"The Crane and the Nightjar" ist der Auftakt einer etwas düstereren Romantasy-Dilogie, die mich vor allem durch ihre Atmosphäre und die Ausgangssituation schnell gepackt hat. Man startet direkt in eine Welt, in der Vertrauen kaum existiert und jede Entscheidung tödliche Konsequenzen haben kann. Besonders gut gefallen hat mir, dass es keine lange Einführung gibt, sondern man ziemlich schnell mitten im Geschehen steckt.

Im Zentrum stehen die Protagonisten Zara und Crane, die gezwungen sind, zusammenzuarbeiten, obwohl sie sich eigentlich alles andere als trauen können. Genau diese Dynamik fand ich besonders spannend. Zwischen Misstrauen und einer zunächst reinen Zweckgemeinschaft entsteht etwas, das sich nicht sofort greifen lässt, aber gerade dadurch interessant bleibt. Crane bleibt lange undurchschaubar, während Zara eher vorsichtig und von ihren Erfahrungen geprägt wirkt. Das hat für mich sehr gut funktioniert.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und sorgt dafür, dass man gut durch die Seiten kommt. Gleichzeitig lebt die Geschichte stark von ihrer Stimmung: düster, teilweise brutal und immer mit einem Gefühl von unterschwelliger Bedrohung. Die Prüfungen und Aufgaben innerhalb der Handlung bringen Spannung rein und sorgen dafür, dass man selten das Gefühl hat, komplett durchatmen zu können.

Das Worldbuilding wird eher nebenbei vermittelt, was ich grundsätzlich mochte, weil es den Lesefluss nicht ausbremst. Trotzdem hätte ich mir stellenweise ein paar mehr Details gewünscht, um die Welt noch greifbarer wirken zu lassen. Ähnlich ging es mir mit dem Aufbau der Handlung: Einige Entwicklungen bleiben zunächst etwas unklar oder wirken diffus, wodurch ich nicht immer sofort verstanden habe, worauf alles hinausläuft.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch insgesamt gut unterhalten. Gerade die Mischung aus tödlichen Spielen, Geheimnissen und der sich langsam entwickelnden Beziehung konnte mich überzeugen. Das Ende hat definitiv neugierig auf den Folgeband gemacht und lässt einige Fragen offen, die hoffentlich im nächsten Band beantwortet werden.
4/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Tiefgründig und mitreißend - mit dem Worldbuilding als Highlight!

Echoes of Ashes and Rain - Die Perfekten
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"Nicht die Gene machen einen Menschen perfekt, sondern sein Wesen."

Als nicht genehmigtes Kind wächst die 17-jährige Rain im Verborgenen auf. Sie ist ein Ghost - nicht im System registriert und von den ...

"Nicht die Gene machen einen Menschen perfekt, sondern sein Wesen."

Als nicht genehmigtes Kind wächst die 17-jährige Rain im Verborgenen auf. Sie ist ein Ghost - nicht im System registriert und von den übrigen Bewohnern Hopes daher stets gefürchtet. Nur mit der Hilfe ihrer Mutter schafft sie es, unentdeckt zu bleiben und so überleben zu können. Bis Rain eines Tages einen fatalen Fehler begeht und die wichtigste Regel bricht: Vertraue niemandem!

"Echoes of Ashes and Rain - Die Perfekten" ist eine Neuauflage einer Dystopie, welche erstmals 2017 erschienen ist. Ich kannte diese bislang noch nicht und habe mich so sehr auf eine Lektüre gefreut, welche an die mitreißenden "alten" Dystopien von damals erinnert. Und wie ich mich gefreut habe, als ich bereits auf den ersten Seiten gemerkt habe, dass ich definitiv nicht enttäuscht werde!

Denn bereits binnen weniger Kapitel erhält der Leser einen ersten Eindruck von den tollen Worldbuilding dieses Buches. Dieses zentriert sich um das Land Hope, in welchem die Menschen in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden. Während die "Gesegneten" absolut perfektionierte Menschen darstellen und in Sonnenschein sowie Saus und Braus leben, müssen Einsen und Zweien zurückstecken. Dreien hingegen bilden den Bodensatz der Gesellschaft ab - neben Ghosts und Rebellen. Dabei ziehen sich die Unterschiede zwischen den Klassen durch die gesamte Geschichte, immer wieder werden deren Auswirkungen ebenso wie solche von Macht, Angst und Manipulation auf die Menschen deutlich.

Zu den beschriebenen Ghosts zählt auch Protagonistin Rain, welche die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt und sich dabei immer wieder mit Lark, einer weiteren Figur, abwechselt. Beide waren für sich interessante Charaktere. Während die eine mit bewundernswerter Stärke punktet, wirkt der andere vor allem durch moralische Konflikte spannend. Gerade Rain war angesichts ihrer nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen allerdings kein Highlight für mich. Diese Rolle konnten stattdessen überwiegend die Nebencharaktere dieser Dystopie für sich einnehmen. Allen voran ist dabei Rose aufzuführen: Sie ist ein ganz zauberhaftes, junges Mädchen, welche sich als Drei durchschlagen muss und mit Sicherheit nicht nur mein Herz zum Schmelzen bringen wird.

Insgesamt empfinde ich diese Dystopie als überaus gelungen und muss vor allem nochmal das tolle Worldbuilding loben. Wer Lust auf eine Dystopie mit spannenden Themen hat, die zum Nachdenken anregen und oft auch ein wenig düsterer sein können, sollte sich dieses Buch unbedingt näher ansehen.
5/5 Sterne

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  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.03.2026

Grandios-komplexes Worldbuilding

Flut aus schwarzem Stahl
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Mit "Flut aus schwarzem Stahl" eröffnet der mir zuvor unbekannte Autor Anthony Ryan eine neue epische Fantasyserie. Der Einstieg führt zunächst vergleichsweise ruhig in das Geschehen hinein, doch schon ...

Mit "Flut aus schwarzem Stahl" eröffnet der mir zuvor unbekannte Autor Anthony Ryan eine neue epische Fantasyserie. Der Einstieg führt zunächst vergleichsweise ruhig in das Geschehen hinein, doch schon bald wird deutlich, dass sich hinter den ersten Ereignissen eine größere Bedrohung zusammenbraut. Nach und nach entfaltet sich eine Geschichte, in der Macht, Loyalität und alte Konflikte eine zentrale Rolle spielen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und zugleich detailreich genug, um eine dichte Atmosphäre entstehen zu lassen. Ryan beschreibt seine Welt mit vielen kleinen Nuancen, ohne sich dabei in endlosen Ausschmückungen zu verlieren. Gerade die Schauplätze und politischen Strukturen wirken durchdacht und verleihen der Handlung eine solide Basis. Man merkt schnell, dass hier eine größere Geschichte angelegt ist, die sich vermutlich über mehrere Bände entwickeln wird.

Besonders interessant fand ich die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen erzählt wird. Dadurch erhält man Einblicke in verschiedene Regionen und Machtverhältnisse der Welt. Gleichzeitig braucht es dadurch ein wenig Geduld, bis sich alle Handlungsstränge wirklich miteinander verbinden. Wer gerne sofort eine klare Hauptlinie verfolgt, könnte den Beginn deshalb als zu gemächlich empfinden. Für mich hat sich diese Struktur jedoch gelohnt, weil sie der Geschichte Tiefgang gibt.

Die Figuren wirken überwiegend vielschichtig und bewegen sich oft in moralischen Grauzonen. Klare Gut-und-Böse-Schablonen gibt es hier kaum, was ich gerade bei diesem Genre immer sehr begrüße. Gerade diese Ambivalenz sorgt dafür, dass Entscheidungen und Konflikte glaubwürdig erscheinen und Spannung erzeugen.

Auch das Worldbuilding gehört für mich zu den Stärken des Buches. Die Welt fühlt sich groß und lebendig an, mit eigenen Kulturen, politischen Interessen und historischen Hintergründen. Vieles wird nur angedeutet, was neugierig auf die weiteren Entwicklungen macht. Gleichzeitig verlangt das Buch dadurch ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, da viele Namen und Zusammenhänge eingeführt werden.

Insgesamt ist Flut aus schwarzem Stahl ein vielversprechender Auftakt für eine neue Fantasyreihe. Wer umfangreiche Welten, mehrere Perspektiven und eine eher düstere Grundstimmung schätzt, dürfte hier sehr gut aufgehoben sein.
4,5/5 Sterne

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