Grandios-komplexes Worldbuilding
Flut aus schwarzem StahlMit "Flut aus schwarzem Stahl" eröffnet der mir zuvor unbekannte Autor Anthony Ryan eine neue epische Fantasyserie. Der Einstieg führt zunächst vergleichsweise ruhig in das Geschehen hinein, doch schon ...
Mit "Flut aus schwarzem Stahl" eröffnet der mir zuvor unbekannte Autor Anthony Ryan eine neue epische Fantasyserie. Der Einstieg führt zunächst vergleichsweise ruhig in das Geschehen hinein, doch schon bald wird deutlich, dass sich hinter den ersten Ereignissen eine größere Bedrohung zusammenbraut. Nach und nach entfaltet sich eine Geschichte, in der Macht, Loyalität und alte Konflikte eine zentrale Rolle spielen.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und zugleich detailreich genug, um eine dichte Atmosphäre entstehen zu lassen. Ryan beschreibt seine Welt mit vielen kleinen Nuancen, ohne sich dabei in endlosen Ausschmückungen zu verlieren. Gerade die Schauplätze und politischen Strukturen wirken durchdacht und verleihen der Handlung eine solide Basis. Man merkt schnell, dass hier eine größere Geschichte angelegt ist, die sich vermutlich über mehrere Bände entwickeln wird.
Besonders interessant fand ich die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen erzählt wird. Dadurch erhält man Einblicke in verschiedene Regionen und Machtverhältnisse der Welt. Gleichzeitig braucht es dadurch ein wenig Geduld, bis sich alle Handlungsstränge wirklich miteinander verbinden. Wer gerne sofort eine klare Hauptlinie verfolgt, könnte den Beginn deshalb als zu gemächlich empfinden. Für mich hat sich diese Struktur jedoch gelohnt, weil sie der Geschichte Tiefgang gibt.
Die Figuren wirken überwiegend vielschichtig und bewegen sich oft in moralischen Grauzonen. Klare Gut-und-Böse-Schablonen gibt es hier kaum, was ich gerade bei diesem Genre immer sehr begrüße. Gerade diese Ambivalenz sorgt dafür, dass Entscheidungen und Konflikte glaubwürdig erscheinen und Spannung erzeugen.
Auch das Worldbuilding gehört für mich zu den Stärken des Buches. Die Welt fühlt sich groß und lebendig an, mit eigenen Kulturen, politischen Interessen und historischen Hintergründen. Vieles wird nur angedeutet, was neugierig auf die weiteren Entwicklungen macht. Gleichzeitig verlangt das Buch dadurch ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, da viele Namen und Zusammenhänge eingeführt werden.
Insgesamt ist Flut aus schwarzem Stahl ein vielversprechender Auftakt für eine neue Fantasyreihe. Wer umfangreiche Welten, mehrere Perspektiven und eine eher düstere Grundstimmung schätzt, dürfte hier sehr gut aufgehoben sein.
4,5/5 Sterne