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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2025

Entschleunigung in jeder einzelnen Leseminute

Mathilde und Marie
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Als die Studentin Marie aus der Hektik ihres Lebens in Paris ausbricht und ohne bestimmtes Ziel in einen Zug steigt, ahnt sie noch nicht, wie sehr dieser Aufbruch ihr Leben verändert. Denn hier trifft ...

Als die Studentin Marie aus der Hektik ihres Lebens in Paris ausbricht und ohne bestimmtes Ziel in einen Zug steigt, ahnt sie noch nicht, wie sehr dieser Aufbruch ihr Leben verändert. Denn hier trifft sie die Isländerin Jónína, die sie zu sich nach Hause in das Dörfchen Redu einlädt. Schon bald nach ihrer Ankunft stellt Marie fest, dass die Zeit in dem kleinen Ort in den belgischen Ardennen anscheinend langsamer verläuft, fernab von großen Metropolen und ohne dauerhaften Zugang zum Internet. Im ganzen Dorf gibt es nur einen Fernseher, dafür aber dreizehn Buchhandlungen, hier fühlt sich Marie vom ersten Tag an wohl. Und je länger sie in Redu lebt, umso mehr trägt sie auch selbst zum Erblühen der Gemeinschaft bei, selbst ihre mürrische Nachbarin Mathilde kann sich dem Zauber der liebenswürdigen Französin nicht entziehen.

"Mathilde und Marie" von Torsten Woywod ist eine ruhig erzählte Geschichte, die auf jeder einzelnen Seite zum Entschleunigen einlädt. Das zauberhafte Dörfchen Redu, von dem ich erst im Nachwort des Autors erfahren habe, dass es wirklich existiert, hat mich genau so begeistert, wie die liebenswerten Figuren. Nicht nur die im Titel genannten Frauen, auch Jónína, der zurückhaltende Bäcker Thomas und einige weitere Bewohner Redus haben sich still und leise in mein Herz geschlichen, so dass ich emotional immer an ihrer Seite war.

Den gemächlichen Schreibstil mochte ich sehr, in jeder Leseminute hatte ich den Eindruck, dass der Alltagsstress mehr und mehr von mir abfiel. Neben den zwischenmenschlichen Begegnungen trug auch die Beschreibung der idyllischen Umgebung zu meiner persönlichen Entspannung bei, Maries Wissensdurst bezüglich der heimischen Flora und Fauna und Mathildes Erinnerungen an ihre Kindheit ließen den Hintergrund in meinen Augen noch plastischer erscheinen. Im gesamten Buch war für mich spürbar, wie sehr der Autor selbst diese Gegend schätzt, seine Darstellung hat in mir die Lust geweckt, einmal selbst dieses Bücherdörfchen in Belgien zu besuchen. Wer sich auf das geruhsame Erzähltempo einlassen kann, den erwartet ein wunderbar entschleunigtes Lesevergnügen, das ich gern weiter empfehle.

Fazit: Der geruhsame Schreibstil, die liebenswerten Figuren und der idyllische Hintergrund vereinigen sich zu einem herrlich entschleunigenden Leseerlebnis, das mich entspannt und begeistert zurück gelassen hat.

Veröffentlicht am 21.12.2025

Fesselnde Fortsetzung der fantasievollen Drachenwandler-Reihe

Dragons in Secret - Lazarus erwacht
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Obwohl in der Drachengesellschaft nicht bekannt ist, welcher Familie Ashley wirklich entstammt, bleibt ihr wenig Zeit, sich an die neue Existenzform zu gewöhnen. In ihrem Hort häufen sich die Spuren des ...

Obwohl in der Drachengesellschaft nicht bekannt ist, welcher Familie Ashley wirklich entstammt, bleibt ihr wenig Zeit, sich an die neue Existenzform zu gewöhnen. In ihrem Hort häufen sich die Spuren des Mannes, der sie während ihrer ersten Lebensjahre begleitet hat, so dass Ashley und ihre Freunde sich auf die Suche nach ihm begeben, ohne zu ahnen, ob der Unbekannte überhaupt noch am Leben ist. Nach wie vor sind ihnen die Jäger dabei dicht auf den Fersen, die nicht nur besser organisiert sind, als sich die Drachen vorstellen konnten, sondern auch über viel geheimes Wissen verfügen, das Caleb, Jacob und Grayson in den Archiven ihrer Familien zu finden hoffen.

"Dragons in Secret - Lazarus erwacht" von Andreas Suchanek ist der zweite Band einer spannenden Urban-Fantasy-Reihe, der mich sogar noch mehr gefesselt und begeistert hat, als sein Vorgänger. Zum Verständnis sehe ich es als unabdingbar an, zunächst Teil 1 gelesen zu haben, da die Ereignisse hier unmittelbar weiter geführt werden. Ashley und ihre Freunde waren mir bereits mit dem Reihenauftakt ans Herz gewachsen und ich habe mich gefreut, erneut in ihre Welt eintauchen zu können. Das fehlende Hintergrundwissen zu den Drachenfamilien und der Gesellschaft der Jäger, die ihnen seit Jahrhunderten auf der Spur sind, wurde in diesem Buch durch kleine Rückblenden in die Vergangenheit nach und nach etwas ergänzt, was mich ganz besonders fasziniert hat.

Der mitreißende Schreibstil hatte mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen, auch die Spannung habe ich durchgehend auf einem angenehm hohen Niveau empfunden. Während sich für mich im ersten Band das Gesamtbild um die geheime Drachengesellschaft noch ein wenig zerstückelt angefühlt hatte, gab der Autor in dieser Fortsetzung das eine oder andere Geheimnis preis, so dass zwar immer noch genügend Potential zum mit raten blieb, ich aber den Eindruck hatte, endlich wirklich in der Geschichte angekommen zu sein. Dadurch ließ dieses Lesevergnügen meiner Meinung nach keine Wünsche offen, da sich die Reihe weiter fort setzt, endete der Roman erwartungsgemäß auf einen Cliffhanger, der mich gespannt auf den nächsten Teil warten lässt. Für diesen fantasievollen zweiten Band spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Meine (kleinen) Kritikpunkte zum ersten Band wurden in dieser Fortsetzung komplett aufgelöst, ich habe jede einzelne Leseminute geliebt und empfehle das Buch begeistert weiter.

Veröffentlicht am 18.12.2025

Fantasievoll geschriebene Wolfswandler-Geschichte

Rabid
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Schon seit Jahren geht Seneca den Avancen ihres Rudelanführers aus dem Weg, doch nun steht die Zeremonie bevor, die sie mit einem Wolfsgeist vereinen wird, so dass sie endlich in ihre Tiergestalt wechseln ...

Schon seit Jahren geht Seneca den Avancen ihres Rudelanführers aus dem Weg, doch nun steht die Zeremonie bevor, die sie mit einem Wolfsgeist vereinen wird, so dass sie endlich in ihre Tiergestalt wechseln kann. Doch das Ritual verläuft nicht wie geplant, Seneca kann die Wölfin in sich nicht kontrollieren, aggressiv und ungezähmt greift diese den aufdringlichen Alpha an. Zur Strafe wird sie nicht nur aus dem Rudel verbannt, Alpha Burke setzt sie auch noch gefesselt im Revier des Ruin-Falls-Rudels aus, dem der Ruf vorauseilt, grausam und blutrünstig zu sein. Besonders deren Alpha Tyran soll eine mörderische Bestie sein - doch genau der erhebt Anspruch auf Seneca und die Wölfin in ihr ist mehr als begeistert davon.

"Rabid" von Ivy Asher und Raven Kennedy ist ein fantasievoll geschriebener Einzelband, der mich praktisch von der ersten Zeile an in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte wird in der ersten Person aus Senecas Perspektive erzählt, dennoch hat es eine Weile gedauert, ehe ich das Gefühl bekam, die Protagonistin etwas besser zu kennen. Denn die Autorinnen werfen ihre Leser ohne großes Vorgeplänkel direkt in das Geschehen hinein, das mit der Beerdigung von Senecas Mutter beginnt. In ihrer Trauer erinnert sich die junge Frau zwar wehmütig an deren liebevolles Wesen, doch anschließend überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, erst nach und nach blitzen kleine Abschnitte der Vergangenheit auf, so dass ich das Bild von Alpha Burke und Senecas Alltag im Rudel nur langsam vervollständigen konnte.

Den Schreibstil habe ich genau so fesselnd empfunden, wie es bei der "The Darkest Gold" - Reihe von Raven Kennedy der Fall war, die Handlung ist meiner Meinung nach gleichermaßen spannend und von expliziter Erotik geprägt. Dabei steht die unterschiedlich starke Dominanz der Wolfspersönlichkeiten deutlich im Vordergrund, wie ich es von einem Gestaltwandler-Buch nicht anders erwartet hätte. Darauf sollte man sich einlassen können, um Freude an dem Leseerlebnis zu haben, nicht nur Kampf und Unterwerfung vor der Paarbindung, auch Gewalt (besonders im Leben von Senecas altem Rudel) spielt eine recht große Rolle. Dabei hatte ich den Eindruck, dass die Charakterentwicklung zwischenzeitlich etwas auf der Strecke blieb, dennoch habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt. Für mich hat dieser Roman gehalten, was der Klappentext versprach, so dass ich dafür gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Gewalt und Spice sind die Hauptthemen in dieser fantasievoll geschriebenen Gestaltwandler-Geschichte, dennoch hat mich das spannende Leseerlebnis gefesselt und fasziniert, so dass ich es gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 03.12.2025

Spannend und düster, mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit

The Spirit Bares Its Teeth
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London 1883 Seit vor etwa sechzig Jahren der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Geister dünner geworden ist, werden Kinder mit violetten Augen geboren, die die Gabe besitzen, mit ...

London 1883 Seit vor etwa sechzig Jahren der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Geister dünner geworden ist, werden Kinder mit violetten Augen geboren, die die Gabe besitzen, mit Geistern in Kontakt zu treten. Der sechzehnjährige Silas Bell ist eines dieser Kinder, doch er ist trans und wird von seinen Mitmenschen als Frau gelesen - die in der Gesellschaft der Speaker (eine Art Loge von Geisterkundigen) als psychisch labil betrachtet werden. Nur Männern ist die Arbeit als Medium gestattet, der Wert violettäugiger Frauen besteht in dieser Gesellschaft lediglich darin, Nachwuchs zu produzieren. Auch Silas soll schnellstmöglich verheiratet und geschwängert werden, nach einem Versuch, diesem Zwang zu entkommen, wird er in das Braxton-Sanatorium eingewiesen, da er angeblich an der Schleierkrankheit leidet. Hier offenbart sich ihm nicht nur die Grausamkeit des Systems, er wird auch von den Geistern vermisster Patientinnen um Hilfe gebeten.

"The Spirit Bares Its Teeth" von Andrew Joseph White ist eine düstere Fantasy-Geschichte, die mit nahezu brutaler Detailgenauigkeit erzählt wird. Bereits seit seiner Kindheit träumt Silas davon, Chirurg zu werden, seine diesbezüglichen praktischen Übungen und auch die eine oder andere Hilfe, die er im Lauf der Handlung an verschiedenen Menschen leistet, sind äußerst plastisch beschrieben, für dieses Leseerlebnis sollte man starke Nerven (und einen starken Magen) haben. Der Autor schreibt zu Beginn einen Brief an seine Leser, den man als Triggerwarnung ansehen und unbedingt beachten sollte. Dennoch hat mich das Buch schnell fasziniert und durchgehend gefesselt - das letzte Drittel hat mich sogar einige Stunden Nachtschlaf gekostet, weil ich es bis zum Schluss nicht mehr zur Seite legen konnte.

Mit Silas habe ich von Anfang an mit gefühlt, von klein auf war er in den Augen seiner Eltern "falsch" und sie haben im Lauf der Jahre eine Vielzahl von Hauslehrern engagiert, die ihn zu einer brave Tochter und zukünftigen Ehefrau umerziehen sollten. Wer sich für Geschichte interessiert, der weiß, dass dieses Verhalten im viktorianischen Zeitalter üblich war, der Autor streift nur einen kleinen Teil der Grausamkeiten, der damals Menschen, die nicht ins gesellschaftliche Raster passten, angetan wurde. Zusammen mit dem Fantasyaspekt entwickelt sich daraus ein Buch, das mich zwar wütend und traurig gemacht aber dennoch tief in seinen Bann gezogen hat, mein Mutterherz blutete dabei für Silas, Daphne und die Mädchen in Braxton. Dieses Leseerlebnis wird sicherlich noch eine Weile in mir nachhallen und obwohl ich den Roman durchaus empfehle, rate ich zu einer Leseprobe vor dem Kauf.

Fazit: Der Klappentext lässt nur wenig davon ahnen, welcher Horror die Leser erwartet, das Leid, das Silas und den Schülerinnen in Braxton zugefügt wird, hat mich emotional erschüttert. Dennoch war ich von der Geschichte sehr gefesselt und empfehle das Buch (unter Beachtung der Triggerwarnung, siehe "Ein Brief des Autors") gern weiter.

Veröffentlicht am 01.12.2025

Fesselnder Fantasyauftakt mit spannendem Magiesystem

Heir of Illusion
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Iverson Pomeroy war noch ein Kind, als König Baylor ihr vor 15 Jahren einen Halsring anlegte, der ihm grenzenlose Macht über Ivy gab. Nur er selbst wäre in der Lage, sie von dem magischen Schmuckstück ...

Iverson Pomeroy war noch ein Kind, als König Baylor ihr vor 15 Jahren einen Halsring anlegte, der ihm grenzenlose Macht über Ivy gab. Nur er selbst wäre in der Lage, sie von dem magischen Schmuckstück zu befreien, doch das wird nie geschehen, als Phantom, das nachts den Palast verlässt um Baylors Feinde zu ermorden, wird sie ihm ewig nützlich sein. Ivy, deren Liebe für den grausamen König längst erloschen ist, sucht nach einem Weg, sich zu befreien, ein magisches Schwert soll in der Lage sein, ihren Halsring zu lösen. Doch auch der Seelenfänger Thorne ist auf der Suche nach dieser Waffe, von der es heißt, dass man selbst einen Gott damit töten könne. Je öfter sich Ivy und Thorne über den Weg laufen, umso stärker knistert das Verlangen zwischen ihnen - doch Baylor betrachtet das Phantom als sein persönliches Eigentum, das ihm niemand entreißen darf.

"Heir of Illusion" von Madeline Taylor ist der spannende Auftaktband einer Romantasy-Serie, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Magiesystem, das unter den High Fae diverse angeborenen Fähigkeiten unterschiedlicher Stärke verteilt, fand ich sehr faszinierend, Ivys Gabe als Phantom ist auch bei Ihresgleichen äußerst selten - was sie für Baylor entsprechend wertvoll macht. Ihre zunächst ausweglos erscheinende Lage, hat mich berührt, bereits ehe ich viel von ihrer Vergangenheit erfahren hatte, war ich emotional tief in der Geschichte versunken und mochte die Protagonistin sehr. Alle anderen Figuren wurden aus ihrer Perspektive betrachtet, weshalb ich beim Lesen ihre Sympathien und Abneigungen geteilt habe. Thorne blieb dadurch allerdings sehr lange recht undurchschaubar, ein paar kleine Einblicke in seine Empfindungen hätten der Handlung meiner Meinung nach etwas mehr Tiefgang verliehen.

Der Schreibstil war eingängig und überaus fesselnd, einmal begonnen, mochte ich den E-Reader zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen. Doch auch bei der Hintergrundgestaltung hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, es gab zwar einen groben Überblick über die unterschiedlichen Magieformen der von Göttern regierten Inseln, aber selbst die Palastumgebung, die seit vielen Jahren Ivys Zuhause ist, fand ich eher oberflächlich beschrieben. Dennoch kann ich insgesamt betrachtet von einem mitreißenden Leseerlebnis sprechen, der Cliffhanger am Ende ließ mich ungeduldig zurück, so dass ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung freue. Den faszinierenden Auftaktband empfehle ich gern weiter.

Fazit: Für meinen Geschmack wäre der Hintergrund noch ausbaufähig gewesen, dennoch hat mich die fantasievoll geschriebene Romantasy-Geschichte gefesselt und begeistert, für den spannenden Auftaktband spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.