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Veröffentlicht am 11.05.2020

Nichts für schwache Nerven

Das wirkliche Leben
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Die Geschichte wird aus der Sicht eines Mädchens erzählt, beginnend als sie zehn Jahre alt ist. Ihren Vater beschreibt sie als Tyrannen, der einen ganzen Raum im Haus nur mit seinen Trophäen von der Großwildjagd ...

Die Geschichte wird aus der Sicht eines Mädchens erzählt, beginnend als sie zehn Jahre alt ist. Ihren Vater beschreibt sie als Tyrannen, der einen ganzen Raum im Haus nur mit seinen Trophäen von der Großwildjagd ausgestattet hat. Er regiert die Familie mir Brutalität, die sich zunächst fast ausschließlich gegen die Mutter richtet. Ihre Mutter bezeichnet das Mädchen als "Amöbe", die dem gewalttätigen Ehemann keinen Widerstand entgegen zu setzen hat, auch ihren Kindern steht die Frau nahezu gleichgültig gegenüber - alle Liebe reserviert sie für Tiere. Der sechsjährige Gilles ist der einzige Verbündete seiner Schwester, sein Lachen erhellt ihren Tag - bis ein schrecklicher Unfall alles verändert......

"Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné erzählt eine intensive Geschichte, auf die mich kein Klappentext und keine Rezension vorbereiten konnte. Die namenlose Protagonistin beschreibt auf eindringliche und verstörende Weise die Entwicklung in dieser von der väterlichen Grausamkeit geprägten Familie, so als ob die Bösartigkeit ein lebendiges Wesen wäre, das Jagd auf die Kinder macht. Zunächst scheint es so, als würde die Bestie den Kampf um den kleinen Gilles gewinnen, doch das Mädchen gibt nicht auf, um ihren Bruder zu kämpfen.

Dieses Buch hat mich beim Lesen bewegt, wie es nur wenige davor geschafft haben. Es ist eindeutig keine Wohlfühllektüre, dennoch konnte ich es bis zum Schluss kaum aus der Hand legen. Die Handlung und der Schreibstil halten den Leser gefangen, die Autorin schafft die perfekte Balance zwischen Mitgefühl und Grauen, ich denke, niemand liest diese Geschichte unbewegt und mit Abstand. Die Intensität der Erzählung zieht an und man erlebt die Jahre mit der Protagonistin hautnah mit, die Spannung steigert sich konstant bis zum Finale, das mich sprachlos und mit klopfendem Herzen zurück gelassen hat. Eindeutig nichts für schwache Nerven, dennoch ist das Buch so intensiv und eindringlich, dass ich es nur jedem empfehlen kann.

Fazit: Keine Geschichte, wie alle anderen, als Leser war ich nicht nur Beobachter, sondern emotional mitten dabei. Für dieses außergewöhnliche Buch gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Fiktive Handlung in geschichtlichen Hintergrund eingebettet

Die brennenden Kammern
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Die neunzehnjährige Minou Joubert lebt mit ihren Geschwistern Alis und Aimeric und dem Vater in Carcasonne, ihre Geschichte beginnt im Jahr 1562. Seit ihr Vater von seiner letzten Reise zurück gekehrt ...

Die neunzehnjährige Minou Joubert lebt mit ihren Geschwistern Alis und Aimeric und dem Vater in Carcasonne, ihre Geschichte beginnt im Jahr 1562. Seit ihr Vater von seiner letzten Reise zurück gekehrt ist, wirkt er teilnahmslos und kümmert sich kaum noch um sein Geschäft, so dass Minou immer öfter im Buchladen arbeitet. Eines Tages erhält sie einen Brief ohne Absender, darin steht nur "Sie weiß, dass Ihr lebt."
Doch noch ehe sie mit ihrem Vater darüber sprechen kann, überschlagen sich die Ereignisse, Minou verhilft dem Hugenotten Piet Reydon zur Flucht, der verdächtigt wird, eine wertvolle Reliquie gestohlen zu haben. Kurze Zeit später wird sie selbst mit ihrem Bruder Aimeric zu Ihrer Tante nach Toulouse geschickt, denn der Vater begibt sich erneut auf eine gefährliche Reise über deren Grund er nicht mit seinen Kindern spricht.
Überall in Frankreich tobt der Konflikt zwischen den Katholiken und den Hugenotten und die katholisch erzogene Minou versucht sich dabei ihre Menschlichkeit zu bewahren. Zumal der Hugenotte Piet, der ebenfalls in Toulouse lebt, zarte Gefühle in ihr hervor ruft. Wird ihre Liebe in diesen unruhigen Zeiten eine Chance bekommen?
"Die brennenden Kammern " ist das erste Buch, das ich von der Autorin Kate Mosse gelesen habe und es hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Die fiktive Geschichte um Minou, ihre Familie und Piet ist in den historischen Hintergrund der Hugenottenkriege eingebettet und vermittelt dem Leser ganz nebenbei viel geschichtliches Wissen über diese Zeit.
Minou und auch Piet waren Protagonisten, die mir gut gefallen haben, trotz ihres unterschiedlichen Glaubens waren beide freundlich und offen gegenüber dem "Feind". Im Lauf der Handlung musste Piet schmerzhaft feststellen, dass sein früher bester Freund inzwischen sein stärkster Gegner geworden ist, der eine steile Karriere in der katholischen Kirche anstrebt. Mir hat der flüssige und informative Schreibstil zugesagt, ich habe das Buch gern zur Hand genommen und es innerhalb weniger Tage durch gelesen. Dabei wird auch die Grausamkeit der Inquisition dargestellt, die im Namen des Glaubens unschuldige Menschen foltert und ermordet. Erst am Ende des Romans, als ich verwundert festgestellt habe, dass der Erzählbogen nicht wieder zu den Ereignissen des Prologs zurück kehrt, ist mir aufgegangen, dass es sich um den Anfang einer Buchtrilogie handelt. Doch von dem Beginn abgesehen, wirkt die Geschichte in sich abgeschlossen und könnte so auch alleine stehen bleiben.
Fazit: Der historische Roman hat mich gefesselt, neben der fiktiven Handlung waren viele geschichtlichen Fakten eingearbeitet, was für mich eine runde Mischung dargestellt hat, ich gebe gern eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Band 29 der Argeneau-Serie

Vampir & Vorurteil
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Eigentlich ist Santo Notte auf der Spur eines Abtrünnigen, doch als er Petronella Stone zum ersten Mal sieht, vergisst er seinen Auftrag kurzzeitig. Denn die Frau, die er weder lesen noch kontrollieren ...

Eigentlich ist Santo Notte auf der Spur eines Abtrünnigen, doch als er Petronella Stone zum ersten Mal sieht, vergisst er seinen Auftrag kurzzeitig. Denn die Frau, die er weder lesen noch kontrollieren kann, ist seine mögliche Lebensgefährtin. Und obwohl die misstrauische Pet in Santo und seinen Begleitern sofort Unsterbliche erkennt, weiß sie nichts über Lebensgefährten. Die starke erotische Anziehung, die sofort zwischen ihnen aufflammt, schiebt sie darauf, möglicherweise von Santo kontrolliert worden zu sein. Santo dagegen weiß nicht, wie er Pet davon überzeugen soll, seine Gefährtin zu werden, denn er ist über 3000 Jahre alt und hatte schon lange kein Interesse mehr an Frauen gehabt.....

"Vampir & Vorurteil" ist der mittlerweile 29. Band von Lyndsay Sands Argeneau-Reihe. Da die Personen umfassend vorgestellt werden und die Handlung in sich abgeschlossen ist, kann man das Buch auch gut ohne Kenntnis der Vorgänger lesen, ich denke aber, es ist noch schöner, wenn man alle Bände der Reihe nach liest und immer wieder vertraute Figuren in den neuen Romanen findet.

Die Geschichte hat mir ganz gut gefallen, es ist ein typischer Argeneau-Roman, in lockerem Schreibstil verfasst und mit sympathischen Protagonisten, die sich ab und zu auch witzige Dialoge liefern. Dazu einige erotische Szenen und fertig ist das Buch, das einen netten Unterhaltungswert bietet. Nur finde ich die Storys mittlerweile etwas austauschbar, vielleicht liegt es daran, dass ich schon ziemlich viele Bücher aus der Reihe gelesen habe und ein wenig übersättigt davon bin.

Fazit: Wie von den anderen Bänden der Argeneau-Reihe gewohnt, bietet dieses Buch entspannte Lesestunden gewürzt mit einer Prise Erotik. Nur wirkliche Abwechslung hat mir ein bisschen gefehlt, es ist solide aber relativ vorhersehbare Unterhaltungsliteratur.

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Veröffentlicht am 04.05.2020

Spannende Fortsetzung von Ennis Geschichte

Die Unausstehlichen & ich (Band 2)- Freunde halten das Universum zusammen
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Noch immer hat Enni keinen Kontakt zu ihrem Pflegebruder Noah, doch inzwischen hat sie sich ein wenig in dem abgelegenen Internat Saaks eingelebt. Doch es passieren merkwürdige Sachen, der Aufsitzrasenmäher ...

Noch immer hat Enni keinen Kontakt zu ihrem Pflegebruder Noah, doch inzwischen hat sie sich ein wenig in dem abgelegenen Internat Saaks eingelebt. Doch es passieren merkwürdige Sachen, der Aufsitzrasenmäher verschwindet spurlos, Lilliths Zimmer wird verwüstet und die Alkoholvorräte der Lehrer werden gestohlen. Jedes mal deuten alle Hinweise auf Enni, gerade jetzt, wo sie unbedingt an der Schule bleiben möchte, weil sie denkt, dass Noah auf dem Weg zu ihr ist. Inzwischen bemerkt Enni, dass das Internat Saaks nicht im Internet zu finden ist, deshalb schmiedet sie einen Plan, wie sie die Schule in den sozialen Medien platzieren kann, dabei benötigt sie wieder einmal die Hilfe der Unausstehlichen, die mittlerweile ihre Freunde sind.

"Die Unausstehlichen & ich - Freunde halten das Universum zusammen" von Vanessa Walder ist der zweite Band um die liebenswert schlagfertige Enni und es hat meiner elfjährigen Tochter und mir genau so gut gefallen, wie der Vorgängerband. Da die Handlung an das Ende des ersten Teils anknüpft, sollte man diesen unbedingt zuerst gelesen haben, sonst fehlt ein Stück des Zusammenhangs in diesem Buch.

Wie auch schon in "Das Leben ist ein Rechenfehler" wird die Geschichte in Ich-Form von Enni erzählt, dieses mal in Gestalt eines sehr langen Briefes an Noah. Und wieder sind alle Flüche und Schimpfwörter, die das Mädchen benutzt, durchgestrichen. Das stört den Lesefluss nicht wirklich, zumal diese Schreibart schon vom ersten Buch her bekannt ist. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und es hat uns Beiden viel Freude gemacht, Ennis Geschichte weiter zu verfolgen, die am Schluss des Romans noch nicht zu Ende ist. Laut der Autorin sind zwei weitere Bände in Vorbereitung, auf die wir uns schon sehr freuen.

Fazit: Wie schon der erste Band überzeugt auch dieses Buch durch den einzigartigen, authentischen Schreibstil und die clevere, liebenswerte Hauptfigur mit der großen Klappe. Für Kinder ab zehn Jahren gebe ich gerne eine Leseempfehlung - beginnend beim Vorgängerband.

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Veröffentlicht am 04.05.2020

Außergewöhnliche Geschichte eines Pflegekindes

Die Unausstehlichen & ich (Band 1) - Das Leben ist ein Rechenfehler
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Seit Jahren wird Enni zwischen verschiedenen Pflegefamilien und Kinderheimen herum gereicht. Erst bei den Haagens fühlt sie sich angekommen, nicht nur die Eltern sind toll, deren Sohn Noah ist bald wie ...

Seit Jahren wird Enni zwischen verschiedenen Pflegefamilien und Kinderheimen herum gereicht. Erst bei den Haagens fühlt sie sich angekommen, nicht nur die Eltern sind toll, deren Sohn Noah ist bald wie ein echter Bruder für sie. Doch dann zieht die Familie in die Schweiz und Enni kommt in ein exklusives Internat in den Bergen, ohne die Möglichkeit mit Noah in Kontakt zu bleiben. Also schmiedet das clevere Mädchen einen Plan, sie will abhauen und Noah suchen. Doch dazu benötigt sie die Hilfe ihrer Mitschüler - und auch die Unausstehlichen haben einen Plan, bei dem Enni sie unterstützen soll.

"Die Unausstehlichen & ich - Das Leben ist ein Rechenfehler" von Vanessa Walder ist der erste Band einer Buchreihe für Kinder ab zehn Jahren. Insgesamt ist Ennis Geschichte auf vier Bände geplant, von denen bisher zwei erschienen sind.

Enni ist eine wunderbar dargestellte Figur, die ich beim Lesen sehr gemocht habe. Die Handlung ist in Ich-Form erzählt und da Enni ständig flucht, sind die Schimpfwörter im Buch durchgestrichen, was die Erzählung für mich wirklich real erscheinen lässt. Meine elfjährige Tochter war allerdings von den vielen Streichungen irritiert und ich habe mich irgendwann in der Situation wieder gefunden, meinem Kind Wörter anzusagen, die ich sonst nicht von ihr hören möchte.....

Der Schreibstil ist dem Alter der Zielgruppe angepasst, die Geschichte hat sich schnell lesen lassen und uns Beiden gut gefallen. Obwohl Enni erst elf Jahre alt ist, beobachtet sie ihre Umgebung mit erstaunlichem Scharfsinn und kommentiert die Ereignisse auf ganz eigene Art. Durch die Schreibweise mit den durchgestrichenen Schimpfwörtern wirkt die Handlung authentisch und wir konnten uns beim Lesen gut in Enni hinein versetzen. Da dieses Buch der Beginn einer Reihe ist, werden am Ende nicht alle Probleme aufgeklärt, so dass man schnell weiter lesen möchte.

Fazit: Enni ist eine Figur, die meiner Tochter und mir trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) ihrer direkten, frechen Art und des unverblümten Ausdrucksstils gut gefallen hat. Die Erzählweise des Buches ist wegen der durchgestrichenen Schimpfwörter für Kinder erst einmal gewöhnungsbedürftig, macht die ganze Geschichte aber auch glaubwürdig und einzigartig.

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