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Veröffentlicht am 30.07.2018

Wenn Liebe geht ...

Der Duft des Glücks ist stärker, wenn es regnet
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„Sollte ich eines Tages das Gefühl haben, ich hätte dich über, dann musst du alles tun, um mich wieder zur Besinnung bringen, denn ich irre mich bestimmt.“ (S. 152) hat Ben vor Jahren zu Pauline gesagt. ...

„Sollte ich eines Tages das Gefühl haben, ich hätte dich über, dann musst du alles tun, um mich wieder zur Besinnung bringen, denn ich irre mich bestimmt.“ (S. 152) hat Ben vor Jahren zu Pauline gesagt. Als er jetzt die Scheidung will, weil er sie nicht mehr liebt, erinnert sie sich daran. Sie hat das Ende nicht kommen sehen, liebt Ben immer noch, er ist ihr Seelenverwandter. Außerdem haben sie einen kleinen gemeinsamen Sohn, Jules.
Pauline zieht zurück zu ihren Eltern ins ehemalige Jugendzimmer und leckt ihre Wunden. Als die ganze Familie in den Urlaub ans Meer fährt, meint ihr Therapeut, sie solle mitfahren, sich mit allen aussprechen. Denn auch da gibt es viele nie verarbeitet Erlebnisse.

Ihre Mutter war in ihrer Kindheit 1 Jahr verschwunden, bis heute wissen sie und ihre Geschwister nicht warum und wohin. Ihr Vater war bis zu seiner Krebserkrankung schwerer Alkoholiker und die Angst, dass er rückfällig wird, begleitet sie bis heute. Ihre Schwester führt ein scheinbar perfektes Leben, aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Ihr Bruder lebt seit Jahren mit einem Mann, was ihre Eltern schockiert hat. Der Familienurlaub holt diese und noch mehr Sachen ans Licht. Es kracht gewaltig.

Pauline erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie beschreibt ihre momentane Situation, ihren Alltag, den psychischen Zusammenbruch nach der Trennung: „Nicht nur Ben hat mich verlassen. Meine Lebensfreude ist mit ihm gegangen.“ (S. 32)
Den Kontakt zu ihren glücklichen, verheirateten Freunden kann sie nicht ertragen, von ihrer Mutter fühlt sie sich immer wieder angegriffen (dabei will die nur, dass sie sich endlich wieder aufrappelt) und von ihrer Schwester ignoriert.

Sie schreibt Ben fast täglich einen Brief, in dem sie ihn an ihre gemeinsame Vergangenheit, ihre große Liebe erinnert. Genau wie Pauline habe ich das Ende von Bens Liebe nicht kommen sehen, dazu war ihre Story zu romantisch. Sie waren so lange zusammen, sind immer liebevoll miteinander umgegangen, haben Jules. Pauline stellt Ben nie als den Bösen hin, er hat keine Neue, sich einfach nur „entliebt“.
Doch dann kommt er zu Wort, schreibt ihr ebenfalls Briefe und erzählt alles aus seiner Sicht – und alles ändert sich. Sie hat nämlich einen ganz wichtigen Teil ihrer gemeinsamen Vergangenheit einfach ausgeblendet, verdrängt!

Das Buch ist unglaublich emotional und ich habe mir sogar ein paar Tränen verdrücken müssen. Es ist überraschend anders, dramatisch und doch ganz zart, hat einen feinen leisen Humor. Man leidet mit Pauline – und Ben. Und alles klingt es so real, dass ich mich gefragt habe, ob Virginie Grimaldi ihre eigenen Erlebnisse verarbeitet hat ...

Veröffentlicht am 30.07.2018

Man ist das, was man sein will

Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube
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Emma de Tessent wäre gern erfolgreiche Filmproduzentin und würde in der mit Glyzinien bewachsenen Villa wohnen, die seit Jahren zum Verkauf steht. Im realen Leben ist sie die „ewige Praktikantin“ der amerikanische ...

Emma de Tessent wäre gern erfolgreiche Filmproduzentin und würde in der mit Glyzinien bewachsenen Villa wohnen, die seit Jahren zum Verkauf steht. Im realen Leben ist sie die „ewige Praktikantin“ der amerikanische Filmproduktionsfirma Fairmont in Rom und wohnt bei Mama, weil sie sich von ihrem mickrigen Gehalt nicht mal eine eigene Wohnung leisten kann. Ihre Abende verbringt sie am liebsten mit schmalzigen Liebesromanen, ungesunden Keksen und den Überlegungen, wie sie den berühmten Schriftsteller Tameyoshi Tessai doch noch dazu bewegen kann, ihrer Firma die Filmrechte an seinem Bestseller zu verkaufen.
Als ihr Praktikum wieder einmal ausläuft und nicht, wie versprochen, in einen richtigen Vertrag umgewandelt oder wenigstens verlängert wird, stürzt sie in eine Sinnkrise. Die Vorstellungsgespräche bei anderen Firmen laufen überhaupt nicht gut, am schlimmsten läuft es bei der elitären Firma Waldau – Dr. Scalzi demütigt sie regelrecht. Da kommt ihr die Arbeit in der Kinderboutique von Vittoria Airoldi wie eine Ruheoase vor, ein Stück heile Welt in ihrem Katastrophenfilm. Doch plötzlich reißen sich auch die Fairmont und Waldau wieder um sie ...

Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Emma erzählt die Geschehnisse aus ihrer Perspektive und lässt den Leser dadurch an ihren geheimsten Träumen, Wünschen und Gedanken teilhaben. Ein besonderes Highlight sind die witzigen Kapitelüberschriften, die fast immer das Wort Praktikantin beinhalten und eine Vorgeschmack auf die nächsten Szenen geben.

Emma war mir gleich sympathisch und ich konnte mich gut ihre Situation einfühlen. Sie hat eigentlich alles, was man für eine erfolgreiche Karriere braucht – eine gute Ausbildung, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen – nur ihre Gutgläubigkeit wird ihr zum Verhängnis. Zudem ist sie sehr romantisch und träumt von der einzigen großen Liebe, wie ihre Eltern sie gefunden hatten. Die Ehe ihrer Schwester Arabella ist leider das ganze Gegenteil und ein abschreckendes Vorbild.

Natürlich gibt es auch in dieser Geschichte viele Geheimnisse. Was verband z.B. Emmas Mutter mit Tessais Verleger und woher rührt Tessais Weltschmerz?
Und was will Dr, Scalzi von Emma? Sie geraten immer wieder aneinander, die Fetzen fliegen und Funken sprühen. Trotzdem sucht er immer wieder ihre Nähe ...

„Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube“ ist ein wunderbar leichter und amüsanter Roman um die harte Filmbranche und zwischenmenschliche Beziehungen. Seine Sprache lädt zum Träumen ein und lässt die Dolce Vita vor meinem inneren Auge lebendig werden. Emma ist eine zauberhafte Person, die ich gern als Freundin hätte – auch um sie ab und an aus den Wolken auf den Boden der Realität zu holen.
Einzig das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen. Die Ereignisse überschlugen sich und die Handlung wurde zum Teil etwas unübersichtlich.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Hat mich leider nicht ganz überzeugt

Schmälzle und die Kräuter des Todes
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In Karlsruhe war Justin Schmälzle erfolgreicher Ermittler in der Drogen- und Mordabteilung. Wegen seiner Frau hat er sich nach Bad Wildbach versetzen lassen, hier werden maximal Blumenkübel in die Enz ...

In Karlsruhe war Justin Schmälzle erfolgreicher Ermittler in der Drogen- und Mordabteilung. Wegen seiner Frau hat er sich nach Bad Wildbach versetzen lassen, hier werden maximal Blumenkübel in die Enz geworfen. Er hat keinen guten Start, wird als Schwarzer in dem Kurort zuerst nicht ernst genommen – man bietet ihm sogar Schwarzarbeit als Gärtner an.
Doch eines Tages liegt ein Toter im Fluss. Kurz darauf verschwindet eine junge Frau beim Wandern und ein besorgter Bürger meldet, dass im Kurpark neuerdings Kräuter-Drogen an Jugendliche verkauft werden. Die Ereignisse überschlagen sich ...

Leider bin ich mit Schmälzle nicht ganz warm geworden. Er ist ein fanatischer Gesundheitsfreak und treibt seine Familie und Kollegen damit in den Wahnsinn. Er trinkt nur Reismilch-Macchiato, lebt ökologisch vegan und treibt fanatisch Sport – das machte ihn mir nicht besonders sympathisch. Zudem kommt er so rüber, als wäre er der einzige wirklich arbeitende Polizist seiner neuen Dienststelle.
Sein Chef Harald Scholz ist das ganze Gegenteil. Scholz ist aufs Essen und Trinken fixiert und lässt die Arbeit gern mal übers Wochenende liegen.
Auch die Kollegen der übergeordneten Dienststellen arbeiten ähnlich (un)motiviert und verweigern schlichtweg mehrfach die geforderte Amtshilfe. Das war mir zu irreal, zu weit vom wirklichen Leben weg.

Der Fall ist sehr verworren, springt zwischen der Ermittlung wegen des Toten, der Drogen und der verschwundenen Frau zeitlich vor und zurück. Das hat mich zu Beginn etwas irritiert, wurde am Ende aber aufgeklärt. Auch der schwäbische Dialekt, der in einigen Kapiteln überhand nimmt, macht es Nicht-Schwaben wie mir schwer, der Handlung zu folgen.

Alles in allem ist es ein netter, ruhiger Regionalkrimi, der eher durch seine Protagonisten und das Setting als durch Spannung besticht.

Veröffentlicht am 27.07.2018

„Wir machen einfach weiter.“

Die Zeit der Kraniche
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„Wir machen einfach weiter.“ (S. 198): Freddys Ehemann Gebhard zu Mansfeld und dessen Mutter Heide wurden verhaftet, weil sie heimlich den verbotenen Radiosender BBC gehört haben - obwohl man es ihnen ...

„Wir machen einfach weiter.“ (S. 198): Freddys Ehemann Gebhard zu Mansfeld und dessen Mutter Heide wurden verhaftet, weil sie heimlich den verbotenen Radiosender BBC gehört haben - obwohl man es ihnen nicht beweisen kann. Wie schon nach der Erkrankung ihres ersten Mannes, steht Freddy wieder mal allein einem großen Gut vor. Nur wird ihr diesmal ein „Aufpasser“ zur Seite gestellt. Der ehemalige Vorarbeiter Hittlopp – ein Nazi durch und durch – wird zum Verwalter bestimmt und Freddy damit quasi entmündigt, sie steht nur noch ihrem Haushalt vor.
Trotzdem der Repressalien durch Hittlopp geht es den Leuten auf Mansfeld aber noch relativ gut. Während Berlin und Potsdam immer mehr durch Bomben zerstört werden, bleibt das Prignitzer Gebiet verschont. Freddys Sorgen drehen sich vor allem um Gebhard und Heide und darum, die Leute weiterhin satt zu bekommen. Die Lage wird immer schlimmer, immer mehr Trecks (Flüchtlinge) aus Ostpreußen ziehen durch, nur ihre Familie aus Fennhusen ist nie dabei und angebliche rückt die russische Front immer näher ...

Ich hatte das Gefühl, „Die Jahre der Schwalben“ gestern erst aus der Hand gelegt zu haben, so flüssig geht es in „Die Zeit der Kraniche“ weiter, dem Abschluss der Trilogie um Freddy.
Die ist immer noch eine sehr taffe, kämpferische und bewundernswerte Frau, welche sich nie unterkriegen oder Angst machen lässt oder gar die Hoffnung verliert. Besonders ihre Menschlichkeit und ihr Durchhaltevermögen haben mir mehrfach imponiert. Zum Glück steht ihr immer noch Lore, die Köchin, zur Seite. Sie ist gewitzt, klug, bauernschlau; schmeichelt, besticht und betrügt die Nazis geschickt. Und sie ist Freddy treu ergeben. Eine echte Seele von Mensch.

Sehr eindringlich beleuchtet Ulrike Renk die Menschen und wie verschieden sie mit dem Krieg und dessen Folgen umgehen. Während Freddy und Lore versuchen, aus jeder Situation das beste zu machen, jammert ihre Schwägerin Thea immer nur rum – genau wie Frau Walter, die bei einem Bombenangriff alles verloren hat und auf Mansfeld einquartiert wurde.
Sie erzählt sehr bewegend von Freddys Kampf um ihren Mann, der dramatischen Flucht der Vertriebenen und denen, die vor der vorrückenden Front fliehen mussten, aber auch vom Todesmarsch von Sachsenhausen und den Gräueltaten, die in den KZs verübt wurden. Etwas, was heute leider immer mehr in Vergessenheit gerät.
Auch die Zeit der russischen Besatzung lässt sie nicht aus. Wieder muss Freddy um ihre Rechte, ihr Land, ums blanke Überleben kämpfen. Am Ende bleibt auch ihr nur die Flucht (wie der Klappentext leider verrät) „Jetzt habe ich nichts mehr. Nur drei Kinder, drei Koffer und zwei Taschen. Das ist alles, was mir geblieben ist.“ (S. 402)

Besonders erschütternd finde ich die Geschichte, weil sie auf dem Leben von Frederike von Plato und deren Sohn Gebhard Gans Edler zu Putlitz beruht. Viele der geschilderten Begebenheiten haben sich wirklich so oder ähnlich zugetragen.

5 Sterne und meine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.07.2018

Essen wie Gott in Frankreich

Französisch kochen mit Aurélie
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Vor einem Jahr bin ich über „Französisch backen“ von Aurélie Bastian gestolpert und seitdem ein Fan der Food-Bloggerin. Ich folge ihr u.a. auf Instagram und mir läuft jedes Mal das Wasser im Mund zusammen, ...

Vor einem Jahr bin ich über „Französisch backen“ von Aurélie Bastian gestolpert und seitdem ein Fan der Food-Bloggerin. Ich folge ihr u.a. auf Instagram und mir läuft jedes Mal das Wasser im Mund zusammen, wenn sie dort ihre neuesten Kreationen zeigt. Da wir dieses Jahr ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag ein relativ großes Fest mit 20 Gästen feierten stand schnell fest, dass es ein französisches Menü geben sollte. Zufällig zeigte Aurélie an diesem Tag eine Quiche mit Ratatouille und so war die Idee geboren, auch ihr Kochbuch zu testen.

Die Rezepte aus „Französisch kochen mit Aurélie“ gliedern sich in Vorspeisen, kleine Speisen, Geflügelgerichte, Fleischgerichte, Fischgerichte, Gemüsegerichte und Nachtisch, so dass man passend zu jeder Jahreszeit und für jeden Geschmack fündig wird. Und wie schon bei ihrem Backbuch, hat Aurélie auch die wunderbar appetitanregenden Fotos für diese Kochbuch selber gemacht.

Ich habe mich nach dem Probekochen (über dass sich meine Kollegen sehr gefreut haben) für Soupe au Pistou (Provenzialische Gemüsesuppe) mit Ma baguette magique (französisches Baguett), Tarte fleur carottes-courgettes (Möhren-und Zucchini-Tarte), Coq au vin (In Rotwein geschmortes Hähnchen) und Mousse au Chocolat (Schokoladenmousse) entschieden.
Alle Gerichte waren leicht nachzukochen, lediglich die Gemüse-Schnippelei für 20 Personen hatte ich etwas unterschätzt. Die Rezepte sind relativ unkompliziert und werden Schritt für Schritt erklärt (zum Teil mit Bildern). Die Portionsgrößen und Zeitangaben haben sehr gut funktioniert.

Fazit: Das Essen hat hervorragend geschmeckt und wir haben am nächsten Tag Lobes-Anrufe und Mails von unseren Gästen bekommen. Wenn ich noch mal jemanden mit meinen Kochkünsten beeindrucken oder meine Familie mit etwas Besonderem verwöhnen möchte, werde ich wieder auf Aurélies Lieblingsrezepte zurückgreifen.