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Veröffentlicht am 18.09.2024

Zauberhafte Geheimnisse

Mirella Manusch − Vorsicht, unser Schulleiter ist ein Vampir!
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Kaum hat sich Mirella an ihren ersten Vampirzahn gewöhnt, wächst ihr auch schon ein zweiter. Das ist extrem ungewöhnlich, weil der nämlich eigentlich erst in ihrem 12. Lebensjahr herauskommen sollte, weist ...

Kaum hat sich Mirella an ihren ersten Vampirzahn gewöhnt, wächst ihr auch schon ein zweiter. Das ist extrem ungewöhnlich, weil der nämlich eigentlich erst in ihrem 12. Lebensjahr herauskommen sollte, weist aber auch darauf hin, dass sie später wahrscheinlich ganz besondere Kräfte haben wird. Diese muss sie ausbilden und beherrschen lernen. Dafür soll sie in Zukunft, genau wie ihr Vampirfreund Manolo, in den Ferien eine besondere Schule für magische Wesen besuchen, für die sie noch zu jung ist. Es sei denn, sie besteht magische 3 Prüfungen …

Auch der dritte Band der Reihe ist wieder zauberhaft und voller Geheimnisse. Zum ersten Mal darf Mirella ihre Freundin Klara nicht einweihen, denn der zweite Vampirzahn soll geheim bleiben. Doch wie lange können Mirella und ihre Mutter noch vor ihrem Vater verbergen, dass sie eine Vampirin ist? Spätestens, wenn sie die Schule für magische Wesen besucht, müssen sie ihn einweihen. Und auch Mirellas Kater Lancelot hat ein süßes Geheimnis, das Mirella und ihre Freunde allerding bald aufdecken.

Mirella ist aufgeregt, als sie ihren zweiten Vampirzahn entdeckt und von der damit verbunden Verantwortung erfährt. Extra wegen ihr wird der große Vampirrat einberufen, denn nicht alle sind für ihre vorgezogene Ausbildung an der geheimen Schule. Mirella hat Angst, dass sie bei den Prüfungen versagt, denn Lancelot und Manolo dürfen ihr diesmal kaum helfen. Zum Glück wird sie von Tante Elly und ihrer Mama bestärkt, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben. Aber ob sie es wirklich schafft, alle Aufgaben zu lösen, verrate ich hier natürlich nicht. Dafür müsst Ihr das Buch schon selber lesen, dann erfahrt ihr auch, wer Rubinchen und Aleksander von Schreck sind 😉 …

Die beiden Autorinnen Anne Barns und Christin-Marie Below sind ein tolles Mutter-Tochter-Duo und für mich das Vorbild für Mirella und ihre Mama. Sie erzählen wieder eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Erwachsenwerden, wie es ist Geheimnisse zu haben und zu teilen, und dass man immer an sich selber glauben sollte.
Unbedingt erwähnen möchte ich wieder die zauberhaften Illustrationen von Anastasia Braun, die die Handlung wunderschön in Szene setzen.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Das Mädchen mit den goldenen Haaren

Im Warten sind wir wundervoll
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„Fräulein Luise Adler, das Mädchen mit den goldenen Haaren, hatte nicht geplant, tabloid star zu werden.“ (S. 27)
New York, kurz vor Weihnachten 1948: Ein Flieger mit War Brides landet. Das sind junge ...

„Fräulein Luise Adler, das Mädchen mit den goldenen Haaren, hatte nicht geplant, tabloid star zu werden.“ (S. 27)
New York, kurz vor Weihnachten 1948: Ein Flieger mit War Brides landet. Das sind junge Frauen aus Europa und dem Pazifik, die mit amerikanischen Soldaten verlobt oder verheiratet sind und ihnen jetzt endlich in ihre Heimat nachreisen dürfen. Alle Frauen werden abgeholt, nur Luise steht am Ende noch da. Dabei hatte ihr Hunter fest versprochen, dass er sie abholen wird, schließlich haben sie 2 Jahre auf diesen Tag hin gefiebert. Rosie, eine sehr Angestellte des Flughafens, und Ernest, der einen Zeitungskiosk betreibt, tut Luise leid und sie nehmen sich ihrer an. Rosie nimmt sie mit zu sich nach Hause und Ernest, der früher Journalist war, lanciert er eine Artikel über Luise in der Zeitung, dem viele weitere folgen werden. Bald fiebert halb New York mit, ob Hunter noch rechtzeitig auftaucht um Luises Abschiebung zu verhindern, dazu sie muss bis spätestens Neujahr verheiratet sein ...

70 Jahre später steigt Luises Enkelin in einen Flieger nach New York, auch sie will zu ihrem Verlobten. Um sich von ihrer Flugangst abzulenken, erzählt sie ihrem Sitznachbarn Luises Geschichte: „So kommt es, dass sie irgendwo über dem Atlantik, auf halbem Weg nach New York, die Nacht miteinander verbringen. Er, auf den daheim ein Mädchen wartet. Sie, die sich mit einem anderen verheiraten will.“ (S. 91)

Charlotte Indens Buch hat mich am Anfang sehr gefordert lassen. Man merkt schnell, dass es zwei verschiedene Erzählstränge sind, kann aber nicht erkennen, wer gerade erzählt (Luise oder ihre Enkelin), da sich ihre Geschichten ähneln. Beide fliegen zum ersten Mal und haben Angst vor dem, was sie erwartet. Zudem erfährt man erst spät, wie die Enkelin heißt. Aber dann macht plötzlich genau diese Ungewissheit den Reiz der Geschichte aus.

Vor allem Luises und Hunters Geschichte hat mich sehr berührt. Sie lernen sich 1945 bei der Befreiung Marburgs durch die Amerikaner kennen und bis sie nach New York reisen darf, ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein langer Weg. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, denn mir war nicht klar, wie schwierig es für die Besatzer und ihre „Kriegsbräute“ war, zu heiraten und zusammen zu leben.
Aber auch die Geschichte ihrer Enkelin ist spannend. Sie hofft auf die gleiche große Liebe wie Luises, aber gibt es auch zwei Happy Ends?

Rosie und Ernst waren bezaubernd. Sie sehen jeden Tag unzählige Paare am Flughafen, und während Rosie von der großen Liebe á la Hollywood träumt („Ich will mich verlieben. Rettungslos. Hoffnungslos. Mit weniger als welterschütternd werde ich mich nicht zufrieden geben.“ (S. 21)), interessiert sich der resignierte Ernest für die Geschichten dahinter „Ernest erkannte, dass ihn die Liebesgeschichten der Frauen vielleicht kaltließen, ihre Schicksale aber nicht.“ (S. 25). Aber trotz ihrer verschiedenen Interessen sind sie sich einig, dass sie Luise helfen müssen.

Mein Fazit: Eine bewegende Liebesgeschichte mit sehr interessanten Hintergründen zu War Brides.

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Veröffentlicht am 11.09.2024

„Alte“ Freunde

Wie man würdelos altert
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„Wann zum Kuckuck war sie eine alte Frau geworden? Wo war die Zeit bloß hin?“ (S. 19) Fünfzehn Jahre hat sich Daphne in ihrer Wohnung mehr oder weniger verkrochen, ist nur 1-2-mal die Woche zum Einkaufen ...

„Wann zum Kuckuck war sie eine alte Frau geworden? Wo war die Zeit bloß hin?“ (S. 19) Fünfzehn Jahre hat sich Daphne in ihrer Wohnung mehr oder weniger verkrochen, ist nur 1-2-mal die Woche zum Einkaufen ausgegangen. Und obwohl sie raucht wie ein Schlot, ist sie dank täglichem Pilates und Gymnastik immer noch topfit. Aber jetzt wird sie 70 und sehnt sich nach Gesprächen mit echten Menschen, statt immer nur mit ihren Fotos und Pflanzen (Außer der Yucca-Palme, der traut sie nicht!). Sie hat keine Ahnung, wie man als Erwachsene Freunde findet, aber Lydias Aushang im Mandel Community Center spricht sie an. Die sucht Mitglieder für den neuen Seniorenclub, den sie dreimal in der Woche leiten soll. Auch der ehemalige Theaterschauspieler Art, der nicht einsieht, dass seine Zeit längst vorbei ist, stolpert über die Anzeige und überredet seinen besten Freund William (einen ehemaligen Paparazzo), mitzugehen. Neben ihnen gehören noch Ruby und Anna dazu, deutlich weniger Leute, als sich Lydia erhofft hatte, aber dafür halten die sie ordentlich auf Trab. Und dann ist da noch Maggie, die alte Mischlingshündin, die sie auf ihrer ersten Zusammenkunft „geerbt“ haben.

Clare Pooley hatte mich schon mit „Montags bei Monica“ und „Das Wunder von Bahnsteig 5“ begeistert, und auch „Wie man würdelos altert“ ist wieder ein sehr humorvoller, warmherziger und gleichzeitig gesellschaftskritischer Roman, der uns vor Augen führt, was Freundschaft bedeutet und wie die Gesellschaft und wir als Einzelne mit älteren Mitbürgern umgehen. Meist werden sie nämlich einfach übersehen und übergangen. So geht es auch dem Seniorenclub, der zusammen mit dem Center geschlossen werden soll. Dann würde nicht nur Lydia ihren ersten Job seit Jahren verlieren, sondern die Rentner ihre „Ersatzfamilie“, zu der sie ganz schnell füreinander geworden sind. Art hat eine Idee, wie sie das verhindern können und Daphne plant die Aktion, denn darin war sie schon früher unschlagbar. Dafür brauchen sie Maggie und Ziggy, einen Teenager, der bereits Vater ist und ihre Dienste als Babysitter mit seinem Computer- und Social-Media-Wissen bezahlt.

Lydia war früher eine bekannte Foodstylistin, jetzt ist sie nur noch das Anhängsel ihres Mannes, überflüssig und unsichtbar. Wenn er überhaupt was zu ihr sagt, sind es hämisch Kommentare und Kritiken. Außerdem scheint er sie zu betrügen, aber sie will es lieber nicht zu genau wissen. Denn was würde aus ihr, wenn er sie verlässt?
Daphne regt sich über diese Haltung auf und versucht, Lydia zu emanzipieren. Sie ist nämlich keine unauffällige Frau, die zurücksteckt. Sie schert sich nicht darum, was andere über sie denken, liebt auffällige Designerklamotten und zu viel zu großen Modeschmuck, ist sehr exaltiert, gerissen, manipulativ, intelligent und legt Wert auf gute Manieren. Deswegen rauscht sie auch immer wieder mit Art zusammen. Der ist nicht nur ständig pleite und vernachlässigt sein Äußeres, sondern hat auch einen Hang zum Ladendiebstahl. Aber er ist auch seit über 70 Jahren ein loyaler Freund für William, der sich seinerseits sehr um Art sorgt.
Ruby fällt in die Kategorie „stille Wasser sind tief“. Sie sagt nie etwas, sondern strickt ununterbrochen. Aber was hat sie mit den übergroßen Klamotten vor, die keinem normalen Menschen passen dürften?
Anna ist eine ehemalige Truckerfahrerin und fünffache Witwe, schiebt sich mit ihrem Rollator rigoros und rücksichtslos durch jede Menschenmenge, hat ein Faible für verrückte Haarfarben und immer ihr Megafon dabei, mit dem sie ihre Meinung lautstark kundtut – ob man sie nun hören will oder nicht.

Man muss Clare Pooleys Protagonisten einfach lieben und möchte sie sicher nicht zum Feind haben. Mit Hilfe ihrer speziellen, nicht immer ganz legalen Kenntnisse und Fähigkeiten können sie immer noch die Welt verändern. Dabei kommen nach und nach ihre strenggehüteten, zum Teil sehr überraschenden Geheimnisse ans Licht.

5 Sterne und meine Leseempfehlung für diesen zauberhaften Generationenroman.

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Veröffentlicht am 07.09.2024

Solitude - Einsamkeit

Alles, was ich geben kann – The Last Letter
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„Meine Gedanken mit jemanden teilen zu können, dem ich niemals begegnen würde, war merkwürdig befreiend.“ (S. 21)
Ella ist 24 und alleinerziehende Mutter von 5jährigen Zwillingen, außerdem betreibt sie ...

„Meine Gedanken mit jemanden teilen zu können, dem ich niemals begegnen würde, war merkwürdig befreiend.“ (S. 21)
Ella ist 24 und alleinerziehende Mutter von 5jährigen Zwillingen, außerdem betreibt sie das B&B Solitude in einer amerikanischen Kleinstadt. Ihre Eltern leben schon lange nicht mehr, ihr Bruder gehört zu einer Spezialeinheit der Army und ist nie da. Weil er findet, dass Ella und sein bester Freund „Chaos“ (aus Sicherheitsgründen haben sie Decknamen) gut zusammenpassen würden, vermittelt er sie als Brieffreunde. Monatelang schreiben sie sich, ohne dass Ella seinen richtigen Namen erfährt. Dann erkrankt ihre Tochter an einem Neuroblastom, die Überlebenschancen für das nächste Jahr liegen bei nur 10 %. Nach außen zeigt Ella Stärke und Optimismus, nur in der Briefen an „Chaos“ ist sie ehrlich und erzählt von ihren Ängsten und Sorgen. Der Tag, an dem „Chaos“ sie zusammen mit ihrem Bruder endlich besuchen kommen wird, rückt immer näher. Doch dann fällt ihr Bruder gefallen ist, und sie hört nie wieder von „Chaos“.
Monate später steht Beckett vor ihrer Tür, ein Kamerad ihres Bruders. Dessen letzter Wunsch an ihn war es, dass er Ella beisteht. Er verschweigt ihr, dass er ihr Briefreund ist, weil sie ihn sonst nach so langer Zeit Funkstille sicher nicht einlassen würde. Aber „… irgendwo zwischen Brief Nummer eins und Brief Nummer zwanzig hatte ich mich in sie verliebt.“ (S. 76)

Ella hat kein leichtes Leben und keine Familie, die sie unterstützt. Ihr Bruder riskiert in dem Sondereinsatzkommando regelmäßig sein Leben, der Vater ihrer Kinder hat sich sofort scheiden lassen, als er von der Schwangerschaft erfuhr – ohne je für sie oder die Zwillinge zu zahlen. (Da habe ich mich gefragt, ob das in den USA so einfach geht, zumal er reiche Eltern hat.) Als ihre Tochter erkrankt, versucht sie trotzdem alles, um ihr die besten Behandlungen zu ermöglichen. Gleichzeitig macht sie sich Vorwürfe, dass sie ihren Sohn vernachlässigt.
Als Beckett dann mit dem Brief ihres Bruders auftaucht, erscheint er ihr nach anfänglicher Skepsis als Geschenk des Himmels. Er unterstützt sie wo es nur geht und ist den Zwillingen fast ein Vater. Was um so bemerkenswerter ist, weil er selber in wechselnden Pflegefamilien aufgewachsen ist und seinen eigenen Vater nie kennengelernt hat. Aber instinktiv macht er alles richtig. Außerdem ist er echt heiß und sie fühlt sich zu ihm hingezogen, aber er scheint nicht interessiert. Als sie sich dann doch endlich näher kommen, wird die Gefahr seiner Enttarnung immer größer …

Rebecca Yarros hat einen wirklich sehr emotionalen Roman geschrieben, den kaum jemand ohne Taschentücher lesen können wird, aber er hat leider zu viel Patriotismus (Für mich hätte nicht in jedem Kapitel auf Chaos‘ Vergangenheit und die ihres Bruders hingewiesen werden müssen. Es ist auch so klar, was für einen Job sie in der Army haben.) und zu viel Drama (vor allem am Ende). Und auch die Lüge, die Beckett meint vor Ella verheimlichen zu müssen, habe ich nicht wirklich als Problem verstanden.
Dafür finde ich das Zwillingsthema sehr schön umgesetzt. Die Kinder scheinen zwei Teile eines Ganzen zu sein und sind perfekt aufeinander eingespielt, beenden die Sätze des Anderen oder verstehen sich mit wenigen Worten. Ich fand es toll, wie ihr Sohn seine Schwester unterstützt, dass der kleine Mann ist mind. genauso tapfer ist.
Zudem unterstützt das Setting mit dem B&B mitten im Wald an einem See gelegen, die romantische Grundstimmung.

3,5 von 5 Sterne

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Ohne Filter

I still care
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„Mein Ziel war, die Pflege zu verändern. Erreicht habe ich das nicht. Erreicht habe ich, dass jeder in Deutschland mitbekommen hat, wie mies es um unser Gesundheitssystem steht.“ (S. 224) – aber geändert ...

„Mein Ziel war, die Pflege zu verändern. Erreicht habe ich das nicht. Erreicht habe ich, dass jeder in Deutschland mitbekommen hat, wie mies es um unser Gesundheitssystem steht.“ (S. 224) – aber geändert hat sich nichts. Zu diesem Fazit kommt Franziska Böhler, bekannt als #TheFabulousFranzi, als sie nach vier Jahren als Pflegeaktivistin einsehen musste, dass ihre Arbeit und Aufklärung in den (sozialen) Medien umsonst und sie physisch und psychisch am Ende war. Dabei hatte alles ganz harmlos mit Posts von ihrer Arbeit als Intensivkrankenschwester angefangen, in denen sie die Realität zeigte und auch offen sagte, was in der Pflege schief läuft. Fast über Nacht wird ihre Reichweite immer größer, sie berühmter, und dann kommt Corona – endlich sehen alle, dass es so nicht weitergehen kann. Es wird geklatscht, die Regierung macht Versprechungen und Franziska arbeitet bis zum Umfallen im Krankenhaus und klärt auf ihrem Insta-Kanal auf, gibt Tipps, Interviews und beantwortet bis zu 3000 Nachrichten pro Tag. Schnell kommen Neider wegen ihrer „Berühmtheit“, sie wird verbal angegriffen und bedroht und ohne, dass sie es merkt, entgleitet ihr nicht nur die Situation, sondern ihr Leben. Sie hat Schlafstörungen, Panikattacken, Angstzustände – und macht trotzdem weiter. Geht auf Arbeit, bespielt Insta. Familie und Freunde dringen nicht mehr zu ihr durch. Sie muss funktionieren. Bis sie zusammenbricht.

Die Arbeitszeit endet erst, wenn der letzte Patient versorgt ist, sagt Franziska an einer Stelle, und nicht, wenn die Schicht vorbei ist. Ich kannte sie vor diesem Buch nicht, aber ich kenne die Problematik. Mein Mann ist seit über 30 Jahren Pfleger und hatte auch schon einen Burnout, ist danach aber ebenfalls in seinen Beruf zurückgekehrt.

Franziskas Buch rüttelt auf und macht wach. Sie zeigt die Schattenseiten der Pflege, aber auch, was Social Media mit uns macht: Wenn man denkt, immer präsent und perfekt sein, alle (An-)Fragen beantworten zu müssen, wenn Social Media unser Leben und den Alltag bestimmt. Sie schreibt extrem persönlich und schonungslos offen und ehrlich, vor allem auch sich selbst gegenüber, was sie alles falsch gemacht und wer bzw. was sie aufgefangen und gerettet hat.
Jeder, der mit dem Gedanken spielt, in der Pflege zu arbeiten, sollte das Buch lesen.

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