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Veröffentlicht am 19.06.2023

Wie ein Licht in dunkler Nacht

Lighthouse Bookshop
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… weist der Leuchtturm in Newton Dunbar, mitten in Schottland und weit weg vom Meer, allen Hilfesuchenden und Heimatlosen den Weg zu einem sicheren Ort. Eigentlich betreibt Cullen hier einen Buchladen ...

… weist der Leuchtturm in Newton Dunbar, mitten in Schottland und weit weg vom Meer, allen Hilfesuchenden und Heimatlosen den Weg zu einem sicheren Ort. Eigentlich betreibt Cullen hier einen Buchladen inkl. Antiquariat, aber er hat auch ein Händchen für verlorene Seelen, bietet ihnen Shortbread und Kaffee und ein Ohr zum Zuhören, ohne sie zum Reden zu drängen. Vor 5 Jahren ist Rachel bei ihm gestrandet, als ihr alter Bulli den Geist aufgab. Cullen hat ihr einen Job und ein rundes Dach über dem Kopf gegeben. Seit kurzem kommt der verletzte Kriegsreporter Toby jeden Tag, um hier in Ruhe seine Memoiren zu schreiben. Fast zeitgleich taucht Gilly im Leuchtturm auf, ein junges Mädchen auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen. Zum „Inventar“ gehören auch Cullens Freund Ron, der sich mit ihm erbitterte Schachduelle liefert, und sein Hund Bukowski. Und Edie und Ezra, die zwar direkt nebeneinander wohnen, aber seit 15 Jahren zerstritten sind, ohne dass jemand weiß, warum.
Eines Tages bricht Cullen zusammen, seine letzten Worte an Rachel sind: „In der Decke. Hinter … der Tapete. Wusste nicht, was ich tun sollte. Egoistisch, aber … wollte den Laden behalten …“ (S. 79) Wie soll es jetzt nach seinem Tod weitergehen? Er hat keine Erben und kein Testament gemacht. Sein Anwalt sagt, dass der Turm wahrscheinlich zusammen mit dem restlichen Anwesen verkauft wird. Um das zu verhindern, geht Rachel Cullens Worten nach und entdeckt ein uraltes, wunderschönes und beeindruckendes, aber auch tragisches Geheimnis.

Für Rachel war der Turm das einzige Zuhause, das sie je hatte. Sie erkennt sofort, dass Gilly eine ähnliche Biographie haben muss wie sie, auch wenn sich beide beharrlich weigern, darüber zu reden.
Toby steht vor einem Umbruch, weil ihn mit seiner Verletzung keine Agentur je wieder in ein Krisengebiet schicken wird. Außerdem hat Albträume von dem, was er im Krieg erlebt hat und ist überzeugt, vor Jahren Schuld auf sich geladen zu haben, die er sich nicht vergeben kann.
Edie liebt ihren Blumengarten, den Ezras Ziege regelmäßig zerstört, und die Holzschnitte, die sie anfertigt und die ihren Unterhalt und ihre Unabhängigkeit bedeuten. Als Ezra vor Jahren in das Haus nebenan zog, hatte sich kurz eine Freundschaft und vielleicht auch mehr angebahnt, aber dann ist etwas passiert, über dass sie beide nicht reden, auch nicht miteinander.
Doch so zerstritten sie zum Teil auch sind, sind sie sich auch einig, dass sie den Leuchtturm, den Buchladen und Gilly retten wollen.

Sharon Gosling hat mit dem, was Rachel entdeckt, ein einmaliges Setting und eine zweite Ebene geschaffen, die mir sehr gut gefallen und für extreme Spannung gesorgt hat. Weil Rachel Hilfe braucht, weiht sie Toby in ihre Entdeckung ein und bittet ihn um Unterstützung. Das schweißt sie zusammen, wenn auch nicht so, wie sich Toby insgeheim erhofft.

Schon „Fishergirl´s Luck“ hat mich letztes Jahr verzaubert und auch „Lighthouse Bookshop“ ist ein besonderes, sehr vielschichtiges Buch. Nicht nur der Leuchtturm und sein Standort sind außergewöhnlich, auch die Protagonisten haben alle eine ungewöhnliche Vergangenheit oder ein Geheimnis.
Es ist eine berührende Geschichte von Freundschaft und Liebe, von Hoffnung und (der Suche nach) Heimat, vom Schweigen und Erahnen, vom Zusammenhalt und dass man sich manchmal nur auf seine Stärken besinnen muss.

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Veröffentlicht am 17.06.2023

Lösegeld für meine Frau?

Wenn schon tot, dann unter Palmen
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„Just in dem Moment, als ich mich auf dem Parkplatz des Golfclubs zu meinem Porsche hinunterbeugte, hielt hinter mir ein Lieferwagen.“ (S. 7)
Was, wenn der Ehemann kein Lösegeld für seine entführte Frau ...

„Just in dem Moment, als ich mich auf dem Parkplatz des Golfclubs zu meinem Porsche hinunterbeugte, hielt hinter mir ein Lieferwagen.“ (S. 7)
Was, wenn der Ehemann kein Lösegeld für seine entführte Frau zahlen will, weil ihre Nachfolgerin eh schon in den Startlöchern steht? Wer die Krimis von Tatjana Kruse kennt, kann sich vielleicht denken, wie die Geschichte weiter- bzw. ausgehen wird. Mit gewohnt bissigem wunderbar schwarzen Humor nimmt die Handlung ihren Lauf.

Die Ausgangsidee erinnert an den großartigen Film „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“, aber Tatjana Kruses Variante ist mindestens genauso unterhaltsam. Das liegt auch an der ungewöhnlichen graphischen Gestaltung der Bücher der Viertelstundenbibliothek, die mir ausnehmend gut gefällt.

Wenn ihr auf der Suche nach Büchern für Nicht-Leser, Kaum-Leser oder Gern-Leser seid, die schon alles von Tatjana Kruse gelesen haben, möchte ich Euch diesen Kurzkrimi ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 16.06.2023

Der perfekte erste Kuss

Das Beste kommt zum Kuss
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„Im Grunde ist es also ein Riesen–Spoiler–Alarm für die Beziehung. Und ich soll dann auf Basis diesen kurzen Blicks auf das Ende entscheiden, ob ich den ganzen Film sehen will?“ (S. 23) Seit Amy 14 ist, ...

„Im Grunde ist es also ein Riesen–Spoiler–Alarm für die Beziehung. Und ich soll dann auf Basis diesen kurzen Blicks auf das Ende entscheiden, ob ich den ganzen Film sehen will?“ (S. 23) Seit Amy 14 ist, weiß sie von ihrem Familienerbe: Wenn sie einen Mann zum ersten Mal küsst, sieht sie das Ende der Beziehung. Bisher hat ihr jeder erste Kuss schlechte Visionen beschert, also hat sie die Suche irgendwann aufgegeben. Doch inzwischen sind ihre FreundInnen fast alle in festen Händen oder glückliche Singles mit Affären, und Amy sehnt sich nach einem Partner, zu dem sie nach Hause kommen und mit dem sie ihr Leben teilen kann. Also lässt sie sich auf der Hochzeit ihrer besten Freundin auf einen Deal ein. Sie wird alle Männer küssen, die ihr gefallen, vielleicht ist Mr. Right ja dabei. Am nächsten Tag hat sie einen üblen Filmriss und die undeutliche Erinnerung an drei Küsse, einen davon mit dem Mann ihres Lebens. Sie weiß nur leider nicht mehr, wen sie geküsst hat. Also muss sie mithilfe ihrer Freunde die drei möglichen Kandidaten ermitteln und sich mit ihnen treffen.

„Das Beste kommt zum Kuss“ ist eine herrlich schräge, zuckersüße RomCom, die ich kaum aus der Hand legen konnte und mir sehr gut als Film vorstellen kann.
Amys Freunde sind ein kleines bisschen crazy und unterstützen sie bei ihrer Suche und den Dates mit den verrücktesten Ideen – und Kostümen. Dabei kommt es zu einigen amüsanten Missverständnissen und sehr unterhaltsame Situationen („Ich bin auch nur ein Mädchen, das auf einem Bett liegt und einen Jungen fragt, ob er ihm einen Matratze verkaufen will.“ (S. 8)).
Doch die Geschichte hat auch ernste Seiten. Da ist zum einen Amys Sehnsucht nach einer eigenen Familie. Ihre Mutter hat sich damals auf ihren Mann eingelassen, obwohl sie von vornherein wusste, dass die Beziehung nicht halten würde. Diesen Kompromiss möchte Amy nicht eingehen. Außerdem ist ihre Mutter dement und lebt im Pflegeheim. Die Tage, an denen sie ihre Tochter erkennt, werden weniger und Amys Sorgen größer. Diese Schwierigkeiten erzählt Molly James aber mit genau der richtigen Portion Gefühl und Leichtigkeit und ohne falschen Pathos.

„Du suchst in diesen Männern die Antwort auf alles, aber eigentlich musst du dich nur selber prüfen. Wenn du mit ihnen zusammen bist, dann frage dich: Wie fühle ich mich mit diesem Menschen?“ (S. 234) Am Ende hört Amy auf das, was ihre Freunde raten. Aber ob sie ihren Traummann damit wirklich findet, verrate ich natürlich nicht. Viel Spaß beim Selberlesen!

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Veröffentlicht am 14.06.2023

Angst vor der Liebe

Die Buchverliebten
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„… letztendlich haben die Bücher mir das Liebste in meinem Leben genommen.“ (S. 216) Seit 20 Jahren trauert Gesa um ihre große Liebe, den finnischen Schriftsteller Onni. Sein Tod hat ihr die Freude am ...

„… letztendlich haben die Bücher mir das Liebste in meinem Leben genommen.“ (S. 216) Seit 20 Jahren trauert Gesa um ihre große Liebe, den finnischen Schriftsteller Onni. Sein Tod hat ihr die Freude am Lesen genommen, trotzdem verkauft sie seit über 40 Jahren Buchversicherungen. Doch auch damit könnte es bald vorbei sein, denn „Bücher sind tot … Leider.“ (S. 23). Wenn sie nicht ganz schnell neue Kunden akquiriert, muss sie gehen, sagt ihr Chef. Ihr Zwillingsbruder bringt sie mit Ole Oevermann zusammen, der eine Buchhandlung mit Antiquariat betreibt und auch zu wenig Kunden hat. Zusammen entwickeln sie neuen Mut und eine Idee, um Gesas Kündigung abzuwenden und Oles Laden zu retten.

Gesa ist überzeugt, nicht für die Liebe gemacht zu sein. Zwei Partner haben sie betrogen, Onni ist früh gestorben. Sie tröstet sich mit ihrer Arbeit und der Liebe zu Marzipankartoffeln. Wenn sie sich das Herz ausschütten muss, sind ihre Eltern und ihr Zwillingsbruder für sie da, der in der Liebe ebenfalls kein Glück hat. Außerdem redet sie mit einem ausgestopften Kuukkeli (einem finnischen Unglückshäher, der eigentlich ein Glücksbringer ist), den Onnis Familie ihr zum Trost geschenkt hatte. Aber dann lernt sie Ole kennen, der auch ein Trauma und fast zur gleichen Zeit wie sie seine Frau verloren hat. Erst durch ihren Verlust er zum Lesen gekommen. „Mir bedeuten Bücher alles, Literatur ist mein Lebenssinn.“ (S. 55) Ole ist hilfsbereit, rücksichtsvoll und fürsorglich und scheint ernsthaft an Gesas Dilemma interessiert zu sein und daran, eine Lösung für sie beide zu finden. Sie könnte sich in ihn verlieben, wenn sie nicht solche Angst vor der Liebe hätte, vor einer neuerlichen Enttäuschung. Ole sucht nicht nach der Liebe, die zu seiner Frau war genug für ein ganzes Leben. Doch irgendetwas an Gesa bringt sein Herz zum Schwingen. Er sieht sie nicht nur als Zweckgemeinschaft, sondern erhofft sich mindestens eine tiefe Freundschaft, vielleicht auch mehr. Wenn er seine Gefühle nur begreifen und in Worte fassen könnte. Und außerdem: „Liebe gibt es auch in der Freundschaft, oder nicht?“ (S. 325)

„Die Buchverliebten“ ist ein leiser Roman, getragen von Gesas und Oles Trauer um ihre Liebsten, aber auch mit einem immer wieder durchschimmernden Quäntchen Hoffnung auf Heilung und Veränderung. Mir gefiel die Vorstellung, dass ein ganz ähnlicher Schicksalsschlag sich so verschieden auswirken kann. Gesa hat er von der Literatur entfernt, Ole ihn zu ihr hingeführt.
Es ist ein Buch über die Liebe zu Büchern und zur Literatur das nachhallt und zum Nachdenken anregt. Anja Baumheier hat mit Gesa und Ole zwei ganz besondere Antihelden geschaffen, deren Geschichte einem sofort ans Herz gehen und zu dem ihr poetischer Schreibstil ganz wunderbar passt.

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Veröffentlicht am 13.06.2023

Minijob mit Meerblick

Das Glück ist nur eine Insel entfernt
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„Also willst du dir damit Deine Jugend zurückholen?“ (S. 110) Rosalies Ex-Mann ist pikiert, als die über 50jährige den Studentenjob auf Amrum übernimmt, den eigentlich ihre Tochter bekommen hatte, die ...

„Also willst du dir damit Deine Jugend zurückholen?“ (S. 110) Rosalies Ex-Mann ist pikiert, als die über 50jährige den Studentenjob auf Amrum übernimmt, den eigentlich ihre Tochter bekommen hatte, die dann aber lieber nach Australien gereist ist. Doch da Rosalie nach ihrer Scheidung eh noch in der (Selbst-)Findungsphase ist und nicht weiß, was sie in Zukunft machen will, wird sie für die nächsten 4 Wochen als Gesellschafterin dem blinden Theo die Zeit vertreiben, während sein Partner verreist ist. Dumm nur, dass Theo gar keine Hilfe will und sie sofort zurückschicken will. Aber da hat sich Rosalie schon in die Insel verliebt und will unbedingt bleiben. „Von hier sollte sie sich nicht so einfach vertreiben lassen.“ (S. 41)

„Das Glück ist nur eine Insel entfernt“ ist ein sommerleichter Frauenroman für entspannte und gleichzeitig pickelnde Stunden, denn Rosalie friert nicht nur leicht, auch Insulaner Justus macht ihr wohlige Gänsehaut. Doch erst einmal muss sie Theo dazu bringen, dass sie bleiben darf. Der Mittdreißiger kommt nämlich bestens allein zurecht, hat eine Haushalthilfe und seinen Hund Marwin – was soll er da noch mit einer „Zeitvertreiberin“?! Zum Glück ist Rosalie ziemlich taff und kann sich durchsetzen. Bald fühlt sie sich in Amrum heimisch und knüpft neue Freundschaften. Außerdem entdeckt sie ihre Kreativität wieder. Kann und will sie sich auf Amrum den Jugendtraum einer eigenen Accessoire-Linie erfüllen?

Hinter den Pseudonym Jette Jacobson steckt die österreichische Autorin Isabella Archan, die mit den beiden skurrilen Ladenbesitzern Irmi und Lorenz ein bisschen Heimat auf die Insel verpflanzt hat. Davon abgesehen dreht sich alles um Rosalie und Amrum. Die hat neben ihrem Minijob ausreichend Zeit, sich in die Nordseeinsel und den charmanten Justus zu verlieben. Aber ihre Vergangenheit lässt sie nicht ganz los und 30 Jahre Ehe lassen sich nicht einfach abstreifen, auch wenn man sich auseinander gelebt hatte. Zumal ihr Ex das Talent hat, sich in den ungünstigsten Momenten zu melden. Aber was wäre eine neue Liebe ohne Hindernisse?

Ein schönes Buch für den Strand, mit Wellenrauschen im Ohr, Sand unter den Füßen und einem Krabbenbrötchen und Kaffee in Reichweite – oder lieber Tote Tante und Friesentorte?

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