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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.12.2019

Ein kluges Buch!!!

Besser spät als nie
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Ein kluges Buch!!!

Sie muss sein, diese Überschrift mit den drei Ausrufezeichen. Denn da lese ich tatsächlich irgendwo über das vorliegende Buch, es sei banal. „Banal“ per definitionem heißt: gedanklich ...

Ein kluges Buch!!!

Sie muss sein, diese Überschrift mit den drei Ausrufezeichen. Denn da lese ich tatsächlich irgendwo über das vorliegende Buch, es sei banal. „Banal“ per definitionem heißt: gedanklich unbedeutend, gewöhnlich. Nein, dieses Buch ist nicht gewöhnlich, es ist gedanklich nicht unbedeutend, es ist alles andere als das. Vielleicht ist derjenige, der das Urteil abgegeben hat, noch sehr jung und unbedarft. Vielleicht hat er nur ein paar Seiten gelesen und gerade ein Thema erwischt, das ihn in seinem Leben noch nicht berührt hat. Vielleicht hatte er witzige Situationsschilderungen aus dem Altersheim erwartet. Wer weiß. Auf jeden Fall bringt mich dieses Urteil dazu, vehement meiner gegenteiligen Meinung Ausdruck zu verleihen.

Die Texte haben Tiefe. Die Texte sind es wert, darüber nachzudenken. Die Texte bringen Informationen über das beschwerliche, reglementierte Leben der Frau vor 60, 70 Jahren. Und die Texte bringen Einblick in das nicht immer einfache Leben im Alter. Aber die Texte bringen auch Ermutigung. Ja, es sind kurze Artikel, denn es handelt sich um eine Sammlung von Kolumnen, die in der Süddeutschen Zeitung zu lesen waren. Wie schwer gute Kolumnen zu schreiben sind, weiß nur, wer sich selbst einmal daran versucht hat. Kurze Meinungsbeiträge zu formulieren, die das jeweilige Thema pointiert auf den Punkt bringen und nicht endlos breittreten. Das kann nicht jeder. Und genau das ist dem Paar Großmutter und Enkelin hervorragend gelungen. So kurz die Texte auch sind, so eindringlich sind sie. Sie kommen ganz harmlos daher, und doch wirken sie lange nach, wenn man sich darauf einlässt. Mechthild Grossmann ist eine gebildete Frau. Sie ist weltoffen und neugierig. Dass sie alt ist, macht ihre Gedanken nicht weniger wertvoll, im Gegenteil. Sie hat alles Recht dazu, uns von ihrer Haltung dem Leben, den Menschen und dem Sterben gegenüber zu erzählen. Nichts davon ist banal. Und übrigens: Nachdenken schadet in keinem Alter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2019

Enttäuschend zähe Lektüre

Das Ritual des Wassers
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Hatte ich zu hohe Erwartungen? Hätte ich den ersten Band zuerst lesen müssen? Las ich das Buch zum falschen Zeitpunkt? Wie auch immer: Für mich war die Lektüre des vorliegenden zweiten Falles des Inspector ...

Hatte ich zu hohe Erwartungen? Hätte ich den ersten Band zuerst lesen müssen? Las ich das Buch zum falschen Zeitpunkt? Wie auch immer: Für mich war die Lektüre des vorliegenden zweiten Falles des Inspector Ayala quälend mühsam.
Nach einem Kopfschuss leidet Kommissar Ayala, genannt Kraken, an einer Broca-Aphasie und kommuniziert weitgehend schriftlich mit seiner Umwelt. Noch ist er vom Dienst freigestellt, wird jedoch beratend zu Hilfe gezogen, als man eine schwangere Tote findet, kopfüber an einem Ast hängend, mit dem Kopf in einem historischen Wasserkessel steckend. Eine Hinrichtung, die an ein keltisches Ritual denken lässt. Und es bleibt nicht bei diesem einzigen Mord.
In verschiedenen Zeitebenen wird erzählt. Doch dies ist meiner Meinung nach nicht der Grund, weshalb der Thriller so mühsam zu lesen ist. Sondern es liegt an der ausufernden Detailfreude der Autorin. Der Anfang des Buches bereits ist verwirrend. Die vielen Ortsnamen sind verwirrend. Die aufgeführten Namen sind verwirrend, insbesondere da sie nicht einheitlich eingesetzt werden. So heißt der Ich-Erzähler beispielsweise Inspector Ayala, aber auch Unai und auch Kraken. Die Beziehungen zwischen den Ermittler-Kollegen sind ebenso verwirrend, weil nicht überzeugend nachvollziehbar dargestellt. Leblos wirkt auch der Kontakt der früheren Freundesgruppe des Kraken untereinander. Und Inspector Ayala selbst wirkt auf mich wie eine sehr seltsame Person, emotional fern und fremd bleibend, trotz all der vielen, oftmals unnützen Informationen, der geschilderten Gedankenfülle und des vielerlei Geplänkels, was allesamt nicht dazu dient, den Menschen Kraken lebendig werden zu lassen. Die dargestellte Form der Broca-Aphasie dürfte aus medizinischer Sicht auch angreifbar sein. Das Thema rund um keltische Rituale wird langatmig abgehandelt. Dass die Autorin letztlich weit ausholt bis zur Zeit des Hundertjährigen Krieges und zu Gilles de Rais, der tausende von Kindern gefoltert, vergewaltigt und gemordet hat, macht das Buch nicht spannender. Die Handlung dümpelt mehr oder weniger durch die Seiten dahin und erschlägt sich selbst durch die Detailfreude der Erzählerin. Ach ja, den Begriff „Modus operandi“ alle paar Seiten erneut zu benutzen, soll vielleicht intelligent wirken, nervt aber nur.
Kurzum: Eine rundum enttäuschend zähe Lektüre.

Veröffentlicht am 28.11.2019

Herzerwärmend

In der Weihnachtshöhle ist noch Platz
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Wenn ein Cover Aufmerksamkeit weckt, ist schon viel gewonnen. Wunderbar gelungen ist dies bei dem vorliegenden Bilderbuch, denn durch das ausgestanzte Höhlenfenster lugt ein etwas missmutig dreinblickender ...


Wenn ein Cover Aufmerksamkeit weckt, ist schon viel gewonnen. Wunderbar gelungen ist dies bei dem vorliegenden Bilderbuch, denn durch das ausgestanzte Höhlenfenster lugt ein etwas missmutig dreinblickender Bär in die Welt. Viele neugierig-interessierte Waldbewohner harren vor dem Fenster der Dinge, die da kommen, während Mäuschen mit seinen winzigen Fäustchen an die Höhlentür klopft… Und schon heißt es „vorlesen, vorlesen“!
Während die Waldbewohner voller Vorfreude auf Heiligabend im Wald herumwuseln und dicke Schneeflocken auf die Welt fallen, brummelt Mattes, der grummeligste alte Bär, grantig vor sich hin. Weil er tagaus tagein so mürrisch ist, sitzt er ganz alleine in seiner Höhle. Und Weihnachten ist sowieso nicht sein Ding. Plötzlich klopft es…
Es wird nun eine Geschichte erzählt, wie sie liebenswerter nicht sein könnte. Immer mehr Tiere suchen vor dem Schneesturm Schutz in der Bärenhöhle. Ungefragt machen sie sich in der Höhle breit und verteilen überall Weihnachtsklimbim, egal wie Mattes grummeln und brummeln mag. Als der Biber klopft, erlebt Mattes allerdings eine Überraschung, denn vom Biber erhält er ganz uneigennützig ein Geschenk. Der Biber will auch gleich wieder gehen. Da geht Mattes das Herz auf, und er bittet den Biber zu sich in die Höhle.
So ist das mit Gastfreundschaft, die man nicht ungefragt ausnutzen sollte. Als der vom Biber überbrachte Weihnachtsbaum die Höhle so richtig warm erleuchtet, verstehen dies auch die anderen Gäste, bedanken sich bei Mattes und feiern schließlich mit ihm zusammen voller Freude den Heiligabend. Denn Mattes ist halt doch ein Bär mit einem ganz großen Herzen, wenn auch erst auf den zweiten Blick.
Die aussagestarken Zeichnungen von Nikolai Renger untermalen das Erzählte mit so viel Witz, Detailfreude und Ausdrucksstärke, dass nicht nur die Kleinen das Bilderbuch immer und immer wieder anschauen mögen.
Ein rundum gelungenes, herzerwärmendes Weihnachtsbuch!

Veröffentlicht am 25.11.2019

"... denn zusammen kann man sich viel mehr freuen"

Onno & Ontje (Bd. 4)
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Ein Buch aus dem Coppenrath Verlag in der Hand zu halten, ist für mich jedes Mal eine besondere Freude. Denn immer begegne ich besonderen Ideen, die in aller Sorgfalt ausgeführt sind. Auch beim vorliegenden ...


Ein Buch aus dem Coppenrath Verlag in der Hand zu halten, ist für mich jedes Mal eine besondere Freude. Denn immer begegne ich besonderen Ideen, die in aller Sorgfalt ausgeführt sind. Auch beim vorliegenden Bilderbuch beginnt die Freude schon bei der weihnachtlichen Haptik: Das Cover ist stellenweise mit Glitzerstaub versetzt, der nicht abgeht! Und nicht nur das Cover überrascht.
Es war meine erste Begegnung mit Onno und Ontje, und mein allererster Eindruck war, dass ich direkte Nachbarn von Findus und Petterson kennen lerne. In sehr ähnlicher Manier begegnen uns die Hauptpersonen und allerlei Kleingetier, das in seinen eigenen Geschichten durch das Bilderbuch hindurchwuselt. Doch Onno ist ein alter Fischer und Ontje ein kleiner Otter. Deshalb bewegen wir uns am Meer, sitzen auch im Winter im Strandkorb und trinken gefrorenen Tee. Ontje, der Otter, ist noch klein. Und das bringt Olga, Onnos Frau, auf die Idee, in diesem Jahr Weihnachten so richtig schön zu feiern, mit Kerzen, mit einem Festessen und vielen Geschenken. Ontje ist begeistert und will dazu viele Freunde einladen, nicht nur Ganslieb, die Gans, und Zieglinde, die Ziege, sondern auch die Robben und die Möwen und die Seesterne und… und … Wie ein ganz schlimmer Schneesturm letztlich dazu führt, dass Ontje tatsächlich sein glücklichstes Weihnachtsfest erlebt – das müsst ihr unbedingt selber lesen und schauen!
Eine zauberhafte Geschichte wird von Thomas Springer hier erzählt. Kindliche Ungeduld begegnet der Gelassenheit des Alters. Kreative Ideen machen auch scheinbar Unmögliches möglich. Und der wahre Zauber von Weihnachten liegt im liebevollen Miteinander. Ganz einfach eigentlich, und doch wird es so leicht vergessen. Alexandra Langenbeck illustriert die Erlebnisse von Onno und Ontje so lebendig, so aussagestark, so detailfreudig, so ideenreich, dass man sich gar nicht sattsehen kann und immer und immer wieder mit einem Schmunzeln Neues entdeckt.
Kurzum: Ein Weihnachtsbuch für die Kleinen, wie es sinnvoller und schöner nicht sein könnte.

Veröffentlicht am 24.11.2019

Nett erzählt, aber langweilig

Verhängnisvolle Provence
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Da ich die Vorgänger-Bände nicht kenne, waren mir die Protagonisten und deren Vorgeschichten neu, was ich beim Lesen jedoch nicht als Nachteil empfand. Die Autorin räumt dem Privatleben der Kommissarin ...

Da ich die Vorgänger-Bände nicht kenne, waren mir die Protagonisten und deren Vorgeschichten neu, was ich beim Lesen jedoch nicht als Nachteil empfand. Die Autorin räumt dem Privatleben der Kommissarin Hannah Richter sehr breiten Raum ein. So wurde sie mir schnell vertraut, ob ich wollte oder nicht.
Den Inhalt kann man kurz fassen: Ein in Köln erschossener Franzose, tätig für ein französisches Kosmetikunternehmen, ist Auslöser für die Ermittlungstätigkeit in der Provence durch Hannah und parallel dazu durch ihren Kollegen Michael in Köln. Eine weitere Leiche in der Provence lässt die Gefährlichkeit der geldgierigen Kosmetikkonzerne erahnen.
Der vorliegende Kriminalroman hat Stärken und Schwächen. Seine Stärken sind eindeutig die schön ausgearbeiteten Schilderungen und stimmungsvollen Beschreibungen von Landschaften, Ambiente, Menschen und Situationen. Außerdem haben mir gut gefallen die sorgfältig recherchierten Hintergründe, was Naturkosmetik und deren mögliche Tricks in der Zusammensetzung betrifft. Weiterführende Informationen zum Thema findet man im Anhang des Buches. Der Kampf zwischen David und Goliath in der Kosmetikbranche wird ausführlich dargelegt und lässt den Leser durchaus kritischer gegenüber vollmundiger Werbung werden. Doch ist das für einen Kriminalroman genug? Der Autorin gelingt es nicht, den Leser ernsthaft zu fesseln. Zwar lässt sich die Geschichte einigermaßen kurzweilig lesen, doch Spannung entwickelt sich zu keiner Zeit. Im Gegenteil: Streckenweise habe ich mich herzhaft gelangweilt, insbesondere beim Breittreten all des privaten und oftmals belanglosen „Gedöns“. Schwer genervt haben mich außerdem die ständigen französischen Einschübe. Wozu sollen die gut sein? Um französisches Flair zu vermitteln? Da würde es genügen, gelegentlich mal ein Wort einfließen zu lassen, aber nicht jede wörtliche Rede mit französischen Ausdrücken zu würzen. Glaubt die Autorin tatsächlich, man würde ständig im Glossar nachschauen wollen? Genauso unangenehm habe ich den Berliner Slang des Vorgesetzten empfunden. Was so aufgesetzt wirkt, verfehlt jegliche Wirkung.
Kurzum: Ein nett erzählter Roman mit vorhersehbarer Handlung, leider ohne jegliche Spannung.