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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2020

Kitschig und unrealistisch

Die Weisheit des Regenbogens
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Hübsch aufgemacht ist das Büchlein, keine Frage. Deshalb habe ich lange überlegt, wem ich das Buch schenken oder gar empfehlen würde. Vielleicht jungen Mädchen, tierlieb und romantisch veranlagt?

Das ...


Hübsch aufgemacht ist das Büchlein, keine Frage. Deshalb habe ich lange überlegt, wem ich das Buch schenken oder gar empfehlen würde. Vielleicht jungen Mädchen, tierlieb und romantisch veranlagt?

Das junge Mädchen Malin und ihre Hündin Ava sind ein eingeschworenes Team, Sina, die Mutter, hat als Alleinverdienerin wenig Zeit für ihre Tochter. Ein tragischer Unfall verändert von jetzt auf gleich alles. Malin und Ava sind schwer verletzt, Malin ist traumatisiert und lässt niemanden mehr an sich heran. An der Nordsee begegnet Sina dem Hundeflüsterer Bent, der über die Hunde einen Zugang findet zu Malin. Sina fühlt sich sehr zu ihm hingezogen, doch Bent ist gefangen in seiner eigenen tief versteckten Trauer.

Die Inhaltsangabe lässt erahnen, dass wir es mit einer gefühlsschweren Geschichte zu tun haben. Verletzte Menschen finden zueinander und dadurch zu sich selbst oder vielleicht auch andersherum? Sensible Hunde kommunizieren nonverbal und bewirken Wunderbares. Und über allem liegen die Farben des Regenbogens und schlichte „Weisheiten“ des Herzens. Wer das Büchlein einfach nur so auf sich wirken lässt und nichts tiefer hinterfragt, mag berührt sein von der Lektüre. Für mich war die Geschichte nur völlig unrealistisch und süßlich-kitschig.

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Veröffentlicht am 25.05.2020

Ein Roman wie eine Matroschka

flüchtig
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Die außerordentliche Musikalität des Hubert von Goisern ist mir genau vor einem Vierteljahrhundert aufgefallen. Kein Wunder, dass ich in seinem Romandebüt nun alles wiederfinde, was schon damals meine ...

Die außerordentliche Musikalität des Hubert von Goisern ist mir genau vor einem Vierteljahrhundert aufgefallen. Kein Wunder, dass ich in seinem Romandebüt nun alles wiederfinde, was schon damals meine „Heiligtümer“ waren. Die Koloraturkunst von Edita Gruberova zum Beispiel, Dvoraks Sinfonie Aus der neuen Welt oder André Heller, dessen Liederlyrik ich so sehr liebte. So vieles und noch viel mehr steckt in diesem Roman, jenseits der eigentlichen Handlung.

Maria und Herwig sind fast dreißig Jahre verheiratet. Sie haben sich in jeweils ihrem eigenen Leben arrangiert, ohne spürbares Interesse aneinander. Als Maria jedoch von einem Tag auf den anderen ohne jegliche Erklärung verschwindet und unauffindbar bleibt, kommt Bewegung in Herwig. Es beginnt eine Reise quer durch Europa bis nach Griechenland, hin zu flüchtigen Begegnungen mit Menschen, mit flüchtigen Gedanken über sich selbst und das Leben und flüchtigen Gefühlen der Sehnsucht und Erfüllung.

Dieser Roman ist reich und vielschichtig wie eine Matroschka. Manchmal verliert sich der Autor regelrecht im Erzählen von Geschichten, die weitere Geschichten enthalten, im Berichten von vergangenen Leben von vergangenen Menschen. Manchmal treibt der Erzähler mit seinen Geschichten so weit ab vom chronologischen roten Faden, als wäre Maria schon längst verloren gegangen. Und wenige Seiten später landet der Autor wieder im zeitgerechten Erzählstrang, und Marie übernimmt wieder weiter ihre Rolle, nüchtern, kühl, wissbegierig, mit tief versteckten Sehnsüchten. Man muss sich als Leser genauso treiben lassen wie der Autor, dann entwickelt das Buch seinen ganz besonderen Reiz. Wurde schon einmal so differenziert die Inbetriebnahme eines Plattenspielers beschrieben und das geradezu zeremonielle Hören einer Vinylplatte mit seinem mystischen Zauber des Klanges? Wurde schon einmal so atmosphärisch dicht, so sehnsuchtsvoll in seiner lichtdurchfluteten Einfachheit das ursprüngliche touristenferne Griechenland beschrieben? Und wo findet man eine Heiligengeschichte genauso neben politischen Stellungnahmen und spitzen Randbemerkungen? Ein kluges, ein vielschichtig durchkomponiertes, ein poetisches Buch. Ein Buch zum Wiederlesen.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Klug in Szene gesetzter Thriller

Sühne
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Eine Zufallsentdeckung war für mich diese Neuerscheinung. Der Autor war mir bislang unbekannt gewesen, ich war überrascht, wie viele Titel der ziemlich finster dreinblickende Autor, von Beruf Chirurg, ...


Eine Zufallsentdeckung war für mich diese Neuerscheinung. Der Autor war mir bislang unbekannt gewesen, ich war überrascht, wie viele Titel der ziemlich finster dreinblickende Autor, von Beruf Chirurg, bereits geschrieben hatte. Vielleicht ist das vorliegende Buch nicht unbedingt ein reißerischer Thriller. Er hat auch viele ruhige Elemente, fast wie in einem Krimi, aber dennoch niemals langweilig, immer durchsetzt von unterschwelliger Spannung, die sich zum Ende hin noch erheblich steigert. Wohltuend übrigens die sehr augen- und lesefreundliche Schriftgröße!

Frank Linden, Besitzer eines Pharmaunternehmens, ist todkrank. Er möchte vor seinem Tod noch hochbrisante Informationen veröffentlichen und heuert dazu einen Journalisten an. Doch als Linden dem Journalisten das Material übergeben will, werden beide hinterrücks erschossen. Michael Sander, Freund des Journalisten, gelangt in den Besitz des Geheimmaterials und beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Seine Frau, Kommissarin Lene Jensen, soll ganz offiziell die Morde an Linden und dem Journalisten aufklären und stößt dabei im Umfeld des Pharmaunternehmens auf Ungeheuerliches im Bereich der Insulin-Mafia. Doch nicht nur sie, auch Michael Sander gerät in tödliche Gefahr.

Steffen Jacobsen schreibt mit wohltuend viel Fachwissen. Das spürt man in allen Sequenzen, in denen es um Details zur Entwicklung von wirksamen Medikamenten geht. Und er schreibt mit großem politischem Engagement, was speziell in den tagebuchartigen Einträgen von Thomas Schmitz aus Äthiopien sehr eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. Und Steffen Jacobsen erzählt gekonnt kurzweilig, temporeich die spannende Handlung vorantreibend. Aus verschiedenen Blickwinkeln, aus verschiedenen Puzzleteilen setzen sich mehr und mehr die erschreckenden Machenschaften der Pharma-Industrie zusammen. Mich hat der virtuose Schreibstil des Autors fasziniert, wie er zum Beispiel die malerische Schilderung eines Ambientes vornimmt, schön, geschmackvoll, um dann völlig unerwartet in dieses wohltuende Bild weitere Bilder hineinzuschmuggeln, grausame Bilder, verstörende… Zwar konnte ich nicht jedes Verhalten der Protagonisten nachvollziehen, insbesondere nicht das viele Schweigen, das viele Unausgesprochene in der Beziehung zwischen Lene und Michael, aber dennoch hatte ich insgesamt viel Sympathie für die beiden und bangte entsprechend voller Spannung um ihr Überleben. Mir gefiel besonders, dass viel Raum eingeräumt wird den psychologisch vielschichtigen Interaktionen der Menschen untereinander, belauernd, anziehend, misstrauisch, hasserfüllt, hingerissen, kämpferisch und nur selten wahrhaftig, echt. Ein Autor mit viel Feingefühl, wie mir scheint. Eine echte Entdeckung auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 22.05.2020

Zu viele geschwätzige Oberflächlichkeiten

City of Girls
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Vermutlich gefällt Vielen dieses Buch. Vermutlich bin ich schlichtweg zu alt, um an diesem Buch Gefallen zu finden. Je länger ich las, desto mehr ging mir das Buch auf die Nerven. Worum geht es?

New ...


Vermutlich gefällt Vielen dieses Buch. Vermutlich bin ich schlichtweg zu alt, um an diesem Buch Gefallen zu finden. Je länger ich las, desto mehr ging mir das Buch auf die Nerven. Worum geht es?

New York, Vierziger Jahre. Der Krieg grollt nur ganz in der Ferne. Vivian, 19, wird von ihrer begüterten Familie aus der Provinz zu ihrer exzentrischen Tante Peg nach New York geschickt. Diese leitet ein heruntergekommenes Theater, und Vivian lernt ein völlig anderes Leben kennen im täglichen Umgang mit den Revuegirls. In Bars herumhängen, Alkohol im Übermaß, zwischendrin mal eine Entjungferung, Musicals, Gangster und Sex, wann immer es sich bietet. Bis ein verhängnisvoller Fehler Vivians Welt auf den Kopf stellt. Halt findet Vivian schließlich an ihrer Freundin Marjorie, mit der zusammen sie ein feines Schneideratelier eröffnet und Brautkleider näht. Abends geht es weiter mit Spaß und Partys.

Vivian berichtet als alte Frau in Ich-Form rückblickend aus ihrer Lebensgeschichte, und zwar einem jüngeren Gegenüber, dessen Identität erst zum Schluss offenbart wird . Insofern ist die Geschichte geschickt eingebettet zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist auch durchaus spritzig und humorvoll erzählt, keine Frage, mit oftmals bildhaften Beschreibungen, zum Beispiel wenn vornehme Damen geschildert werden mit „Profilen wie italienische Windspiele“. Aber sonst? Oberflächlichkeiten und Nichtigkeiten in Hülle und Fülle, Glamour und Chaos, Sucht nach Vergnügen, nirgendwo ein Funken von Ernsthaftigkeit, dazu eine extrem naive Protagonistin, und dies alles in einer unendlich geschwätzigen Erzählweise breit getreten. Mir ist einfach nicht klar geworden, warum dieses Buch ein „gefeierter Bestseller“ sein soll. Tut mir leid.

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Veröffentlicht am 21.05.2020

Gute Unterhaltung mit fehlendem Tiefgang

Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung
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Corina Bomann lese ich gerne zur Entspannung. Jedes Mal habe ich das Gefühl, mich auf einem Theatersessel bequem niederzulassen, mit Aufschlagen des Buches den Vorhang aufgehen zu lassen und mich wegtragen ...


Corina Bomann lese ich gerne zur Entspannung. Jedes Mal habe ich das Gefühl, mich auf einem Theatersessel bequem niederzulassen, mit Aufschlagen des Buches den Vorhang aufgehen zu lassen und mich wegtragen zu lassen von den Szenen, die Corina Bomann entstehen lässt.

Mit „Sophias Hoffnung“ befinden wir uns im Berlin der späten Zwanziger Jahre. Sophia, die zwanzigjährige Ich-Erzählerin, steht völlig unerwartet vor dem Nichts. Vom Vater verstoßen, vom verheirateten Geliebten mit dem ungeborenen Kind allein gelassen, reist sie völlig verzweifelt nach Paris zu einer Freundin. Dort begegnet sie der großen Helena Rubinstein, die ihr eine Anstellung in ihrem Schönheits-Imperium anbietet. So reist Sophia voller neuer Hoffnung nach New York…

Dieser Auftaktband einer Trilogie lässt sich gut und flüssig lesen, wie immer bei dieser Autorin. Sie schreibt lebendig, lässt die jeweiligen Geschehnisse farbig und kurzweilig sich entwickeln. Obwohl ich von reiner Unterhaltungsliteratur ausgegangen bin, blieb mir leider doch nach Beendigung der Lektüre ein Gefühl der Enttäuschung zurück. Wo war in diesem Buch die erwartete Faszination für Kosmetik? Wo blieben die atmosphärisch tiefer ausgestalteten historischen Verknüpfungen? Wo bleibt der Glamour der Zwanziger Jahre? Und wo, vor allen Dingen, ist eine psychologische Weiterentwicklung der Hauptperson zu erkennen? Es werden Szenen aneinandergereiht, in denen Sophia immer wieder kämpfen muss, dabei aber für mein Empfinden stets auf dem gleichen Niveau naiv bleibt. Kurzum, ein wenig mehr Tiefe hätte ich mir gewünscht, auch wenn ich mich gut unterhalten fühlte.

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