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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2022

Kein Buch für mich

Die Cellistin
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Vielleicht war es nicht klug, mit dem 21. Band in eine Roman-Reihe einzusteigen. Vielleicht weckte der Buchtitel in mir als klassischem Musikfan falsche Erwartungen. Vielleicht war es mir zu viel, sogar ...


Vielleicht war es nicht klug, mit dem 21. Band in eine Roman-Reihe einzusteigen. Vielleicht weckte der Buchtitel in mir als klassischem Musikfan falsche Erwartungen. Vielleicht war es mir zu viel, sogar in einem Agenten-Thriller mit Corona konfrontiert zu werden. Vielleicht war es auch einfach das falsche Buch für Außentemperaturen von 35° und mehr.
Jedenfalls las ich das Buch irgendwie nur halbherzig, eher pflichtbewusst. Und ich fühlte mich überfordert, denn trotz sofort angelegter Personen-Listen war ich teilweise verwirrt, wer wer ist. Aber auch die Fülle der oberflächlich angerissenen Themen ließ mich beim Lesen in die Beliebigkeit abschweifen, und zwar so sehr, dass mir der rote Faden verloren ging, um den Romaninhalt im Nachhinein logisch und folgerichtig nachzuvollziehen oder gar darzustellen.
Der Autor kann schreiben, er kann spannend schreiben – und dennoch las ich den Thriller nicht gern. Was an mir liegen mag (siehe oben). Oder an diesem dicken Bündel an Themen, unter dem ich mich geradezu erdrückt fühlte. „Ein Thriller voller Energie, Scharfsinn und grandiosem Timing“ wird da auf der Rückseite des Buches gejubelt. Mir dagegen fehlte es an ausreichend Energie, um mich mit all den negativen Themen des Thrillers auseinanderzusetzen, denn die Wirklichkeit überholt derzeit wohl jeden erdachten Agententhriller, in dem Russland so oder so eine wesentliche Rolle spielt.

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Veröffentlicht am 21.07.2022

Geniale Mischung von kritischer Intelligenz und unterhaltsamem Humor

Richter morden besser
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Selten habe ich bei der Lektüre eines Romans, der von Cover und Titel her eher wie ein Krimi wirkt, so viel geschmunzelt und aufgelacht wie bei diesem Erstling von Thorsten Schleif. Für mich ist dieser ...


Selten habe ich bei der Lektüre eines Romans, der von Cover und Titel her eher wie ein Krimi wirkt, so viel geschmunzelt und aufgelacht wie bei diesem Erstling von Thorsten Schleif. Für mich ist dieser Autor eine freudige Entdeckung.

Siggi Buckmann ist schon lange Jahre Richter. Der jugendlichen Begeisterung, in diesem Beruf die Welt etwas gerechter zu machen, ist gleichmütige Routine, Dienst nach Vorschrift und Wahrung der Bürokratie gewichen. Als jedoch der obdachlose Junkie, der der Justiz seit vielen Jahren wohlbekannte Fredi Diepenberg, zu Tode kommt und keiner für dessen Tod verantwortlich sein möchte, wacht Siggi auf und beginnt, das vertraute Justizsystem zu hinterfragen. Es gibt Lücken, und die könnte man nutzen…

Der Debütroman von Thorsten Schleif ist eine geniale Mischung von Justiz-Schelte und wachsend spannender und sehr unterhaltsamer, krimi-naher Handlung. Diese mutige Kombination wird in sarkastisch-scharfzüngiger Erzählweise, verbunden mit überaus komischen Momenten, dargeboten. Seine Figuren zeichnet der Autor karikaturartig trefflich präzise, ebenso seine Dialoge. Ein Buch, das zu lesen rundum Spaß bereitet. Der Autor ist seit 2007 Richter. Er weiß also genau, wovon er schreibt. Und weil er so punktgenau die Finger in die Justizsystem-Wunden legt, macht man sich durchaus ein paar sorgenvolle Gedanken um die berufliche Zukunft des Autors Doch Kater Grisu, stets unbekleidet, wird zur rechten Zeit Rat wissen…

Fazit: Ein wunderbar unterhaltsamer, geistreich-intelligenter, gleichermaßen bissiger und urkomischer Roman, den ich wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.07.2022

Eiskalter, authentisch erzählter Bergsteiger-Thriller

Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod
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Einen besseren Zeitpunkt zur Lektüre dieses Thrillers hätte ich kaum finden können. Extreme Hitzetage, die nach Abkühlung verlangen. Und dieses Bergsteigerdrama schafft Gänsehautmomente. Eisige Kälte ...


Einen besseren Zeitpunkt zur Lektüre dieses Thrillers hätte ich kaum finden können. Extreme Hitzetage, die nach Abkühlung verlangen. Und dieses Bergsteigerdrama schafft Gänsehautmomente. Eisige Kälte birgt Lebensgefahr, aber auch ein gefährlicher Mörder.Trotz der Hitze um mich herum war mir oftmals kalt, sehr kalt…

Cecily, eine ehrgeizige Journalistin, setzt alles daran, ein Interview mit dem berühmten Bergsteiger Charles McVeigh führen zu dürfen. Seine Bedingung: Cecily muss mit ihm erfolgreich den Achttausender Manaslu besteigen. Erst danach bekommt sie das Interview, das ihrer Karriere größten Erfolg bringen wird. Doch Cecily hat nicht nur mit ihren eigenen Unsicherheiten und ihrer bergsteigerischen Unerfahrenheit zu kämpfen. Denn bereits im Basislager kommt es zu einem tödlichen Unfall. Ein Zettel an Cecilys Zelt schafft weitere Zweifel. „Ein Mörder ist am Berg. Bring dich in Sicherheit.“ Doch Cecily überwindet sich und steigt weiter und weiter auf, bis in die Höhen der Todeszone, wo nicht nur der Berg Lebensgefahr birgt…

Zwar habe ich nicht die geringste Ahnung vom Klettern oder Bergsteigen, geschweige denn von den unfassbaren Anforderungen, die das Besteigen eines Achttausenders den Mutigen, oder soll ich sagen den Besessenen, abfordert. Doch die Tatsache, dass die Autorin selbst den Manaslu mit 8.163 m Höhe in Nepal bestiegen hat, und nicht nur den, sondern auch den Aconcagua, den höchsten Berg Amerikas mit knapp 7.000 m Höhe, ließ mich den Thriller viel intensiver lesen als einen x-beliebigen erdachten Reißer. Die überaus authentisch geschilderten Anforderungen an Körper und Geist bei solch einem Aufstieg schildert die Autorin hinreißend intensiv, insbesondere die Tatsache, dass der mögliche Tod der stete Begleiter ist. Dass Amy McCulloch die Todesgefahr durch einen Mörder am Berg noch intensiviert, gibt der Lektüre eine zusätzliche Würze, allerdings auch mitunter ein paar unrealistische Momente. Doch insgesamt war ich dem fesselnd-spannenden Thriller und der fantastischen Bergwelt völlig verfallen und konnte das Buch nicht mehr weglegen.

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Veröffentlicht am 13.07.2022

Eine gewitzte schriftstellerische Komposition

Diabolischer Engel
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Die Autorin hatte ich durch ihren spannend-geistreichen Kriminalroman „Tannenglühen“ kennen und schätzen gelernt. Entsprechend neugierig war ich auf das vorliegende Buch, den dritten Band rund um die ...


Die Autorin hatte ich durch ihren spannend-geistreichen Kriminalroman „Tannenglühen“ kennen und schätzen gelernt. Entsprechend neugierig war ich auf das vorliegende Buch, den dritten Band rund um die junge Juristin Agnes Feder. Da ich die Vorgängerbände nicht kannte, war ich einigermaßen überrascht von dem, was die Autorin geschickt einen „Spannungsroman“ nennt. Denn sie hat fröhlich und ungeniert Krimi-Elemente des „Whodunit“ mit geistvollen Elementen der Esoterik und buddhistischen Meditation gemixt. Dazu verband sie Schilderungen der Gruppendynamik mit mentalen, visionären Fähigkeiten und mystisch Zeichen gebenden Zeitebenenwechseln. Nicht zu vergessenen das Aufflammen einer bereits abgelegt geglaubten Liebe. Ich muss gestehen, für mich war es zu viel von allem, wobei ich nach wie vor mit größter Achtung die Schreibkunst der Autorin betonen möchte.

Der Inhalt in Kurzform angedeutet: Agnes Feder befindet sich zu einem Meditationsseminar in einem Seminarhotel, als ein heftiges Unwetter die Seminarteilnehmer von der Umwelt abschneidet. Als ein Gruppenmitglied vor den Augen aller stirbt, wird deutlich, dass sich ein Mörder unter ihnen befinden muss. Ein weiteres Seminarmitglied verschwindet, und zwischen den Gruppenmitgliedern wachsen Misstrauen und Eifersüchteleien. Agnes dagegen verliert sich immer wieder in visionär-mystische Traumwelten, die ihr indirekt Hilfen anbieten.

Zwar bin ich absolut kein Freund von der Kombination verschiedener Genres in einem einzigen Roman, aber dennoch überzeugte mich die spannende und bildhaft-intensive Schreibweise der Autorin. Ein geschickt gewählter Plot und eine vielschichtig und klug umgesetzte Erzählweise, dazu ein sich bis zum fulminanten Ende aufbauender Spannungsbogen lassen das Buch zum sehr unterhaltsamen Leseerlebnis werden. Dass ich mit den Protagonisten und ihren Interaktionen nicht ganz zu recht kam, liegt vermutlich an meiner Unkenntnis der Vorgängerbände und der sich darin jeweils individuell abzeichnenden Entwicklungswege. Die gewitzte und intelligente Komposition des Buches insgesamt fand ich jedoch sehr gelungen.

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Veröffentlicht am 12.07.2022

Wenn es an allem mangelt

Beifang
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Dieser kleine große Roman hat in mir dauerhafte Spuren hinterlassen Und wegen dieser Spuren wünsche ich inständig, dass das Buch gelesen wird, von vielen gelesen wird. Gerade weil wir geneigt sind, bereits ...


Dieser kleine große Roman hat in mir dauerhafte Spuren hinterlassen Und wegen dieser Spuren wünsche ich inständig, dass das Buch gelesen wird, von vielen gelesen wird. Gerade weil wir geneigt sind, bereits heftig zu jammern, wenn nicht ausreichend Salatöl in den Regalen des Supermarktes steht. Der im Roman beschriebene Mangel ist ein so viel größerer, umfassenderer, über die Generationen hinweg lebensbestimmender, als man es sich vorstellen kann.

Frank Zimmermann, der Erzähler, sagt von sich selbst, er sei unfähig, ein normales Leben zu führen. Er sieht seinen eigenen Sohn nur zweimal im Jahr und seine Geliebte alle paar Wochen. Wenn er aus dem Fenster schaut, blickt er auf eine weiße Feuerschutzwand. Ein unregelmäßiger Job finanziert Miete und Nahrung. Ein Leben ohne Lebendigkeit. Als er erfährt, dass sein Elternhaus verkauft wird, gerät Frank in Bewegung. Er macht sich, überrascht von sich selbst, auf die Spurensuche. Denn der Vater sagte immer nur: „Ich erinnere mich nicht.“ Dessen Vater, der Großvater von Frank, lebte in den Nachkriegsjahren in einer Zechenhaushälfte am Rande des Ruhrgebiets. Als Hilfsarbeiter und zwölffacher Vater verlief sein Leben in unvorstellbarer Armut. Man klaute aus den Abfalleimern der Nachbarn Zeitungspapier, um die Säuglinge damit zu wickeln. In der Enge entwickelten sich prächtig Schläge, Hunger und Streit. Brutalität, sowohl körperlich als auch seelisch, war Alltag. Um einen besseren Zugang zum Vater zu bekommen, besucht Frank nach und nach Brüder und Schwestern seines Vaters und erfährt, wie dieses Aufwachsen in Tristesse und Härte in den unterschiedlichen Lebensläufen auf immer Spuren hinterlassen hat. Und wie zwischen einem armen, geradezu armseligen Leben stets ein Stolz hochgehalten wurde, der kein Selbstmitleid erlaubte.

Dem Autor ist es gelungen, mit ganz leichter Feder Schweres und Schwerstes in Worte zu fassen. Stark und eindringlich wirken seine Schilderungen. So manche der erzählten Szenen werde ich wohl nie mehr los. Denn dieser Roman hat mich fassungslos gemacht, fassungslos und bedrückt und nachdenklich. Denn niemand kann etwas für seine Herkunft und trägt dennoch deren Last auf den Schultern, ob er davon weiß oder nicht.

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