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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2022

Urkomisch und ernst-traurig

Die gigantischen Dinge des Lebens
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Der 14-jährige Wilbur ist schüchtern. Sehr schüchtern. Bloß nicht auffallen, am besten unsichtbar sein. Das ist seine Devise. Denn sein Mitschüler Tyler hat Spaß daran, ihn zu verspotten und zu quälen, ...


Der 14-jährige Wilbur ist schüchtern. Sehr schüchtern. Bloß nicht auffallen, am besten unsichtbar sein. Das ist seine Devise. Denn sein Mitschüler Tyler hat Spaß daran, ihn zu verspotten und zu quälen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Da können die beiden Mütter von Wilbur noch so einfühlsam und stärkend auf Wilbur einwirken. Mum und Mup, die beiden Mütter, haben genug eigene Sorgen, denn das Geld ist knapp trotz mehrerer Aushilfsjobs. Da will Wilbur nicht noch mehr Probleme nach Hause bringen. Wie gut, dass es den alten und vereinsamt lebenden Nachbarn Sal (82) gibt, der Wilbur so manch verständnisvolle Unterstützung zukommen lässt. Als die Austauschschülerin Charlie aus Paris bei Wilburs Familie einzieht, wird Wilbur in einen alles in Frage stellenden Gefühlswirrwarr gestürzt. Wie kann sich Wilbur, der Unsichtbare, zu Wilbur, der Coole, verwandeln?

Susin Nielsen hat eine unübertreffliche Gabe, Trauriges und Ernstes in eine flockenleichte Geschichte zu verpacken, die mich tief beeindruckt hat. Die Autorin spielt geradezu virtuos mit Humor und Ernst. Szenen der Situationskomik spielen mit Szenen der Ernsthaftigkeit auf eine solch gekonnte Weise, wie ich es in der Form noch nie gelesen habe. Brüllend komische Situationen transportieren gleichzeitig traurige Gegebenheiten. Und der Leser fällt von einer Sekunde zur anderen vom lauten Auflachen in überflutende Gerührtheit. Die geschilderten Personen sind in ihrer Individualität wunderbar einfühlsam geschildert, liebenswert, tapfer im Lebenskampf und empathisch im Miteinander.
Übrigens: Das originelle Cover erschließt sich nur dem, der das Buch gelesen hat!

Fazit: Eine großartig geschriebene Coming-Age-Geschichte, urkomisch und gleichermaßen ernsthaft. Ich würde das Buch nicht nur Jugendlichen empfehlen, sondern unbedingt auch Erwachsenen, da es gewohnte Denkmuster geschickt über den Haufen wirft.


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Veröffentlicht am 07.02.2022

Ein vielversprechendes Debüt

Fuchsmädchen
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Thriller- und Krimi-Debüts zu entdecken, finde ich immer besonders interessant. Entsprechend neugierig war ich auf das vorliegende Buch. Es handelt sich um einen Thriller, der es mir als Leserin erst einmal ...

Thriller- und Krimi-Debüts zu entdecken, finde ich immer besonders interessant. Entsprechend neugierig war ich auf das vorliegende Buch. Es handelt sich um einen Thriller, der es mir als Leserin erst einmal nicht ganz leicht machte aufgrund des Schreibstils. Erst nach ungefähr einem Drittel fanden wir wirklich zueinander.

In eisiger Kälte wird auf einer Insel vor der Küste Schwedens die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Die Tote ist mit einer unheimlich wirkenden Fuchsmaske ausgestattet. Die Ermittlerin Sanna Berling wohnt in einer Garage und kämpft sich trotz eines erlittenen Traumas durch die Tage. Und sie muss sich bei diesem aktuellen Fall an ihre neue Kollegin Eir Pedersen gewöhnen, die es ihrer Umwelt nicht gerade leicht macht. Wenige Tage später wird eine weitere tote Frau aufgefunden, und wieder gibt es eine Maske in der Wohnung der Toten. Es scheint, als ob ein Serienmörder auf der Insel ein grausames Spiel treibt. Sanna gerät zudem aufgrund ihrer Vergangenheit in einen abgrundtiefen Strudel.

Die Geschichte ist wendungsreich konstruiert und lange Zeit für den Leser nicht wirklich durchschaubar. Dass die Autorin Drehbuchautorin ist, spürt man, wie ich meine. Denn sie erzählt die Geschichte in wirkungsvoll filmisch inszenierten Szenen. Dass sich für mich die Spannung insgesamt dennoch in Grenzen hielt, mag vielleicht am Schreibstil liegen. Einerseits rücken im Präsens erzählte Handlungen dem Leser nahe, andererseits fehlt es dadurch jedoch etwas an wortgewandter Geschmeidigkeit und damit flüssigerer Lesbarkeit. Mir gefällt sehr, dass die Autorin die für mich fremde Landschaft sehr bildhaft, ja geradezu liebevoll skizziert und damit anschaulich macht. Das individuell-eigenwillige Ermittlerinnen-Paar wird psychologisch nachvollziehbar beschrieben, obwohl es mir in den Verhaltensweisen nicht unbedingt sympathisch näher kommt.

Fazit: Ein vielversprechendes Debut mit einem originellen Plot und originellen Protagonisten.

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Veröffentlicht am 06.02.2022

Eindrücklich illustriertes Sach-Bilderbuch für kleine Näschen

Puh, wie stinkst denn du?
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Mein Lieblingsverlag hat ein ungewöhnliches Sach-Bilderbuch für die Kleinen ab 3 Jahre und älter herausgebracht. Ungewöhnlich insofern, als das Thema Gestank, Mief und schlechte Gerüche generell nicht ...


Mein Lieblingsverlag hat ein ungewöhnliches Sach-Bilderbuch für die Kleinen ab 3 Jahre und älter herausgebracht. Ungewöhnlich insofern, als das Thema Gestank, Mief und schlechte Gerüche generell nicht unbedingt in unsere Vorstellung von einer liebevoll-heilen Bilderbuchwelt passen. Doch das Lemuren-Äffchen auf dem Cover schaut uns mit ach so großen Augen an, dass wir gar nicht anders können, als das großformatige Buch zu öffnen.

Wir finden uns wieder in Südamerika, vielleicht in einem Urwald. Hier wohnt Lenny, das Lemuren-Äffchen. Lenny hat ein empfindliches Näschen. Irgendetwas stinkt und stört seinen gemütlichen Mittagsschlaf. Ob das der Tausendfüßler ist? Der versprüht zur Probe etwas von seinem ganz persönlichen Abwehr-Mief, den er einsetzt, wenn er erschreckt wird. Doch Lenny meint einen anderen Gestank, den er in der Nase hat. Und so fragt er eine Reihe von Tieren, wie den Stinkvogel, den Ameisenbär, natürlich auch das Stinktier und weitere Tiere. Alle können tatsächlich einen scheußlichen Gestank von sich geben, aber wenn sie das tun, haben sie auch einen wirklichen Grund dafür. Erst als sich alle Tiere um Lenny versammeln, um ihm zu helfen, dem Mief auf die Spur zu kommen, geht Lenny ein Licht auf… Und dem, der das Buch anschaut, ebenso!

Durch die großformatigen Illustrationen wunderbar eindrücklich in Szene gesetzt erfahren wir mehr von müffelnden Tieren in Südamerika – und vom Menschen. Ein ganz besonderes Sach-Bilderbuch für kleine Näschen…

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Veröffentlicht am 05.02.2022

Herzerwärmendes, hinreißend niedlich illustriertes Familien-Adventsbuch zum Vorlesen

24 Weihnachtswichtel
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Zwar ist Weihnachten vorbei, aber das vorliegende Adventsbuch möchte ich Ihnen dennoch sehr ans Herz legen, denn es hat das Zeug dazu, jedes Jahr wieder die lange Advents-Wartezeit bis Weihnachten zu ...


Zwar ist Weihnachten vorbei, aber das vorliegende Adventsbuch möchte ich Ihnen dennoch sehr ans Herz legen, denn es hat das Zeug dazu, jedes Jahr wieder die lange Advents-Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen. Und es verdient ganz besonders die mich immer wieder begeisternde Aufforderung des Verlages: „Sei lieb zu diesem Buch“, denn es sollte ein langlebiges Familienbuch sein.

Schon das Cover, mit Glimmer bestäubt (der sich übrigens nicht ablöst!), zeigt die feine Ausgestaltung des Buches. Outi Kaden hat allerliebste, hinreißend niedliche Illustrationen dazu geschaffen, durchweg farbenfroh, mit vielen, vielen Details ausgestattet, die es zu entdecken gilt.
Die Geschichten und Gedichte im Buch haben einen roten Faden. Am ersten Dezember lernen wir den Wichtel Pino kennen, der mit weiteren 23 Weihnachtswichteln zusammen wohnt. Jeder dieser Wichtel hat eine andere besondere Fähigkeit, und das ist ganz großartig, weil heute, genau heute am 1. Dezember der Weihnachtsmann körbeweise Wunschzettel anliefert. Die Wichtel haben nun 23 Tage Zeit, all die vielen, vielen Wünsche zu erfüllen. Und so erfahren wir Tag für Tag in kleinen Geschichten und Gedichten immer wieder Neues, von Nicki, von Kalle, von Puck und all den anderen Wichteln. Am 24. Dezember haben sie glücklicherweise alles geschafft und können die Geschenke dem Weihnachtsmann übergeben. Dass sich die Weihnachtswichtel auch noch etwas ganz, ganz Besonderes für den Weihnachtsmann ausgedacht haben und was das ist – ja, das müsst ihr am Weihnachtstag unbedingt selber hören oder lesen!

Fazit: Hinreißend niedliches, zauberhaftes, herzerwärmendes, die Advents-Wartezeit verkürzendes Vorlesebuch, das jedes Jahr wieder einen festen Familienplatz in der Vorweihnachtszeit haben sollte.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Wenn das Lachen im Hals stecken bleibt

Strahlemann
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Der junge Fritz Schaefer, von Beruf 1Live-Moderator, hat ein, wie ich finde, beachtenswertes Buch geschrieben, in dem er in zeitlich beliebiger Folge von Ereignissen aus seiner Kindheit und Jugend berichtet, ...


Der junge Fritz Schaefer, von Beruf 1Live-Moderator, hat ein, wie ich finde, beachtenswertes Buch geschrieben, in dem er in zeitlich beliebiger Folge von Ereignissen aus seiner Kindheit und Jugend berichtet, leider, leider in einer sehr augenfeindlichen Typographie gedruckt.

Ein sehr trefflicher Titel für das Buch wurde gewählt. Denn in der Tat gelingt es Fritz Schaefer durchweg, seine Kindheits- und Jugenderinnerungen so zu erzählen, dass der Leser lächelnd oder mitunter hell auflachend den Erzählungen folgt, obwohl hier eigentlich verstörend-schreckliche Dinge erzählt werden. Ich bewundere die große Kunst des Autors, mit einer unglaublich leichten, ja geradezu lächelnden Feder Schlimmstes zu erzählen und dabei doppelbödig zu offenbaren, wie seine kindliche Überlebensstrategie war und – wie dieses Buch beweist - nach wie vor noch ist.

Als Bruder einer körperlich schwer behinderten Schwester musste er Wege finden, um nicht völlig übersehen zu werden. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter musste er früh Verantwortung übernehmen. Als Kind die meiste Zeit bei den sehr seltsamen und in abgrundtiefer Hassliebe verbundenen Großeltern aufwachsend, gewann er eine sehr schräge Sicht auf Liebe und Zuneigung. Noch selten habe ich so eindrücklich davon gelesen, mit welch immensen Überlebens-Kräften ein Kind ausgestattet wird, wenn es ihm an so vielem fehlt, was für seine Entwicklung notwendig wäre.

Fazit: Ein vordergründig sehr unterhaltsam-heiteres Buch, dessen Hintergrund jedoch so viel Bitteres enthält, dass mir beim Lesen das Lachen oftmals im Hals stecken blieb.

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